Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Insel
Danksagungen: 4 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 112 Bewertungen
Bewertung vom 27.05.2021
Schwarzwälder Morde / Schwarzwald-Krimi Bd.2
Graze, Linda

Schwarzwälder Morde / Schwarzwald-Krimi Bd.2


sehr gut

In Bad Wildbad scheinen die Uhren sehr langsam zu ticken und die Mitarbeiter des Polizeipostens haben nicht viel zu tun, so dass der Fund einer Moorleiche sie in Bewegung versetzt so wie sie es mit dem Schnapsbrenner Willi Hauck zu tun bekommen, der bezichtigt wird über seine Grundstückgrenzen hinaus hinausgebaut zu haben. Im unmittelbaren Umfeld gibt es durchgestochene Reifen und einen Schuss auf einen Notar. Wie hängt alles zusammen?

Der Krimi ließ sich leicht und locker lesen, überall kam der schwäbische Einschlag durch, was überaus charmant war und auch für mich als Nichtschwaben zu verstehen. Gefallen hat mir, dass der Krimi in der Gegenwart und in der Vergangenheit 1869 als die gefundene Moorleiche zu Tode kam. Die Protagonisten wirken - und zwar mekwürdigerweise ausschließlich die Männer wie die Kommissare Scholz und Schmälzle oder der Schnapsbrenner Hauckwirken trotz ihrer Besonderheiten wie Kleidungsstil, Benehmen oder Veganertum - eher "leblos", dagegen wirken die Frauen in der Geschichte, ob es die Polizeiassistentin, die Putzfrau ( der heimliche Star der Story), Claudia, die Ehefrau von Schmälze, oder Nicole, die Ehefrau von Hauck ,äußerst "lebendig" und sie kann ich mir gut vorstellen.

Die Ermittlungen kamen mir teilweise sehr dilettantisch vor, gingen schleppend voran, dann wiederherum gab es fundierte wissenschaftlliche Erkenntnisse, die erwähnt werden, was mir sehr gefiel. Mit dem Ende konnte ich mich nicht anfreunden, da es mir zu offen war, aber das ist bekanntlich auch Geschmackssache. Das im Buch enthaltene Rezept für die vegane Schwarzwälderkirschtorte werde ich auf jeden Fall ausprobieren.

Insgesamt 3,5 Sterne aufgerundet vierSterne!

Bewertung vom 12.05.2021
Der Morgen davor und das Leben danach
Napolitano, Ann

Der Morgen davor und das Leben danach


ausgezeichnet

Ein Roman, der mir Tränen in die Augen trieb und mich an anderen Stellen zum Schmunzeln brachte
In dem ihrem Roman " Der Morgen davor und das Leben danach" erzählt die Autorin von dem Tag des Absturzes eines Flugzeuges, bei dem nur ein zwölfjähriger Junge überlebt und wie das Leben danach für ihn und die Hinterbliebenen weitergeht.

Erwartet hatte ich, dass der Junge Eddie im Mittelpunkt der Geschichte steht, das ist auch in gewisser Weise so, aber die anderen Menschen - einige Passagiere oder die Besatzung - sowie die Angehörigen nehmen auch einen großen Teil der Story ein. Genau dies, was auf den ersten Blick vielleicht gewöhnungsbedürftig ist, Während die Autorin sehr detailliert immer wieder Bruchstücke von den Passagieren und der Crew am Tag des Absturz erzählt bzw. was sie gerade machen und denken, läuft parallel dazu das Leben von Eddie bei seiner Tante und Onkel sowie den Angehörigen weiter.

Weil ich als Leser das Vorwissen habe, dass nur Eddie überleben wird, bekommen die beschriebenen Szenen der Menschen im Flugzeug eine ganz andere Aussagekraft. Gedanken über gesunde Ernährung, die Liebe, den weiteren Tag.....

In der Gegenwart, die die nächsten Jahre schildert, wird schnell klar, dass nicht nur Eddie ein Trauma erlitten hat und ins Leben zurückfinden muss/möchte. Unterstützung bekommt er von der gleichaltrigen Nachbarstochter Shay, mit der er sich anfreundet. Während die Tante und der Onkel auch mit der neuen Situation zurechtkommen müssen und ihr Bestes geben - jeder auf seine Art - haben sie zusätzlich auch noch mit den vorher bestandenen Problemen zu tun.

Auch die Angehörigen der Toten des Flugzeugs melden sich zu Wort, was die Autorin auf geradezu geniale Weise gelöst hat.

Lasst Euch überraschen! Das Buch hat mir persönlich sehr gut gefallen und ich konnte mich in viele Personen des Buches hineinfinden. Es ließ mich nachdenklich werden über den Augenblick des Lebens - jede Sekunde auszukosten- und auch der Tatsache, dass es verschiedene Arten gibt mit Schicksalsschlägen umzugehen.

Die Autorin schafft es auf grandiose Art und Weise dem Roman ein hoffnungsvolles und optimistisches Ende zu geben, wobei ich nicht den Ausblick in die Zukunft in 10 Jahrne meine.

Verdiente fünf Sterne *****

Bewertung vom 09.05.2021
Eponas Erbe / Das Rätsel des Pferdeamuletts Bd.3
Müller, Karin

Eponas Erbe / Das Rätsel des Pferdeamuletts Bd.3


sehr gut

Nachdem der Hof von Godjes Schwester vom Dunklen zerstört wurde und sie im Koma liegt, begibt sich Godje auf die Suche nach Rhianna, der dritten Schwester, denn nur sie kann mit der Macht ihres Amuletts helfen.

"Eponas Erbe" ist der dritte Teil von der Reihe "Das Rätsel des Pferdeamuletts" und ich hatte als Quereinsteiger manchmal das Gefühl das mir zwar kein Vorwissen, denn die Autorin lässt Infos diesbezüglich einfließen jedoch der persönliche emotionale Zugang fehlten, da ich noch keine Bindung zu den Protagonisten aus der Reihe hatte.

Die Geschichte wird mit vielen schnellen Wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt, sowie sie viele mystische und magische Elemente enthält, wobei in mir sogleich Assoziationen zu Harry Potter bezüglich "der Dunkle", Amulett, Ring, Stab,etc. hochkamen. .Wer Pferde, Mythologie und Magie, sowie spannende Unterhaltung mag, der sollte die Reihe lesen.

Vier Sterne

Bewertung vom 30.04.2021
Jaffa Road
Speck, Daniel

Jaffa Road


ausgezeichnet

Anspruchsvoller Roman
Ein alter Mann stirbt in Palermo und anlässlich seines Todes werden vom Nachlassverwalter drei Menschen benachrichtigt. Nina als Enkelin, Joelle als Tochter und Elias, sein Sohn. Alle entstammen aus drei unterschiedlichen Familien des Mannes und haben ihn zu unterschiedlichen Zeiten kennengelernt bzw. gar nicht kennengelernt. Wer war dieser Mann wirklich?

Stück für Stück bröselt der Autor die Lebensgeschichte des Mannes und seiner "Familien" auf. Ich bin ganz tief abgetaucht in diese Geschichte, die zeitlich in mitten des zweiten Weltkrieges und der Judenverfolgung beginnt, den entstehenden Konflikt der Israelis mit den Palästinensern thematisiert und wie auch heute noch der Konflikt gepaart mit Terror in unsere Gegenwart reicht. Die Darstellung und Dimenson dieser Thematik ist sehr tiefgründig und gut recherchiert sowie sehr anspruchsvoll. Die Verknüpfung mit dem Leben der einzelnen Figuren trägt die Schwere des Themas einerseits, gibt der Story einen roten Faden und den Verknüpfungspunkt in Form des alten Mannes, der sich mal Moritz dann Maurice nennt, andererseits bekomme ich dadurch dass die Figuren Namen und eine eigene Geschichte, Vergangenheit , Träume, Glauben und Identität haben auch wiederherum einen noch intensiveren Zugang.

Ein sehr anspruchsvoller 'Roman, der mir einen ganz anderen Blick auf Familie im Allgemeinen, aber auch die Brisanz, wie Terror aufgrund unterschiedlicher Auffassungen entsteht, vor Augen führte.

Fünf Sterne für ein Buch, was mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben hat.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.04.2021
Meine große Freiheit
Brunk, Maike

Meine große Freiheit


sehr gut

Hamburg - wie es nicht jeder kennt!
In "Meine große Freiheit" erzählt die Autorin Maike Brunk ihre eigene persönliche Lebensgeschichte, insbesondere wie sie Reiseführerin im Hamburger Hafen wurde. Sie springt dafür zwischen Erlebnissen ihrer Kindheit/ Jugend und der früheren Vergangenheit sowie der aktuellen Gegenwart hin und her. Es ist kein geradlinieger Lebensweg und genau diese Umbrüche machen ihre Geschichte zu etwas Besonderem. Das Cover ist sehr gut gewählt, denn genau so kann ich mir die Autorin an ihrem Lieblingsplatz gut vorstellen.

Dieses Buch ist in meinen Augen eine Mischung aus Biographie und Reiseführer. Es war sehr unterhaltsam zu lesen, weil das Geschriebene sehr authentisch wirkt und zuzüglich mir ungeheure große Lust auf Hamburg gemacht hat. Zu gerne würde ich eine der Bille-Touren mitmachen, die sie erwähnt. Nachdem das Buch mit der Corona Krise endet und nun die Einnahmen wegfallen, wünsche ich der Autorin sehr, dass sie eine Chance hat ihre Leidenschaft, denn dies ist ihre jetzige Tätigkeit als Reiseführerin , wieder ausleben zu dürfen. Ich habe auf jeden Fall sehr große Lust bekommen bei ihr eine Führung/Fahrt zu buchen. Also hoffentlich bis bald!

Vier Sterne****

Bewertung vom 17.04.2021
Der ehemalige Sohn
Filipenko, Sasha

Der ehemalige Sohn


ausgezeichnet

Das Leben in Belarus

Die Geschichte erzählt von Franzisk genannt Zisk - 16 Jahre jung - der auf ein Lyzeum mit dem Schwerpunkt Musik in Belarus geht und bei seiner Großmutter aufwächst. Während einer Massenpanik verunfallt er und liegt ein Jahrzehnt im Koma im Krankenhaus.

Der Autor Sasha Filipenko erzählt zunächst mit dem Augenmerk auf Zisk, auf wenigen Seiten, wie das Leben des Teenager sich gestaltet und welche Träume seine Großmutter für ihn hat, sowie er ein Einblicke in die politische und gesellschaftliche Situation des Landes gibt. Nach dem Unfall, sprich in dem nächsten Jahrzehnt -spielt die Großmutter die Hauptrolle, die sehr willenstark und voller Optimismus ist, das ihr Enkel, den quasi alle aufgegeben haben, wieder aufwacht. Sie umsorgt ihn fast rund um die Uhr im Krankenhaus, versucht alles um ihn wieder aufzuwecken und lässt ihn überhaupt am Leben teilhaben. Schockiert erfahre ich nicht nur immer mehr über ihr Leben, sondern auch über die politische Situation. neben der Großmutter spielt auch Freund Stassek, der Als er erwacht, nimmt die Geschichte noch mal an Fahrt auf und wird noch komplexer, kritischer und schonungsloser. Das offene Ende ließ mich sehr nachdenklich zurück.

Der Autor hat wahre Begebenheiten in seinen Roman eingeflochten, die auch im Anhang, den man als Leser besser als erstes zum besseren Verständnis lesen sollte, dargestellt werden. Mit seinem Roman hat der Autor den Nerv getroffen, so dass auch die Staatsmacht auf ihn aufmerksam geworden ist und sein Werk in seiner Heimat nur unter der Ladentheke verkauft wird.

Fünf Sterne!

Bewertung vom 14.04.2021
Weiter Himmel / Jackson Brodie Bd.5
Atkinson, Kate

Weiter Himmel / Jackson Brodie Bd.5


gut

Worum geht es in der Geschichte? Allein dies ist schon schwierig für mich zu beschreiben. In dieser Geschichte geht es einerseits um Jackson Brodie, der von seiner Frau getrennt lebt und Vater eines pubertierenden Jungen namens Nathan ist. Er ist nachdem er seine Tätigkeit als Polizist aufgegeben hat, als Privatdetektiv tätig. Andererseits geht es drei Männer, die zusammen Golf spielen und ihre Familien, sowie ihr Leben. Nach und nach kommt ganz vieles unter den Fassaden der Männer und anderer Personen, die in der Geschichte auch noch eine Rolle spielen, zum Vorschein.

Ich habe mich sehr schwer getan mit der Geschichte, die auf dem Buchrücken als ein Meisterwerk des Kriminalromans von der Sunset Times bezeichnet wird.

Ich hatte zunächst auf den ersten ca. 150 Seiten keine Ahnung, was in der Geschichte passieren könnte, Danach nahm die Story ein wenig an Tempo auf und ich bekam eine Vorstellung davon, was die drei Männer noch machen. Kurz vor Ende kommt es zum Showdown. Zwischendurch erzählt die Autorin puzzleteilartig Situationen oder Erinnerungen einzelner Figuren. Sie erwähnt viele Kleinigkeiten und "verstrickt" sich manchmal - in Belanglosigkeiten. Manche der Rückblenden bzw. der Erinnerungen trugen zu meiner zusätzlichen Irritation bei, denn ich hatte manchmal auch den Eindruck das mir etwas aus der Vergangenheit fehlte.Ich habe gerade mal gegoogelt und herausgefunden, das es sich um kein einzelnes Buch sondern um eine Reihe handelt, also fehlt mir wohl wirklich Vorwissen.

Als ich das Buch nun beendet habe, bleiben für mich viele Fragen offen, obwohl die Autorin einen Ausblick auf die Zukunft der Protagonisten gibt, die es für mich nicht gebraucht hätte.

Meine Erwartungen an das Buch sind leider nicht erfüllt worden, denn aufgrund der Flut an Informationen und Erzählsträngen, ging die eigentliche Geschichte fast unter.

Bewertung vom 23.03.2021
Leuchtturmträume
Janz, Tanja

Leuchtturmträume


ausgezeichnet

Wunderschön erzählte Geschichte über Trauer, Liebe und Neubeginn in St. Peter-Ording

Annekes ganzes Leben wurde vor vier Jahren auf den Kopf gestellt und nun reist sie nicht mehr als Übersetzerin auf einem Kreuzschiff durch die Welt, sondern ist als Hoteltesterin tätig. Während ihres Jobs, bei sie dem in St. Peter-Ording die romantischsten Orte ausfindig machen soll, trifft sie unvermittelt auf Raik, von dem sich vor vier Jahren getrennt hat.

Die Autorin lässt mich durch Anneke das besondere Nordseefeeling und die romantischsten Ecken, Angeboten (Bernsteinmassage, Yoga, Reiten...) nebst leckerem Essen in St. Peter-Ording mit allen Sinnen wahrnehmen. Ich habe das Gefühl live vor Ort zu sein und in den Momenten, wo mir das immer wieder klar wird, verspüre ich solche Sehnsucht dorthin zu reisen und benutze gedanklich dieses Buch als Reiseführer. Nun aber zurück zu Anneke, die Schritt für Schritt erkennt, dass sie wieder glücklich werden kann. Nicht nur Raik bemüht sich sehr um sie und zudem trifft sie auf viele andere sympathische Menschen, die ihr unbewusst helfen.

Die Autorin Tanja Janz hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, mit diesem Roman, der zeigte, dass man trotz Traurigkeit immer auch die schönen Seiten im Leben soll.

Fünf Sterne ***** von mir!

Bewertung vom 12.03.2021
Von allem nur das Beste / Wunderfrauen-Trilogie Bd.2
Schuster, Stephanie

Von allem nur das Beste / Wunderfrauen-Trilogie Bd.2


ausgezeichnet

Mich hat der Roman sofort in seinen Bann gezogen, obwohl ich leider den ersten Teil der Trilogie nicht gelesen habe. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen vier Frauen, die völlig unterschiedlich leben und miteinander befreundet, bekannt bzw verwandt sind. Annabel ist mit Konstantin, dem Arzt einer Klinik verheiratet, hat einen Teenagersohn und bekommt ihr zweites Kind, was ihr Leben völlig verändern wird. Louise ist ebensfalls verheiratet, Muterr einer Tochter im Grundschulalter und führt alleine ihren Tante Emma Laden. Marie ist verheiratet mit einem Bauern, vier kleine Kinder nebst älterer Tante und Schwager mit Handycap und sie managt quasi alles - zudem arbeitet ihr Mann hauptberuflich nicht auf dem Hof, da dieser sie nicht ernähren könnte. Helga, die vierte im Bunde, ist alleinerziehende Mutter eines Sohnes im Grundschulalter und fängt gerade ihre neue Stelle als Ärztin an der Klinik von Annabels Mann an.

Alle vier Frauen haben ihre Probleme mit der Familie, Partnerschaft oder im Job. Als sie einander wieder durch Zufälle näher komme, geben sie sich gegenseitig Kraft und Hilfe - jede auf ihre Art. die Autorin springt zwischen den einzelnen Frauen hin und her, so dass ich immer unbedingt weiterlesen wollte. Der Zeitgeist der 60ziger Jahre schwebt über allem und so erfahre ich nicht nur etwas über die politische und wirtschaftliche Lage, sondern auch über das Zeitgefühl, den Wünschen der Frauen in der damaligen Zeit bzw. ihren jeweiligen Alltag. der zweite Weltkrieg ist zwar vorbei, aber die Folgen sind noch spürbar. Begeistert haben mich die Einträge aus Luises Ladenbüchlein, die unverfälscht Situationen beschreibt, Koch bzw. Backrezepte auflistet, wieviel Geld sie erwirtschaftet, etc. Helga setzt sich beruflich stark für Verhütung ein und leistet gewissermaßen in ihrem Rahmen "Pionierarbeit". Hier wird ganz deutlich wie sehr die Frauen von ihren Männern abhängig sind.

Die Autorin reisst viele brisante Themen an - manchmal, so gebe ich zu - hätte ich diese gerne vertieft gehabt, aber das hätte sehr wahrscheinlich den Umfang eines Buches gesprengt.

Ich freue mich, nach dem "fiesen" Cliffhanger am Ende des Romans, sehr auf den dritten Teil, den ich unbedingt lesen möchte.

Bewertung vom 27.02.2021
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
Schröder, Alena

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid


ausgezeichnet

Hannah ist 27 Jahr alt, versucht ihre Doktorarbeit zu schreiben und ihre einzige Verwandte ist ihre Großmutter Evelyn, die in einem Seniorenpalais wohnt. Diese ist mittlerweile 94 Jahre alt und lässt sich von Hannah mit Vitamintabletten u.ä. versorgen, während sie auf den Tod wartet. Die Routine, des allwöchentlichen Besuchs von Hannah bei Evevln wird aufgebrochen, als Hannah einen Brief von ihrer Großmutter mitnimmt, der aus Israel stammt und Evelyn als Alleinerbin eines verschollenen Kuinstvermögens ausweist.

Der Roman erzählt nun von der Vergangenheit bruchstückartig - beginnend bei Senta, Evelyns Mutter Anfang der 20ziger Jahre - was damals passiert ist und wie es dazu kommt, dass ein Kunstvermögen verschollen ist, dessen Erbin Evelyn und bei derem Ableben, Hannah wäre. Vermischt werden diese Bruchstücke aus der Vergangenheit, in der ich einiges über Senta, Evelyn - die Mutter-Tochter-Beziehung und wie es dazu kam, dass diese so nachhaltig gestört wurde, sondern auch über die politischen Zustände und dessen Auswirkungen für die Menschen im Nationalsozialismus. Warum ist Evelyn so geworden und welche Auswrikungen hat dies auf Hannahs Kindheit bei ihrer Mutter gehabt? Zwischen den Passagen der Vergangenheit, die mich tief bewegt hat, weil die Autorin es schaftt mit kleinen Ausschnitten die jeweilige Atmosphäre auf den den Punkt zu bringen, wird die Gegenwart erzählt. Mich erstaunt diese, weil ich Hannah mit ihren 27 Jahren als irgendwie "im Raum schwebend" wahrnehme, die nicht so richtig weiß, was sie will. Im übertragenen Sinne fehlen ihr Wurzeln und durch den Brief aus Israel wird Hannah wird sie "aufgeweckt", denn sie begibt sich auf Spurensuche, wobei sie zu Beginn überhaupt keine Ahnung hat, auf was sie sich einlässt.

Ein Roman, der sich nicht durch den Titel und dem Cover von der Masse der anderen Bücher abhebt und der mich mit seiner Geschichte selbst sowie der Art des Erzählens sehr positiv überrascht hat. Er lässt sich nicht nicht so einfach in eine "Schublade" stecken, lässt mich am Ende mit offenen Fragen zurück, aber genau dies ist es, womit mich der Roman als Gesamtwerk überzeugt hat.

Verdiente fünf Sterne!