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Turbulenzen.und.so
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Berlin

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Insgesamt 63 Bewertungen
Bewertung vom 27.08.2025
Prudhomme, Sylvain

Der Junge im Taxi


gut

'Ich betrachtete die Gesichter im vergänglichen Wirbel des Festes, im dringlichen Sog des Aperitifs, der genossen werden musste ... .' (Seite 170)


Der Großvater stirbt und Simon der Protagonist erfährt, dass es einen verleugneten Onkel gibt. Onkel M. ist ein Besatzungskind. Während seiner Zeit als Soldat am Bodensee, zeugte Simons Großvater ein Kind mit einer Deutschen. Allein 10.000 Besatzungskinder mit französischen Vätern wurden in der Nachkriegszeit registriert. Insgesamt geht die Zahl in die Hunderttausend. Vielen von ihnen mussten mit Stigmatisierung und Ausgrenzung leben. Das ein Teil der Identität fehlte wurde nicht berücksichtigt. Bücher über Besatzungskinder gibt es inzwischen häufiger. Hier wird die andere Seite beleuchtet.

Während des ganzen Buches ging mir dieser Gedanke nicht aus dem Kopf. Wie muss es sich anfühlen, wenn man so etwas in seiner Familie erfährt? Von den Menschen, denen man am Meisten vertraut. Denen man ein behütetes und privilegiertes Leben zu verdanken hat. Wenn man sich über Herkunft nie Gedanken machen muss.

Ich kann gut verstehen, dass Simon nicht ruhen kann, eher er mehr erfahren hat. Aber ein Teil der Familie, allen voran die Großmutter blenden das Thema aus, mehr noch, in der Vergangenheit sollte man nicht graben.

Hilfe bekommt Simon vom angeheirateten Onkel Franz. Und so beobachten wir Simon von außen, wie er doch in der Vergangenheit gräbt und sich vieles selbst zusammen reinen muss. Der Gedanke, um diesen verleugnet Sohn lässt ihn nicht los und als Leserin dachte ich selbst oft, wann lernen wir Onkel M. kennen. Die Suche nach dem geheimnisvollen Onkel ist gleichzeitig eine Suche nach der eigenen Geschichte, dem Heimatbegriff und der Frage, was Herkunft eigentlich bedeutet. Wie schnell können Lebenswege sich ändern und vollkommen unterschiedlich verlaufen.

Sylvain Prudhomme schreibt ruhig und philosophisch. Vieles spielt sich in seinen eigenen Gedanken ab. Konversationen werden nicht durch Anführungszeichen unterbrochen. Alles fließt ineinander über. Das passt so wunderbar zum Thema, denn alles hängt zusammen und ist, wenn auch auf unsichtbare Weise, miteinander verwoben.

Trotz des ruhigen, essayartigen Stils, findet sich ein leichter Spannungsbogen. Ob Simons Suche erfolgreich ist, müsst ihr aber selbst lesen.

Und wieder einmal muss ich es einfach sage: Wie schön ist die französische Sprache? Ich mag den Bodensee, aber Urlaub am Lac de Constance klingt doch gleich viel mondäner.

Bewertung vom 26.08.2025
Schwenk, Lina

Blinde Geister


sehr gut

"Die Stille zu viert gehört für mich zu den großen Momenten." (Seite 31)

Lina Schwenk präsentiert uns hier ein ruhiges Buch, dass aber dennoch voll aufwallender Kräfte ist. Eine kleine feine Familiengeschichte, so mutet es zunächst an, mit Eltern, die bis ins hohe Alter voller Liebe sind, die sich immer halten und brauchen. Karl und Rita, geprägt vom Krieg. Mit Ängsten und Traumata, die ihr Leben im Allgemeinen nicht beeinflussen, das Familienleben im Kleinen aber schon. Eine Einzelfallgeschichte, die zeigt, wie die Nachkriegsgeneration mit den Wunden der Eltern zu kämpfen hat und diese Traumata übernimmt bzw. verinnerlicht.

Rita und Karl sind liebende Eltern, aber sie merken nicht bzw erst spät, wie sich der Krieg in ihren Köpfen vor allem auf ihre jüngere Tochter Olivia auswirkt. Olivia, die lange, die engen Räume ihrer Kindheit sucht und sich nie wirklich davon befreien kann. Scheinbar erst mit der übernächsten Generation setzt ein Heilen ein. Ein Heilen, dass durch einen weiteren Krieg in Europa bedroht ist.

Lina Schwenk vermag es auf nicht einmal 190 Seiten, mehr als ein halbes Jahrhundert Familiengeschichte, teilweise fragmentartig aber doch immer ganz rund zu erzählen. Ein Snackbook, dass den Namen nicht verträgt, weil es keinen Snacks sondern eher einem Mehr-Gänge-Menü entspricht.

Und ich freue mich sehr, dass Lina Schwenk mit 'Blinde Geister' für den Deutschen Buchpreis nominiert ist.

Bewertung vom 12.08.2025
Hauff, Kristina

Schattengrünes Tal


gut

"Warum machst du das?" flüsterte er in ihren Rücken.
"Was?"
"Wenn etwas schön ist, warum machst du es kaputt?"
(Seite 262)

Wenn ihr in einer Leseflaute steckt, dann lest dieses Buch. Für mich war es eine Mischung aus Kammerspiel und Psychogramm. Die Geschichte hält viele Spannungsmomente bereit, aber ohne dass man kurzfristige Ängste entwickelt und sich nach dem Lesen nicht mehr aus dem Haus traut.

Kristina Hauff schafft mit einem imaginären Dorf im Schwarzwald das perfekte Setting. Manchmal musste ich ein wenig an 'Das finstere Tal' denken. Einerseits ist da dieses beschauliche, aber auch altbackene Flair, auf der anderen Seite zieht mich die ursprüngliche, teilweise auch düstere Umgebung magisch an und ich möchte direkt einen Urlaub dort buchen, um mich auf die Fährte des Schakals zu machen. Ja, tatsächlich spielt ein Schakal hier eine interessante Rolle. Auch das fasziniert mich an Kristina Hauffs Schreibstil. Die Bilder, die sie beschreibt und die sich in meinen Kopf manifestieren. Die Doppeldeutigkeit mancher Worte - wenn zum Beispiel die Kälte der Nacht nicht nur die Außentemperatur meint.

Eine handvoll Charaktere lernen wir intensiv kennen und jeder einzelne wurde gut herausgearbeitet. Die Sympathien wechselten sich im Laufe des Lesens an. Fand ich jemanden am Anfang interessant, wurde daraus später Abneigung. Gab es Personen, die ich zunächst unmöglich fand, wandelte es sich zu Mitleid. Den Lesenden wird eine Vielfalt geboten, die einiges abverlangt und größtmöglich unterhält.

Ab einem gewissen Zeitpunkt, wurde es etwas vorhersehbar, aber das Lesevergnügen blieb dennoch. Eine Geschichte zwischen Traditionen und Werten auf der einen Seite und Geheimnissen sowie Aus- und Aufbrüchen auf der anderen.

Ich habe "Schattengrünes Tal* gern gelesen und durfte Kristina Hauff bei einer Lesung live erleben. Vielen Dank für diesen unterhaltsamen, empathischen Abend

Bewertung vom 02.08.2025
Fonthes, Christina

Wohin du auch gehst


sehr gut

Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine Sprache." (Seite 15)

Wieder ein Buch, dass auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Ich liebe das sehr. Vor allem, wenn nicht von Anfang an klar ist, wie der Zusammenhang ist.
Hier fügen sich die Zusammenhänge zwar schnell, aber es bleiben dennoch Fragen, die erst am Ende beantwortet werden bzw. biegt die Geschichte am Ende noch Wendungen, die ich so nicht habe kommen sehen.

'Wohin du auch gehst' hat mich bewegt und erschüttert und in seinen Bann gezogen. Bijoux habe ich von Anfang an ins Herz geschlossen. Ich habe mit ihr mit gelitten, getrauert, habe mich mit ihr gemeinsam verliebt und gehofft. Mit Mira, der zweiten Protagonistin musste ich erst warm werden. Die Autorin hat unser Lesende lange schmoren lassen, was sie so hart hat werden lassen.

Christina Fonthes verwebt Familiendrama mit politischen Realitäten und gesellschaftlichen Themen. Wenn ich während des Lesens immer Mal wieder Suchmaschinen nutze, um selbst zu recherchieren und die realen Fakten nachzulesen, zeigt dafür, dass ich vollkommen in die Geschichte eingetaucht bin und mein Interesse entfacht ist. Dieses Buch hat meinen Horizont wieder einmal erweitert. Über die Unruhen in Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) wusste ich kaum etwas, ebensowenig, dass auch dort Homosexualität ein großes Tabuthema war. Gleichwohl ich mir letzteres natürlich denken konnte.

Wenn man die Themenvielfalt lesen würde, die dieses Buch behandelt bzw. abschneidet (Entwurzelung, Trauma, Missbrauch, häusliche Gewalt, HIV, Homophobie) könnte man davon ausgehen, dass es zu überladen, zu konstruiert sein wird. Aber das ist es nicht. Jedes Thema erhält seinen Raum. Und auch die Liebe bekommt ihren Platz.

Ein feministischer Debütroman, der mehr von der Autorin hoffen lässt.

Bewertung vom 28.07.2025
Kitamura, Katie

Die Probe


gut

'Die Probe' hat mich auf die Probe gestellt. Ich sag euch auch warum. Wenn ich viele Bücher in kurzer Zeit lese, dann brauche ich bei jedem Neuen Buch oft umso länger, um hineinzufinden. Schwierig bei einem Buch, dass insgesamt nur wenig Seiten hat. Es lag also vielleicht hat nicht am Buch selbst, dass ich anfangs zu sehr abschweifte, sondern an meinen mangelnden Lesepausen.

Nun aber endlich zum Buch. Das Leben rauscht an uns vorbei und viele von euch haben sich die Frage "Wo ist bloß die Zeit geblieben?" schon einmal gestellt. Dieses Buch ist auf eine interessante Art faszinierend. Zwei Teile, zwei Lebenswege, die selben Protagonist*innen. Mehr möchte zum genauen Geschehen nicht spoilern.

Ein wenig kann ich aber doch erzählen. Es geht um Erfolg, uns Altern, um Ehe und Liebe, um Mutterschaft und Kinderlosigkeit, um das Buhlen um Zuneigung, um erste Liga oder zweite Reihe.

"Viele Leute sprachen über Kinder, als wären diese etwas, das man plante, sie bedachten nicht, dass auch Kinderlosigkeit geplant, anders gesagt weder eine Lücke noch ein Mangel war, auch die war auf dieser Welt eine Realität eigenen Rechts." (Seite 64/65)

Ein bisschen viel für so ein schmales Büchlein, könnte man meinen, ist es aber nicht.

Ich brauchte etwas, um dieses Buch zu begreifen und es ist wieder so ein Buch, bei dem ein ReRead sinnvoll erscheint. Die Schauspielerin, der Ehemann, der vermeintliche Sohn, sie alle haben mir manchmal Rätsel auf und ich konnte sie oft nur schwer greifen. Ihre Handlungsstrategien konnte ich oft nur schwer nachvollziehen, aber ist es nicht genau das , was und beim Lesen reizt? In die Psyche andere Menschen einzutauchen?

"Ein Halt inmitten der Turbulenzen meines Inneren ..." (Seite 174)

Spannend fand ich die Beschreibung der Ehe. Auch wenn ich selbst nicht verheiratet bin, kann ich das Beziehungskarussell was hier beschrieben wird gut verstehen. Die namenlose Schauspielerin stellt fest, dass sich ihr Mann plötzlich nach Freiheiten sehnt, er der ihr immer die sichere Basis erscheint, über den sie die Hoheit hatte. Das fand ich wunderbar beobachtet. Affären spielen hierbei ebenso eine Rolle aber auch wunderbar beschriebene Frühstücksrituale.

"Durch diese Alltagsrituale band ich mich von neuem an die Ehe, in all ihrer Banalität." (Seite 61)

Ein kurzes, aber dafür sehr intensives Buch, für dass man sich Zeit nehmen sollte.

Triggerwarnungen: Abtreibung, Fehlgeburt

Bewertung vom 22.07.2025
Rubik, Kat Eryn

Furye


sehr gut

"Die Zeit heilt keine Wunden, sondern läuft einfach aus." (Seite 285)

"Ich hatte mein Leben vertan. Mich in mir selbst vertan." (Seite 287)

Unbarmherzig und erbarmungslos - so sollten sie in die mythologische Geschichte eingehen. Aber ebenso galten sie als Verteidigerinnen mutterrechtlicher Prinzipien. Ich spreche von den Erynnien, den Schutz- und Vergeltungsgöttinnen Alekto, Megaira und Tisiphone. Besser bekannt als die drei Furien.

Und damit sind wir schon beim Buch. Alec, Meg und Tess, die Furien der Moderne? Dabei könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Aber es eint sie die Jugend und der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Der Anfang ist gleichzeitig das Ende und erzählt wird auf zwei Zeitebenen. Die beruflich erfolgreiche Erzählerin kehrt an den Ort ihrer Jugend zurück und lässt uns teilhaben, wie sie zu einer der drei Furien wurde und welche Rolle ein gewisser Romain damals und heute spielt.

Ich bin so eingetaucht in beide Zeitebenen, dass ich das Ende, also den Anfang fast vergessen habe. Das Ende hat mich dann vielleicht nicht unbedingt geschockt aber doch sehr mitgenommen. Ich habe es nicht kommen sehen wollen.

Der Schreibstil hat mich absolut eingefangen und ich habe schon lange nicht mehr, so viele Stellen markiert. Hier noch ein paar snackbites, die mich total gecatcht haben: es gibt eine Stelle, in der eine Person Charaktereigenschaften anhand von Unterschriften analysiert - genial.
Das blau-weiße Cover findet sich in Text in Form von blau-weißen Tablettenpackungen und Sonnensegeln wieder.

Insgesamt ein tolles Buch, dass dem Cover gerecht wird.

Wer muss bei dem Cover auch an Romy Schneider und den Film "Swimmingpool" denken.

Triggerwarnungen! Depressionen
Eine Abtreibung wird beschrieben und ist beim Lesen schwer zu ertragen.

Bewertung vom 22.06.2025
Clavadetscher, Martina

Die Schrecken der anderen


gut

Dieses Buch hat mich herausgefordert und dann doch beeindruckt und vor allem sehr viel zum Nachdenken angeregt. Welche Verantwortung haben Kinder und Kindeskinder am Erbe ihrer Eltern? Sind es die Nachfahren, die sich den Verbrechen der Ahnen stellen müssen? Übernehmen wir Schuld, wenn wir die Augen verschließen?

Aber zurück zur Geschichte: Ein Toter im Eis, eine Alte, die alles was geschieht beobachtet, ein Archivar, der Dingen auf den Grund geht und ein reicher Erbe. Lange war mir nicht klar, wie diese Personen miteinander zusammenhängen oder ob sie es überhaupt tun. Es fiel mir schwer, der Geschichte zu folgen. Ellenlange Schachtelsätze trieben mich beim Lesen fast in den Wahnsinn.

Aber dann machte es irgendwann klick, ich verstand worum es ging und ab da wurde jede Seite klarer und klarer. Ich Schloss den einen Teil der Personen in mein Herz und den anderen hätte ich am Liebsten schütteln mögen. Das Verharren und Verherrlichen der dunkelsten Zeit unserer Geschichte ließ mich erst fassungslos zurück, machte mich aber noch Fassungsloser, als mir klar wurde, dass diese Geschichte zwar fiktiv aber nicht unwahr ist.
In hier und jetzt kommen alte Gesinnung erschreckend oft wieder zum Vorschein und das nicht bei Alteingesessenen, sondern quer durch die Generationen.

Martina Clavadetscher hat ein gesellschaftspolitisches Portrait geliefert, dass aktueller denn je ist. Und beim Zuklappen des Buches wünschte ich mir, es wäre "nur" eine Geschichte.

Bewertung vom 20.06.2025
Dreyer, Tine

Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset


gut

Eins vorweg: ich habe Band 1 nicht gelesen und dachte mir beim Lesen an einigen Stellen, dass es vielleicht doch ganz sinnvoll gewesen wäre, den ersten Band doch vorab zu lesen.

Nun gut, der Unterhaltung selbst tat das keinen Abbruch. Ich flog ja regelrecht durch die Zeilen und das obwohl ich anfangs dachte, dass der Humor für mich etwas zu platt ist.
Aber je mehr ich las, desto abstruser wurde alles, aber auf eine Art, die dann wirklich wieder witzig war. Nach einigen eher klassisch literarischen Werken tat es gut bei diesem Buch einfach nur zu entspannen.

Ich habe schon erwähnt, dass die Geschichte schräg ist (warum wurde Band 1 eigentlich noch nicht verfilmt?). So schräg, dass eine Vielzahl von Bildern in meinen Kopf entstehen.

Liv, Iza und Marlies. Drei Frauen, aus drei Generationen, jede auf ihre Art herzerwärmend. Herrlich, welche Ideen sie haben und berührend, wie sie zusammenhalten. Man trifft auf einige Klischees, die mich im normalerweise stören, aber hier passt es und bestimmt wird es mich auch Band 3 nicht stören.
Und der wird kommen. Da bin ich mir so sicher, wie ich Küchenplanerinnen bisher unterschätzt habe.

Ganz nebenbei fühle ich mit Liv so mit. Ich, ebenfalls 48, ebenfalls drei Kinder, ebenfalls in der Menopause. Zum Glück hielten sich die Mordgelüste bisher bei mir noch in Grenzen.
Gelernt habe ich auch noch etwas: Es gibt die, die Wechseljahre bei Männern - die Andropause. Ich werde drauf achten.

Bewertung vom 18.06.2025
Berman, Ella

Before we were innocent


weniger gut

Drei Freundinnen verbringen den Sommer auf einer griechischen Insel. Eine stirbt. Das klingt nach einem Thriller, ist es aber nicht. Es ist eher ein Roman über das Konstrukt junger Freundschaften und wie sich Konflikte darauf auswirken.

Bess, Joni und Evangeline müssen sich finanziell keine Sorgen machen. Sie können die Zeit auf dieser kleinen griechischen Insel vollkommen genießen. Sie können sich sonnen, baden, essen und über alle möglichen Themen ausgiebig austauschen. Zwei von ihnen wird es aber mit der Zeit langweilig, denn auf dieser Insel gibt es nicht viel und so kollidieren unterschiedliche Meinungen aufeinander und der Ton wird rauer und zickiger.

Der Schreibstil ist leicht und flüssig, so dass man durch die Seiten nur so fliegt. Die Katastrophe ist von Anfang an klar. Als Leser:innen wissen wir nur nicht, was genau wie passiert es und wer eventuell daran beteiligt war? Es wird aus Sicht von Bess und auf zwei Zeitebenen erzählt. In der einen lernen wir die drei Freundinnen kennen und begleiten sie vom Beginn ihrer Freundschaft bis zu der Zeit auf der Insel und den Folgen danach. In der Gegenwart ist Bess zehn Jahre älter und wird wieder mit dem Tod ihrer damaligen Freundin konfrontiert, denn eine weitere Frau verschwindet.

Ich hatte von Anfang an eine ziemlich konkrete Ahnung, was passiert ist. Die Ahnung hat sich nur zum Teil bestätigt. Das ist auf einer Seite gut, denn ich mag es überrascht zu werden. Zum Anderen bleibt mir die Auflösung doch zu vage. Offene Enden können verheißungsvoll sein, dieses hier ist weder richtig offen noch geschlossen.

Ich hadere noch, ob mir das gefällt oder nicht. Die letzten Zeiten wären fast philosophisch, ganz anders als der Rest des Buches, der für mich typisch Young Adult ist. Die drei Hauptcharaktere waren fern meines Lebensstils, was natürlich kein Kritikpunkt ist aber auch sehr gern von mir gemocht zu werden. Ich habe zu keiner der jungen Frauen Zugang gefunden und zu viele Entscheidungen und Konversationen hinterfragt.

Dennoch ist es ein perfekter Roman für träge Sommerurlaubstage, denn er bringt ein wenig Schwung ins Gehirn.

Bewertung vom 11.06.2025
Dave, Raksha

Auf den Spuren unserer Vorfahren


ausgezeichnet

Der Beruf der Archäolog:innen übt vor allem bei Kindern eine große Faszination aus. Wer möchte nicht Zeuge einer Ausgrabung mit Funden, die uns neue Erkenntnisse liefern.

Genau darum geht es in dem Kinder-Sachbuch, welches ich euch heute vorstelle.
Chronologisch werden uns Völker und Orte vorgestellt, die in ihrem sozialen Miteinander und in ihrem Denken sie viel fortschrittlicher waren, als lange Zeit angenommen und teilweise an wir heute.

Vom Lake Mungu in Australien vor 40.000 Jahren mit Menschen, die sich um das Wohl der Natur gesorgt haben, über die nachhaltige Stadt Mohenjo-Daro in Pakistan, bis Groß Simbabwe, dass den rassistischen Kolonialisten eines besseren belehrt, wird an verschiedenen Fundstücken gezeigt, wie wir zu dem Wissen kommen, dass wir heute haben uns welche Rückschlüsse daraus gezogen werden können.

Wir lernen, dass Wikinger auch friedlich handeln könnten, dass Frauen schon lange vor unserer Zeit Anführerinnen im Kampf und Siegerinnen im Sport waren, dass Völker gleichberechtigt lebten und dass die Natur immer im Einklang zum Leben stehen und geschützt werden musste.

Ein Buch, dass Mut macht und Hoffnung gibt. Denn wenn wir Menschen all das schon gelebt haben, was uns heute wichtig erscheint, sollte es doch möglich einen Zustand mit Frieden, Gleichberechtigung, Vielfalt und Umweltbewusstsein wieder herzustellen.