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Benutzername: yesterday
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Bewertungen

Insgesamt 101 Bewertungen
Bewertung vom 05.02.2019
Stieg Larssons Erbe
Stocklassa, Jan

Stieg Larssons Erbe


ausgezeichnet

Dieses Buch dreht sich um einen der wenigen großen unaufgeklärten Kriminalfälle unserer Zeit: Den Mord am schwedischen Ministerpräsident Olof Palme. Es liest sich daher auch nicht wie ein Sachbuch, was es offiziell ist.

Vom Gefühl her ist das Buch von Jan Stocklassa eine Mischung aus Biografie und True-Crime-Krimi. Möglicherweise ist es nicht ganz so fesselnd zu lesen, wenn man damals alles mitbekam und den Fall etwas genauer kennt. Dennoch rollt der Autor den Status quo wunderbar auf, lässt zudem den schon verstorbenen Stieg Larsson ausführlich zu Wort kommen und geht dann nahtlos in seine eigenen Nachforschungen über.

Larsson, der als Autor weltbekannt wurde und eigentlich als Journalist begann, bekam berufsbedingt die Ereignisse um den Tag des Mordes fast hautnah mit. Die Umstände und die Probleme, die die Behörden immer schon mit dem “Fall Palme” hatten, ließen ihn nicht los und so forschte er nebenbei über viele Jahre auf eigene Faust und legte ein umfassendes Archiv aller seiner Theorien und recherchierten Fakten an.

Fast ebenso lang nun und ganz durch Zufall beschäftigt sich Stocklassa mit einer möglichen Klärung des Mordes. Beziehungsweise hofft er, durch seine zusätzlichen Recherchen neues Material und neue Ansätze aufgetan zu haben. Vielleicht kann mit ihm erneut ein Journalist dabei helfen, etwas Licht in das langjährige Dunkel zu bringen.

Stocklassa geht sehr detailliert an die Schilderung seiner Theorie heran und erklärt auch genau, wie es dazu kam. Der Leser kann seine Gedankengänge, seine Erlebnisse gut nachvollziehen. Manches Mal scheint es unglaublich, dass all das wirklich passierte und es fühlt sich eher so an, als hätte man ein Kino-Drehbuch in der Hand. Genau dann sollte man sich wieder in Erinnerung rufen, dass die Namen im Buch echt sind, keine erfundenen Protagonisten. Faszinierend.

Bewertung vom 01.02.2019
Black Hand
Talty, Stephan

Black Hand


ausgezeichnet

Wer mit den USA des frühen 20. Jahrhunderts etwas anzufangen weiß und gerne Krimis mit wahrer Hintergrundstory liest, wird sich über “Black Hand” freuen. Autor Stephan Talty präsentiert dem Leser ein düsteres Bild der Staaten, vor allem New Yorks, der Stadt, in der Joseph “Joe” Petrosino aufwächst.

Er, eigentlich nur einer von hunderttausenden Kindern italienischer, gerade mal geduldeter Einwanderer, setzt alles daran etwas aus sich zu machen. Und er schafft es. Er wird Polizist und da sich sonst niemand für seine Landsleute einsetzt, als die “Black Hand” ihre Anfänge startet, ist er es, der sich dieser Fälle von Erpressung, Morden, Anschlägen und Entführungen annimmt.

Dieses Buch erzählt die wahre Geschichte von Petrosinos Leben, Schwierigkeiten und Erfolgen. Talty recherchierte aufwändig, sprach mit Nachfahren Petrosinos und suchte alles an schriftlichen und wohl auch bildlichen Zeugnissen von damals zusammen. Die Kapitel strotzen nur so vor Zitaten aus diesen Texten und Zeitungsartikeln.

Das ist anfangs etwas ungewohnt zu lesen, da man eine direkte Rede erwartet, aber nicht immer gleich dabeisteht, wer das nun gesagt hat. Wundervoll verbindet Talty Fakten mit seinem Erzählstil und füllt eventuelle Lücken so, dass man nichts davon mitbekommt.

Doch dieser Krimi ist nicht nur eine großartige Biografie, zugleich ist er eine Milieustudie, ein Lehrbuch über die Strukturen und Arbeit der damaligen Polizei, dem NYPD und den Fängen der Politik, die überall zu finden waren.

Und weil dieses Buch ein so gutes “True-Story”-Werk ist, ist eine Verfilmung geplant. Das an sich finde ich wirklich gut, nur leider soll laut Buchumschlag Leonardo DiCaprio die Hauptrolle spielen. Er ist ein toller Schauspieler, ich kenne viele seiner Filme und er hat sich mittlerweile auf besondere Charaktere spezialisiert. Und er hat noch den italienisch klingenden Namen. Alles gut, leider passt er nur optisch überhaupt nicht auf die doch sehr genaue Beschreibung des echten Petrosino. Da bin ich gespannt, wie sie das hinbekommen werden.

Bewertung vom 16.12.2018
Hippie
Coelho, Paulo

Hippie


gut

Wer sich hier “Blumenmagie und Drogenprobleme” erwartet, wird enttäuscht werden. Auch allzu viel Action gibt es in “Hippie” nicht. Ernst und mit einer gewissen Portion Distanz beschreibt Paulo Coelho Ereignisse aus seinem Leben als er selbst noch wie ein Hippie aussah und herumreiste.

Wenn wir heutzutage keine Ahnung haben, was damals genau los war und wie man Hippies definieren soll, ist das nicht so verwunderlich. Interessant ist aber, dass, wie Coelho durchblicken lässt, das auch damals keine so klar abgegrenzte Gruppe von jungen Leuten war, wie man gerne vermutet.

Die mit Absicht gewählte Distanz im Roman fußt auf der Erzählperspektive der dritten Person. Es gibt bewusst kein “ich” hier. Auch die Reise verläuft nicht immer so wie man es erwarten würde. Wenig Action, banale Gespräche und viel Landschaft.

Man kann über den Erzählstil streiten, das Cover mögen oder nicht, den Inhalt der Geschichte - da ja grundsätzlich so passiert - wage ich nicht zu kritisieren. Wozu hätte Coelho seine Erinnerung “verleugnen” sollen um den Roman für Leser vermeintlich aufregender zu gestalten? Er muss niemandem mehr etwas beweisen und kann als sehr erfolgreicher Autor jedes Wort so wählen wie er das möchte und es ihm in seinen persönlichen “Plan hinter dem Roman” passt.

Immer dann, wenn beliebige historische Gegebenheiten, Ereignisse durchschimmern, wird das Buch besonders authentisch und ruft ein ganz spezielles Gefühl hervor. Man sitzt dann irgendwie mit im Bus und hört den Mitreisenden dabei zu wie sie Episoden aus ihrem Leben zum Besten geben. Und genau das ist auch dieser Roman.

Bewertung vom 13.12.2018
Ein Winter in Paris
Blondel, Jean- Philippe

Ein Winter in Paris


sehr gut

Die Stärke von Jean-Philippe Blondel ist es, auf wenigen Seiten, mit wenigen Zeilen, ein ganzes Leben zu erzählen. Und das nicht einfach als Nacherzählung, als Bericht, sondern in einer Intensität und Gefühlsblase, dass man meint, zu ersticken, weil sie so intensiv ist.

Hier lässt er auf knapp 200 Seiten seinen Protagonisten Victor als gefestigten Familienvater eine kurze Episode aus seinem Leben Revue passieren. Gerade einmal erwachsen, fand sich der angehende Lehrer in Paris wieder. Er kommt aus der Provinz, muss sich zurechtfinden, verzichtet auf allzu viel sozialen Umgang und lernt lieber. Bis jener Winter kommt, der sein und das Leben einiger weniger anderer stark prägen wird. Seines am stärksten.

Der Selbstmord eines Kommilitonen lässt viele Aspekte auf einmal zu: Kritik an den Lehrmethoden, Kritik am französischen (Elite-)Bildungssystem, Kritik an Familien, Eltern, die Kinder unter Druck setzen oder in eine Richtung drängen. Aber neben all dem sucht Victor auch Schuld bei sich - obwohl er den Mitstudenten kaum gekannt hat.

Durch die Ereignisse werden die Probleme, die Entbehrungen, die das harte Vorbereitungsstudium verlangt, für ihn erst real. Ist das noch das richtige Weg für ihn? Real werden ganz zufällig auch die Studenten um ihn herum. Sie merken, dass ihn das Geschehene sehr mitnimmt, öffnen sich ihm gegenüber und er lernt, das umgekehrt zu tun.

Der Roman packt viel an Gefühlen zwischen zwei Buchdeckel und lässt in so viele Facetten Raum für Interpretation und Vermutungen, dass - will man alles genau analysieren, durchdenken - das Lesen ganz schön herausfordernd werden kann.

Aber Achtung: es ist keine komplett abgeschlossene Geschichte mit einem klassischen Ende, sondern einfach ein Fragment aus Victors Leben, geschildert in mehreren Episoden. Zwar grundsätzlich chronologisch, aber dennoch auf ungewöhnliche Weise erzählt. Victor selbst ist einfach nicht der umgänglichste Typ und gerne etwas reservierter, daher wirkt auch das Buch mitunter so. Wer damit gut zurechtkommt, kann sich auf eine herausfordernde Reise ins Paris von 1984 freuen.

Bewertung vom 22.11.2018
Slow Horses
Herron, Mick

Slow Horses


sehr gut

Aus großartigem Thrill zum Einstieg, der einen atemlos zurücklässt, wird danach ein eigenwilliger britischer Geheimdienst-Krimi. Um das Buch weiterhin zu genießen, darf man da dem Anfang nicht zu sehr hinterhertrauern. Die Geschichte die dann beginnt ist gut, unterhaltsam und dreht sich um (ehemalige) Mitglieder des Geheimdienstes die alle auf ihre Art Fehler machten und dafür aufs Abstellgleis, ins Slough House, kommen.

Zwischen den aktuellen Entwicklungen um einen politischen Entführungsfall stehen die abgehalfterten Top-Agenten im Fokus. Mit viel Gefühl und Ausdauer zeichnet der Autor die so unterschiedlichen Charaktere, die wenig gemeinsam haben und dennoch alle im gleichen Boot sitzen. Er zeigt anschaulich, dass auch die von außen schroff und professionell wirkenden Persönlichkeiten so ihre Päckchen zu tragen haben, ohne um Mitleid zu buhlen.

Als der MI5 der Gruppe in Slough House ein misslungenes Manöver anhängen will, werden die mittlerweile demoralisierten und gelangweilten “Slow Horses” eine Einheit wider Willen. Sie graben ihre lange nicht benötigten Fähigkeiten und ihren Spürsinn aus und wehren sich dagegen, die Pläne des MI5 hinzunehmen, wie sie das bisher taten.

Eine kleine Gruppe von Musketieren rebelliert gegen den übermächtigen Agenten-Apparat. Somit nimmt der Krimi nach Vorstellung aller gegen Mitte des Buches mehr Fahrt auf und kann mit der einen oder anderen kleinen Wendung durchaus überraschen.

Bewertung vom 20.11.2018
Vier.Zwei.Eins.
Kelly, Erin

Vier.Zwei.Eins.


sehr gut

Die Basisstory ist schnell erzählt: Ein junges glückliches Pärchen wird Zeuge einer Straftat die vor Gericht geht. Das Ereignis und sein Rattenschwanz werfen Laura und Kit ziemlich aus der Bahn. Die Entwicklung der Ereignisse hinterlässt vor allem bei Laura Spuren, die sich auch mit Beth, dem Opfer anfreundet.

Die Ereignisse damals werden von Kit und Laura als Rückblick geschildert, abwechselnd mit Episoden aus der Gegenwart. 15 Jahre sind seit Prozessende vergangen. Jeder der vier Hauptbeteiligten (die drei genannten und der Täter) verarbeitet die Dinge anders, vieles bleibt ungesagt.

Man hätte die Geschichte auch ganz anders aufbauen können, aber Erin Kelly entschied sich dafür, die jeweiligen Blickwinkel und Gedanken sehr eindringlich und ungefiltert auf den Leser einprasseln zu lassen. Man kann dem Erzählten nun glauben oder misstrauen, kann jedoch kaum die wahren Abgründe und Verstrickungen der ganzen Geschichte selbst erfassen.

Am Ende ist alles soweit stimmig und auch realistisch, wenn es auch einiges an Überraschungsmomenten gibt. Der Fokus liegt voll darauf, die widersprüchlichen Gefühlswelten der vier Hauptcharaktere zu zeigen, vier Beteiligte und vier Sichtweisen von ein und derselben Zeitspanne. Die psychischen und gesellschaftlichen Folgen kommen voll zum Tragen und beeinflussen einerseits die Denkweise der Protagonisten, erfassen aber auch den Leser überaus eindringlich.

Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Welchen Grund hätte er oder sie dafür, zu lügen? Ein Strudel aus Eifersucht, Scham und Verzweiflung durchzieht das ganze Buch und scheint übermächtig zu werden. Auch wenn manche Abschnitte etwas langatmig wirken, ist es doch eine Kunst, diese Menschen so exakt und ausführlich beschreiben zu können. Ihre Gedanken und Gefühle sind beinahe greifbar und am Ende des Thrillers hat man das Gefühl, sie wirklich zu kennen.

Bewertung vom 26.10.2018
Hasenjagd / Kommissar Linna Bd.6
Kepler, Lars

Hasenjagd / Kommissar Linna Bd.6


sehr gut

Viel Blut, nordische Action und mittendrin Joona Linna: ein klassischer Lars Kepler wartet hier auf Thriller- und Spannungsfans allgemein. Das Autorenpaar lässt Linna, Finne und Polizist in Schweden, in seinem sechsten Fall wieder zur Hochform auflaufen. Allerdings steigt Linna diesmal ungewöhnlich spät ins Geschehen ein, denn er ist “verhindert”.

Vom Kriminalfall kann man nicht allzu viel erzählen, da man sonst die Zusammenhänge wohl unabsichtlich verraten würde. Neben Joona Linna hat auch Saga Bauer vom Staatsschutz ihren Auftritt sowie die jeweiligen Kollegen.

Es gibt mehrere Tote, deren Gemeinsamkeit es natürlich zu entschlüsseln gilt. Soweit so klar. Zwischendurch werden Abschnitte auch aus Tätersicht erzählt, was dem Leser natürlich neue Erkenntnisse etwas früher verspricht. Alles vorauszusehen wird man trotzdem nicht schaffen. Die Spannung bleibt auch durch die vielen Nebenstränge und Nebencharaktere aufrecht, man kann selbst rätseln, ob und wie sehr diese oder jene Person in die Sache involviert ist oder ob sie eine falsche Fährte darstellt.

Mit klarem, direktem Stil führen die Autoren durch den Thriller und Stockholm im Spätsommer. Viele Schilderungen sind detailreich und brutal, dennoch: Wer von uns hat das Beschriebene schon einmal tatsächlich gesehen? Hoffentlich niemand. Lesen aber sollte man das Buch dennoch.

Bewertung vom 20.10.2018
Die letzte Terroristin
Georgi, André

Die letzte Terroristin


ausgezeichnet

Wer den etwas raueren Erzählton zu Beginn nicht so mag, keine Angst: er setzt sich nicht in dieser Art fort. Ganz im Gegenteil: der spezielle Stil tritt zugunsten von wunderbaren Stimmungsbildern und Beschreibungen von Umgebung und Personen etwas zurück. Vermutlich wollte man die Leseprobe hier etwas schärfen.

Der Autor kombiniert hier meisterhaft Deutschlands reale Ereignisse und Charaktere aus der Zeit nach der Wende mit fiktiven Elementen. Er verändert die Namen bekannter Persönlichkeiten, jedoch wenig am geschichtlichen Ablauf. Daher der Tipp: erst nach dem Ende des Buches genauer recherchieren, was nun exakt wann und wo passiert ist, sonst könnte man sich Teile des Thriller vorwegnehmen.

Dies allerdings sei wärmstens empfohlen. Es unterhält auch nach dem Ende des Romans gut, nachzulesen und selbst festzustellen, welche Figur im Buch nun welche reale Person darstellt. Manche sind sehr einfach zu finden, bei manchen ist es schwieriger. Teilweise hat Georgi - und das darf die Fiktion natürlich - auch mehrere Biografien in einem Charakter verarbeitet. So liest sich alles sehr realistisch (weil jeder Teil so oder sehr ähnlich passiert ist), ist aber dennoch kein zeitgeschichtliches Werk und hat auch gar nicht diesen Anspruch.

Abgesehen von den Taten, Opfern und Fakten die wir kennen und recherchieren, wurden auch die Theorien mit eingearbeitet, die es teilweise nach wie vor gibt. Vieles, was die dritte Generation der RAF tat, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Was jedoch eindeutig ist und im Buch sehr gut herausgearbeitet wird: Von solchen Taten sind nicht nur Opfer und Täter betroffen, sie ziehen weite Kreise darüber hinaus. Wie geht es den Opferfamilien? Und vor allem: was passiert den Angehörigen der Täter, ob nun zu Recht oder zu Unrecht beschuldigt? Ein Werk, das auf vielen Ebenen zum Nachdenken anregt.

Bewertung vom 20.10.2018
Die Tote im Wannsee / Kommissar Wolf Heller Bd.1
Kellerhoff, Lutz W.

Die Tote im Wannsee / Kommissar Wolf Heller Bd.1


ausgezeichnet

Beklemmend aber auch humorig beschreibt das Autorentrio, das ein gemeinsames Pseudonym hat, das Berlin von 1968. Gefühlt ist das Kriegsende noch nicht lange her, haben die Bewohner mit einer neuen Einschränkung zu kämpfen, die Stadt ist durch Mauerwerk und Drahtzaun geteilt. Dieser Faktor spielt auch im Kriminalfall eine wesentliche Rolle. Die Situation West gegen Ost beeinflusst das Arbeits- und Alltagsleben der Protagonisten.

Wolf Heller, ein Kriminalpolizist mit Ehrgefühl und Gerechtigkeitssinn, stößt in diesem System immer wieder auf Widerstand. Er soll den Fall einer ermordeten Frau klären, deren Mann plötzlich verschwunden ist. Eine Familientragödie nimmt ihren Lauf und die Kollegen sehen dabei zu. Diese Ermittlung birgt mehr Brisanz als Heller zunächst vermutet.

Besonders an diesem Krimi ist, wie die damaligen Zustände dem Leser Schritt für Schritt offenbart werden. Die fiktiven Personen und die Handlung werden umsichtig und realistisch mit der Zeitgeschichte verwoben. Neben einem spannenden Roman erfährt man Details und Abläufe von damals hautnah, fühlt mit jenen, die vieles entbehren mussten und wundert sich über die Zustände in den Kommunen.

Es entsteht ein wilder Strudel der Ereignisse, der Polizei, Opfer, Täter, Studenten und Spione mitreißt und den Leser sehr gut unterhält.

Bewertung vom 03.10.2018
Ins Dunkel
Harper, Jane

Ins Dunkel


sehr gut

Dieser Thriller entwickelt seine Spannung weniger aus einem klassischen Mord oder einer Gräueltat heraus sondern vielmehr aus der intensiven Betrachtung menschlicher Gefühle in extremen Situationen. Eine Gruppe von fünf Frauen wandert (gezwungenermaßen) durch den australischen Urwald. Während langsam aber sicher immer mehr Kleinigkeiten in ihrem Plan scheitern, erlebt der Leser den langsamen Verfall von höflichem, engagiertem Verhalten hin zu nackter Panik ums Überleben.

Was die Sache noch pikanter macht: die fünf sind keine homogene Freundinnen-Gruppe, sondern Arbeitskolleginnen, somit besteht noch eine Hierarchie zwischen ihnen, die zwar etwas verschwimmt, je länger sie unterwegs sind, aber unterschwellig immer Bestand hat. Sie müssen sich ja noch in die Augen sehen können, wenn sie aus dem Dschungel herauskommen…

Auch wenn grobe Punkte der Geschichte schon vorher zu erraten sind, ist der Thriller so gut geschrieben, dass man die Abschnitte (die gegen Ende deutlich kürzer werden) nur so verschlingt. Die kleinen Schwächen fallen nicht so sehr ins Gewicht, vielmehr beschäftigt man sich nebenbei noch mit einigen Fragen.

“Was, wenn mir das passieren würde?” “Wie würde ich mich gegenüber … verhalten?” “Würde ich abwarten oder versuchen einen Weg zu finden?” “Wie viel Mut hätte ich tatsächlich in einer fast ausweglosen Situation?”

Hinten auf dem Buchcover steht ganz oben ein Satz: “Grausamer als die Natur ist nur der Mensch.” Das ist soweit keine Überraschung, dennoch fasst er das Buch eigentlich sehr gut zusammen und zeigt schon, wo der Fokus liegt. Es ist keine blutrünstige Grausamkeit im Spiel, sondern in erster Linie psychische, verbale. Und die kann viel schlimmer sein.

“Ins Dunkel” ist der zweite Teil der Serie um Polizist Aaron Falk aus Melbourne.