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Benutzername: Bibliomarie
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Bewertungen

Insgesamt 945 Bewertungen
Bewertung vom 18.06.2021
Endstation Waldviertel
Pfeifer, Günther

Endstation Waldviertel


ausgezeichnet

Die Waldviertler Schmalspurbahn ist der ganze Stolz der Hobby-Eisenbahner mit viel Zeit und Geld in diese Sehenswürdigkeit investieren. Regelmäßig wird von der Lok aus auch ein prächtiges Schwammerl gesichtet und zur Freude der Fahrgäste ein Sonderstopp eingelegt. Dass der Pilz regelmäßig von Hannes Dangl am vereinbarten Platz deponiert wird, braucht ja niemand zu wissen.

Doch dann gibt es einen schrecklichen Unfall, Hannes wird von der Dampflok überrollt und „wer versteckt jetzt unsere Schwammerl?“ ist die Sorge der Eisenbahner. Huber, als umtriebiger Zeitgenosse auch „Gschaftlhuber“ genannt, beginnt mit seinen Privatermittlungen, denn der örtliche Revierinspektor ist mehr als unpopulär.

Auch die extra geschickten Beamten Frau Dr. Limbach und ihre Kollege, der Hajdusic, erfreuen sich im Ort keiner besonderen Beliebtheit.

Dieser Krimi aus dem Waldviertel hat alles was ich an Regionalkrimis mag: Eine wunderbare Atmosphäre, durchgehend viel Humor mit Situationskomik und Dialogwitz. Günther Pfeifer hat eine sehr charmante Art zu schreiben, immer mit einem Augenzwinkern und ganz viel österreichischen Schmäh. Da bleibt wirklich kein Auge trocken. Ich liebe die Fußnoten, die sich erklärend an den Leser wenden und mindestens genauso witzig sind, wie die Begriffe, die sie erklären sollen.

Die Figuren sind einfach urig und auch skurril gestaltet. Die arrogante Stadtpflanze Limbach, auf Karrierre versessen und ihr Gegenspieler Hajdusic, der es faustdick hinter den Ohren hat und natürlich all die Bewohner des Ortes und ganz besonders die Eisenbahner. Ich habe mich von der ersten Seite an köstlich amüsiert und mich mit diesem Buch so richtig wohlgefühlt.

Das Rätsel um den toten Hannes Dangl ist nicht einfach zu lösen und das Miträtseln hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Mir scheint, dass Waldviertel ist – nicht nur kriminalistisch – eine unterschätzte österreichische Landschaft. Schön, dass der Autor sie dem Leser so nahe bringt.

Bewertung vom 18.06.2021
FLEISCHESLUST IN UNTERFILZBACH
Adam, Eva

FLEISCHESLUST IN UNTERFILZBACH


sehr gut

Max Saxinger war Unterfilzbachs Garant für delikaten Pressack, gschmackigen Leberkäse und Grillwürste zum Niederknien. Doch nun hat er die Seiten gewechselt und wie viele Konvertiten ist er gleich ins Extrem gesprungen. Er wurde zum Veganer und Tierschützer und schreckt auch vor grenzwertigen Aktionen nicht zurück um seine Umwelt zu missionieren. Auch als „Kuhflüsterer“ hat er sich einen Namen gemacht, sehr zum Ärger der örtlichen Tierärztin, die nun in ihrer leeren Praxis sitzt. Doch beim Bummerl, dem preisgekrönten Zuchtstier des Huberbauern ist was schiefgegangen. Denn am nächsten Morgen liegen Stier und Max tot im Stall.

Hansi Scharnagl vom örtlichen Bauhof, bereits als Detektiv erprobt, ist sich sicher, dass man diesen schwierigen Fall nicht dem zuständigen Kommissar Dietl überlassen kann. Allerdings hat es auch Hansi nicht einfach, der Verdächtigenliste ist ellenlang und nebenbei muss er ja schließlich auch noch das Dorfgrün kurz halten und sein Filius gibt Anlass zur väterlichen Sorge.

In Unterfilzbach geht es nicht unbedingt sehr feinsinnig zu. So deftig wie das Essen, so derb auch manche Sprüche. Eva Adam hat das auch in ihrem vierten Niederbayern-Krimi wieder sehr gekonnt in Szene gesetzt. Ein genauerer Blick auf das Titelbild lohnt auf alle Fälle. Es macht wirklich Spaß den tollpatschigen Hansi bei seinen „Ermittlungen“ zu begleiten. Er hält sich zwar für einen würdigen Nachfolger von Sherlock, aber mit dieser Einschätzung steht er allein. Er braucht schon seine geduldige Ehefrau Bettina oder Freund Sepp, die ihm auf die Sprünge helfen.

Ein typischer Humorkrimi, der auch mit und durch den Dialekt und die urig-kauzig, ein wenig überzeichneten, Niederbayern lebt. Die Gagdichte ist wirklich unglaublich hoch und über die Einfälle der Autorin bin ich immer wieder erstaunt. So manch ein Bild war mir fast zu drastisch, aber das Gesamtpaket stimmt.

Eva Adam hat einen witzigen Figurenkosmos erschaffen - man meint so eine Berta auch aus dem Nachbardorf zu kennen - auch die besorgte Ehefrau Bettina, die doch nur das Beste für ihren Hans will und ihn jedes Mal wieder in eine peinliche Situation bringt, das ist Kopfkino! Auch ihre kleinen Nebengeschichten sind gelungen und witzig. So heißt das Hausschwein des Wirts „Schweinsteiger“ und der Hofhund des Getränkehändlers hat den passenden Namen „Paulaner“.

Auf alle Fälle hat mich die „Fleischeslust in Unterfilzbach“ wieder köstlich unterhalten und gegen ein Pressack-Carpaccio hätte auch nichts.

Bewertung vom 16.06.2021
Schwedensommer
Lund, Jesper

Schwedensommer


sehr gut

Ein Toter der im Öresund angeschwemmt wird entwickelt sich zu einem komplexen und schwierigen Fall für die Kommissare Niklas Zetterberg und Emma Steen. Denn der Tote ist einer der reichsten Männer Schwedens, der total zurückgezogen lebende Reeder Lennart Fogelklou. Weder seine Familie noch in seiner Firma kommen die Ermittler weiter. Keiner scheint dem Mann näher gekommen zu sein. Allerdings stoßen sie auf Drohungen einer dänischen linksterroristischen Gruppe. Doch nach einigen Tagen wartet die Gerichtsmedizin mit einem gehörigen Schock auf die Ermittler.

Der Schweden-Krimi von Jesper Lund, das ist das Pseudonym des Krimiautors Jobst Schlennstedt und ist der Einstieg zu einer neuen Reihe. Ich fand den Plot sehr spannend und gut aufgebaut. Es fließt viel Detailwissen aus der Materie der Reedereien ein, die Jagd nach Frachten, der unglaubliche Preisdruck und man merkt mit welchen harten Bandagen in dieser Branche gekämpft wird. Lennart schien auch unfähig, seinen Mitarbeitern zu vertrauen und je weiter Zetterberg und Stehen ermitteln umso logischer erscheint sein Misstrauen. Gier, Hass und Neid – die Polizisten wissen, dass darin sehr oft die Motive für Verbrechen liegen.

Mit Südschweden verbindet man als Leser skandinavische Sommer in blutroten Sommerhäuschen an der Küste und Malmö scheint ein kleines sympathisches Städtchen mit typischem Flair. Aber dieses Bild entspricht schon lange nicht mehr der Wirklichkeit. Es gibt ganz Stadtteile, die die Behörden aufgegeben haben. Kriegsflüchtlinge der vergangenen 30 Jahre leben in ihrer Parallelwelt und sind kaum noch erreichbar. Eine Situation, die wir auch hier aus vielen Städten kennen.

Aber nicht nur die Ermittlungen sind spannend, auch die private Beziehung von Niklas und Emma bietet reichlich Konfliktstoff. Es findet eine erste Annäherung statt, was aber durch Pernille massiv gestört wird. Sie ist die frühere Ehefrau von Niklas und psychisch krank. Sie stalkt Niklas auf perfide Weise und er weiß sich kaum ihrer zu erwehren. Einer Zwangseinweisung kann sie sich immer wieder entziehen.

Ein fesselnder Einstieg in eine neue Serie, die mich auf weitere Bände neugierig macht.

Bewertung vom 10.06.2021
Tod auf Madeira / Comissário Torres Bd.1
Bento, Tomás

Tod auf Madeira / Comissário Torres Bd.1


sehr gut

Es ist nicht das, wonach es aussieht – Es ist nicht so, wie du denkst – Es ist doch nur Sex –

Drei Klischees die die Autorin Laura Fleming in ihren Büchern nie verwenden würde, hörte sie im realen Leben, als sie ihren Ehemann mit einer seiner Studentinnen im Ehebett erwischte.

Wütend nimmt sie das kurzfristige Angebot ihrer Freundin an, den Platz ihres verhinderten Ehemanns auf einer Gruppenreise nach Madeira einzunehmen. Seit Jahren fahren die 4 Paare, die Frauen sind Schulfreundinnen, gemeinsam zum Wandern und Relaxen in das gleiche Hotel. Doch dann wird Laura Zeugin eines Mords, der als Unfall getarnt wurde und beginnt sich einzumischen. Sehr zum Verdruss des ermittelnden Comissário Mauricio Torres, der Laura wider Willen auch noch sehr gut gefällt.

Der Krimi beginnt sehr turbulent und ist schon zu Beginn geschickt aufgebaut. Da Laura der Neuling ist, wird sie mit allen bekannt gemacht und dadurch werde ich auch gleich mit der ganzen Gruppe und ihren unterschiedlichen Charakteren vertraut. Denn so freundschaftlich und so homogen wie sie auf den ersten Blick erscheint, ist der Truppe gar nicht. Es gibt feindselige Zwischentöne, als Scherze getarnte Boshaftigkeiten und diverse Animositäten. Das wird sehr schön beschrieben und diese genaue Personenzeichnung hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Natürlich lässt sich Laura nicht abwimmeln und funkt immer bei den Ermittlungen dazwischen, das mag ich auch sehr, wenn ich einen Krimi mit privaten Ermittlern lese. Und als Hauptfigur sind Laura und auch Torres richtige Sympathieträger.

Der spannende Plot ist sehr schön in die Landschaft eingebunden, mit den Ermittlern sucht der Leser die Höhepunkte der Insel auf und die Beschreibungen fand ich richtig anregend und weckte natürlich eine gehörige Portion Reiselust.

Im Genre der Landschafts- und Urlaubskrimi ist der erste Fall von Tomás Bento eine gute Empfehlung.

Bewertung vom 09.06.2021
Die Richterin und das Ritual des Todes / Mathilde de Boncourt Bd.4 (eBook, ePUB)
Fontaine, Liliane

Die Richterin und das Ritual des Todes / Mathilde de Boncourt Bd.4 (eBook, ePUB)


gut

Wieder einmal muss Mathilde de Boncourt in ihrer Eigenschaft als Madame le Juge ermitteln. In einem Eliteinternat starb eine vielversprechende Schülerin. Doch es ist kein Reitunfall, wie der erste Anschein vermuten ließ, Patricia wurde erschlagen.

Im Internat stoßen Mathilde und ihr Kollege Kommissar Rachid Bouraada auf eine eingeschworene Clique um den charismatischen Schüler Paul. Ihnen ist klar, dass die Schüler etwas verschweigen, aber sie können die Gruppe nicht knacken. Als ihnen bekannt wird, dass bereits vor einem Jahr ein Schüler verstarb und auch über diesen Tod nur geschwiegen wird, ahnt Mathilde, dass hinter der Fassade des Internats etwas faul ist.

Mein vierter Band um Mathilde, der mich wieder in die sonnige Provence entführt. Mathilde kommt aus einer bekannten Winzerfamilie und verbringt ihre Freizeit im Familienchateau und lässt sich von Odile mit köstlichen provenzalischen Spezialitäten verwöhnen. Ein guter Freund ist der deutsche Reiseschriftsteller Martin hat in der Nachbarschaft ein Zuhause gefunden. Mit Rachid verbindet Mathilde etwas mehr als Kollegialität, eine unausgesprochene Anziehungskraft ist zu spüren.

Der ganze Hintergrund hat mir wieder sehr gut gefallen, die Autorin hat eine sehr charmante Arte zu schreiben und kann mich immer wieder mit Haut und Haaren in die Provence versetzen. Der Kriminalfall konnte mich dagegen dieses Mal nicht so ganz mitnehmen. Schon aus dem Prolog war mir die Richtung klar und deshalb erschienen mir die Ermittlungen nicht immer sehr fesselnd. Zwar baut Frau Fontaine immer wieder Drehs ein, die der Handlung und den Verdachtsmomenten eine andere Richtung geben und auch der Auflösung war überraschend. Nichts desto trotz fand ich den Plot nicht so originell wie sonst.

Die bekannten Figuren haben mich wieder überzeugt, auch wenn Mathilde ein wenig zu oft ihre Nikotinsucht und ihre geliebten Gauloise blond verteidigen muss.

Ich hoffe, dass Mathilde bei ihrem nächsten Fall wieder eine größere Herausforderung bestehen muss und vergebe hier 3,5 Sterne.

Bewertung vom 07.06.2021
Perchtoldsdorfer Schweigen
Schleifer, Christian

Perchtoldsdorfer Schweigen


ausgezeichnet

Die Winzerin und Ex-Polizistin Charlotte Nöher hat in ihrem neuen Beruf Erfüllung gefunden. Die Neuerungen, die sie auf dem Familiengut eingeführt hat, sind erfolgreich. Allerdings hat sie sich damit nicht nur Freunde gemacht. Viele Traditionalisten beobachten sie mit Misstrauen. Als im Hof des Weinguts ein Toter gefunden wird, ist das eine üble Überraschung. Kurz danach kommt der Winzer Herbert Zaitler, ihr Erzfeind und Konkurrent, beim traditionellen „Hiataeinzug“ ums Leben. Ein tragischer Unfall wie es scheint. Doch Charlotte wäre nicht Charlotte, wenn sie sich damit zufrieden gäbe. Ihre frühere Profession schlägt durch und sie beginnt an der Seite des örtlichen Polizisten zu ermitteln. Nur gut, dass der auch ihr Cousin ist und Charlottes Riecher schätzt.

Perchtoldsdorf hat nicht nur seine Weinvergangenheit, auch im düsteren Kapitel der neueren Geschichte gibt es Dinge, die nicht ans Licht kommen sollen. Diese Verknüpfung des Krimis mit der Vergangenheit bringt viel Spannung ins Geschehen und bezieht die ganze Familie Nöher mit ein. Wer wusste vom geheimen Weltkriegsbunker in den Weinbergen und wer möchte mit allen Mitteln das Geheimnis wahren? Familienehre, Gier und Hass sind starke Motive mit denen sich Charlotte konfrontiert sieht und die Auswirkung auf ihre Familie haben.

Auch der zweite Band um die umtriebige Winzerin hat mir sehr gut gefallen. Es ist eine in sich geschlossene Geschichte, die keine Vorkenntnisse voraussetzt. Für mich war es ein gelungenes Treffen mit bekannten Figuren aus dem ersten Band, die sich weiter entwickelt haben und ihren Platz im Kosmos des Weinguts gefunden haben. Ja, ich fand die Fortsetzung noch besser als den ersten Teil, besonders der geschichtliche Handlungsstrang und seine Einbindung in die Gegenwart ist sehr gut eingebunden.

So ist der Krimi von der ersten Seite an fesselnd und hat mich richtig gepackt. Da die Geschichte noch nicht auserzählt ist, trotz der schlüssigen Auflösung, lässt mich auf weitere Fälle mit Charlotte hoffen.

Bewertung vom 04.06.2021
Bei Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel / Kommissar Jennerwein ermittelt Bd.14
Maurer, Jörg

Bei Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel / Kommissar Jennerwein ermittelt Bd.14


sehr gut

Ein Jogger findet einen Toten. Die Spurenlage ist so vielfältig, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Kommissar Jennerwein mit seinem Team den Fall gelöst hat. So scheint es jedenfalls. Es wäre aber kein Krimi von Jörg Maurer, wenn es den Lesern so einfach gemacht würde.

Denn am Nachmittag steht Jennerwein auf, verlässt das Kommissariat und kehrt nicht mehr zurück. Als im Hotel Barbarossa ein weiterer Toter gefunden wird, beschreibt der Portier den mutmaßlichen Mörder sehr genau: es ist Jennerwein!

Eine fieberhafte Suche beginnt, keiner im Team will auch nur eine Sekunde glauben, dass der Chef die Fronten gewechselt hat, aber die Indizien werden immer drückender.In der Zwischenzeit ist Jennerwein verzweifelt auf der Flucht vor seinen Kollegen, er muss ihnen seine Unschuld beweisen und ist dabei völlig auf sich gestellt.

Ich bin bei jedem Band auf’s Neue erstaunt, welche Ideen der Autor in seinen Krimis verarbeitet und wie er es schafft, jeden noch so absurden Einfall schlüssig einzubauen. Natürlich darf das Stammpersonal seine Auftritte haben, ob es die Graseggers sind, der seit langem in Italien lebende Joey Ostler oder gar der Pate, der in einem der ersten Bände Jennerweins Gegenspieler war. Für die langjährigen Fans ist das ein Bonus, ob Neuleser das ebenso witzig finden, kann ich nicht beurteilen. Aber wahrscheinlich gibt es eh nur Fans der Serie.

Es gibt ein witziges durchlaufendes Motto des Buches: es sind die Heldentaten des Herkules und ebenso schwierig, ja grade zu übermenschlich, sind die Herausforderung für Jennerwein und seine Kollegen. Und wieder wachsen sie über sich hinaus.

Ich könnte mir schon vorstellen, dass Jörg Maurer mit seinem Buch polarisiert. Der Leser, der einen klassischen Alpenkrimi erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Wer sich aber darauf einlässt, den wird auch der 14. Band des Meisters des abgründigen bayrischen Humors überzeugen.

Bewertung vom 03.06.2021
Am Horizont das Meer
Beer, Anika

Am Horizont das Meer


gut

Im Leben von Sofia gab es immer eine Leerstelle. Aber den Mut ihr auf den Grund zu gehen, bringt sie nicht richtig auf. So begnügt sie sich mit Träumen und der Sehnsucht nach dem Meer. Erst als ihre Großmutter stirbt, bei der sie aufwuchs, kommt sie ihrem Geheimnis auf die Spur. Das führt sie in ein kleines Fischerdorf an die Costa Brava und zurück zu einem einschneidenden Erlebnis in ihrer Kindheit.
Das Buch beginnt fast wie ein Märchen: die Geschichte eines kleinen, an den Strand gespülten Meermädchens und die Verzauberung die die Kinder ein Leben lang in sich bewahrten. Und erst nach Jahren der tristen Realität löst sich das Rätsel.
Anfangs gefiel mir die bildreiche Sprache sehr gut und ich freute mich auf diese unterhaltsame Sommergeschichte. Zumal ich die Gegend, in der sie angesiedelt ist, sehr gut kenne. Aber leider konnte mich die Protagonistin nicht überzeugen. Sie blieb mir einfach fremd, zu blass und viel zu zickig, als dass ich Sympathie für sie entwickeln konnte. Und ähnlich erging es mir auch mit den anderen Figuren des Romans.
Mich störte, dass die fast märchenhaften Begebenheiten und die späteren Handlungsweisen nicht recht zusammenpassten. Ohne zu spoilern kann ich das jetzt nicht näher erläutern, aber scheint es realistisch, dass ein 10jähriges Mädchen ein so einschneidendes Erlebnis vergisst oder später nicht versucht die Erinnerungslücken zu schließen?
Aber abgesehen davon, ist es eine leicht zu lesende Sommerlektüre mit zauberhaften Meeresszenen.

Bewertung vom 03.06.2021
Kretisches Schweigen / Michalis Charisteas Bd.3
Milonás, Nikos

Kretisches Schweigen / Michalis Charisteas Bd.3


ausgezeichnet

Eine uralte Legende auf Kreta besagt, dass Ende Mai im Morgengrauen die Seelen der tapferen Krieger, die Drousolites, sich aus dem Sand erheben und in Richtung Frangokastello ziehen. Immer sammeln sich eine Menge Touristen um dieses Schauspiel zu erwarten. Doch dieses Jahr finden sich keine Seelen, sondern Knochen, als sich einige Zuschauer einen Windschutz in den Sand graben möchten.

Michalis Charisteas wird mit seinem Kollegen nach Sfakia geschickt und trifft auf eine misstrauische, schweigende Bevölkerung. Die Abneigung gegen den Staat und alle seine Organe ist greifbar und wenn nicht der örtliche Revierleiter Alekos Tatsopoulos einen guten Draht zu den Männern hätte, wäre eine ordentliche Untersuchung kaum möglich gewesen.

Aber natürlich sind es nicht die Überreste der mythischen Kämpfer, auch wenn die stolzen Kreter das gerne glauben würden, es ist viel profaner. Die Skelette sind viel jünger und weisen Schussverletzungen auf. Auf Charisteas und Koronaios warten schwierige Ermittlungen.

Tolle Landschaftsbeschreibungen gibt es in vielen Krimis. Aber der Autor hat bei seinen Kreta-Romanen ein Alleinstellungsmerkmal. Nicht nur, dass er kenntnisreich und liebevoll über die Insel berichtet und viele historische Detail einfließen lässt, er bringt auch die besonderen Charakterzüge der Kreter dem Leser nahe. Das wirkt auf mich sehr authentisch und schlüssig. Wenn eine männerdominierte Gesellschaft über Generationen gewöhnt ist, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und Konflikte auf ihre eigene Art zu lösen, kann schon eine Parallel-Justiz entstehen. Athen ist weit und die griechischen Regierungen hatten nicht immer das Wohl ihrer Bürger im Auge, das hat sich fest in den Kretern verankert und macht die Arbeit für Charisteas nicht einfach.

Dazu kommt ein privater Konflikt. Er und seine deutsche Freundin Hannah wissen nicht, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben werden. Hannah, als promovierte Kunsthistorikerin findet auf Kreta kein Wirkungsfeld und so sehr sie die Insel liebt, auch die Familie Charisteas in ihr Herz geschlossen hat, kann sie sich ein Dasein nur als Hausfrau und Mutter nicht vorstellen. Michalis will Hannah entgegenkommen, aber er ist Kreter durch und durch und kann sich für seinen Teil nicht vorstellen in einem anderen Teil der Welt heimisch zu werden. Selbst bei Besuchen bei Hannah in Berlin vermisst er schon bald sein heimisches Umfeld. Auch hier stoßen Tradition und Moderne aufeinander. Aber man wäre nicht in Griechenland, würde man dafür nicht auch eine Lösung finden.

Ein verzwickter Fall mit viel Spannung und viel zwischenmenschlichen Konflikten, der sehr gut aufgebaut ist und mich in Bann zog. Nikos Milonás ( Frank D. Müller) hat seine Liebe zu Kreta in einem sehr guten Kriminalroman zum Ausdruck gebracht und sticht auch deshalb aus der Menge der Landschafts-und Urlaubskrimis heraus.

Bewertung vom 01.06.2021
Wattenmeermord
Lund, Katja;Stephan, Markus

Wattenmeermord


gut

an Benden arbeitet da wo andere Urlaub machen: auf der Insel Pellworm. Er und seine Frau Laura haben nach gefährlichen Einsätzen als Kriminalbeamte beschlossen, einen Gang zurückzuschalten. Laura hat eine Pension eröffnet und Jan arbeitet als Inselpolizist.

Doch dann sitzt eines Tages eine Leiche auf einer Bank am Deich und Jan bekommt es wieder mit einem Mordfall zu tun. Unterstützt wird er vom Inseloriginal Tamme. Der sieht sich nämlich als geborenen Sherlock und Jan ist viel zu nett, um ihm diese Illusion zu nehmen.

Doch die Frage, wer den harmlosen pensionierten Arzt, der auf der Insel mittelmäßige Bilder malt, getötet hat, beschäftigt Jan, auch wenn längst Kriminalbeamte vom Festland die Ermittlungen übernommen haben.

Watt, Meer und Pellworm – was will man mehr. Man meint die Nordseebrise zu spüren, die die schönen Landschaftsbeschreibungen heraufbeschwören. Das hat mir an diesem Buch wirklich gut gefallen. Das Inselfeeling ist perfekt eingefangen. Der Krimiplot selbst schien mir zu beschaulich und ließ wenig richtige Spannung aufkommen.

Die Charakterisierung der Figuren, hier besonders Tamme, konnte mich nicht immer überzeugen. Gezeichnet als etwas einfältiges Inseloriginal, passte es im Verlauf der Geschichte immer weniger. Nach meinem Eindruck ist der Krimi ein wenig zu unentschieden, ob es eher in die humorvolle Regio-Richtung gehen oder in einen Ermittlerkrimi münden soll.

Aber es gab genügend gute Szenen und Ansätze die das Lesen unterhaltsam machten und vor allem die Atmosphäre ist so gut getroffen, dass es die ideale Urlaubslektüre ergibt.

Wer sich durch das gelungene Cover – man achte auch auf kleine Details – zu diesem Buch verführen lässt, hat sicher keinen Fehlgriff gemacht.