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Benutzername: Peter Waldbauer (Autor)
Wohnort: Heidelberg
Über mich: Peter Waldbauer, Jahrgang 1966, ist Betriebswirt und wohnt als freiberuflicher Dozent und Autor in der Nähe von Heidelberg. Er veröffentlichte bisher Essays und fünf Bücher:
Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 59 Bewertungen
Bewertung vom 10.09.2017
Recht und Gerechtigkeit
Kachelmann, Jörg; Kachelmann, Miriam

Recht und Gerechtigkeit


sehr gut

Interessante Einblicke und ein Schuss Polemik! (gekürzte Version)

Wie gut es JK gelingt, Stimmung und Atmosphäre zu transportieren, zeigt sich bereits im ersten Kapitel, jener Verhaftung am Frankfurter Flughafen, die das monatelange Tauziehen einleitete. Die Ausweglosigkeit seiner Situation überträgt sich auf den Leser; das bürokratisch-unnahbare Verhalten der Verhafter, die beklemmende Mischung aus Biederkeit und Voyeurismus - man glaubt sie selbst spüren zu können.

JKs Angaben über das Vorgehen der Polizisten sind durchweg glaubhaft, da fast jeder ähnliches schon einmal erlebt haben dürfte, sofern er auf Autoritätspersonen des Rechtsstaates traf. Wenn auch in viel milderer Form wie z.B. bei Verkehrsverstößen (Vorzeigen der Papiere, Aussteigen-Alkoholtest, Anhalten wg zu schnellen Fahrens, Abschleppen wg Parken im Halteverbot, etc.)

Diese Ohnmacht spürte JK, sie war nur ungleich größer und auch wenn er sich über die Beamten der "Außenstelle Schwetzingen" permanent beklagt, so war es doch Glück für ihn, dass der zuständige Kripoleiter es nicht für nötig erachtete, für die vorgesehene Verhaftung Spezialeinsatzkräfte anzufordern in Form des SEKs. Denn dann wäre JK zu Boden gerissen worden, man hätte ihm die Arme auf den Rücken gedreht und ihn unsanft herumgestoßen. Körperliche Blessuren wären zu den seelischen hinzugekommen.

Es geht interessant weiter mit der Gefängniszeit. Hier, im Knast, erlebte JK dann, dass es auch anders zugehen kann in der gnadenlosen Justiz, sei es in Mannheim oder anderswo, dass es mitunter sehr stark menschelt. In der JVA Herzogenried in Form des "Stockwerksbeamten G.", der die Gefangenen duzt, obwohl es verboten ist (Dienstvorschrift: Gefangene sind zu siezen), was JK nicht stört, weil es ein warmherziges Du ist, kein respektloses. Es ist ein Du wie einer großen WG. Einer solchen ähnelt der Stockwerk der JVA, weil man auf engem Raum wohnt und sich täglich sieht, weil Gefangene und Wärter aufeinanderhängen und miteinander auskommen müssen, auch wenn die einen jederzeit gehen können - theoretisch.

Vielleicht sind es Bedienstete wie G., die durch ihre unkonventionelle Basisarbeit das Ganze zusammenhalten und ohne Engstirnigkeit dafür sorgen, dass die Subkultur nur manchmal brodelt und zischt (Bunker, Streitereien), aber nicht überschäumt oder explodiert (Haftschäden, Selbstmorde). Gs verbale Unterstützung für Kachelmann äußert sich in dem Satz: "Wenn du dir was machst, tret`ich dich in den Arsch" und auch die rüde Wortwahl und der breite Kurpfälzer-Idiom können die Empathie des Stockwerksbeamten nicht verbergen.

Und dann der Tag der Freilassung, die Stunde des OLG-Bescheids; es ist jener Moment, in dem Kachelmann schwer mit sich zu kämpfen hat, in dem die Tränendrüsen drücken und wieder zeigt G., dass er weit mehr kann als verwahren, kontrollieren und verschließen. Er kann verstehen. Er lässt Kachelmann allein, zwei Minuten nur, doch die reichen; er lässt ihn allein in seinem Büro zurück, damit dieser sich fassen kann.

So sehr Oltrogge, Gattner und Seidling JKs Vertrauen in die Personen der Justiz erschüttert haben mögen, so sehr muss G. es wieder hergestellt haben. Was Staatsanwälte und Richter auf der einen Seite zerstörten, rückte ein Stockswerksbeamte wieder gerade, wenn auch nur im Kleinen und ohne juristischen Belang.

Das Buch kommt leider nicht ohne eine kräftigen Schuss Polemik aus („dumme Polizisten/gieriger Staat/Schergen Mannheims/Knallchargen/Justizdarsteller“). Hier fehlt etwas die Distanz des Autors, was jedoch angesichts dessen, was Kachelmann erlebt hat, auch kein Wunder ist. Natürlich geht es JK nicht nur darum, Mißstände aufzuzeigen. Das Buch dient auch zu einem Großteil als Katharsis, Verarbeitung.

Es ist dennoch ein gutes Buch. Ohne diese (zu toleriende) Schwäche - und wären einige der vielen interessanten Passagen noch ausführlicher - gäbe es 5 Sterne.

Bewertung vom 28.08.2017
Homo Saarlandicus. Was es heißt, ein Saarländer zu sein
Waldbauer, Peter

Homo Saarlandicus. Was es heißt, ein Saarländer zu sein


ausgezeichnet

Warum die Saarländer die Besten sind (Saarbrücker Zeitung, 29.08.2015)

Von Berufs wegen befasst sich Peter Waldbauer mit Ökonomie, doch jetzt hat er dem „Homo saarlandicus“ ein Denkmal gesetzt. Um es auf den Punkt zu bringen: Kein Deutscher ist sympathischer als der Saarländer.
Spricht man Peter Waldbauer auf seine Herkunft an, wird der sonst nicht wortkarge Dozent für Betriebswirtschaft und Rechnungswesen, fast ein bisschen verlegen. Ja, gibt er zu, er sei gebürtiger Pfälzer, aus Zweibrücken. „Mit zehn Jahren bin ich aber ins Saarland gezogen.“ Nach Homburg-Einöd. Nicht direkt eine Weltreise. Für ihn aber ein Riesenschritt. Weil er dann wesentliche Zeit seines Lebens, rund 30 Jahre nämlich, im schönsten aller Bundesländer lebte. So sieht Waldbauer das jedenfalls. Und sein Buch, das Anfang September erscheint und am 10. September in Saarbrücken vorgestellt wird, liest sich quasi als eine einzige große Liebeserklärung an unsere Region im Südwesten der Republik und namentlich ihre Bewohner. „Homo saarlandicus – Was es heißt, ein Saarländer zu sein “ hat der Autor es überschrieben. Und in der Tat ist es eine höchst schmeichelhafte, augenzwinkernde, bisweilen aber auch klischeetrunkene Charakterisierung des Landes und seiner Eingeborenen geworden. Die seien quasi Cousins der Franzosen, sogar im Äußeren. Selbst die notorisch hochnäsigen Pariser würden die Saarländer irgendwie als fernen Verwandten anerkennen. Seine Lebensart – „der Saarländer arbeitet, um zu leben, nicht umgekehrt“ – hebe ihn positiv von den ständig sich abrackernden Rest-Deutschen ab. Und er sei der Genießer par excellence: lieber ein kleines Auto fahren und bloß ans Elternhaus anbauen, statt beim guten Essen Abstriche zu machen. Zudem, konstatiert Waldbauer, sei der Saarländer auch angenehm bodenständig und pragmatisch. Der Homo saarlandicus löse Probleme stets mit eenem, denne er kennt, der enner kennt… „Dem offiziellen Weg“ dagegen, so Waldbauer, „misstraut er.“

Fügt man all das zusammen, erscheint der Saarländer wohl wie eine abenteuerliche Mixtur aus dem mittlerweile verrenteten frankophilen „Tatort“-Kommissar Palu, der erst mal dem Rouge zusprach, bevor er ermittelte, und dem Batschkappschwadronierer Heinz Becker. Rein äußerlich also schwerlich die attraktivste Mischung, auf jeden Fall aber sehr reizvoll.

Liest man in Waldbauers Buch freilich Sätze wie diesen, „Die Saarbrücker Bahnhofstraße ist lang, breit und mondän“, und, die Saarlouiser Altstadt erinnere an das „French Quarter in New Orleans“, beschleicht einen doch das leise Gefühl: Dieser Pfälzer macht sich einen Jux mit den Saarländern. „Nein, nein“, entgegnet Waldbauer beinahe schon empört. Man müsse das relativ zur Umgebung sehen. „Man muss schon weit fahren, um eine vergleichbare Großstadtatmosphäre wie in Saarbrücken zu finden. Saarbrücken hat richtigte Glitzerpaläste“, sagt er.

Was man dem Saarland-Freund Waldbauer sicher nicht vorhalten kann, ist, dass er keine Vergleichsmöglichkeiten hätte. Einige Jahre war er mit dem 1999 verstorbenen Börsenguru André Kostalny auf dessen weiten Vortragsreisen unterwegs, hat sich von ihm wohl auch einige Finanztricks abgeguckt. Und heute lebt Waldbauer des Berufs wegen in Schwetzingen, der Spargel-Metropole mit einem der schönsten Schlösser und Barockgärten weit und breit. Doch gerade seine arbeitsamen Mitbürger im Rhein-Neckar-Raum, so Waldbauer, hätten ihn zu seiner Liebeserklärung gereizt: „Im Vergleich zu denen ist der Saarländer zugleich weltoffener und entspannter.“ Das liest man hier natürlich gern. Lateinlehrer allerdings dürften zumindest an Waldbauers Buchtitel wenig Freude haben. „Homo saravianus“ müsste es wohl korrekterweise heißen. „Saarlandicus“ klingt aber besser. Fast wie im „Asterix“-Heft – und wie die sympathischen Ur-Franzosen, meint Waldbauer, lieben die Saarländer „ihren Status als kleines gallisches Dorf“.

Bewertung vom 27.08.2017
Der Bestattungsratgeber
Waldbauer, Peter

Der Bestattungsratgeber


ausgezeichnet

Vorsorgevertrag hilft Angehörigen

von Freya Rickert, EKZ Bibliotheksservice

Der Betriebswirt, der während seines Studiums als Gehilfe in der Bestattungsbranche
gearbeitet hat, will hier vor dubiosen Geschäftemachern warnen. Er wendet sich an
Hinterbliebene und Vorsorgewillige. An den Anfang stellt er die Kosten einer Bestattung und den durchschnittlichen Verdienst des Bestatters, der ins Auge sticht. Es folgt ein Überblick über den Sterbefall, Bestattungsarten (auch Natur- und Sonderbestattungen) sowie Graborte und -arten. Dann werden Ratschläge gegeben, wie man Bestatter auswählt und wie man sanft oder hart mit ihnen verhandelt. Es folgen wirtschaftliche Angaben zu Überführung,
Feuerbestattung, Fremdleistungen, die Rechnung und ihre Fallen, Sterbegeld-
Versicherungen, Vorsorgeverträge, die Gebührenordnung und ihre Tücken sowie wichtige Adressen und Webseiten. Im Schlusswort rät er, man solle sein Geld besser für die Lebenden ausgeben.

Bewertung vom 27.08.2017
The Big Eden

The Big Eden


gut

Gefangener seines Playboy-Images (gekürzte Version)

Rolf Eden, der sieben Kinder von sieben Frauen hat, folgt dem Playboy-Image solange er denken kann. Immer gebräunt, immer Anzug mit Einstecktuch und Seidenhemd, immer mit Rolls Royce und immer schon reich.

Der gebürtige Berliner kehrt nach dem Zweiten Weltkrieg aus Israel zurück, jobbte ohne Schulabschluss in Paris und Berlin als Kellner, Sänger und Jazz-Pianist. 1957 eröffnete er in der Nähe des Berliner Kurfürstendamm sein erstes Lokal, den "Eden-Saloon" (später "Old Eden" genannt), der zur Nightlife-Attraktion wurde in West-Berlin. Die Idee des Striptease brachte Eden aus Paris mit. Neu kam hinzu, dass er in seinen Bars Filme zeigte. Im sperrstundenfreien Berlin folgten das "New-Eden" (1961), der "Eden-Playboy-Club" (1966), das "Kabarett Schlüsselloch" (später "Blue Tattoo") und 1967 das "Big Eden".
Für kurze Zeit auch noch das "Eden Theater". 1978, auf dem Höhepunkt des Discofiebers kopierte Eden das New Yorker "Studio 54" und eröffnete die Megadisco "Discomania", welche zwei Jahre später wieder geschlossen wurde.

Die meisten seiner Nachtlokale benannte Eden nach sich. Schon damals sah er sich als Werbeträger von Etablishements, deren Betriebsart nicht immer eindeutig zu bestimmen war. Der Begriff „Tanzbar“ mag für vieles stehen: für klassische Discotheken, in denen getanzt wird (Big Eden), genauso wie für Striplokale (New Eden), wo Eden manchmal im Überschwang der Gefühle zu seinen Tanz-Girls auf die Bühne stürzte.
Nachtlokal, Discothek, Tanzbar, Bar, Cabaret. Die Grenzen waren fließend und in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts galt Eden als Nachtclub-König von Berlin. Zu den Gästen seiner Clubs zählten internationale Stars wie die Rolling Stones, Paul McCartney, Shirley MacLaine, Telly Savalas („Kojak“) oder Leonard Bernstein. Später Arnold Schwarzenegger und Brigitte Nielsen.

Dabei scheint Eden seine Nachtclubs mehr für sich privat gebraucht zu haben, denn zum Geldverdienen. Sie schienen ihm die leichteste Art, Frauen kennenzulernen, zumindest jene Sorte Frau, die Eden bevorzugt. Oft landete die Gewinnerin seiner Mißwahlen (Miss Berlin, Miss Germany, Miss Filmfestspiele, Miss Busen) erst in seinem Bett und dann in seinem Harem.

Zwei Jahre nachdem Eden seine erste Bar eröffnet hatte, begann er eine Karriere als Schauspieler. Er wirkte in etwa dreißig Filmen mit, darunter so künstlerisch-wertvolle wie "Schamlos", "Drei Lederhosen in St. Tropez".
Den Oscar gewann Eden nicht, doch dafür galt er bald als Spezialist fürs „Abschleppen“. Gerne gibt er zum Besten, dass er jenen Begriff überhaupt erst erfunden habe.

Irgendwann in den siebziger Jahren erwarb Eden seine Junggesellenbude in Berlin-Grunewald, einen 280 Quadratmeter großen Bungalow, dessen Schlaf- (oder sollen wir besser sagen „Arbeitszimmer“?) ganz im Zeichen von Edens Hobby und Beruf steht. Dort will Eden viele seiner dreitausend Frauen verführt haben. Wieviele genau kann wohl nur Eden sagen, denn der führt über seine Affären Buch.

2007 wurde Rolf Eden noch einmal rückfällig als Schauspieler und übernahm in der US-Fernsehproduktion des Women Channels eine Rolle als Frauenarzt. Praktischerweise stellte er für die Produktion sein Privathaus zur Verfügung inklusive Schlafzimmer und dem geschichtsträchtigen Bett.

Wie lässt sich das Image von Rolf Eden, dem „Sexprotz“ (Die Süddeutsche) auf den Punkt bringen? Vielleicht mit einem jüdischen Witz, der, leicht abgewandelt, auf Eden zutreffen mag:
Ein 80-jähriger Berliner sucht die Praxis eines Urologen auf und klagt über Potenzprobleme. „Aber in ihrem Alter ist das doch völlig normal.“, beruhigt ihn der Arzt. „Ja schon“, antwortet der 80-jährige, „aber mein Freund, Rolf Eden, ist genauso alt als ich und sagt, er habe noch drei Mal Sex pro Woche“. „Nun“, meint der Arzt lakonisch, „dann sagen Sie es doch auch!“

Bewertung vom 27.08.2017
Immer nur Glück gehabt
Eden, Rolf; Dörfler, Peter

Immer nur Glück gehabt


gut

Gefangener seines Playboy-Images (gekürzte Version)

Rolf Eden, der sieben Kinder von sieben Frauen hat, folgt dem Playboy-Image solange er denken kann. Immer gebräunt, immer Anzug mit Einstecktuch und Seidenhemd, immer mit Rolls Royce und immer schon reich.

Der gebürtige Berliner kehrt nach dem Zweiten Weltkrieg aus Israel zurück, jobbte ohne Schulabschluss in Paris und Berlin als Kellner, Sänger und Jazz-Pianist. 1957 eröffnete er in der Nähe des Berliner Kurfürstendamm sein erstes Lokal, den "Eden-Saloon" (später "Old Eden" genannt), der zur Nightlife-Attraktion wurde in West-Berlin. Die Idee des Striptease brachte Eden aus Paris mit. Neu kam hinzu, dass er in seinen Bars Filme zeigte. Im sperrstundenfreien Berlin folgten das "New-Eden" (1961), der "Eden-Playboy-Club" (1966), das "Kabarett Schlüsselloch" (später "Blue Tattoo") und 1967 das "Big Eden".
Für kurze Zeit auch noch das "Eden Theater". 1978, auf dem Höhepunkt des Discofiebers kopierte Eden das New Yorker "Studio 54" und eröffnete die Megadisco "Discomania", welche zwei Jahre später wieder geschlossen wurde.

Die meisten seiner Nachtlokale benannte Eden nach sich. Schon damals sah er sich als Werbeträger von Etablishements, deren Betriebsart nicht immer eindeutig zu bestimmen war. Der Begriff „Tanzbar“ mag für vieles stehen: für klassische Discotheken, in denen getanzt wird (Big Eden), genauso wie für Striplokale (New Eden), wo Eden manchmal im Überschwang der Gefühle zu seinen Tanz-Girls auf die Bühne stürzte.
Nachtlokal, Discothek, Tanzbar, Bar, Cabaret. Die Grenzen waren fließend und in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts galt Eden als Nachtclub-König von Berlin. Zu den Gästen seiner Clubs zählten internationale Stars wie die Rolling Stones, Paul McCartney, Shirley MacLaine, Telly Savalas („Kojak“) oder Leonard Bernstein. Später Arnold Schwarzenegger und Brigitte Nielsen.

Dabei scheint Eden seine Nachtclubs mehr für sich privat gebraucht zu haben, denn zum Geldverdienen. Sie schienen ihm die leichteste Art, Frauen kennenzulernen, zumindest jene Sorte Frau, die Eden bevorzugt. Oft landete die Gewinnerin seiner Mißwahlen (Miss Berlin, Miss Germany, Miss Filmfestspiele, Miss Busen) erst in seinem Bett und dann in seinem Harem.

Zwei Jahre nachdem Eden seine erste Bar eröffnet hatte, begann er eine Karriere als Schauspieler. Er wirkte in etwa dreißig Filmen mit, darunter so künstlerisch-wertvolle wie "Schamlos", "Drei Lederhosen in St. Tropez".
Den Oscar gewann Eden nicht, doch dafür galt er bald als Spezialist fürs „Abschleppen“. Gerne gibt er zum Besten, dass er jenen Begriff überhaupt erst erfunden habe.

Irgendwann in den siebziger Jahren erwarb Eden seine Junggesellenbude in Berlin-Grunewald, einen 280 Quadratmeter großen Bungalow, dessen Schlaf- (oder sollen wir besser sagen „Arbeitszimmer“?) ganz im Zeichen von Edens Hobby und Beruf steht. Dort will Eden viele seiner dreitausend Frauen verführt haben. Wieviele genau kann wohl nur Eden sagen, denn der führt über seine Affären Buch.

2007 wurde Rolf Eden noch einmal rückfällig als Schauspieler und übernahm in der US-Fernsehproduktion des Women Channels eine Rolle als Frauenarzt. Praktischerweise stellte er für die Produktion sein Privathaus zur Verfügung inklusive Schlafzimmer und dem geschichtsträchtigen Bett.

Wie lässt sich das Image von Rolf Eden, dem „Sexprotz“ (Die Süddeutsche) auf den Punkt bringen? Vielleicht mit einem jüdischen Witz, der, leicht abgewandelt, auf Eden zutreffen mag:
Ein 80-jähriger Berliner sucht die Praxis eines Urologen auf und klagt über Potenzprobleme. „Aber in ihrem Alter ist das doch völlig normal.“, beruhigt ihn der Arzt. „Ja schon“, antwortet der 80-jährige, „aber mein Freund, Rolf Eden, ist genauso alt als ich und sagt, er habe noch drei Mal Sex pro Woche“. „Nun“, meint der Arzt lakonisch, „dann sagen Sie es doch auch!“

Bewertung vom 27.08.2017
Der nackte Berg
Messner, Reinhold

Der nackte Berg


weniger gut

Fragwürdig (gekürzte Version)

In der Talkshow "Nachtcafe" stellte Moderator Wieland Backes die Frage, ob Messner nicht auch eine Mitschuld trage am Tod seines abgestürzten Bruders Günther, weil dieser sich beim gemeinsamen Aufstieg zum 8.125 Meter hohen Nanga Parbat auf seinen älteren Bruder Reinhold verlassen habe. Eine Verantwortung also, der Messner entweder nicht nachkommen wollte oder gar nicht konnte.

Jene Frage also, die Wieland Backes an Reinhold Messner stellte, ob denn bei Messner nicht auch eine gehörige Portion Selbstsucht und Eitelkeit mit im Spiel sei, die ihn zwar zu Höchstleistungen antreibe, die aber auch, wie im Falle seines Bruders, sehr gefährlich und bedenklich sei, geruhte der „Star der Berge“ in keiner Weise zu beantworten. Statt dessen nahm er einfach das gefallene Stichwort „Tod“ auf und philosophierte munter drauf los: Ja, der Tod sei ein Phänomen, das ihn ungeheuer fasziniere und vor dem er auch überhaupt keine Angst habe. Messner, der Philosoph. Frage nicht beantwortet.

Die genauen Umstände des Todes von Günter Messner, Reinholds jüngerem Bruder, sind nach wie vor ungeklärt. Er kam 1970 in Pakistan um und wurde erst Mitte Juli 2005 geborgen, als Gletcherleiche auf rund 4.600 Meter Höhe. Der offene Streit wegen Günthers Tod wird zwischen Messner und seinen Ex-Kameraden seit vielen Jahren erbittert geführt. Messner wirft seinen ehemaligen Kollegen Rufmord vor, weil sie seine Version des Bergunfalls anzweifeln.

Was wirklich geschah am Nanga Parbat, zwischen Messner und einem damals 24-jährigen Bruder, lässt sich von keiner Seite beweisen. Sicher ist nur, dass Günther Messner am 27. Juni 1970 dem allein zum Gipfel aufgebrochenen Reinhold spontan nachstieg. Er holte ihn ein und beide erreichten den Gipfel. Was dann passierte, bleibt Spekulation. Nach Messners Schilderung stiegen die Brüder, wegen des schlechten Gesundheitszustandes von Günther, über eine weniger steile, jedoch unerforschte Seite des Berges hinab. Irgendwo auf dem Weg nach unten wurde der hinter ihm gehende Günther, laut Bruder Reinhold, von einer Eislawine erfasst und stürzte in den Tod. Sechs Tage nach Beginn des Aufstiegs traf Messner wieder bei der Expedition ein. Seine Kameraden beschuldigten ihn, seinen Bruder allein im Berg zurück gelassen zu haben. Nach dem Unfall kam es zu schweren Auseinandersetzungen. Messner warf den Kameraden vor, ihm nicht zu Hilfe gekommen zu sein. Es kam zu vierzehn Prozessen, die Messner verlor.

Für Messner begann mit der Überschreitung des Nanga Parbat seine Weltkarriere als Bergsteiger. Seitdem hat Messner die Leiche seines Bruders drei Mal öffentlich präsentiert. Das erste Mal Ende Januar 2004, vor acht Mikrofonen. Es ging um Günthers Wadenbein und Messner sagte: „Ich will endlich meine Ruhe haben.“
Im August 2005 barg Messner in Pakistan dann den Bergstiefel seines Bruders. Messner entnahm DNA-Proben, schmuggelte sie nach Europa und verbrannte die Knochenreste am Fuße des Nanga Parbat. Ein Fotograph dokumentierte die „Feuerbestattung“ und fünfzehn Leser der Wochenzeitung Die Zeit durften als Zeugen die Trauerfeier begleiten. Als die Gerichtsmedizin Innsbruck bestätigte, dass die Gewebeproben von seinem Bruder stammten, sagte Messner: „Günther soll seine Ruhe behalten.“

Die Ruhe hielt genau ein Jahr. Im August 2006 reiste Messner mit fünfundzwanzig Angehörigen nach Pakistan und wohnte einer erneuten Feuerbestattung seines Bruders bei. Der Gletscher hatte mittlerweile den Kopf von Günther Messner freigegeben. Aber Messner ging es nicht nur um Trauerarbeit. Außer seiner Großfamilie begleitete ihn ein Dokumentarfilmer des Bayerischen Fernsehens und das Team des Filmemachers Joseph Vilsmaier (Herbstmilch, Schlafes Bruder). Messner hatte Vilsmaier dazu eingeladen, aus der Tragödie seines Bruders einen Film zu machen. Sogar die Schlusseinstellung stand schon fest: die trauernde Familie versammelt sich um den Kopf von Günther Messner, der in Flammen aufgeht.

Bewertung vom 27.08.2017
Der Rubel muss rollen
Anders, Christian

Der Rubel muss rollen


schlecht

Widersprüche pur

Anders plädiert in seinem "Wirtschaftsbuch" für eine „Grund- und Bodenreform“: „Grund und Boden sollten jedem gehören“. Plädiert Anders für den Kommunismus? Ein paar Zeilen weiter die Bestätigung: „Grund und Boden muss der Gemeinde gehören.“ Doch Anders räumt überraschend ein: der Kommunismus habe uns ja bewiesen, dass „gemeinsamer Besitz von Grund und Boden nichts bewirkt“. Deshalb brauchen wir eine „Kombination aus privater Nutzung und gemeinschaftlichem Besitz“. Klingt wie „ein bißchen schwanger“.

Irgendwie will Anders die „Ineffektivität der Planwirtschaft“ durch Erbpachtrecht vermeiden. Vehement fordert er: „Die Spekulation mit Boden und Geld muss aufhören!“ Weiß Anders denn nicht, dass bereits jeder spekuliert, der sich Gedanken über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung macht? Und sei es nur, dass er den Kauf eines Kleidungsstücks verschiebt bis zum Sommerschlussverkauf.

Anders prangert „Wachstum“ als Unwort des Jahres an und verweist auf die „Humanwirtschaftspartei“, deren Mitglied er ist. Diese Kleinpartei sympathisiert mit der „Freiwirtschaftslehre“ von Sivio Gesell und plädiert, kurz gesagt, für einen dritten, schon oft gesuchten Weg, zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Stolz berichtete Anders vom „sensationellen Wahlerfolg“ dieser Partei in einem kleinen Städtchen in Sachsen: 638 Stimmen oder 3,4 Prozent in der Heimatgemeinde des Kandidaten.

Vehement jammert Anders über die Schulden der Dritten Welt, über die Pro-Kopf-Verschuldung der deutschen Bevölkerung genauso wie über die Gesamtverschuldung der Bundesrepublik Deutschland, um dann Sätzen zu schreiben wie: „Die Dritte Welt finanziert die erste Welt.“ oder „Man geht daran, die Armen abzuzocken.“ Auch den Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus, ein Bankier in Bangladesh, der Mikrokredite an die Armen vergibt, nennt er einen „alten Abzocker“. Wie soll das gehen? Die Armen abzocken? Wer das kann, muss ein Zauberer sein.

Anders „entlarvt die Urlüge des Kapitalismus“, nämlich dass jeder „vom Tellerwäscher zum Millionär“ aufsteigen könne, obwohl er doch genau dies nachweislich geschafft hat. Anders war zwar kein Tellerwäscher, sondern Elektroinstallateur, doch dafür schaffte er es zum Multimillionär.
Anders schaffte sogar noch mehr: er schaffte es wieder zurück und hinein in eine hoffnungslose Verschuldung. Auch dies ist eine Leistung, denn große Vermögen vermehren sich ja fast von allein. Nach eigenem Bekunden will Anders umgerechnet 20 Millionen Euro besessen haben. Das wären damalige 40 Millionen Mark gewesen (die Inflationsrate seit den 1970er Jahren nicht mitgerechnet).
Dann wäre Anders` Leistung, sein Vermögen verprasst zu haben, wirklich enorm, denn der Abstieg von 40 Millionen Mark in die Schuldenfalle ist alles andere als leicht.

Nach Anders „braucht“ der Kapitalismus „Arbeitslosigkeit und Armut“, um Profite machen zu können. Das ist ja mal eine ganz neue These. Also, je weniger Geld die Menschen im Kapitalismus haben, desto höher sind die Gewinne derjenigen, die ihnen etwas verkaufen? Interessant. Weil Anders das marktwirtschaftliche System offenbar nicht verstanden hat, fordert er zum Schluss die „Beseitigung des Kapitalismus.“

Bewertung vom 27.08.2017
Ich mache Sie reich
Frick, Markus

Ich mache Sie reich


schlecht

Lachhaft (gekürzte Version)

Auf dem Höhepunkt des neuen Marktes saß „Börsenguru“ Markus Frick bei Wieland Backes in der Talkshow "Nachtcafé" und verkündete: „Ich kann das Geld, das ich an der Börse gemacht habe, jederzeit wieder machen, weil - ich das Wissen habe.“ Niemand widersprach ihm.
Wahnsinn! Woher hatte Frick denn das Wissen? Er war gerade Mitte zwanzig und operierte seit zwei, drei Jahren hauptberuflich an der Börse. Noch bis vor ein paar Jahren hatte Frick die sprichwörtlichen kleinen Brötchen gebacken in der Bäckerei seiner Eltern im badischen Sinsheim, wenn auch als Produktionsleiter.

Worin besteht dieses geheimnisvolle Wissen? In einem Buch mit dem „seriösen“ Titel „Ich mache Sie reich - Der Mann, der Millionäre macht“ verrät uns der Börsenmotivator wie es geht:
1. Streuen Sie Ihr Depot nicht, kaufen Sie nur zwei bis drei Aktien.
2. Setzen Sie auf Kursraketen, also „heiße“ Technologieaktien des Neuen Marktes.
3. Begrenzen Sie Ihre Verluste mit Stop-Loss-Order. Und
4. Suchen Sie sich einen spesengünstigen Online-Broker für die Abwicklung ihrer Börsengeschäfte.
Das ist alles.

Also, fassen wir noch einmal zusammen: Wie wird man laut Frick Millionär? Indem man alles auf eine Karte setzt und noch dazu auf Zockerpapiere! Der Mann hat Recht, so wird man tatsächlich Millionär; aber nur, wenn man als Milliardär anfängt.

Vermutlich hatte diese ominöse Methode bei Frick sogar geklappt. Wahrscheinlich ist er selbst genau so Millionär geworden. Am Neuen Markt waren viele Teilnehmer (Anleger kann man nicht sagen) für eine gewisse Zeit Millionär gewesen, zumindest auf dem Papier. In Phasen, wie sie die deutsche Finanzwelt seit der Gründerzeit vor über hundert Jahren nicht mehr erlebt hatte, vervielfachten sich die Aktien dieses Marktsegments innerhalb weniger Monate.
Nur, mit Können oder Wissen hatte dies nichts zu tun. Es war die Phase des „heißen Geldes“, in der jeder gewann, ob blutiger Anfänger oder erfahrener Profi, ob Küchenhilfe oder diplomierter Ingenieur, sofern er nur dabei war. Die Leistung entsprach der eines Schützen, der in ein Fass voller Heringe schießt und sich danach rühmt, getroffen zu haben; sich auf seine Schießkünste gar noch etwas einbildet.

Genau dieser Einbildung erlag auch Markus Frick. Zu einer grandiosen Selbstüberschätzung kommt bei ihm allerdings hinzu, dass er ein Sendungsbewusstsein spürt, andere zum Reichtum „bekehren“ zu wollen. Oder hatte er nur erkannt,wie leicht man die Masse der Kleinanleger abzocken kann?

Im Sommer 2007 wurde Frick vorgeworfen, seinen „Investoren“ einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe verursacht zu haben. Er habe „im Rahmen seiner E-Mail-Hotline“ Anleger getäuscht. Frick empfahl einzelne, marktenge Papiere, die nach kurzem Höhenflug wieder einbrachen. Seine Hotline-Abonnenten hatten gekauft, auch viele Fernsehzuschauer von N24, wo „Deutschlands Stimme des Geldes“ sogar eine eigene Fernsehshow hatte: „Make Money – Die Markus Frick Show“.

Unter der Überschrift „Luftige Tipps vom Bäckermeister“ schilderte Die Süddeutsche, was „fast immer passiert, wenn Frick eine Aktie empfahl.“ Der Kurs steigt kurzeitig an und bricht dann ein. Zum Schluss notiert er unter dem Ausgangsniveau.

Viele „Börsengurus“ des Neuen Marktes und Börsen-Hotline-Betreiber manipulierten Aktien auf diese Art. Natürlich funktionierte dies nicht bei marktschweren Papieren wie Siemens oder Deutsche Bank. Wohl aber bei marktengen Werten oder Aktien mit extrem niedriger Notierung (Pennystocks) und geringem Handelsvolumen oder hochspekulativen Auslandsaktien (Hotstocks). Viele dieser Aktien trugen einen klangvollen Namen, um ihren schäbigen Inhalt zu übertünschen (Stargold Mines, Star Energy).
Die Methode war nicht neu und wurde schon vor hundert Jahren praktiziert.
Seine Aktienkurse und damit seine Erfolge hatte sich der badische Bäckermeister also zum größten Teil selbst gebacken.

Bewertung vom 27.08.2017
Das Geld liegt auf der Straße
Frick, Markus

Das Geld liegt auf der Straße


schlecht

geläutert (gekürzte Version)

Auf dem Höhepunkt des neuen Marktes saß „Börsenguru“ Markus Frick bei Wieland Backes in der Talkshow "Nachtcafé" und verkündete: „Ich kann das Geld, das ich an der Börse gemacht habe, jederzeit wieder machen, weil - ich das Wissen habe.“ Niemand widersprach ihm.
Wahnsinn! Woher hatte Frick denn das Wissen? Er war gerade Mitte zwanzig und operierte seit zwei, drei Jahren hauptberuflich an der Börse. Noch bis vor ein paar Jahren hatte Frick die sprichwörtlichen kleinen Brötchen gebacken in der Bäckerei seiner Eltern im badischen Sinsheim, wenn auch als Produktionsleiter.

Worin besteht dieses geheimnisvolle Wissen? In einem Buch mit dem „seriösen“ Titel „Ich mache Sie reich - Der Mann, der Millionäre macht“ verrät uns der Börsenmotivator wie es geht:
1. Streuen Sie Ihr Depot nicht, kaufen Sie nur zwei bis drei Aktien.
2. Setzen Sie auf Kursraketen, also „heiße“ Technologieaktien des Neuen Marktes.
3. Begrenzen Sie Ihre Verluste mit Stop-Loss-Order. Und
4. Suchen Sie sich einen spesengünstigen Online-Broker für die Abwicklung ihrer Börsengeschäfte.
Das ist alles.

Also, fassen wir noch einmal zusammen: Wie wird man laut Frick Millionär? Indem man alles auf eine Karte setzt und noch dazu auf Zockerpapiere! Der Mann hat Recht, so wird man tatsächlich Millionär; aber nur, wenn man als Milliardär anfängt.

Vermutlich hatte diese ominöse Methode bei Frick sogar geklappt. Wahrscheinlich ist er selbst genau so Millionär geworden. Am Neuen Markt waren viele Teilnehmer (Anleger kann man nicht sagen) für eine gewisse Zeit Millionär gewesen, zumindest auf dem Papier. In Phasen, wie sie die deutsche Finanzwelt seit der Gründerzeit vor über hundert Jahren nicht mehr erlebt hatte, vervielfachten sich die Aktien dieses Marktsegments innerhalb weniger Monate.
Nur, mit Können oder Wissen hatte dies nichts zu tun. Es war die Phase des „heißen Geldes“, in der jeder gewann, ob blutiger Anfänger oder erfahrener Profi, ob Küchenhilfe oder diplomierter Ingenieur, sofern er nur dabei war. Die Leistung entsprach der eines Schützen, der in ein Fass voller Heringe schießt und sich danach rühmt, getroffen zu haben; sich auf seine Schießkünste gar noch etwas einbildet.

Genau dieser Einbildung erlag auch Markus Frick. Zu einer grandiosen Selbstüberschätzung kommt bei ihm allerdings hinzu, dass er ein Sendungsbewusstsein spürt, andere zum Reichtum „bekehren“ zu wollen. Oder hatte er nur erkannt,wie leicht man die Masse der Kleinanleger abzocken kann?

Im Sommer 2007 wurde Frick vorgeworfen, seinen „Investoren“ einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe verursacht zu haben. Er habe „im Rahmen seiner E-Mail-Hotline“ Anleger getäuscht. Frick empfahl einzelne, marktenge Papiere, die nach kurzem Höhenflug wieder einbrachen. Seine Hotline-Abonnenten hatten gekauft, auch viele Fernsehzuschauer von N24, wo „Deutschlands Stimme des Geldes“ sogar eine eigene Fernsehshow hatte: „Make Money – Die Markus Frick Show“.

Unter der Überschrift „Luftige Tipps vom Bäckermeister“ schilderte Die Süddeutsche, was „fast immer passiert, wenn Frick eine Aktie empfahl.“ Der Kurs steigt kurzeitig an und bricht dann ein. Zum Schluss notiert er unter dem Ausgangsniveau.

Viele „Börsengurus“ des Neuen Marktes und Börsen-Hotline-Betreiber manipulierten Aktien auf diese Art. Natürlich funktionierte dies nicht bei marktschweren Papieren wie Siemens oder Deutsche Bank. Wohl aber bei marktengen Werten oder Aktien mit extrem niedriger Notierung (Pennystocks) und geringem Handelsvolumen oder hochspekulativen Auslandsaktien (Hotstocks). Viele dieser Aktien trugen einen klangvollen Namen, um ihren schäbigen Inhalt zu übertünschen (Stargold Mines, Star Energy).
Die Methode war nicht neu und wurde schon vor hundert Jahren praktiziert.
Seine Aktienkurse und damit seine Erfolge hatte sich der badische Bäckermeister also zum größten Teil selbst gebacken.