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Benutzername: Sabine
Wohnort: München
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Bewertungen

Insgesamt 29 Bewertungen
Bewertung vom 05.03.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


sehr gut

Ein Mörder geht um in Schweden. Seine Opfer sind Journalisten, die sich in ihren liberalen Artikeln offen gegen den Rechtsruck stellen. Drahtzieher ist der Rechtsradikale Carl und seine beiden Freunde, die damit die "Lügenpresse" zwingen wollen, endlich die Wahrheit über die Flüchtlingsströme zu schreiben. 

Pascal Engmann hat einen sehr temporeichen und äußerst brutalen Thriller geschrieben. Seine detaillierten und schonungslosen Beschreibungen sind nichts für schwache Gemüter. Auch ich musste beim Lesen mehrmals stocken und innehalten. Aber dann war der Sog, den dieses Buch auf den Leser ausübt doch wieder zu stark und ich musste einfach weiterlesen. Viele verschiedene Handlungsstränge werde miteinander verknüpft, so dass man anfangs einige Zeit braucht, um damit zu recht zu kommen. Dann aber kommt eine starke Dynamik in die Geschichte und man kann das Buch kaum mehr zur Seite lesen. Das liegt sicher auch am fesselnden und direkten Schreibstil. Das enorme Tempo, das sich im Laufe des Buches aufbaut hält die Spannung auf einem sehr hohen Niveau, obwohl der Täter von Anfang an bekannt ist. Doch der Autor hat noch einen Trumpf im Ärmel und die Geschichte entwickelt sich ganz anders, als ich erwartet hatte. Allerdings gibt es einige, für mich nicht nachvollziehbare und in meinen Augen unrealistische, Szenarien, die aus dem erschreckend realen Buch dann doch "nur" einen sehr gut geschriebenen, spannenden, brutalen Schwedenthriller machen. Der ist allerdings gut gelungen!

Bewertung vom 05.03.2019
Die zehn Lieben des Nishino
Kawakami, Hiromi

Die zehn Lieben des Nishino


ausgezeichnet

Zehn Kapitel, zehn unterschiedliche Frauen, zehn unterschiedliche Geschichten, die nur ein Thema haben. Die Liebe. 

Nishino ist ein Mann, der gerne von einer Frau zur anderen wechselt. Unfähig für die wahre Liebe, unfähig auch für das Leben. In ihrem kleinen Buch lässt die Autorin Hiromi Kawakami die Frauen zu Wort kommen. Sie erzählen, jede für sich, ihre Liebesgeschichte mit Herrn Nishino. Sie erzählen davon, wie sie lieben und davon, wie wenig zurückkommt. Man spürt die große Traurigkeit, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Dabei meint man es mit zehn Autorinnen zu tun zu haben, so unterschiedlich sind Ton und Sprachmelodie. 

Die Autorin hat einen sehr eigenwilligen Schreibstil, den ich als typisch japanisch bezeichnen möchte. Ihre einzigartige Sprache ist voller Poesie und Wehmut. Man möchte sich am liebsten jeden ihrer einprägsamen und wunderschönen Sätze in Stein meißeln, damit man ihn nicht so schnell vergisst. Man bekommt einen tiefen Einblick in die japanische Kultur und Sprache. 

Abgerundet wird das wunderbare Buch noch durch das stimmige Cover, das eine wahre Augenweide ist.

Bewertung vom 04.03.2019
Der Gesang der Bienen
Dorweiler, Ralf H.

Der Gesang der Bienen


ausgezeichnet

Es ist das Jahr 1152. Der Zeidler Seyfried lebt mit seiner Frau Elsbeth und seinen Kindern Anna, Jasper und Lise in den Wäldern des Münstertales. Als eines Tages die Tochter des Grafen zu Staufen, nach einer missglückten Abtreibung, zu Elsbeth gebracht wird, ändert sich ihr bis dahin beschauliches Leben. Fronika überlebt nicht und man verurteilt Elsbeth zum Tode. Seyfried sieht nur eine einzige Chance, das Leben seiner Frau zu retten. Er muss zu Hildegard von Bingen, der Äbtissin des Klosters auf dem Rupertsberg, und sie um Hilfe bitten. Doch die Zeit läuft ihm davon und es ist fraglich, ob Seyfried rechtzeitig, vor Vollstreckung des Urteils, eine positive Antwort erhält.

Der Autor schreibt wunderbar detailliert und so bildhaft, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Bei fast 500 Seiten ein anstrengendes Unterfangen. Aber die Mühe lohnt sich, denn Ralf H. Dorweiler weiß, wie er seine Leser packt. Man wird mitgerissen, ob man will oder nicht und fiebert mit dem Protagonisten mit. Bei Seyfrieds verzweifelter Suche nach Rettung werden ihm immer und immer wieder scheinbar unüberwindbare Steine in den Weg gelegt, so dass es bis zum Ende fragwürdig ist, ob es ihm gelingen wird, seine Frau zu retten. Das erhöht die Spannung natürlich enorm und als Leser hat man nur eine Möglichkeit, seine Qualen zu lindern. Weiterlesen. 

Das Leben im Mittelalter hat Dorweiler anschaulich dargestellt, so dass man sich schnell mitten im Geschehen meint. Der Autor hat außerdem interessante Aspekte zu Bienenzucht und Hildegard von Bingens Leben und Werk in seinen Roman eingebaut. Man erfährt viel über die politischen Hintergründe zu jener Zeit, die manches Verhalten der Charaktere erst verständlich machen. 

Ich kann das Buch nur weiter empfehlen. Jeder, der Spaß an historischen Romanen hat, der nicht nur eine spannende Geschichte sucht, sondern auch noch Wert auf fundierte Recherche legt, ist hier gut aufgehoben.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.02.2019
Allee unserer Träume
Gerold, Ulrike; Hänel, Wolfram

Allee unserer Träume


gut

Auf das Buch war ich sehr gespannt, denn mich faszinieren Geschichten, die sich mit unserer jüngeren Vergangenheit beschäftigen. Die beiden Autoren, die auch unter dem Pseudonym "Freda Wolff" zusammen Kriminalromane schreiben, haben mir schon gezeigt, dass sie in ihrem Schreibstil durchaus miteinander harmonieren können. Hier merkt man davon leider wenig. Der Roman liest sich seltsam hölzern und in großen Strecken sehr langatmig. Normalerweise kann ein Buch für mich nicht dick genug sein, aber hier hätte ich mir deutlich weniger Seiten gewünscht. Dabei hätte der Plot durchaus Potential. Das Thema ist sehr spannend und gerade jetzt zum Jubiläum der Frauenbewegung höchst aktuell. Aber ein Lesefluss mag sich nicht so recht einstellen. Das mag zum einen an den blass bleibenden Protagonisten liegen, aber auch an den zu ausführlich behandelten Themenbereichen, die einerseits Unruhe bringen, aber an vielen Stellen auch eine gewisse Erschöpfung beim Leser hervorrufen. Das Buch hat mich einfach nicht gepackt, was ich sehr schade finde, denn eigentlich beherrschen die beiden Autoren ihr Metier.

Bewertung vom 10.02.2019
Die Frau, die frei sein wollte
Lind, Hera

Die Frau, die frei sein wollte


sehr gut

Die 17jährige Selma ist glücklich mit ihrem Verlobten Ismet und freut sich auf die baldige Heirat. Doch eines Tages passiert etwas Schreckliches. Sie wird von Orhan entführt, verliert dadurch ihre Ehre und muss von nun an bei ihm bleiben. Aber Selma lässt sich nicht unterkriegen.


Hera Lind war mir bisher nur von ihren Unterhaltungsromanen bekannt. Dieses Buch unterscheidet sich sehr davon. Die Autorin hat ein sehr ernstes Thema aufgegriffen und erzählt uns die grausame und wahre Geschichte einer jungen Türkin. Schonungslos und schockierend. Einfach unvorstellbar!  


Das Buch liest sich zwar leicht, lässt den Leser aber nur als Beobachter an der Geschichte teilhaben. Die Autorin hält uns mit ihrem fast nüchternen Schreibstil auf Distanz und das ist gut so, denn mehr würde man wohl nicht ertragen. Der Gedanke daran, dass es sich um eine reale Begebenheit handelt, ist schon schlimm genug und kaum auszuhalten. Interessant sind vor allem die Ausführungen, was Religion und Gebräuche betrifft, denn obwohl Selma in einer eher modern denkenden Familie aufgewachsen ist, wird sich hier dann doch wieder auf "alte Traditionen" besonnen. Was für eine Scheinheiligkeit! Für Selma ist dies der Beginn eines jahrelangen Martyriums, bei dem sie kaum Hilfe aus der Familie bekommt. Sie wird ständig psychisch und physisch gebrochen und lebt in permanenter Angst. Umso erstaunlicher ist ihre Kraft und Willensstärke. Wieviel Mut muss eine Frau haben, dies auszuhalten? In all seiner Grausamkeit gibt uns die Geschichte aber auch ein wenig Hoffnung. Denn Selma hat sich befreit und ich hoffe, dass sie jetzt ein Leben ohne Angst führen kann.

Bewertung vom 31.01.2019
Ich weiß, wo sie ist
Caves, S. B.

Ich weiß, wo sie ist


sehr gut

Francines Tochter Autumn ist seit 10 Jahren spurlos verschwunden. Da taucht eines Tages die Nachricht auf: "Ich weiß, wo sie ist". Und dann taucht Lena auf. Sie behauptet, die Verfasserin des Briefes zu sein. Francine glaubt zuerst an einen bösen Scherz, aber Lena weiß Dinge über Autumn, die nur jemand kennen kann, der sie wirklich kennt.

"Ich weiß, wo sie ist" ist keine leichte Kost. Für eine Mutter ist es wohl der größte Albtraum, wenn das eigene Kind verschwindet. Wenn dann noch Dinge passieren, die so schrecklich sind, wie in diesem Buch, mag man erst fast gar nicht weiterlesen. Aber der Autor S B Caves schreibt mit einer solchen Intensität, dass man einfach nicht anders kann und sich dem Grauen stellen muss. Gut, dass es einige Abschnitte gibt, die nicht unbedingt realistisch erscheinen, so hat der Leser die Chance sich vom Gelesen zu distanzieren und einigermaßen unbeschadet wieder in die Realität zurück zu finden. Spannung ist reichlich vorhanden und die offenen Enden lassen auf eine Fortsetzung hoffen. Ich sehe viel Potential in diesem Autor und freue mich schon auf weitere Bücher von ihm.

Bewertung vom 31.01.2019
Der Verrat
Sandberg, Ellen

Der Verrat


ausgezeichnet

Nane wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen. Ihre Schwester Birgit unterstützt sie dabei, wieder im normalen Leben Fuß zu fassen. Die dritte Schwester Pia jedoch, will nach den Ereignissen vor 20 Jahren nichts mehr mit ihr zu tun haben. Denn Nane wurde wegen Mordes an Henning, dem Stiefsohn Pias verurteilt. Aber was ist damals wirklich geschehen?

Ellen Sandbergs Buch hat mich sehr beeindruckt. Ihr Schreibstil ist äußerst angenehm zu lesen und er fesselt von der ersten Seite an. Geschickt verknüpft die Autorin Gegenwart und Vergangenheit und baut so eine große Spannung auf, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht. Dabei gibt sie dem Leser nie zu viel preis, sondern füttert ihn immer nur mit kleinen Häppchen an Informationen. Was dann Stück für Stück zum Vorschein kommt ist beklemmend und fast nicht vorstellbar. Die endgültige Auflösung der Geschichte war nicht vorhersehbar und hat mich am Ende noch einmal überrascht.

Ihre Protagonisten hat Ellen Sandberg so realistisch gezeichnet, dass sie, obwohl sie größtenteils nicht unbedingt als Sympathieträger auftreten, trotzdem sehr lebendig und lebensnah wirken. Dabei blicken wir tief in die Seele der Charaktere. und bleiben mehr als einmal erschüttert zurück. Ich konnte kaum glauben, wie schnell man sich in einer Lüge so verstricken kann, dass man nicht mehr aus diesem Teufelskreis heraus findet.

Der Roman hat mir richtig gut gefallen und bekommt von mir eine klare Weiterempfehlung.

Bewertung vom 12.01.2019
Schatten ohne Licht
Theis, Marcus S.

Schatten ohne Licht


ausgezeichnet

Die beiden Geschwister, Seonghan und Jeongah, wachsen in Nordkorea auf. Der Hunger ist Alltag, der Verzicht gewohnt, anders kennen die beiden es nicht. Aber woanders ist es noch viel schlimmer, so sagt man. Erst als Seonghan zum Militär einberufen wird und ihm ein Kamerad heimlich Fotos zeigt, Satellitenaufnahmen von Südkorea und China, nagen die ersten Zweifel an ihm und er spielt mit dem Gedanken an Flucht. Doch ist das die Lösung?

Dieses Buch ist keine leichte Lektüre. Es hat mich sehr berührt und hallt heute noch, Tage nach der Lektüre, in mir nach. Marcus S. Theis hat ein großartiges, aufwühlendes Werk geschaffen, dem ich viele Leser wünsche. 

Es würde mir schwer fallen, die ganzen Grausamkeiten in Worte zu fassen, die hier geschildert werden. Theis schafft das. Ohne Effekthascherei. Ohne Emotionen. Klar und nüchtern erzählt er, lädt den Leser als stillen Beobachter ein. Und der muss viel aushalten. Denn jeder Satz, jedes Wort ist so intensiv, dass man es kaum aushalten kann. Wir erleben alles hautnah mit und leiden still mit den Protagonisten. Diese sind zwar erfunden, aber der Autor hat wahre Berichte von Nordkoreaflüchtlingen eingebaut und das macht das Ganze nur noch schlimmer. Das Buch hat mich sehr traurig und betroffen zurückgelassen. Und gleichzeitig dankbar, dass ich die Gnade habe, nicht in einem solchen Regime leben zu müssen. Und gleichzeitig wütend, dass wir nichts dagegen tun (können?). Niemand auf der Welt sollte ein solches Leben haben. Aber auch die "Freiheit" in Südkorea, ist alles andere als erstrebenswert. Hier herrscht ein Leistungs- und Schönheitswahn, der nicht zu unterschätzen ist.

Ein zutiefst erschütterndes Buch, das in all seiner Traurigkeit, doch einen Funken Hoffnung zeigt. Denn nur wo Licht ist, kann es auch Schatten geben.

Bewertung vom 06.01.2019
Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2
Katzenbach, John

Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2


sehr gut

Vor fünf Jahren hat der Psychiater Starks seine Identität gewechselt, um seinem Mörder zu entkommen. Jetzt ist "Rumpelstilzchen" wieder da und fordert, dass er einen Menschen tötet, sonst wird er selbst sterben. 


John Katzenbach ist ein Garant für spannende Psychothriller. Mit seinem neuesten Buch "Der Verfolger" hat er mich nicht enttäuscht, auch wenn er mit diesem Roman nicht ganz an seine Höchstleistung anschließt. In gewohnter Manier schreibt der Autor zwar hier wieder sehr fesselnd und sorgt dafür, dass man Seite um Seite nur so verschlingt. Auch wenn man den ersten Teil (Der Patient) nicht kennt, findet man sich in diesem Band relativ schnell zurecht, denn der Autor nimmt immer wieder Bezug auf den Vorgängerroman und liefert Erklärungen dazu. Das erste Drittel des Buches ist deshalb etwas langsamer, als gewohnt, es dauert, bis der Thriller so richtig in Schwung kommt, aber dann hechtet man nur so durch das Buch. Katzenbach bringt nicht nur Starks an seine Grenzen, auch wir Leser werden gefordert und ständig in die Irre geführt. Es gibt immer wieder neue Wendungen, die sich dann aber ebenso schnell wieder in Luft auflösen. Der absolut unerwartete Schluss hat mich sehr überrascht und mich wieder etwas versöhnt. Ein solides Buch für Fans von Psychothrillern.

Bewertung vom 03.01.2019
Der Münchner Parkhausmord
Reinhard, Daniel

Der Münchner Parkhausmord


sehr gut

Am Münchner Parkhaus in der Baaderstraße fahre ich oft mit dem Fahrrad vorbei. Immer, wenn ich die triste Fassade sehe, muss ich dabei an den spektakulären Mordfall denken, der sich 2006 dort ereignete.


Die schwerreiche Millionärin Charlotte Böhringer wurde an der Tür ihres Penthouses, hoch oben auf dem Parkhaus, erschlagen aufgefunden. Nach einem umfangeichen Indizienprozess wurde ihr Neffe, Bence Toth, als, des Mordes, für schuldig erklärt und zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Bence Toth bestreitet bis heute die Tat.


Daniel Reinhard hat diesen Fall in seinem Sachbuch neu aufgerollt. Seine gründliche Recherche ist sachlich und objektiv. Er nimmt zwar Stellung zu den einzelnen Punkten und bildet sich ein eigenes Urteil, lässt aber dem Leser selbst die letzte Meinung. 


Stück für Stück wird der Fall vorgelegt. Das ist manchmal schwierig zu lesen, kommt etwas zäh daher. Denn der Autor hat sich die einzelnen Begebenheiten und die Indizien noch einmal gründlich vorgenommen und sie für den Leser sehr genau durchleuchtet. Er lässt beide Seiten zu Wort kommen, hat  am Ende eine eindeutige Meinung, kommt aber auch zu keinem eindeutigen Ergebnis. In letzter Gewissheit wird wohl nie zu klären sein, ob Bence Toth seine Tante wirklich umgebracht hat.


Der Schreibstil ist sehr klar und schnörkellos. Man kann Reinhards Argumentation gut nachvollziehen und verstehen. Ich bin hin und hergerissen und froh darüber, dass ich nicht darüber entscheiden musste.