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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Bellis
Wohnort: Bayern
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Bewertungen

Insgesamt 101 Bewertungen
Bewertung vom 05.10.2019
Krebskriegerinnen
Koeseling, Anja; Teichert, Mina

Krebskriegerinnen


ausgezeichnet

Krebs – hört sich schrecklich an, möchte jeder weit von sich weisen.
Aber was, wenn der Arzt dir „Sie haben Krebs“ entgegenschleudert. Denn diese Diagnose katapultiert dich aus deinem Gewohnten. Unzählige Fragen stehen plötzlich auf deiner To-do-Liste.

Dieses Buch von Anja Koeseling und Mina Teichert nimmt den Leser mit auf diese Achterbahn der Gefühle. Es schildert realistisch den Krankheitsverlauf von Anja, mit teils schockierender Ehrlichkeit erzählt sie von ihren Tiefen, ihrer verletzten Seele sowie der aufopferungsvollen Hilfsbereitschaft ihrer Freundin Mina und ihrer Familie. Einfühlsam zeigt die Geschichte wie wichtig ein intaktes Umfeld, medizinisches Wissen und würdevoller Umgang miteinander ist.

Durch die abwechselnde Erzählweise, welche sogar in den Seitenzahlen durch Namen gekennzeichnet ist, erlebt der Leser zeitgleich beide Sichtweisen. Die wachsende Freundschaft der beiden Frauen, ein wesentlicher Schritt in Richtung Genesung für Anja. Des Weiteren schildert Mina in Rückblicken ihre Krebserkrankung und verarbeitet somit ihre Erlebnisse erneut mit Anja.

Mir gefallen die immer wieder eingestreuten humorvollen Gedanken und Erlebnisse. Sie nehmen dem schweren Thema kurzzeitig die Trauer, aufkeimende Wut und Schrecken. Denn jeder Patient braucht ein Lächeln. In vielen Momenten erlischt dies, spürt man nur Schmerz und Angst. Genau zu diesem Zeitpunkt hilft zum Beispiel eine Freundin wie Mina…..

Ich nehme aus diesem Buch neue Erkenntnisse über die Krankheit Darmkrebs und deren Verlauf mit. Finde viele Parallelen zu mir in Bezug auf Veränderungen im Leben durch eine schwere Erkrankung, dem Umgang des medizinischen Personals mit Patienten und der unterstützenden Hilfe des privaten Umfeldes.

Der Geschichte sollte eine bewusste Entscheidung vorausgehen. Krebs ist heilbar, aber aggressiv und unvorhersehbar im Krankheitsverlauf. Durch dieses Buch möchten die Autoren für Vorsorge sensibilisieren und zeigen die Hoffnung darf man nie aufgeben. Das Leben ist lebenswert!

Bewertung vom 27.03.2019
Die Gamswirtin
Knoflach, Georg H.

Die Gamswirtin


ausgezeichnet

Die Erzählung von Maria Buol über die Gamswirtin von Matrei aus dem Jahre1909 hat Georg H. Knoflach nachbearbeitet. Der ursprüngliche Schreibstil wurde im Großen und Ganzen beibehalten. Erläuternde Notizen erleichtern das Verstehen alter Dialektformen und Gebräuche. Die daraus entstehende Mischung aus altem Sprachgebrauch und zeitgemäßer Erzählung ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Ich musste mich erst einlesen.
Zum besseren Verständnis der zurückgelegten Entfernungen und einfacheren Orientierung der Reiserouten hätte ich mir eine passende Karte gewünscht.
Das bewegte Leben der Ursula Knoflach, bereits als zehnjähriges Mädchen wurde die Urschel in Dienst gegeben, wird in zeitlich korrekter Abfolge unter Einbeziehung der herrschenden politischen Lage dargestellt. Besonderes die harten Lebensumstände der Bevölkerung, vorherrschende Standesunterschiede und der tief verwurzelte Glaube an Gott sprechen aus der Erzählung. Schicksalsschläge und Nöte aber auch Hoffnung und Glück formen die Frau Ursula zu einer reifen Persönlichkeit. Durch Fleiß, Gebet und hartnäckig angebotene Liebe erlangt die Gamswirtin zum Beispiel den ihr wichtigen Segen des Schwiegervaters.

Das Buch bietet interessante Einblicke in vergangene Zeiten. Lässt sich nach einigen Kapiteln gut lesen und ist durchaus unterhaltsam. Die Spannung finde ich eher flach gehalten, meines Erachtens liegt der Fokus mehr in Informationen. Das Thema Napoleon, Andreas Hofer und der Freiheitskampf wird angeschnitten, allerdings hatte ich laut Inhaltsangabe mehr darüber erwartet.
Insgesamt vergebe ich 3,5 Sterne für die Neubearbeitung der Gamswirtin.

Bewertung vom 08.03.2019
Der Gesang der Bienen
Dorweiler, Ralf H.

Der Gesang der Bienen


sehr gut

Der Zeidler Seyfried lebt von und mit den Bienen. Die wichtigsten Menschen in seinem Leben sind jedoch Elsbeth, seine Frau und ihre Kinder. Als diese ein schwerkrankes Mädchen aufnimmt bricht Unglück über die Familie herein. Der Tod Fronikas wird der Heilerin Elsbeth angelastet. Seyfried handelt einen Aufschub des Todeurteils heraus und macht sich auf schnellstem Wege nach Bingen. Hildegard soll in einem Brief die Unschuld Elsbeths bestätigen und so den Abt überzeugen. Doch der Weg birgt Gefahren und Umwege. Immer wieder muss Seyfried Geduld aufweisen bis er Hildegard überzeugt zu helfen. Zeit, die er nicht mehr hat...

Durch den der Zeit um 1152 angepassten Schreibstil in Rede und Ausdruck bin ich schnell in die Erzählung abgetaucht. Zahlreiche bildhafte Beschreibungen lassen Handlungsorte und Landschaften vor meinem Auge entstehen. Ob Klosterbaustelle oder düsteres Verließ, klappernde Hufe auf einsamen Wegen und tiefe Schluchten. Des Weiteren bin ich z. B. gefangen von der düsteren, ängstlichen Stimmung im Gerichtsverfahren, den Hoffnungen und Sorgen des Zeidlers um seine Familie. Im Verlauf der Handlung treten Charakterstärke und Wandlungen zutage. Sehr bewegend finde ich auch die Figur Anna, Tochter des Zeidlers Seyfried. Mit Mut und Verstand schützt sie sich und ihren Bruder allein gegen allerlei Gräuel. Mit der Novizin Adelheyd samt ihrem Geheimnis weitet sich der Kreis hin zu Hildegard von Bingen. Diese historische Figur wird in dem Roman facettenreich herausgearbeitet. Eine umfassende Recherche des Autors versucht Hildegard und ihr Wesen wirklichkeitsnah zu zeigen. Neben rachelüsternen Rittern, helfenden Freunden, eingreifenden Vierbeinern spielen Machtgier, bedingungsloser Gehorsam der Kirche gegenüber und Politik eine weitere Rolle in dem Roman.
Die aufwühlende Geschichte wird wesentlich von der Arbeit, den Techniken und Werkzeugen eines Zeidlers und der Welt der Bienen begleitet. Bereits als Kind wurde Anna mit dem Lied „ Das Bienlein, das ich liebe….“ beruhigt, mit Honig belohnt, der Geruch von Bienenwachs hat sich eingebrannt. Die Erzählung wird durchflochten von dem Thema Bienen. Dabei konnte ich viel Wissenswertes lernen.

Das bewegende Werk versetzt mich in die Zeit Ende des 12, Jahrhunderts. Die geschilderten Lebensumstände und der verwendete Sprachstil ziehen mich in ihren Bann, reißen mich emotional mit. Eine ausgewogene Aufteilung in sympathische und grausame Figuren bringt von Anfang an viel Potenzial an Möglichkeiten und Spielraum. Immer höher steigt die Spannung, auch durch passende Zitate und „…Tage bis zur Vollstreckung des Urteils“ an jedem Kapitelanfang. Bis auf einige konstruiert wirkende Ausnahmen am Schluss kann ich die Geschichte gut nachvollziehen. Diese Freiheit eines Autors lässt den Leser schlussendlich aufatmen. Im Anschluss finden sich ein aufschlussreiches Personenregister sowie persönliche Anmerkungen zur Entstehung des Romans.

"Der Gesang der Bienen" aus geschichtlich belegten Personen, historischen Ereignissen und Fiktion verwoben mit dem Thema Bienen erhält von mir 4 Sterne. Ich freue mich weitere Abenteuer mit Ralf H. Dorweiler zu erleben.

Bewertung vom 25.02.2019
Das wilde Herz des Westens
Fischer, Alexandra

Das wilde Herz des Westens


ausgezeichnet

Nur knapp dem Tod entkommen wirbelt das Schicksal die siebenjährige Briana zu den Harringtons. Dort wächst sie mit der gleichaltrigen Phoebe als Hausangestellte und doch ähnlich einer Schwester auf. Als die Schrecken des Sezessionskrieges über die mittlerweile jungen Frauen hereinbrechen meistert die junge Irin Briana im Gegensatz zur Tochter die Arbeiten im zum Lazarett umfunktionierten Haus klaglos. Phoebe entflieht dem Grauen sooft es ihr möglich ist mit Hilfe ihrer geliebten Groschenromane. Kaum ist der Krieg vorbei macht sich Phoebe auf ihre Träume an der Seite eines Cowboys zu verwirklichen. Nachdrücklich bittet sie die Freundin um Begleitung zum unbekannten Mann ihres Herzens. Ein Foto und ein Brief samt Phoebes Träumen im Gepäck machen sich die beiden auf die Reise in den Westen……

Bereits die ersten Seiten lassen mich in die Erzählung eintauchen. Ängste, Hoffen und Bangen, lautstarke Schreie und erlösende Ruhepausen zeigen das Grauen des Bürgerkrieges. Spannend geht es weiter als Phoebe, gegen Widerstände kämpfend, ihren Traum einen Cowboy zu heiraten in die Realität umzusetzen beginnt. Auf der immer beschwerlicher werdenden Reise begegnen die Frauen dem irischen Paar Frank und Mary. Deren Geschichte beleuchtet die Autorin in einem zweiten Erzählstrang, immer wieder verstrickt mit der Handlung. Die Rückblicke zeigen das harte Leben der irischen Auswanderer hautnah. Auf der Reise erlebe ich mit Phoebe und Briana aufwühlende Gespräche, blutige Kämpfe, träumerische Hoffnungen und traurige Schicksalsschläge. Die Reise quer durch faszinierende Landschaften zaubert die Autorin mit ihren Worten bildlich vor mein Auge. Auf dem Planwagen Treck der Siedler tauche ich ein ins Gefühlschaos von Trauer, Verzweiflung, Angst zu Freude, Hoffnung, Glück und Liebe. Geschickt zusammengestellte Persönlichkeiten geben der Gruppe explosive Stimmung, zeigen Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt untereinander. Die Charaktere entwickeln Tiefe und Stärke, werden von der Vergangenheit verfolgt, besiegen durch innere Kraft ihre Ängste, verändern sich und ihre Sehnsüchte. Die Geschichte fesselt mich und lässt mich nicht mehr los. Das Ziel der Reise, eine Ranch in Montana, wer erreicht diese? Was erwartet Phoebe, Briana und ihre unterschiedlichsten Weggefährten? Träume, Ziele, Erkenntnisse - was bringt das wilde Herz des wilden Westens zum Schlagen?

Diese eindrucksvolle Reise wird mich noch lange beschäftigen. Unterhaltsam, äußerst sorgsam recherchiert und dargestellt. Ein Buch voller Tiefgang, Historie und erzählender Geschichte. Ich konnte mich in der Geschichte „sehen“, habe mitgefiebert und gebangt. Das versöhnliche Ende lässt mich aufatmen.

Bewertung vom 01.02.2019
Viel mehr als Liebe
Lindberg, Karin

Viel mehr als Liebe


ausgezeichnet

Trisha läuft sich für ihre selbstherrliche Chefin Rhona regelrecht die Haken wund. Seit Jahren wartet sie auf den günstigen Augenblick der Top-Designerin ihre eigenen Entwürfe zu zeigen. Als sich Trisha endlich ein Herz nimmt ist Rhona Mulligan abweisend und uninteressiert. Völlig zerstört wird sie von Philippe entdeckt. Akurat der Mann, dem sie gestern bereits vor die Füsse gestolpert ist. Dabei hat dieser Mann so schöne Augen….
Philippe wäre lieber an der ruhigen Küste anstatt hier zwischen Glanz und Party zwecks einer Zusammenarbeit mit der Stardesignerin Mulligan zu verhandeln. Unvermutet wird er mehrmals zum Retter Trishas. Immer wieder kreisen seine Gedanken um die zierliche junge Frau. Sein Beschützerinstinkt erwacht als eine skandalöse Zeitungsmeldung Trisha belastet. Doch damit auch Philippes Alpträume, alte Wunden reißen auf. Kann Trisha diese Dämonen mittragen?

Der flüssige Schreibstil aus zweierlei Perspektive lässt mich schnell in die Geschichte eintauchen. Mit erfrischenden Dialogen und humorvoller Art ziehen die charakterstarken Protagonisten mich in ihren Bann. Im Laufe der Erzählung wechseln Hoch und Tiefs, wird Vertrauen aufgebaut und durch Missverständnisse zerstört. Trisha und Philippe geben stückchenweise ihre Vergangenheit frei. Durch die wechselnde Sichtweise bin ich den Protagonisten teils einen Schritt voraus, und möchte ihnen manches Mal einen Tritt verpassen. Gefühle, Erwartungen und Hoffnungen, ein stetiges Hin und Her. Eigenwillige Nebencharaktere verleihen der Erzählung zusätzlich besonderen Charme.

Mich hat dieses Lesevergnügen bestens unterhalten. Mit dem Blick hinter die Fassade zeichnet Karin Lindberg ihre Charaktere, gibt ihnen Entwicklungsspielraum und durchzieht ihre Geschichte mit Liebe und Humor. Dafür vergebe ich sehr gerne fünf Sterne.

Bewertung vom 15.12.2018
Wunderwaffe Wertschätzung
Niedernolte, Tim

Wunderwaffe Wertschätzung


sehr gut

Lächeln. Dankbarkeit und Respekt leben

Wertschätzung fängt immer bei Dir selbst an
Warum alle etwas davon haben, wenn man andere wertschätzt
Was steckt hinter diesen Aussagen?

Tim Niedernolte nimmt uns auf seine Suche mit. Gespräche und Überlegungen zeigen unterschiedliche Möglichkeiten Wertschätzung auszudrücken. Der spritzige Schreibstil führt unterhaltsam durch das oftmals vernachlässigte Thema. Unterstützt durch authentische Fotos lässt mich der Autor daran teilhaben. Zahlreiche Tipps und Ideen werden aufgegriffen.
Die aufgeführten Wertschätzer machen mir ( wieder) bewusst wie wertvoll ein Danke, gegeseitiger Respekt und ein Lächeln sein kann. Kleinigkeiten im Umgang mit fremden Menschen können beispielsweise ungeahnten Teamgeist hervorrufen. Weitere Anliegen sind den Herausgebern der Umgang mit Sozial Media, generationsübergreifendes Miteinander und respektvolle Behandlung trotz Hierarchie oder Andersein.

Leider habe ich weniger neue Anregungen aus dem Buch ziehen können als erwartet. Aber inspirirende Bestätigung und erneutes Bewusstmachen dieses überaus wichtigen Themas "Wertschätzung sich und anderen gegenüber". Es regt an sich zu hinterfragen und mit anderen zu diskutieren. Das Miteinander könnte viel harmonischer und erfüllender gestaltet werden wenn…..Darum lasse ich mich gerne mitnehmen auf der Welle der Wertschätzer.

Vielen Dank für mein Rezi-Exemplar. Ich vergebe 4 Sterne und wünsche uns allen Mehrwert im gegenseitigen Umgang.

Bewertung vom 01.12.2018
Blättertanz / Seasons of Magic Bd.3 (eBook, ePUB)
Gold, Romina

Blättertanz / Seasons of Magic Bd.3 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Als Halbblut erlebt Flame Ende des 17. Jahrhunderts Ablehnung und Vorurteile. Die Heilerin wird Opfer der Hexenverfolgung in Salem Village. Auf magische Weise entkommt die willensstarke junge Frau und erwacht im Jahre 1850. Flame findet Aufnahme bei dem feinfühligen und alleinstehend wohnenden Henry. Missverständnisse, Geheimnisse und Vorurteile begleiten die Suche nach dem Warum. Doch auch jetzt schlägt das Schicksal zu…..

Der mir bekannte Schreibstil von Romina Gold verzaubert mich wieder. Einfühlsame Schilderungen der Protagonisten zeigen deren Gefühls- Auf und Ab. Rauschende Wälder oder die Ruhe über dem See, bunte Bilder entstehen. Die durchdachte Mischung der Figuren lässt spannende Phasen und suchende Episoden abwechseln. Perspektivenwechsel in der Erzählung bringen besonders die Unterschiede z. B. im Lebenswandel gut zur Geltung. Eingeflochtene Ereignisse verleihen der Handlung Magie, Spannung, Ängste und Hoffnungen.

Flame, eine selbstbewusste Halbindianerin, hat in Salem Village verloren. Gegen die Hasstiraden einiger Mitbürger hat sie keine Chance. Im neuen Leben angekommen sieht sie sich wieder Vorurteilen gegenüber. Aber auch Respekt und Hilfsbereitschaft findet sie im Jahre 1850. Ihre Freundinnen, wo sind sie? Eine schwierige Suche beginnt…..
Henry hat eine gesellschaftliche Stellung in Danvers. Doch sein privates, einsames Leben birgt ein Geheimnis. Ist das der Grund für die uneingeschränkte Hilfsbereitschaft der Fremden gegenüber?

Die Erzählung hat mich gefesselt. Die Verflechtung von geschichtlich belegter Hexenverfolgung und Fiktion ist geschickt gelöst. Die Seiten fliegen dahin und am Ende sieht der Leser sich einem offenen Ausgang gegenüber. Wie in einer Reihe vorhersehbar. Ich möchte anmerken die Geschichte ist unabhängig von den Vorgänger zu lesen. Aber sie macht Lust auf die komplette Reihe der `Seasons of Magic`. Daher empfehle ich dieses Buch mit fünf Sternen. Auf in ein magisch-romantisches Lesevergnügen gegen Hass und Vorurteile.

Bewertung vom 26.11.2018
Bittere Schokolade / Xavier Kieffer Bd.6
Hillenbrand, Tom

Bittere Schokolade / Xavier Kieffer Bd.6


sehr gut

Das unverhoffte Wiedersehen mit seiner alten Liebe Ketti bringt Erinnerungen zurück. Damals in Paris….er möchte lieber nicht an seine ausschweifende Zeit erinnert werden. Doch als Ketti ihm stolz von ihrem neuesten Projekt in Sachen Schokolade vorschwärmt kann er ihrer Bitte nicht wiederstehen. Kurz darauf braucht Ketti seine Hilfe. Obwohl das nächtliche Treffen tödlich verläuft ringt Ketti ihm ein Versprechen ab. Um hinter das Geheimnis zu kommen geht Xavier unkonventionelle Wege, fliegt kurzerhand nach Afrika (wobei er enormen Stress mit seiner Freundin provoziert) und hintergeht die Polizei. Wird er die Lösung finden?

Der bildhafte Schreibstil lässt nicht nur Luxemburg- Stadt mit verwinkelten Gassen und Bauwerken vor meinem Auge entstehen. Landestypische Gerichte, meist in heimischem Dialekt, bestimmen die Küche des Restaurants von Xavier Kieffer. Im Laufe seiner Recherchen zum Tode Kettis taucht er in die Welt der Schokolade ein. Anbau, Herstellung, Sortenvielfalt mit allerlei Geheimnissen ist im Buch integriert. Der ungelöste Mordfall um seine ehemalige Freundin beansprucht den Koch dermaßen das er Valerie, seine derzeitige Freundin hintenanstellt. Wobei auch diese in ihrem finanziell angeschlagenen Verlag seiner Hilfe bedürfte. Sein trinkfester Freund Pekka hat neben Ratschlägen auch seine Beziehungen spielen lassen. Immer wieder zaubert der skurrile Koch Helfer und neue Ideen hervor. Viele Hinweise und teils konstruiert wirkende Zufälle später scheint sich eine Lösung zu ergeben. Doch warum beschleicht den Hobby-Ermittler das Gefühl er hätte etwas übersehen?

Mein erster Krimi aus der Reihe um Xavier Kieffer. Der detektivisch veranlagte Koch hat einige Eigenheiten, z. B. sehr trinkfest, starker Raucher, teils altmodisch und mit starkem Ego versehen. Der flüssige Schreibstil des Autors hat mich zügig durch das Buch gleiten lassen. Im Laufe der Handlung kommen Morde, Verschwörungen, Schmugglerei und Lügen zutage. Ganz nebenbei erfährt der Leser viele Details zum Thema Schokolade sowie luxemburgerische Spezialitäten. Zeitweise plätschert die Geschichte, könnte mehr Spannung vertragen.
Als Kenner der Reihe hätte ich vermutlich einige Zusammenhänge besser erfassen können, jedoch ist diese Geschichte eigenständig zu lesen.
Angeschlossen ist ein Glossar Küchensprache luxemburgerisch – deutsch.
Insgesamt hat mich die Geschichte gut unterhalten. Der Ausflug in das Genre Krimi war interessant. Ich vergebe 4 Sterne.

Bewertung vom 19.11.2018
Mit Ayurveda gegen Stress
Rosenberg, Kerstin; Kienzle, Ulrike

Mit Ayurveda gegen Stress


sehr gut

Die liebevolle Gestaltung des Covers setzt sich im Buch fort. Durch die warmen Farben und größtenteils verständlichen Erklärungen wird mir, auch als Neuling, das Thema Ayurveda näher gebracht. Die Begeisterung für die indische Lebensphilosophie spüre ich quasi, gemixt mit jahrelangen Erfahrungen der Autorinnen.

Einen ersten Überblick gibt das Inhaltsverzeichnis:
- Dank Ayurveda – aktiv leben ohne Stress
- Persönlicher Stresstest – wie reagieren wie auf Stress?
- Wege aus der Stressfalle – Ojas, die Lebensessenz stärken
- Leben im richtigen Takt – individuell und leistungsfähig
- Stressfrei, selbstbewusst und entspannt mit Yoga
- Das Ayurveda Anti-Stress-ABC
- Ayurveda-Rezepte für einen starken Geist

Anfangs verwirren mich als Neuling die vielen Fachbegriffe. Die strukturierte Einteilung des Buches mit vielen kleinen Absätzen und farbigen Titeln ist hilfreich.
Erläuterte Symptome, mögliche Stressursachen und deren Bekämpfung. Unterteilungen in körperliche und charakteristische Merkmale, in verschiedene Ebenen des Ayurveda zeigen die Vielschichtigkeit des Themas.

Tabellen und Selbsttests ermöglichen mir meinen jeweiligen Typ (zumindest annähernd) und persönliche Stressfallen zu finden. Teisweise liegt mein Empfinden zwischen den angebotenen Möglichkeiten.

Yoga. Richtiges Atmen und Meditationstipps ergänzen die empfohlenen Yogaübungen. Die einzelnen Stellungen sind bebildert, die Techniken gut erklärt. Ayurvedische Psychologie-Impulse sind dazu passend angeschlossen.

Die Ernährung, ein nicht zu unterschätzender Punkt. Immer wieder wird auf besonders empfehlenswerte Früchte, indische Gewürze und Speisen hingewiesen. Passend dazu ist eine Bezugsquelle am Buchanfang angegeben. Der anschließende Ayurveda-Rezeptteil gibt zusätzlich Tipps für die unterschiedlichen Dosha-Typen.

Fazit:
Viele Tipps zur Stressbewältigung regen zum Ausprobieren an. Einiges deckt sich mit meinen Erfahrungen ohne Ayurveda. Anfangs musste ich mich erst in das Thema einarbeiten. Wer sich allerdings mit Ayurveda bereits auskennt hat wesentliche Vorteile in Bezug auf geläufige Fachbegriffe. Der Rezeptteil hätte meines Erachtens mehr europäische Möglichkeiten aufzeigen können.
Das Buch gibt hilfreiche Impulse auf seinen Körper mehr zu achten. Sich Zeit freizuschaufeln, dabei Gelassenheit, Zufriedenheit und Lebensglück zu suchen, idealerweise zu finden. Stress – oftmals von außen diktiert, aber innerlich schädigend. Diesen Teufelskreis zu unterbinden dazu kann dieses Buch einen wertvollen Beitrag leisten.
Ich vergebe vier Sterne und empfehle ein gewisses Vorwissen in Ayuverda, Fachbegriffe betreffend.

Bewertung vom 12.11.2018
Wirf dein Herz voraus und spring hinterher
Paulsen, Anna

Wirf dein Herz voraus und spring hinterher


sehr gut

Lianes Leben verläuft unscheinbar. Perfekt organisierte Chefsekretärin, durchgeplante Abende zuhause und regelmäßige medizinische Kontrollbesuche bestimmen ihren Tageslauf. Die Überweisung zum HNO katapultiert Liane aus dieser Routine. Todkrank? Dann die ungeplante Begegnung mit Greg. Seine Ansichten lassen Liane grübeln. Plötzlich hat sie Lust auf einen nächtlicher Spaziergang. Dabei begegnet ihr Nora. Das ist der Anfang einer schier unglaublichen Reise zum neuen Ich.

Der flockig-lockere Schreibstil lässt mich durch das Buch fliegen. Verschiedene Erzählperspektiven und Gedanken zeigen dem Leser das Gesamtgeschehen umfassend. Überzogen dargestellte Wesenszüge der Protagonistin und die humorvoll-eigenwillige Gestaltung sind Merkmale der unterhaltsamen Geschichte. Treffende Kapitelüberschriften und kursive Schreibweise der Briefe bzw. Gedanken führen durch die Erzählung.

"Warum nicht den Blick aufs Wesentliche lenken", diese Einstellung lässt Liane nachdenken. Greg, Nora und weitere Bekanntschaften zeigen der strukturierten Frau was das Leben aufregendes zu bieten hat. Monster im Park, Höhenflüge oder Überlebensstrategien für Wanderungen... Sogar Freundschaft, Hoffnung und Liebe. Wäre da nur nicht dieser Brief. Seit zwanzig Jahren ungeöffnet. Welche Entschuldigung sollte den Verrat ihrer Adoptivmutter wieder gut machen?

Die Entwicklung der Figur und Veränderung ihres Charakters geht rasend schnell. Die Freiheit eines Autors eine fiktive Geschichte zu gestalten. Leider habe ich dadurch teils Schwierigkeiten mich mit Liane zu identifizieren.
Mir gefällt jedoch sehr, das das Buch zwischen den Zeilen zum Nachdenken anregt. Ängste und menschliche Schwächen werden überspitzt dargestellt, jedoch gelingt es Liane mit Hilfe neu gewonnener Freunde, antrainierter Disziplin und ihrem unverhofft auftauchendem Mut über sich hinaus zu wachsen. Sich seinen Ängsten stellen - die Glücksgefühle nach bezwungener Herausforderung beflügeln. Nachhaltig.

Der Titel und das farbenfrohe Cover deuten auf humorvoll und spritzig. Das darin enthaltene mutmachende Lesevergnügen ist mir vier Sterne wert.