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Benutzername: Groß und Klein


Bewertungen

Insgesamt 19 Bewertungen
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Bewertung vom 12.09.2019
Beale Street Blues
Baldwin, James

Beale Street Blues


sehr gut

Rezension Roman – Beal Street Blues – von James Baldwin

Ein großer Roman, meine Neuentdeckung, ich passte auf mich auf.

Tish, eine sehr junge, eine sehr kluge, eine sehr starke und vor allem, eine
sehr werdende Mutter, die eine sehr kluge und sehr starke Mutter hat.
Tish erzählt.

Fonny, ein junger Künstler, ein werdende Vater. … „Die Leidenschaft, die Fonny
gerettet hat, hat ihn auch in Schwierigkeiten gebracht und ins Gefängnis: Er hat
nämlich sich selbst gefunden, so richtig, innen drin:“...“Er ist niemandes Nigger.“...

Liebeserklärungen von Tish:
… „Sein Gesicht war größer als die Welt, seine Augen tiefer als die Sonne,
weiter als die Wüste -“…

… „Das Baby will raus.
Fonny will raus.
Und das kriegen wir hin: rechtzeitig.“…

Am Romanende:
… „Alles verschwand außer Mamas Augen. Ein unglaubliches Wissen lag
zwischen uns in der Luft. Danach sah ich nur noch Fonny.“…

Ein Intensiv- Roman über Rassismus und deren Folgen. Grenzüberschreitungen
wechselten sich mit dem großen Glauben an die Liebe ab.
Ein starker Roman.

Bewertung vom 08.09.2019
Südlichter / Monsieur Perdu Bd.2
George, Nina

Südlichter / Monsieur Perdu Bd.2


ausgezeichnet

Rezension zum Roman – Südlichter – von Nina George

Dieser Roman besteht aus Liebe, dieser Roman ist die Liebe.

Nina George schrieb wieder ein hochdosiertes Medikament in Prosa.
Sie erzählt über die Liebe, sie lässt die Liebe sprechen:
„Aimee war schön, mit ihrem geraden Rücken, der ihre Persönlichkeit
und ihre Kraft verriet, und eine dicht geknüpfte, große Seele.“, ...

„Ich stand immer noch an der Wiege,“… „Und Marie-Jeanne hatte einen
meiner Finger gepackt, mit ihrer winzigen Faust, und hielt sich daran fest.
Das Kind sah mich an. Blaue, weit geöffnete Augen ohne Furcht
musterten aufmerksam mein Gesicht. Das war noch nie vorgekommen.

Niemals zuvor hatte ein Mensch die Liebe festhalten können.
Geschweige denn, mich gesehen,“…
... „Und doch bin ich sichtbar. Erst was ihr tut, macht mich sichtbar.
Lieben ist eine Tätigkeit.“…

Danke, liebe Nina George, ich glaube, in diesem „Liebes- Zauber -Roman“
wird jede Seele wieder heil, ich kuschelte mich hinein, ich blieb drin.
Später, viel später, auf dem Weg zum Markt, lachte ich eine ältere Frau an,
sie lachte zurück.

Bewertung vom 07.09.2019
Das Gedächtnis des Herzens
Sendker, Jan-Philipp

Das Gedächtnis des Herzens


ausgezeichnet

Rezension zum Roman - Das Gedächtnis des Herzens - von Jan-Philipp Sendker

Für mich: Ein Jahrhundertroman, der Roman einer großen Bitte,
um Verstehen – um Verständnis – um Verzeihen.

Der zwölfjährige Bo Bo versuchte seit sieben Jahren zu verstehen.
Seine Mutter verschwand aus seinem Leben, als er fünf Jahre alt war.

Sie hinterließ einen „Gefühls- Jungen“ mit vielen Farben.
Sein Onkel, der Bruder seiner Mutter, half ihm.

Dieser Roman hob mich über Grenzen, von denen ich nichts wusste.
Verstehen, und Verständnis werden langsam in Liebe aufgelöst.

Ein Roman, den ich langsam, Schlückchen weise,
mit Zärtlichkeit bis zum letzten Tropfen austrank.

Ein Liebesroman, der jeden erreicht, er braucht nur Aufnahme bereit zu sein,
das genügt, Gefühle sind von der ersten Zeile an da.

Bewertung vom 01.09.2019
Schuld
Schirach, Ferdinand von

Schuld


ausgezeichnet

Rezension zu Stories – Schuld – von Ferdinand von Schirach

Sein Erzählstil, brachte mich zu einem neuen Leseverständnis.
Sein Verständnis für Menschen ist bezeichnend für jede Storie.
Stories als Grenzerfahrungen.
Vielleicht konnte oder wollte ich sie anfangs nicht verstehen.
Den Zugang fand ich erst, nachdem ich die Abgabefrist
in meiner Bibliothek verlängerte. Eines Tages war es soweit.

Schicksale reihten sich an Schicksale, vielleicht vermeidbare?
Nein, folgerichtige.
Lebenswege, bei Täter und Opfer vorgezeichnete.
Ab und zu meldete sich mein Magen, manchmal musste er
warten oder es folgten lange Pausen.
Die Klarheit erschreckte mich.

Ferdinand von Schirach erklärte, erläuterte, erfasste,
knapp, treffend, einprägsam.
Seine Klarheit, veränderte meine Aufnahmefähigkeit.
Sehr empfehlenswert, ein Leseereignis
mit etwas mehr Zeitaufwand für Verständnis oder
Nichtglaubenwollen, für jeden Menschen, für Gefühle.

Bewertung vom 10.08.2019
Das Leben ist ein listiger Kater
Roger, Marie-Sabine

Das Leben ist ein listiger Kater


ausgezeichnet

Rezension zum Roman – Das Leben ist ein listiger Kater– von Marie-Sabine Roger

Ein Roman zum Erkennen, der unterschiedlichen Facetten,
die uns ausmachen. Ein Roman zum Schmunzeln mit
dauerhaften Humor, der sich mit Traurigkeit abwechselt, muss er ja.
Ein Roman zum Verschenken, an Menschen, die uns nahe sind.

Jean-Pierre Fabre, der verwitwete Rentner, denkt über
sein Leben nach, er hatte ein Leben.
Nach seinem Unfall nannten sie ihn:
„Der Mann aus der Seine.“

Am aufschlussreichen Anfang beschreibt er seine Ursprungsfamilie,
Den „Übervater“, der mehr von ihm erwarte, als er geben konnte.
Die Mutter ohne Beruf , „Die mied grundsätzlich alle heiklen
Themen: Politik, Geld, Religion.“, und der jüngere Bruder.

Seine Frau liebte „blaue Disteln.“, sie starb, als er nicht
da sein konnte. „zärtliche Worte, die ich vergessen hatte, ihr
zu sagen, habe ich dann mal ins Leere gemurmelt.“ „Wer unser
Leben geteilt hat, behält ein Stück von uns in seiner Tasche.“

Berührende Sätze, bringen uns den einsamen Jean-Pierre, näher.
Seine Erlebnisse im Krankenhaus, seine Begegnungen dort, werden
mit zärtlichen und treffenden Worten beschrieben. „Sein Kranken-
zimmer wird „zu einem Salon, in dem man sich zur Konversation trifft.“

Danke an bücher.de, die Lieferung „überholte“ fast die Bestellung.

Bewertung vom 10.08.2019
Der Fall Collini
Schirach, Ferdinand von

Der Fall Collini


ausgezeichnet

Rezension zum Kriminal – Roman – Der Fall Collini – von Ferdinand von Schirach

Ein Roman, der mich „aufhorchen“, aufschrecken, „aufwachen“ ließ.
Ein Roman über den Kriminal-Bereich, der mir bisher nicht zugänglich war.
Ein Roman vom „Erfinder“ des Erzählens. Ein aufwühlender Roman.

Ein Roman mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert, makaber ausgedrückt,
angesichts des detailliert beschriebenen Gewaltverbrechens. Es trifft den
Roman- Charakter. Ein Roman zwischen Laut und Leise, Recht und Unrecht.

Hauptfigur, Pflichtverteidiger Caspar Leinen erzählt, mit großer Distanz zum
Angeklagten, dem Mörder Fabrizio Collini, aus seiner menschlichen Haltung,
aus seinem Verständnis für Recht und Gerechtigkeit heraus.

Stück für Stück „arbeitete“ ich mich voran, oft mit langen Pausen, und
tauchte in eine fremde Welt ein. Erinnerungen des jungen Strafverteidigers
Caspar Leinen passten folgerichtig nach der Beschreibung des

brutalen Tathergangs, zur besseren Verarbeitung des ersten Teils,
trotz oder auch wegen der Verbindung zum verstorbenen Freund Philipp.
Mit diesen Erinnerungen werden Zusammenhänge klarer.

Nach dem Obduktions- Kapitel, mein längster, schwer zu erfassender,
schauerlichster, und etwa ab dem Besuchs-Kapitel bei Rechtsanwalt
Professor Dr. Richard Mattinger, lernte ich weiter zu lesen.

Leinens Privatleben, seine Liebe zu Johanna, Enkelin des Ermordeten,
ziehen sich leise und laut durch den Roman.
Pflichtverteidiger Caspar Leinen zweifelte, kämpfte, geht weiter und…

Buch kaufen!

Ein Kriminal Roman? Vielleicht das größte Stück davon.
Ein Roman vom Feinsten. Ein Roman für Verständnis, vor allem
Ein Roman zum Nachdenken.

Die Namensauswahl gefiel mir: Pflichtverteidiger Caspar Leinen,
Mörder Fabrizio Collini,
Rechtsanwalt Richard Mattinger ...

Bewertung vom 03.08.2019
Die Geschichte des Wassers
Lunde, Maja

Die Geschichte des Wassers


ausgezeichnet

Rezension zum Roman - Die Geschichte des Wassers – von Maja Lunde

- Gegenwart und Zukunft des Wassers - „Wasser spiegelt die Welt.“

Ich schachtelte nicht, ich las durchgängig zuerst

den Signe- Teil, den norwegischen Eisteil, den Gegenwartsteil 2017

Im Norwegischen heißt der Titel „Blau“.
Die fast siebzigjährige Signe begeht „blauäugig“ einen „eiskalten“
Diebstahl. Gleichzeitig schaut sie auf ihr Leben zurück.

Dort wo sie aufwuchs, war Wasser, sie wuchs „im Wasser“ auf,
sie lebte „im Wasser“. „Ich war sieben,… Es war an meinem
Geburtstag, und ich bekam gefrorenes Wasser geschenkt.“

Mit gestohlenen, norwegischen Gletscher- Eisblöcken reist sie zu
ihrem Ex-Mann nach Südfrankreich. Ob es ihr um die Ausbeutung
des Gletscher Eises geht? Sie will eine Antwort von ihrem Ex-Mann.

Im Zukunftsteil 2041 flüchtet David mit seiner Tochter Lou

aus dem heißen Südeuropa, in den Norden. Sie lernen zu überleben,
zwei Kämpfer unterwegs, „Um uns herum vertrocknete alles.
Selbst der Schlamm im Kanal war zu Staub geworden.“

Sie entdecken ein norwegisches Boot. Lou findet im Wald Plastik Kisten
mit kostbaren Inhalt: Wasser aus Norwegen. „Papa?“ „Ja?“ „Können wir
das nicht nochmal spielen?“ „Das Spiel mit dem Regen?“ „Ja. Ja!...

Bewertung vom 02.08.2019
Der Junge, der in den Büchern verschwand und andere Geschichten
Claudel, Philippe

Der Junge, der in den Büchern verschwand und andere Geschichten


ausgezeichnet

Rezension zum Roman – Der Junge, der in den Büchern verschwand – von Phillippe Claudel

Geschichten zum Einatmen und langen Ausatmen.
Geschichten mit zielsicheren und liebevollen Aussagen.
Geschichten mit Claudel – Humor.
Geschichten für Groß und Klein, besondere Geschichten.

Wer - Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung –
ein Roman aus meinem Lieblingsbücher-Schrank,
auch von Philippe Claudel, las, liebt besondere Geschichten.

Bewertung vom 28.07.2019
Die Schönheit der Nacht
George, Nina

Die Schönheit der Nacht


ausgezeichnet

Rezension zum Roman – Die Schönheit der Nacht – von Nina George

Kann ich mich in einen Roman verlieben? So erging es mir im letzten Sommer.
Lebendige, liebkosende Sätze. Weinen und Lachen nahe beieinander.

Jedes Wort, jede Beschreibung brachten mich zum Staunen, wie ein Kind,
dass zum ersten mal, den Weihnachtsbaum in seiner Pracht erlebt.

Dieser Roman legte sich wie ein eleganter, weicher, warmer Mantel
um meinen Körper.

Manchmal dachte ich, aus diesem Mantel kommst du nicht wieder heraus,
wollte ich auch nicht.

Eine Frau, Ehefrau und Mutter wird neu geboren!
Für mich: Es ist schön, älter zu werden.

Empfehlung an jede Frau!

Bewertung vom 28.07.2019
Das Lavendelzimmer / Monsieur Perdu Bd.1
George, Nina

Das Lavendelzimmer / Monsieur Perdu Bd.1


ausgezeichnet

Rezension zum Roman – Das Lavendelzimmer – von Nina George

Ein hochdosiertes Medikament in zauberhafter Prosa.
Das Lavendelzimmer schillert für mich in allen Farben, die ich kenne.
Abwechselnd Bauch-Lachen, Rückenschauer, Kullertränen.

Jean Perdu‘ s literarische Notapotheke, vollständig, oder? Unter G fehlt George!
Der als "Wetterfest" beschriebene Luc darf Gefühle ausdrücken,
die im wahren Leben selten von Männern gezeigt werden.

Nach dem Lesen: Stille, Staunen, Nachdenken, Rückenschauer...
Später: Profanes Hungergefühl auf die extra für Weihnachten gekaufte,
und nicht beachtete Wildpastete.

Für mich ist der Roman (2016 gelesen) der wärmste und zärtlichste Roman,
den ich kenne.
Vorfreude auf die Fortsetzung im August.

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