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buecherwurm_01
Wohnort: 
Heinsberg

Bewertungen

Insgesamt 123 Bewertungen
Bewertung vom 26.05.2022
Morgen werden wir glücklich sein (eBook, ePUB)
Korte, Lea

Morgen werden wir glücklich sein (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Starke Frauen

Drei Freundinnen und ihre unterschiedlichen Leben zur Zeit der deutschen Besatzung in Paris – eine emotionale Geschichte.

Drei sehr verschiedene Frauen verbindet eine enge Freundschaft. Sie leben zusammen in einer Wohnung zur Zeit des 2. Weltkrieges während der deutschen Besatzung in Paris und suchen ihren Weg; ob in der Résistance, als jüdische Ärztin oder als Unterhalterin der Besatzer. In einem zweiten Erzählstrang treffen in der Gegenwart zwei ihrer Enkelinnen aufeinander und versuchen, die Vergangenheit aufzuarbeiten.

In diesem historischen Roman erzählt die Autorin die Geschichte von drei starken Frauen, die während der Zeit der deutschen Besatzung in Paris ihren Weg gehen. Emotional berührend zeigt sie unterschiedliche Möglichkeiten auf, mit der nicht alltäglichen und bedrohlichen Situation umzugehen. Diese aufwühlende Geschichte stimmt auch nachdenklich, denn es fällt schwer sie nachvollziehen, wenn man diese Zeit nicht persönlich miterlebt hat. Der Schreibstil hebt das Emotionale an der Geschichte hervor und macht die Lektüre dann doch zu einem Miterleben und Hineinversetzen in die jeweilige Protagonistin. Definitiv ein Roman, den ich gerne weiter empfehle.

Bewertung vom 18.05.2022
Die Ladys von Somerset - Die Liebe, der widerspenstige Ambrose und ich (eBook, ePUB)
Marsh, Julie

Die Ladys von Somerset - Die Liebe, der widerspenstige Ambrose und ich (eBook, ePUB)


gut

Leichte Kost

Ein Liebesroman, der sich schnell durchlesen lässt und keine großen Ansprüche stellt.

Anfang des 19. Jahrhunderts in England möchte die theaterbegeisterte Emma als Autorin von Theaterstücken anerkannt werden. Als Frau ein schwieriges Unternehmen in dieser von Männern dominierten Zeit. Sie begegnet einem überheblichen Charmeur, von dem sie sich Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Pläne erhofft. Soweit die wenig anspruchsvolle Ausgangsposition für einen kurzweiligen und schnell zu lesenden Liebesroman.

Ich lese normalerweise keine romantischen Romane, mache hin und wieder eine Ausnahme, wenn ich auf der Suche nach einer leichten Urlaubslektüre bin. Dieser Roman hat dank seiner klaren Strukturen mit vielen Irrungen und Wirrungen meine nicht so hoch angesetzten Erwartungen erfüllen können und mir als leichte Kost die gewünschte Unterhaltung beschert. Wer eine leichte Lektüre und Liebesromane liebt, ist bei diesem Buch genau richtig.

Bewertung vom 17.05.2022
Peterchens Mondfahrt
Bassewitz, Gerd von

Peterchens Mondfahrt


sehr gut

Gelungene Aufnahme

Es werden Erinnerungen an die Kindheit wach, denn Peterchens Mondfahrt wird häufig vorgelesen oder als Erstleser konsumiert. Nun hat Stefan Kaminski sie mit Jazzmusikern eingespielt. Eindrucksvoll gelesen und mit der passenden Musik unterlegt handelt es sich um ein Hörerlebnis. Er liest mit unterschiedlichen Stimmen, so dass es kein Problem ist, die einzelnen Figuren zu erkennen und ihnen zu folgen. Dies ist natürlich aus Erwachsenensicht gesehen. Ich war neugierig, wie das Thema interpretiert und umgesetzt wird, um ein Kind zu begeistern.

Die Länge ist mit 69 Minuten für die anvisierte Altersklasse ok. Das Kind sollte jedoch schon in der Lage sein, sich zu konzentrieren, da doch recht viele Figuren auftreten. Gerne empfehle ich diese jazzige Version eines Kinderbuchklassikers weiter.

Bewertung vom 16.05.2022
Die Geschäfte des Napoleon Bonaparte
Küntzel, Ulrich

Die Geschäfte des Napoleon Bonaparte


gut

Beleuchtung einer anderen Seite der Aktivitäten von Napoleon Bonaparte

Ich wollte mal eine andere Seite der Zeit des Napoleon Bonaparte kennenlernen und habe dieses Buch gefunden, das sich mit den Geschäften der eindrucksvollen Persönlichkeit befasst. Gespannt war ich auf diese völlig andere Sicht auf einen interessanten Teil der Zeitgeschichte.

Der Autor des schon 1997 erschienenen kleinen Buches schreibt in einer verständlichen Sprache und lässt den Leser in die damalige Zeit eintauchen. Man lernt neben seinen militärischen und politischen Aktivitäten viele seiner Familienmitglieder kennen. Zahlreiche Zitate von Zeitgenossen, oft Wegbegleiter, vertiefen die Eindrücke der aufgezeigten Geschäfte, die fast ausschließlich mit seinen militärischen Aktionen in Verbindung stehen. Privat galt es vor allem, den Lebensstil von Joséphine zu finanzieren.

Nicht so glücklich finde ich die Zeitsprünge; es ist mir oft schwergefallen, diesen zu folgen und zu wissen, wo ich mich gerade befinde. Ebenso zogen sich die Erklärungen zu den immer gleichen Motiven für die Beschaffung von Geldern für das Umsetzen eines Lebenstraums. Alles in allem ist das Buch informativ und informiert Interessierte mit vielen Details.

Bewertung vom 18.04.2022
Das Mädchen und der Totengräber / Inspektor Leopold von Herzfeldt Bd.2
Pötzsch, Oliver

Das Mädchen und der Totengräber / Inspektor Leopold von Herzfeldt Bd.2


sehr gut

Ägypten mitten in Wien

Der zweite Fall eines Kommissars, der zusammen mit seiner Freundin und einem Totengräber in die Welt der Ägyptologie eintaucht.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts taucht in Wien eine mumifizierte Leiche auf, die viele Fragen aufwirft. Der junge Kommissar mit seinen modernen Ermittlungsmethoden und hochdeutscher Aussprache eckt nach wie vor bei seinen Kollegen an. Dieser kuriose Fall, für den er wieder auf die Unterstützung des Totengräbers vom Wiener Zentralfriedhof zurückgreift, darf nicht an die Öffentlichkeit geraten, so dass er mit nur einem Kollegen den Spuren in die Welt der Ägyptologie folgt. Der Rest der Abteilung kümmert sich um verstümmelte Leichen junger Männer. Beide Fälle sind gut konstruiert, mit vielen Wendungen wird die Spannung aufrecht erhalten, die zu einem für mich unerwarteten Ende führt. Ein paar Längen in der zweiten Hälften tun dem Lesevergnügen letztendlich keinen Abbruch. Ich finde es schade, dass der Totengräber nur kurze Auftritte hat.

Der Wiener Lokalkolorit kommt nicht zu kurz, zum Verständnis der Sprache ist die Liste mit Erklärung der Wiener Ausdrücke wirklich hilfreich. Neben Einblicken in die Ägyptologie schildert die Geschichte auch atmosphärisch das Leben im Wien der 1890er Jahren. Das Buch ist in sich abgeschlossen. Kenntnisse aus dem ersten Band sind hilfreich, aber zum Verständnis des vorliegenden nicht unbedingt notwendig. Mir gefällt der Stadtplan auf der Innenseite des Umschlags, das Nachwort mit den Erklärungen des Autors ist informativ. Gerne empfehle ich dieses Buch Lesern von historischen Romane und Krimis gleichermaßen.

Bewertung vom 15.04.2022
Die kleine literarische Apotheke
Molini, Elena

Die kleine literarische Apotheke


weniger gut

Bücher als Medikament verkaufen

Bilbiotherapie ist ein interessantes Thema, das in diesem Buch leider viel zu kurz kommt.

Blu erfüllt sich den Traum einer eigenen Buchhandlung, die jedoch nicht wirklich anläuft. Als Inhaberin beschäftigt sie sich mit vielen anderen Dingen, ehe eine zündende Idee den Erfolg ihres Geschäfts in die Wege leitet. Leider gibt der Text sehr viele Einblicke in ihr Privatleben und das Drumherum, anstatt sich mit dem eigentlichen Buchthema zu befassen. Viele Informationen finde ich unwichtig und hätte auf diese Details verzichten können. Es dauert 160 Seiten bis das eigentliche Thema so richtig in Erscheinung tritt. Eigentlich handelt es sich mehr um einen nicht ausgereiften Liebesroman.

Die Grundidee finde ich sehr gut, leider ist die Umsetzung, das Projekt in Worte zu fassen, in meinen Augen nicht so ganz geglückt. Die Sprache ist sehr einfach gehalten, hier hatte ich wohl einfach etwas höhere Ansprüche und Erwartungen. Sie ist so leicht und schnell zu lesen, wird aber dem Thema nicht gerecht. Es könnte eventuell an der Übersetzung liegen, da bin ich mir aber nicht sicher, da ich das Original leider mangels sprachlicher Kenntnisse nicht lesen kann. Erwähnenswert finde ich noch, dass es einen derartigen Buchladen in Florenz wirklich gibt.

Bewertung vom 29.03.2022
Die Ungerächten (eBook, ePUB)
Dützer, Volker

Die Ungerächten (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg

In der Nachkriegszeit sucht eine Gruppe von Menschen nach Normalität und zugleich nach Vergeltungsmöglichkeiten für erlittenes Unrecht.

Hannah Bloch versucht in den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg mit ihrem Leben zurecht zu kommen. Hierzu zählt auch die Vergeltung für den Tod vieler Freunde. Als Überlebende des Euthanasieprogramm T4 beteiligt sie sich mit der US Army an der Suche nach den Schuldigen. Verschiedene Männer in ihrem Leben und alte Freunde aus ihrer Vergangenheit sorgen für viele Emotionen und Action. Sie kann Träume realisieren, muss aber auch Rückschläge einstecken. Das Aufdecken der alten Seilschaften, die oft weiterhin bestehen, verschafft ihr Genugtuung. Aber es hilft nicht gegen das Vergessen, Opfer und Täter verschwimmen.

Es ist immer wieder schrecklich, von den Gräueltaten der damaligen Zeit zu lesen. Insbesondere, wenn nichts beschönigt wird. Und doch liest sich dieses Buch flüssig. Man fiebert und leidet mit den Protagonisten. Ich habe den ersten Teil nicht gelesen, hatte aber nicht den Eindruck, dass mir grundlegende Informationen fehlen. Beeindruckt hat mich die detaillierte Recherche des Autors sowie sein Schreibstil. Wer über die Nachkriegszeit in einem Spannungsroman lesen möchte, ist hier genau richtig.

Bewertung vom 22.03.2022
Die tristen Tage von Coney Island (eBook, ePUB)
Crane, Stephen

Die tristen Tage von Coney Island (eBook, ePUB)


sehr gut

Anspruchsvolle Kurzgeschichten

Stephen Crane hat anspruchsvolle Literatur hinterlassen, hier wurden 13 seiner lesenswerten Kurzgeschichten zusammengestellt.

Dieses Buch hilft dabei, den amerikanischen Reporter und Schriftsteller Stephen Crane (wieder) zu entdecken. Die hier zusammen gestellten Kurzgeschichten geben einen guten Überblick über seine Gedanken und deren Verarbeitung, Es handelt sich um düstere, auch melancholische Szenarien, die zu unterhalten wissen. Aber an manchen Stellen ziehen sie den Leser auch mit in den Abgrund. Besonders gut haben mir die beiden Geschichten zu dem Schiffbruch gefallen, die er selber erlebt hat und die er authentisch erzählt, ohne zu polarisieren.

Das Nachwort des Herausgebers dieser Sammlung ist sehr informativ und gibt einen Einblick in die Hintergründe der jeweiligen Erzählung. Auch das Leben des Autors wird damit durchleuchtet. Die editorische Notiz, die Details zur Erstveröffentlichung der jeweiligen Geschichte, gefällt mir gut.

Stephen Crane versteht es, Atmosphären zu schaffen, die den Leser in das jeweilige Szenario entführen und die Ereignisse hautnah miterleben lassen; gerne empfehle ich die Lektüre dieser Sammlung. In seinem kurzen Leben, er wurde nur 28 Jahre alt, hat er literarisch wertvolle (Kurz-)Geschichten, Romane, Essays, Gedichte und Berichte hinterlassen.

Bewertung vom 18.03.2022
Der zweite Sohn
Peck, Loraine

Der zweite Sohn


sehr gut

Kein Thriller, aber ein guter Krimi

Als Sohn eines Gangsterbosses ein normales Leben zu führen ist schwierig, aber der Protagonist möchte nichts anderes.

Johnny möchte mit seiner Frau Amy und Sohn Sasha ein normales Leben führen. Als Sohn eines Clanchefs ist das nicht ganz so einfach. Starke Familienbande lassen ihn seinen Eltern gegenüber loyal seine Arbeit für die Firma verrichten. Als sein Bruder Opfer eines Mordes wird, steht sein Familienleben mit Frau und Sohn auf der Kippe, denn wie er sich auch entscheidet, die Risiken sind groß. Er sucht eine Lösung, um im Bandenkrieg zwischen den nach Australien eingewanderten Kroaten und Serben nicht unter die Räder zu kommen.

Die Geschichte ist solide konstruiert, der Spannungsbogen weist kleine Schwächen auf. Es werden auch viele Klischees bedient, z. B. Männer erledigen die Arbeit, Frauen bleiben zuhause als Hausfrau und Mutter. Die sich aus der Familienkonstellation ergebenden Zwänge werden eindrucksvoll deutlich. Abwechselnde Schilderungen der Ereignisse aus der jeweiligen Perspektive von Johnny und Amy ergeben unvermeidbare Wiederholungen. Gut gefallen haben mir die unerwarteten Wendungen zum Ende hin. Es ist allerdings weniger ein Thriller als vielmehr eine gute Kriminalgeschichte.

Bewertung vom 14.03.2022
Doppelporträt
Pleijel, Agneta

Doppelporträt


ausgezeichnet

Zwiegespräch unter Künstlern

Ein Zusammentreffen von Schriftstellerin und Maler mit interessanter Vita führt die Leser durch Details der Biographien.

Aus Anlass ihres 80. Geburtstag wünscht ihre Familie, dass sie ein Porträt malen lässt, von keinem geringeren als dem 5 Jahre älteren Oskar Kokoschka. Agatha Christie stimmt nur widerwillig zu. In sechs Sitzungen, die in sechs Kapiteln münden, kommen sich die beiden faszinierenden Künstlerpersönlichkeiten intellektuell näher; in ihren Gesprächen vertrauen sie sich Details aus ihrer jeweiligen Vita an.

Mir gefällt die Idee, die Lebensgeschichten von zwei Künstlern auf diese Art und Weise miteinander zu verbinden. Die Herangehensweise an die Entstehung eines Werkes wird durch die Erzählungen von Oskar Kokoschka eindrucksvoll beschrieben. Und auf der anderen Seite ist es auch interessant, von der Entwicklung der Romane von Agatha Christie zu erfahren und was für sie wichtig ist. Als Leser lernt man beide Charaktere auch von unerwarteter Seite kennen.

Ein angenehmer Sprachstil hat mich das Buch schnell lesen und dem nächsten Kapitel entgegenfiebern lassen. Der Übergang von erzählerischer Freiheit und Realität lässt sich nur schwer finden, so dass die Lektüre äußerst anregend ist und mich dazu verleitet hat, die Biographien der beiden Protagonisten näher zu betrachten.

Dieser auf einer wahren Begegnung basierender Roman ist absolut lesenswert. Gerne empfehle ich ihn denjenigen, die sich mit den beiden Persönlichkeiten vertraut machen möchten und deren Leben in Rückblenden folgen möchten.