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Benutzername: Anton
Wohnort: München
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Bewertungen

Insgesamt 5 Bewertungen
Bewertung vom 27.04.2021
Die neuen Kriege
Münkler, Herfried

Die neuen Kriege


gut

Das Buch ist interessant, vermutlich aber etwas überbewertet.

Es ist gut gegliedert, allerdings habe ich eine Art Framework bzw. verallgemeinertes Konzept vermisst, in dem nochmal die verschiedenen Befunde halbwegs geordnet und kompakt wiedergegeben werden. Das wäre auch ohne weitere Seiten möglich gewesen, da ich einige Stellen als sehr redundant empfunden habe. Die Systematisierung hätte sich geradezu angeboten, da die verschiedenen Aspekte häufig anhand der gleichen Phänomene erklärt werden und die Zusammenfassung recht einfach durch einen Wechsel der Perspektive bzw. des Fokus gelungen wäre.

Ich bin kein Historiker, hatte aber manchmal den Eindruck, dass die historische Faktenlage etwas selektiv ausgelegt wurde (das betrifft v.a. die Konzeptualisierung der verschiedenen Ausprägungen der Kriegführung, wobei das selbstverständlich nicht ohne Abstraktion möglich ist).

Alles in allem ist es ein lesenswertes Buch, wenn man sich über die Grundzüge kriegerischer Auseinandersetzungen (v.a. deren Pathologien, Widersprüche und Schattenseiten) im 21. Jahrhundert informieren will. Für den detaillierten wissenschaftlichen Gebrauch ist es nur von eingeschränktem Nutzen.

Bewertung vom 31.03.2021
Über das Fernsehen
Bourdieu, Pierre

Über das Fernsehen


ausgezeichnet

Eine brillante Polemik.
Vieles, was Bourdieu anspricht, hat sich heute erst richtig bewahrheitet. So spricht er beispielsweise, trotz des nicht-akademischen Publikums etwas verklausuliert, von einer "zirkulären Zirkulation", die wir heute einfach als Filterblase bzw. allgemein als Bubble bezeichnen würden. Wer ein diffuses Unbehagen mit der politischen Medienwelt verspürt, das nichts mit antidemokratischen Interventionen von Rechts zu tun hat, ist hier an der richtigen Stelle. Vor allem die kurzen Aufsätze am Ende bringen eine der besten Medienkritiken seit Adornos und Horkheimers Kulturindustrie-Kapitel auf den Punkt.

Bewertung vom 29.03.2021
Einleitung in die Soziologie
Adorno, Theodor W.

Einleitung in die Soziologie


ausgezeichnet

Wohl das non plus ultra der Einleitungen in die Soziologie.
Man merkt, dass es die letzte (aufgezeichnete) Vorlesung Adornos ist. Kaum je hat man ihn derart strukturiert, ausgereift erlebt. Ich wünschte, ich hätte das Buch früher gekannt, das hätte mir den Einstieg in die dialektische Theorie der Gesellschaft maßgeblich erleichtert.
Es empfiehlt sich, Band 8 der Gesammelten Schriften Adornos zur Hand zu haben, da der Herausgeber Christoph Gödde nicht mit Fußnoten spart (308 an der Zahl), welche die weitere Beschäftigung mit der Thematik ankurbeln.
Interessant sind auch die Einblicke in die Atmosphäre im Hörsaal -- für einen heutigen Studierenden sind das völlig neue Einsichten; ganz zu schweigen von den vielen Stellen, die schmunzeln lassen, weil wieder irgendetwas nicht funktioniert.

Bewertung vom 29.03.2021
Digitaler Kapitalismus
Staab, Philipp

Digitaler Kapitalismus


ausgezeichnet

Eine hervorragende Analyse. Unerlässlich, um die großen Umwälzungen unserer Zeit zu verstehen.
Es ist schade, dass die Debatten über das Thema von Shoshana Zuboffs Buch über den Überwachungskapitalismus überschattet wurden. Nicht, dass sie den Erfolg nicht verdient hätte, allerdings nimmt Staab eine deutlich breitere Perspektive auf deutlich kleinerem Raum ein, welche mehr über die großen Zusammenhänge lehrt.
Ich bin mir nicht sicher, wie weit ich mit seiner politischen Analyse übereinstimme, interessante Gedanken stellt Philipp Staab jedoch auf alle Fälle an.

Bewertung vom 29.03.2021
Influencer
Nymoen, Ole;Schmitt, Wolfgang M.

Influencer


ausgezeichnet

Eine wunderbare Lektüre.
Trotz seines Anspruchs, welcher sich in zahlreichen Referenzen aus der Filmgeschichte, Philosophie und Ökonomie äußert, ist das Buch offen für alle Zielgruppen, die etwas über Influencer erfahren möchten.
Erfreulich ist, dass es eine materialistische Analyse eines kulturellen Phänomens darstellt, das auf bestimmte polit-ökonomische Krisen unserer Zeit antwortet. Befürchtungen, zwei (alte) weiße Männer ließen ihren Ressentiments gegen junge Damen, sind fehl am Platz: regelmäßig wird darauf aufmerksam gemacht, dass die "Werbekörper" durch und durch regressive Wertvorstellungen und Geschlechterrollen propagieren. Dennoch wird darauf geachtet, dass die Kritik nicht zu persönlich bzw. subjektiv wird, da es sich um ein objektiv notwendiges, sprich gesellschaftlich erzwungenes Phänomen handelt.
Sicherlich formulieren die beiden keine Theorie der Ideologie im Sinne einer Weltanschauung, eine interessante Ideologiekritik haben sie allemal geleistet.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.