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Benutzername: CallmeaBookaholic
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Bewertungen

Insgesamt 33 Bewertungen
Bewertung vom 20.01.2019
Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9 (eBook, ePUB)
Sten, Viveca

Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9 (eBook, ePUB)


sehr gut

Spannend bis zum Schluss

Im neunten Teil der Beststellerreihe widmet sich Viveca Sten einem oft tot geschwiegenen, aber doch sehr erschreckend realem Thema: häusliche Gewalt. Ein gesellschaftliches "Tabu-Thema", dem immer noch viele Frauen und auch Männer ausgesetzt sind.

Nora Linda versucht Andreis Kovac als Kopf der Stockholmer Drogenszene wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche zu verhaften. Als dieser seine Frau Mina fast totprügelt, erscheint eine Aussage Minas als fast einzige Möglichkeit Andreis aus dem Verkehr zu ziehen. Die junge Frau flieht in ein Frauenhaus auf die Schären. Doch Andreis ist skrupellos und verfolgt seine Frau unerbittlich. Als ein Mord geschieht, trott Thomas Andreasson als Ermittler auf den Plan. Gemeinsam mit Nora versucht er alles, um Andreis aufzuhalten.

Da es mein erstes Buch der bekannten skandinavischen Autorin war, war ich sehr gespannt auf die Geschichte, die doch einen so aktuellen Bezug hat. Ich fand die Erzählweise der Autorin, den Aufbau der Handlung und auch die immer wieder neuen dramatischen Wendungen sehr packend. Ich habe die Geschichte fast in einem Rutsch durchgelesen. Gerade die Erzählabschnitte aus der Sicht von Mina, die verzweifelt versucht, sich vor ihrem Mann zu verstecken und im Kontrast dazu das fast rücksichtslose Verhalten von Andreis machen den Hauptteil der spannenden Geschichte aus. Beide Handlungsstränge fügen sich sehr gut ineinander und lassen die Ermittlungsversuche von Thomas und Nora fast in den Hintergrund treten. Aber das tut der Geschichte dennoch sehr gut. Denn dadurch gewinnt sie für mich an Dynamik, die mich beim Lesen fesseln konnte. Gerade als Mina ins Haus ihres Mannes zurückkehrt, um sich Kleidungsstücke zu holen und ihr Mann gerade wieder auf dem Rückweg ist... puh... wie habe ich da mit Mina mitgezittert. Viveca Sten versucht zudem, den gewaltätigen Andreis zum "Opfer" zu machen, als er als Kind vor dem Bürgerkrieg und der Gewalt aus dem umkämpften Kroatien fliehen musste. Gleichzeitig wird der Erklärungsversuch unternommen, warum Andreis so gewalttätig geworden ist. Freilich überlässt es die Autorin jedem Leser selbst zu entscheiden, über Andreis zu urteilen. Sicherlich ist sein Schicksal kein Pauschalfallbeispiel für die Entstehung häuslicher Gewalt. Ich bin sicher, das war auch nicht die Absicht der Autorin. Für mich ist die Geschichte dennoch ein echtes packendes Lesevergnügen gewesen, das jeden zum Nachdenken anregt.

Bewertung vom 22.10.2018
Der Klang eines Augenblicks
Dakota, Kate

Der Klang eines Augenblicks


gut

Seichte Story für Irlandliebhaber

Britt kehrt nach vielen Jahren in die Heimat ihrer Eltern zurück. Sie will abschließen mit dem unerklärlichen Tod ihres Vaters, der einst vor der Küste Irlands bei einem Sturz schwer verunglückte. Niemand wusste, war es ein Unfall oder gar Mord? Diese Fragen beschäftigen Britt. Sie will endlich Antworten und hofft sie hier in einem kleinen Fischerdorf zu finden. Hier begegnet sie auch dem Iren Declan, der sich nach dem einem schweren Schicksalsschlag in sein Heimatdorf verkrochen hat. Was zu anfangs eher eine distanzierte Begegnung war, wird zunehmend zu einer zarten Liebesgeschichte.

Zu Anfang dachte, hm, wieder ein typischer Liebesroman: zwei ungleiche Menschen überwinden verschiedene Hindernisse, um sich am Ende doch zu kriegen. Naja, etwas ist von diesem Pathos tatsächlich in dieser Geschichte wieder zu finden. Declan und Britts erste Begegnung beginnt tatsächlich alles andere als glücklich. Dennoch fühlen sich beide irgendwann zueinander hingezogen. Zumal Declan Britt dabei hilft, endlich die Wahrheit über den Tod ihres Vaters herauszufinden. Diese Nebenhandlung bringt tatsächlich eine gewisse Spannung mit sich. Ein verschwundenes Buch, noch dazu das Nationalheiligtum Irlands und dann auch noch ein mysteriöser Mord? Ich war wirklich drauf und dran, dieses Buch in den Himmel zu loben. Doch letztlich sind doch so einige gute Ansätze beim Lesen etwas verpufft oder zu einem Nebenkriegsschauplatz buchstäblich degradiert. Schade eigentlich. Dennoch verstehe, dass die sich langsam entwickelnde Liebesbeziehung der beiden im Mittelpunkt stand und die Genre-Elemente hier einfach nicht fehlen durften. Dennoch gibt es auch für den Leser einige humorvolle und unfreiwillig komische Situationen und auch einige der Nebencharaktere aus der Familie von Declan sind witzig und liebevoll gezeichnet. Man erhält auch einige gute Einblicke in irische Traditionen, was mich als Leser, der Irland bereist hat, geradezu ins Schwärmen bringen kann. Die Geschichte liest sich relativ gut und schnell, manche Zeitsprünge sind unerwartet, geben der Geschichte aber etwas an Spannung. In Summe ist "Der Klang eines Augenblicks" eine gut erzählte, solide Liebesgeschichte vor der Traumkulisse Irland. Punkt Abzug gibt es für den leichten Hang zur Kitschigkeit gegen Ende und dass man den spannenden Ansatz einer Kriminalgeschichte leider nicht weiter erzählt hat. Dennoch wird hier jeder Liebhaber von leichter Sommerliteratur hier seine Freude damit haben.

Bewertung vom 22.10.2018
Ein unvergänglicher Sommer
Allende, Isabel

Ein unvergänglicher Sommer


ausgezeichnet

Es ist nie zu spät für einen Neuanfang

"Mitten im Winter entdeckte ich endlich, dass in mir ein unvergänglicher Sommer ist." - Besser kann man den Inhalt dieses neuen bewegenden Romans von Isabel Allende nicht zusammenfassen. Mitten im tiefsten Schneesturm in Brooklyn gerät Richard, der etwas eigenbrötlerisch mit seinen drei Katzen lebende Uni-Professor, in einen Auffahrunfall. Alles ein harmloser Unfall? Wohl kaum, denn plötzlich steht das junge guatemaltekische Kindermädchen Evelyn vor seiner Haustür und kann nicht zurück, denn das Auto ist von ihrem Dienstherrn gestohlen, sie lebt ohne Papiere in den USA und im Kofferraum des Autos befindet sich - zum Unglück aller Beteiligten - auch noch die Leiche einer jungen Frau. Schnell wird klar, die Leiche muss weg. Zusammen mit seiner chilenischen Untermieterin, der lebenslustigen Lucia schmiedet er einen Plan, die Leiche zu entsorgen. Auf dem Weg zu einer abgelegenen Hütte nördlich von New York kommt sich die Schicksalsgemeinschaft näher. Ein Kaleidoskop von Schicksalen, mittel- und südamerikanischer Geschichte entfaltet sich...

Wahnsinn! Das Buch von Isabel Allende hat mich sehr bewegt. Und die Autorin beweist hier wiedermal ihre große Erzählkunst. Es ist nicht unbedingt die Geschichte der Leiche, an deren Beseitigung alle drei eher unfreiwillig beteiligt sind. Es sind die Geschichten der drei Hauptcharaktere, die den Leser tief in die Vergangenheit des süd- und mittelamerikanischen Kontinent hineinziehen und diesen mitreißen. Da ist Richard, der einst in Brasilien liebte und lebte und durch einen selbst verschuldeten Schicksalsschlag seine Familie verlor. Da ist Lucia, die in Chile während der Diktatur aufwuchs und nie erfuhr, warum ihr Bruder Enrique spurlos verschwand. Und schließlich Evelyn, die in den grausamen Bandenkriegen ihre Brüder verlor und auf abenteuerlichen Wegen und mit Hilfe von Schleusern die Flucht in die USA antrat. Das sind die eigentlichen ergreifenden Zeugnisse, die mich als Leser zutiefst bewegt und auch beeindruckt haben. Besonders hat mich Lucia emotional berührt. Sie ist eine unglaublich starke Frau, die trotz ihrer schweren Jugend nie die Hoffnung aufgab und auch eine schwere Krankheit und eine zerbrochene Ehe "überlebte". Sie ist eine starke Kämpferin und wenn man so will der zentrale Ankerpunkt der Geschichte. Allende versteht es geradezu mühelos und leicht zu schreiben und mit den oft sehr furchtbaren Schicksalen behutsam umzugehen. In den wechselnden Perspektiven erhält der Leser immer wieder ein Puzzleteil aus der Vergangenheit der drei Protagonisten und kann sich so über deren jetzigen Charakter, der durch diese Vergangenheit geformt wurde, ein sehr gutes Bild machen. Ich habes diese Buch sehr schnell gelesen. Das Cover ist zudem sehr melancholisch, wenn auch leicht pathetisch wirkend gestaltet. Dennoch gibt es einen sehr guten Eindruck wieder von dem, was der Kern der Geschichte ist: Man ist nie zu jung für einen Neuanfang. Mein Fazit: Unbedingt lesen und mitfühlen.

Bewertung vom 22.10.2018
Ich hab's auch nicht immer leicht mit mir
Vogd, Anne

Ich hab's auch nicht immer leicht mit mir


ausgezeichnet

Lachen ausdrücklich erwünscht

Anne Vogd gelingt mit ihrem selbstironischen Blick auf das Leben einer ab Vierzigjährigen wirklich auch sensationell witziges und heiteres Literaturstück. Ich habe selten so sehr gelacht, wie bei der Lektüre von diesem Roman. Ich bin zwar selbst noch ein paar Jahre davon entfernt, aber das eine oder andere Problemchen hat man schon mal im Alltag an sich selbst beobachtet. Um so schöner, dass uns hier die Autorin mit auf den Weg "Du bist nicht alleine damit!". Ich finde es sehr gut gelungen, wie Anne Vogd uns hier mit viel Charme den Spiegel vorhält, und sich dabei selbst eigentlich nicht schont. Denn sie nimmt sich selbst aufs berühmte Korn und erzählt schonungslos von den Tücken des Alltags, von zwischenmenschlichen Beziehungen, der immer auffälligeren Gewichtsprobleme und des Gesundheitswahns, die Kunst, ein Kind zu bekommen und es auch großzuziehen und dabei selbst die Rolle der Mutter im Laufe der Zeit zu verändern und an die neuen Lebensgewohnheiten des Nachwuchses anzupassen. Und nicht zuletzt auch von der Kunst des Älterwerdens und wie man im Berufsleben seine Erfüllung findet. Ich glaube, dieses Buch muss man einfach genießen und sich dabei selbst kritisch hinterfragen, ob es nicht manchmal besser ist, mit viel Humor und Genuss älter zu werden und den Dingen manchmal mit mehr Gelassenheit ihren Lauf zu lassen. Mein Fazit: Betont selbstironischer, lockerer Schreibstil mit einer großen Portion persönlicher Lebenserfahrung der Autorin. Einfach zurücklehnen, genießen und herzhaft lachen.

Bewertung vom 22.10.2018
Oberons blutige Fälle
Hearne, Kevin

Oberons blutige Fälle


weniger gut

Es war das Eichhörnchen

In diesem Band der Fantasy-Reihe über den Druiden Atticus steht sein tierischer Begleiter Oberon ganz im Mittelpunkt des Geschehens. Mit viel Humor und kriminalistischem Geschick lösen beide zwei knifflige Kriminalfälle à la Agatha Christie und beweisen dabei immer wieder aufs Neue, dass Hund und Mensch hier insbesondere eine unschlagbare Kombination sind.

Krimiliteratur mit Tieren in den Hauptrollen gibt es ja mittlerweile sehr häufig und ist nicht zuletzt aufgrund der tierischen Perspektive immer wieder ein besonderes Lesevergnügen. Allerdings muss ich gestehen, dass mich dieser Fantasy-Roman nicht wirklich überzeugen konnte. Zwar punktet die Geschichte durch viel Humor, spritzige Dialoge zwischen Atticus seinem Hund Oberon und nicht zuletzt auch, dass es beiden gelingt, die Polizei regelrecht an der Nase herumzuführen. Dennoch fand ich die Handlungen unaufgeregt und irgendwie auch zeitweise etwas langweilig, manchmal sogar reichlich unplausibel. Aber soviel Freiheit darf man Fantasy-Literatur zugestehen. Die Fans dieser Fantasy-Reihe mögen mir verzeihen. Aber meine Art von Literatur ist es leider nicht. Mein Fazit: Unblutig, tierisches Abenteuer mit schrägem Humor und merkwürdigen Eichhörnchen.

Bewertung vom 22.10.2018
Ich komme mit
Waldis, Angelika

Ich komme mit


ausgezeichnet

Leben ist..
Vita Maier und Lazy Laval sind ein ungewöhnliches Duo. Sie - 72 Jahre alt, vom Leben enttäuscht und seit 5 Jahren Witwe. Er - 21 Jahre jung, steinreich, aber an Leukämie erkrankt. Beide eint ihr Humor und der Wunsch, das Leben hinter sich zu lassen. Was als eine etwas widerwillige Freundschaft mit einigen Hürden beginnt, entwickelt sich zu einer außergewöhnlichen tiefen Freundschaft.

Mit "Ich komme mit" gelingt der Autorin Angelika Waldis aus meiner Sicht ein sehr ungewöhnlicher, aber auch intensiver, kraftvoller Roman über das Leben und die Freundschaft im Spannungsfeld zwischen Lebensmut und -Todessehnsucht. Ich hatte zu Beginn durchaus meine Probleme, da ich die Erzählweise etwas sperrig fand und auch das Thema an sich schon sehr "schwer verdaulich" ist. Dennoch empfand ich die Entwicklung der beiden Charaktere sehr spannend und einfühlsam erzählt. In stetig wechselnder Perspektive kann sich der Leser sehr gut in die Gedanken und Gefühlswelt von Vita und Lazy einfühlen und auch verstehen, warum beide den Schritt bis hin zum Selbstmord wagen wollen. Die Geschichte punktet oft mit skurilem und ich möchte schon sagen Galgen-artigem Humor: Ein Pluspunkt für beide Charaktere, die sich trotz der doch sehr scheinbar ausweglosen Situation immer wieder Mut zusprechen können und sich ihren Sinn für Humor bewahren. Alles in allem ist "Ich komme mit" ein wunderbar feiner, einfühlsam erzählter Roman, der trotz aller Hürden und Entscheidungen seiner Protagonisten dem Sinn und des Lebens einen ganz besonderen Raum gibt.

Bewertung vom 13.09.2018
Mit der Faust in die Welt schlagen
Rietzschel, Lukas

Mit der Faust in die Welt schlagen


gut

Brandaktuell zu hochbrisantem Thema

Eigentlich kommt dieses Buch genau zur richtigen Zeit. Das Thema könnte vor dem Hintergrund der Pegida-Demonstrationen und der erstarkendem Rechtsbewegung im Osten nicht aktueller sein. Die Geschichte beginnt 11 Jahre nach der Wende. Die beiden Brüder Philipp und Tobias wachsen in Neschwitz, einem kleinen Ort irgendwo in Sachsen auf, und erleben die zunehmende Perspektivlosigkeit sowie den Zusammenbruch ihres sozialen Gefüges, das die DDR hinterlassen hat. Beide versuchen ihre zunehmende Wut über ausstehende Veränderungen in den Griff zu bekommen und finden ein Ventil im rechtsradikalen Gedankengut...

Das Thema ist sehr spannend und hinterlässt durchaus beim Leser Spuren, auch bei mir. Ich habe sehr mit mir persönlich gerungen, welche Note ich diesem Buch geben möchte. Aber vielleicht ist das genau das, was der Autor erreichen möchte. Er will mit dieser Geschichte nicht gefallen. Er will anecken, kantig unangenehm sein. Mag sein, dass er sich durchaus einiger Klischees bedient, aber er will vor allem, dass wir uns als Leser mit dem Thema und der Perspektivlosigkeit der Menschen auseinandersetzen. Er will sie nicht verteidigen. Im Gegenteil, die Geschichte ist sehr sperrig und nicht für jeden Leser, der einen flüssigen und unterhaltsamen Schreibstil gewohnt ist, geeignet. Ich hatte durchaus meine Schwierigkeiten, meinen Rhythmus zu finden. Ich hatte sehr das Gefühl, im Stil der Bild-Zeitung zu lesen. Kurze, stakkatohafte Sätze, die eine schier endlose Aneinanderreihung von Tatsachen, manchmal auch nur Beobachtungen sind. Und die nicht wirklich beim Leser ein hohes Bildungsniveau erfordern. Man findet nicht wirklich einen Zugang zu den handelnden Figuren Tobias und Philipp und auch das Ende ist sehr offen und überlässt es dem Leser das Urteil über die beiden zu fällen.

Trotz allem, denke ich, ist der Schreibstil und die Idee der Geschichte, genau das Besondere, was dieses Buch ausmacht. Eben nicht dem Mainstream zu folgen, sondern ungewohnt, unangenehm und in der Art zu (be)schreiben auch mit jedem Satz eine Tristheit und Perspektivlosigkeit zu verbreiten, die es mir als Leser sehr schwer macht zu entscheiden, ob man es liebt oder nicht.

Bewertung vom 13.09.2018
Schatten über dem Odenwald / Alexandra König Bd.2
Roßbach, Susanne

Schatten über dem Odenwald / Alexandra König Bd.2


gut

Schatten über dem Lesevergnügen

Regionale Krimis finde ich persönlich von jeher spannend und immer wieder unterhaltsam. So dachte ich auch, dass mich der neue Krimi von Autorin Susanne Rossbach in ein regionales Flair hineinziehen würde. Im zweiten Fall von Alexandra König ermittelt diese wieder eigenmächtig, als ein mysteriöser Autounfall sich als Mord entpuppt - sehr zum Leidwesen von Alexandras Freund Tom Brugger, der als leitender Polizist mit der Lösung des Falls betraut ist. Alexandra erhält dabei Unterstützung von ihren Freunden Hedi und Herbert, die ihre Ferien in Alexandras neuer Heimat Beerfelden verbringen. Als ein Mordanschlag auf Alexandra verübt wird, wird die Sache brenzlig....

Tja, leider hat dieser Krimi nicht wirklich einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen. Zwar sind die Figuren und Charakter sehr liebevoll gezeichnet und alle durchweg sympathisch. Hedi und Herbert haben sogar eine sehr humorvolle Art miteinander umzugehen und auch Alexandra bei der Lösung des Falles zu helfen. Der Schreibstil der Autorin ist auch sehr flüssig und lesefreundlich. Also ein Buch, dass man durchaus sehr schnell durch lesen kann. Dennoch hat mich die Geschichte nicht wirklich überzeugen können. Streckenweise fand ich sie sogar etwas langweilig. Die immer währenden Beziehungsprobleme, denen Tom und Alexandra ausgesetzt sind, nachdem sie zusammengezogen sind, waren für meinen Geschmack etwas zu viel. Ich fand, dass dadurch eine wirklich gute Story hier etwas in den Hintergrund getreten ist und Potenzial verschenkt wurde. Im Vergleich zum ersten Teil der Serie, der etwas schwächere Teil...

Bewertung vom 15.07.2018
Das Grab unter Zedern / Leon Ritter Bd.4
Eyssen, Remy

Das Grab unter Zedern / Leon Ritter Bd.4


sehr gut

Mord unter südlicher Sonne

In seinem neuen Fall entführt uns Dr. Leon Ritter in eine perfide Geschichte um Lügen, Schuld und ein dunkles Geheimnis. Nach fünf Jahren Haft wird ein Familienvater entlassen. Doch keiner glaubt im beschaulichen Le Lavandou daran, dass er unschuldig am spurlosen Verschwinden seiner Tochter ist, deren Leiche nie gefunden werden konnte. Die Polizei und auch Dr. Ritter fangen bald darauf an zu ermitteln und finden neue Spuren, die auf die beschauliche Insel Porquerolles führen. Als nacheinander drei Morde geschehen, und auch der vermeintliche Täter auf unerklärliche Weise stirbt, wird für Leon Ritter schnell klar, dass sich hier ein äußerst verwirrender Fall entwickelt, der so manche überraschende Wendung bereit hält.

Der neue Fall von Leon Ritter hat aus meiner Sicht wirklich in sich. Ich bin selten von einem Kriminalroman so begeistert gewesen, wie von diesem neuen Buch. Ich würde sogar behaupten, das hier ist der bisher Beste aus der Reihe von Dr. Leon Ritter. Ich finde Remy Eyssen ist ein wirklich guter Pageturner gelungen, den man so schnell nicht aus der Hand legt. Schon allein die Geschichte um die verschwundene Leiche der kleinen Amelie hat es in sich. Man fiebert förmlich mit. Sicherlich hat die Geschichte von Kindesmord auch eine persönliche Note, die für viele sehr emotional wirkt und damit allein schon als Kernidee des Romans wunderbar funktioniert. Aber Eyssen ist hier wirklich ein sehr guter Geschichtenerzähler, der es versteht einen spannenden Handlungsstrang zu konstruieren. Man weiß im ganzen Konstrukt der Charaktere, die Eyssen aufbaut, nie so genau, wer hier wirklich der Täter ist und vor allem weiß man lange nicht, wie die einzelnen Mordfälle zusammengehören. Er schafft aus meiner Sicht sehr geschickt, Fährten zu legen und vermeintliche Täter zu präsentieren. Als Leser wird man zum Miträtseln eingeladen. Auch die persönliche Entwicklung der Hauptcharaktere Leon, Isabelle und ihre Tochter Lilou kommt nicht zu kurz. Leon muss sich beruflich so einigen Herausforderungen stellen und es bleibt abzuwarten, wie es da in den nächsten Romanen, von denen es hoffentlich welche gibt, weitergeht.

Mein Fazit: Dieses Buch sollte man in diesem Sommer nicht verpassen. Super spannende Geschichte und mein Geheimtipp für alle begeisterungsfähigen Fans der südfranzösischen Krimis. Unbedingt lesen!

Bewertung vom 10.06.2018
Tote haben kalte Füße / Bullenbrüder Bd.2
Rath, Hans; Rai, Edgar

Tote haben kalte Füße / Bullenbrüder Bd.2


gut

Kantiges Ermittlerduo mit Abstrichen

Die beiden ungleichen Ermittlerbrüder Holger und Charlie Brinks können unterschiedlicher nicht sein. Der eine arbeitet als leitender Kriminalermittler und lebt ein solides Leben mit Familie. Der andere fällt eher in die Kategorie Überlebenskünstler und schlägt sich als Privatermittler durch. Beide werden im aktuellen Roman aus der Reihe Bullenbrüder auf unterschiedliche Art und Weise mit einem brisanten Fall betraut, bei dessen Lösung sich ihre Wege kreuzen und die Ermittlung nur im gemeinsamer Zusammenarbeit gelingt: Die Smooth-Sister sind erfolgreiche Senkrechtstarter aus der High-Society. Als die eine der drei Schwestern Victoria Sommer eines Tages verschwindet, muss Holger ermitteln, während Charlie dem untreuen Ehemann seiner ehemals verflossenen Flamme hinterherschnüffelt. Jener Robert ist pikanterweise auch mit dem Smooth-Sisters verbandelt. Als dieser ebenfalls verschwindet, ermitteln Holger und Charlie mit eher ungewöhnlichen Methoden.

Mit Bullenbrüder haben die beiden Autoren Rath und Rai einen soliden, humorvollen und eher kurzweiligen Kriminalroman aus der Kategorie leichte Unterhaltungslektüre abgeliefert. Es fällt nicht schwer die beiden Brüder Holger und Charlie schnell ins Herzen zu schließen. Beide haben ihre Ecken und Kanten, sind aber grundweg sympathisch - Charlie vielleicht eher mehr durch seine ungewöhnlichen Ermittlermethoden und seinem "Bauchgefühl", was sich im Verlauf der Geschichte als durchaus nützlich erweist. Beide müssen sich mit einer äußerst lebenslustigen Mutter schlagen, die sich in dieser Folge in den Kopf setzt, ihre um Jahre jüngeren Fitnesstrainer zu heiraten und dieses frohe Fest ausgerechnet in Holger's Garten zu feiern. Durch diese Mutter leidet man ein klein wenig mit den beiden mit, würde diese doch mit ihren Vorstellungen und Eigenarten selbst den Ruhigsten Zeitgenossen auf die buchstäbliche Palme bringen. Aber dieser überzogene, schrille Ton passt durchaus zu diesem Romantyp und der Geschichte, ist diese doch insgesamt eher leicht und locker und anspruchslos gehalten. Der Schreibstil gefällt mir ganz gut, die Geschichte ist durchaus konsistent, wenn auch mit den einen oder anderen "unglaublichen" Glücksfällen, die Charlie's Intuition ausmachen. Obwohl diese Geschichte durchaus unterhaltsam ist, muss ich unterm Strich durchaus Abzüge machen. Wer hier eine tiefgründige mit Feinheiten und tiefenpsychologischen Rafinessen ausgestattete Geschichte sucht, wird leider nicht fündig. Für Genießer der soliden Krimiunterhaltungsliteratur, bei der es auch schmunzelnd zugeht hat hiermit eine unterhaltsame Lektüre gefunden.