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stina23

Bewertungen

Insgesamt 65 Bewertungen
Bewertung vom 28.08.2025
Hewitt, Seán

Öffnet sich der Himmel


ausgezeichnet

James stattet seinem kleinen Heimatdorf, in dem er schon seit vielen Jahren nicht mehr gewesen ist, einen Besuch ab und wird mit vielen Erinnerungen konfrontiert - besonders die an das Jahr, als Luke im Dorf auftauchte und schnell das Leben des Teenagers, sein Erleben und seine Gedanken bestimmte.
Was ab den ersten Sätzen sofort auffällt, ist die poetische Sprache, in der dieses Buch geschrieben wurde. Ich kann hier nur von der deutschen Übersetzung sprechen, aber mir hat das Lesen sehr viel Freude bereitet. Der Autor schafft es, schöne und ausdrucksstarke Bilder zu malen, die wunderbar berauschend, aber auch melancholisch und tieftraurig sind, so wie James‘ Realität, die oft hart ist, unbeschönigt abzubilden. Dabei ist der Schreibstil sehr flüssig und recht einnehmend und einfach schön zu lesen. Durch die Unterteilung der Geschichte in Kapitel, die den Jahreszeiten entsprechen, kann man James durch ein bestimmendes Jahr seines Lebens folgen. Obwohl im Außen nicht so viel geschieht, wird die Geschichte von den Gedanken, Gefühlen, Sehnsüchten und Wahrnehmungen des jungen Mannes getragen. Dabei geht der Autor in die Tiefe und ließ mich mit James mitfühlen. Sein Gefühl der oftmaligen Hoffnungslosigkeit und der Ausweglosigkeit wechselt mit Hoffnung auf Liebe. Auch als Leserin teilte ich diese mit ihm, obwohl schnell klar war, dass der ein Jahr ältere Luke seine Zuneigung nicht erwidern wird. Mich hat James tief berührt. Obwohl ihn seine Außenseiterrolle mit Luke verbindet, will man ihn einfach nur glücklich sehen und merkt, dass das für ihn als Teenager fast unmöglich ist, da er in dem kleinen Dorf als homosexueller junger Mann an den Rand gedrängt lebt. Auch von seiner Familie wird er nicht als der wahrgenommen und akzeptiert, der er ist.
Für mich ein leises Buch, dass absolut in die Tiefe geht und etwas Besonders darstellt. Eine Leseempfehlung!

Bewertung vom 26.08.2025
Heitz, Markus

Irida und die Stadt der Geheimnisse / Irida Bd.1


sehr gut

Irida und ihre drei Freunde, die sich die „Furchtlosen“ nennen, empfinden sich alle aus dem einen oder anderen Grund als Außenseiter. Das Hinken und Stottern macht der Teenagerin Irida in der Schule das Leben schwer aber auch in ihrer Familie fällt sie durch ihre dunklen Haare und große Stärke aus dem Rahmen. In ihrer Gruppe aber fühlen sich die Jugendlichen wohl und haben sich das Aufdecken von Geheimnissen rund um ihren Heimatort Hohenburg zur Aufgabe gemacht. Denn dort passieren immer wieder außergewöhnliche Dinge und es ranken sich zahlreiche Sagen um die Stadt und ihre Umgebung. Bald finden sich die zwei Mädchen und zwei Jungen mitten in einem mysteriösen Abenteuer wieder, dass manch ungeahnte Wendung nimmt.
Dieses Buch ist der erste Teil der Geschichte um Irida und ihre Freunde. Das ist für mich wichtig zu erwähnen, da die Story mit vielen offenen Fragen und Handlungssträngen endet und ich gerne gleich weitergelesen hätte, der nächste Band aber erst 2026 erscheint.
Die Geschichte ist interessant geschrieben und die Handlung ist über mehrere Stränge verteilt, wodurch man neugierig bleibt und Spannung aufkommt. Mit Irida erschafft der Autor eine sympathische Protagonistin, mit der sich Jugendliche sicherlich teilweise identifizieren können. Sie ist klug und einfühlsam, fühlt sich oft nicht zugehörig und ist eine loyale Freundin. Etwas gestört hat mich, dass das Auftreten von Magie und ähnlichem von ihr und den „Furchtlosen“ als zu normal hingenommen wird. Die Jugendlichen sind auch von Gewalt und sogar von Mord sehr unbeeindruckt. Neben Irida wirken die Charaktere der Freunde ziemlich konstruiert und bleiben ihrem Wesen die ganze Geschichte über treu und entwickeln sich somit nicht weiter. Der Zusammenhalt der Gruppe und die gegenseitige Unterstützung der Jugendlichen war wiederum ein sehr schöner Aspekt.
Ich bin wirklich neugierig auf das nächste Buch, denn als beim Lesen abzusehen war, dass die Geschichte recht offen in diesem ersten Teil enden wird, war ich enttäuscht. Darunter hat die Freude und meine vorhergegangene Begeisterung für die Geschichte etwas gelitten. Trotzdem gibt es von mir 4 Sterne.

Bewertung vom 22.07.2025
Ameling, Anne

Dämmernachtstraum


ausgezeichnet

Alles läuft gut bei der 13-jährigen Lilimott. Sie hat eine besondere Gabe und kann sich unbemerkbar machen, wenn sie das will. Somit hat sie in der Schule keine Probleme und das ist ihr recht so. Sie muss sich keine Sorgen um ihre mündliche Mitarbeit und noch weniger über ihre Mitschüler:innen, coole Klamotten oder Gruppenbildung machen, wohnt sie doch nicht im noblen Stadtviertel, wie die anderen aus ihrer Klasse. Doch eines Tages kann sie ihre Gabe nicht mehr einsetzen, ein kleines Lichtwesen taucht auf und von da an beginnt das Abenteuer seinen Lauf zu nehmen. Vor dem Mädchen breitet sich eine magische Welt aus, in der sie zwischen die Fronten von Tagholden und Nachtspinsten gerät. Dieser Konflikt bedroht nicht nur die magische Welt.
Die Autorin schafft es geschickt in ihrem Buch die reale Welt mit der fantastischen zu verweben. Dabei ist ihr Schreibstil angenehm zu lesen und es ist leicht, sich in die Geschichte einzufinden und ebenso leicht, sich darin verlieren zu wollen. Besonders sticht Anne Amelings gefühlvolle Ausdrucksweise hervor, mit der Themen angesprochen werden, die nicht nur für Kinder und Jugendliche wichtig sind. Vor allem Zugehörigkeit, Zusammenhalt, Freundschaft, Vergebung stehen im Fokus. Viele Passagen regen zum Nachdenken an und sprechen die aktuelle Frage nach dem Umgang der Menschen mit der Natur an. Dabei bleiben aber die Spannung und ein interessanter Handlungsablauf nicht auf der Strecke. Einige der Figuren, die während der Geschichte auftauchen, wachsen einem schnell ans Herz und bringen auch Humor mit in die Story.
Das Lesealter ab 10 Jahren finde ich in Ordnung.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es allen, die Fantasy mögen, ans Herz legen. Die Welt, die Anne Ameling erschaffen hat, beinhaltet Spannung, Tiefgründigkeit, etwas Humor, sympathische Charaktere und vor allem eine Stimmung, die absolut fantasy-würdig ist.

Bewertung vom 21.07.2025
Engelmann, Julia

Himmel ohne Ende


ausgezeichnet

Dieses Buch hat mich einfach restlos begeistert! Ich konnte von den ersten Sätzen an eine starke Verbindung zur Protagonistin Charlie aufbauen und mit der 15-Jährigen mitfühlen, weil sie mir oder auch dem Teenager in mir so nahe war.
Charlie kommt sich komisch vor. Sie hat das Gefühl nicht zu ihren MitschülerInnen zu passen, hat deshalb Probleme in der Klasse, verliert ihre beste und einzige Freundin und zieht sich mehr und mehr zurück. Mit ihrer Mutter lief es auch schon mal besser und als diese einen neuen Mann kennenlernt, an dem laut Charlie alles zum Vergessen ist, fühlt sich noch mehr aufs Abstellgleis geschoben. Sie ist einfach tieftraurig und versinkt hoffnungslos in einem schwarzen Loch, in dem sie fühlt, ihr Leben, ihre Zeit zu vergeuden. Kornelius, der neu in die Klasse kommt und schnell nur mehr Pommes genannt wird, scheint ein ganz anderes Leben zu führen, alles leichter zu nehmen und er bringt langsam mehr und mehr Licht in Charlies Leben zurück. Doch so einfach und vor allem endgültig ist eine Veränderung nie, aber Charlie lernt innerhalb eines Jahres viel über sich, über ihre Umwelt und über das Leben an sich.
Julia Engelmann schreibt so angenehm, aussagekräftig und einfühlsam, dass es für mich nur eines gab: weiterlesen! Sie findet passende und wahre Worte für so viele Situationen, die in einem (Teenager- ) Leben auftauchen. Es war fast erschütternd, wie einfühlsam und klar sie Charlies Gefühle, Gedanken und ihr Erleben beschreibt und mich damit in einen schon länger zurückliegenden Lebensabschnitt zurückführen konnte. Sie ließ mich lachen, weinen, verzweifeln, hoffen, mich hautnah an Charlie dran sein. Kornelius erinnerte mich immer wieder an einen Leuchtturm, der seine Freundin mit seinem Licht aus der Finsternis zieht, jedoch auch nicht ganz unbeeindruckt vom Leben, ab und an jemanden braucht, der ihm hilft, sein Licht wieder zu entfachen.
Für mich ist „Himmel ohne Ende“ eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe und ich kann es aus ganzem Herzen weiterempfehlen, um sich selbst darin wiederzufinden oder durch das Eintauchen in eine Teenagerseele Neues zu entdecken und vielleicht einiges besser verstehen zu lernen.

Bewertung vom 07.07.2025
McLean, Jay

Loving Lucas / Preston Brothers Bd.1


gut

Lucas und Laney lernen sich als Kinder kennen, als Laney mit ihrem Vater umziehen muss. Die beiden freunden sich sofort an und verbringen viel Zeit miteinander. Im Laufe der Jahre wandelt sich ihre Freundschaft und jetzt mit ungefähr 17 Jahren steht sie auf der Kippe. Wie wird sie sich weiterentwickeln? Zerbricht die Freundschaft oder werden Laney und Lucas mehr als nur Freunde?
Sehr schnell wird klar, dass die beiden Protagonist:innen emotional sehr verbunden sind. Die Leben der beiden sind nicht einfach, beide mussten schon in ihrer Kindheit einiges mitmachen, sie waren sich jedoch immer eine Stütze. Doch mit dem Erwachsenwerden schreit ihre Beziehung danach, neu definiert zu werden. Kapitelweise wird in die Vergangenheit gesprungen, um bedeutende Ereignisse in der Beziehung zwischen Laney und Lucas, zu erzählen. Auch wird immer wieder zwischen der Perspektive der beiden gewechselt. So bekommt man als Leser:in einen guten Eindruck, wer welche Ereignisse wie wahrnimmt und die Reaktionen der beiden werden so verständlich. Der Schreibstil der Autorin ist leicht und angenehm zu lesen, einige Schreibfehler haben sich jedoch in der Übersetzung ins Buch geschlichen.
Ich fand das Buch phasenweise recht ansprechend, aber es gab für mich auch viele Längen. Die häufigen Missverständnisse wurden für mich mit der Zeit einfach langweilig. Die eher schüchterne Lane war mir sympathisch und auch Luke entwickelte sich während der Geschichte weiter und wurde greifbarer. Obwohl die Preston-Familie mit ihren vielen Kindern auch ihre Schwierigkeiten hat, wirkt sie doch insgesamt kitschig auf mich. Die Beziehung zwischen Lane und Lucas wurde mir auf Dauer auch etwas zu schmalzig. Die Story wirkte auf mich oft erzwungen und oberflächlich und konnte mich wie gesagt nicht dauerhaft begeistern.
Die Triggerwarnung, die am Ende des Buches steht, wäre am Anfang der Geschichte besser aufgehoben, damit man weiß, worauf man sich einlässt. Ich denke, die angesprochenen Themen können für einige Menschen recht belastend sein. Ich werde sie hier nennen:
ACHTUNG SPOILER:
Vergewaltigung in der Beziehung, häusliche Gewalt, Gewalt in Beziehungen, toxische Beziehungen, versuchter Mord, Schusswaffen, Tod, Trauer, Drogen- und Medikamentenmissbrauch
Für mich eine Young-Adult-Love-Story, die mich nicht begeistern konnte, aber etwas fürs Herz und auch einige mögliche Trigger beinhaltet.

Bewertung vom 01.07.2025
Shattuck, Ben

Die Geschichte des Klangs


sehr gut

Der Autor Ben Shattuck verbindet in seinem Buch „Die Geschichte des Klangs“ das Leben von Lionel und das von Annie. Während der über 80ig-jährige Lionel im ersten Kapitel des 104 Seiten umfassenden Buches auf sein Leben zurückblickt, denkt Annie, der das zweite Kapitel gewidmet ist, darüber nach wohin sich ihr Leben noch entwickeln soll. Durch einen zufälligen Fund von alten Tonaufnahmen auf Wachswalzen in ihrem Haus, Treffen die beiden Lebensgeschichten kurz aufeinander.
Lionel ist mit dem perfekten Gehör gesegnet und begegnet während seines Studiums David, der ein ausgezeichneter Musiker und Komponist ist. Die beiden verbindet mehr als nur die Liebe zur Musik, sie führen für eine kurze Zeit eine Beziehung in den 1910er Jahren. Sie reisen durch den ländlichen Osten der USA und nehmen Folksongs auf Wachswalzen auf. Ein Sommer, der für Lionel der schönste seines Lebens werden soll.
Annie hat eine vielversprechende wissenschaftliche Karriere vor sich, als sie während einer Feldstudie einen Mann kennenlernt. Die junge Frau geht voll in der Beziehung auf, empfindet sie als harmonisch und stellt ihre Bedürfnisse, ohne das infrage zu stellen hinter die ihres Partners. Einige Jahre später findet sie sich in einer Ehe wieder, die sehr rational geprägt ist, ohne abgeschlossenes Studium, ohne Arbeit und in einer Stadt, in der sie nur wegen des Jobs ihres Ehemannes lebt. Annie realisiert, was sie für ihre Beziehung aufgegeben hat, und fragt sich, was die Zukunft noch für sie bereithält.
Der Autor erzählt seine Geschichte als zwei Kurzgeschichten mit viel Fingerspitzengefühl und schenkt den leisen Tönen große Aufmerksamkeit. Die Handlung lebt nicht von Spannung oder großen Aktionen, sie wird von den Gedanken, die sich die ProtagonistInnen machen getragen. Ich mochte die unaufgeregte Erzählweise des Autors. Das Buch ist eine nette Lektüre, die nicht viel Zeit in Anspruch nimmt und auf zarte Weise berührt und nachdenklich macht. Das Ende wirkt recht abrupt, passt für mich jedoch dazu, dass das Buch ein kleiner Blick in einen Moment zweier Leben ist.

Bewertung vom 18.06.2025
Sauer, Anne

Im Leben nebenan


ausgezeichnet

Wie wäre das Leben verlaufen, wenn man an einem Punkt in der Vergangenheit anders entschieden hätte? Wie hätte ich mich entwickelt? Wo stünde ich heute?
Ich denke, viele haben diese Gedanken schon einmal gehabt. Ich jedenfalls schon. Die Autorin Anne Sauer hat daraus ein wirklich lesenswertes Buch gemacht. Die Protagonistin der beiden Erzählperspektiven ist dabei natürlich dieselbe, einmal Antonia einmal Toni genannt. Toni lebt mit ihrem Freund Jakob in einer kleinen Wohnung in der Stadt. Sie genießen die Zweisamkeit. Die Versuche ein Kind zu bekommen scheitern. Toni erleidet Fehlgeburten und muss damit zurechtkommen. Eines Morgens wacht sie in ihrem Leben als Antonia auf, mit einem Baby, einem schicken Haus in ihrem früheren Heimatort und verheiratet mit ihrer Jugendliebe Adam. Hat sie nun alles, um glücklich zu sein?
Abwechselnd erzählt Anne Sauer über die beiden Leben der jungen Frau und darüber, dass jedes seine glücklichen und traurigen Abschnitte hat und nicht ein Ereignis, ein Richtungswechsel darüber entscheidet. Sie spricht dabei sensible Themen an, die sehr viele Frauen betreffen. Dabei schreibt sie klar, unverblümt und mit sehr viel Einfühlungsvermögen. Zu AnTONIa konnte ich sofort eine Verbindung spüren, ihre Probleme und Entscheidungen waren sehr realistisch und ihre Gedanken nachvollziehbar und oft sehr wahr. Der Schreibstil war für mich so wunderbar passend, dass ich einfach durch die Geschichte getragen wurde und das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Während des Lesens habe ich mich gefragt, wie wohl das Ende des Buches sein würde und befürchtet, dass es mir die Geschichte schlussendlich doch vermiesen könnte, wenn es einfach nicht passt. Das geschah glücklicherweise nicht. Ich war zufrieden damit, es hat das Buch gut abgeschlossen und die Geschichte darf bei mir noch ein bisschen nachhallen.
Eine absolute Leseempfehlung meinerseits!

Bewertung vom 25.05.2025
Bradley, Kaliane

Das Ministerium der Zeit


ausgezeichnet

1845 brach eine Expedition unter der Leitung von John Franklin in die Arktis auf, um die Nordwestpassage zu durchsegeln und somit den schnellsten Schiffsweg zwischen Europa und Asien aufzuzeigen. Diese Expedition sollte scheitern und keiner der 129 Teilnehmer überlebte. Unter Ihnen First Lieutenant Graham Gore.
Die Autorin Kaliane Bradley lässt in einem London der nicht allzu fernen Zukunft die Möglichkeit des Zeitreisens bestehen. Graham Gore wird wie einige andere Menschen, die in ihrer Zeit durch Unglücke, Krankheiten oder Krieg verstorben wären, aus der Vergangenheit geholt. Um die Anpassung in der neuen Umgebung zu erleichtern, werden ihnen die sogenannten „Brücken“ zur Seite gestellt; Regierungsbeamt:innen, die sie rund um die Uhr begleiten, damit sich die „Expats“ in ihrem zweiten Leben zurechtzufinden lernen.
Die Autorin spielt in ihrem Buch ein sehr ausgeklügeltes Gedankenspiel, das mich auf mehreren Ebenen angesprochen hat. Sie nutzt die Möglichkeit des Zeitreisens, um gesellschaftspolitische Themen anzusprechen. Der unterschiedliche Umgang der Expats mit den Entwicklungen der modernen Zeit ist sehr interessant und regt zum Nachdenken darüber an. Vieles davon sind Errungenschaften, die sich für sehr viele Menschen in Europa positiv ausgewirkt haben, manche stehen jedoch noch immer auf fragilen Füßen. Der Klimawandel hat ebenfalls in der Zukunft mit voller Härte zugeschlagen und nicht nur extreme Wetterphänomene, sondern auch humanitäre Notsituationen mit sich gebracht. Ein erschreckend realistischer Ausblick!
Die historische Figur des Graham Gore, über den eigentlich nur wenig bekannt ist, wird von der Autorin als aufgeschlossener, intelligenter, vielseitig talentierter und überaus humorvoller Mensch dargestellt. Die romantische Beziehung der beiden Protagonist:innen entsteht deshalb wenig überraschend, ließ mich aber nur noch mehr mit ihrer Geschichte mitfiebern. In kurzen Kapiteln wird auch zur Franklin-Expetition zurückgesprungen. Die Verknüpfung von historischen Fakten und Fiktion haben für mich einen besonderen Reiz ausgemacht.
Kaliane Bradley schreibt sehr einnehmend, intelligent, verarbeitet gesellschaftlich relevante Themen und verpackt sie in einem (un)möglichen Plot. Mich hat sie mit ihrem Buch absolut begeistert und ich kann es von ganzem Herzen weiterempfehlen.

Bewertung vom 17.05.2025
Blum, Susann

Mystery Eye


ausgezeichnet

Dieses Jahr gestaltet sich das Feriencamp, auf das die fünfzehnjährige Tammy gezwungenermaßen mitfahren muss, anders als in den Jahren davor. Nicht nur fühlt sie sich zu alt dafür, sie trifft auch auf den gleichaltrigen Isaac und entdeckt, dass sie trotz aller Unterschiede eines teilen: sie können sich telepathisch miteinander unterhalten und sehen beide ein mysteriöses blaues Auge, wenn sie sich berühren. Tammy, die der ganzen Sache auf den Grund gehen möchte, zieht den widerspenstigen Jungen mit in ein Abenteuer, mit dem beide so nicht gerechnet haben, bei dem sie aber auch auf Verbündete treffen und Freundschaften entstehen.
Mich hat die Geschichte von Anfang an gepackt. Der Einstieg erfolgt ohne viel Umschweife und der Schreibstil der Autorin Susann Blum ist äußerst angenehm und flüssig zu lesen. An der Verwendung einiger spezieller Ausdrücke kann man die schweizerische Herkunft der Autorin erkennen. Ich mag es sehr, wenn Sprache lebendig und örtlich geprägt ist.
Mir war Tammy, aus deren Sicht der Großteil der Story erzählt wird, sehr schnell sympathisch, da sie in ihren Gedanken und ihrer Haltung viel Humor mitbringt. Manches davon ist zum Augenrollen typisch „Teenie“, was von einer guten Beobachtungsgabe und einem guten Einfühlungsvermögen der Autorin in Menschen dieses Alters zeugt. Je mehr das Buch voranschreitet, umso mehr Platz nimmt der Fantasy-Aspekt ein. Die Jugendlichen müssen sich durch viele Schwierigkeiten kämpfen und dabei nimmt das Erzähltempo ordentlich an Fahrt auf. Tammys Hin- und Herspringen zwischen telepathischer und verbaler Kommunikation während der actionreichen Handlung war etwas herausfordernd zu lesen, für die Story jedoch wichtig.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen! Es ist für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ansprechend geschrieben und eine gute Mischung aus Fantasy, actiongeladener Handlung und Zwischenmenschlichem. Ich kann es mit voller Überzeugung weiterempfehlen!

Bewertung vom 01.05.2025
Harlow, Clare

Magic of Moon and Sea. Die Diebin der vielen Gesichter


ausgezeichnet

Istas Vater ist verschwunden. Das Mädchen macht sich auf, um ihn zu suchen und zieht deshalb in die Stadt. Dort findet sie zwar keine Spuren von ihm, wird jedoch selbst in ein Abenteuer gezogen, das damit beginnt, dass sie nur durch die Hilfe eines zwielichtigen Mannes vor einem Monster gerettet werden kann. Alexo raubt dem Kind seinen wertvollsten Schatz, die Klarinette ihres Vaters und erpresst sie damit. Ista besitzt eine besondere „Gezeitengabe“. Sie kann ihre Form wandeln und soll für Alexo wertvolle Gegenstände stehlen. Nachdem immer mehr Grilks auftauchen und Menschen verschwinden, freundet sich Ista mit Nat an, der als Sohn einer Reporterin ebenfalls aufklären möchte, was hinter den Angriffen steckt. Sie begeben sich in ein Abenteuer, in dem nicht alles so ist, wie es scheint.
Das Buch spielt in einem schön ausgearbeitetes Fantasy-Setting. Istas Welt wird von den Gezeiten bestimmt, die die Stärke der Magie beeinflussen. Mit dem Mond nimmt sie ab oder zu und es scheint, als ob die jüngere Generation insgesamt mit mehr Magie ausgestattet ist als ältere Menschen. Istas Gabe, verschieden Gestalten annehmen zu können, ist dazu noch eine sehr besondere Kraft. Sie ist ein absolut mutiges Mädchen, das beharrlich danach strebt ihren Vater zu finden und Geheimnisse aufzudecken und eine Protagonistin, die einem schnell ans Herz wächst. Auch zu den anderen Figuren findet man schnell Zugang und durch den leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil der Autorin, schafft es die Geschichte den Leser oder die Leserin rasch in den Bann zu ziehen, zumindest ist es mir so ergangen. Ich konnte das Buch nur schwer zur Seite legen, denn die Spannung, die die aufzudeckenden Ereignisse mit sich bringen, fesselte mich.
Die Storyline ist wirklich gut ausgearbeitet und durchdacht, sodass auch ich als Erwachsene große Freude am Lesen hatte und das Buch aus ganzem Herzen weiterempfehlen kann.