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Benutzername: frischling
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Bewertungen

Insgesamt 13 Bewertungen
12
Bewertung vom 11.05.2011
Wer Wind sät / Oliver von Bodenstein Bd.5
Neuhaus, Nele

Wer Wind sät / Oliver von Bodenstein Bd.5


sehr gut

Erneut nimmt sich die Autorin Zeit, ihre hessischen Figuren und Schauplätze genau zu beschreiben und widmet sich innerhalb dieser ländlichen Handlungsorte „fast nebenbei“ noch mehreren brisanten gesellschaftlichen und politischen aktuellen Themen gleichzeitig: erneuerbare Energien, Bürgerbewegungen, Klimaprognosen, Lokalpolitik und Lobbyisten. Sie schafft es, ein komplexes Bild einer hessischen Kleinstadt mit ihren angrenzenden Gemeinden zu kreieren und erzählt ihre Geschichte in einem unaufgeregten, flüssigen Tonfall, dennoch schafft sie es, den Leser zu fesseln und für gute Krimiliteratur mit Lokalcolorit zu sorgen (immer wieder gibt es z.B. lustige lautsprachlich abgeruckte hessische Einwürfe).
An manchen Stellen hätte ich mir (wie schon bei „Schneewittchen muss sterben“) aufgrund der hohen Anzahl an vorkommenden Protagonisten ein Personenregister zu Beginn des Buches gewünscht, in dem man nochmal nachschlagen kann. Denn zu Beginn steigt man aufgrund der vielen Dorfbewohner und ihrer Verflechtungen untereinander teilweise nicht immer sofort durch.
Bisher habe ich alle Nele Neuhaus Krimis begeistert gelesen, die sie früher schon selbst übers Internet vertrieben hat. Dieser neue Fall hat mich erneut gut unterhalten, was sie Autorin selbst als ihre Hauptintention benennt. Bei diesem Fall ist ihr das jedenfalls wieder einmal gelungen!

5 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.04.2011
Endzeit
Jensen, Liz

Endzeit


gut

In Liz Jensens Buch "Endzeit" (engl. "The Rapture") treffen zwei Charaktere aufeinander, die beide ein persönliches Trauma zu verarbeiten haben. Die Therapeutin Gabrielle sitzt seit kurzem im Rollstuhl und hat bei einem Unfall ihre eigene Familie verloren, als sie eine neue Stelle im "Haus der 100 gefährlichsten Kinder" annimmt. Dort bekommt sie Bethany Krall als Patientin zugeteilt, die ihre Mutter umgebracht haben soll und die kein anderer behandeln will. Bethany gibt sich sehr provokant und manipulativ, sodass man erahnen kann, dass es für die selbst verletzliche Psychologin Gabrielle nicht leicht werden wird. Vor allem, als Bethany beginnt Naturkatastrophen vorauszusagen. Und dann sind da auch noch der attraktive Forscher Frazer Melville, der Gabrielle durcheinander bringt und Bethanys Vater, Laienprediger Leonard Krall, der von ihrer Besessenheit überzeugt ist, sowie ihre ehemalige Therapeutin Joy, die inzwischen selbst psychisch labil zu sein scheint...-
Die Autorin verwendet einige interessante Bilder, so z.B. dass Gabrielle eine "Glücksschublade" in ihrem Schreibtisch hat, in der sich zu ihrem Trost nicht nur eine Flasche Laphraig-Whisky befindet. Außerdem spiegelt sich ihre Gefühlslage in den Bildern Van Goghs und Kahlos wieder, wenn man die Bilder selbst kennt, kann man sich das sehr gut vorstellen. Sehr brutal konfrontiert die 16 jährige Bethany Gabrielle mit deren Behinderung, indem sie sie "Roller" oder "Spasti" nennt und die Anspannung steigt. Die Autorin verwendet viele Termini aus dem Bereich der Klimaforschung und man muss sich an manchen Stellen einlesen, um folgen zu können. Ein Vergleich mit Schätzing mag plausibel scheinen, mich haben seine Bücher bisher aber nur ermüdet, dieses war unterhaltsam. Jensen beleuchtet am Rande den fanatischen religiösen Wahn einiger Sekten in den USA, den man aus dem Fernsehen kennt, außerdem ist ihr Buch mit den vorhergesagten Klimakatastrophen aufgrund der steigenden Anzahl von Tsunamis und Erdbeben (leider) brandaktuell. Keine "hohe Literatur" aber Unterhaltung (z.B. der Verweis auf die Haribos). Mir hat es gefallen.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.03.2011
Blaue Augen
Harris, Joanne

Blaue Augen


ausgezeichnet

Interessant ist, dass in Form von Blogs berichtet wird (inklusive Stimmungslage und gehörtem Musiktitel des Schreibers) die Blauauge und Albertine posten, hinzu kommen noch einige andere User, die dem Leser nach und nach vorgestellt werden. Zurecht ist dieses Buch nicht als Krimi sondern als Literatur eingruppiert, denn der Leser muss sich Zeit nehmen und sich auf dieses Buch wirklich einlassen. Die Autorin spielt mit uns, indem sie gegen Ende die wahren Identitäten von BB und Albertine lüftet! Das hat mir an Joanne Harris' Stil zum wiederholten Mal gefallen. Sie schreibt keine bereits zig Male gehörten und gelesenen Geschichten nochmals auf, sondern kreiert eine ganz neue Welt, in die man sich einfinden muss.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.03.2011
Der Frauenjäger
Hammesfahr, Petra

Der Frauenjäger


weniger gut

Es könnte alles so perfekt sein - und das ist es zunächst auch.Vier seit 1989 (glücklich) verheiratete Ehepaare, die ein relativ normales Leben in einer deutschen Kleinstadt führen. Mehr oder weniger erfolgreiche Ehepartner, Kinder - das typisch deutsche Reihenhausidyll. Gleichzeitig die Gedankengänge eines Mörders, der einen unglaublichen Hass auf seine Mutter in sich trägt, die für ihn eine Schlampe ist. Langsam zählt Hammesfahr die Opfer auf, bis zu Nr. 9 ist sie schon gekommen, als eine Verbindung zu Marlene Weißenbach entsteht, die zu dem Kleeblatt der 4 Ehepaare gehört. Eines kalten Januarmorgens erwacht sie leider nicht in ihrem Schlafzimmer, sondern in einem Erdloch. Es ist kalt, sie kann nichts sehen und sie bekommt Panik. In Gefangenschaft fängt sie an, ohr bisheriges Leben zu reflektieren.
Ein neuer Hammesfahr ist da. Ich dachte zunächst: "Im üblichen Stil mit den üblichen Themen, packend wie immer. Hört sich sehr lohnenswert an." Leider erfährt man wenig über die Hintergründe der Tat, die Erzählstränge sind eher banal aneinander gereiht und 200 Seiten lang passiert erstmal sehr wenig, außer dass man über Marlenes Eheleben und ihre Sinnkrise informiert wird. Als Thriller würde ich dieses Buch wahrlich nicht bezeichnen, denn Spannung wollte bei mir keineswegs aufkommen. Irgendwie plätschert die Story einfach vor sich hin und es wird nichts getan, um die Spannung zwischendrin mal zu erhöhen. Schade, die Zsfsg. klang vielversprechender und andere Bücher dieser Autorin sind es auch...-

Bewertung vom 16.02.2011
Böse Dinge geschehen / David Logan & Elisabeth Waishkey Bd.1
Dolan, Harry

Böse Dinge geschehen / David Logan & Elisabeth Waishkey Bd.1


ausgezeichnet

Als Leser dieser 414 Seiten wird man mit einer unterhaltsamen, mysteriösen und kurzweiligen Krimilektüre belohnt. Am meisten hat mich Davids Loogans Biographie gefesselt. Dolan bedient alle Gefühle, Freundschaft, Liebe, Hass, Rivalität. Sein Schreibstil ist unkompliziert und kommt dennoch scharfsinnig daher. Ein einfacher Satzbau verpackt geschickt viele Hinweise auf künftige Ereignisse. Oft nimmt die Geschichte ungeahnte Wendungen und fesselt bis zur letzten Seite. Spannend die Beleuchtung des Berufes der „Ghostwriter“, der auf diese Art eine ganz neue Bedeutung gewinnt. Das Ende lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Ein vielversprechender neuer Autor, den ich auf jeden Fall im Blick behalten werde. Danke für dieses spannende Buch!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.02.2011
Engel aus Eis / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.5
Läckberg, Camilla

Engel aus Eis / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.5


ausgezeichnet

Endlich - die lang ersehnte Fortsetzung der Arbeit des Ermittlerteams Patrick Hedström und Erika Falck jetzt auch in der deutschen Fassung! Schwedens Kriminachwuchstalent schreibt wieder einmal zutiefst faszinierend, aufwühlend und packend und schafft es, die Biographie des Ermittlerteams gekonnt einfließen zu lassen. Wenn man die Vorgängerbände kennt, ist man schon gespannt auf Neuigkeiten aus Erikas Familienleben mit Maja und neugierig auf das nächste „stille Drama“, das sich im idyllisch anmutenden Örtchen Fjällbacka anbahnt. Dieses Mal scheint Erika persönlich noch viel weiter in den Fall einzutauchen als sonst, da es sich um Verbindungen zu Verbrechen im Schweden der 40er Jahren handelt. Die Komissarin liest das zartblaue, linierte Tagebuch ihrer Mutter und muss so auch ihre eigene Familiengeschichte überdenken..., gute Mischung aus Krimi und deutsch-schwedischer Geschichte. Ein typisch, schwedisches Cover im Stile der Vorgängerbände. Auch die Hörprobe ist angenehm eingesprochen – macht beides Lust auf mehr.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.02.2011
Schneewittchen muss sterben / Oliver von Bodenstein Bd.4
Neuhaus, Nele

Schneewittchen muss sterben / Oliver von Bodenstein Bd.4


sehr gut

In ihrem Taunuskrimi beschreibt N. Neuhaus die Situation des Insassen Tobias Sartorius, der nach Verbüßung seiner Haftstrafe in sein Heimatdorf zurückkehrt, da ihm an sozialen Kontakten nur seine Eltern und seine Klassenkameradin Nadja geblieben sind. Die Dorfgemeinschaft wird als typische Idylle mit ihren Beziehungsgeflechten und oberflächlich heilen Strukturen dargestellt, in der jeder jeden kennt und miteinander verbandelt ist. Unter der heilen Fassade brodelt es jedoch mächtig, als Tobias in sein Elternhaus zurückkehrt und auch noch mit einem jungen Mädchen gesehen wird, das den damals verschwundenen und brutal ermordeten Klassenkameradinnen Laura und Stefanie (Schneewittchen) sehr ähnelt. Man fragt sich als Leser, was der Autist Thies mit dem Verschwinden der Mädchen zu tun haben könnte und mit welchen Druckmitteln der mächtige Rädelsführer Terlinden scheinbar die komplette Dorfgemeinschaft dominiert. Als das Mädchen verschwindet beginnt die Hexenjagd auf Tobias. 100 Seiten lang fiebert man hin- und hergerissen mit und bangt um Amelie. Nele Neuhaus schafft es, den Leser zu fesseln und für ausgezeichnete Krimiliteratur mit viel Lokalcolorit zu sorgen. Ausgezeichnete Unterhaltung und Hochspannung. An manchen Stellen hätte ich mir aufgrund der hohen Anzahl an Protagonisten ein Personenregister gewünscht, in dem man nochmal nachlesen kann, wer wer ist. An manchen Stellen habe ich mich an Hammesfahrs "Puppengräber" erinnert gefühlt.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.02.2011
Das Moskau-Komplott / Gabriel Allon Bd.8
Silva, Daniel

Das Moskau-Komplott / Gabriel Allon Bd.8


sehr gut

Von seinem Stil her erinnert mich das Buch stark an die Autoren Barry Eisler und Vince Flynn. Die Szene auf dem Nowodewitschi-Friedhof könnte allerdings auch aus dem "Russlandhaus" John le Carres stammen. Der Autor versteht es den Leser zu fesseln und in leichtem aber zielgerichtetem Ton langsam Tempo und Hochspannung aufzubauen. Neben den Machenschaften der Geheimdienste (Anwerbung, Vertuschung, interne Machtkämpfe) und den Interessen des Vatikans beleuchtet er auch das Privatleben des Spions Gabriel Allon und dessen Gewissenskonflikte seiner Frau gegenüber. Das gibt der Story eine persönliche Note, genau wie seine Tätigkeit als Restaurator/Fälscher. Die Erwartungen, die der Leseeindruck geweckt hat wurden mehr als erfüllt. Das Buch ist sehr spannungsgeladen, zeitgemäß und lebendig. Einige Klischees, die wahrscheinlich dazugehören, bedient Silva dennoch. So ist bspw. die Schwiegermutter des Oligarchen eine mittellose, einfache Russin und die Ehefrau des Waffenhändlers erkennt die Fälschung des Restaurators auf den ersten Blick...- Da mich das Buch gefesselt hat, hatte ich es in 3 Tagen ausgelesen. Das erste Buch dieses Autors, aber bestimmt nicht das letzte, zu dem ich gegriffen habe. Hilfreich für Silva-Neulinge fand ich den Abriss der bisherigen Bände im Anhang des Buches. Mich würde nun natürlich besonders der direkte Vorgängerband interessieren, den ich mir nun zulegen werde. Aufschlussreich für den Leser ist genauso auch die Nachbemerkung des Autors. Zum Urteil "fantastisch" fehlt mir nur noch das genauere Eingehen auf die verschiedenen Schauplätze, die dem Buch vielleicht noch mehr Lokalcolorit verliehen hätten.

Bewertung vom 16.02.2011
Schneller als der Tod / Pietro-Reihe Bd.1
Bazell, Josh

Schneller als der Tod / Pietro-Reihe Bd.1


gut

Ein medi-zynischer Kriminalroman
Josh Bazell unterhält den Leser in seinem Erstlingswerk auf unterhaltsame und professionelle Art und Weise.
Sein Erzählstil ist lesenswert, lebendig und sehr zynisch, nichts für Zartbesaitete. An manchen Stellen fühlt man sich an einen rabenschwarzen Humor im Stile „Monthy Pythons“ erinnert, die Kampfszenen im Haifischbecken lassen einige James Bond-Bilder vor dem inneren Auge wieder aufleben.
Das Hin- und Herspringen zwischen den verschiedenen Phasen im Leben des schrägen Vogels Dr. Peter Brown (heute Assistenzarzt im Krankenhaus - früher Mafiakiller) ist zunächst gewöhnungsbedürftig, man kann sich aber schnell darauf einlassen und ist neugierig auf den Fortgang der Geschichte und das Zusammenlaufen der beiden Erzählstränge. Sehr bemerkenswert fand ich die Beweggründe des Arztes, der Mafia beizutreten. Diese basieren nämlich auf seiner Sehnsucht nach einer Familie und seiner Suche nach Geborgenheit - Motive, die in dieser Form wohl eher selten sind, die sich für ihn aber in Form der Familie Locano und seines Freundes „Skinflick" zu erfüllen scheinen. Seine Liebe zu Magda und seinen Großeltern macht einem den Protagonisten fast sympathisch, nach dem Prinzip „rauhe Schale- weicher Kern“.
Viele zusätzliche Erklärungen für den medizinischen Laien finden sich in den zahlreichen Fußnoten, so erfährt der interessierte Leser einige pikante Details über Bänderrisse, blaue OP-Bekleidung, Herzalarm und Antiviralia.
Man merkt, dass Bazell die Realitäten in Krankenhäusern selbst gut kennt und genau abgebildet hat.
Bevor es zu blutig wird, streut der Autor immer wieder gekonnt einige zynische Anmerkungen ein, die einen vom eigentlich brutalen, tragikomischen Geschehen ablenken. An einige Stellen habe ich mich allerdings gefragt, ob das Abgleiten in die Fäkalsprache hier wirklich nötig gewesen wäre, da einige Passagen schon sehr vulgär sind; möglicherweise setzt Bazell diese aber auch sehr gezielt ein, um zu schockieren.
Fazit: Unterhaltsam, professionell geschildert, lesenswert, mal was ganz anderes.

9 von 12 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

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