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Elchi130
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Insgesamt 459 Bewertungen
Bewertung vom 30.12.2025
Deimel, Renate;Hediger, Karin;Zink, Roswitha

Dr. Katze


sehr gut

Nicht alles für den Laien interessant

Seitdem im Februar 2019 ein Kater in unseren Haushalt eingezogen ist, finde ich Katzen extrem interessant. Denn unser Kater Max und wir lernen uns jeden Tag besser kennen, wir lernen auch nach fast 7 Jahren immer noch voneinander und ich glaube, das hört auch nie auf.
Daher war ich sehr gespannt auf ein Buch, das sich mit Katzen als Therapietieren beschäftigt. Merke ich doch, wie viel Liebe und Trost eine Katze spenden kann. Aber auch, wie eigensinnig sie sein kann, wenn es darum geht, wann sie die Zeit mit uns Menschen verbringt.
Auf alle meine Fragen, wie man eine Katze als Therapietier einsetzen kann, liefern mir die Autorinnen Renate Deimel, Karin Hediger und Roswitha Zink in ihrem Buch „Dr. Katze – Therapie auf samtenen Pfoten“ eine Antwort. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie Ihre beiden Katzen Jonathan und Fuchur im Kinderhospiz Lichtblickhof die Therapeutinnen unterstützen und wertvolle Arbeit leisten. Es ist den Autorinnen sehr gut gelungen, mir hiervon einen Eindruck zu vermitteln.
Auch konnte ich immer wieder sehr gut meine Katzenerfahrungen mit denen im Buch vergleichen, sodass es mir möglich war, nachzuvollziehen, warum neben Pferden und Hunden auch Katzen für die Therapie geeignet sind. Die Ausbildung zum Therapeuten mit Therapietieren wird im Buch ebenfalls angesprochen und es wird zudem erläutert, warum es wichtig ist, neben der Therapeutischen Ausbildung noch die Zusatzausbildung zu erwerben. Da es während der Sitzung jederzeit notwendig ist, das Wohl des Patienten sowie des Tieres im Blick zu haben.
Für mich als interessierte Laiin gab es Wiederholungen, die ich nicht gebraucht hätte und die mich beim Lesen ausgebremst haben. Da ich zudem keine therapeutische Ausbildung habe, waren die beruflichen Ausführungen für mich auch nur teilweise interessant.
Als Katzenliebhaberin habe ich das Buch gerne gelesen und dabei auch wieder einiges Neues und Interessantes über Katzen gelernt. Das Buch zählt für mich nicht zu den MUSS-Büchern, wenn man Katzen liebt, sondern zu den KANN-Büchern.

Bewertung vom 30.12.2025
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


gut

Es menschelt im Dritten Reich

Drei Frauen helfen sich in der NS-Zeit und werden zu Freundinnen. Krankenschwester Nora versucht Leo, den Sohn von Lene, zu schützen, als dieser auf ihre Station kommt. Lieselotte und Nora lernen sich in Danzig kennen und versuchen, gemeinsam im Gulag zu überleben.
Mit sehr viel Emotionen, Menschlichkeit und freundschaftlichen Bindungen schildert uns die Autorin Mechtild Borrmann in „Lebensbande“ Auszüge aus den Leben von Lene, Nora und Lotte. Sie ist teilweise ganz nah an diesen Figuren dran, nimmt Anteil an ihrem Schicksal, ihrer Familie, der Liebe, Freud und Leid. Das ist schön und sorgt beim Lesen für Verbindung mit den Figuren. Die Hauptfiguren sind Heldinnen, die ich beim Lesen mag, mit denen ich mitfiebere, die ich gewinnen sehen möchte. Deren Leid ich fast selbst spüre. Das alles sorgt dafür, dass ich nur so durch die Seiten fliege und das Buch schnell beendet habe.
Doch zum Schluss bleibt bei mir dennoch ein schaler Geschmack zurück. Denn wir bewegen uns zu Beginn im Jahr 1931 und enden im Jahr 1993. Das Geschehen findet auf zwei Zeitebenen statt. Eine uns zu Beginn nicht bekannte weibliche Person schreibt ihre Erinnerungen an früher auf und schnell ergänzen diese Erinnerungen die zweite Zeitebene. Im Buch gibt es immer wieder Andeutungen, wenn es um die Gräuel der NS-Zeit geht. Sie werden jedoch nie in ihrer ganzen Härte und Grausamkeit benannt. Sehr viele HelferInnen in dieser Geschichte riskieren ihr Leben, um zu helfen. Das wird mir jedoch nicht deutlich genug herausgearbeitet. Wenn im Buch jemand erwischt wird, kommt er mit einem blauen Auge davon. Ob das wirklich realistisch war? Insgesamt finde ich, kann man schon fast von einer Romantisierung der Nazi-Zeit reden.
Böser werden da schon die Russen dargestellt. Die Vergewaltigungen werden zwar nicht als solche benannt, es wird jedoch klar, was den Frauen passiert. Und auch der Aufenthalt im Gulag ist schlimmer als alles, was im Deutschen Reich beschrieben wurde. So schön die Geschichte der drei Frauen ist, so verschleiernd erscheint mir das Bild, das hier von unserer Vergangenheit gezeichnet wird. Ja, der Arzt ist überzeugter Nazi. Ja, im zweiten Kinderpflegeheim sterben verdächtig viele Kinder an Lungenentzündung. Aber reicht das schon, um klarzustellen, was wirklich passiert ist? Mir nicht!

Bewertung vom 30.12.2025
Johann, Petra

Wem du traust


ausgezeichnet

Ein richtig guter Krimi

Die beiden Freundinnen Eva und Susanne feiern mit ihren Partnern auf einem Geburtstag, während Susannes Tochter Sofia auf Evas Sohn Linus aufpasst. Im Anschluss bringt Evas Mann Sofia mit dem Auto nach Hause. Doch am nächsten Tag erfahren sie, dass Sofia nie Zuhause angekommen ist. Die Polizei beginnt zu ermitteln und es tauchen im Laufe der Tage immer mehr Unstimmigkeiten auf.
„Wem du traust“ ist mein erstes Buch von Petra Johann. Sehr schnell ist mir beim Lesen klar geworden, dass ich als Leserin miträtseln kann, was mit Sofia passiert ist und wer beteiligt war. Genau das liebe ich an guten Kriminalromanen.
Wir erleben die Ermittelnden sowohl in ihrem Arbeitsumfeld als auch teilweise in ihrem Privatleben. Dadurch entsteht für mich schnell Nähe besonders zu Hauptkommissarin Heide Westphal, die wir als Hauptermittelnde kennenlernen.
Die Autorin versteht es sehr gut, uns die beiden Familien nahe zu bringen und uns dabei immer wieder auf Ungereimtheiten, Lügen, Unstimmigkeiten und Brüche hinzuweisen. Ich ertappe mich wiederholt dabei, dass ich das Verhalten der Freundinnen, ihrer Partner, aber auch der Lehrer und Mitschüler sowie Mitschülerinnen von Sofia hinterfrage. Petra Johann legt mehrere Fährten aus, denen ich mal folge und mal nicht.
Insgesamt war das Buch für mich ein spannender Kriminalroman, den ich sehr stimmig fand. Das Ende habe ich als Abwechslung zu sonstigen Auflösungen empfunden, aber auch als passend. „Wem du traust“ war mein erstes Buch der Autorin, aber sicherlich nicht mein letztes.

Bewertung vom 30.11.2025
McDonnell, C. K.

Ring the Bells


ausgezeichnet

Erwartungen übertroffen

„Ring the Bells – Nicht jede Bescherung ist ein Geschenk“ ist der 5. Teil der Stranger Times Reihe von C.K. McDonnnell. Ein paar Damen eines Buchclubs möchten anhand weißer Magie die Welt zu einem besseren Ort machen. Leider beschwören sie den Gott Zalas herauf, der mit Hilfe seiner Anhänger die Welt beherrschen will. Während sich die Stranger Times-Crew auf die Suche nach Zalas begibt, ist dieser bereits damit beschäftigt, einen Kreis von Anhängern um sich zu scharen.
Viele Serien starten stark und lassen mit jedem neuen Teil ein wenig nach. Das kann man C.K. McDonnell und seiner Stranger Times Reihe nicht nachsagen. Dem Autor fallen immer wieder gute, neue Ideen ein. Sein schräger Humor, der ausgefallene Plot, skurrile Charaktere sind in jedem neuen Band wieder sein Markenzeichen, so auch in „Ring the Bells“.
Gelungen fand ich zu Beginn des Buches, wie der Autor uns nebenbei noch einmal alle Mitglieder der Stranger Times kurz vorstellt. Denn meistens ist es ungefähr ein Jahr her, seitdem der letzte Teil erschienen ist. Obwohl sich jeder neue Band der Stranger Times mittlerweile anfühlt, als ob wir nach langer Zeit wieder nach Hause kommen, brauche ich trotzdem einen Moment, um mir alle Figuren und ihre Charakteristika wieder in Erinnerung zu rufen. Da ist so eine kleine Hilfe vom Autor sehr willkommen.
Sehr faszinierend ist hier, dass er nicht nur aberwitzige Handlungen, klamaukiges Geschehen, lustige Dialoge schreiben kann. Er kann genauso glaubhaft ernste, ergreifende Ereignisse in die Handlung einbauen. Bei vielen Schriftstellern würde das bestimmt nicht funktionieren. Aber bei C.K. McDonnell klappt das tadellos. Gerade lesen wir noch eine schwarzhumorige Situation und lachen lauthals über das Geschehen. Zwei Seiten später bleibt uns das Lachen dann im Halse stecken, wir sind beklommen, voller Mitgefühl und traurig, weil eine liebgewonnene Person in der Vergangenheit so viel leiden musste. Einfach toll, wie der Autor das hinbekommt.
Für mich ist der 5. Teil ein Lieblingsband. Er ist nicht so verschachtelt, wie Band 3 und 4, sodass ich dem Geschehen besser folgen konnte. Ich fand das Buch spannend, lustig, skurril und voll toller Ideen. So kann die Reihe gerne weiter gehen. Ich hoffe noch auf viele Bände.

Bewertung vom 10.11.2025
Specht, Heike

Die Frau der Stunde


sehr gut

Gelungener Ausflug in die BRD der 70er Jahre

Als der liberale Außenminister Helmut Busch im Jahr 1978 aufgrund einer Affäre zurücktreten muss, setzt er sich dafür ein, dass Catharina Cornelius aus seiner Partei seine Nachfolgerin wird. Diese ergreift die Chance. Im Gegensatz zu Helmuts Vorstellung, wird sie jedoch nicht zu seiner Marionette, die stets nach seinem Wunsch und Wollen handelt. Catharina hat ganz eigene Vorstellungen von einer liberalen Außenpolitik. Sie ist klug, stark und weitsichtig genug, diese auch nach ihren Wünschen zu gestalten.
Die Autorin Heike Specht schafft es von Anfang an, uns in die 70er Jahre der BRD zu führen. Es wird stets und überall geraucht, Bier und Schnaps getrunken. Telefoniert wird teilweise aus Telefonzellen, die weibliche Hauptfigur steckt sich ein „Big Red“ Kaugummi, ein Zimtkaugummi, das ich aus meiner Kindheit kenne, in den Mund. So geht es mir immer wieder beim Lesen des Buches, es gibt immer wieder typische Eigenheiten der 70er Jahre, die mir aus meiner Kindheit bekannt sind.
Das Buch handelt nicht nur von Catharina Cornelius, die als erste Außenministerin der BRD in diesem Buch in die Geschichte eingeht. Auch ihre beiden besten Freundinnen, die ebenfalls zwei starke Frauen sind, stehen immer wieder im Mittelpunkt der Handlung.
Da ist Suzanne, verheiratet, Kinder, als Journalistin tätig. Sie ist stark, lebt für den Beruf. Ihr Mann ist Lehrer und die Bezugsperson der Kinder. Die dritte im Bunde ist Azadeh. Iranerin, lebt in Berlin und Amsterdam. Als es ins Teheran zur Revolution kommt, geht sie zurück in ihre Heimat. Sie hofft, hier nun in Freiheit leben zu können. Doch dann muss sie erleben, wie Khomeini und die Mullahs die Macht übernehmen.
Gerade die starken Frauen in diesem Buch machen das Buch lesenswert. Die drei Freundinnen sind bei weitem nicht die einzigen. Sie verbreiten Optimismus, Mut und Aufbruchsstimmung. Die Männer versuchen zum Teil mit Sexismus, mit Kleingeistigkeit und mit Intrigen dagegen vorzugehen. Leider wirkt auch das sehr realistisch.
Heike Specht gelingt es, uns in eine Zeit zu führen, die von Umbruch, Tatendrang und Aufbruch zeugt. In diese lebendige Zeit setzt sie Figuren, die entweder genau das auch erreichen wollen oder die im Gegensatz für das Bewahren und den Bestand der guten alten Zeit stehen. Dadurch entstehen ein interessantes Spannungsfeld und eine gute Geschichte.
Nicht gut gefallen hat mir das Ende des Buches. Die einzelnen Handlungsstränge werden viel zu offen liegen gelassen. Wenn der Sinn dahinter ist, diese für einen weiteren Band wieder aufzunehmen, ist es ok. Wenn das jedoch das ultimative Ende ist, dann ist mir das zu wenig. Denn dann ist nichts geklärt, nichts beendet und alles in der Schwebe.

Bewertung vom 29.10.2025
Schoder, Sabine

Der Kuss der Muse / Palace of Ink & Illusions Bd.1


gut

Durchschnittlich

Liv reist nach Korfu, wo regelmäßig ein Autorenwettbewerb stattfindet. Es geht um nicht weniger als den nächsten Weltbestseller. Denn, die Person, die hier gewinnt, landet in der Regel genau diesen. Doch was als Spiel beginnt, entwickelt sich schnell zu tödlichem Ernst.
„Palace of Ink & Illusions – Der Kuss der Muse“ ist genau das, was man erwartet, wenn man schon seit Jahren New-Adult-Romantasy liest. Es gibt heiße, gut gebaute Kerle und kurvige, leicht bekleidete Mädels, es liegt Liebe und Spice in der Luft. Aber natürlich auch Gefahr, Feinde, Neider, Verräter und Rätsel, die es zu lösen gilt. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschieben sich immer wieder leicht. Am Ende von Band 1 wartet auch hier, wie fast immer, ein Cliffhanger auf uns Lesenden.
Die Figuren hätten gerne ausführlicher beschrieben werden dürfen, sodass ich eine tiefere Bindung zu ihnen hätte aufbauen können. Aber selbst die Hauptpersonen, Flame und Liv, sind mir zu oberflächlich geblieben, um wirklich mit ihnen mitfühlen zu können. Ich hoffe, in Band 2 kommen wir den beiden etwas näher.
Während der Prüfungen hätte das Tempo teilweise höher sein können, die Gefahr größer. Das Verschwinden der ausscheidenden Teilnehmer hätte deutlicher ausgearbeitet werden können, sodass ihr Schicksal mich mehr interessiert hätte.
Das Buch war nicht uninteressant, aber es hat mich auch nicht enorm gefesselt. Es war nett zu lesen und ich möchte auch wissen, wie die Geschichte von Flame und Liv ausgeht. Aber da wäre einfach mehr drin gewesen.

Bewertung vom 29.10.2025
Kling, Marc-Uwe

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat / Trubel bei Tiffany Bd.5 (MP3-Download)


ausgezeichnet

Wie immer unterhaltsam

Ich habe bisher noch nichts von Marc-Uwe Kling gelesen oder gehört, was ich nicht mochte. Und auch das neue Buch „Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat“ aus der Reihe „Trubel um Tiffany“, musste ich mir unbedingt wieder als Hörbuch anhören. Besonders schätze ich daran, dass der Autor seine Bücher selbst liest und das macht er hervorragend.
Zur Story selber schreibe ich hier nichts. Der Titel ist Spoiler genug. Dabei sprüht Marc-Uwe Kling stets vor guten Ideen und witzigen Einfällen. Zugegeben, soviel gelacht, wie in der Vergangenheit, habe ich dieses Mal nicht. Dabei kann ich jedoch nicht sagen, ob die Gedanken dieses Mal nicht so lustig waren oder ob ich einfach mittlerweile an den Humor des Autors gewöhnt bin. Nach mehreren Büchern, Hörbüchern, Comics und Lesungen habe ich gewisse Erwartungen an den Stil des Autors und liege damit auch richtig. Wobei ich, was seine Fantasie und Ideen angeht, noch immer positiv überrascht bin und seine Art, die Welt zu sehen, sehr schätze und mag.
„Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat“ lohnt sich nicht nur für Kinder und deren Eltern, sondern für alle, die sich noch an ihre Kindheit erinnern können oder die Welt gerne noch einmal aus dieser Sicht sehen wollen. Ich freue mich auf noch viele weitere Abenteuer aus der Reihe „Trubel um Tiffany“.

Bewertung vom 06.10.2025
Holthaus, Lara

Hidden Lies / Marigold Manor Bd.1


ausgezeichnet

Unterhaltsam und spannend

Nach dem Tod ihrer Schwester hat Lola nur noch ein Ziel, sie will herausfinden, was mit ihrer Schwester auf Marigold Manor passiert ist. Zwei Jahre lang war diese auf dem luxuriösen, elitären Gestüt in England. Der Traum eines jeden Menschen, der es im Reitsport zu den Besten bringen möchte. Lola scheut keinen Kampf und kein Risiko, um zu erfahren, welche Geheimnisse Marigold Manor und sein bester Dressurreiter Aiven Audley vor ihr verbergen.
Zu Beginn des Buches wird klar, dass sich Lola und Aiven als Rivalen im Dressurreiten gegenüberstehen. Die von Hass und Wut getriebene Lola, die im Dressurreiten neue Wege gehen will. Weg von Druck und Zwang, hin zur Pferdeflüstererin. Sowie Aiven, der arrogante, unsympathische, gebrochene Golden Boy. Sofort fliegen zwischen ihnen die Fetzen. Die Autorin Lara Holthaus setzt hier auf viel bissigen Humor, der sein Ziel stets trifft und mich als Leserin hervorragend unterhält. Die beiden sind bis zum Ende des Buches als Duo ein Vergnügen und ich liebe jede Szene, jedes Aufeinandertreffen. Beide entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter, sie lernen sich selbst, aber auch einander besser kennen. Sie lernen verzeihen, werden mutig und auf eine gute Art erwachsener.
Doch nicht nur Lola und Aiven sind tolle Figuren. Da gibt es noch den Freundeskreis um Henry, Aivens jüngeren Bruder, der einfach klasse ist. Jede Person ist eine Persönlichkeit, die ich gerne persönlich kennenlernen würde. Aber auch die Widersacher sind so gut gezeichnet, dass ich sie mir genauestens ausmalen kann.
Das Buch behandelt rund um den Tod von Lolas Schwester mehrere schwere Themen. Diese kommen mehrfach in einzelnen Szenen vor. Hier trifft explizite Sprache auf teils benannte, teils angedeutete Vorgänge. Das ist nicht immer leicht zu ertragen. Die Autorin geht hier meiner Ansicht nach jedoch mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl vor. Als Leserin weiß ich genau, was sie meint und doch muss sie nicht zu genau ins Detail gehen.
Die Liebesgeschichte kommt oft ein wenig zu kurz. Gerade, weil ich die Szenen so mochte, in denen Aiven und Lola aufeinandertreffen. Gut war, dass es Kapitel aus seiner Sicht und Kapitel aus ihrer Sicht gibt. Durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven konnte ich mich in beide gut hineinversetzen und wusste über ihre Gefühlslage und ihre Motive Bescheid.
Insgesamt ein Buch, das einen so schnell nicht mehr loslässt. Der spannende und humorvolle Erzählstil sorgte dafür, dass man einfach wissen muss, wie es weitergeht.

Bewertung vom 06.10.2025
June, Joana

Bestie


sehr gut

Gemischte Gefühle

Delia will sich neu erfinden, wenn sie nach Hamburg zieht. Sie hofft, dass sie ein Zimmer in der WG der angesagten Influencerin Anouk, die sie bewundert, bekommt. Tatsächlich klappt es. Ab sofort ist sie Lilly, Bühnenautorin, selbstbewusst und wunderschön. Nun muss sie nur noch die beste Freundin von Anouk werden und in ihren Freundeskreis aufgenommen werden. Zu Beginn scheint auch alles gut zu klappen. Denn auch Anouk hofft, dass sie von Lilly profitiert und über deren vermeintliche Connection einen Platz an einer Journalistenschule ergattern kann. Schnell nähern sich die beiden an, verbringen Zeit miteinander, führen vertraute Gespräche.
Die Geschichte, die die Autorin Joana June in „Bestie“ erzählt, hatte schnell eine Sogwirkung auf mich. Das offensichtlich oberflächliche Schillernde, zeigt sich sowohl darin, dass das Leben stets sofort fotografiert, upgeloaded und zur Story verarbeitet werden muss, was von allen Anwesenden geliked, geteilt und kommentiert werden muss. Es zeigt sich jedoch auch schon darin, was Anouk und ihre Freundinnen unternehmen. Welchen hippen Schuppen suchen wir heute auf, in welchem Edelrestaurant lassen wir uns heute sehen, wo findet die nächste Modenschau statt und wer ist alles dabei? Alles glänzt, alles ist oberflächlich, alles sieht nach Reichtum und vor allem cool aus.
Dabei muss alles natürlich wirken. Besonders das Aussehen, obwohl die Nase korrigiert ist, die Haut für Unsummen im Monat behandelt wird uvm. Die Autorin schafft es sehr gut, uns dieses Leben zu vermitteln, auch die Zwänge darin. Die Ängste, die entstehen, wenn die Frauen es nach oben geschafft haben. Der Wunsch nach Wahrhaftigkeit, Natürlichkeit, nach Liebe und Nähe.
Und doch habe ich mir beim Lesen manchmal mehr Tiefe gewünscht. Oft werden Themen nur angerissen, Fragen nur gestellt, Antworten höchstens angedeutet. Das hat mich unzufrieden zurückgelassen. Ich hätte gerne genauer hingesehen, tiefer geblickt.
Ein durchaus interessantes Buch, das mich jedoch mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat, weil ich mir einfach mehr gewünscht hätte.

Bewertung vom 05.10.2025
Harrow, Jamie

One On One


sehr gut

Schöne Geschichte

Dank ihres Vaters liegt Annie Radford die Liebe zum Basketball im Blut. Er war Basketballtrainer und sie immer mit dabei. Während ihrer College-Zeit hat sie Videos vom Basketballteam und den Spielen gedreht. Doch dann ist sie plötzlich gegangen, ohne den anderen zu sagen warum. Jetzt, acht Jahre später ist sie wieder da, um als Social Media Managerin professionelle Filme vom Team und den Spielen zu erstellen. Ben, der damals auch schon als Student für das Team gearbeitet hat, ist nun als Analyst des Teams angestellt. Waren er und Annie früher ein Herz und eine Seele, macht er ihr nun jeden Tag von neuem deutlich, dass er sie für eine Verräterin hält.
Zu Beginn des Buches ist für mich Annie die Sympathieträgerin. Sie wirkt chaotisch und nett. Es ist klar, dass sie das College aufgrund eines unangenehmen Erlebnisses verlassen hat, über das nicht viele Menschen Bescheid wissen. Sie hat früher gerne für das Basketballteam gearbeitet und vor allem sehr gerne mit Ben zusammen. Daher ist sie sehr verunsichert, als Ben ihr jetzt die kalte Schulter zeigt. Und Ben wirkt generell wie der Nice Guy, nur nicht gegenüber Annie. Und schon zu Beginn des Buches denke ich als Leserin, dass die beiden miteinander reden sollten.
Doch nach und nach kommen sich die beiden näher, ohne über den Elefanten im Raum zu reden. Schnell wird Ben so zu meiner Lieblingsfigur. Er ist nett, authentisch, liebenswert und achtet Annies Grenzen. Annie dagegen hat ein Problem, sich fallenzulassen, zu vertrauen, sie wirkt generell verkrampft. Das habe ich beim Lesen zunehmend sehr anstrengend gefunden. Dadurch konnte ich die Liebesgeschichte auch nicht fühlen. Annie stand einfach immer auf der Bremse.
Zum Ende des Buches entwickelt Annie Mut, Ben beweist sich als der tolle Mensch, den wir seit Anfang des Buches in ihm sehen konnten. Ein großes Lob geht an die Autorin dafür, dass sie kein großes Pseudo-Drama in die Geschichte geschrieben hat, wie es oft bei Liebesgeschichten üblich ist. Ein Kritikpunkt ist, dass ich die Liebe zwischen den beiden einfach nicht fühlen konnte. Annie wurde zunehmend anstrengend und hat nach und nach ihre Sympathiepunkte bei mir verspielt. Außerdem nahm die Liebesgeschichte zu wenig Raum ein.