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Benutzername: piggy


Bewertungen

Insgesamt 4 Bewertungen
Bewertung vom 19.04.2017
Ikigai
Miralles, Francesc; García (Kirai), Héctor

Ikigai


sehr gut

Die Japaner sagen, dass jeder Mensch ein Ikigai hat. Ikigai steht für das, wofür es sich morgens lohnt, aufzustehen oder ganz kurz: der Sinn des Lebens. Es ist nicht das Cover, was mich angezogen hat, sondern der Titel mit dem kleinen aber feinen Untersatz „Gesund und glücklich hundert werden“. Wer wünscht sich das nicht? Ein erfolgreiches, langes und glückliches Leben. Die beiden Autoren lernten sich durch einen gemeinsamen Freund kennen, der den Kontakt zwischen ihnen herstellte. Die zweite Begegnung von Miralles und Garcia legte dann den Grundstein für dieses Buch.

Positiv ist auf jeden Fall, dass es sich hier nicht um ein trockenes Sachbuch handelt, sondern sich sehr spannend liest. Die Autoren lassen auch einige über 100-Jährige zu Wort kommen, die aus ihrer Sicht erklären, warum sie glauben, dass sie so ein hohes Alter erreicht haben. Interessant sind auch die Tipps zum Thema Achtsamkeit, gerade zur Vermeidung von Stress. Sicherlich ist vieles von dem, was hier im Buch aufgeführt wird nicht neu und man hat es irgendwo bestimmt schon einmal gelesen. Zum Beispiel wusste ich vorher, dass man nicht so lange essen sollte, bis man satt ist, sondern kurz vor diesem Punkt besser aufhört. Ist der Magen nur zu 80 % gefüllt, wird dem Körper keine so große Anstrengung abverlangt wie mit einem vollen Magen. Eine aufwendige Verdauung beschleunigt die Zelloxidation.

Der Grundtenor dieses Buches ist grob zusammengefasst: Bleib bis ins hohe Alter aktiv. Wer sich hängen lässt, wird definitiv schneller altern. Dies gilt sowohl für die körperliche als auch geistige Aktivität. Ob man nun unbedingt hundert Jahre alt werden muss, sei dahingestellt - aber was spräche gegen ein gesundes Leben und eine gute Leistungsfähigkeit im hohen Alter? Wer mit 80 noch im Garten sein Unkraut selber zupfen kann, ist sicherlich von vielen zu beneiden, die mit ihrem Rollator durch die Gegend schieben und sich nicht einmal mehr alleine die Schnürsenkel zubinden können. Von mir gibt es vier Sterne für diesen wertvollen Ratgeber.

Bewertung vom 19.03.2017
Schlaflied / Olivia Rönning & Tom Stilton Bd.4
Börjlind, Cilla; Börjlind, Rolf

Schlaflied / Olivia Rönning & Tom Stilton Bd.4


ausgezeichnet

Cilla & Rolf Börjlind haben sich in dem neuesten Band um Olivia Rönning und Tom Stilton die Flüchtlingskrise zum Thema gemacht. Der Stockholmer Bahnhof versinkt im Chaos. Immer mehr neue Flüchtlinge kommen an und hoffen auf eine Unterkunft. Die provisorischen Zeltunterkünfte platzen aus allen Nähten und auch die freiwilligen Helfer wissen nicht mehr wohin mit all den Menschen. Und es sind auffallend viele Kinder und Jugendliche unter darunter. Eines von ihnen ist ein Mädchen namens Folami aus Nigeria. Sie findet Hilfe bei der Obdachlosen Muriel, die ihr Unterschlupf in einer verlassenen Hütte eines Bekannten gewährt. Dort sind die beiden allerdings nicht sicher …

Zur selben Zeit bearbeitet das Team um Mette Olsäter den rätselhaften Fund eines 10-jährigen Jungen, der ermordet und dessen Leiche in einem Wald verscharrt wurde. Das Team bekommt unerwartet Hilfe von dem ehemaligen Kriminalkommissar Tom Stilton, der vor langer Zeit seinen Dienst quittiert und als Obdachloser auf der Straße gelebt hat. Auch Muriel wendet sich an Tom, weil sie befürchtet, dass Folami sich in Gefahr befindet. Kann es wirklich sein, dass Flüchtlingskinder plötzlich spurlos verschwinden?

„Schlaflied“ bietet Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Ich habe diesen Krimi nicht aus der Hand legen können. Mit dem neuesten Band haben Cilla & Rolf Börjlind sich selbst übertroffen. Bereits die anderen Bände aus der Reihe waren schon klasse, aber hier haben sie noch einmal richtig zugelegt. Das Autorenpaar hat es einfach drauf, eine bedrückende Stimmung zu erzeugen und an den Nerven ihrer Leser zu ziehen. Ich habe mich schon ziemlich schnell auf einen Täter eingeschossen, musste meine Meinung dann aber wieder revidieren. Es gibt mehrere Erzählstränge, die am Ende perfekt zusammengeführt werden.

Bereits der Prolog beginnt mit einem Mord und als Leser fragt man sich unweigerlich, warum handelt dieser Mann so und vor allen Dingen - wer ist dieser Mann? Denn Schauplatz und Charaktere wollen irgendwie so gar nicht zum Rest der Geschichte passen. Und erst die letzte Passage des Buches klärt die ganze Situation auf und ich muss sagen: einfach brillant!

Die beiden Autoren haben in ihrer Reihe wahnsinnig gute Charaktere ins Rennen geschickt. So ziemlich jeder von ihnen ist zwar problembehaftet und doch sind sie alle unglaublich sympathisch. Die Entwicklung der Figuren ist interessant und die Reihe hat schon Suchtfaktor. Die Fälle kann man unabhängig voneinander lesen, sollte die Reihenfolge aber alleine wegen der Entwicklung der Charaktere schon einhalten. Ich kann den nächsten Band bereits jetzt kaum erwarten und vergebe fünf Sterne für „Schlaflied“.

Bewertung vom 12.02.2017
Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
Pásztor, Susann

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster


ausgezeichnet

Mit „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ hat Susann Pásztor ein Buch über das Sterben geschrieben. Auch wenn es vielleicht der erste Gedanke sein mag: Dieser Roman ist nicht traurig. Er berührt, zieht den Leser jedoch nicht runter. Das Cover ist farbenfroh und strahlt eine gewisse Leichtigkeit aus, die sich trotz des ernsten Themas auch in der Geschichte widerspiegelt. Die Autorin selbst hat eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin abgeschlossen und weiß daher, worüber sie schreibt.

In dem Roman geht es um Fred Wiener, einen alleinerziehenden Vater eines 13-jährigen Sohnes namens Phil. Fred hat sich zum Sterbebegleiter ausbilden lassen und trifft in seinem ersten Einsatz auf die sechzigjährige krebskranke Karla, die noch knapp ein halbes Jahr zu leben hat. Gedanklich stellt er sich schon vorher ein Fragenkonzept zusammen, um nicht ganz unvorbereitet an das Thema heranzugehen. Wie geht man mit einem Menschen um, dem nicht mehr viel Zeit bleibt. Welche Themen schneidet man an? Welche Fragen stellt man? Der erste Besuch bei Karla läuft für beide Seiten nicht ganz angenehm ab. Auf Freds Frage: “Was würden Sie denn gern tun mit der Zeit, die Ihnen noch bleibt?“ entgegnet Karla ganz lapidar: „Ist das Ihr Unterhaltungsprogramm für Sterbende, Herr Wiener?“

Beide Seiten müssen im Laufe dieser Zeit feststellen, dass sie ein völlig falsches Bild vom jeweils Anderen haben. Karla verhält sich nicht, wie eine sterbende Frau sich Freds Meinung nach verhalten sollte. Selbstbestimmt und zielstrebig tritt Karla ihren letzten Weg an und lässt sich von niemandem reinreden. Und auch Karla muss feststellen, dass Fred nicht einfach nur Sterbebegleiter, sondern auch ein Freund ist, der mehr investiert als das, was man in einer Ausbildung zum Sterbebegleiter lernt. Beide lernen etwas voneinander und auch Phil, der Archivierungsarbeiten für Karla ausführt, nimmt viel Positives aus dieser Verbindung mit.

Die Autorin beschreibt auf sehr einfühlsame Weise, wie nahe Lebenslust und Abschiednehmen beieinanderliegen. Sie zeigt auf, wie beide Seiten mit dem Loslassen umgehen, dass es ein selbstbestimmtes „würdevolles“ Sterben geben kann und dass man einen Sterbenden nicht bemitleiden muss. Auch zeigt uns diese Geschichte, dass Menschen manchmal von dieser Welt gehen, ohne bestehende emotionale Probleme lösen zu wollen und damit vielleicht einen anderen Menschen sehr verletzt zurücklassen. Prioritäten verschieben sich und ganz andere Dinge rücken in den Vordergrund. Susann Pásztor hat ein durch und durch wundervolles Buch geschrieben, welches ich nur jedem empfehlen kann, der sich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte.

Bewertung vom 21.01.2017
Fastenopfer / Kommissar Max Kramer & Nonne Maria Evita Bd.2
Leiss-Huber, Anton

Fastenopfer / Kommissar Max Kramer & Nonne Maria Evita Bd.2


sehr gut

Als Kommissar Max Kramer am Aschermittwoch nach einer durchzechten Faschingsnacht plötzlich die attraktive Staatsanwältin Dr. Rasske neben sich im Bett liegen sieht, denkt er noch, dass der Tag nicht schlimmer werden könnte. Doch dann kommt ihm ein Mordfall dazwischen. Der Verwalter des Tilly – Benefiziums liegt erstochen in seinem Büro der Altöttinger Kapellenadministration.

Steckt jemand aus der Gemeinde Altöttingen dahinter? Womöglich ein Anhänger Tillys, der ganz und gar nicht damit einverstanden ist, dass die vor 379 Jahren von Graf Tilly hinterlassene Stiftung aufgelöst werden soll? Damit hätte die Kirche einen heiligen Eid gebrochen. Aber wer ist fähig einen solchen Mord zu begehen? Oder steckt in Wahrheit doch etwas ganz anderes dahinter?

Bei "Fastenopfer" handelt es sich um einen Regionalkrimi. Anton Leiss-Huber wartet mit einer Menge Lokalkolorit auf und auch der Humor kommt dabei nicht zu kurz - aber ohne je ins Lächerliche abzudriften. Die Protagonisten wirken manchmal etwas unbeholfen und werden auch ganz gerne etwas überzogen dargestellt, sind aber durch die Bank weg sympathisch. Besonders gut gefallen haben mir die Textstellen mit Dialekt. Die sind leicht zu verstehen und tauchen immer nun mal zwischendurch auf, sodass der Lesefluss nicht gestört wird.

Der Krimi beginnt und endet recht spannend und es ist dem Autor gelungen ein paar Fährten zu legen, um nicht nur die Ermittler, sondern auch die Leser auf die ein oder andere falsche Spur zu schicken. Ich habe bis zum Schluss nicht gewusst, was nun Sache ist und wer tatsächlich hinter dem Mord steckt. Schade, dass 250 Seiten so schnell ausgelesen sind.

Von mir gibt es vier Sterne.