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Benutzername: Ännie


Bewertungen

Insgesamt 14 Bewertungen
12
Bewertung vom 25.11.2019
Draußen
Klüpfel, Volker; Kobr, Michael

Draußen


sehr gut

Überlebenskampf

Ein Mann und zwei Jugendliche leben in einem alten Wohnwagen auf einem Campingplatz. Er ist Survivalexperte, nimmt an Camps und Trainings teil – und schießt so manches mal mit seinem Anspruch an ein realistisches Training über das Ziel hinaus und riskiert den Unmut, sowohl der Bürohengste, die mal ein Wochenende Rambo spielen möchten, als auch das der „Prepper“ (Menschen, die sich vorbereiten (=engl. to prepare) für einen wie auch immer gearteten Ernstfall Blackout, Atomkrieg, Zombieapokalypse und in der Wildnis glauben überleben zu müssen.
Der Mann, Stephan, ist ein harter Knochen, trainiert seine jugendlichen Mitbewohner mit militärisch anmutender Präzision, warnt vor der immerwährenden Gefahr, entdeckt zu werden – von wem und warum ist zunächst vollkommen unklar, auch den beiden Kindern, Geschwister, 15 und 17 Jahre alt. Für den jüngeren Joshua ist das alles auch eine Menge Abenteuer, für die siebzehnjährige Cayenne überwiegt in letzter Zeit die Frage nach dem Sinn dieses Lebens – das die beiden aber grundsätzlich nicht in Frage stellen, die drei gehören in irgendeiner Weise zusammen, die zumindest nicht ein gewaltsames Festhalten der Geschwister beinhaltet. Als Cayenne tatsächlich angegriffen und schwer verletzt wird, scheint sich die jahrelange Prophezeiung zu bewahrheiten, jemand ist hinter ihnen her. Gleichzeitig sorgen problematische Wetterverhältnisse dafür, dass tatsächlich die Stunde der Prepper gekommen zu sein scheint…
Soviel und nicht mehr soll zum Inhalt des Thrillers „Draussen“ des Autorenduos gesagt werden, die hier tatsächlich einen wirklich guten Spannungsroman vorlegen, weit weg von jeder Allgäuer Beschaulichkeit. „Draussen“ verbindet geschickt drei Handlungsstränge oder Schauplätze miteinander, und auch wenn der Leser relativ früher um die Natur der Einschübe und Rückblicke ahnt, und auch Personenzuordnungen spätestens ab Mitte des Romans recht klar sein dürften, tut dies dem Spannungsbogen keinen Abbruch. Die Handlung ist durchaus actionreich und stringent logisch erzählt, Längen weist sie keine auf. Interessant fand ich, dass man - also ich zumindest - dadurch, dass es hier nicht um ein Verbrechen oder die Lösung eines Falls geht, es keine „gute Seite“ gibt, sondern, um es dann einmal ganz neutral zu halten „Akteure“ – deshalb habe ich auch mit niemandem mitgefiebert, auf nichts gewartet. Dadurch ist man irgendwie immer sehr nah an den momentanen Ereignissen im Buch dran und nicht auf einen erhofften Ausgang fixiert. Zumindest habe ich das so empfunden.
Fazit: ein guter, solider Thriller, aber eben einer ohne Lösung eines Verbrechens, aber das funktioniert wunderbar. Man ist nah dran an der Handlung, es geht zügig voran und es werden sehr interessante aktuelle und historische Themenkomplexe eingewoben, das habe ich als absoluten Pluspunkt und die größte Stärke des Thrillers empfunden. Sehr gut erdacht und sehr gut gemacht.
Klüpfl und Kobr können auch jenseits von Kluftinger, was für die beiden sicher eine tolle Erfahrung und auch wichtig ist. Es ist ein bisschen so, als gäbe es zu Hause, z.B. jeden Montag, z.B. Kasspatzn. Irgendwann hat man vielleicht das Gefühl und richtig Lust, mal was anderes kochen zu müssen, damit man nicht so festgefahren und langweilig ist und macht ein paar erstklassige hausgemachte Ravioli mit Steinpilzfüllung und Trüffelsoße. Schmeckt auch jedem toll, aber nächsten Montag und die nächsten 51 Montage auch gibt’s bitte wieder Kasspatzn. Man könnte ja ab und zu mal anders, wenn man wollte, dass weiß man ja jetzt. Mit anderen Worten, wenn auf jeden Thriller zwei neue Kluftinger kommen, passt‘s für mich.

Bewertung vom 04.11.2019
In den Klauen des Falken
Kallentoft, Mons; Karolina, Anna

In den Klauen des Falken


gut

Kann nicht mit den Vorgängern mithalten

Zack Herry erlebt eine absolute Horror-Situation: auf einem Bahnsteig beginnt eine junge Frau mit einem Messer Passanten anzugreifen, eine Mutter und ihr Kind schubst sie ins Gleisbett. Während der Zug heranrollt, wird klar, dass es sich wohl um eine Islamistin handelt, sie trägt einen Sprengstoffgürtel. Panik bricht aus, Zack muss handeln und tut es. Er hat damit zu kämpfen, dass er eine minderjährige erschießen musste und daran, dass sie ihn gezielt angeblickt hat. Das Bild geht nicht mehr aus seinem Kopf. Auch sein neuer Fall bringt nur wenig Ablenkung. Ein Kollege – ihm noch gut aus Polizeischultagen als unliebsamer Konkurrent bekannt – wird tot aufgefunden. Grausam zugerichtet, einem archaischen Ritualmord gleich abgelegt. Haben ihn seine Ermittlungen im Drogenmilieu das Leben gekostet? Trotz allem will man die Vorarbeit nicht ungenutzt lassen und Zack soll seine Stelle einnehmen, wichtigste Aufgabe: Kontakt zu „Copper“ halten, einem Polizisten im Undercover-Einsatz, der im engsten Kreis des Drogenbosses die kriminellen Machenschaften auskundschaftet und die Szene infiltriert hat. Kennt man Zack, weiß man, dass dies für ihn ein Thema mit persönlichem Bezug ist, seine Drogenkarriere ist lang und ausführlich und im Moment mal gerade wieder vorbei. Und natürlich spielt auch diesmal wieder sein Privatleben in den Fall hinein, bevor der Fall gelöst werden kann.
Soweit zum Inhalt, mit der Bewertung tue ich mich schwer, denn ich mochte den Thriller irgendwie so gar nicht. Ich habe alle Vorgängerbände gelesen, die ersten mit großer Begeisterung, schon den vierten Band fand ich nicht mehr so stark und leider setzt sich der Trend für mich mit diesem fünften Fall um Zack Herry fort. Ich bin nie in das Buch hineingekommen, habe sogar mehrfach einen ganzen Tag gar nicht gelesen, weil es mich einfach nie gepackt hat. Anfangs hat mich dieses neue, frische, andere Ermittlerteam begeistert, dieser einerseits vollkommen fertige Zack Herry, aber genial in seinen Fähigkeiten, seinem Gespür. Davon habe ich hier nichts bemerkt. Alles plätscherte so vor sich hin. Vieles ist dem Leser auch zu schnell klar finde ich, die aha-Momente, die Plot-Twists, fehlen. Die Nebenfiguren stark wie immer – Rudolf, Sirpa, Ester (Ester, was ist da mit Ester los??? Ein wenig verstörend…). Aber das reichte für mich nicht.
Fazit: für mich der schwächste Band der Reihe. Ob‘s nun an der neuen Co-Autorin lag – schwer zu sagen, große Unterschiede im Stil sind mir nicht eklatant aufgefallen, nur dass der Spannungsbogen irgendwie fehlte. Irgendwie ist das schade. Die ersten beiden Bände waren grandios, der dritte sehr gut, der vierte gut und nun? Ich hoffe, die Talsohle ist beschritten und es geht – aber bitte rapide – bergauf im nächsten Band. Die Storyline um Zack ist beileibe nicht fertig erzählt, es muss beim nächsten Mal nur irgendwie wieder ein interessanterer Fall her… Im Moment ist es so, dass ich die Rahmenhandlung weitaus interessanter fand als die Thriller-Handlung und das hält mich auch irgendwie am Ball für den nächsten Band – aber wenn der Cliffhanger am Buchende das spannendste am Ganzen war, ist das auch kein Qualitätsurteil.
Warum dann drei Sterne? Potential. Reines Potential und Bonus der Vergangenheit. Ist vielleicht falsch, aber ich mag die Reihe immer noch und ich hoffe einfach, „es lag an mir und nicht an dir“ – das sagt man ja auch und hofft auf mehr Erfolg beim nächsten Mal.

Bewertung vom 17.10.2019
Die Zeit des Lichts
Scharer, Whitney

Die Zeit des Lichts


sehr gut

Spiel mit Licht und Dunkelheit

Elizabeth „Lee“ Miller wurde im Jahr 1907 im Upstate New York geboren. Sie war Fotomodell, Fotografin und Kriegsberichterstatterin im 2. Weltkrieg. Sie präsentierte Modestrecken in der Vogue, entwickelte neue künstlerische Fototechniken und fotografierte das Grauen in den befreiten Konzentrationslagern. Sie hatte ein bewegtes Leben, das Spuren hinterlassen hat. Mit ihrem Ehemann lebte sie auf einer Farm in Sussex, zunehmend in Traumata, Alkoholprobleme und Neurosen verfallend. Der Roman von Whitney Scharer setzt an diesem Punkt an. Eine gealterte Lee wird von ihrer Verlegerin aufgefordert, einen Artikel zu schreiben, über eine der prägendsten Personen in ihrem Leben, den surrealistischen Künstler Man Ray, mit dem sie Ende der 1920er Jahre in Paris zusammentraf und einige Jahre zusammenlebte. Sie soll von ihm berichten, von seiner Arbeit. Doch damit hat Lee ein Problem: seine Arbeit, seine Geschichte, ist in großen Teilen auch und manchmal auch mehr ihre Arbeit, ihre Geschichte…
Und dann beginnt die eigentliche Erzählstrecke des Romans. In zwei Ebenen berichtet die Autorin von den beiden entscheidenden Entwicklungsphasen in Lee Millers Historie. Der Hauptstrang beschäftigt sich mit ihrer Zeit mit Man Ray in Paris, ihre Emanzipation vom Model zur Assistentin zur Fotografin zur Künstlerin. Er beschreibt ihr Leben in der Pariser Künstlerszene, ihr Zusammentreffen mit anderen bekannten Künstlern des Surrealismus und ihre Arbeit im Fotoatelier, das Flair dieser Gesellschaft in Paris, mit einem Gefühl, das ich nur als Bohème beschreiben kann, Opiumhöhlen, die grüne Fee Absinth, künstlerische Freiheit, Experimente. In kleinen Einschüben wird dazwischen geschildert, wie es dazu kam, dass sie als Kriegsfotografin bekannt wurde, mit ihren Bildern des Grauens, der Leichen in den KZ, ihr selbst in Hitlers Badewanne, die sich den Schmutz ihrer Arbeit vom Leib wäscht.
Whitney Scharer hat um die real existierende Lee Miller einen Roman geschrieben. Orientiert an den Eckpunkten ihrer Biographie, angereichert mit Fiktion, „wie es gewesen sein könnte“ und dies hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin zeichnet ein lebendiges Bild einer exzentrischen Kunstszene zu einer spannenden Zeit in Europa, den ausgehenden goldenen Zwanzigern und eine glaubhafte Szenerie einer Liebesbeziehung, nicht wirklich eine Amour fou, aber schon eine große, verzehrende, aber nicht dauerhafte Liebe, die letztlich scheitern muss. Sie charakterisiert – für mein Empfinden – gut, was künstlerische Arbeit und Leben mit einem Künstler ausmacht, wie sie erfüllen, aber auch vernichten kann. Letztlich liegt der Fokus auf dem spannendsten Aspekt, der Entwicklung, der Werdung einer großen Künstlerin, gepackt in eine fesselnde, gut erzählte Story, die in den Details so nie stattgefunden haben mag, aber sich so abgespielt haben könnte und dazu noch lehrreich ist – denn zugegebenermaßen habe ich Surrealismus bisher mit niemandem außer Salvador Dali in Verbindung bringen können und habe hier sowohl über die Kunstrichtung, ihre Spielarten und Vertreter eine Menge erfahren. Lee Miller als Persönlichkeit ist so spannend wie schwierig, ihr späterer „Verfall“ fast tragisch, aber nachempfindbar. Zu viele Traumata, zu viel gesehen, mit einem Auge, das ein besonderes Talent besitzt, das ganz besondere in einem Bild zu erfassen.
Fazit: wirklich interessantes Buch über die Entwicklung einer spannenden Persönlichkeit und einer beachtenswerten Kunstrichtung. Es lohnt sich vor allem auch die erwähnten Kunstwerke und Künstler, die die Autorin in die Geschichte einflicht, einmal selbst zu recherchieren, und zu entdecken!

Bewertung vom 30.09.2019
Hotel Cartagena / Chas Riley Bd.9
Buchholz, Simone

Hotel Cartagena / Chas Riley Bd.9


ausgezeichnet

Es wird persönlich

Ein Mann, der vor Jahrzehnten Hamburg den Rücken kehrte Richtung Südamerika ist zurück in der Elbmetropole. Henning Garbarek hat eine Rechnung offen, deren Begleichung ihm sehr wichtig ist. Staatsanwältin Chastity Riley ist eingeladen auf einen 65. Geburtstag, zu dem sie tatsächlich hingeht, da der Jubilar ihr sehr wichtig ist, obwohl sie das so vielleicht gar nicht zugeben würde. Auch wenn sie dort auf einige Personen treffen wird, die ihr so nahestanden, nahestehen oder nahestehen wollen, dass es eigentlich keine gute Idee ist, diese Mischung gemeinsam in einen Raum zu packen. Eine ganze Menge explosive persönliche Motive und Emotionen prallen dann plötzlich an einem einzigen Abend aufeinander und rufen eine Ausnahmesituation in einer Hotelbar hervor, die allen Beteiligten im wirklichen und übertragenen Sinn unter die Haut geht und verursachen, dass man sich an diesem Abend mit alten und neuen Wunden beschäftigen muss – und vor allem auch damit, wie die Situation möglichst verlustfrei gelöst werden kann. Es beginnt eine Analyse der Beteiligten und Konstellationen vor dem Hintergrund ihrer individuellen und gemeinsamen Geschichte, die einen Roman erschafft, der zwar kein klassischer Whodunnit-Kriminalroman ist – aber an Spannung nichts vermissen lässt und vor allem sprachlich ein ganz besonderes Vergnügen sein kann, wenn man sich auf den Stil der Autorin einstellen kann.
Denn diese ganze Geschichte erlebt der Leser so unmittelbar durch die Augen von Staatsanwältin Chastity Riley, Hennig Garbarek und Ermittler Ivo Stepanovic, wie zumindest ich es noch nie in einem Buch gelesen habe. Das Buch besteht aus quasi aus ihren Gedankengängen, Erinnerungen, Wahrnehmungen, ungefiltert. Nicht immer in der Ich-Form, aber in absolut konsequenter Perspektive. Dadurch entsteht eine ganz besondere Sprache, denn man denkt nicht in grammatikalisch ausgefeilten Sätzen und Nebensätzen, mit Bindewörtern, Füllwörtern, Beschönigungen, sondern unmittelbar – und so ist der Tin in diesem Buch. Das ist (vielleicht) gewöhnungsbedürftig, aber ich fand es unfassbar spannend, über die Handlung hinaus. Dazu kommt, dass Simone Buchholz einfach zwischendurch großartige Sätze schreibt, wie z.B. „Henning stand am Hafen, gerade war ihm die Nacht zerbrochen“ (S. 27), eine fast lyrisch anmutende Karussellfahrt einbaut (ab S. 165) oder Einfälle hat, die ich beim Lesen gefeiert habe, wie die grandiose Fußball-Referenz auf den Seiten 143/144 als es um die Herren Stepanovic, Magath und Meier geht – ich frage mich glatt, ob es Anspielungen im Buch gibt, die ich einfach überlesen habe, weil sie mir nichts sagen und andere Leser ganz anderes entdeckt haben. Das ist Schreibkunst, das ist intelligenter Humor, das gefällt mir außerordentlich gut. Da dies nicht das erste Buch der Autorin mit diesen Protagonisten ist, fehlte mir schon ein wenig der Background – kein Erzähler bringt uns die Hintergründe nahe, Vergangenes wird eben auch nur in Form der „Denke“ von Riley und Stepanovic angerissen – machte für mich aber keinen negativen Aspekt aus – nur neugierig auf die anderen Bände der Reihe, von denen ich nicht einmal weiß, ob sie im gleichen Tonfall verfasst sind, oder ob die Ausnahmesituation in Hotel Cartagena auch einen Ausnahmestil hervorgerufen hat. Erfrischend anders!

Bewertung vom 16.09.2019
Zwei in Solo
Janus, Elja

Zwei in Solo


gut

Sophie ist auf dem Heimweg, als sie plötzlich in eine brenzlige Situation gerät. Ein junger Mann springt ihr zur Seite und auf den zweiten Blick bemerkt sie, dass sie ihn kennt. Ein ehemaliger Schüler, Milo, steht vor ihr. Das Szenario ist merkwürdig, irgendwie spannungsgeladen und eines ergibt das andere. Trotz des Altersunterschiedes beginnen die beiden eine Beziehung, die mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Milos familiäre Problematik ist nur eine davon. Die beiden begeben sich zusammen auf eine Reise und entdecken sich selbst und lernen sich neu zu definieren und zu positionieren. Über allem steht, dass sie nur gemeinsam, nicht perfekt, aber funktionstüchtig sind, bildlich gesprochen zwei Flügel haben, um zu fliegen.
Zwei Flügel zum Fliegen

Ich wollte so gerne mal wieder einen Liebesroman lesen, irgendetwas leichtes, nicht zu kitschiges, aber doch emotional mitreißend. Nach der Leseprobe von „Zwei in solo“ dachte ich auch, dies hier gefunden zu haben, aber letztendlich war es das nicht für mich. Ich fand beide Charaktere irgendwie anstrengend, die Konflikte dann doch irgendwie nicht „Weg zum Ziel“ sondern nervig und alltagsfern. Sehr schade, denn der Schreibstil der Autorin hat mir wirklich sehr gefallen, es sind in der Liebesgeschichte wirklich sehr schöne und gute Ideen eingearbeitet (z.B. Milos „Bearbeitung“ des Drachenläufers für Sophie), aber insgesamt nicht mein Buch.

Bewertung vom 16.09.2019
Jagd auf die Bestie / Detective Robert Hunter Bd.10
Carter, Chris

Jagd auf die Bestie / Detective Robert Hunter Bd.10


ausgezeichnet

Folter für Hunter

Lucien Folter ist zurück. Der Mörder aus Carters sechstem Band der Reihe um die beiden Ermittler Robert Hunter und Carlos Garcia. Der Forscher mit wissenschaftlichem Ansatz unter den Serienmördern. Das Böse in Menschengestalt. Roberts Zimmergenosse aus dem College…
Der zehnte Fall für Hunter und Garcia „Jagd auf die Bestie“ beginnt so, wie der Vorband aufgehört hat: mit dem Telefonanruf, der alle in Schrecken versetzt. Lucien Folter, der zugleich schrecklichste und intelligenteste Mörder der Geschichte ist aus dem Gefängnis ausgebrochen. Was er vorhat, wohin er geht – niemand kann es sagen, aber es ist klar, mit wem er interagieren möchte, ein Spiel spielen möchte: Robert Hunter. Er hat eine eindeutige Botschaft hinterlassen. Das könnte ein Vorteil für die UV (ultra-violent)-Abteilung des LAPD und das FBI sein, schließlich kennt niemand Folter so gut wie Hunter und in Sachen Intelligenz steht er ihm auch in nichts nach. Er kennt seine Denkweise, seine perfide Einstellung zum Thema Mord, seine „Experimentierfreude“ und seinen „Forscherdrang“. Einziges Problem: niemand kennt Robert Hunter so gut wie Lucien Folter und der weiß genau, wie er ihn herausfordern kann, wie er ihn treffen kann, bis ins Mark erschüttern kann.

Carter ist der beste, im Moment, für mich, der beste. Ich liebe seine Thriller, ich liebe Robert Hunter, dessen Intelligenz, seine Vorträge, seinen „Signature-Satz“, bei dem ich diesmal – genau wie Carlos Garcia, eine Seite zuvor wusste, dass er gleich fällt. Und Carters Thriller sind für mich einfach rund. Der Spannungsbogen ist von Beginn an da und fällt nie ab, das Tempo ist hoch, die Morde brutal, die Täter nie alltäglich. Die Ermittler sind natürlich mittlerweile alte Bekannte, aber auf die gute Weise, nicht auf die nervige. Carter entwickelt sie weiter, glaubhaft und realistisch. All das sorgt dafür, dass dieser Thriller mal wieder so nur dahinflutscht, ein richtiger Pageturner, der zwar genau die richtige Länge hat, denn nichts wird hier episch ausgeweitet, künstlich ausgeweitet, um Seiten zu schinden, hier passiert ständig etwas, viele kleine Peaks in der Handlung mit Cliffhangern und kleinen Wendungen kulminieren bis zum großen Finale, von dem man aber letztlich gerne doppelt so viel gelesen hätte, mehr Zeit damit verbracht hätte. Vor allem hätte ich mir tatsächlich gewünscht, dass vielleicht noch eine weitere Spielrunde mit einem so cleveren wie perfiden Rätsel von Hunter und seinem Team zu lösen gewesen wäre, dass war großartig gemacht. Und ansonsten heißt es warten auf den nächsten Band…

Fazit: selbstverständlich eine absolute Leseempfehlung für alle Fans der Reihe, und alle anderen: bei Band 1 anfangen und weiterlesen!

Bewertung vom 16.09.2019
Messer / Harry Hole Bd.12
Nesbø, Jo

Messer / Harry Hole Bd.12


ausgezeichnet

Harry Holes bisher persönlichster Fall

Obwohl: Eigentlich ist Harry Hole ja bei seinen Fällen fast immer auch sehr stark persönlich betroffen, schon sein Charakter bedingt, dass sein Privatleben irgendwie immer in alles, was er beruflich tut, hinein strahlt. Doch so tief war der Einschnitt noch nie. Wieder einmal am Boden, verlassen von Rakel, wacht er benommen und sturzbetrunken in seiner kleinen Wohnung auf. Blut an den Händen, auf der Kleidung. Als dann eine Leiche gefunden wird, ist er bis ins Mark erschüttert und besonders schwer wiegt, dass er sich an nichts aus der fraglichen Nacht erinnern kann, stattdessen Flashback-artige kurze Szenen in seinem Hirn aufblitzen, die er nicht einordnen kann und plötzlich Indizien auftauchen, die er einordnen muss. Das alles jedoch nicht in seiner offiziellen Rolle als Kommissar unter Polizeichefin Katrine Bratt, sondern da er suspendiert ist – auch mal wieder – unter dem Radar, zusammen mit Kaja Solness, die noch immer ein wenig unter ihrem gebrochenen Herzen leidet, dass Harry ihr vor Jahren zugefügt hat, und Bjorn Holm, dem Mann von Katrine Bratt, der eigentlich im Erziehungsurlaub weilt. Harry vermutet einen alten Bekannten Svein Finne, den „Verlobten“ hinter diesem Mord und anderen Vorfällen in Oslo, doch auch andere Verdächtige tauchen auf und verschwinden wieder, bis eine schreckliche Erkenntnis in Harry Hole wächst…

Ein typischer Harry Hole, mit den bekannten Haupt- und Nebencharakteren, mit einem Harry, der seiner Rolle treu bleibt, und einem Autor, der mit diesem zwölften Band einen der deutlich besseren Teile der Reihe vorlegt, als mit den letzten beiden Bänden – zumindest in meinen Augen. Der fall ist dramatisch, spannend und macht betroffen. Harry ist Harry, man schüttelt den Kopf über ihn, möchte ihn auch mal feste in den Allerwertesten treffen, aber dann ist er doch wieder der geniale Ermittler, der alle Puzzlestückchen an die richtige Stelle fallen lässt, auch wenn er vorher gar nicht so genau wusste, ob er da einen Teil der Lösung sieht oder ein belangloses Detail. Dafür schätze ich Jo Nesbos Reihe sehr, und sie ist einfach eine Konstante. Genau wie der oftmals ähnliche Ausgang des Buches, der im Unklaren lässt, wie es mit Harry nun weitergeht. Wo geht er hin, kriegt er die Kurve, wenn ja, wie lange und mit wem? Ich glaube, solange Nesbo neue Fälle einfallen, kann er Harry weiter in und aus dem Sumpf steigen lassen, es lohnt sich immer zu lesen. Ich weiß, was ich mir zumindest für die Zukunft wünsche: Einen Harry-Hole- und Oleg-Fauke-Fall! Wenn Oleg mit seiner Ausbildung fertig ist, könnte es doch einen gemeinsamen Fall geben, irgendwelche Vorfälle, die eine Zusammenarbeit der Polizei Oslo und der Finnmark nötig machen? Grandios!

Fazit: Es ist der 12. Fall für Harry Hole, einsteigen sollte man mit dem Band sicher nicht, aber ansonsten gibt es an diesem Thriller rein gar nichts zu meckern. Spannungsbogen stimmt, bekannte Charaktere füllen ihre Rollen aus, ohne dass es zu wiederholend oder immer gleich rüberkommt, einfach gut.

Bewertung vom 16.09.2019
Wo die Freiheit wächst
Reifenberg, Frank M.

Wo die Freiheit wächst


ausgezeichnet

Bedrohtes Pflänzchen
Köln, 1942. An der sechzehnjährigen Lene Meister bleibt viel hängen. Der Vater ist bei der Marine und seit geraumer Zeit vermisst. Ihr älterer Bruder Franz ist an der Ostfront, der zwei Jahr jüngere Kalli lebt für die HJ, die beiden kleinen Schwesterchen, sind zu klein um die Lage zu erfassen. Die Mutter und Lene ernähren und halten die Familie aufrecht und am Leben, mit Unterstützung von „Onkel Hugo“, der solange Onkel bleiben muss, bis das Schicksal des Vaters geklärt ist. Da ist es besonders schwer, dass Lene nicht einmal ihre beste Freundin Rosi zur Seite hat, denn die arbeitet moemntan auf einem Gutshof im westfälisch. Also bleibe Lene nur Briefe. Briefe an Rosi, an Franz um zu berichten, was der Bombenkrieg der Engländer im „leev ahl Kölle“ und mit den Menschen anrichtet. Vor allem Rosi wird ihre Vertraute, als Lene einen alten Bekannten aus der Kindheit wiedertrifft, Erich. Die beiden verlieben sich ineinander und teilen eine Neigung: Die Ab-Neigung zu HJ und BDM, dem Marschieren und der blinden Gefolgsamkeit für den Führer. Erich hat einen Freundeskreis, zu dem Lene sich auch schnell hingezogen fühlt. Gleichgesinnte junge Leute, die lieber am Wochenende ins Siebengebirge fahren anstatt zum HJ-Nachmittag zu gehen und Marschieren zu üben. Sie kleiden sich anders, tragen karierte Hemden, Berchtesgdener Jäckchen und kurze Hosen. Ein Symbol taucht immer wieder auf: das kleine Edelweiß, dieses bedrohte, seltene Pflänzchen, wie die Freiheit zu jener Zeit. Es wird zum Symbol für Freunde - und zum Merkmal, dass die Gestapo benutzt, um die „Bummelanten“, diese Wandervögel und Bündischen zu benennen – und zu verfolgen.

Frank Maria Reifenberg erzählt in seinem Briefroman die – fiktive – Geschichte rund um die Gründung der Edelweißpiraten in Köln. Seine Protagonistin, Lene, schreibt Briefe an ihre beste Freundin, ihren Bruder, ihren Freund Erich – und erhält Antworten.

Lene muss es sich von der Seele schreiben, das Grauen an der Heimatfront, ihre Gefühle für Erich, ihre Abneigung gegen die Zwänge des Regimes, ihre Freude an den neuen Freunden. Vor allem Rosi gegenüber ist sie sehr offen und entsetzt damit die Freundin eins ums andere mal, die sich der Gefahr, die solch offenen Wort ind dieser Zeit bedeuten können, viel mehr bewusst ist, als es Lene zu sein scheint. In der Gesamtheit ergibt sich ein rundes und komplexes Bild, angefangen mit den Problemen der Postzustellung, der oft verschobenen und verzögerten Nachrichtenübermittlung, dem Leid der Zivilbevölkerung, dem Grauen an der Ostfront - dem Wissen und der Angst vor Zensur, Bespitzelung, Verrat, Verhaftung – dem Wunsch nach Freiheit, Frieden und freier Meinungsäußerung. Lene kann nicht hinter dem Berg halten mit ihren Ansichten und findet daher ihren Platz bei den Edelweißpiraten, als Leser ist man genau wie all ihre Briefpartner entsetzt darüber, was sie alles zu Papier bringt und möchte sie stoppen, schützen, bewahren. Und das ist dem Autor großartig gelungen: die Empathie, die man für Lene entwickelt ist immens, das Damoklesschwert hat man permanent vor Augen. Die Briefform mag ich persönlich sehr gerne, sie ist sehr unmittelbar und transportiert meiner Meinung nach gerade die Problematik der nicht möglichen freien Kommunikation sehr gut – Zensur vs. dem viel gelobten Briefgeheimnis. Das darüberhinaus auch noch ein wertvoller historischer Beitrag geleistet wird, in dem über die vielleicht regional geläufigen, jedoch weitegehend unbekannte (ich empfinde es so, mir als Wahl-Rheinländerin ist es ein Begriff, ich habe aber nicht den Eindruck, dass es allgemein bekannt ist) ist ein wichtiger und bemerkenswerter Mehrwert des Buches. Sehr gelungen sind in diesem Kontext die Anhänge, Zeittafel und weitere Informationen zu der Situation von Jugendlichen im 3. Reich.

Fazit: ein Jugendbuch, lesenswert aber auch absolut für Erwachsene. Ich denke, Jugendliche werden sich sehr mit Lenes Wunsch nach Selbstbestimmung identifizieren können.

Bewertung vom 16.09.2019
Der Sprung
Lappert, Simone

Der Sprung


ausgezeichnet

Tritt ins Leere

Eine kleine Stadt. Menschen wie du und ich und überall. Sie leben ihr Leben, Tag ein, Tag aus. Junge und alte, Menschen in langjährigen Ehen und welche in neuen Beziehungen, Menschen am Ende ihres Berufslebens und welche, die auf die nächste Stufe der Karriereleiter erpicht sind. Gelungene Lebenswege und tüchtig misslungene. Jeder hat ein Päckchen dabei, sein eigenes individuelles Päckchen – das kann zu viel Gewicht sein, Mobbing, finanzielle bis hin zu existenzielle Sorgen, Geheimnisse in der Gegenwart und in der Vergangenheit.
Und dann geschieht etwas. Das altbekannte oft täglich gleiche Gefüge verrutscht durch ein Ereignis mitten in dieser Stadt: eine junge Frau steht auf dem Dach. Suizidgefährdung! Ein gigantischer Notfalleinsatz ruft die Rettungskräfte auf den Plan und die Schaulustigen auf den Platz. Während sich die Blicke in den Himmel richten, gerät das Leben der Menschen am Boden in Bewegung, dieses Ereignis durchbricht ihren Alltag, sie weichen ab von ihren alltäglichen Wegen - und wenn es nur durch die Straßensperre der Polizei ist. Sie bewegen sich in ihrem Geflecht, aber die Strukturen sind aufgeweicht, instabil, durchlässig geworden – und dieser fast organische Körper beginnt sich an einigen Stellen neu zu formieren und hinterlässt das Gesamtgebilde und die einzelnen Ankerpunkte, die Menschen in dieser Stadt und anderswo, ebenfalls mitunter verändert zurück.

Simone Lappert ist ein Kunstückchen gelungen. Ihr Buch „Der Sprung“ vollführt mit jedem neuen Kapitel einen Perspektivwechsel. Sie schildert das Leben, die Sorgen und Nöte einiger Menschen in einer kleinen Stadt an einem beliebigen Tag, gibt Einblick in ihr Leben. Auf den ersten Blick und zu Beginn des Buches haben die Protagonisten (für den Leser) wenig bis nichts miteinander zu tun, im Laufe der Geschichte und mit mehr Personen, die hinzukommen, verdichtet sich das Bild, Fäden werden gesponnen und miteinander verknüpft rund um ein das Kernereignis des Buches – die junge Frau auf dem Dach, die Ziegel in die Menge schleudert.

Ein Buch, das aus so vielen einzelnen Kapiteln mit immer wechselnden Personen besteht, die aber trotzdem nicht in der Beliebigkeit versumpfen und – für mich – auch eigentlich immer klar und sofort identifizierbar oder zuordenbar bleiben, das ist große Kunst. Die Autorin charakterisiert so treffend, behutsam und mit unheimlicher Liebe für all ihre einzelnen Figuren, dass sie einem als Leser auch weitestgehend richtig ans Herz wachsen. Ich fand ganz besonders spannend, wie unterschiedlich gewichtet aber auch die Information zu Personen war, die übermittelt wird. Bei einigen Personen erfährt man sehr viel, auch über Vergangenes, weil es wichtig ist für ihr Verhalten und ihre Reaktion auf die Frau auf dem Dach. Bei anderen bleibt dies angerissen, wieder andere agieren nur in der Gegenwart. So wie es auch in der Realität welche gibt, die aus welchen Gründen auch immer, näher dran sind als andere, die Passanten bleiben.
Interessant ist, dass die Frau auf dem Dach, ihre Gedanken und Gefühle sowohl für die anderen Personen im Buch als auch den Leser nicht einhundertprozentig offenbart werden – sie erhält kein eigenes Kapitel, keine eigene Stimme. Sie stellt das verbindende Element dar und so werden ihre Gedanken während eines bestimmten Zeitpunktes chronologisch unabhängig als Intermezzi zwischen den einzelnen Teilen des Buches eingestreut, sie starten als Prolog und enden als Epilog und gipfeln in einem letzten Satz, der nicht nur ihre Motive klärt, sondern auch als Sinnbild für alle anderen Personen gelten kann. Sie stellt eine Klammer für alles und alle dar. Dieses Momentum teilt sie mit einer anderen Person im Buch, die kein eigenes Kapitel erhält, aber auch so etwas wie den „Klebstoff“ zwischen all den Lebenslinien darstellt – die Cafébesitzerin am Platz, die alle kennen und schätzen.

Bewertung vom 16.09.2019
Verratenes Land
Iles, Greg

Verratenes Land


gut

Old white men

Wie überall in der westlichen Welt an den Schaltstellen der Macht. Kommunal, national, global. Politisch, ökonomisch, kulturell, persönlich. Offiziell, inoffiziell, kriminell.
Fast kommt es einem vor, wie der örtliche Lions Club, bekäme man vom Bienville Poker Club in Bienville, Mississippi, berichtet, doch dem ist nicht so. Der Club besteht seit dem Sezessionskrieg, seine zwölf Mitglieder regeln das, was in der Kommune, im County und darüber hinaus in ihrem Interesse liegt. Das betrifft heutzutage Wirtschaftsansiedlungen, Schulneunbauten, aber eben auch die Beseitigung von jedweden Hindernissen unter Geltendmachung ihres Einflusses. Dabei kann es eben dann um politische Abstimmungsergebnisse, das Ermittlungsergebnis der Polizei und die Zusprechung von Sorgerecht. Nichts geschieht hier, ohne dass dieser Club es absegnet. Und dabei liegt dann nahe, dass sich die Runde eben auch deutlich außerhalb legaler Machenschaften bewegt. Marshall McEwan weiß das, hat sein Leben lang nichts anderes kennen gelernt, denn er ist in Bienville aufgewachsen. Nun ist er nach Jahren als erfolgreicher Journalist in Washington DC zurückgekehrt, um den Watchman zu leiten, die Zeitung seines Vater, der schwer erkrankt ist. Für ihn wird es zu einer Begegnung mit seiner Vergangenheit auf allen Ebenen – seiner Familientragödie, seiner Jugendliebe, seinem väterlichen Mentor und den Machenschaften dieses dynastischen Clübchens.
Greg Iles rollt dann nicht nur die aktuellen Vorgänge in Bienville rund um die Ansiedlung einer Papierfabrik eines chinesischen Investors auf, sondern auch die seit Jahrzehnten unter der Oberfläche gärenden großen und kleinen Geheimnisse der einzelnen Protagonisten sowie des Poker Clubs. Schnell wird klar, Marshall hat sich durch seine Verstrickung in große Gefahr gebracht – weil er eine Gefahr darstellt für den Club. Doch nicht nur er, auch andere werden plötzlich zur wandelnden Zielscheibe. Und dann geht es um die Frage, wer schneller herausfindet, mit welchen gezinkten Karten sein Gegner spielt, wer kennt welches Geheimnis und wer die Wahrheit. Ich denke, es ist klar, dass dies ein breites Tableau ist und so liest sich auch „Verratenes Land“. Irgendwie immer spannend, aber auch voller Längen. Klar, das große Ganze ist entscheidend, ohne die Vergangenheit nicht die heutigen Auswirkungen, aber es zieht sich zwischendurch doch in meinen Augen arg und die epische Breite zeigt sich nicht nur, aber auch in der schieren Länge des Buches - 830 Seiten, ein gewaltiger Schinken, 600 hätten es sicher auch getan. Obwohl mir insbesondere das Personengeflecht gut gefallen hat, finde ich, es gab sowohl verzichtbare Charaktere (z.B. die ganzen Nebenfiguren des Poker Club, drei von 12 treten quasi gar nicht auf, hätten aber auch sechs graue Eminenzen sein können) als auch einiges was man hätte einfach weglassen können, ohne der Quintessenz der Handlung auch nur zu nahe zu treten.
Für mich war es das erste Buch des Autors und ich würde nun nicht sagen, dass es mir so gar nicht zusagte, aber auf meine Favoritenliste wandert er erst einmal nicht.

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