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Benutzername: Anna Blaustrumpf
Wohnort: Saarbrücken
Über mich: Buchbloggerin


Bewertungen

Insgesamt 3 Bewertungen
Bewertung vom 26.11.2018
Das Herz der Kämpferin
Young, Adrienne

Das Herz der Kämpferin


ausgezeichnet

Wer eine klassische Fantasygeschichte sucht, ist bei Das Herz der Kämpferin falsch: Es tritt kein fantastisches Personal wie Elfen oder Drachen auf, es gibt keine Magie (zumindest keine offensichtliche) und - ein angenehmer Kontrast zu den Jugendfantasyromanen der letzten Zeit - Eelyn ist keine entthronte Prinzessin, die ihr Königreich zurückerobern will und sich dabei in den feindlichen Prinzen verliebt. Stattdessen treffen wir hier auf eine starke junge Frau, die ihren Platz in einer kriegerischen, düsteren Welt bereits gefunden hat. Es ist keine klassische High Fantasy im Stil des Herrn der Ringe, sondern eher Pseudohistorische Fantasy wie etwa Marion Zimmer Bradleys Die Nebel von Avalon; Viking Fantasy, um einen nicht kanonischen Gattungsbegriff zu wählen. Die Welt, die Adrienne Young entwirft, mag fiktiv sein, aber es ist dennoch vorstellbar (und historisch korrekt), dass die skandinavischen Völker der Vorzeit in Clans lebten, unterschiedlichen Göttern dienten und sich gegenseitig bekämpften. Die Darstellung ist so realistisch, dass man sich als Leser näher über die Wikinger informieren will, um so vielleicht eine historische Vorlage für Eelyn zu finden. Das einzig magische in der Welt sind die prophetischen Träume Eelnys. Ob die Herja, das von den Clans gefürchtete Volk, ebenfalls magisch sind, konnte ich nicht eindeutig herauslesen.
Eelyn begibt sich nicht auf eine abenteuerliche Quest, sondern sie wird verschleppt. Dennoch weigert sie sich zu unterwerfen und ihr Schicksal zu akzeptieren. Der US-amerikanische Verlag Wednesday Books, wo der Roman unter dem Originaltitel Sky in the Deep erschienen ist, bewarb das Buch mit "Part Wonder Woman, Part Vikings". Dieser Vergleich erscheint mir durchaus angemessen: Eelyn ist badass, keine Jungfrau in Nöten. Und so entspinnt sich die, für moderne Jugendliteratur obligatorische, Liebesgeschichte sehr dezent.
Das Worldbuilding ist überzeugend und detailliert ausgearbeitet, beschränkt sich jedoch weitgehend auf die zwei Städte der verfeindeten Clane der Aska und Riki. Alle Haupt- und Nebenfiguren entwickeln sich den Roman hindurch und gewinnen an Tiefe. Keine der Figuren bleibt oberflächlich. Sie alle tragen dazu bei, dass der Leser regelrecht in die Handlung hineingezogen wird. Ich konnte das Buch an vielen Stellen kaum aus der Hand legen, weil es so spannend war.
Insofern finde ich den Vergleich von Romantic Times Book Reviews in mehrerer Hinsicht falsch: Young schafft keine zauberhafte Welt der Fae, wie Sarah J. Maas in Throne of Glass oder A Court of Thorns and Roses. Eelyn ist eine ungleich stärkere Kämpferin als Feyre und ihr fehlt die Magie von Aelin Fireheart. Sie ist nicht unsterblich und hat nicht die Unterstützung durch Unsterbliche. Sie muss nicht gerettet werden, sondern ist es gewohnt sich selbst zu retten. Letztlich wird die Reduktion von Das Herz der Kämpferin auf einen Vergleich mit Sarah J. Maas beziehungsweise "Sarah J. Maas meets Wikinger" dem Roman nicht gerecht.
Mich konnte das Buch absolut begeistern! Ich habe mit Eelyn gekämpft, gelitten und gehofft. Durch die detaillreiche Sprache entwickelt die Erzählung eine Dynamik, die dazu geführt hat, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen beendet habe. Ich freue mich schon sehr darauf mit The Girl the Sea Gave Back im September 2019 in die Welt von Eelyn zurückkehren zu können.

Bewertung vom 21.11.2018
Die Krone der Dunkelheit / Krone der Dunkelheit Bd.1
Kneidl, Laura

Die Krone der Dunkelheit / Krone der Dunkelheit Bd.1


gut

Ganz dem aktuellen Trend folgend, stellen Fae (Elfen) das Hauptpersonal in Die Krone der Dunkelheit. Ähnliches kennen wir etwa aus den Büchern von Sarah J. Maas, an die Laura Kneidls Roman jedoch nicht heranreicht. Allerdings wäre es auch nicht richtig, die Romane miteinander zu vergleichen. Das Worldbuildung Kneidls überzeugt, ebenso wie ihre Protagonisten, die Tiefe besitzen, sich weiterentwickeln und die Handlung vorantreiben. Das Geschehen wird aus ihren jeweils unterschiedlichen, insgesamt ca. 6, Perspektiven berichtet, dabei ist der rote Faden jedoch stets zu erkennen. Damit schafft Kneidl, was in anderen Fantasyromanen häufig misslingt; zu oft verwirren die vielen unterschiedlichen Perspektiven den Leser.
Besonders interessant fand ich, dass die Fae in Seelie und Unseelie unterschieden werden und es noch eine dritte, niedere Form, dieser magischen Wesen gibt: die Elva.
Die Sprache ist flüssig und modern; mir persönlich war sie jedoch an manchen Stellen zu umgangssprachlich und zum Teil sogar grammatikalisch falsch ("zu jemand anders gemacht"). Solche Fehler stören meinen Lesegenuss. Dennoch wäre ich bereit darüber hinwegzusehen, wenn mich der Roman ansonsten hätte mitreißen können: leider jedoch war dies nicht der Fall. Über lange Strecken passiert nichts oder werden Details unnötig breit auserzählt. Es gab durchaus Stellen, die mich begeisterten, an denen ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und weiterlesen musste, aber leider waren diese die Ausnahme. Immer wieder hat mich die Erzählung so gelangweilt, dass ich das Buch zur Seite legen musste. Deshalb habe ich für die 640 Seiten auch mehr als 3 Wochen gebraucht, was absolut untypisch für mich ist.
Ein besonderer Fall ist auch das Ende: Auf den letzten 100 Seiten nahm die Geschichte noch einmal Fahrt auf (was mich schon fast mit dem Rest des Buches ausgesöhnt hätte), um dann auf den letzten fünf Seiten diese Spannung wieder zu verlieren. Der große Cliffhanger, der Lust auf den Folgeband machen würde, blieb leider aus.
Ich hoffe jedoch, dass in den noch erscheinenden zwei Bänden das Rätsel um die Krone der Dunkelheit (worauf auch der Buchklappentext anspielt) gelöst werden wird. Leider wird in diesem ersten Band keinerlei Bezug zum Titel hergestellt.
Laura Kneidl liefert mit Die Krone der Dunkelheit einen soliden Fantasyroman, der sich besonders für Fantasyneulinge und jüngere Leser eignet. Es war das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe, daher kann ich keine Vergleiche mit ihren anderen Werken ziehen. Mich konnte Die Krone der Dunkelheit leider nur bedingt begeistern. Charaktere und Worldbuilding konnten mich jedoch überzeugen; ich wünsche mir daher, dass die Folgebände mich doch noch ganz in ihren Bann ziehen können.

Bewertung vom 21.10.2018
Ash Princess
Sebastian, Laura

Ash Princess


ausgezeichnet

Eine entthronte, verwaiste Prinzessin, ein machtbesessener Herrscher als Gegenspieler, ein Prinz zum Verlieben... - der Plot von Ash Princess ist nicht neu, sondern aktuell äußerst beliebt in der Jugendfantasy. In Abwandlungen findet man ihn unter anderem bei Victoria Aveyard (Die rote Königin), Mary E. Pearson (Der Kuss der Lüge), Amy Tintera (Die Legende der vier Königreiche), C.E. Bernard (Palace of Glass) und bei Sarah J. Maas (Throne of Glass). Das Besondere bei Laura Sebastian ist jedoch, wie düster die Geschichte ist. Abstoßende Szenen werden nicht beschönigt, sondern in ihrer ganzen Brutalität geschildert.
In den zehn Jahren am Hof hat sie auch gelernt, wie sie sich verhalten muss um gefällig zu sein, nicht aufzufallen, ihre wahren Gefühle zu verbergen. Diese Fähigkeiten nützen ihr, nachdem diese eine letzte Tat, zu welcher der Kaiser sie zwang, ihre Wut und ihren Rachewunsch weckt. Und so wie die Hoffnung bei Theo wächst, dass sie einen Umbruch herbeiführen, dass sie Rache am Kaiser und seinen Handlangern nehmen und Königin werden kann, so wächst sie auch beim Leser. Dafür sorgt nicht zuletzt die Erzählerperspektive: Die Handlung wird im Präsens aus der Perspektive Theos (Ich-Perspektive) geschildert. Die Wendungen innerhalb der Handlung überzeugen und sind konseqent, wird Theo doch stärker und selbstbewusster im Verlauf des Fantasyromans.
Wie Theo misstraut der Leser jedem, der ihr begegnet, jedem, der ihr wohlgesonnen scheint. Dabei sind die Nebenfiguren ebenso vielschichtig gestaltet wie die Hauptfigur selbst. Und bis zum Schluss kann der Leser keine der Figuren richtig einschätzen: Cress, die vermeintliche Herzensschwester, Søren, den Kronprinzen, Theos Schatten, die ihr auf Schritt und Tritt folgen, die Kaiserin und schließlich Drachenfluch, den Piraten.
Theo ist eine starke Protagonistin, keine Jungfrau in Nöten. Sie hat es geschafft zu überleben, 10 Jahre lang. Aber nun will sie mehr - überleben ist nicht genug. Obwohl sie erst 16 Jahre alt ist, ist sie zu keiner Zeit ein typischer Teenager, sondern viel reifer, als man es vielleicht erwarten würde.
Dennoch ist es ein Jugendbuch und so fehlt auch die typische Liebesgeschichte nicht. Allerdings ist es keine "Instalove", keine Liebe auf den ersten Blick und auch die sich andeutende Dreiecksgeschichte bleibt angenehm im Hintergrund. An keiner Stelle erscheint stört das Liebesdreieck die Handlung oder führt zu einem genervten Augenrollen beim Leser.
Die Welt, in der Ash Princess spielt, ist ein dunkler Ort: Seit Jahrhunderten führen die Kalovaxianer Krieg gegen die übrigen Reiche. Sie versklaven die Völker und beuten ihre Länder aus. Gleichzeitig ist Astrea ein Land voller Magie. Allerdings ist die Welt, die Laura Sebastian hier erschafft, nicht vollkommen ausgereift: Schauplatz der Handlung ist Astrea und der dortige Königshof. Über die anderen Länder erfährt der Leser nur wenig und beiläufig. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sich dies in den weiteren Bänden noch ändert.
Ash Princess ist der erste Band einer Trilogie, deren zweiter Band, Lady Smoke im Februar 2019 auf Englisch erscheinen wird. Der Veröffentlichungstermin der deutschen Ausgabe ist noch unbekannt.
Insgesamt ein starker erster Band mit einer überzeugenden Protagonistin, der mich überzeugen und begeistern konnte. Das düstere Setting sorgt für eine angenehme Abwechslung. Das Worldbuilding könnte ausgereifter sein, allerdings dürfte sich dies in den folgenden Bänden noch ändern. Ein Jugendbuch mit diesem Plot konnte mich schon lange nicht mehr so emotional mitreißen. Ein toller Auftakt und ich kann es kaum erwarten den zweiten Band zu lesen.