Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Lesezeichen

Bewertungen

Insgesamt 14 Bewertungen
12
Bewertung vom 20.02.2022
Magische Schatten
Winter, Fiona

Magische Schatten


gut

~Magische Schatten~ von Fiona Winter


Amelie ist eine Zauberin, die sich auf weiße Magie spezialisiert hat. Als sie von einer Vampirjäger- Organisation angeworben wird, stimmt sie zu, Lucian auszuschalten. Immerhin kann schwarze Magie auch nicht so schwer sein und der alte Vampir hat Verbrechen begangen, die die Strafe rechtfertigen, oder?! Bald ist sich Amelie da nicht mehr so sicher, doch zum Nachdenken bleibt wenig Zeit.


Da Amelie keinerlei Erfahrungen mit schwarzer Magie hat und sich mit Vampiren nur wenig auskennt, ist man als Leser direkt bei ihrem Lernprozess dabei. Das erleichtert den Einstieg in den Roman, denn die Informationen prasseln nicht auf einen ein.

Die Dialoge sind oft witzig und haben mich beim Lesen zum Schmunzeln gebracht. Besonders Sassa ist lustig und sympathisch. Ich habe den kleinen Dämon sofort in mein Herz geschlossen. Er ist mein Lieblingscharakter im Roman.

Die Handlung schreitet schnell voran. Das macht sie zum einen spannend, jedoch hätte ich mir an manchen Stellen gewünscht, dass innegehalten wird. Besonders die Beziehung zwischen Amelie und Lucian schlägt schnell um. Für mich hätte es etwas mehr zwischen dem "Ich bringe dich um" und dem "Ich liebe dich" geben können. So wirkte die Beziehung zwischen den Beiden fast schon gehetzt auf mich.

Auch das letzte Drittel des Buchs ging mir fast etwas zu schnell: Ich hatte Mühe mit dem Tempo mitzuhalten. Da in diesem Abschnitt viele Rätsel und Geheimnisse aufgeklärt wurden, war es für mich schwierig alles zu erfassen und den Überblick zu behalten. Zudem war es irritierend, dass eine Distanz einmal als eine mehrtägige Reise beschrieben wurde, später dann aber schnell überwunden werden konnte.

Der Kampf zum Schluss wirkte auf mich etwas deplatziert: Es ging um Leben und Tod, trotzdem haben die Protagonisten keine Angst, sondern hauen lieber noch einen lockeren Spruch raus. Das war für mich etwas irreführend. Ebenso die Szene, in der Amelie ins Feuer rennt. Sie scheint die Hitze nicht zu spüren, sondern ist noch zu einer Unterhaltung aufgelegt. Im Nachhinein hat sie auch keine Rauchvergiftung, obwohl sie dem Brandherd ziemlich nahe kam.


Alles in allem hat mich "Magische Schatten" gut unterhalten. Wer actionreiche Handlungen und humorvolle Einlagen mag, kommt voll auf seine Kosten.

Bewertung vom 06.01.2022
Schöner wohnen mit Dämonen
Boyd, Evelyn

Schöner wohnen mit Dämonen


ausgezeichnet

~Demons of London- Schöner wohnen mit Dämonen von Evelyn Boyd~

Aimėe ist auf der Flucht vor ihrem skrupellosen Bruder. Durch einen Zufall landet sie in einer WG mit sehr ungewöhnlichen Mitbewohnern. Nach einiger Skepsis auf beiden Seiten zieht Aimėe dauerhaft ein. Doch reicht das wirklich aus, um sich vor ihrem Bruder zu verbergen? Und welchen Beruf haben ihre Mitbewohner wirklich???

Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich. Man möchte das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen.

Die Handlung nimmt an manchen Stellen unvorhersehbare Wendungen. So erhält Aimėe bspw. von einem zwielichtigen Krämer Hilfe. Andere Stellen hingegen sind vorhersehbar; Ich konnte mir bspw. ohne Mühen denken, in welche Richtung die Beziehung zwischen Aimėe und Cyrus gehen wird. Manche Stellen sind auch geradezu skurril. Was aber alle gemeinsam haben: Sie sind einfach toll zu lesen, bringen einen zum lachen und machen gute Laune.

Die Protagonisten sind allesamt ungewöhnlich und einzigartig. Ich habe sie alle sofort in mein Herz geschlossen und könnte gar nicht sagen, welcher mein liebster Protagonist ist.

Ich bin begeistert von diesem Roman und empfehle ihn deswegen auch weiter. Das einzige Manko ist, dass er mit seinen knapp 150 Seiten recht kurz ist.

Bewertung vom 25.10.2021
Kirschblütenliebe (eBook, ePUB)
Kawazoe, Fiona

Kirschblütenliebe (eBook, ePUB)


gut

~ Kirschblütenliebe von Fiona Kawazoe ~


Das Buch erschien zuerst unter dem Titel "Für immer Sushi?". Diese Rezension bezieht sich auch auf diese Version.

Vanessa ist mit ihrem Leben unzufrieden. Damit es ihr wieder besser geht, hört sie auf den Rat einer Bekannten und wird Au- Pair in Japan. In Tokio angekommen packen sie jedoch die altbekannten Selbstzweifel. Diese werden noch verstärkt, da Vanessa weder die Landessprache beherrscht, noch sich mit der hiesigen Kultur auskennt.... Soll sie einfach wieder einen Rückflug buchen und die fixe Idee mit dem Au- Pair- Job sein lassen???

Der Schreibstil ist sehr bildhaft: Ich war noch nie in Tokio, konnte mir aber problemlos die einzelnen Handlungsorte vorstellen.

Saki und Takuya habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Ich mochte die beiden Charaktere, auch wenn sie so unterschiedlich sind. Um ehrlich zu sein, war ich ein bisschen neidisch auf Vanessa; Ich hätte auch gerne solche tollen Freunde.
Mit Vanessa wurde ich hingegen nicht ganz warm. Im Verlauf der Story wird zwar erklärt, warum sie sich manchmal eigenartig und unselbständig verhält. Trotzdem haben mich einige Dinge an ihrem Verhalten gestört, u.a. der Eiertanz, den sie rund um Takuya aufführt.

Das absolute Highlight war für mich die anschauliche und lebensnahe Schilderung von Japan und der hiesigen Kultur. Ohne Wertung beschreibt die Autorin sowohl die westliche, als auch japanische Sichtweise auf verschiedene Themen, wie Kindererziehung, Arbeit und Liebesbeziehungen. Ich habe beim Lesen viel gelernt, u.a. auch über meine eigene Kultur.

Bewertung vom 11.09.2021
Nachts sind alle Mörder grau / Berlin Monster Bd.1
Rabe, Kim

Nachts sind alle Mörder grau / Berlin Monster Bd.1


sehr gut

~ Berlin Monster- Nachts sind alle Mörder grau von Kim Rabe ~

Durch ein missglücktes wissenschaftliches Experiment wurde der Aberglauben der Menschen real. So kommt es, dass sich allerlei Fabelwesen, die so genannten Stifs, überall auf der Welt tummeln. Unter anderem auch in Berlin, Lucys Heimatstadt. Sie kann die Anwesenheit der Stifs spüren, weswegen sie sich in ihrer Detektei auf Fälle spezialisiert hat, die diese betreffen. Als sie damit beauftragt wird, eine verschwundene Fee zu suchen, kann sie noch nicht ahnen, welch weite Kreise dieser Fall zieht.

Der Roman wurde in der Ich- Form geschrieben, weswegen man sich gut in Lucy hineinversetzen kann. Mir war sie gleich sympathisch, da sie sich für ihre Grundsätze einsetzt und nicht verbiegen lässt, auch nicht von ihren zahlenden Klienten. Sie ist stark mutig und mitfühlend, auch den Stifs gegenüber, was für Menschen nicht immer der Fall ist. Trotzdem ist sie nicht perfekt: Sie macht auch Fehler und hat Schwächen. Das macht sie für mich zu einer gelungenen Romanfigur: Eben menschlich und realistisch. Auch Lucys Mitbewohner waren mir sehr sympathisch. Realistisch war auch, dass jeder einzelne Protagonist seine eigene Art zu Sprechen hat.

Der Vermisstenfall nimmt schnell an Fahrt auf und zieht immer weitere Kreise. Lucy taucht schnell in eine Welt aus Korruption, Diskriminierung und Wut ab. Die Handlung nahm immer wieder unvorhergesehene Wendungen und war von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

Die vielen verschiedenen Arten von Stifs machen den Roman bunt, vielfältig und lebendig. Neben den Fabelwesen, die oft in Fantasyromanen beschrieben werden, wie Hexen, Feen, Elfen und Trolle, gab es auch (für mich) unbekannte Wesen zu entdecken. Bspw. einen orientalischen Dämon oder eine andalusische Sagengestalt. Da war es gut, dass es einen Bezug zu den Sagen, Märchen und Mythologien gab, aus denen die einzelnen Stifs stammen. So konnte man auch ohne Vorkenntnisse oder lange Recherchen einschätzen, was die einzelnen Wesen ausmacht und ob sie über magische Fähigkeiten verfügen. Zudem konnte man beim Lesen etwas lernen, was mir persönlich sehr sympatisch war.

Zwar sind viele Elemente des Romans fantastisch, doch die Schauplätze sind real. So kann man genau zurückverfolgen, welchen Weg durch Berlin Lucy genommen hat. Mir hat die Mischung aus Realität und Fantasie gut gefallen. Nur die häufig erwähnten Straßennamen waren für mich etwas zu viel, da sie mir als Nicht- Berlinerin nichts sagten.

Am meisten hat mich die Tiefgründigkeit des Romans überrascht. Für einige Menschen sind die Stifs eine unbekannte Bedrohung oder ein Ärgernis. Das wird von ein paar Randgruppen und Politikern genutzt, um sich zu profilieren und eine feindliche Stimmung zu erzeugen. Dadurch gab es einige Parallelen zum heutigen Weltgeschehen. Besonders gut hat mir hierbei gefallen, dass beide Seiten der Medaille beschrieben wurden. Gerade die Unsicherheit der Stifs ist sehr berührend.
Leider gab es ein paar kleine Logikfehler. Sie beeinflussen die Handlung des Romans zwar nicht direkt, wären jedoch vermeidbar gewesen.
Trotzdem hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen.

Bewertung vom 11.07.2020
Repeat This Love
Scott, Kylie

Repeat This Love


gut

"Repeat this love" von Kylie Scott (erschienen bei LYX) ist ein Liebesroman.
Clementine wurde überfallen und kann sich an nichts mehr erinnern, dass vorher geschah. Sie kann zwar noch sprechen und Dinge benennen, ihre Erinnerungen an ihr Leben sind aber wie ausgelöscht. Kurzum: Sie hat Amnesie.
Langsam versucht sie ihr früheres Ich zu verstehen. Durch Zufall findet sie ihren Ex- Freund wieder. Der ist jedoch nicht gerade begeistert davon, dass sie ihn über ihr früheres Leben ausfragt. Doch sonst bleiben ihr kaum Chancen, ihre Vergangenheit zusammenzupzzeln.

Das Buchcover gefällt mir sehr gut. Es passt, wie ich finde, perfekt zum Inhalt des Buchs.
Der Schreibstil ist locker und man kann der Handlung gut folgen. Es gibt sowohl lustige, als auch nachdenkliche und spannende Stellen, die alle in der gleichen Qualität geschrieben wurden.
Besonders gut gefiel mir, wie Clementine mit ihrer Amnesie umgeht. Ich finde es ist der Autorin gelungen sehr authentisch mit dem Thema umzugehen. Trotz der Schwere der Erkrankung ist das Buch jedoch nicht melancholisch, sondern sprüht vor Leben, das gefiel mir sehr gut.
Ab ungefähr der zweiten Hälfte des Buchs nimmt die Handlung an Fahrt auf. Clementine zieht vom sicheren Hafen (in Form von der Wohnung ihrer Schwester) aus und geht arbeiten. Auch in ihrem Privatleben tut sich einiges und es scheint neue Hinweise zu ihrem Überfall zu geben.
Mir persönlich gingen einige Passagen jedoch "zu schnell". Ich hatte beim Lesen immer das Gefühl, dass wichtige Dinge zwischen Clementine und ihren Mitmenschen nicht ausgesprochen wurden. Zwar werden manche Themen noch angesprochen, aber zu einem wirklich tiefgründigen Gespräch kommt es nur noch selten. Meist werden diese Themen mit ein paar Sätzen abgehandelt und gehen dann in der turbulenten Handlung unter. Das fand ich etwas schade, da mich gerade die tiefgründigen Gespräche und Gedanken, in der ersten Hälfte des Buchs, so sehr verzaubert haben.

Alles in allem hat mich die Geschichte um Clementine berührt. Besonders die ersten 100 Seiten haben mich völlig in den Bann gezogen. Trotzdem gab es Vieles, das ich mir noch ausführlicher gewünscht hätte. Deswegen bekommt "Repeat this love" von mir 3 1/2 Sterne.

Bewertung vom 31.10.2019
Maschine (eBook, ePUB)
Stiller, Barry; Stiller, Dana

Maschine (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

"Maschine" von Barry und Dana Stiller ist ein Kriminalroman.

Als Lisa von einer Kommilitonin hört, dass elektromagnetische Strahlung das Denken des Menschen beeinflusst, kann sie nur lachen. Trotzdem treibt sie die Neugierde dazu an, an einer Sitzung des Schutzbundes gegen Elektrosmog teilzunehmen. Auch das Angebot für ein strahlungsfreies Wochenende in den Alpen nimmt sie aus purer Neugierde an. Doch das Lachen vergeht ihr schnell in dem Camp: Es wird zu einem Horrortrip. Verängstigt sucht sie bei Peter Conrad Schutz. Ihre Geschichte löst bei Peter Erinnerungen an eine Ausgrabung in Jugoslawien wach. Auch dort gab es Ungereimtheiten... Besteht etwa ein Zusammenhang aus beiden Erlebnissen???

Das Cover passt perfekt zum Inhalt des Buchs.

Der Schreibstil ist abwechslungsreich und gut verständlich. Selbst komplexe Sachverhalte, wie den Aufbau der Maschine sind für Techniklaien in so weit verständlich, dass man am Ende weiß, was die Maschine bewirkt.

Schon zu Beginn des Buchs ist die Handlung spannend. Durch unvorhergesehene Wendungen bleibt sie es auch bis zum Schluss. Immer wieder treffen Peter und Lisa auf mysteriöse Umstände, bei denen man sich als Leser fragt "Kann das sein?". Trotzdem enthält der Krimi keine fantastischen Elemente, da es die Autoren schaffen, die Mysterien mit ganz rationalen Mitteln aufzuklären (und den Leser nebenbei zum Nachdenken anzuregen).

Ein weiterer Punkt, der für Spannung sorgt, ist die Zeit, in der der Roman spielt: In den 80- er Jahren hatten die Protagonisten nicht die gleichen Mittel zur Verfügung, wie heute. Ihre Ermittlungen sind dadurch mehr durch Zufall und Glück geprägt. Zudem müssen sie einige riskante Aktionen durchführen, die sie sich in Zeiten von Handy und Internet vielleicht gespart hätten.

Sowohl die Hauptprotagonisten, als auch die Nebendarsteller besitzen eine plastische Persönlichkeit: Sie haben unterschiedliche Denkweisen und Ziele. Das macht sie zum einen realistisch, zum anderen wird das Lesen so angenehm, wenn sich die Protagonisten nicht nur durch ihre Namen unterscheiden und ansonsten einheitlich gestaltet sind.

Das Highlight war für mich, dass man als Leser mitraten kann, wer nun hinter der Maschine steckt. So ist man praktisch mittendrin in den Ermittlungen und wird geistig gefordert, ohne jedoch den bequemen Sofa je verlassen zu müssen.

Bewertung vom 21.07.2019
Drachen bevorzugt / Dragon Hunter Diaries Bd.1
MacAlister, Katie

Drachen bevorzugt / Dragon Hunter Diaries Bd.1


gut

"Drachen bevorzugt" von Katie MacAlister (erschienen bei LYX) ist der erste Roman der "Dragon Hunter Diaries" Reihe. Es handelt sich dabei um einen Romantasy Roman mit einem sehr großen Schuss Comedy.
Veronica hat sich vorgenommen einen Roman zu schreiben. Doch in ihrem durchgetakteten Leben, dass von Phobien bestimmt ist, gibt es keine Inspiration. Das ändert sich schlagartig, als sie von ihrer Halbschwester gebissen wurde und sich verwandelt.

Nach dem Prolog beginnt der Roman mit einem witzigen Dialog. Der zeigt auch gleich, wo die Reise hingeht: Denn der Roman ist kein klassischer Romantasy, sondern voll von Comedy mit skurrilen Handlungsorten, schlagfertigen Gesprächen und ungewöhnlichen Reaktionen der Protagonisten.
Manchmal waren diese humorvollen Einlagen aber ein wenig zu viel für meinen Geschmack. Besonders Veronicas Monologe waren manchmal etwas anstrengend zu lesen. Ein gutes Beispiel dafür waren die zwei erotischen Szenen im Buch: Sie hatten nichts prickelndes mehr an sich, wie man es eigentlich von der Autorin gewohnt ist.

Da Veronica nicht, wie sonst üblich, durch Vererbung zur Drachenjägerin wird, hat sie auch nur wenig Ahnung davon. Erst nach und nach lernt sie neue Begriffe, deren Bedeutung und was überhaupt ihre neue Aufgabe werden soll. Auch als Leser tappt man so lange im Dunkeln, bis sie eine Erklärung erhält. Diese Situation hat in mir zwiespältige Gefühle ausgelöst: Zum einen ist es gut, da man sich so besser in Veronicas Situation einfühlen kann. Zum anderen aber auch anstrengend, da man oft mit Wörtern, wie "Élan vital" konfrontiert wird, ohne genau zu wissen, was das ist.

Auch Veronicas Charakter hat in mir unterschiedliche Emotionen hervorgerufen: Ich finde gut, dass sie keine typische Heldin, sondern eher das "Mädchen von Nebenan" ist. Das macht sie sympathisch. Besonders gut hat mir die Metapher für ihre Phobie als Angsttierchen gefallen. Ich denke so, wie ihre Phobien anfangs dargestellt wurden, ist es realistisch. Später dann, als ihre Verwandlung einsetzt, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, was aber in einem Fantasyroman nichts Ungewöhnliches ist.
Nicht so gut an ihr haben mir ihre endlosen Monologe und die teilweise irrationalen Reaktionen gefallen. Ich finde es auch schade, dass sie kaum eine Charakterentwicklung durchläuft, obwohl sie sich durch die Verwandlung ja in vielen Bereichen verändern sollte. Das macht ihre Person etwas platt und farblos.

Die Handlung nimmt immer wieder unvorhergesehene Wendungen, so bleibt der Roman spannend. Dabei landen die Protagonisten immer wieder in skurrilen und lustigen Situationen. Beim Lesen hatte ich jedoch manchmal das Gefühl, als würde der Schwerpunkt darauf liegen witzig zu sein, statt auf dem Fortgang der Handlung. So bleiben auch bis zum Schluss viele offene Fragen. Da es sich bei "Drachen bevorzugt" jedoch um den ersten Band einer Reihe handelt, können diese auch als Cliffhanger gesehen werden.

Alles in allem ist der Roman gut. Er verlässt die ausgetrampelten Pfade und ist deswegen alles andere als Mainstream. Ich finde es auch sehr gut, dass die Autorin ihren gewohnten Stil hinter sich gelassen hat, um etwas neues zu erschaffen. Ich hätte mir aber eine bessere Ausarbeitung an manchen Stellen gewünscht, denn ich denke die Geschichte hat viel Potential. Nur übersah man das seitenweise durch Veronicas Gerede und ihre Slapstick- Einlagen.

Bewertung vom 12.01.2019
Totwasser
Hofelich, Julia

Totwasser


ausgezeichnet

"Totwasser" von Julia Hofelich (erschienen bei Bastei Lübbe) ist ein Kriminalroman.
Linn Geller ist Rechtsanwältin. Nach einer Berufspause bekommt sie einen Fall als Pflichtverteidigerin. Wirklich zufrieden ist sie damit aber nicht, denn der Fall scheint schon fast verloren: Alle Spuren sprechen gegen ihre Mandantin und selbst Diese scheint schon aufgegeben zu haben. Doch die ehrgeizige Linn entdeckt schnell Ungereimtheiten, die für die Unschuld ihrer Klientin sprechen. Kann sie das Ruder noch herumreißen?
Das Cover ist schön und gefällt mir sehr. Ein Haus, wie es darauf abgebildet ist, wird sogar in dem Roman erwähnt.
Die Handlung wird schnell spannend und bleibt es auch über das gesamte Buch. Immer wieder findet Linn neue Beweise, die sowohl für oder auch gegen ihre Mandantin sprechen. Man kann also bis kurz vor Ende des Romans nicht einschätzen, wer nun der wahre Täter ist. Das lädt zum Miträtseln und -ermitteln ein.
Die Protagonisten verhalten sich realistisch. Besonders Linns Gefühlswelt ist sehr plastisch dargestellt.
Ich kann den Roman besonders den Krimilesern ans Herz legen, die sich gerne selbst Gedanken machen und Mitraten wollen.

Bewertung vom 03.07.2018
Die Bücherjäger
Husemann, Dirk

Die Bücherjäger


ausgezeichnet

"Die Bücherjäger" von Dirk Husemann (erschienen bei Bastei Lübbe) ist ein historischer Roman, der um 1400 in der Umgebung von Konstanz spielt.
In der Bodenseestadt findet ein Konzil statt, dass neben Papst Johannes XXIII auch dessen Sekretär Poggio besucht. Statt sich jedoch endlose Gespräche und Diskussionen anzuhören macht sich Poggio auf, um ein seltenes Buch in einem abgelegenen Kloster zu finden. Er ist nämlich ein so genannter Bücherjäger, eine Person also, die alte, fast vergessene Texte sucht, um sie zu kopieren und wieder in Umlauf zu bringen. Was Poggio nicht ahnt ist, dass dieses besondere Buch sein ganzes Leben verändert.
Der Roman ist sehr spannend geschrieben und wartet immer wieder mit unvorhergesehenen Wendungen auf. Der Leser kann den Ausgang des Buchs also nicht wirklich erraten und wird von der Handlung mitgerissen. Szenen- und Personenwechsel runden dies noch ab. Das Ende schließt den Kreis und hat mir besonders gut gefallen. Ein weiteres Highlight war für mich die Liebe, die Poggio Büchern entgegen bringt: Sie ist für mich als Buchliebhaberin sehr verständlich und macht ihn für mich noch sympathischer.
Sowohl die Protagonisten, als auch die Handlungsorte sind detailreich beschrieben, so dass man sie sich ohne Probleme vorstellen kann. Auch wenn die Handlung nicht ganz an historische Begebenheiten angelehnt ist, wird doch klar wie das Leben zu dieser Zeit in Deutschland war: Der Ablauf von Festen wird genauso authentisch beschrieben, wie der Alltag in einem Kloster. Der Schreibstil unterstreicht diesen Eindruck noch, da die Wortwahl sehr gehoben ist und einige mittelalterliche Begriffe enthält.
Besonders gut hat mir das Nachwort gefallen. Darin wird beschrieben, welche historische Fakten für dieses Buch verwendet, oder verändert wurden. Es wird auch dargestellt, welche Personen wirklich lebeten und welche rein fiktiv waren. So lernt man neben dem Lesespaß auch noch etwas.
Mir hat der Roman sehr gefallen und ich denke er ist für alle Fans historischer Romane geeignet.

Bewertung vom 21.05.2018
Der freie Vogel fliegt
Jidi

Der freie Vogel fliegt


ausgezeichnet

"Der freie Vogel fliegt- Band 2" von Jidi (Text) und Ageng (Zeichnungen) ist ein chinesischer Comic. Es ist der zweite Teil einer Serie, die sich um die Protagonistin Lin Xiaolu dreht.

In diesem Band öffnet sich die schüchterne Xiaolu immer mehr ihren Mitmenschen und schließt so Freundschaften zu Mitschülern, aber auch zu einem kauzigen Ladenbesitzer. In den Gesprächen, die sie führen, erfährt Xiaolu von deren Leben und Wünschen. Besonders die Schwärmereien ihrer Mitschülerinnen für Jungs, beschäftigen sie. Da Lin Xiaolu ein großes Herz hat, versucht sie den Mädchen zu helfen, um ihrem Schwarm näher zu kommen.

Da sich Xiaolu in diesem Band mehr und mehr ihren Mitmenschen öffnet, steht sie dieses Mal nicht so sehr im Vordergrund, wie in Band 1. Der Leser bekommt nun auch Einblicke in das Leben und Denken ihrer Mitschüler und anderer Protagonisten. Dadurch wird der Comic vielseitiger: Man verfolgt ein glückliches Paar von der ersten Begegnung bis heute, erlebt ein Mädchen bei dem Umgang mit einer unerwiderten Liebe zu einem Jungen und begleitet eine Schülerin bei den ersten Schritten in einer neuen Beziehung, die nicht so ist, wie erhofft. Neben diesen zentralen Erzählsträngen wird aber auch das Gefühlsleben anderer Protagonisten kurz angesprochen, jedoch nicht so intensiv beschrieben.

Mir gefällt Xiaolus Weiterentwicklung und ihr Interesse an ihren Mitmenschen. Man merkt, wie sie im Laufe der Comicserie immer reifer und erwachsener wird. Das macht sie sehr realistisch. Besonders, da sie durchaus noch in vielen Situationen kindisch reagiert und ihre Traumwelt nicht ganz aufgegeben hat; Sie ist eben eine typische Jugendliche. Besonders gelungen finde ich auch, wie die Schwärmereien der Mädchen beschrieben werden. Das zeigt, dass Jugendliche auf der ganzen Welt das gleiche Gefühlschaos erleben, ganz gleich, ob sie in China oder Deutschland leben.

Es handelt sich um einen zweisprachigen Comic, was bedeutet, dass die Geschichte einmal komplett in Deutsch gelesen werden kann und einmal in Chinesisch (vereinfachte Schriftzeichen). Da es hinten einen Glossar für schwierige Vokabeln gibt, der das Pinyin und die deutsche Übersetzung enthält, ist der Comic prima dazu geeignet, um seine Chinesischkenntnisse weiter zu verbessern. Ich würde jedoch empfehlen, dass man fortgeschrittene Sprachkenntnisse mitbringt, um den Comic auf chinesisch lesen und verstehen zu können.

Die Zeichnungen sind, wie auch schon in Band 1, wunderschön. Sie sind sehr detailliert und haben nicht viel mit dem gewöhnlichen Comicstil gemein. Mir persönlich gefällt das Spiel aus Licht und Schatten besonders gut, da es sehr realistsich ist. Auch die Protagonisten sind lebensecht gezeichnet und können auf den ersten Blick unterschieden werden. Überhaupt fehlt es keiner der einzelnen Abbildungen an Detailreichtum.

Ich denke, dass es mit ein wenig Fantasie auch möglich ist den zweiten Band zu lesen, wenn man den Ersten nicht kennt. Jedoch würde ich das nicht empfehlen. Besonders, da Band 1 genauso lesenswert ist, wie Dieser.

Ich kann "Der freie Vogel fliegt- Band 2", wie auch schon Band 1, jedem Comicfan mit ruhigem Gewissen empfehlen; Ganz gleich welches Alter er hat. Jedoch sollte man sich bewusst sein, dass Xiaolu nun nicht mehr so sehr im Fokus steht. Wer also das naive, schüchterne Mädchen sucht, dass allein in ihrer Traumwelt lebt, sollte vielleicht auf die Fortsetzung verzichten. Vielleicht erlebt er aber auch, ganz wie Lin Xiaolu, eine positive Überraschung.

12