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Benutzername: Bibliomarie
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Bewertungen

Insgesamt 413 Bewertungen
Bewertung vom 17.08.2018
Der Stoff, aus dem Träume sind
Stieler, Jana

Der Stoff, aus dem Träume sind


gut

Zwei Frauen, fast zwei Generationen voneinander getrennt, tragen diesen Roman.
Claire verlebt ihre frühe Jugend in Armut auf der Insel Barra. Der Großvater ist Weber und bringt seiner Enkelin die Farben und Garne des unvergleichlichen Tweedstoffs näher. Er ist ihr Stütze im lieblosen Elternhaus. Der Vater ist ein gewalttätiger Trinker, die Mutter hilfloses Opferlamm. Aber ein tragisches Opfer ist der kleine Bruder Logan, der schon als Baby von den Misshandlungen bleibende Schäden davonträgt. Nach dem Tod des Großvaters siedelt die Familie ins Londoner East End um und zur Armut kommt jetzt noch die von Elend geprägte Umgebung.


Vivian lebt als alleinerziehende Mutter in London. Ein abgebrochenes Psychologiestudium, wenig Zukunftsaussichten und eine diffuse Lebens-und Zukunftsangst prägen sie. Sie hat wenig Selbstvertrauen und möchte am liebsten unsichtbar sein. Obwohl sie bei anderen Menschen sehr gut Handlungsweisen einschätzen kann und aufgrund ihres Studium sie auch gleich analysieren kann, versagt bei ihr selbst diese Einschätzung. Nur in der Liebe zu ihrem kleinen Sohn Ethan geht sie völlig auf.


Claires und Vivians Wege kreuzen sich und aus anfänglicher Abneigung erwächst langsam Vertrauen und Verständnis.
Der Roman ist warmherzig geschrieben, die beiden Frauenschicksale sind gut geschildert. Erstaunlich fand ich, wie die – deutsche – Autorin so kenntnisreich das London der Nachkriegszeit schildert und wie farbig die Schauplätze, sowohl in der Gegenwart, wie auch in der Vergangenheit, erzählt werden. Vivian und Claire müssen beide ihre Komfortzone verlassen und sich dem Leben stellen, auch wenn die Herausforderung an sie beide sehr unterschiedlich sind. Die Veränderung der Persönlichkeiten habe ich sehr gern begleitet. Wie aus der exzentrischen Claire und der zurückhaltenden, unsicheren Vivian die ersten Anfänge von Freundschaft entstehen, gefiel mir.


Das Stilmittel der wechselnden Perspektiven und der Rückblicke in die Vergangenheit der beiden Frauen machen den Roman lebendig und interessant.

Bewertung vom 14.08.2018
Alle für einen
Profijt, Jutta

Alle für einen


sehr gut

„Alle für Einen“ – der Titel passt genau auf die humorvolle und menschlich warme Geschichte von Jutta Profijt. Die Bewohner der Villa Zucker sind vor einiger Zeit einem Immobilienbetrüger aufgesessen und statt schöner Wohnungen in der alten Düsseldorfer Villa zu bekommen, standen sie vor dem Nichts. Kurzerhand haben sie unter der Federführung von Rosa, einer unkonventionellen alten Dame, das Haus besetzt. So wohnen noch Ellen und Kim, Rosas Tochter und Enkelin, Herr Seeberg, ein pensionierter Bundeswehrsoldat und Konrad, ein geläuterter Betrüger im Haus. Sie haben allesamt die Hoffnung nicht aufgegeben, das Haus noch legal kaufen zu können. Aber auch dieser Plan scheint am windigen Makler zu scheitern. Aber nicht durch das hält die Bewohner auf Trab, Kim und ihre Freunde wollen einen Mitschüler von der schiefen Bahn holen, Rosa plant eine groß angelegte Benefizauktion und Konrad möchte sich endlich mit seiner Tochter aussöhnen. Jede Menge Konfliktstoff also.
Die Autorin hat diese bunt zusammengewürfelte Truppe mit viel Liebe zum Detail geschildert. Dabei haben mich immer wieder die urkomischen Situationen zum Lachen gebracht. Was für ein Wortwitz und welche Gagdichte! Aber dabei spürt man immer die Sympathie der Autorin für ihre Protagonisten, bei denen ich mich kaum entscheiden konnte, wer mir der Liebste ist. Konrad, der stille Mann mit vielen hausfraulichen Fähigkeiten oder Seeberger, der nie viel Worte macht, aber immer im rechten Augenblick zupackt oder Ellen, die sich allmählich von ihren Sorgen befreit und wieder die fröhliche, attraktive Frau von früher wird?
Über allen steht aber Rosa – anstrengend, spleenig, nie um eine Ausrede verlegen und wenn‘s der Sache dient, auch zu einem krummen Umweg bereit. Diese Mischung macht die Anziehungskraft der WG und auch der Geschichte aus. Ihrem Charme kann man sich nur schwer entziehen.
Das ist bereits der dritte Band um diese ungewöhnliche Wohngemeinschaft, da ich den ersten kannte, konnte ich mich wieder leicht in die Figuren und die Handlung finden. Aber auch „Neulinge“ werden damit keine Schwierigkeiten haben. Es gibt genügend kleine Rückblicke und Erklärungen. Warum ich den zweiten Band übersehen habe, kann ich mir gar nicht erklären, werde aber die Lektüre rasch nachholen.

Bewertung vom 12.08.2018
Schatten über dem Odenwald
Roßbach, Susanne

Schatten über dem Odenwald


gut

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Alexandra König lebt mit Tom zusammen, ein Kriminalist und ein richtiger Kerl. Klar, dass er es nicht toll findet, wenn sich Alex immer wieder in seine Ermittlungen einmischt. Auch wenn er zugeben muss, dass ihre weibliche Intuition ihm schon im letzten Fall weitergeholfen hat.


Jetzt hat sie Urlaub und Besuch von Freunden und Tom plagt sich mit zwei üblen Fällen, ein Autounfall, der sich als Mord entpuppt und verschwundener Schmuck, der während einer Spurensicherung vom Tatort gestohlen wurde. Das nagt besonders an ihm, denn es kann nur jemand aus seiner Truppe gewesen sein und während der internen Ermittlungen steht das ganze Team unter Verdacht.


Das E-Book ist ideale Urlaubslektüre. Eine Mischung aus Beziehungs- und Liebesgeschichte – mit vielen witzigen Verwicklungen inklusive – und ein ganz spannend aufgebauter Krimi. Natürlich sind die Fälle ganz auf die unerschrockene Hobbyermittlerin Alex ausgerichtet. Die lässt sich nicht von Tom ausbremsen, auch wenn sie insgeheim zugibt, dass er manchmal Recht hat. Aber dass er ihr Grund zur Eifersucht gibt, ist eine andere Sache.
Leichte, lockere und ein bisschen unverbindliche Unterhaltung. Spannung und Liebesgedöns wechseln sich angenehm ab und zwischendurch blitzt auch immer wieder Wortwitz auf.


Jetzt bleibt nur die Frage, ob im nächsten Band Tom bereit ist, sein Motorrad gegen einen familientauglichen Van z

Bewertung vom 11.08.2018
Weit weg von Verona
Gardam, Jane

Weit weg von Verona


ausgezeichnet

Jessica Vye ist 13 Jahre alt. Sie ist nicht unbedingt das beliebteste Kind in der Schule, denn sie hat einen unbestechlichen Blick, eine scharfe Zunge und eine unbedingte Wahrheitsliebe. Sie fühlt sich nicht nur zur Schriftstellerin berufen, sie ist eine, auch wenn die Erwachsenen das nicht erkennen. Jessica lebt in der Kriegszeit, Lebensmittelmarken und die am Gürtel baumelnde Gasmaske gehören zu ihrem Alltag.
Bereits mit ihrem ersten Roman hat Jane Gardam ein Meisterwerk geschaffen. Der wache und kühle Blick ihrer jungen Protagonistin scheint Gardams eigener Blick zu sein, so wie ich immer wieder dachte, Jessica ist das jugendliche Alter Ego der Autorin. Genau beobachtet und seziert sie die schwierige Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Jessica erlebt das intensiv und schmerzhaft. Dabei durchzieht eine feine, fast unmerkliche Ironie das Buch. Besonders dann, wenn sich Gardam den erwachsenen Protagonisten ihres Romans widmet. Jane Gardam hat es wieder geschafft, mich absolut in Bann zu ziehen. Wer bemängelt, dass ein kurzer Zeitabschnitt im Leben eines linkischen Teenagers kaum Stoff für einen Roman bietet, wird hier eines Besseren belehrt.
Wie schon bei den früheren Neuentdeckungen der Autorin bin ich begeistert von der geschliffenen Sprache und dem Stil der Autorin. Ich freue mich auch, dass mit Isabell Bogdan eine wunderbare Übersetzerin gefunden wurde.
Ebenso hat mich die Gestaltung des Buches überzeugt, der Schutzumschlag ist gelungen und das Aquarell eines abgewandten Mädchenkopfes passt zum Text.

Bewertung vom 09.08.2018
Whisky mit Mord
Mullet, Melinda

Whisky mit Mord


sehr gut

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Eine Erbschaft führt Abigail Logan nach Schottland. Die vererbten Liegenschaften entpuppen sich als eine kleine, aber feine Whiskybrennerei. Abi tritt die Erbschaft nicht ohne schlechtes Gewissen an, sie hat sich in den letzten Jahren nicht mehr so intensiv um ihren Onkel Ben gekümmert, denn sie konnte nicht verstehen wieso er das gemeinsame Londoner Heim verkauft hat und nach Schottland gezogen ist. Das Londoner Haus „Haven“ war der Ort ihrer kindlichen Geborgenheit. Dort ist sie nach dem Tod ihrer Eltern unter Bens Obhut aufgewachsen. Deshalb hat sie ihn nie in Schottland besucht.

Aber es scheint, sie ist als Erbin nicht sonderlich willkommen. Bereits in London erhielt sie seltsame Drohbotschaften, die bei ihrer Ankunft in Schottland noch verstärkt wurden. Auch Abbey Glen, die Brennerei ist schon mehrfach durch Sabotageakte beschädigt worden. Die Angestellten treten Abi auch mit unverhohlenem Misstrauen entgegen, sie erwarten den Verkauf der Brennerei und auch die Interessenten warten kaum die Beisetzung ab um sie zum Verkauf zu drängen. Es bleibt aber nicht nur bei Drohungen, als ein junger Angestellter tot im Gärbottich gefunden wird, nimmt die Geschichte eine andere Dimension an. Abi und ihr guter Freund Patrick, ein Whisky- und Weinkenner versuchen Licht ins Dunkel zu bringen. Aber wem können sie trauen? Ist Grant McEwen wirklich ein loyaler Mitarbeiter?

Schottland und Whisky gehören zusammen und bieten den idealen Hintergrund für diesen stimmungsvollen Krimi. Abigail Logan ist als Protagonistin die taffe Heldin, die plötzlich in ein fremdes Metier geworfen wird und sich gegen alle Vorurteile behaupten muss. Dabei muss sie über sich selbst hinauswachsen und auch mit ihrer Vergangenheit abschließen. Nebenbei nimmt das Thema Whisky natürlich einen großen Raum ein und wird kenntnisreich thematisiert. Whiskykenner werden das sicher noch besser beurteilen können.

Der Debütkrimi ist flüssig geschrieben, hat einen gut ausgearbeiteten Plot und gefiel mir nicht zuletzt, weil es spürbar ein Kriminalroman einer Autorin ist. Die Spannung ergibt sich nicht zuletzt aus vielen persönlichen Verwicklungen und Gefühle dürfen auch eine Rolle spielen. Abigail Logan ist verletzlich und trotzdem hart im Nehmen und eine durch und durch sympathische Hauptfigur.

Der Krimi macht wirklich Lust auf Schottland und natürlich auf den passenden Whisky. Das stimmungsvolle Cover unterstreicht das noch.

Bewertung vom 07.08.2018
Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht
Fellowes, Jessica

Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht


gut

Für die junge Louisa ist die Stelle als Kindermädchen bei der exzentrischen Adelsfamilie der Mitfords eine Rettung aus dem Elend. Nach dem Tod des Vaters geht es der Familie immer schlechter, zumal sich der Onkel Stephen eingenistet hat und Louisa unmissverständlich dazu aufgefordert hat, seine Schulden bei Buchmachern in Naturalien abzuzahlen.
Bei den Mitfords findet sie nicht nur einen chaotischen kinderreichen Haushalt, sondern mit der ältesten Tochter Nancy auch eine Freundin. Nancy ist ziemlich frühreif, neugierig und fantasievoll. Alles, was sie später als Schriftstellerin auszeichnen sollte. Als eine Bekannte der Familie, die Krankenschwester Florence Nightingale Shore in einem Zug ermordet wird, ist die Neugierde der beiden geweckt. Besonders da Louisa Zeugin des Abtransports der Leiche war. So beginnt das ungleiche Paar zu ermitteln, immer unterstützt vom jungen Sullivan, der grade seinen Dienst bei der Bahnpolizei begonnen hat.
Interessiert hat mich das Buch hauptsächlich wegen der Mitfords. Ich schätze Nancy als Autorin und anglophile Leserin kenne ich auch einiges aus der Familiengeschichte der Schwestern. Das Setting – die Zwanziger Jahre in England – ist ein farbiger und interessanter Hintergrund. England beginnt sich allmählich vom Trauma des Ersten Weltkriegs zu erholen und die alte Gesellschaftsordnung scheint nicht mehr so fest betoniert wie zuvor. Die beiden jungen Frauen wagen sich trotzdem weit vor mit ihren Befragungen und Ermittlungen. Das war aber nicht immer stimmig. Mir war es zu unrealistisch, dass sich Louisa als neues Kindermädchen so viele Freiheiten herausnehmen konnte und so viel Zeit für die Ermittlungen hatte. Da hätte ich mir – gerade bei Jessica Fellowes – mehr historische Genauigkeit gewünscht.
Ich fand das Buch allerdings auch als Krimi nicht sonderlich spannend, vielleicht weil es zu unentschieden zwischen den Familienturbulenzen der Mitfords und den Detektivambitionen von Louisa, Nancy und Sullivan pendelt. Es ist breit angelegt und stellenweise recht abschweifend erzählt. Nicht immer sind die Handlungen logisch. Wann immer etwas erklärt werden muss, dass sich aus der Handlung nicht ableiten lässt, taucht passenderweise ein geheimnisvoller Brief auf, der den Protagonisten und damit den Lesern eine neue Richtung vorgibt.
Den Mord an Florence Shore hat es tatsächlich gegeben und da er nie aufgeklärt wurde, ist die Lösung der Autorin sehr gewitzt.

Bewertung vom 07.08.2018
Die Zeit der Kraniche / Ostpreußensaga Bd.3
Renk, Ulrike

Die Zeit der Kraniche / Ostpreußensaga Bd.3


ausgezeichnet

Mit „Die Zeit der Kraniche“ findet die großartige Familiensaga von Ulrike Renk ihren Abschluss.
Frederike lebt nun mit den drei Kindern allein auf dem Familiengut in der Prignitz. Immer mehr sind die Auswirkungen des Krieges zu spüren. Besonders die die Familie Mansfeld leidet darunter, den Gebhard sitzt im Potsdamer Gestapo Gefängnis und das Gut steht unter der Aufsicht eines strammen Nazis. Die Nachrichten vom elterlichen Gut in Ostpreußen sind auch sehr bedrohlich. Unverdrossen versucht Freddie den Kopf hoch zu halten, ihrer Familie und den vielen Flüchtlingen eine Stütze zu sein. Doch die letzten Kriegsmonate und die Nachkriegszeit fordern viele Opfer von ihr. Eltern und Schwiegereltern, die ganze Familie flieht in den Westen, doch Gebhard hofft nach Ende des Kriegs sein Gut wieder bewirtschaften zu können, doch wieder wird er verhaftet und Freddie gelingt in letzter Minute mit den Kindern die Flucht.
Es ist ein besonders intensives Leseerlebnis, auch weil ich weiß, dass der Roman um Frederike auf einer wahren Geschichte beruht. Die Autorin hatte Zugang zu vielen Familiendokumenten und setzt einer mutigen Frau mit ihrem Buch ein Denkmal. Die Lebensgeschichte ist mir unter die Haut gegangen und hat mich tief emotional berührt. Es sind die kleinen Alltagsdinge die die Kriegszeit und die Hungerjahre viel authentischer darstellen, als es ein Sachbuch je vermag. Der Gutshof ist wie ein Kosmos, jedes Mitglied, ob Familie oder dienstbare Geister haben ihren Platz und ihre Geschichte. Wobei jede Figur – bis zu den Kriegsflüchtlingen und Zwangsarbeitern – stimmig ausgearbeitet sind. Jede Person bekommt ihre eigene Geschichte und ich kann gar nicht anders, ich bin schon nach wenigen Seiten ein Teil dieser Geschichte, hoffe und bange mit Freddie und freue mich, wenn ihr wieder einmal gelungen ist, die Einschränkungen des regimehörigen Verwalters abzuschwächen. Die kleinen Episoden aus der Küche und dem Hof sind erfreuliche Atempausen im dramatischen Geschehen.
Es gibt wenige Bücher von denen ich mir wünschte, sie mögen immer weitergehen. Ulrike Renks Geschichte über Frederike von Mansfeld gehört definitiv dazu, deshalb habe ich den letzten Band der Trilogie mit großem Bedauern beendet und bin sicher, dass ich die Romane immer wieder aufschlagen werde.

Bewertung vom 01.08.2018
Die edle Kunst des Mordens / Clara Annerson Bd.1
Wagner, Alex

Die edle Kunst des Mordens / Clara Annerson Bd.1


gut

Die Autorin Clara Annerson möchte ins Krimifach wechseln. Um Anregungen und einen Schauplatz zu eruieren besucht sie ein Museum und wird Zeugin einiger verdächtig aussehender Aktionen und Besucher. Allerdings verhindert sie mit ihrem vollen körperlichen Einsatz keinen Kunstraub, sondern unterbricht die Schnitzeljagd einiger Anhänger des „Rudolfsbund“. Geschickt lädt sie sich selbst zum nächsten Treffen dieser Gruppe ein. Die Mitglieder sind allesamt Kunstsammler und Raritätenjäger mit recht exzentrischen Sammelgebieten und Clara verspricht sich viel von diesem Abend.
Es sollte dann auch wirklich ein ganz besonderes Erlebnis werden, denn in der Bibliothek – wo sonst – stolpert Clara über die Leiche der Ehefrau eines Sammlers. Ihr Spürsinn ist geweckt, vor allem, weil die Leiche beim Eintreffen der Polizei verschwunden ist und Kommissar Wenge nicht sonderlich ambitioniert erscheint.
Mit Raffael Lamarck, anfangs einer ihrer Verdächtigen, später dann Verbündeter, geht sie selbst auf Verbrecherjagd und konstruiert ganz nebenbei die Handlung eines Kriminalromans.
„Die edle Kunst des Mordens“ ist unterhaltsamer Kriminalroman, der seine Hobbyermittlerin in den Mittelpunkt stellt. Clara tritt in die Fußstapfen von Miss Marple und versucht auf ihre Art den Fall zu lösen, was zu vielen Verwicklungen führt und den Leser in die Aufklärung einbezieht. Der Kreis der Verdächtigen ist überschaubar und wir lernen sie, genau wie Clara, gleich zu Beginn des Abendessen der Rudolfsbündler kennen. Motive gibt es viele und wie so oft, ist Geldgier und Neid bei fast allen Verdächtigen zu finden.
Die einzelnen Personen sind recht witzig und mit ihren Spleens auch unterhaltsam beschrieben. Besonders Raffael Lamarck, auf den Clara bald schon ein Auge wirft, hat einige Geheimnisse, die Clara bis zum Schluss nicht ganz ergründen kann. Die Fragen bleiben nicht nur für unsere Hobbyermittlerin unbeantwortet, auch der Leser wird dadurch ganz geschickt geködert. Aufklärung wird es sicher im nächsten Band geben, denn schon der Untertitel des Krimis „Clara Annerson ermittelt“ weist auf eine beginnende Reihe hin.
Ein – trotz Mord – eher gemütlicher Kriminalroman, der gut unterhält und sich zum Miträtseln anbietet. Locker und amüsant geschrieben, macht es Spaß sich mit Clara auf Spurensuche zu begeben. Als Reihenauftakt gibt es noch Luft nach oben und ein wenig mehr Tempo in der Handlung dürfte auch nicht schaden.

Bewertung vom 30.07.2018
Ein unvergänglicher Sommer
Allende, Isabel

Ein unvergänglicher Sommer


sehr gut

Isabell Allendes neuer Roman erzählt die Geschichte dreier Menschen, die der Zufall oder das Schicksal zusammenführte. Alle drei haben gebrochene Biografien und schleppen Altlasten aus Verlust, Trauer und Schuld mit sich.
In wechselnden Kapiteln und Perspektiven erzählt Allende von Evelyn, dem illegal in der USA arbeitenden Kindermädchens und der Geschichte ihrer Familie und ihrer Flucht in die Vereinigten Staaten.
Sie erzählt von Richard, der an seiner Vergangenheit krankt und sich die Schuld am Tod seiner Tochter und seiner Frau gibt. Nachdem er seine Alkoholsucht überwunden hatte, stürzte er sich in seine Arbeit und sein Haus,das kalt, kahl und unfreundlich zu seiner Festung wurde.
Lucia ist seine Untermieterin, eine Exil-Chilenin, die trotz ihrer Trauer um ihren in der Diktatur verschwunden Bruder und ihre gescheiterte Ehe und ihre Krebserkrankung sich eine lebensbejahende Energie bewahrte.
Zusammengeführt hat einen Auffahrunfall die Drei. Richard fuhr auf Evelyns Wagen auf und versteht erst nicht ihre verstörte Reaktion. Die wird ihm erst später klar, als sie erfahren, dass im Kofferraum eine Leiche liegt und Evelyn den Wagen ihres Arbeitgebers gestohlen hat. So machen sie sich auf den Weg, den Leichnam und den Wagen zu entsorgen und alle Spuren zu tilgen. Das ist Lucias Idee, die die junge Illegale auf keinen Fall allein lassen möchte. Aber diese Fahrt wird die Zweckgemeinschaft verändern.
Isabell Allendes Schicksal ist es, dass ihr erster Roman „Das Geisterhaus“ ein Meilenstein war. Ein Buch, das aus der zeitgenössischen lateinamerikanischen Literatur nicht wegzudenken ist. Seit dem wird jedes neue Buch von ihr daran gemessen und hält dem Vergleich nicht stand. Was eigentlich ungerecht ist, denn sie schreibt hinreißende und spannende Geschichten voller Lebenserfahrung und mit einer tiefen Menschenfreundlichkeit. Und genau das macht auch „Ein unvergänglicher Sommer“ aus. Es hat mir sehr gut gefallen.

Bewertung vom 30.07.2018
Franziska zu Reventlow
Decker, Kerstin

Franziska zu Reventlow


gut

Fanny zu Rewentlow ist eine Frau, die auch heute noch polarisiert. Geboren als 5. Kind einer norddeutschen Adelsfamilie war sie von Kind an eine Unangepasste. Die Erziehungsmethoden prallten an ihr ab, Auflehnung und Rebellion waren ihr schon als junges Mädchen eigen und sie sollte sich nie an Konventionen halten. Um der Entmündigung zu entgehen, lebt sie einige Zeit in einer Pastorenfamilie, bereitet sich auf ein Lehrerinnenexamen vor. Die Heirat mit Walter Lübke scheint ihr ein Ausweg. Walter finanziert ihren Aufenthalt in München, wo sie Malerei studieren möchte. Aber, wie so oft, kommt ihr die Liebe – oder besser der Eros dazwischen. Bald gilt sie als der Stern der Schwabinger Boheme.
Kerstin Decker findet dafür die Bezeichnung „ die Vielliebende“, tatsächlich ist Fanny eine Frau, die die Liebe und Leidenschaft liebt. Da mündet in viele, oft auch rein kommerzielle sexuelle Begegnungen. Ihr Leben verläuft in unruhigen Bahnen, allgegenwärtig ist die materielle Not und ist immer wieder auf Zuwendungen angewiesen. Schon lange hat sich Mann und Familie von ihr abgewendet.
Ich hatte schon einiges von und über Franziska zu Rewentlow gelesen und war sehr gespannt auf diese Biografie. Es ist mir mit diesem Buch nicht leicht geworden. Ich empfand den Schreibstil als überbordend und sich in vielen Nebensächlichkeiten verzettelnd. Die weitschweifigen Einlassungen zu den philosophischen Gedanken der zeitweiligen Gefährten, wie Ludwig Klages waren eine echte Herausforderung an mein Durchhaltevermögen. Dazu kam, dass mir Franziska immer uninteressanter wurde, je mehr ich über sie las. Vielleicht lag es auch daran, dass die Autorin den Schwerpunkt auf das Liebesleben und die sexuelle Selbstverwirklichung Franziskas legte, aber andererseits war das auch der Schwerpunkt ihres Leben.
Die Biografie ist detailverliebt und punktet mit vielen Zitaten aus den Briefen und Notizen Franziskas und ihrer Zeitgenossen. Die Autorin hat wirklich jeden Aspekt dieses Lebens erfasst und trotzdem konnte mich die Biografie nicht gänzlich überzeugen.