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Benutzername: AK87
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Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 11 Bewertungen
12
Bewertung vom 20.09.2019
Vergesst unsere Namen nicht
Stranger, Simon

Vergesst unsere Namen nicht


ausgezeichnet

Ein eindrucksvoller Einblick in die norwegische Nazizeit

In diesem Buch geht es um die Judenverfolgung rund um den zweiten Weltkrieg in Norwegen. Der Klappentext verspricht uns eine Familiengeschichte, die achtzig Jahre Geschichte und vier Generationen umfasst. Im ersten Kapitel startet diese Familiengeschichte damit, dass der Sohn des Autors am Stolperstein des Urgroßvaters Fragen zur Familiengeschichte stellt. Durch diese Fragen wird der Autor gezwungen sich mit der Familiengeschichte zu beschäftigen und diese aufzuarbeiten. Dabei stößt der Autor zwangsläufig auf Henry Oliver Rinnan, einen der schlimmsten norwegischen Nazi-Verbrecher. Da die Familien in derselben Gegend leben, können diese Biografien nur zusammen betrachtet werden.
Leider nimmt in meinen Augen die Biografie von Rinnan im Vergleich zur Familienbiografie des jüdischen Vorfahren „Hirsch Kommissar“ einen zu großen Stellenwert ein. Für mich ist die Darstellung der Biografie und Entwicklung von Rinnan und seiner Bande sehr interessant umgesetzt und müsste auch nicht gekürzt werden. Allerdings hätte ich mir einen dementsprechend ebenbürtigen Einblick in die jüdische Familliengeschichte gewünscht. Hier hätte ich mir noch mehr Details erhofft.
Wahrscheinlich ist diese Dysbalance entstanden, da der Autor sich bemüht hat, nah an den historischen Fakten zu bleiben. Die Recherchen zu Rinnan ergaben dabei eventuell deutlich mehr historische Fakten, als er zur eigenen Familiengeschichte finden konnte.
Da sich Titel und Klappentext allerdings auf die Familiengeschichte beziehen, hatte ich eine prozentual andere Verteilung erwartet.
Der Schreibstil von Simon Stranger gefällt mir sehr gut. Eine sehr originelle und spannende Idee ist es in meinen Augen, die einzelnen Kapitel nach dem A-Z mit passenden Stichworten zu beginnen, die den Kapitelinhalt faszinierend auf den Punkt bringen (auch die deutsche Übersetzung lindert diesen Effekt keineswegs). Innerhalb der Kapitel gibt es häufig Wechsel der Erzählerperspektiven, der Zeitebenen und der Handlungsstränge. Zwischendurch kann dies verwirren, allerdings hält es auch die Spannung konstant auf einem sehr hohen Level.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen, denn auch wenn man über die Rinnan Bande mehr erfährt als über die Familiengeschichte von Hirsch Kommissar, bekommt man als Leser einen eindrucksvollen, bedrückenden Einblick in die norwegische Lebenssituation unter den Nazis.
Da das Buch großartig geschrieben ist, wollte ich es trotz des sehr bedrückenden Themas eigentlich gar nicht mehr aus den Händen legen. Von mir eine klare Empfehlung.

Bewertung vom 02.06.2019
Das unglaubliche Hochbeet
Kampas, Doris

Das unglaubliche Hochbeet


ausgezeichnet

Mein Hochbeet kann kommen

Nicht zu Unrecht ist in vielen Gärten mittlerweile ein Hochbeet eingezogen. Vom Vorteil des rückenschonenden Arbeitens und der größeren Ertragsmöglichkeiten haben die meisten schon gehört und vielleicht geht es Ihnen wie mir und sie denken über das eigene Hochbeet nach. Wenn das der Fall ist, kann ich Ihnen dieses Buch nur empfehlen.
In diesem Buch bekommen Anfänger wichtige Tipps, angefangen vom Bau eines Hochbeetes bis hin zur richtigen Bepflanzung in jeder Jahreszeit. Beim Bau startet es schon mit der Auswahl der richtigen Materialen, es werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt und die jeweiligen Vorteile und Nachteile ausgearbeitet. Natürlich kommt es vor der Bepflanzung auf die richtig Füllung des Hochbeetes an. Hier gibt es sogar eine Unterkategorie für das richtige Hochbeet auf einem Balkon, da die Statik des Hauses tatsächlich bedacht werden sollte. Ein großes volles Hochbeet bringt einiges an Gewicht mit, was unbeachtet zum Problem werden könnte. Um vorzubeugen bietet das Buch eine Berechnungsmöglichkeit und vergleicht mit der durchschnittlichen Tragfähigkeit der Balkone. Für die richtige Bepflanzung werden 7 Themen-Hochbeete vorgestellt z.B. das Wok-Hochbeet oder das Smoothie-Hochbeet. Diese Vorschläge beinhalten einen Pflanzplan für das gesamte Jahr, damit immer was zum Ernten bereit ist. Natürlich lassen sich diese Anregungen beliebig kombinieren und mit einem Blick auf die Tabelle, welche Pflanzen sich gut bzw. gar nicht gut vertragen, auf den eigenen Bedarf zuschneiden. Für die eigene Kombination im Buch hilft auch ein Blick auf den Anbau und Erntekalender, der als Poster dem Buch beiliegt. Schädlinge, die dem Angebauten gefährlich werden möchten, lassen sich mit dem Kapitel „Wilde Besucher“ leicht identifizieren und bekämpfen, die umständliche Suche nach dem richtigen Schädling und Gegenmittel im Internet kann man sich also in Zukunft glücklicherweise auch ersparen.
In meinen Augen lohnt sich die Investition in dieses Buch vor dem Bau eines Hochbeetes auf jeden Fall, da man sich einige Fehler ersparen kann (die die Autorin im Selbstversuch gemacht hat und uns nun vorwarnen und darauf hinweisen kann) und so mehr Freude an seinem Hochbeet von Anfang an hat. Wer bereits ein Hochbeet hat, kann natürlich auch einiges lernen über den Anbau, Ernte und Schädlinge und vielleicht auch sein Hochbeet nachträglich verbessern.
Vom Buch können sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene etwas lernen, es ist auf jeden Fall eine gute Wahl.

Bewertung vom 04.03.2018
Frau Einstein
Benedict, Marie

Frau Einstein


gut

Historische Biographie mit großem fiktiven Anteil

Im Buch können wir den Lebensweg einer beeindruckenden Frau nachvollziehen. Mileva Maric kämpft sich durch bis zum Polytechnikum in Zürich, um eine der ersten Frauen zu sein, die jemals Physik und Mathematik studieren. Gegen das allgemeine Rollenbild der Frau, in der damaligen Zeit, strebt sie nach Bildung und Selbstverwirklichung. In Zürich trifft sie erstmals Frauen die zu Freundinnen werden, Frauen die eine Gemeinsamkeit haben, ihren Wunsch nach Bildung. Sie versucht sich nicht ablenken zu lassen, doch der Charme von Albert Einstein ist doch eine ganz andere Herausforderung.

Im Gesamten hat mir dieses Buch gut gefallen. Der Schreibstil ist klar, unverschnörkelt und die Geschichte liest sich flüssig. Man bekommt einen interessanten Blickwinkel auf die Zeit um 1896 – 1914, indem man als Leser aus Sicht einer Frau in die damalige Männerwelt eintaucht. Die Schwierigkeiten denen sich Milev Maric in dieser Welt stellen muss, um ihr Ziel nach Bildung und Selbstbestimmung zu erreichen, werden glaubhaft und gut dargestellt. Die charakterliche Darstellung der Hauptprotagonistin gelingt der Autorin vorzüglich.

Das einzige was mich an diesem Buch stört ist die Vermischung einer realen, historischen Person in einen fiktiven Roman, der allerdings als Biographie getarnt ist. Die Autorin merkt am Ende des Buches selbst an, dass sie sich im Rahmen an historische Fakten gehalten hat, einige inhaltliche (für mich allerdings sehr wichtige Teile) rein fiktiv gefüllt wurden. Zu diesen fiktiven Aspekten gehört z.B. die Rolle von Mileva bei Albert Einsteins physikalischer Arbeit. Auffällig bleibt auch, dass vor allem die Zeit mit Albert Einstein beschrieben wird und wenig außerhalb dessen bekannt ist.

Im Gesamten wird in dieser teilfiktiven Biographie Albert Einstein in seinen Rollen als Freund, Ehemann und Wissenschaftler sehr schlecht und unsympathisch dargestellt. Mileva hingegen ist erst mutig und kämpferisch, hat aber Schwierigkeiten den Kampf gegen die äußeren Umstände zu gewinnen.

Mir persönlich bleibt es zu offen, welche Teile der Biographie nun glaubhaft sind und was fiktiv ausgedacht. Gerade da mit Mileva`s Biographie auch Albert Einsteins Person sehr direkt bewertet wird, würde ich mir mehr historisch belegbare Fakten wünschen und eine klarere Distanzierung zwischen Fiktion und Fakten.

Bewertung vom 28.01.2018
Der Wortschatz
Vorpahl, Elias

Der Wortschatz


ausgezeichnet

Eine interessante, bildgewaltige Reise

In diesem Buch gehen wir zusammen mit einem Wort auf die Suche nach dessen Existenz.

Das Wort wurde durch einen Menschen ausgesprochen, was eine traumatische Erfahrung für das kleine Wort bedeutet. Infolge dessen hat es seine Bedeutung vergessen und versucht nun, durch eine Reise im Land der Sprache, seine eigene Identität wiederzuentdecken. Auf diesem Weg erleben wir gemeinsam die spannende Welt der Wörter – sehen Land und Städte, meistern Gefahren, lernen freundliche oder hinterlistige Worte kennen und gewinnen neue Freunde.

„Der Wortschatz“ ist in meinen Augen eine kreative Entdeckungsreise durch das Land unserer Sprache. Ich persönlich finde den Ansatz sehr ungewöhnlich, bemerkenswert und neu. Der Roman lässt sich flüssig lesen. Die Sprache ist einfach, aber mitreißend gewählt. Der Autor schafft es, den Leser ohne große Mühe direkt in die Geschichte des Wortes eintauchen zu lassen. Als Leser habe ich geradezu bildlich die Reise des Wortes verfolgt und war fasziniert von den Möglichkeiten unserer Sprache. Auf spielerischer Weise veränderte sich der Sinn eines Wortes durch ein Anagramm, Mehrdeutigkeiten werden ausgespielt und Wortspiele gehören zur Tagesordnung. Der Autor bringt den Leser dazu, sich mit der Veränderung der Sprache zu beschäftigen.

Für mich ist dies ein sehr gelungener Roman, dem es mit viel Witz, Humor und Einfallsreichtum gelingt den Blickwinkel des Lesers auf die Sprache zu verändern.

Von mir eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 28.01.2018
Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen
Bardugo, Leigh

Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen


ausgezeichnet

Erwartungen erfüllt

Diana, die siebzehnjährige Tochter der Amazonenkönigin, will nur eines: das Rennen gewinnen. Sie will sich endlich beweisen, ihren Platz unter den Amazonen finden und nicht nur die Tochter der Königin sein. Dafür muss sie gegen die schnellsten Läuferinnen der Insel antreten und gewinnen. Während des Laufes entdeckt sie am Horizont ein untergehendes Schiff und entschließt sich Alia, ein gleichaltriges Mädchen, vor dem Ertrinken zu bewahren. Damit verstößt sie gegen das Gesetz der Amazonen, denn kein Mensch darf Ihre Insel betreten oder eine Amazone sehen. Nach der Rettung erfährt Diana vom Orakel, dass es Alias Bestimmung ist, die Welt ins Unglück zu stürzen und Krieg über die Menschheit zu bringen. Um den Krieg zu verhindern und ihre Heimatinsel zu schützen, reist Diana mit Alia in die Welt der Sterblichen. Dabei begegnet ihr eine unbekannte Welt und sie wird mit Gefahren konfrontiert, die sie bislang nicht kannte.

Das Lesen dieses Buches hat mir viel Spaß bereitet. Es war schön mitzuerleben, wie Diana ihren Platz in der Welt sucht und sich zum ersten Mal behaupten muss. Sie muss sich in der Welt der Menschen zurechtfinden, die sich unendlich stark von der Insel der Amazonen unterscheidet. Der Autorin gelingt es mit viel Humor diese Welten aufeinanderprallen zu lassen und dabei eine glaubhafte Geschichte zu kreieren. Außerdem gefällt mir das Einweben griechischer Mythologie in die Superhelden DC-Welt.

Für alle die den Kinofilm „Wonder Woman“ noch nicht kennen ein Hinweis: Es handelt sich nicht um das Buch zum Film, auch wenn es einige Parallelen gibt, wird hier eine andere Geschichte erzählt.

Bewertung vom 28.01.2018
Die maskierte Stadt / Die unsichtbare Bibliothek Bd.2
Cogman, Genevieve

Die maskierte Stadt / Die unsichtbare Bibliothek Bd.2


sehr gut

Es handelt sich bei diesem Buch um das zweite Buch aus einer Serie von Genevieve Cogman (das erste Buch der Serie ist „Die unsichtbare Bibliothek“).

Am Buchanfang gibt es eine kleine Einführung in der die Welt, in die der Leser eintaucht, vorgestellt wird (ihr Aufbau, ihre Regeln und Lebensarten: Drachen, Elfen, Menschen). Dieser Beginn führt dazu, dass der Einstieg in die Fantasywelt rund um die Bibliothek leicht gelingt, auch wenn das erste Buch der Serie nicht gelesen wurde.

Irene ist ein sympathischer, charmanter Charakter der gerade dadurch besticht, dass sie nicht perfekt ist. Es gibt keinen überlegenen Superhelden, sondern alle Charakter haben Ihre Stärken und Schwächen. Die Geschichte als solche finde ich durchaus gelungen, interessant und kreativ. Als erwachsener Leser empfand ich persönlich die Handlung in einigen Stellen als zu glatt, ohne Ecken und Kanten und an einigen Stellen als nicht konsequent genug. Ich hätte mir ein wenig mehr Komplexität und Tiefe gewünscht. Allerdings sollte man nicht vergessen zu berücksichtigen, dass dieses Buch primär ein Jugendbuch ist und kein Fantasyroman für Erwachsene!

Fazit:
Ein solider Fantasyroman für Jugendliche, der auch als Erwachsener gut lesbar ist. Wobei durch die mangelnde Komplexität auffällt, dass die Zielgruppe eher im Bereich der Jugendlichen liegt.

Bewertung vom 08.01.2018
Das Erbe der Rosenthals
Correa, Armando Lucas

Das Erbe der Rosenthals


sehr gut

Überzeugende Mischung aus Fiktion und historischen Fakten

Im Buch gibt es zwei verschiedene Handlungsstränge, die sich am Ende verbinden. Auf der einen Seite muss die elfjährige Hannah 1939 aus Berlin fliehen, da sie eine Jüdin ist. Die Familie gehört zu den besser gestellten, weshalb es Ihnen gelingt, gemeinsam mit Hannahs bestem Freund Leo und dessen Vater, Tickets und Visa für die Überfahrt auf der St. Louis nach Kuba zu bekommen. Leider klappt bei der Flucht vor den Nazis auch in diesem Fall nicht alles so wie geplant und es gibt einige unerwartete Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite versucht die elfjährige Anna mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Sie hat ihren Vater nie kennen gelernt, er ist vor ihrer Geburt beim Anschlag 9/11 in NY gestorben. Durch einen unerwarteten Brief einer Großtante aus Kuba kommt sie den eigenen Wurzeln auf die Spur und die beiden Geschichten verbinden sich zu einer.

Was mir zu Beginn des Buches besonders gut gefallen hat, war die für mich eher ungewöhnliche Erzählerperspektive. Denn wie oben beschrieben, wird die Geschichte aus Sicht der beiden elfjährigen Hannah und Anna erzählt. Gerade der Beginn des Buches hat mich gefesselt, denn der Blick von Hannah auf die Vorkriegssituation und die Situation ihrer Familie war für mich sehr aufwühlend. Diese Stärke des Buches, die für mich in der ungewöhnlichen Erzählerperspektive liegt, verwandelte sich nach dem ersten Drittel leider in eine Schwäche. Denn das Verhalten und die Gedankengänge, bzw. Situationsanalysen sind für mich nicht glaubhaft für 11-jährige Mädchen (auch unter der Berücksichtigung, dass man in Extremsituationen schneller reift und zwangsläufig schneller erwachsen wird.)

Dennoch hat mir das Buch sehr gut gefallen. Die Vermischung einer fiktiven Familiengeschichte in historisch echte Geschehnisse (die Überfahrt der St. Louis mit dem hilfsbereiten Kapitän), ist sehr gut gelungen.

Außerdem kann man in diesem Buch sehr gut Parallelen zwischen 1939 und der aktuellen Zeit sehen. In eigentlich völlig verschiedenen Zeiten können die Probleme von Heranwachsenden sich sehr ähneln, aber vor allem zeigen sich Parallelen zwischen der aktuellen und der damaligen Flüchtlingspolitik während der Judenverfolgung.

Fazit:
Für mich ist es ein lesenswertes Buch, das ich gerne weiterempfehle, auch wenn es kleine Schwächen hat.

Bewertung vom 03.11.2017
Das Fundament der Ewigkeit (Spiel)

Das Fundament der Ewigkeit (Spiel)


gut

Dieses Spiel von Michael Rieneck ist angelehnt an den gleichnamigen Roman von Ken Follett (den man allerdings nicht gelesen haben muss um Spaß am Spiel zu haben).

Optik/Spielmaterial:
Die graphische Umsetzung sowohl des Spielkartons als auch des Spielmaterials gefällt mir sehr gut. Stilistisch sind die Spielkarten, der Spielplan und der Spielkarton gut aufeinander abgestimmt und sehr liebevoll gestaltet. Das Spielmaterial generell ist recht umfangreich und hochwertig verarbeitet, als eine Mischung aus Pappplättchen und Holzsteinen / -würfeln.

Ziel des Spiels:
Wir befinden uns im Jahre 1558 und versuchen durch Handeln und den Kontakt zu den richtigen Personen Einfluss und damit Siegpunkte zu erringen. Dabei muss man immer aufpassen, welche Religion gerade die Oberhand besitzt. Denn wer die Machtübernahme verschläft, der büßt schnell auch Einfluss und Siegpunkte ein.

Spielregeln:
Die Spielregeln sind gut beschrieben und leicht verständlich. Da sie recht komplex sind braucht es etwas bis man sich eingespielt hat, die Regeln nicht mehr nachschlagen muss und ein flüssiger Spielfluss entsteht. Uns passierte es nach einigen Runden immer noch, dass man nach dem Spiel merkte die eine oder andere kleine Möglichkeit missachtet zu haben, die doch etwas mehr Taktik ermöglicht hätte.

Spielablauf/Spieleindruck:
Die einzelnen Runden des Spiels spiegeln Jahre im Spiel wieder, wobei sich die 1. Jahreshälfte immer abwechselt mit der 2. Jahreshälfte. 2 Runden ergeben also 1 Spieljahr. Da in den einzelnen Jahreshälften sich die gleichen Aktionen stetig wiederholen, entsteht schnell ein flüssiger Spielfluss.
Was ich persönlich schade finde, ist das die Interaktionsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Spielern in meinen Augen zu gering sind. Jeder spielt für sich seine Halbjahre, beeinflusst durchaus von der Spielweise der Mitspieler, welche Karten oder Religionen diese nutzen, aber ein Handel untereinander oder eine direkte Zusammenarbeit ist nicht möglich. Dadurch sind mir persönlich die Abstände des eigenen Spiels im Spiel mit vier Personen zu groß, was das Spiel bei uns gefühlt in die Länge gezogen hat. Mit zwei Spielern ist man schneller wieder am Zug und kann mehr selber beeinflussen, was uns besser gefallen hat.

Fazit:
Im Spiel zu zweit ist das Spiel für mich eine gute Alternative zu anderen Spielen, gerade wenn man sich etwas eingespielt hat und die Regeln einem vertraut sind. In größeren Runden wird es für mich nicht die erste Wahl werden, da sich die einzelnen Spielrunden zu sehr in die Länge ziehen und mir die Interaktionsmöglichkeiten zu gering sind.
Bei wechselnden Mitspielern muss man berücksichtigen, dass die ersten Spielzüge verstrichen sind bis der neue Mitspieler die verschiedenen taktischen Möglichkeiten verstanden hat wie Siegpunkte zu erreichen sind und daher stets leicht im Nachteil ist in der ersten Runde – allerdings geht es schnell die Regeln zu vermitteln sobald einer der Spieler die Regeln verstanden hat.

Ich vergebe drei von fünf Sternen
Einen Stern ziehe ich für die wenigen Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Spielern ab und einen da das Spiel bei vier Spielern, mir persönlich etwas zu langgezogen ist (auch aufgrund der wenigen Interaktion).

Bewertung vom 13.03.2017
Weit weg ist anders
Schmidt, Sarah

Weit weg ist anders


sehr gut

Zwei alte Damen die erstmal Gegensätze überwinden müssen, um Gemeinsamkeiten zu finden

Nach einem Sturz im Flur ihrer Wohnung muss die alleinstehende Edith Scholz in die Reha. Dort trifft die verschlossene, grantige Frau auf die quirlige, gesellige, Gesellschaft suchende Christel Jakobi. Das erste Aufeinandertreffen endet für beide in einem Schock und ist nicht angenehm. Trotz all ihrer Gegensätze, entsteht eine Art Freundschaft. So kommt es, dass sie sich nach der Reha erneut treffen. Beide können sich gegenseitig nur schwer einschätzen und verfolgen ihre eigenen Pläne, schließlich wagen sie dennoch ein gemeinsames Abenteuer.

Direkt am Anfang des Buches war ich gefesselt. Die Art und Weise wie die Gedanken und die Gefühlswelt von Frau Schulz beschrieben wurde, nach ihrem Sturz und ihrer misslichen Lage, aus der sie sich nicht selber befreien kann, fand ich großartig. Ich hatte direkt ein glaubhaftes, reales Bild von ihr im Kopf und wurde von der Geschichte in den Bann gezogen. Das Aufeinandertreffen mit Frau Jakobi in der Reha, die Gegensätze die aufeinanderprallen, grandios. Für mich hätten die beiden Protagonisten gerne in der Reha bleiben können, ich hätte sie auf ihrem weiteren Weg dort liebend gerne noch genauer beobachtet. Dieses Interesse beruht wohl auch auf der Tatsache, dass ich als Physiotherapeut schon selbst in einer Reha gearbeitet habe und mir die beschriebenen Szenarien wirklich bildhaft vorstellen konnte. Es hat einfach Spaß gemacht sich in die Patientenrolle hineinzuversetzen.
Die weitere Reise der beiden Protagonisten nach der Reha habe ich auch gerne weiterverfolgt, aber für mich war das erste Drittel unschlagbar ;)

Fazit:
Ich finde das Buch lesenswert.
Besonders gefallen haben mir die ausgefeilten Hauptcharaktere. Es war schön diese im Laufe des Buches besser kennen zu lernen und am Ende bei so vielen Unterschiede doch auch einige Gemeinsamkeiten entdecken zu können.
Es ist ein authentisches Buch, das einen über die Vereinsamung beim Alt werden nachdenken lässt.

Bewertung vom 13.03.2017
Es klingelte an der Tür / Nero Wolfe Bd.41
Stout, Rex

Es klingelte an der Tür / Nero Wolfe Bd.41


gut

Ein Klassiker - dem man den älteren Zeitgeist anmerkt

Rachel Bruner ist reich. Sehr reich. Sie ist schockiert als sie in einem Buch über die teils illegalen und kriminellen Vorgehensweise des FBI liest. Kurzentschlossen verschickt sie das Buch an 10.000 wichtige und hochgestellte Persönlichkeiten. Nur die Reaktion des FBI`s hat sie nicht erwartet, nun wird sie und ihre Familie beschattet. Ein untragbarer Zustand, nur einer kann möglicherweise helfen – Rex Stout. Dieser weiß um die Aussichtslosigkeit des Falles, aber einem Vorschuss in Höhe von 100.000 Euro kann er nicht wiederstehen.

Es handelt sich hierbei um eine Neuübersetzung von „The Doorbell Rang“ von 1965. Zu der damaligen Zeit, waren gesellschaftskritische Äußerungen, die schlechte Zusammenarbeit zwischen Polizei und Geheimdienst und vorallem die Berichterstattung darüber ein Skandal. Heute haben wir diesbezüglich andere Vorstellungen, beziehungsweise wundern uns eher, wenn die Bespitzelung öffentlich wird. Allerdings zeigt das Nachwort von Jürgen Kaube eindrucksvoll die Bedeutung des Buches für die damalige Zeit.

Das Buch wird aus der Ich-Perspektive von Rex Stouts rechter Hand Archie Goodwin geschrieben.
Ich persönlich fand den Klappentext sehr interessant und war gespannt auf mehr. Leider wurde ich nicht so recht von der Spannung mitgerissen. Es gab immer wieder neue Personen und die Zuordnung viel mir gerade am Anfang schwer. Die eingeschränkten Möglichkeiten der Detektiv der damaligen Zeit, Telefonbuch, Telefon, Münztelefon fand ich persönlich nicht störend. Aber an der Art der Erzählung merkte man den etwas älteren Schreibstil und eine andere Entwicklung als man es heute gewöhnt ist. Dies zu mindestens mich nicht fesseln können.

Was mir aber besonders gut gefällt ist der Leineneinband. Schön griffig und angenehm, in Kombination mit dem Format erinnert es wirklich an ältere Bücher – für einen Klassiker sehr treffend.

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