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Magda
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Köln

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Insgesamt 329 Bewertungen
Bewertung vom 06.01.2026
Leiss-Huber, Anton

Der große UFA-Bluff


ausgezeichnet

Der große UfA-Bluff von Anton Leiss-Huber ist ein Roman mit fiktiven und historischen Persönlichkeiten (Marika Rökk, Erich Kästner) und erzählt die wahre Geschichte von vorgetäuschten Dreharbeiten in Österreich kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Das Buch besteht aus zwei Teilen, Teil 1 spielt in Berlin und Teil 2 in Mayrhofen im Zillertal.
Am 4. Februar 1945 kommt die UfA-Filmcrew in Mayrhofen an. Sie werden auf Privatquartiere im Ort verteilt, die jungen Schauspieler Luis Adrian und Lisa Lion kommen zusammen mit dem Ehepaar Kyrath auf den Lompinger Hof zu den Klampferers, die sie recht freundlich bei sich aufnehmen.
Dank der Filmbegeisterung des Propagandaministers Goebbels entkommt Luis nicht nur dem Bombenhagel in Berlin, sondern auch seiner anstehenden Einberufung an die Front. Goebbels ist begeistert von der Idee, einen Film zu drehen, der den bevorstehenden Endsieg feiert.
Doch es ist gar nicht so einfach, die Dorfbewohner zu täuschen. Sie sind sehr an den Dreharbeiten interessiert, und schon bald kündigt sich der Tiroler Gauleiter mit weiteren hochgestellten Nazis zur Probevorführung an. Doch was sollen sie vorführen, wenn nichts gedreht wurde?
Ich habe den Ufa-Bluff sehr gern gelesen und Luis und Lisa ins Herz geschlossen. Der Bluff war mehrmals kurz davor zu platzen, und ich fand es großartig, wie die Schauspieler*innen und Techniker es mit vereinten Kräften geschafft haben, die Nazis, allen voran den Gauleiter und seine Entourage hinters Licht zu führen.
Die Informationen zu den letzten Kriegsmonaten fand ich sehr interessant, 03.11.44: „Vor zwei Wochen haben die Amis Aachen eingenommen. Riga ist schon in russischer Hand und sie dringen in Ostpreußen weiter vor.“ (S. 74) „Auf Einladung des sowjetischen Staatschefs treffen sich seit dem 4. Februar Josef Stalin, Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill im Seebad Jalta auf der Halbinsel Krim, um sich über das weitere militärische und politische Vorgehen zu verständigen…“ (S. 146)
Über die Darstellung von Marika Rökk habe ich sehr gelacht, sie sprach von sich selbst in der dritten Person und ging den Menschen in ihrem Umfeld auf die Nerven. Erich Kästner kommt als Drehbuchautor nur am Rande vor.
Der Autor hat die Geschichte des UfA-Bluffs spannend und bildhaft inszeniert. Sehr gerne vergebe ich fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung für diesen wunderbaren historischen Roman nach einer wahren Geschichte aus.

Bewertung vom 05.01.2026
Laestadius, Ann-Helén

Die Rückkehr der Rentiere


gut

Nachdem mich Das Leuchten der Rentiere sehr begeistert hat, wollte ich unbedingt das neueste Buch der Autorin lesen. Dieses konnte mich leider erst in der zweiten Hälfte fesseln.

Marina, 29, kehrt nach einem Jahr in Stockholm in ihre Heimatstadt Kiruna zurück. In Rückblenden in ihre Kindheit und Jugend erfahren wir, was zu ihrer Flucht geführt hatte.

Marina ist innerlich zerrissen zwischen der samischen Familie ihrer Mutter und der christlichen ihres Vaters. Letztere ist sehr präsent, sie gehören den Laestadianern an, das sind sehr gläubige Christen, die nach strengen Regeln leben.

Ihre Kindheit verbrachte Marina mit ihrer Cousine Eva, die sich jedoch von ihr abgewandt hatte, nachdem Marina wiederholt gegen die Regeln der Laestadianer verstoßen hatte.

Marina und ihre Mutter Garén schämen sich für ihre samische Abstammung. Auf der Suche nach ihrer Identität wendet sich Marina an ihre Großeltern, die ihr nach Jahrzehnten des Schweigens endlich erzählen, was Garén als Kind in der Nomadenschule widerfahren ist.

Marinas unerfüllte Liebe zum Samen Daniel, der mit 19 ihre Cousine Eva heiratet, überschattet ihr ganzes Leben.

Es ist ein trauriges Buch, das mich berührt und bedrückt hat: Das jahrzehntelange Schweigen, die ständige Bevormundung und Überwachung durch die Laestadianer und vor allem Marinas immerwährende, ungestillte Sehnsucht nach Liebe.

Das Ende stimmt hoffnungsvoll, Marina bekennt sich zu ihrer samischen Abstammung und beschließt, sich in Kiruna ein neues Leben aufzubauen.

Das Buch ist gespickt mit samischen Begriffen und Ausdrücken, die nicht übersetzt wurden, sondern im Glossar hinten nachgeschlagen werden müssen, was den Lesefluss stört. Hundert Seiten weniger hätten dem Buch gut getan, von mir leider nur drei Sterne und eine eingeschränkte Leseempfehlung.

Bewertung vom 05.01.2026
Ware, Ruth

The Woman in Suite 11


sehr gut

Ruth Ware zählt zu meinen Lieblingskrimiautorinnen, wobei mich nicht alle ihre Thriller gleichermaßen begeistern konnten. Die Fortsetzung von The Woman in Cabin 10 ist okay, aber kein Must Read.
Vor einigen Wochen habe ich mir die Verfilmung von The Woman in cabin 10 angeschaut und hatte die Handlung deswegen noch in guter Erinnerung. Das ist vor dem Lesen von Band 2 nicht unbedingt notwendig, aber durchaus hilfreich.
Die Ereignisse auf der Aurora liegen mittlerweile zehn Jahre zurück. Lo leidet immer noch an Panikattacken und nimmt Psychopharmaka. Auf der anderen Seite ist sie glücklich verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Über ihre traumatischen Erlebnisse hatte sie einen Bestseller geschrieben, jetzt möchte sie wieder als Journalistin arbeiten, die Aufträge bleiben jedoch aus.
Dann bietet sich ihr eine Chance für den beruflichen Wiedereinstieg: Sie soll in einem Luxushotel in der Schweiz den erfolgreichen belgischen Geschäftsmann Marcus Leidmann interviewen.
Im Hotel trifft sie mehrere Passagiere von der Aurora wieder, auch die Frau, wegen der sie damals fast ums Leben gekommen wäre.
Als Marcus Leidmann tot in der Badewanne gefunden wird, fällt der Verdacht auf Lo.
Ich mag den Schreibstil der Autorin, sie versteht es, den Spannungsbogen konstant zu halten, allerdings war die Geschichte für mich nicht ganz logisch und nachvollziehbar, über Los Verhalten konnte ich nur den Kopf schütteln. Warum hat sie sich auf den Plan der Frau eingelassen, die sie schon einmal ins Verderben geführt hatte? Einerseits liebt sie ihre Familie über alles, andererseits setzt sie alles für jemanden aufs Spiel, der das ganz sicher nicht verdient hatte.
Obwohl ich sonst meist lange im Dunkeln tappe, war mir diesmal schnell klar, wer Leidmann getötet hat.
The woman in Suite 11 ist nicht das beste Buch der Autorin, hat mich aber gut unterhalten. Ich empfehle ihn gerne an Krimileser*innen und Ruth Ware-Fans weiter.

Bewertung vom 23.12.2025
Blake, Matthew

Sophie L. (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Ich habe bereits Anna O. von Matthew Blake sehr gern gelesen, Sophie L. steht diesem Thriller in nichts nach und konnte mich genauso begeistern.
Olivia ist Gedächtnisexpertin, sie lebt in London mit ihrem sechsjährigen Sohn T.J. Eines Tages bekommt sie einen Anruf aus dem Hotel Lutetia in Paris, ein Kommissar teilt ihr mit, dass ihre Großmutter einen Mord gestanden habe, ihr Name sei nicht Josephine Benoit, sondern Sophie Leclerc, sie habe Josephine 1945 umgebracht und ihre Identität angenommen.
Olivia macht sich sofort auf den Weg nach Paris, wo sie ihre Großmutter im Foyer des Hotel Lutetia neben dem von ihr gemalten berühmten Gemälde Memory vorfindet. Es stellt eine junge Frau mit kahl geschorenem Kopf und in gestreifter Sträflingskleidung dar, sie sitzt im Zimmer 11 des Hotels Lutetia. Durch das Fenster sieht man eine zerfetzte Hakenkreuzfahne. „Bis auf ihre Erinnerungen hat sie alles verloren. Die Welt mag zerstört sein, scheint das Gemälde zu sagen, aber unsere Erinnerungen leben in uns fort.“
Olivia setzt sich mit ihrem Pariser Psychotherapeuten Louis de Villefort in Verbindung. Louis ist ein alter Freund ihrer Großmutter. 1945 war er Medizinstudent und hat KZ-Überlebende im Hotel Lutetia untersucht und behandelt.
In Rückblenden ins Jahr 1945 lernen wir die beiden jungen Frauen Josephine und Sophie kennen und erfahren, was damals vorgefallen ist und warum eine von ihnen sterben musste.
Olivia bemüht sich herauszubekommen, ob ihre Großmutter den Mord in Folge ihrer Demenz gestanden hat oder ob sie die Enkelin einer Mörderin ist. In Paris trifft sie Eduard de Villeford wieder, ihre erste große Liebe. Doch mittlerweile beherrscht Tom ihre Gedanken, der Mann, mit dem sie ihr Leben verbringen wollte, und der vor Wochen sang – und klanglos aus ihrem Leben verschwand.
Ich fand das Buch sehr spannend, es war interessant zu erfahren, welche Erinnerungen wir behalten und welche unser Gehirn verdrängt, damit wir weiterleben können. Olivia ist eine sympathische Protagonistin, die den frühen Tod ihrer Mutter nie verwunden hat. Nicht ganz auserzählt ist die Geschichte mit Tom, da hätte ich gern mehr erfahren.
Ich habe das Buch teilweise gehört, wunderbar eingelesen von Vera Teltz und Achim Buch. Sehr gerne spreche ich eine Leseempfehlung für beide Bücher von Matthew Blake aus und freue mich auf weitere Thriller aus seiner Feder.

Bewertung vom 21.12.2025
Stern, Anne

Die weiße Nacht


ausgezeichnet

Ich liebe die Bücher der von Anne Stern, sowohl die Fräulein Gold-Reihe, die Semperoper-Trilogie als auch ihre Stand Alone-Romane, ich liebe ihren poetischen Sprachstil und tauche in ihren Büchern sehr gerne in längst vergangene Zeiten ab.
Die Handlung spielt im legendären Kälte- und Hungerwinter des Jahres 1946. Berlin ist von den Alliierten besetzt, die Entnazifizierung und die Nürnberger Prozesse sind im vollen Gange, allerdings ist schon abzusehen, dass viele Mitläufer und Mittäter ungestraft oder mit geringen Strafen davonkommen werden.
Kommissar König hatte die letzten Kriegsjahre wegen Befehlsverweigerung im Gefängnis verbracht, wo seine physische und psychische Gesundheit stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, die Misshandlungen haben ihn ein Auge gekostet, die Augenklappe wird zu seinem Markenzeichen. Er arbeitet in der Mordkommission auf einer Dienststelle, die in der sowjetischen Besatzungszone liegt, sein Chef verdankt seinen Posten seiner kommunistischen Gesinnung.
Am 14. Dezember findet Lou, eine junge Fotografin, eine Frauenleiche in den Ruinen, in denen sie auf der Suche nach Fotomotiven war. Ohne lange zu überlegen fotografiert sie die tote Frau, die inmitten von Schnee liegt. Kommissar König konfisziert den Film und notiert Lous Anschrift.
Lou teilt sich ihre Wohnung mit Bruno, einem alten Freund, der mit ihr und einigen anderen im Widerstand tätig war. Ihr Mann ist verschollen. Ihre Tage bestehen aus der Jagd nach Essbarem oder Heizmaterial. Um nicht vollkommen zu verzweifeln und das Elend um sie herum wenigstens für eine Weile zu vergessen, geht sie ab und zu in eine Tanzbar. Sie ist überglücklich, als ihr die Barfrau eine halbe Dose Kaffeepulver schenkt, denn Kaffee ist ein rares Gut und eigentlich nur im Tausch gegen Zigaretten zu haben.
Justus, 17, hat es in den Kriegswirren nach Berlin verschlagen, er ist ein kluges Köpfchen und erfolgreich auf dem Schwarzmarkt. Die gleichaltrige Berlinerin Gerti macht ihn mit anderen Jugendlichen bekannt, die heimat- und wohnungslos in den Ruinen hausen.
Dann gibt es da noch Gregor, Kriegsgefangener in Russland. Das Lager überlebt er nur dank seiner rumänischen und russischen Sprachkenntnisse. Ich denke, dass sowohl Gregor als auch Justus im nächsten Band größere Rollen zufallen werden.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, Königs Ermittlungen, bei denen Lous Fotos von großem Belang waren, und die Aufklärung der Morde waren unglaublich spannend. Anne Stern beschreibt authentisch die Kälte und das immerwährende Hungergefühl der Nachkriegszeit. Heutzutage sind eine angenehme Zimmertemperatur, durchgehender Zugang zu Wasser und Strom und die Tasse Kaffee am Morgen selbstverständlich, wie anders sah das doch noch vor achtzig Jahren aus.
Mit dem Auftakt der neuen Reihe konnte die Autorin mich wieder begeistern, sie schreibt unfassbar atmosphärisch und bildhaft. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Fall für Lou und König.

Bewertung vom 09.12.2025
Johann, Petra

Wem du traust (eBook, ePUB)


sehr gut

Seit ich vor einigen Jahren Die Frau vom Strand gelesen habe, zählt Petra Johann zu meinen Lieblingskrimiautorinnen, deswegen habe ich mich sehr auf ihr neues Buch gefreut. Leider konnte Wem du traust meine Erwartungen jedoch nicht erfüllen.
Die 15jährige Sofia verschwindet, nachdem sie den Abend beim Babysitten verbracht hatte. Der kleine Linus ist fast so etwas wie ein Bruder für sie, da Sofia seine Mutter Eva von klein auf gut kennt. Sofias Mutter Susanne und Eva sind beste Freundinnen, sie haben Sofia gemeinsam aufgezogen. Seit einem Jahr ist Susanne mit dem Unternehmer Axel zusammen und vor einigen Wochen sind sie zusammengezogen.
Eva ist mit Daniel verheiratet, die beiden leben mit ihrem Sohn Linus in einem Neubaugebiet. Kriminalhauptkommissarin Heidi Westphal untersucht das Umfeld der beiden Familien und in erster Linie natürlich das der verschwundenen Sofia. Die 15jährige ist kein typischer Teenager wie Heidis Tochter Larissa, Sofia ist Einzelgängerin, sie hat kein Interesse an Make-up und Jungs und engagiert sich in der Redaktion der Schülerzeitung.
Sofias Verschwinden weckt Erinnerungen an einen fünfzehn Jahre zurückliegenden Mordfall. Damals ist die Oberstufenschülerin Jennifer Mann nach einem Clubbesuch ermordet aufgefunden worden, der Täter wurde nie gefasst. Die Schülerzeitung berichtet über den Mordfall.
Wie in ihren anderen Krimis legt die Autorin den Fokus auf die Charaktere, insbesondere auf die beiden Freundinnen Susanne und Eva. Hinter der perfekten Fassade lauern viele Geheimisse. Daniel, der Sofia an dem Abend ihres Verschwindens nach Hause gebracht hatte, steht ganz oben auf der Liste der Verdächtigen.
Meiner Meinung nach hat es zu lange gedauert, bis der Fall an Spannung gewann, die Ermittlungen der Kommissarin plätschern seitenweise ergebnislos vor sich hin. Ihr Privatleben lenkt unnötig von dem Fall ab. Auch mit der Auflösung und dem Ende bin ich nicht sehr glücklich, auch wenn ich es nicht vorhergesehen habe. Für mich ist es leider der schlechteste Krimi von Petra Johann, der bei weitem nicht an ihre anderen Bücher heranreicht.

Bewertung vom 29.11.2025
Hurst, Heidrun

Mord auf der Klosterinsel


ausgezeichnet

Mord auf der Klosterinsel von Heidrun Hurst ist das dritte Buch der Autorin, das ich gelesen habe. Ich lese gerne ihre historischen Romane, die mich in eine weit zurückliegende Zeit versetzen.
Bodensee, 842: Abt Walahfrid Strabo leitet das Kloster auf der Insel Reichenau. Er wird von den Inselbewohnern verehrt und ist bei seinen Mitbrüdern beliebt. Seine junge Nichte Lindberga ist verwitwet, gemeinsam mit ihrer Magd Ava und deren Baby Folcard bewohnt sie eine Hütte im Dorf. Lindberga findet das erste Mordopfer am Ufer des Bodensees. Der Mann ist übel zugerichtet worden, er sieht aus, als ob sich wilde Tiere über ihn hergemacht hätten.
Es bleibt nicht bei einem Opfer, innerhalb weniger Monate werden weitere Menschen grausam ermordet, die scheinbar nichts gemein haben, es sind Männer und Frauen, junge und alte.
Die Dorfbewohner glauben, dass sich ein Werwolf auf der Insel herumtreibt und verdächtigen den Köhler, der im Gesicht und am ganzen Körper stark behaart ist.
Der für die Rechtsprechung zuständige Vogt erweist sich als inkompetent. Als der Verdacht auf den Abt fällt, nimmt er diesen in Gewahrsam, und Walahfrid muss seine Unschuld nachweisen.
Ich fand den historischen Krimi spannend und atmosphärisch und bin gern in das Klosterleben eingetaucht, habe den Abt im Kräutergarten, in der Schreibkammer und bei den Mordermittlungen beobachtet. Seine Aufzeichnungen haben ihn zum Täter geführt, dessen Identität mich sehr überrascht hatte.
Die Autorin hat die Atmosphäre im Kloster authentisch eingefangen, des Öfteren musste ich an Der Name der Rose denken. Etwas Schwierigkeiten hatte ich mit den vielen altertümlichen Namen und kam aufgrund der Ähnlichkeiten durcheinander, wie zum Beispiel bei Grimald und Gerold.
Im Nachwort erfahren wir, dass die Handlung in historischen Kontext eingebettet ist und der Benediktinermönch Walahfrid Strabo einer der bekanntesten Dichter, Schriftsteller und Gelehrten seiner Zeit war.
Sehr gern empfehle ich den Roman sowohl Leser*innen von Kriminal- als auch von historischen Romanen weiter.

Bewertung vom 26.11.2025
Norton, Graham

Eine wie Frankie


ausgezeichnet

Graham Norton zählt zu meinen Lieblingsautoren, ich habe schon einige seiner Bücher gelesen und habe mich schon sehr auf sein neues Buch gefreut.
Die 84jährige Frankie erzählt ihre Geschichte ihrem jungen Pfleger Damian. Sie hat über zwanzig Jahre in New York gelebt, wo sie ein erfolgreiches Restaurant führte und mit einem berühmten Künstler verheiratet war. In New York wurde aus Frances Howe Frankie Haffen.
Frances‘ Eltern starben bei einem tödlichen Autounfall, als sie elf Jahre alt ist. Sie wird von der Schwester ihrer Mutter und deren Mann, einem Reverend der Church of Ireland aufgenommen. Die beiden sind streng konservativ und schenken ihrer Nichte kaum Liebe und Zuneigung. Mit 19 wird sie mit einem älteren Domkapitular verheiratet, bereits nach kurzer Zeit endet die Ehe in einem Fiasko. Francis geht nach London, wo ihre beste Freundin Norah lebt.
Bereits kurze Zeit später verschlägt es die Freundinnen nach New York, wo Frankie als Köchin im französischen Restaurant Pomme arbeitet und ihre große Liebe Joe Haffen kennenlernt. Das Restaurant wird von Joe von den Wänden und Türen über die Deko und die Beleuchtung bis hin zu den Speisekarten künstlerisch gestaltet. Das außergewöhnliche Interieur weckt das Interesse eines Galeristen, der Joe zu einer großen Karriere verhilft. Doch seine Ehe zerbricht, Jahre später muss Frankie in einer Nacht und Nebel-Aktion New York verlassen. Nach Frankies Tod erwartet Damian eine große Überraschung, die sein Leben umkrempeln wird.
Dieses Buch des Autors war anders als seine anderen Bücher, da es nicht in Irland, sondern in New York spielt. Das fand ich persönlich etwas schade, da ich auf die leicht düstere und mythische Irland-Atmosphäre eingestellt war, die nur auf den wenigen Seiten vor Frances‘ Auswanderung nach Amerika zutage tritt.
Frankie bewegte sich in New York in Künstlerkreisen, Joe und sie verkehrten mit berühmten Persönlichkeiten wie Andy Warhol, Donald Judd oder Jasper Johns. Einige ihrer Freunde starben in den Achtzigern an Aids. Das erinnerte mich an damalige Schulversammlungen mit Vorträgen über Aids, bei denen Kondome verteilt wurden. Wie schön, dass Aids mittlerweile therapierbar ist!
Auch wenn ich die typischen Irland-Vibes vermisst habe, habe ich Eine wie Frankie gern gelesen, es hat mich nach New York der Sechziger bis Achtziger Jahre gebracht. Graham Norton hat einen bildhaften und fesselnden Schreibstil, gerne empfehle ich sein neues Buch weiter und vergebe fünf Sterne.

Bewertung vom 23.11.2025
Nicholls, David

Drei auf Reisen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Drei auf Reisen von David Nicholls ist eine Neuauflage des bereits 2014 veröffentlichten Romans und das zweite Buch, das ich von dem Autor gelesen habe. Ich mag seinen ruhigen, unaufgeregten und tiefsinnigen Schreibstil.
Es ist die Geschichte der fast 25jährigen Beziehung eines ungleichen Paares.
Es gibt wenig, das Douglas und Connie verbindet: Er ist ein in sich gekehrter Wissenschaftler, während sie gerne auf Partys geht, wechselnde Männerbekanntschaften hat und ihre künstlerische Ader auslebt. „Die meisten Leute, die eine Beziehung eingehen, tragen eine Akte mit sich herum, die unterteilt ist in Schwärmereien, Flirts, erste Lieben, große Lieben und Affären. Im Vergleich zu meinem linierten DINA-A4-Blatt hatte Connie einen dreiteiligen Aktenschrank.“ Trotzdem verlieben sie sich ineinander, heiraten und werden Eltern eines Sohnes.
Albie ist von Anfang an ein Mama-Kind. Douglas findet keinen Zugang zu ihm, die beiden sind wie Wasser und Feuer und geraten ständig aneinander.
Als Albie 17 ist, sieht Connie keinen Sinn mehr in einer Fortsetzung der Ehe. Doch vor der endgültigen Trennung will die Familie noch eine Europa-Tour machen. Albie lässt sich nur widerwillig auf die Reise ein. Bereits bei der ersten Station in Amsterdam lässt er die Eltern nach einem Streit mit seinem Vater stehen und geht seine eigenen Wege. Douglas nimmt sich fest vor, sich mit Albie auszusöhnen und Connie endlich von seinen Vaterqualitäten zu überzeugen. Er folgt Albie von Italien nach Spanien, bis es endlich in Madrid zu einer Vater-Sohn-Begegnung kommt.
Ich habe das Buch gern gelesen und Douglas‘ Bemühungen verfolgt, seine Ehe und die Beziehung zu seinem Sohn zu retten. Viele seiner Aussagen haben mich zum Nachdenken gebracht: „Die Ehe ist keine Ebene, sie ist voller tiefer Schluchten, riesiger gezackter Felsen und verborgener Gletscherspalten. Es gibt eintönige, ausgedörrte, scheinbar nicht enden wollende Streckenabschnitte.“
Ich muss gestehen, dass es mich gewundert hat, dass die Ehe so lange gehalten hatte. Es mag sein, dass sich Gegensätze anziehen, aber auf lange Sicht gilt doch viel mehr das Motto Gleich und gleich gesellt sich gern.
Der Roadtrip mit dem Zug hat mir gut gefallen, ich kenne viele der erwähnten Sehenswürdigkeiten, habe auch schon in Madrid Churros gegessen und stand fasziniert vor La Guernica.
Sehr berührt hat mich der Todesfall und die Trauer, die die beiden ihr Leben lang begleitet.
Sehr gerne empfehle ich diese Geschichte einer Beziehung von zwei sehr unterschiedlichen Menschen weiter und vergebe fünf Sterne.

Bewertung vom 23.11.2025
Huhs, Antje

Zuhause ist vorübergehend geschlossen


ausgezeichnet

Aufgrund von Personalmangel und Streik der Pflegefachkräfte werden im Landkreis Parchenau die Heime geschlossen, die betagten und teils pflegebedürftigen Bewohner müssen von ihren Angehörigen abgeholt werden oder werden an Privathaushalte verteilt. Margrit ist für die Verteilung der Heimbewohner zuständig. Die Empörung in der Bevölkerung ist groß, kaum jemand ist bereit, eine fremde Person auf unbestimmte Zeit bei sich zu beherbergen.
Als Milosz möchte seinen Vater abholen möchte, muss er feststellen, dass dieser bereits abgeholt wurde. Er bittet seine frühere Schulkameradin Margrit, ihm bei der Suche nach seinem Vater zu helfen.
Herr Jankowski wurde dem Haushalt von Annett und Stefan zugeteilt. Kurzerhand beschließt Annett, den 93jährigen im Zimmer ihres 15jährigen Sohnes Bela unterzubringen. Bela ist nicht begeistert, während seine 8jährige Schwester Levke gern Zeit mit dem neuen Mitbewohner verbringt „Stell dir mal vor, du bist alt und niemand will dich haben.“
Nachdem Herr Jankowski sich bei Levke als Peter vorstellt, er aber laut der Akten Ivo heißt, überlegt Annett, ob der alte Herr dement ist oder nicht der, der er vorgibt zu sein.
Lennart, 25, ist Pflegefachkraft. Er lebt in einer WG und ist in seine Mitbewohnerin Nuca verliebt. Das Fernsehen lädt ihn zu einer Talkshow ein, in der er mit einigen Experten, darunter der Gesundheitsministerin, über die Situation in der Pflege sprechen soll. Nach der Talkshow steigen seine Followerzahlen auf Instagram in astronomische Höhen.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, das Thema Pflegenotstand ist brandaktuell. Als wir vor einiger Zeit der Stadt die Wohnfläche unserer Immobilie angeben mussten, haben wir überlegt, was der Sinn dieser Befragung ist, ob wir Geflüchtete zugeteilt bekommen, wenn wir genug Platz haben? Insofern kommt mir das Szenario in dem Buch nicht ganz abwegig vor. Der Schreibstil ist bildhaft und dialogreich, mit interessanten Einblicken in das Leben einer deutschen Durchschnittsfamilie, einer WG und einer alleinstehenden Verwaltungsangestellten. Das Buch endet an Weihnachten und ist auch deswegen bestens als Lektüre für den Advent geeignet.