Benutzer
Benutzername: 
Leseigel
Wohnort: 
Villingen

Bewertungen

Insgesamt 1140 Bewertungen
Bewertung vom 15.01.2026
Schwarz, Gunnar

Der Kissenmörder (Bajetzky & Kuper - Thriller 6)


ausgezeichnet

Fesselnd, erschreckend, aufwühlend
Erneut haben es die Kommissare Emma Bajetzky und Alex Kuper mit einem brutalen Serienmörder zu tun. Er erstickt Frauen mit einem Kissen, nachdem sie mehrere Stunden in seiner Gewalt waren. Für die beiden Kommissare kaum auszuhalten, den Familien der Opfer gegenüberzutreten, darunter auch Kinder. Trotz allem Schrecken die normale Ermittlungsarbeit läuft an. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Opfern ? Wo liegt das Motiv ? Das ist spannend beschrieben und gibt Einblicke in die polizeiliche Routinearbeit . Was die Ermittler dann herausfinden , hat viele verschiedene Emotionen bei mir ausgelöst. Da war das Entsetzen über die brutale Vorgehensweise , die kein Mitleid erkennen lässt.

Da die beiden Beamten ein mögliches Motiv in der Jugend des Täters vermuten, werden Nachforschungen beim Jugendamt und anderen einschlägigen Stellen notwendig. Was Emma und Alex hier über das Leid mancher Kinder erfahren, hat mich traurig gestimmt. Gleichzeitig war da Wut über das Versagen, aber auch die Hilflosigkeit der Behörden. Ich habe die zwei Kommissare für diesen Teil der Ermittlungen nicht beneidet. Dennoch darf man nicht vergessen, dass die beiden einen sadistischen Mörder suchen, der weiter morden wird.

Gegen Ende des Thrillers nimmt die Spannung weiter zu. Viele konkurrierende Aspekte stürmen auf Emma und Alex ein. Wie damit umgehen ? Das Ende hat mich kalt erwischt und war für mich, so seltsam es klingen mag, erleichternd. Der Thriller war wie immer packend, unterhaltsam und stellenweise auch informativ.

Bewertung vom 12.01.2026
Schürmann, Stefanie

Das Amulett der Sekhmet 3


ausgezeichnet

Geschichte fesselnd wie ein Krimi
Das Triumvirat, zu dem sich Marcus Antonius , Octavius und Lepidus zusammen gefunden haben, um die Mörder Caesars zu bestrafen, hat die vereinbarte Bestandsdauer von fünf Jahren fast erreicht. Mittlerweile ist ein Machtkampf zwischen Octavius und Antonius entbrannt, die beide die alleinige Macht im Römischen Reich anstreben. Zu diesem Zweck versuchen sie ihre Einfluss, in den ihnen zugedachten Gebieten zu festigen.

In diesem Teil der Geschichte sind Mara und Brutus zu ihrem Bedauern gezwungen, getrennte Wege zu gehen, was mir aber ein spannendes Lesevergnügen beschert. So bin ich Augenzeuge des Kampfes zwischen Pompeius Sextus und Octavius vor Sicilia und begleite mit Brutus Antonius auf seinem Feldzug gegen die Parther.

Der überwiegende Teil des Buches beschäftigt sich mit Octavius, was mir persönlich gut gefallen hat, da ich das Geschehen hier packender fand. Octavius Krieg gegen Sextus spielt überwiegend auf See ab. Zu Beginn scheinen sich alle Götter gegen Octavius verschworen zu haben, denn er muss einen Rückschlag nach dem anderen hinnehmen. Ich vermute jedoch, es lag daran, dass er einfach den Seekrieg nicht beherrschte. Die Lage ändert sich, als sich der Pirat Menodoros auf seine Seite schlägt. Mit seinem nautischen Wissen und seinem Hang zu ungewöhnlichen Manövern hat er mich sehr an den Seehelden Horatio Nelson erinnert. Sextus und seine Kumpane fand ich nur verabscheuungswürdig. Die Seeschlachten werden lebendig und anschaulich geschildert und manches technisches Detail hat mich wirklich überrascht.

Antonius macht sich siegessicher auf, dem Partherkönig Phraates IV zu bezwingen. Dabei hat jener bereits seine Intrigen gesponnen und seine Fallen gestellt. Antonius erkennt das nicht und führt seine Legionen ins Verderben. Vielleicht war er abgelenkt, da er seine Zukunft mit Kleopatra plant. Obwohl Antonius der Angreifer ist, hätte ich ihm den Sieg gegönnt. Allzu grausam und arrogant erschien mir der Partherkönig. Bei Antonius Rückzug werden Erinnerungen an Napoleons Russlandfeldzug wach. Ich wurde in meiner Meinung bestärkt, dass Kriege nichts heroisches anhaftet, sondern nur Leid bringen.

Durch eingestreute Anekdoten und viel direkter Rede zeichnet die Autorin ein lebhaftes Bild der damaligen Zeit. Nun warte ich gespannt auf die Fortsetzung, denn Brutus und Mara sind immer noch getrennt, der Machtkampf nicht entschieden.

Bewertung vom 12.01.2026
Harris, C. S.

Der Teufel von Bethnal Green Der fesselnde historische Krimi im düsteren Regency London


ausgezeichnet

Mord in der eigenen Familie
Lord Ashworth , der Mann von Sir Devlins Nichte Stephanie , wird in seinem eigenen Schlafzimmer ermordet. Nichts, was Devlin nicht begrüßen würde, da Ashworth ein Mensch ohne Moral war und nur für sein eigenes Vergnügen lebte. Da Stephanie keine glückliche Ehefrau war und dementsprechend keine trauernde Witwe ist, besteht die Gefahr, dass sie des Mordes an ihrem Ehemann bezichtigt wird. Nicht ganz objektiv macht sich Devlin auf die Suche nach dem Mörder. Wieder einmal muss er sich in die dunklen Abgründe des Adels begeben. Da Ashworth für seine abartigen Sexvorlieben bekannt war, sind seine Bekannten und mögliche Täter genauso moralisch fragwürdig. Schnell gerät eine russische Adlige aus dem Gefolge der russischen Großfürstin Katharina in den Focus. Ich glaube, ich tue ihr nicht Unrecht, wenn ich sie als das perfekte weibliche Gegenstück zu Ashworth bezeichne. Ebenfalls eine undurchsichtige Rolle spielt eine französische Immigrantin, die als Hellseherin arbeitet. Es gibt weitere Todesfälle, die im Zusammenhang mit Ashworth stehen, aber nicht geeignet sind, den Verdacht gegen Stephanie auszuräumen. Erst der Hinweis von unerwarteter Seite lässt das Geschehen in einem anderen und überzeugenden Licht erscheinen. Als Devln das nachprüfen will, gerät er in Todesgefahr und ich hätte keine Wette auf sein Leben abgeschlossen.

Ich bin jedes Mal aufs neue von Devlin begeistert. Er ist durch und durch integer und zu aufrichtiger Liebe fähig. Er strebt nach Gerechtigkeit ohne Rücksicht auf Stand, Geld oder Macht. Dabei ist er sich der sozialen Ungerechtigkeit bewusst und verurteilt sie. Dank dem sozialen Engagement seiner Frau Hero lerne ich in diesem Fall die Profession des Lumpen- , Knochen- und Kotsammlers näher kennen. Allein schon die Beschreibung der Arbeitsbedingungen haben bei mir Übelkeit aufkommen lassen .

Das Buch hat mich erneut gefesselt und sehr gut unterhalten. Die historischen Beschreibungen und Ereignisse fand ich interessant, erhellend und haben in meinen Augen ein Lebensnahes Bild der damaligen Verhältnisse gezeichnet.

Bewertung vom 08.01.2026
Korten, Astrid

REBECCA - Schatten über Buchan Manor (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Schaurig, spannend und berührend
Ich kenne sowohl das Buch von Daphne du Maurier als auch den Film von Alfred Hitchcock . Deshalb war meine Neugierde auf das Buch sofort geweckt. Ich gebe zu, ich war skeptisch, ob mich das Buch genauso fesseln würde. Und ja, die Geschichte hat mich gefangen genommen. Dabei ist sie kein bloßer Abklatsch, sondern völlig anders.

Erzählt wird das Geschehen auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart beherrscht Fiona die Handlung. Fiona zieht mit ihrem Ehemann , dem Erben von Buchan Manor und Nachfahre von Angus Campell, in das Haus . Von Anfang an fühlt sie sich beobachtet, hört Geräusche, glaubt Lichter zu sehen. Ihr Umfeld tut das aber mit ihren überreizten Nerven nach einem traumatischen Überfall auf sie ab. Durch Zufall stößt Fiona auf einen alten Zeitungsartikel, der das Verschwinden von Rebecca, einer früheren Bewohnerin des Schlosses zum Thema hat. Sie beginnt , Nachforschungen anzustellen, die grauenvolles zu Tage bringen. Das führt zum zweiten Handlungsstrang, der im Wechsel zu Fiona, Maisies spannende Geschichte erzählt. Maisies Schicksal hat mich stark berührt. Die junge Maisie lebt mit Mutter und Geschwistern in Aberdeen im Jahr 1917 in großer Armut. Verzweifelt sucht sie , Geld zu verdienen , um eine dringend benötigte Behandlung ihrer kranken Schwester zu bezahlen. Da trifft sie auf Baron Angus Campell, Earl of Buchan Manor. Was zuerst wie ein seltener Glücksfall erscheint, wird immer mehr zum Alptraum. Mysteriöse Todesfälle häufen sich im Umfeld des Schlosses und Maisie fürchtet um ihr Leben. Maisie hatte mein ganzes Mitgefühl. Sie war völlig schuld-und schutzlos in eine ausweglose Situation geraten und niemanden hat es gekümmert.

Gut beschrieben war die unheimliche Stimmung im Schloss, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Wer kennt das nicht, wenn man nachts wach im Bett liegt und Geräusche hört, die man nicht zuordnen kann, sogar glaubt jemand sei im Raum. Fiona hat mich beeindruckt, weil sie auch gegen den Willen ihres Mannes nach der Wahrheit sucht , wohlwissend, dass sie schmerzhaft sein könnte. Dass es so furchtbare Geheimnisse sind, damit habe ich nicht gerechnet. Die Herleitung war für mich auf jeden Fall vollkommen überzeugend und realistisch. Mich hat der Thriller komplett überzeugt und schaurig schön unterhalten. Definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin.

Bewertung vom 04.01.2026
Eriksson, Sami

Die Gesichter des Mithras


sehr gut

Wenn Legenden zum Leben erwachen
Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 190 nach Christi Geburt lerne ich den Sklaven Lucius kennen , der die Adlige Livia liebt. Als sein Herr stirbt, erhält Lucius seine Freiheit. Zwar kann er nun Livia heiraten, doch seine wirtschaftliche Situation verschlechtert sich zusehend. Als ihm ein blinder Sohn geboren wird, was als schlechtes Omen gedeutet wird, bleibt der Familie nur die Flucht nach Triportae. Während sich Livia weiter dem Christentum zuwendet, gerät Lucius immer mehr in den Bann des Mithraskults.

Diesen Handlungsstrang fand ich spannend und sehr lebendig erzählt. Ich konnte Lucius gut leiden und fand sein Schicksal , besonders aus heutiger Sicht, mehr als ungerecht. Es machte mich regelrecht wütend. Auch konnte ich die Anziehungskraft des Mithrasglaubens gut nachvollziehen, obwohl ich die Rituale seltsam fand.

In der Gegenwart dreht sich alles um die Archäologin Nora, die ich im Jahr 2018 bei Ausgrabungen in Triportae treffe. Durch Zufall entdeckt sie ein Heiligtum des Mithras, das sich in einem ausgezeichneten Zustand befindet. Das löst einen medialen Wirbel aus und beschert Nora das Angebot einer Professur in Chicago.

Ich mochte Nora nicht wirklich. Sie ist ehrgeizig und will unbedingt Karriere machen, was ich grundsätzlich begrüße. Ich hatte nur den Eindruck, dass sie alles so interpretiert, dass dies der einzige Weg ist. Als sie feststellt, dass sie ein Kind erwartet, wird ihre Welt durcheinander gewirbelt und sich muss ihre Lebenssituation neu überdenken.. Doch das Arbeitsangebot ist zu verlockend. Es gibt auch warnende Stimmen, die Stelle nicht anzunehmen. Nora hält es für Neid und misstraut zunehmend ihrem persönlichen Umfeld.

Hatte ich mit Lucius Mitgefühl und habe sein sein Schicksal betrauert, war ich auf Nora nur wütend. Sie hatte das Hintergrundwissen, das Lucius fehlte. Sie hatte immer die Wahl.

Ich fand die Geschichte ungewöhnlich und dabei geschichtlich interessant. Für mich war die Verknüpfung der beiden Zeitebenen sehr gut gemacht . Zu meiner Freude gibt es ein interessantes und informatives Nachwort des Autors, das weitere Wissenslücken schließt.

Bewertung vom 03.01.2026
Lorne, Mac P.

Robert Surcouf. Der Tiger des Indischen Ozeans


ausgezeichnet

Robert Surcouf - erfolgreicher Korsar und Mann von Ehre
Bisher kannte ich - auch dank der anderen fesselnden Bücher des Autors - nur Seehelden, die der großen Seefahrernation England entstammen. Ein guter Grund auch einmal einen Franzosen näher kennenzulernen.

Robert ist der Spross einer Familie , die bereits einen erfolgreiche Korsaren hervorgebracht hatte und der den jetzigen Reichtum der Familie begründete. Mir war Robert von Anfang an sympathisch. Er will zur See fahren und flieht aus dem Kolleg, wo er zum Priester ausgebildet werden sollte. Er schleicht sich als blinder Passagier auf ein Schiff, lernt das Seefahrerhandwerk von der Pike auf und steigt rasch in der Hierarchie auf. Nie verliert er sein Ziel, einen Kaperbrief zu erhalten, aus den Augen. Seine Heimkehr nach Sant Malo fällt in die Anfangszeit der Französischen Revolution, deren Ziele er teilt. Freigeist, der er ist, will er nicht in die Armee gezwungen werden und sticht sofort wieder in See. Nun beginnt sein Aufstieg zum gefürchteten "Tiger des Indischen Ozeans "

Für mich hat Surcouf die Eigenschaften, die es braucht, um als Held und Vorbild zu dienen. Seine Kaperfahrten waren erfolgreich und sein Ruf legendär. Sein Erfolg gründet sich in meinen Augen auf sein nautisches Wissen, seinen Mut und die Bereitschaft neues und damit unerwartetes zu wagen.. Er hat seine Mannschaft nicht drangsaliert und seine Gegner ehrenhaft behandelt.

Schön fand ich , dass Robert sowohl Nelson als auch Napoleon getroffen hat und das in Situationen, die ich bereits aus anderen Büchern kannte. Besonders seine Treffen mit Napoleon fand ich faszinierend . Ich habe mir dabei oft Sorgen gemacht, da er auch gegenüber dem Kaiser nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Die Szene , die mich am meisten bewegt hat und die in meinen Augen sehr viel über Surcoufs Charakter verrät, ist sein Abschiedssalut für den gefangenen Napoleon. Und dies obwohl Robert Napoleon mittlerweile für seine Kriege verachtet.

Ungewöhnlich fand ich , dass Surcouf nicht im Kampf auf See stirbt, sondern nach vielen ruhigen Jahren an Land im Kreise seiner Familie . Der Autor beschreibt das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes gewohnt anschaulich und lebendig, dass ich immer mittendrin war und beim Lesen nie Langeweile aufkam.

Bewertung vom 03.01.2026
Herron, Mick

Down Cemetery Road


ausgezeichnet

Vom langweiligen Hausfrauendasein hinein in einen Alptraum
Sarah Tucker lebt mit ihrem Ehemann in Oxford. Sie ist mit ihrem Hausfrauendasein und ihrem Ehemann, der sich vollkommen auf seine Karriere konzentriert, unzufrieden. Da schlägt im wahrsten Sinne eine Bombe in ihr Leben ein. Ein Nachbarhaus fliegt in die Luft und die einzige Überlebende , ein vierjähriges Mädchen, verschwindet spurlos und niemanden kümmert es. Nur Sarah ist geradezu besessen davon, das Mädchen zu finden und schaltet den Privatdetektiv Joe ein. Ich mochte Joe, der gutherzig und im Grunde ein Träumer ist. Aber er ist gut im recherchieren und was er herausfindet, lässt einen Skandal großen Ausmaßes vermuten. Die Todesfälle in Sarahs Umfeld häufen sich und Tote melden sich zurück. Schließlich ist Sarah auf der Flucht und muss feststellen, dass nichts so ist, wie sie geglaubt hat.
Als ich mich für das Buch entschieden habe, war nicht der Name des Autors der Grund, der sagte mir nämlich nichts. Mir gefiel die Inhaltsangabe und die ersten Seiten ließen auf gute Unterhaltung hoffen. Sarah war mit zu Beginn eher unsympathisch, fand aber ihre sarkastische Art sehr erfrischend. Mich hat geärgert, dass sie so über ihren Mann herzieht, von seinem Geld profitiert und dabei passiv bleibt.
Es dauert einige Seiten, bis die Handlung langsam zum Krimi wird und unterhält trotzdem ausgesprochen gut durch den gelungenen Erzählstil . Als Sarahs Suche nach dem Kind immer mehr ihr Handeln bestimmt, geht es Schlag auf Schlag. Besonders gut fand ich , dass auch Sarahs Gegenspieler zu Wort kommt. Seine Gedankengänge waren zynisch, aber erschreckend überzeugend . Der Ausgangspunkt der Abläufe zieht immer weitere Kreise und den Grund dafür fand ich sehr realistisch.
Mittlerweile habe ich Sarah Respekt gezollt, weil sie Suche nicht aufgibt trotz Todesgefahr. Das Ende fand ich absolut überzeugend und ich musste tatsächlich lachen, weil diese Wendung so passend war.
Mich hat die Mischung aus ruhigeren Passagen und plötzlichen Ereignisse gefesselt. Genau wie Sarah war ich nie sicher und lag mit meiner Einschätzung oft weit daneben. Die sarkastischen Bemerkungen waren für mich das Salz in der Suppe.

Bewertung vom 31.12.2025
Dark, Kate

Für immer schuldig Ein fesselnder Psychothriller (eBook, ePUB)


sehr gut

Mein bester Freund ein Mörder ?
Wie gut kenne ich eigentlich meinen besten Freund aus Kindertagen ? Diese Frage muss sich Holly stellen, als ihr Freund Reed wegen Mordes an seiner Verlobten verhaftet wird. Alles spricht gegen ihn. Sogar Aaron, der Dritte aus dem Freundschaftsbund, hält Reed für den Mörder. Also beginnt Holly auf eigene Faust zu ermitteln und stößt tatsächlich auf Ungereimtheiten. Als Reed aus dem Gefängnis flieht und bei Holly Unterschlupf erhält, wachsen die Zweifel. Holly ist sich sicher, dass er sie belügt. Auf ihre immer drängendere Fragen gibt er ausweichende Antworten.

Ich fand, den Krimi spannend zu lesen. Es war bewundernswert, wie Holly an Reed festhält, obwohl die Beweise gegen ihn erdrückend sind. So eine Freundin wünscht man sich an seiner Seite, wenn das Leben schwierig wird. Trotzdem stelle ich mir die Frage, ob sie nicht zu naiv war, wenn selbst der Freund aus Kindertagen und Reeds Kollege ihn verdächtigt. Zudem bringt sich Holly durch ihre Nachforschungen selbst in Gefahr. Schritt für Schritt deckt sie ein Komplott auf, das gut durchdacht und ebenso perfide ist. Einige Seiten vor dem Ende kann man dann erahnen, wie alles zusammenhängt, obwohl ein Rest an Unsicherheit bleibt. Mir hat die Geschichte gut gefallen und ich fand auch die Länge angenehm, wodurch sich der Krimi gut für einen entspannten Lesetag eignet.

Bewertung vom 25.12.2025
Zürcher, Dorothe

Venusmuscheln in Venedig (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Eine lange gefährliche Reise geht zu Ende
Alkmene , Diethelm und ihre gemeinsame Tochter Sophia sind in Tyros gelandet. Wieder beginnt die Suche nach einer Unterkunft und der Möglichkeit , Geld zu verdienen ,um die Zeit zu überbrücken, bis sie nach Akkon weiter reisen können, wo Diethelm hofft, auf seine Waffenbrüder zu treffen. Tatsächlich ergibt sich die Gelegenheit dazu, als Konrad von Montferrat beschließt, seine Hochzeit im Lager vor Akkon zu feiern, um so seine Machtansprüche zu untermauern. Wie erhofft, treffen Alkmene und Diethelm auf Pio, Ulrich und die restlichen schwäbischen Kreuzritter. Die Zustände im Lager sind katastrophal . Dreck, Krankheit und Hunger sind ständige Gäste dort. Trotzdem bleibt Alkmene dort aus einer tiefen Verbundenheit heraus zu Diethelm, aber auch zu Pio. Die Suche nach Nahrung beherrscht den Alltag. Als die Schlacht um Akkon endgültig verloren scheint, willigt Diethelm ein, zurück in seine Heimat zu reisen. Alkmene und Sophia begleiten ihn.

Ich liebe diese Trilogie . Zum einen fand ich es interessant, dass eine Frau und Köchin die Hauptperson ist und ich den Kreuzzug aus ihrer Sicht erlebe. Das ergibt eine ganz andere und in meinen Augen realistischere Einblicke als die der Ritter, die nach Ehre und Ruhm streben und davon träumen, Jerusalem zu befreien. Und die Realität ist wirklich nicht heroisch.

Man kann Alkmene nur bewundern, die immer versucht, das gute zu sehen und dabei nicht in Freund-Feind - Kategorien denkt, sondern Dinge sehr pragmatisch angeht. Schön fand ich auch, dass jedem Kapitel wieder ein Rezept aus der damaligen Zeit voran gestellt wurde. Auch Alkmenes Ausführungen zu einigen Speisen fand ich interessant. Ich mochte auch Diethelm , der eine spannende Wandlung erfährt, vom stolzen , auf seine Ehre bedachten Ritter hin zu jemandem, der auf das Wohl der Menschen, die ihm etwas bedeuten, bedacht ist, auch auf die Gefahr hin, eine lächerliche Figur abzugeben.

Auf den ersten Blick war ich vom Ende enttäuscht. Bei näherem Hinsehen kann ich der Autorin nur gratulieren, denn der Schluss wird den Bedürfnissen jedes Einzelnen gerecht. Das Buch hat mich erneut sehr gut unterhalten und mir die Zeit der Kreuzzüge aus ungewöhnlicher Sicht näher gebracht.

Bewertung vom 24.12.2025
Orontes, Peter

Hiobs Tochter


ausgezeichnet

Verrat, Hetze und eine Heilerin, die sich gegen das Schicksal stellt
Bereits der Einstieg in die Handlung bringt mein Blut in Wallung. Ich lerne die junge Jüdin Miriam kennen, als sie knapp dem Tod bei einer Judenhatz entgeht. Jahre später kehrt sie zu ihren Großeltern in Deggenfeld zurück - voller Pläne für die Zukunft und ausgebildete magistra medicinae an der Universität zu Salerno. Zurück in der Heimat wird sie wieder mit dem Hass gegen Juden konfrontiert. Es brodelt in der Stadt. Als der Freund der christlichen Magd ihrer Großeltern zu Tode kommt, findet sich Miriam in eine Verschwörung verstrickt, ohne genau zu wissen, worum es geht. Auch von dieser Seite droht ihr tödliche Gefahr . Und wäre das nicht genug , ist ihre Tochter Rebecca seit Wochen verschwunden, die sie nun unbedingt suchen will. Der Hass des Mobs entlädt sich, als eine Heuschreckenplage über das Land zieht. Nun überschlagen sich die Ereignisse und Miriam weiß nicht, welcher Seite sie vertrauen kann.

Bereits auf den ersten Seiten hat mich der Autor mit seinen anschaulichen, wenn auch oft schwer zu ertragenden Beschreibungen gefangen genommen. Besonders der sinnlose und meist von wirtschaftlichen Interessen befeuerte Hass gegen die Juden hat mich tief berührt. Bisher war Pogrom eher ein objektiver Begriff für mich und erst die Schilderungen aus Sicht der Betroffenen haben mir nachdrücklich offenbart, welches Entsetzen und Leid sich tatsächlich dahinter verbirgt.

Begeistert war ich von den faszinierende Ausführungen zu einigen ärztlichen Eingriffen. Zum Teil war ich überrascht, wie fortschrittlich die Medizin bereits war .

Die Handlung rund um Miriam ist packend. Sie ist selbstbewusst, manchmal fast schon wagemutig und sich ihres ärztlichen Könnens gewiss. Das zeigt sich für mich darin, dass bei der Aufdeckung der Verschwörung nicht locker lässt. Dabei ist sie geistesgegenwärtig und kann sich mehrfach einer tödlichen Bedrohung entziehen. Das Ende lässt viele Fragen offen, die auf Antworten warten, so dass ich mich auf die Fortsetzung bereits jetzt freue.

Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und mir nebenbei geschichtliche Ereignisse näher gebracht, die für mich bisher nur Worte auf Papier waren.