Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Pergamentfalter
Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 20 Bewertungen
12
Bewertung vom 10.06.2019
Westwall
Gollhardt, Benedikt

Westwall


ausgezeichnet

Ein gelungenes Debüt, das mich auf ganzer Linie überzeugte!

Die Handlung…
beginnt nach einem spannenden Prolog erst einmal ruhig. Nur langsam und zunächst sehr subtil steigert sich die Spannung, bis man plötzlich mittendrin ist: Verfassungsschutz, rechte Untergrundorganisation, Terrorismus und Gewalt, Reichsbürgertum – was sich wie eine Liste aktueller gesellschaftlicher Themen liest, ist das Spektrum, das Gollhardt zu einer spannenden Handlung verknüpft, dank der ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Zahlreiche Verstrickungen, größtenteils unerwartete Wendungen und Intrigen halten das Spannungslevel durchweg hoch und konnten mich vollends fesseln.

Die Charaktere…
sind eindeutig die tragende Säule dieser Geschichte. Sie alle waren für mich nicht nur rein logisch gut konzipiert, sondern konnten mich auch auf emotionaler Ebene überzeugen. Ob nun Julia, die Haupterzählerin der Geschichte, oder Nick oder Kriminalkommissar Roosen oder eine der andere Figuren: Alle wirkten auf mich wie aus dem Leben gegriffen; als bräuchte ich nur die Augen schließen und wäre mittendrin in diesen gefährlichen Kreisen - ob ich das nun möchte oder nicht.

Bewertung vom 20.02.2019
Der Kuss der Diebin / Heartless Bd.1
Wolf, Sara

Der Kuss der Diebin / Heartless Bd.1


gut

„Heartless. Der Kuss der Diebin“ ist definitiv ein Fantasy-Jugendbuch, das aus der Masse voller eindimensionaler Charaktere und Instant-Liebe heraussticht!

Sehr schnell überzeugte mich die Geschichte mit ihren lebendigen Figuren – allen voran mit den beiden Hauptfiguren Zera und Lucien. Zera, die gleichzeitig die Ich-Erzählerin der Geschichte ist, begeisterte mich vor allem mit ihrer selbstbewussten, nie um einen frechen Spruch verlegenen Art. Ihre innere Zerrissenheit aufgrund des fehlenden Herzens und einer grausamen inneren Stimme bildeten manchmal einen sehr harten Kontrast zu ihrem sonstigen Denken und Verhalten, aber das machte sie für mich als Charakter nur noch interessanter. Außerdem ist sie nicht perfekt! Dass ich das betonen muss, ist eigentlich traurig, aber vor allem Jugendbücher neigen so oft zu (nervig) perfekten Charakteren, dass ich es einfach erwähnen MUSS.
Lucien steht Zera in kaum etwas nach. Auch er hat seine Ecken und Kanten und obgleich er anfangs wie der typische Badboy wirkte, zeigt er im Laufe der Handlung eine tiefere Persönlichkeit mit unterschiedlichen Facetten, die mir sehr gut gefallen hat.

Ebenfalls erfrischend, weil nicht so oft in Jugendbüchern vorhanden: Es gibt keine Instant-Liebe! Stattdessen besticht das Buch mit glaubwürdigen Beziehungen und Entwicklungen, die mir beim Lesen wirklich Spaß machten.

Allerdings: Bei all dem Lob für die Figuren kann die Handlung leider nicht mithalten. Zu oft ist ihr Verlauf vorhersehbar. Zwar unterhielten mich die Charaktere bestens, aber wirkliche Spannung kam leider nicht auf. Zudem blieb mir das Worldbuilding oft zu vage. Von den Herzlosen und Hexen habe ich nur ein grobes Bild bekommen und auch die Welt kann ich mir – von der Hauptstadt und einem Wald mal abgesehen – bislang nicht wirklich vorstellen. Ich hoffe, an diesen Stellen wird der zweite Band stärker.

FAZIT: Interessanter Auftakt mit Schwächen
Obwohl mir die reine Handlung zu vorhersehbar und nicht ganz stimmig ist (siehe Spoiler weiter unten), hat mir „Heartless. Der Kuss der Diebin“ überraschend gut gefallen. Überzeugend sind hier ganz klar die Charaktere – allen voran Zera und Lucien – sowie die Beziehungen, die sie untereinander entwickeln. Ich hoffe dennoch, dass die Folgebände auch auf der Handlungsebene stärker werden.


--- ACHTUNG SPOILER ---

Eines will ich noch erwähnen, weil es mich noch mehr störte, als die vorhersehbare Handlung: Fehlende Logik. Zera soll Luciens Herz stehlen, um den Krieg zu verhindern. Den gleichen Krieg will Lucien verhindern, indem er Erzherzog Gavik aufhält. Warum sucht Zera nie nach Alternativen zu ihrem Auftrag, obwohl sie so mit sich und ihrer Aufgabe hadert? Warum kommt sie z.B. nicht auf die Idee, dass ihr Auftrag längst hinfällig sein könnte und es viel sinnvoller wäre, Lucien zu unterstützen? Ja, wahrscheinlich bekäme sie dann ihr Herz nicht zurück, aber gleichzeitig würde dieses Vorgehen kein neues Konfliktpotenzial im Hinblick auf den drohenden Krieg bieten. Ich glaube nämlich nicht, dass die Menschen ohne Weiteres hinnehmen, dass ihrem Prinzen das Herz gestohlen wird …

Bewertung vom 04.12.2018
Nanos - Sie bestimmen, was du denkst / Malek Wutkowski Bd.1
Leibig, Timo

Nanos - Sie bestimmen, was du denkst / Malek Wutkowski Bd.1


gut

In "Nanos - Sie bestimmen, was du denkst" hat Timo Leibig eine unheimliche Zukunftsvision kreiert, die erschreckend überzeugend daherkommt. Der blinde Gehorsam derjenigen, die von Nanoteilchen beeinflusst werden, der unbedingte Wille, Resistente der Obrigkeit zu melden, und die Furcht der Resistenten, entdeckt zu werden, erinnerte mich ein wenig an Orwells "1984". Wo Orwell jedoch die psychologische Ebene eines solchen Szenarios in den Vordergrund stellte, ist Leibigs Geschichte eine actionreiche Handlungsabfolge, die den einzelnen Persönlichkeiten wenig Raum gibt zu wirken. Damit bleiben die Charaktere - allen voran die Hauptfiguren Malek und Maria - seltsam blass und oberflächlich. Hier hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht.
Nichtsdestotrotz verfolgte ich die Handlung gern und war durchweg interessiert an ihrer Entwicklung. Richtige Hochspannung fand ich hier zwar nicht, aber dank der unterschiedlichen Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird, und einiger unerwarteter Wendungen fühlte ich mich durchweg gut unterhalten.

FAZIT
Ein unterhaltsamer Thriller für zwischendurch, der mir zu oft zu oberflächlich und auf die bloße Handlung konzentriert blieb. Mehr Psychologie und Tiefgang hätte mir besser gefallen - aber vielleicht kommt das im zweiten Band?

Bewertung vom 27.08.2018
Dark Lake
Bailey, Sarah

Dark Lake


weniger gut

Rosalind Ryan – die hübsche und schlaue Unnahbare, die schon in der Schule niemand richtig einschätzen konnte. Als Lehrerin in Smithson war sie beliebt bei den Kollegen und Schülern. Nun ist sie tot. Als Gemma und ihr Partner die Ermittlungen aufnehmen, merken sie schnell, dass noch immer niemand Rose wirklich kannte. Die Ermittlungen sind dadurch – trotz realistischer Darstellung – ziemlich zäh und wenig spannend.

Leider steht der Fall auch nicht so sehr im Mittelpunkt, wie ich es mir bei einem Thriller (oder eher Krimi – Thriller würde ich „Dark Lake“ nicht nennen) wünsche. Stattdessen nimmt Gemmas Liebesleben ziemlich viel Platz ein. Sie ist verheiratet und hat eine Affäre mit ihrem Kollegen, die zunehmend Gemmas Gedanken bestimmt. Statt sich auf den Fall zu konzentrieren, denkt sie fast nur an ihre Affäre, was schnell furchtbar nervig war.

Zudem ist Gemma ziemlich dem Alkohol zugeneigt und trinkt täglich. Gesund schien mir ihr Konsum nicht. Leider wird er in keinster Weise reflektiert.

Insgesamt zeigte Gemma für mich zu oft das Klischee vom trinkenden, (fast) nur an Sex denkenden Ermittler. Davon, dass sie die herrschenden Vorurteile gegenüber Frauen im Polizeidienst bekämpfen wollte, wie zu Beginn der Geschichte anklang, merkte ich nichts.

Neben dem Haupterzählstrang gibt es immer wieder Rückblicke in Gemmas Vergangenheit, die sich irgendwie auf die Gegenwart auswirkt. Wie genau, das klärt sich erst am Ende und entlädt sich in einem hastigen, aber überraschenden Schluss. War die Handlung zuvor zu zäh, um spannend zu sein, war sie an der Stelle zu übereilt, was leider auch nicht besser war.

FAZIT
Positiv? Realistische Ermittlerarbeit und ein überraschendes Finale. Leider ändert das angesichts einer zähen Handlung, wenig Spannung und einer eher nervigen denn überzeugenden Protagonistin wenig.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.06.2018
Nicht ein Wort
Parks, Brad

Nicht ein Wort


gut

"Nicht ein Wort" beginnt mit einem kleinen Rückblick auf den Moment, als die SMS von "Alison" bei Scott eingeht, bis hin zur Erkenntnis, dass die Kinder entführt wurden. Die friedlichen Stunden dazwischen, die Scott im Rückblick beschreibt, wecken bereits früh ein beklemmendes Gefühl, das ich als ständigen Begleiter für die nächsten knapp 500 Seiten erwartete. Leider täuschte der erste Eindruck.

Die Geschichte legt einen Fokus auf die psychologischen Auswirkungen der Entführung auf die Eltern. Ständige Sorge, Schlaflosigkeit, Schuldzuweisungen, gleichzeitig Tatendrang und das Bedürfnis, Normalität zu erhalten - diese Darstellung konnte mich überzeugen. Spannung fehlte jedoch immer wieder. Die Geschichte kam einfach nicht in Fahrt: kurze spannende Absätze wurden von Längen abgelöst, die zwar einerseits die Machtlosigkeit der Eltern widerspiegelten, die aber oft zu eintönig waren. Erst auf den letzten knapp 80 Seiten wurde die Spannung dann durchgehend gehalten. Die Auflösung der Geschichte überraschte mich dann definitiv.

Neben den Längen störte mich, dass die Geschichte teilweise einfach unglaubwürdig war. Das eingängigste Beispiel dafür ist das Verhalten der Leiterin der Schule, die die Zwillinge besuchen. Obwohl deutlich gemacht wird, dass anders als angenommen nicht Alison die Kinder abgeholt hat, stellt sie keine Fragen und erkundigt sich auch nicht nach dem Befinden der Kinder. Es weckt nicht einmal Misstrauen, dass die Kinder nach dem Vorfall erst "krank" sind und dann "Privatunterricht" erhalten!

Positiver war dagegen der Schreibstil, der sich angenehm lesen ließ. Die gesamte Geschichte weckt den Anschein eines Berichts, den Scott nach den Ereignissen geschrieben hat. Entsprechend ist die hauptsächliche Zeitform die Vergangenheit, einige wenige Stellen, die Dinge beschreiben, die "immer so sind", sind dagegen in Präsens geschrieben. So weit, so gut.
Spitzfindige Leser werden jedoch merken, dass auch das bisherige Verhalten der Zwillinge in diesem "Bericht" in Präsens geschrieben ist. Das kann als Irreführung des Lesers oder schlicht als allgemeine Information betrachtet werden; leider aber auch als (möglicherweise ungewollter) Hinweis auf den Ausgang der Geschichte.

FAZIT
"Nicht ein Wort" hat gute Ansätze, bleibt in der Umsetzung aber hinter den Erwartungen zurück.

Bewertung vom 22.03.2018
Das Böse, es bleibt
D'Andrea, Luca

Das Böse, es bleibt


gut

Kalt und prägnant – das ist Luca D‘Andreas neuer Thriller „Das Böse, es bleibt“. Prägnant, das ist zum einen sein Schreibstil, der durch kurze Sätze und eine klare Wortwahl besticht. Zum anderen ist es die klare Gestaltung der Charaktere – alle mit Stärken, Schwächen und persönlichen Schicksalen. Die Kälte zieht sich allein ob des Settings, einem Winter in den südtiroler Bergen, durch das Buch und taucht dann auch noch bei manchem Charakter als emotionale Kälte auf.

Das Buch gliedert sich in eine Vielzahl v.a. kurzer Szenen aus wechselnden Perspektiven – ein Kunstgriff, der in meinen Augen sonst die Spannung steigert. Hier konnte mich die Geschichte jedoch nicht richtig packen. Sie ist spannend, keine Frage, aber nicht so fesselnd, wie ich es von einem Thriller erwartet habe.

Zum einen lag das an den Figuren, die zwar interessant gestaltet waren, mich aber einfach nicht mitreißen konnten. Als Beispiel seien nur einmal der namenlose Mörder und der Eremit Simon herausgegriffen, die beide stark polarisieren können. Bei Charakteren wie ihnen will ich Gänsehaut, Kälte oder einen Hauch des Wahnsinns spüren, der sie umgibt. Doch nichts dergleichen. Es blieb bei einem einfachen „Okay“.

Zum anderen lag es an der Atmosphäre, die mir einfach nicht das passende "Feeling" vermittelte. Ich hatte mit einer düster-kalten Bergwelt gerechnet, doch hinter den im Fokus stehenden Handlungen und Gedanken der Figuren trat die Umwelt zurück. Was blieb, waren kurze Erwähnungen, wie etwas aussieht oder sich anfühlt. Zu kurz, um eine fesselnde Atmosphäre zu erzeugen. Darüber hinaus konnte der prägnante Schreibstil zwar sehr gut die Kälte widerspiegeln, für eine richtige Atmosphäre fehlten mir allerdings längere, weniger prägnant-kurze Beschreibungen. Auch hier blieb es wieder nur beim „Okay“.

FAZIT
Interessante Idee, interessantes Setting, interessante Figuren. Kurz: gute Ansätze. Mir haperte es letztlich jedoch an der Umsetzung, die mir einfach nicht spannend und atmosphärisch genug war. „Das Böse, es bleibt“ war eine gute Unterhaltung, aber nichts Herausragendes, das mir länger in Erinnerung bleiben wird.

Bewertung vom 22.12.2017
Angstmörder / Nicholas Meller Bd.1
Stassen, Lorenz

Angstmörder / Nicholas Meller Bd.1


weniger gut

Zu Beginn ein Wort zum Genre: „Angstmörder“ ist für mich eher ein Krimi, denn für einen Thriller habe ich die typische Hochspannung vermisst.

Die Handlung wird einerseits aus der Ich-Perspektive von Nicholas Meller und andererseits von einem personalen Erzähler geschildert, der von dem Geschehen rund um den Mörder und seine Opfer berichtet.
Spannung konnte dabei nur gegen Ende ein wenig aufkommen. Abgesehen davon plätscherte die Geschichte eher dahin und ich war mehrfach versucht, das Buch abzubrechen. Das lag zum Einen daran, dass für mich zu wenig passierte. Ein bisschen Ermittlungsarbeit, ein paar Streitereien, ein paar Einblicke in die Leben der Figuren. Viel mehr nicht.
Zum anderen lag es für mich am sachlichen Schreibstil des Autor. Er gibt der gesamten Geschichte den Charakter einer Berichterstattung denn eines Buches, das zum Eintauchen einlädt.
Insgesamt war mir diese Geschichte zu offensichtlich konstruiert. Normalerweise kann ich zwischendurch vergessen, dass eine Handlung konstruiert ist, weil sie einfach überzeugt. Hier gelang das leider nicht.

Die Hauptfiguren sind insgesamt schlüssig dargestellt und haben mir weitestgehend gut gefallen. Positiv hervorheben will ich, dass hier endlich mal eine Person mit einer Behinderung zur Hauptfigur eines Krimis wird. Kann es gern öfter geben!
Schade, dass Meller seine anfängliche Ablehnung später nicht weiter reflektiert. Dabei hätte das bsp. im Kontext der Ansichten seiner russischen Bekannten zu Menschen mit Behinderungen gut gepasst. Ansonsten haben mir der entspannte Umgang mit Ninas Behinderung und die Darstellung der Irritationen, die sie mitunter hervorruft, gut gefallen.

[SPOILER!]

Ganz ohne Spoiler geht es dieses Mal nicht, denn um zu beschreiben, warum mich das Buch nicht wirklich überzeugen konnte, fehlen noch drei Punkte.
So tauscht sich eine der Nebenfiguren, Christine Thalbach, mehrfach und dabei z.T. sehr persönlich mit einem Polizisten aus. Ich weiß nicht, ob ich durch meine bisher gelesenen Krimis und Thriller einfach schon sensibilisiert bin, aber ich fand diesen Polizisten und sein Verhalten einfach unglaubwürdig und konnte überhaupt nicht verstehen, warum Christine ihm vertraut.
Mein zweiter Punkt ist die Liebesgeschichte zwischen Meller und Nina, zu der ich einfach nur eine Frage habe: Warum?! Sie war so plötzlich da, dass sie auf mich nur konstruiert wirkte. Zudem hinterließ sie am Ende den faden Nachgeschmack, nur da gewesen zu sein, um einen Aufhänger für das Finale bzw. Mellers Erpressung zu haben.
Zu guter Letzt die Szene nach der Schießerei am Ende: Meller hat keinen Waffenschein. Trotzdem taucht er mit einer Waffe zu dem Gespräch auf. Punkt eins: Das schreit nach Konstruktion! Meller hatte nie eine Waffe, hat auch nie den Wunsch danach geäußert und nun in der Szene hat er doch rein zufällig eine dabei, wo er ohne sie aufgeschmissen gewesen wäre. Ist klar.
Punkt zwei: Nachdem er geschossen hat, springt er sofort wieder als Anwalt ein. Bin nur ich der Meinung, dass das nicht funktionieren wird? Er bringt ohne Waffenschein eine Pistole mit zu einem Treffen und erschießt jemanden. Für mich kann diese Szene nur schwer als Notwehr abgehandelt werden und wird wohl juristische Folgen haben. Sicher, das tangiert dann nicht mehr die Handlung des Buches, aber diese Szene war für mich einfach nur unsinnig.

[SPOILER ENDE.]

FAZIT
"Angstmörder" ist mehr ein Krimi als ein Thriller und selbst dafür beinahe zu unaufgeregt. Spannung kommt kaum auf und mehrfach ist die Handlung zu offensichtlich konstruiert. Da kann auch die gute Darstellung der Charaktere nicht mehr viel retten.

Bewertung vom 23.08.2017
Die Moortochter
Dionne, Karen

Die Moortochter


gut

"Die Moortochter" wird aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Helena Pelletier erzählt. Die Handlung ist zweigeteilt: Ein Handlungsstrang beschäftigt sich mit den Ereignissen der Gegenwart vom ruhigen Familienleben hin zur Verfolgungsjagd. Letztere ist dabei nicht so adrenalingeladen und rasant, wie man vermuten könnte. Vielmehr lag der Fokus auf Helenas Gedanken, die immer wieder zu ihrer Vergangenheit und der ambivalenten Beziehung zu ihrem Vater abschweiften.
Der zweite Handlungsstrang ist ein Blick in die Vergangenheit selbst und in Helenas Entwicklung. Sie schildern eindrücklich, wie Helena im Moor aufwuchs und wie sich die Beziehung zu ihrem Vater entwickelte. Dieser Teil half mir erheblich dabei, Helenas Gedanken und Handlungen in der Gegenwart besser zu verstehen.
Die Rückblicke sind insgesamt wie persönliche Berichte gestaltet und richten sich direkt an den Leser, was mir die Protagonistin noch einmal näher brachte. Mit dem Wissen um den eigentlichen Adressaten dieser Rückblicke, der am Ende genannt wird, macht diese Ansprache jedoch für mich keinen wirklichen Sinn.
So richtig packen konnte mich dieser Psychothriller leider nicht. Statt den Fokus auf den Gefängnisausbruch und die Verfolgung zu legen, liegt er auf Helenas Entwicklung und der Beziehung zu ihrem Vater. Das ist zwar an sich interessant, provozierte letztlich aber auch die eine oder andere Länge. Zudem kamen dadurch die Nebenfiguren recht kurz und blieben eher farblos.
Stilistisch konnte "Die Moortochter" mit einem lebendigen, angenehmen Sprachstil aufwarten. Insbesondere in den Rückblicken findet sich eine Fülle an detailreichen Beschreibungen der Moorlandschaft, die mir ein genaues Bild der überraschend vielfältigen Umgebung ermöglichten. Ein bisschen weniger Natur und mehr Handlung wäre an einigen Stellen jedoch wünschenswert gewesen.

FAZIT
"Die Moortochter" ist kein typischer Psychothriller mit rasanter, packender Handlung. Vielmehr hatte ich hier das Gefühl, eine Charakterstudie vor mir zu haben, die sich mehr mit der Person "Helena Pelletier" und ihrer Geschichte auseinandersetzte und weniger mit dem Gefängnisausbruch und der Jagd nach ihrem Vater. Diesem Zwiespalt sind dann auch einige Schwächen geschuldet, die dem Buch letztlich drei Pergamentfalter einbringen.

Bewertung vom 11.06.2017
Murder Park
Winner, Jonas

Murder Park


ausgezeichnet

Spannend - Fesselnd - Überraschend

1997 markierten drei Morde des Serienkillers Jeff Bohner das Ende des Freizeitparks "Zodiac Island" vor der Ostküste der USA. 2017 soll die Insel zu einem neuen Vergnügungspark werden: Murder Park. Ein Park im Stil von Krimidinnern oder Krimireisen, an einem echten Tatort, mit echten Kriminalfällen als historischem Hintergrund. Noch vor der offziellen Eröffnung des Parks gelangt Paul Greenblatt im Rahmen einer Pressereise für drei Tage auf die Insel. Mit elf weiteren Personen soll er als einer der ersten das Konzept kennenlernen. Dann beginnen die Morde und mit einem Mal ist niemand auf der Insel mehr sicher. Ist der Mörder einer von ihnen?

Schon auf dem Cover könnte Zodiac Island so friedlich wirken: umgeben von ruhigem Wasser, eine kleine Insel, typische Freizeitpark-Fahrgeschäfte ... Aber schon der erste Eindruck rief in mir die Skepsis wach. Die invertierten Farben verleihen der Szenerie etwas Düsteres, Unheimliches ... Geisterhaftes. Wie eine Nachtszene, die kurzzeitig von einem Blitz erhellt wird - bevor das eben noch unsichtbare Monster zuschlägt.
Das Cover ist definitiv bereits ein Blickfang, aber wird das Buch dem ersten Eindruck gerecht?
Die Handlung beginnt mit einer etwas fragwürdigen Interview-Sequenz. Sie ist eine von mehreren, die immer wieder die Handlung ergänzen und ihren Verlauf unterbrechen. Jeder Teilnehmer der Pressereise musste sich im Vorfeld mit dem Psychiater Sheldon Lazarus unterhalten, der das Projekt begleitet und sich bereits 1997 so intensiv mit Jeff Bohner befasste wie kaum ein anderer. Diese Sequenzen sind es, die nach und nach die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Teilnehmer beleuchten und es mir ermöglichten zu hinterfragen, wie viel professionelles Interesse und wie viel dahinter versteckter Eigennutz für jeden Teilnehmer im Besuch der Insel liegen.
Im ersten Kapitel lernte ich dann den 24-jährigen Kriminalblogger Paul Greenblatt kennen, den Protagonisten der Handlung. 1997, als der Serienkiller Jeff Bohner auf Zodiac Island sein Unwesen trieb, war auch Paul zuletzt auf der Insel und kam dem Mörder dabei so nah wie sonst fast nur die Opfer. Die Begegnung hat sein Leben verändert, aber trotzdem versucht er möglichst objektiv, aber mit einer gewissen Grundskepsis, den neuen "Murder Park" kennenzulernen.
Nachdem ich die erste Skepsis, hauptsächlich wegen des Parkkonzepts, überwunden hatte, wurde Paul für mich ein überzeugender, sympathischer "Reisebegleiter", der immer wieder meine Gedanken zu teilen schien. Seine Parts sind größtenteils in dritter Person, Vergangenheit, geschrieben, wechseln stellenweise jedoch auch spontan ins Präsens und wirken damit wie eine Art verlangsamte, besonders intensive Momentaufnahme.
In der Mischung zwischen Reisegeschehen, ersten Morden und Interview-Ausschnitten steigt sehr schnell die Spannung. Die wachsende Anspannung zwischen den Figuren und die omnipräsente Frage nach der Identität des Mörders sind regelrecht greifbar und forderten mich zum Miträtseln und Mitfiebern auf. Vermutungen erwiesen sich immer wieder als Sackgassen. Zwischenzeitlich zweifelte ich an allem, selbst an Paul, den ich doch eigentlich die ganze Zeit über begleitet hatte. Im Verlauf der Handlung schien irgendwann nichts mehr sicher, niemand mehr vertrauenerweckend - und als ich endlich (!) glaubte, der Wahrheit auf der Spur zu sein, ließ Jonas Winner eine regelrechte Bombe platzen, die noch einmal alles veränderte, alles von Neuem in Frage stellte und klar machte: Hier, auf Zodiac Island, im Murder Park, ist nichts, wie es scheint. Die Gefahr kann überall lauern.

Fazit: Der erste Eindruck bestätigt sich. "Murder Park" ist ein gelungener Thriller, der seine Bezeichnung mehr als verdient. Überzeugende Charaktere, ein packender Erzählstil und eine Handlung, bei der man einfach mitfiebern muss, machen dieses Buch für mich zu einem neuen Highlight im Thriller-Bereich!

Bewertung vom 02.06.2017
Sie sind da / Die Brut Bd.1
Boone, Ezekiel

Sie sind da / Die Brut Bd.1


sehr gut

In Peru verschwindet eine Wandergruppe. In China explodiert eine Atombombe. In Washington erhält die Biologin Melanie Guyer einen uralten Kokon. In Indien reagieren die Seismographen, aber das Erdbeben bleibt aus. Und ein Flugzeugabsturz in Minneapolis ruft die höchsten Behörden und sogar die Präsidentin auf den Plan. Die Ereignisse scheinen zufällig zur gleichen Zeit zu passieren, doch sie hängen alle zusammen. Mit etwas schier Unglaublichem. Denn die "Brut" lässt sich nicht mehr aufhalten.

Mit "Die Brut - Sie sind da" legt Ezekiel Boone den ersten Band seiner neuen Thriller-Trilogie mit Hang zum Horror vor. Optisch ist das Buch schon mal ein echter Hingucker: Neben dem genretypisch dunklen Cover punktet es mit einem leuchtend roten ("blutigen") Buchschnitt.
Dass es sich hierbei nicht um einen Einzelband handelt, sollte man von vornherein im Hinterkopf behalten, um nicht enttäuscht zu werden. Schnell wird deutlich, dass die Handlung nicht auf eine rasche Lösung ausgerichtet ist. Vielmehr nimmt sich Boone in diesem ersten Band viel Zeit, um die Ankunft der "Brut" und ihre Auswirkungen zu beschreiben. Dabei beschränkt er sich keineswegs auf einen Ort und eine Handvoll Figuren. Die Handlung gliedert sich in zahlreiche Handlungsstränge - für meinen Geschmack fast zu viele. Jeder einzelne widmet sich den unterschiedlichen Charakteren an unterschiedlichsten Orten auf der ganzen Welt. Nur wenige sind dabei tatsächlich auserwählt, das Ende des ersten Bandes lebend zu erreichen. Welche das sind, verschleiert Boone sehr gut, sodass ich mir als Leser nie sicher sein konnte, was als nächstes passiert und wen die "Brut" erwischt. Auch die Hauptcharaktere kristallisier(t)en sich dadurch nur langsam
Die Geschichte wird in überwiegend kurzen Kapiteln erzählt, die häufig mit einem Cliffhanger enden, bevor an einen anderen Handlungsort gesprungen wird. Dadurch wird sehr schnell Spannung aufgebaut, die sich im Verlauf der Handlung langsam steigert. Häufig funktionieren die Kapitel frei nach dem Prinzip "Fressen oder gefressen werden" - was theoretisch mit der Zeit nervig wird und mich bei einem Einzelband garantiert genervt hätte. In "Die Brut - Sie sind da" schärft sich auf diese Weise allerdings der Blick für die Gefahr, die die "Brut" weltweit darstellt.
Dennoch kam ich mir manches Mal vor wie in einem klischeehaften amerikanischen Actionfilm: Viel Geballer (auch auf Insekten), regelmäßige Flüche und meist eher flache Charaktere. Stellenweise (insbesondere zu Beginn) wurde ich das Gefühl nicht los, die Charaktere würden sich nur über ihr Sexleben definieren. Mit der Zeit kamen dann zwar auch ein paar andere Aspekte hinzu, aber insgesamt blieben mir die Charaktere (insbesondere die Hauptfiguren) zu blass. Einen Zugang zu ihnen konnte ich, wenn überhaupt, nur ansatzweise finden.

Fazit: Spannend-schauriger, zum Teil fast schon klischeehaft-amerikanischer Horror-Thriller. Leider blieben die Charaktere zu farblos - vielleicht, weil es einfach zu viele waren. Damit und mit dem finalen Cliffhanger hat "Die Brut" Potential nach oben und für Band 2.

12