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Benutzername: Capitanezza
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Bewertungen

Insgesamt 2 Bewertungen
Bewertung vom 28.08.2016
Geköpft und gepfählt
Franz, Angelika; Nösler, Daniel

Geköpft und gepfählt


sehr gut

Ein empfehlenswertes Buch über einen Aberglauben, der so alt wie die Menschheit ist, heute aber ganz verdrängt - bis auf Vampire: über die Untoten (Wiedergänger, Nachzehrer etc.). Im ersten Teil werden viele Geschichten, vor allem aus der Volkskunde, erzählt, um in etwa den Umfang des Themas darzutun. Dann wurde es richtig spannend, weil die vorherigen Geschichten mit archäologischen Funden und Sachbeschreibungen unterfüttert wurden, hätte von mir aus noch viel mehr sein können. Der Schluss war dann zwar unterhaltsam, aber etwas überflüssig, weil er vor allem das im Allg.. bekanntere Thema des Vampirs in Literatur, Filme etc. darstellte.

Bewertung vom 28.12.2009
Die Donar-Eiche
Hammerbacher, Hans W.

Die Donar-Eiche


weniger gut

Ein harmlos wirkendes Buch. Doch schon in der „Einführung“ stockt man bei Wendungen wie „Damals konnte man noch nicht absehen, welche Wirkung die Tat des Missionars haben sollte. Heute ist Bonifatius’ Schändung eine Metapher für den Niedergang, dem wir ausgesetzt waren und sind.“ Das klingt doch .... richtig, der Verlag, der das Buch verlegt hat und für diese Einführung zeichnet, gehört in die rechte Szene. Der Verfasser auch? Nach längerem Suchen im Internet einige Daten zu seiner Biografie: Hans-Wilhelm Hammerbacher, geb. 1903, trat am 25.4.1933 in die NSDAP ein, er wurde am 28.2. 1934 in die SA aufgenommen. 1938 war er Kreisleiter von Bregenz, 1940 in die Münchener Parteikanzlei berufen, 1941 Bereichsleiter in Welun in Schlesien. 1945 wurde er inhaftiert, 1949 wieder freigelassen. Er zog sich mit seiner Familie zurück und schrieb. Er war mehr Idealist als Krieger, forschte über das Germanentum und schrieb 12 Bücher darüber. Er starb 1980. (Quelle: Google-Bücher „Herta Hammerbacher, 1900-1985, Virtuosin der neuen Landschaftlichkeit“)
In „Die Donar-Eiche – Geschichte eines Heiligtums“ stellt Hammerbacher die Fällung dieser Eiche durch Bonifatius an den Anfang und beschreibt sie als Teil der chattisch-germanischen Heiligtümer, wie sie es auch in Fritzlar, Amöneberg und Gudensberg gegeben hat. Alle Heiligtümer wurden von den Christen zerstört, aber – und das ist Anliegen des Autors – sie wirkten weiter, unterschwellig, geheimnisvoll; durch Nennung überraschender „Tatsachen“ oder „siehst-du-wohl“ Argumente immer wieder ins Gedächtnis gerufen. Dazu lässt Hammerbacher in großer Fleißarbeit die deutsche Geschichte, fokussiert auf das Land Hessen, vor den Augen der Leser aufmarschieren, vor allem aber den mittelalterlichen Dauerkonflikt zwischen Kaiser und Kirche, zwischen zentralistisch römischer Klerikalherrschaft und romfeindlichen Mächten. Gut sind alle Kaiser und Fürsten, die das „Germanentum“, die „germanische Geisteshaltung“ hochhalten und die deutsche Einheit fördern. Beim Lesen stolpert man immer wieder über Sätze wie
„die Tatsache, dass Wynfrith seinen germanischen Namen wegwarf, um eine römischen anzunehmen und sich dem römischen Papst bedingungslos unterzuordnen, lässt darauf schließen, dass Wynfrith kein reiner Germane war“(72) oder „Hatto hätte das königliche Heer nützlicher gegen die Sorben einsetzen sollen als zur Ausrottung eines deutschen Fürstengeschlechts“ (137) und schließlich „Schlimmer wurde Hessen nach Errichtung des Großdeutschen Reiches durch A. Hitler von den Eingriffen der Feindmächte im 2. Weltkrieg betroffen“ (232).
Fazit des Buches: Die Eiche wurde gefällt, aber sie wächst wieder neu. Das „deutsche Wesen“ hat sich durchgesetzt und „dies geschah trotz der Bestrebungen des Bonifaz, der in blindem Gehorsam gegenüber Rom die Erinnerung der deutschen Stämme an ihre ehrwürdige Frühzeit auslöschen woll-te.“ (275) „Die Kräfte der Landschaft erwiesen sich als dauerhafter als der Wille fremder
Glaubensfanatiker.“ (111)
Das Buch wurde nicht während des 3. Reiches geschrieben, sondern in „bundesrepublikanischen“ Zeiten, da Hammerbacher immer wieder auf die Teilung Deutschlands Bezug nimmt.