Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Katjuschka
Wohnort: Gießen
Über mich:
Danksagungen: 1 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 42 Bewertungen
Bewertung vom 10.07.2019
Von wegen Dolce Vita!
Hennig, Tessa

Von wegen Dolce Vita!


ausgezeichnet

Mit "Von wegen Dolce Vita" hat Tessa Hennig erneut einen Roman mit einer unglaublich tollen,  lebensbejahenden Ü60-Protagonistin geschaffen. 
Der Klappentext umreißt den Handlungsbogen ziemlich gut und dank des flotten Schreibstils ist man dann auch sofort mit Angie, Leonie und Janis unterwegs in Sardinien!

Angie ist einfach nur genial. Sie ist zwar im Herzen noch das Hippie-Mädchen von früher, aber trotzdem angekommen im 21.Jahrhundert. Ihre Erinnerungen an "damals" sind nicht verklärend, sondern maximal melancholisch. Ich fand ihren realistischen, offenen und humorvollen Umgang mit dem Alter mehr als erfrischend!
Janis ist nur auf den ersten Blick eine Spießerin. Auch sie ist ein Kind ihrer Zeit, dazu geprägt durch eine 68er Erziehung... sicher nicht immer einfach.
Tatsächlich hatte ich beim lesen das Gefühl in mir steckt ein wenig Janis - zusammen mit einem kleinen Anteil Angie... ;-)
Lediglich mit Leonie wurde ich (zu Beginn!) nicht warm. Wie im wahren Leben habe ich ein Problem mit der Einstellung "Ich bin erstmal gegen alles". Dazu der extrem lockere Umgang mit dem Thema kiffen - da musste ich als Mutter schon etwas Luft holen. Wie passend, dass Leonie in dem naturverbundenen Umfeld auf Sardinien davon völlig abzukommen scheint....

Die Landschaftsbeschreibungen sind klasse. Man fühlt sich beim lesen sofort auf die sardische Insel versetzt und dies auf eine Art, die Reiselust weckt! 
Generell ist übrigens ein nachhaltiger Umgang mit der Natur hier, so ganz nebenbei, sehr gut in die Handlung eingebettet.
Das ein Generationenkonflikt sich eigentlich nur auf eine Art lösen lässt, nämlich mit Ehrlichkeit plus reden, reden, reden und sehr viel Toleranz - wird hier sehr realistisch beschrieben.
Die Wandlung der einzelnen Personen ging mir, realistisch betrachtet, etwas zu schnell - aber was soll's! Das Ende war dadurch stimmig, die Zukunftsplanung toll gelöst, aber nicht rosarot!

Fazit: Wie immer bei Tessa Hennig liebe ich die humorvolle Geschichte, geschrieben in einem Stil, der die Seiten nur so fliegen lässt. Und auch diesmal möchte ich mit den Protagonisten unheimlich gern befreundet sein! Bitte, bitte mehr davon!

Bewertung vom 19.06.2019
Hannah und ihre Brüder
Balson, Ronald H.

Hannah und ihre Brüder


ausgezeichnet

Als Benjamin Solomon 2004 in Chicago den angesehenen Elliott Rosenzweig in aller Öffentlichkeit mit einer deutschen Wehrmachtspistole bedroht, ist dies von ihm genau geplant.  
Denn Ben will in Elliott seinen früheren Freund und Ziehbruder Otto Piontek erkannt haben.
Jenen Otto, der 60 Jahre zuvor in Polen von der jüdischen Familie Solomon aufgenommen wurde und zusammen mit Ben wie ein Bruder gelebt hat.
Doch Otto hat sich irgendwann von der Ideologie der Nazis verführen lassen und innerhalb der NSDAP sogar Karriere gemacht.
Als Ben verhaftet wird, erzählt er seiner jungen Anwählin Catherine Lockhart seine Lebensgeschichte. Und dazu gehört natürlich auch seine große Liebe Hannah.
Ben wollte Elliot/Otto nie wirklich umbringen. Er will das endlich die Wahrheit ans Licht kommt und Otto seine Taten gesteht. Ben will keine Rache, nur Gerechtigkeit!

Das Buch "Hannah und ihre Brüder" ist nach "Karolinas Töchter" in Deutschland erschienen, spielt chronologisch aber davor.
Dies ist für die Handlung aber unwesentlich.

Im Prinzip spielt die Geschichte auf zwei Ebenen:
Zum einen geht es um die Erzählungen von Ben aus der Vergangenheit.
Zum anderen um das juristische Gezerre der Anwälte von Ben und Eliott.
Beeindruckend fand ich bei Bens Geschichte, dass die Grausamkeiten und die Gräuel des Nazi-Regimes für den Leser irgendwie immer präsent waren, auch wenn sie nicht permanent in aller schrecklichen Deutlichkeit im Fokus standen.
Auch die schleichende Verwandlung des sympathischen Otto zum menschenverachtenden Nazi-Schergen lief quasi nur hintergründig ab. Irgendwie war immer die Hoffnung, er kommt irgendwann zur Besinnung.
Auch hat mich fast durchgehend die Frage beschäftigt: Was wurde aus Hannah, die 2004 definitiv nicht mehr lebt....
Catherine Lockhart und Liam Taggart, ein Jugendfreund und Prvatdetektiv, der für sie arbeitet, reden zuerst nur aus Mitgefühl mit dem netten alten Ben Solomon. Aber nach und nach sind beide immer mehr von der gleichermaßen beeindruckenden, wie beklemmenden Lebensgeschichte berührt. 
Besonders Catherine fühlt sich Ben immer näher. Sie ist schließlich sogar bereit Karriere und Reputation aufs Spiel zu setzen, um als kleine Anwältin gegen die große, vom mächtigen Elliot Rosenzweig engagiete Anwaltskanzlei, anzutreten. 
Bei diesen juristischen Details merkt man, das der Autor selbst Jurist ist oder war. Die Einzelheiten der verschiedenen Sachverhalte werden erklärt ohne zu belehren.

Wie bereits bei "Karolinas Töchter" wird man auch hier wieder von Beginn an vom grandiosen Schreibstil des Autors in seinen Bann gezogen.
Nicht nur das Schicksal von Ben und Hannah, der Familie Solomon oder generell der geknechteten Menschen in Polen, hat mich richtig mitleiden lassen. Nicht selten musste ich tief durchatmen.
Ich habe regelrecht getrauert, wenn eine Person gestorben ist, die ich ins Herz geschlossen hatte!
Die Passagen der Gegenwart gaben einem manchmal zum Glück eine regelrechte Atempause!
Mir hat gefallen zu lesen wie Catherine und Liam zu dem Paar geworden sind, dass ich aus "Karolinas Töchter" schon kannte.

Bewertung vom 10.04.2019
Der Wind nimmt uns mit
Herzog, Katharina

Der Wind nimmt uns mit


gut

Maya ist als Reisebloggerin in der ganzen Welt unterwegs. Nachdem sie in der Vergangenheit erfahren hatte, dass sie nicht das leibliche Kind ihrer Mutter Karoline ist, hat sie zu ihr jeden Kontakt abgebrochen.  
Nach einem One Night stand wird Maya schwanger. Und um den Kindsvater Tobi zu finden muss Maya ausgerechnet nach La Gomera - die Insel auf der Karoline lebt!  
Dort angekommen lautet der Plan: Tobi finden und Karoline aus dem Weg gehen!
Aber das ist nicht einfach. Ihre Mutter scheint irgendwie andauern da aufzutauchen wo Maya gerade ist und Tobi ist nicht zu finden.
Während Ihres Aufenthaltes trifft Maya eine ganze Reihe von recht ungewöhnlichen, teilweise recht durchgeknallten Aussteigern...

Mir hat die Grundidee ziemlich gut gefallen. Auch fing die Handlung noch recht gut an. Dann hat meine Begeisterung etwas nachgelassen.
Ich fand Maya für eine selbständig arbeitende Frau Anfang 30 sehr unreif, kopf- und planlos dargestellt.
Über die Hippies habe ich zu Beginn gelächelt, dann ging mir die Darstellung zu sehr in Richtung dauerbekiffte Traumtänzer. Die permanenten Meditations- und sonst-was-Kurse waren schon sehr Klischee! Zum Glück gab es aber am Straßenrand Energiebällchen und Frühstück vom Baum!
Wenn man die Story nicht so ernst nimmt, verschiedene Dinge nicht weiter hinterfragt (wie kommt Maya z.B. an einen Reisepass, wenn sie angeblich keinen festen Wohnsitz hat?), dann kann man sich ganz gut amüsieren.
Und natürlich gibt es ein Happy-End: Maya findet den Mann für's Leben und versöhnt sich mit Karoline.
Da ich die Geschichte aber in Summe eher mittelmäßig fand, gibt es auch nur 3 Sterne.

Bewertung vom 10.04.2019
Honigduft und Meeresbrise
Barns, Anne

Honigduft und Meeresbrise


ausgezeichnet

Mit "Honigduft und Meeresbrise" entführt Anne Barns ihre Leser(innen) wieder einmal auf einen literarischen Kurztrip an die Ostsee.
Anna Blumenthal reist nach dem Unfalltod ihrer besten Freundin Mona zu ihrer Oma ins dörfliche Lüdinghausen. Dort, bei den Großeltern, hat sie sich immer wohlgefühlt.
Als sie wieder einmal, genau wie früher, mit Oma Johanna Honig "erntet", trifft ein Brief ein, der es in sich hat.
Er kommt von der fernen Insel Jersey, ist adressiert an Johannas Mutter Martha (allerdings mit einer Adresse in Ahrenshoop) - und war 80 Jahre unterwegs!
Und wie Johanna nach der Lektüre ganz lapidar feststellt: Die Familiengeschichte muss wohl umgeschrieben werden!
Anna und Johana beschließen spontan nach Ahrenshoop zu fahren um weiter nachzuforschen und ganz nebenbei etwas Urlaub zu machen.
Das ist für Anna dringend nötig! Zum einen vermisst sie Mona noch immer sehr, zum anderen scheint die Beziehung zu Freund Jens gerade in die Brüche zu gehen.
In Ahrenshoop finden die beiden nicht nur Antworten, neue und alte Freunde, sondern für Anna auch neue Perspektiven und vielleicht sogar eine neue Liebe....

Mir hat hier die Atmosphäre, die Stimmung sehr gefallen, denn ich war von Anfang an bei Anna und ihrer wunderbaren Oma.
Generell ist sowieso Johanna für mich der heimliche Star der Geschichte!
Im Wechsel wird zum einen von Anna, Jens, Mona, deren Freund Timo, Jugendfreundin Peggy und natürlich Oma Johanna erzählt - und dann eben von Martha und ihrer großen Liebe Johann.
Das halboffene Ende bezüglich Jersey fand ich in der Form richtig gut. Ermöglicht es Platz für Spekulationen - und die Hoffnung auf eine Art "SpinOff" ;-)
Ich fand übrigens beide Handlungsstränge gleichermaßen gut und interessant!
Einziger Kritikpunkt: Mir war es ein klitzekleines bisschen zu viel "Mona hier, Mona da".

Wie immer gibt es bei der Autorin im Anhang verschiedene Rezepte, passend zur Handlung. Alle scheinen recht unkompliziert und seeeehr lecker zu sein!

Für alle Liebhaber von zauberhaften Insel-Geschichten empfehle ich von der Autorin nicht nur dieses Buch, sondern auch "Apfelkuchen am Meer" und "Drei Schwestern am Meer"!

Bewertung vom 04.03.2019
Die Fliedertochter
Simon, Teresa

Die Fliedertochter


sehr gut

In "Die Fliedertochter" reist die junge Paulina im Jahr 2018 für ihre "Wahloma" Antonia von Potsdam nach Wien. Toni, wie alle sie nennen, hat eine mysteriöse Hinterlassenschaft erhalten, fühlt sich aber selbst nicht fit genug für die Reise. 
Bei der "Erbschaft" handelt es sich um das altes Tagebuch einer gewissen Luzie Kühn. Um herauszufinden um was es sich hier überhaupt handelt, beginnt Paulina zu lesen - und wird immer tiefer hineingezogen in das Leben dieser jungen, aufstrebenden Schauspielerin.....

1936: Luzie, deren Eltern bereits verstorben sind, lebt bei ihren jüdischen Großeltern. Sie hat erste Erfolge am Theater, beschließt aber nach Wien zur Schwester ihres Vaters zu ziehen. Sie will unbedingt vermeiden, dass die Großeltern ins Blickfeld der erstarkenden Nationalsozialisten rücken. 
Bei Tante Marie wird sie als die lange vermisste Tochter vorgestellt und zu ihrer aller Sicherheit auch adoptiert. 
Lange währt die Ruhe jedoch nicht. Das judenfeindliche Verhalten der Bevölkerung nimmt auch in Wien immer mehr zu und als Hitler den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkündet beginnt ein Grauen, welches sich keiner auch nur annähernd vorstellen konnte.

Teresa Simon beschreibt in ihrem Roman die Geschichte einer jungen Frau, die in den dunkelsten Stunden Europas nicht nur um ihr eigenes Leben bangen muss.
Die Beschreibungen Wiens dieser Zeit sind nicht immer leicht zu lesen. Hat sich Österreich jahrzehntelang als erstes Opfer von Nazi-Deutschland verkauft, und sich erst sehr spät mit der eigenen braunen Vergangenheit auseinandergesetzt, werden hier nun unsägliche historische Fakten eingearbeitet, die einem mehr als einmal den Atem stocken lassen.
Was die selbsternannten Herrenmenschen ihren unliebsamen Mitmenschen angetan haben, ist mit Worten kaum zu beschreiben.
Beim Thema Euthanasie und Zwangssterilisation kann einem richtig übel werden.
Durch den extrem fesselnden Schreibstil ist man gefühlt selbst in diesem dunklen Wien und erlebt die Schrecken fast hautnah mit!

Genau wie Paulina, haben auch mich Luzies Tagebucheinträge sofort in Bann gezogen.
Die immer mehr auftretende Gewalt wird unglaublich bildhaft geschildert. Die Gefühle von Luzie und die Angst um ihre Lieben, auch wegen der gefälschten Identität, sind fast greifbar beschrieben.
Aber nicht alles ist grausam. Luzie erlebt die Liebe, findet Freunde.
Sehr lange ist nicht klar, wie ist es Luzie ergangen? Was ist aus ihr geworden? 
Und natürlich: Was für eine Verbindung gibt es zwischen Luzie und Antonia?
So sehr wie ich bei Luzie mit ihr gelebt, geliebt und gelitten habe, konnte ich bei Paulinas Erzählstrang dann etwas durchatmen.
Ist deren Geschichte, die tatsächlich sogar mit der von Luzie verflochten ist, zwar interessant, hat sie mich dennoch nicht so gefesselt, wie die von Luzie.
Allerdings kann man dies auch nicht erwarten, denn der historische Teil dieses Buches ist von unglaublicher Wucht! Mehr als einmal musste ich tief durchatmen.

Ich liebe die Stadt Wien sehr. Das hat sich nach der Lektüre nicht geändert.
Aber ich werde jetzt den einen oder anderen Ort mit anderen Augen sehen, neu erfahren.
Ob ich die jubelnden Menschen vor meinem geistigen Auge sehen werde, wenn ich nächstes Mal am Heldenplatz stehe?
Auf jeden Fall werde ich ins Café Demel gehen, eine Melange trinken und an all jene denken, die dies nicht mehr konnten.
Es gibt immer ein Stück Himmel um den Kopf zu heben....!

Bewertung vom 04.03.2019
Morgenröte / Gut Greifenau Bd.3
Caspian, Hanna

Morgenröte / Gut Greifenau Bd.3


sehr gut

GUT GREIFENAU - MORGENRÖTE ist der dritte Teil einer historischen Trilogie. Sie kombiniert reale, spannende Geschehnisse innerhalb Europas mit einer fesselnden Familiensaga. 

Automatisch begibt man sich bei der Lektüre auf eine faszinierende Reise durch Zeit und Raum! 


Innerhalb der kompletten Geschichte stehen sowohl die Grafenfamilie, als auch die Dienerschaft des gräflichen Gutes im Mittelpunkt der Handlung.

Die Erzählweise ist sehr "nah". Soll bedeuten, man ist jederzeit direkt an der Seite des gerade agierenden Protagonisten.

So erlebt man die unterschiedlichen Situationen und die Probleme der Menschen in dieser chaotischen Zeit hautnah mit.

Auch werden die verschiedenen Sichtweisen auf das Geschehen im Land sehr deutlich und klar beschrieben.

Sehr spannend waren für mich außerdem ein paar Vorgänge im Zusammenhang mit der russischen Revolution, die mir komplett neu waren!

Mir persönlich hat auch sehr gut gefallen wie die historischen Fakten, quasi wie nebenbei, in die Handlung eingeflossen sind. Oder soll ich sagen, wie die Handlung sich den historischen Fakten gemäß verändert, angepasst hat? Jedenfalls war der Umbruch der Zeit, das Aufbrechen alter Gefüge, ein wesentlicher Bestandteil des Geschehens.

Auch hat mich fasziniert wie die Autorin ihre Protagonisten an den sich veränderten Lebensumständen hat wachsen - oder auch hat zerbrechen lassen!


Obwohl sehr viele Personen die Geschichte tragen, ist sie keinerzeit überladen oder gar verwirrend.

Eher haben die nebeneinander erzählten, sich oft verzahnenden Erzählstränge, die Handlung noch vielfältiger, noch interessanter gemacht.


Ich denke jeder hat seine Lieblingsfiguren innerhalb der Geschichte - die Auswahl ist groß:

Die liebenswerte, langsam erwachsen werdende Komtess, der uneheliche Sohn des Grafen, die sozialistische Dorflehrerin, das schüchterne Hausmädchen,.... 

Und natürlich gibt es die "love to hate" Antagonisten:

Die arrogante, herzlose Gräfin, der dubiose Pastor, der gar nicht prinzliche Prinz....


Auch wenn die Geschichte zum Abschluss der Trilogie ein schönes und stimmiges Ende hatte, fiel es mir doch schwer Gut Greifenau zu verlassen.

Zu gern würde ich weiter miterleben, ob sich die angedeuteten Pläne, Träume und Hoffnungen verwirklichen.

Was aus ihnen allen wird, in der neuen Republik Deutschland....



***Da dieser dritte Teil direkt an den Vorgänger anschließt, sollten die drei Bände unbedingt in der richtigen Reihenfolge gelesen werden!*** 

Bewertung vom 26.01.2019
Nachtfeuer / Gut Greifenau Bd.2
Caspian, Hanna

Nachtfeuer / Gut Greifenau Bd.2


sehr gut

NACHTFEUER ist der zweite Teil der historischen "Greifenau-Trilogie". Das Buch funktioniert sicher auch separat, aber ich würde empfehlen Teil eins ABENDGLANZ vorher zu lesen. Und bei dem spannenden Cliffhanger ist Teil drei MORGENRÖTE sowieso ein Muss!


Im Mittelpunkt dieser Upstairs-Downstairs Geschichte stehen wieder die Mitglieder der Grafenfamilie von Auwitz-Aarhayn, sowie das Personal des Gutes. 

Die Auswirkungen des Krieges trifft die Menschen ganz unterschiedlich. Es ist spannend zu lesen, wie auf der einen Seite das einfache Volk teilweise hungert und friert, während zur gleichen Zeit die "bessere Gesellschaft", besonders der Adel, zumindest zuerst, keinerlei Einschränkungen erfährt.

Auch wird der Unterschied zwischen Stadt- und Landbevölkerung sehr realistisch beschrieben.

Die historischen Fakten rund um die Geschehnisse im Vorfeld der russischen Revolution sind hervorragend recherchiert. Die deutsche Beteiligung, bzw. Finanzierung der Bolschewiki, die den Aufstieg Lenins (und damit auch aller darauf folgenden Entwicklungen, wie Sturz des Zaren, Entstehen der Sowjetrepublik) erst möglich gemacht haben, wird hier sehr anschaulich und faszinierend geschildert.

Die persönlichen Entwicklungen und die Lebensumstände der Protagonisten werden während des weiter andauernden Krieges nachhaltig beeinflusst.

Mir hat sehr gefallen, das dem Grafensohn Konstantin eine sozialistisch eingestellte Frau an die Seite gestellt wurde, die sein Denken und Fühlen stark beeinflusst. In seiner kaisertreuen Familie ein persönlicher Konflikt, der die Zerrissenheit des deutschen Volkes klar spiegelt. Und auch die Entwicklung der naiven jungen Katharina, die sich langsam zu emanzipieren scheint, ist ein Sinnbild für das Erwachen eines neuen Selbstbewusstseins der Menschen auf der Straße!

Persönlich hat mir gefallen, dass alle Protagonisten, egal ob "Herrschaft" oder "Gesinde", eine eigene, gut ausgearbeitete Vita hatten. So hat man jederzeit die Möglichkeit, sich in die jeweiligen Lebensumstände einzufühlen. Besonders intensiv empfand ich dabei die eine oder andere, teilweise tragische Lebensgeschichte des Personals im Haus der Familie von Auwitz-Aarhayn.


Das Ende dieses zweiten Teiles der Greifenau-Trilogie ist ein heftiger Cliffhanger, der viele Fragen offen lässt. Zum Glück muss man auf den Folgeband nicht lange warten!

Bewertung vom 11.12.2018
Abendglanz / Gut Greifenau Bd.1
Caspian, Hanna

Abendglanz / Gut Greifenau Bd.1


sehr gut

"Gut Greifenau - Abendglanz" ist der erste Teil einer Trilogie im Stile der TV-Serie Downton Abbey.
Schauplatz ist hier Hinterpomnern im Jahr 1913.
Im Mittelpunkt steht die Familie von Auwitz-Aarhayn und das auf dem Gutshof lebende Gesinde.
Der Schreibstil und das Erzähltempo sind detailliert und eher ruhig, einer Trilogie angepasst.
Die Beschreibungen von Personen und Handlungen zeugen von einer sehr intensiven Recherche und scheinen mir dadurch historisch perfekt gelungen.
Die Ereignisse und Umstände der Zeit sind sehr gut in die Geschichte eingebunden, ohne zu sehr im Fokus zu stehen.
Nach und nach lernt man die Personen kennen und mir hat dabei der Wechsel "upstairs-downstairs" besonders gut gefallen - bekommt man so den unterschiedlichen Alltag zwischen der Grafenfamilie und dem einfachen Volk hautnah mit!
Es gibt verschiedene, wichtige Protagonisten und dadurch unterschiedliche Handlungsstränge. Aber dies ist zu keiner Zeit verwirrend oder "zu viel" an Geschichten in der Geschichte.
Das Ende des Buches lässt ein paar Fragen offen im Raum stehen und macht Lust auf Teil 2!

Bewertung vom 04.07.2018
Nie wieder Amore!
Hennig, Tessa

Nie wieder Amore!


sehr gut

Moni, Witwe und Apothekerin im Ruhestand, bekommt Post von einer ihr unbekannten jungen Frau aus Sizilien. Lena hat beim aufräumen in Taormina einen alten Schmalfilm und Liebesbriefe der jungen Moni gefunden. Und angeblich lebt der ursprüngliche Empfänger dieser Briefe noch! Dabei ist Moni jahrelang davon ausgegangen Vincenzo, ihre große Liebe, sei kurz nach ihrer Rückkehr aus Italien verstorben.

Moni, die keine Lust auf Altrsresidenz und Norwegen-Kreuzfahrt mit Tochter Tanja hat, packt kurzerhand die Koffer und reist zusammen mit ihrem Enkel Jan (als Aufpasser!) nach Messina.
Auf der Suche nach Vincenzo lernt sie aber zuerst Francesca kennen. Die will zusammen mit Lena in ihrem Elternhaus eine Sprachschule eröffnen. Aber die Behörden legen den beiden immer wieder Steine in den Weg. Oder hat etwa tatsächlich die Mafia ihre Finger im Spiel?
Nicht mit Moni! Und vor allem: Nichts mit Ruhestand! Die Suche nach Vincenzo tritt immer mehr in den Hintergrund, denn zur Ruhe kommen die neuen Freunde nicht. Und dann will auch noch Tanja ganz genau wissen was da in Bella Italia so vor sich geht....

Mit "Nie wieder Amore" ist Tessa Hennig wieder ein toller Roman mit einer "Best Ager"-Protagonistin gelungen.
Moni muss man einfach lieben. Nach einer nicht besonders glücklichen Ehe will sie es noch einmal wissen. Warum weiter Kompromisse machen? Warum tun, was man von ihr erwartet? Dann doch lieber alte Träume entstauben! Der Gedanke an eine Zukunft im "Zwischenlager" Seniorenresidenz hat ihr sowieso nie gefallen und im sonnigen Sizilien tun sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten für sie auf...
Aber auch Lena, Francesca und Tanja sind starke Frauenfiguren bei dieser lustigen und gleichzeitig spannenden Reise nach und durch Sizilien.
Nicht zu vergessen ist auch die "rauchende Dame" Ätna, bei der Moni regelmäßig Rat sucht.

Der Plot hat mich eine kleine Weile an den Film "Briefe an Julia" erinnert (zufälliger Fund eines alten Briefes, Reise mit dem Enkel nach Italien um die große Liebe zu suchen, Orangenplantage statt Weingut). Aber zum Glück ging es dann schwerpunktmäßig doch in eine ganz andere Richtung!

Der Schreibstil der Autorin ist einfach nur genial. Man ist sofort Teil der Handlung und will am liebsten mit der Protagonistin befreundet sein!
Die Beschreibungen von Sizilien waren sehr bildhaft - ich konnte mir die verschiedenen Orte sehr gut vorstellen und in Gedanken durch die "Perle Siziliens", den kleinen Ort Taormina, spazieren.
Und auch die Bewohner wurden sehr liebenswert geschildert, selbst der "Mafiosi" war einem irgendwann sympathisch.
Natürlich kommt auch, trotz anderslautendem Buchtitel, Amore nicht zu kurz. Und das nicht nur bei Moni....

Wer also Lust auf eine Sommerlektüre hat die einen zum lächeln bringt und gleichzeitig die Reiselust weckt, der ist hier genau richtig!
Ich spreche also sehr gerne eine Leseempfehlung aus !

Bewertung vom 28.06.2018
Lavendelträume
Diechler, Gabriele

Lavendelträume


sehr gut

Nach dem Tod von Mutter Barbara entdeckt Julia ein geheimes Schließfach. Darin befindet sich Barbaras Lieblingsparfum und eine Karte mit einer zauberhaften Liebeserklärung auf französisch.
Sie beschließt nach Südfrankreich zu fahren, den Parfumeur Antoine Lefort zu suchen - und herauszufinden, was diesen mit ihrer Mutter verbindet.
Auch braucht sie etwas Abstand zu ihrem Verlobten Frank. Denn Julia fühlt sich mitschuldig am Unfall der Mutter und Frank sagt ihr für ihr Gefühl zu häufig, sie solle endlich "abschließen".
In dem kleinen Ort Roquefort-les-Pins in der Nähe von Grasse trifft sie aber nur noch Nicolas Lefort, den Sohn von Antoine. Er ist ein bekannter Maler, hat aber lange Zeit ebenfalls als Parfumeur gearbeitet.
Mit Nicolas lernt Julia die Welt der Düfte kennen und lernt dabei viel über die Entwicklung und den spannenden Herstellungsprozess der Parfums.
Und in der traumhaften Landschaft der Provence, und unter den sympathischen Menschen dort, fühlt Julia sich endlich wieder etwas freier und auch verstanden. Denn schließlich hat auch Nicolas gerade einen geliebten Menschen verloren.
Und gemeinsam entdecken die beiden die Verbindung von Barbara und Antoine, die weit in die Vergangenheit zurück reicht und ihrer beider Leben grundlegend verändert!

In "Lavendelträume" schreibt die Autorin so bildhaft, dass man beim lesen schon fast meint den Lavendel zu riechen, den Wind und die Sonne auf der Haut zu spüren, so sehr fühlte ich mich in die berühmte Parfumstadt Grasse "entführt".
Mit hat es auch sehr gefallen (quasi nebenbei und unaufdringlich) sehr viel über Parfum zu erfahren und ich werde jetzt sicher mein eigenes Parfum anders wahrnehmen und außerdem zukünftig mit neuen Gedanken eine Parfümerie betreten.
Die Protagonisten waren durchweg unglaublich sympathisch. Ich habe mich mit Julia sofort identifizieren können und in Nicolas habe ich mich mehr oder weniger schockverliebt.
Aber auch Julias Freundin Maren war einfach süß. Ihre Art macht sie zu einer perfekten Freundin für alle Lebenslagen :-)
Natürlich kommt es zu dem erwarteten Happy-End. Der Weg dahin ist geheimnisvoll, emotional, romantisch und am Ende sogar spannend.
Die Geschichte ist einfach schön, liest sich mit einem Lächeln - und weckt Urlaubgsgefühle!