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Benutzername: Rosenfreund
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Bewertungen

Insgesamt 19 Bewertungen
12
Bewertung vom 17.03.2019
Vaticanum
Dos Santos, José R.

Vaticanum


ausgezeichnet

Papst Franziskus in Gefahr.
Dieser Thriller von Dos Santos ist spannend geschrieben. Der Schreibstil ist informativ und packend, obwohl stellenweise etwas zu viele Informationen über die finanziellen Verstrickungen des Vatikans dargelegt werden. Leider wirken einige Zusammenhänge recht konstruiert. Dos Santos schreibt in diesem neuen Werk über den Papst Franziskus, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Es handelt sich um den dritten Fall für den Geschichtsprofessor Tomás Noronha nach „Der Schlüssel des Salomon“ und „Das Einstein Enigma“. Noronha soll im Auftrag des Vatikans das Grab des Apostels Petrus erkunden. Leider muss er auch erfahren, dass es jahrhundertealte Prophezeiungen geben soll, die den Tod des Papstes voraussagen. Das scheint sich zu bewahrheiten, als Papst Franziskus von einem Kommando der Terrororganisation „Islamischer Staat“ entführt wird. Seine Hinrichtung soll im Internet live um Mitternacht übertragen werden.
Erschreckend für mich war, dass tatsächliche Verstöße des Vatikans aufgedeckt werden, jedoch erläutert der Autor am Ende des Romans, was nur reine Fiktion ist.
Der Historiker Tomás Noronha steht im Zentrum, dadurch geraten die anderen Figuren etwas ins Abseits. Auch ist die Erzählperspektive ausschließlich die von Noronha. Er knackt Codes und geht sehr logisch vor, mit wissenschaftlicher Genauigkeit, um zur richtigen Lösung zu gelangen. Der Leser muss sich also mit ihm identifizieren und mitfiebern. Die Handlung ist in 101 Kapiteln chronologisch erzählt, plus einer Vor-und Nachgeschichte. Dieses Vorgehen macht es dem Leser leicht, diverse Fakten nachzuvollziehen.
Alles in allem habe ich auch dieses Werk des Autors J. R. Dos Santos sehr gerne gelesen und warte nun darauf, dass auch noch seine andern Werke auf Deutsch erscheinen.

Bewertung vom 03.03.2019
Die Mauer
Lanchester, John

Die Mauer


ausgezeichnet

Leben oder Meer
Wie befinden uns in einer zukünftigen Zeit in einem isolierten Großbritannien nach dem Brexit und nach einer schwerwiegenden Klimakatastrophe. Es wurde eine fünf Meter hohe Mauer rings um das Land gebaut, um das Land gegen die Anderen abzuschotten. Dabei wird nicht explizit dargelegt, wer diese Anderen sind. Es handelt sich um Menschen, die aus ihren eigenen Ländern fliehen müssen, da diese nach dem Klimawandel unbewohnbar sind. Nun muss jeder Inselbewohner einen zweijährigen Dienst auf der Mauer absolvieren.
Joseph Kavanagh, der Protagonist, führt ein eintöniges Leben voller Unausweichlichkeit, Gefahr und Düsterkeit, denn wenn er die Mauer nicht richtig verteidigt, wird er selbst ausgestoßen. Dieses Schicksal hat jeder „Wachmann“ vor Augen. Plötzlich passiert etwas, die Spannung steigt und der Ton des Buches wird rasant. Der Perspektivwechsel verstärkt das Ganze, denn an die Stelle der Routine treten Überlebenskampf und Verrat sowie die Erfahrung, was es heißt, Anders zu sein, denn die Anderen kommen und attackieren.
„ Die Mauer“ wird aus Kavanaghs Sicht erzählt und macht deutlich, wie stark die Bewohner zu Gefangenen ihres Regierungssystems werden. Hifa jedoch ist ein Lichtblick in Josephs Leben, denn sie mag ihn sehr
Generell sind die Charaktere sympathisch. Die Jungen werfen der Elterngeneration aber den Wandel vor, denn sie haben nichts gegen die Vorboten unternommen. Auch wollen die Jungen ungern Kinder in diese Welt setzen. Individualität und Lebensfreunde verschwinden nach und nach, denn nur noch Funktionalität ist gefragt.
Viele Herausforderungen unserer Zeit werden in diesem Werk weitergesponnen, machen einem Angst, aber regen zum Nachdenken an. Wir haben hier eine Anti-Utopie, die partiell doch Wahrheit werden könnte. Dabei führt der Autor in sehr flüssigem Schreibstil zu einem Ende mit ein wenig Hoffnung. Ein sehr lesenswertes Werk, besonders auf den Hintergrund der Schülerproteste gegen den Klmawandel.

Bewertung vom 17.02.2019
Zukunft - Eine Biografie
Ogiermann, Jan M.

Zukunft - Eine Biografie


gut

Ein interessantes Thema

Die Beispiele beziehen sich größtenteils auf die alte Welt und sind beeinflusst von Jan Martin Ogiermanns Studienfächern: Holocaust Studies, Jüdische Studien und Geschichte.
In seinem Vorwort bezieht der Autor sich auf aktuelle politische Entwicklungen. Dieser brisante Ansatz wird jedoch langatmig und stark verwissenschaftlicht im Gesamtwerk angegangen. Gut gefallen mir die Grafiken , die zur Veranschaulichung und Auflockerung dienen. Leider schreibt der Autor hauptsächlich über Vergangenes und liefert kaum Zwischenfazite. Ich hätte einen komplett anderen Ansatz erwartet.
Dazu kommt, dass der Schreibstil recht hochgestochen und geschraubt ist, so das man das Werk nur konzentriert am Schreibtisch lesen kann. Zeitweise war mir auch die intendierte Aussage des Autors nicht ganz klar. Aber es ist halt ein Fachbuch und kein Roman. Wir erfahren viel über die geltende Weltanschauung, Kultur und Religion der jeweiligen Epoche. Es geht also darum, die Vergangenheit zu analysieren, um daraus Rückschlüsse über die Zukunft abzuleiten. Insgesamt ein Leseabenteuer, bei dem man viel lernen kann.

Bewertung vom 27.01.2019
Ich bringe dir die Nacht
Howard, Catherine Ryan

Ich bringe dir die Nacht


ausgezeichnet

Schwarz oder weiß ?
Das Cover reißt den Durchschnittsbürger in seiner Einfachheit, zwar mit Anspielung auf „Nacht“, bedingt durch das vorherrschende schwarz, aber wohl nicht vom Hocker.
Psychische Zusammenhänge spielen in diesem Werk eine große Rolle. Die Thematik, ein möglicherweise unschuldig einsitzender Häftling, eine diverse Male in TV und Literatur angegangene Problematik, wurde gut und spannend umgesetzt mit einem unerwarteten, erschreckenden, jedoch zufriedenstellenden Ende.
Catherine Ryan Howard liefert einen spannenden Beginn, jedoch wird die Spannung zur Mitte hin etwas schwerfällig, kann also erst gegen Ende wieder voll aufflammen. Es gibt verschiedene Handlungsebenen: die Jetztzeit und die Zeit vor 10 Jahren, was die geschickte Erzählweise zwar stark unterstützt, jedoch bei mir zu Problemen der Einordnung führte, wo die Handlung nun wirklich spielt, in Dublin vor 10 Jahren oder in Holland.
Spannend wird es, weil Will, Alisons ehemaliger Freund, der jetzt wegen Mordes einsitzt, eventuell unschuldig ist, und ob Alison an seiner Verhaftung Schuld hat. Sie ist die eigentliche Protagonistin und mit jedem Kapitel erfahrt man mehr über die Lügen und die tragischen Fehlentscheidungen jedes einzelnen.
Liebe, Schmerz und Eifersucht sowie Intrigen werden thematisiert.
Die Figur der Alison ist der Autorin sehr gut gelungen. Will hingegen fand ich blass und teilweise unglaubwürdig, denn wie kann ein Mensch, der 10 Jahre lang vermutlich unschuldig hinter Gittern sitzt, so cool und ruhig bleiben?
Generell ein gut gemachter Thriller, der, auch aufgrund der Teenieproblematik mit deren Höhen und Tiefen, ein breites Spektrum an Emotionen, Themen und Identifikationsmöglichkeiten liefert

Bewertung vom 01.01.2019
Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2
Katzenbach, John

Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2


sehr gut

Fünf vor zwölf
Das düstere Cover mit einer krallenartigen Hand, in der sich eine Armbanduhr befindet, die fünf vor zwölf anzeigt, stimmt einen perfekt auf die Situation ein. Der Schreibstil ist sehr gekonnt und flüssig lesbar, jedoch wird zeitweise eine gewisse Langatmigkeit erkennbar. Ferner habe ich den Vorläufer „ Der Patient“ nicht gelesen. Somit konnte ich diverse Fakten nicht gleich einordnen und musste bis etwa zur Hälfte der Geschichte lesen, um den Sinn korrekt zu entschlüsseln. Also sollte man, falls möglich, den Vorläufer vorher lesen.
Durch das perfide Spiel um Leben und Tod wird es äußerst spannend, und die Lektüre lohnt sich. Der Protagonist, Frederick Sparks konnte einem Psychopathen nur knapp entrinnen und musste sich eine neue Identität aufbauen. Er glaubt sich in Sicherheit, bis genau dieser vermeintlich tote Typ in seiner Praxis auftaucht, ihn bedroht und verlangt, einen Killer zu finden und zu töten, der ihn und seine Geschwister bedroht.
Generell: Protagonisten, mit denen man sich identifizieren kann. Ein Spannungsbogen bis zur letzten Seite. Etwas für Psychothrillerfans

Bewertung vom 09.12.2018
Stieg Larssons Erbe
Stocklassa, Jan

Stieg Larssons Erbe


ausgezeichnet

Wo ist Olof Palmes Killer?

Stieg Larsson war Journalist und Illustrator, aber auch ein sehr bekannter Schriftsteller.
Larssons äußerst spannende „ Millennium - Trilogie “ wurde zu einem internationalen Bestseller und ist seit der Verfilmung einem sehr großen Publikum zugänglich gemacht worden.
Larsson hat seit seiner Jugend einen erbitterten Kampf gegen den Rechteextremismus geführt.
Um den Mord an dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Olof Palme ( 1927 – 1986 ) aufzuklären, hat er sehr intensiv recherchiert und ein großes Archivmaterial zusammengetragen. Nach seinem Tod erhielt Jan Stocklassa Zugang dazu. Dieser hat nun dieses Sachbuch herausgegeben, welches verständlich geschrieben ist, aber Ruhe und Konzentration beim Lesen erfordert, denn es enthält eine Masse an Fakten und Namen ( siehe riesiges Namensregister). Es ist eine Mischung aus Biographie, Dokumentation und Roman. Häufig vermischen sich Fiktion und Fakten, so dass man nicht von „Thriller“ sprechen kann.

Der erste Teil stützt sich auf Stiegs Archivmaterial und liefert Originalauszüge aus seinen Aufzeichnungen. Es werden Theorien an Palmes Mord entwickelt. Das Material , gab er an die Polizei weiter. Welche Rolle spielte der südafrikanische Geheimdienst ? Palme war gegen das dortige Apartheitregime , ließen sie ihn ermorden?
Dieser Teil trägt Stieg Larssons Handschrift.

Der zweite Teil die von Jan Stocklassa. Er traf sich mit Zeitzeugen und vielen Teilinvolvierten, setzte immer mehr Puzzleteile zusammen und erläuterte die von ihm aufgestellten Theorien. Auch er übergab all seine Rechercheergebnisse der Polizei. Wird diese nun aktiv werden?
Ständig wechselnde Perspektiven erschweren den Lesefluss, man muss vieles sacken lassen, bevor man mit der Lektüre fortfahren kann. Auf alle Fälle ein Sachbuch für den politisch und historisch interessierten Leser, welches mir Einsicht in komplizierte Sachverhalte ermöglicht hat.
Ein Weihnachtsgeschenk für meine eher intellektuellen Freunde. 5Sterne

Bewertung vom 12.11.2018
Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6
Theurillat, Michael

Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6


ausgezeichnet

Das verborgene "Ich"

Das Cover bildet die Flagge der Schweiz ab, wirkt zwar etwas nüchtern, hat jedoch einen gewissen Erkennungswert. Der Interessent fragt sich natürlich, was wohl Lenz zu bedeuten hat.
Mir gefällt der klare Schreibstil mit den kleinen Schweizer Sprachbesonderheiten, obwohl die rückblickende Erzählweise nicht immer spannend ist und eben auch nicht typisch für Krimis, zumal Informationen oft einfach nur dargeboten werden und nicht in die Handlung integriert sind.
Es geht um den Ermittler Eschenbach und dessen verschwundenen Kollegen und Freund Lenz. Dieser bringt der gemeinsamen Freundin Isabela ein Päckchen von der Schweiz in den Schwarzwald. Dadurch wird Lenz in eine internationale Verschwörung hineingezogen. Es entwickelt sich kein spannungsgeladener Krimi, sondern eher ein Roman mit viel Gesellschaftskritik, der aktuelle Themen, wie Meinungsmanipulation in Zeiten der Digitalisierung, die Themen Syrien-Konflikt und Terrorismus anspricht. Diese andere Art des Krimis hat mir gut gefallen, denn es hat meine Sichtweise geschärft und viel Nachdenklichkeit bei mir ausgelöst.
Die Lektüre wird erleichtert, da es sich nur um 3-4 Hauptpersonen dreht, deren Lebenswege sich immer gekreuzt haben, zumal sie sehr anschaulich charakterisiert werden. Lenz hat mir dabei besonders gefallen.
Der Spannungsbogen ist nicht sehr steil, hält aber bis zum Schluss an. Die Auflösung des Falles ist dann auch sehr gut und überraschend. Dieses Werk ist nichts für „Schockerfans“, sondern verlangt einen aufgeklärten, ein wenig intellektuellen Leser, der Tiefgang schätzt.
Meine Meinung 5 Punkte

Bewertung vom 27.10.2018
Echo Killer / Polizeireporterin Harper McClain Bd.1
Daugherty, Christi

Echo Killer / Polizeireporterin Harper McClain Bd.1


ausgezeichnet

Doppelmord ?
Christi Daughertys Erstlingswerk im Genre „Erwachsenen Thriller“ hat mir sehr gut gefallen.
Da es sich um eine Übersetzung aus dem Englischen handelt, muss ich Inka Marter auch sehr loben, denn sie hat einen flüssigen, ansprechenden und fesselnden Stil geliefert, der dem Leser ein spannendes Leseerlebnis ermöglicht.
Der Titel ist ausgefallen und passt perfekt.
Das Setting ist Savannah in Georgia, und durch de wunderbaren Beschreibungen fühlt man gleich das Südstaatenflair. Hier macht sich bemerkbar, dass die Autorin etliche Jahre lang dort als Gerichtsreporterin tätig war. Somit hat sie natürlich auch einen guten Einblick in die Welt der Kriminellen erhalten.
Der Plot ist perfekt konstruiert und wirkt realistisch. In ausgefeielter Thrillermanier enthält das Buch viele Wendungen, falsche Fährten und Verdächtigungen. Der Spannungsbogen wird von Anfang bis zum Ende aufgebaut. Allerdings ist das Ende für den Leser und die Polizeireporterin Harper ein wenig unbefriedigend.
Die Protagonistin Harper McClain ist wagemutig und energiegeladen, damit sie den Mord an einer Dreißigjährigen, die von ihrer 12-jährigen Tochter aufgefunden wurde , aufklären kann. Besonderes Interesse daran hat sie, da ihre Mutter vor 15 Jahren auf die gleiche Weise ermordet wurde, Sie glaubt, entgegen der Annahme der Polizei, an den gleichen Täter und versucht, alleine zu ermitteln, dabei bringt sie sich in großer Gefahr. Nun stehen ihre Existenz und auch ihr Leben auf dem Spiel.
Alle Protagonisten sind differenziert dargestellt und glaubhaft, besonders natürlich Harper.
Generell ein Thriller nach meinem Geschmack. Ob wohl eine Harper-Serie daraus werden wird?

Bewertung vom 07.10.2018
Der Spielmann / Die Geschichte des Johann Georg Faustus Bd.1
Pötzsch, Oliver

Der Spielmann / Die Geschichte des Johann Georg Faustus Bd.1


ausgezeichnet

In diesem Historienroman erfahren wir die Geschichte des Johann Georg Faust neu. Der Autor, Oliver Pötzsch, berichtet von seiner Kindheit undseinem Leben allgemein. Dabei treten viele Mysterien zutage, die das Buch spannend machen. Das Cover mit dem mittelalterlichen Wagen, den Bürgern und Spielleuten stimmt perfekt in die Thematik ein.
Der Protagonist wird von seiner Mutter verhätschelt, denn sie will ihn schützen, da er für sein Alter zu klein ist und unter seinem Vater, seinen Brüdern und den anderen Kindern von Knittlingen im Kraichgau leidet. Sie hat ihm ein glückliches und besonderes Leben vorrausgesagt, da er unter einem besonderen Stern geboren sei.
Faustus ist ein wissbegieriges Kind, als seine Mutter stirbt, muss er jedoch ein entbehrungsreiches Leben führen. Die Liebe zu seiner Jugendfreundin Margarethe kann nicht erfüllt werden, da sie einem reichen Hoferben versprochen ist. Er wird magisch von den fahrenden Gauklern angezogen, die in gewissen Abständen nach Knittlingen kommen. Schwebt eine dunkle Macht über ihnen? Es verschwinden nämlich immer wieder Kinder, wenn sie in der Nähe sind.
Mit 16 Jahren schließt er sich einer Gruppe von Gauklern und Alchimisten an, mit denen er ein zwar interessantes, jedoch auch beschwerliches Leben auf den ausgedehnten Reisen führt. Er schließt einen Pakt mit dem Magier Tonio del Moravia. Faustus muss leider erkennen, dass dieser Pakt nur für einen von Vorteil ist und, dass er dem Teufel nicht entkommen kann, obwohl er im Laufe der Zeit berühmt und recht mächtig wird.
Pötzsch liefert eine abenteuerliche und stets spannende Handlung mit einer dem Leser verzaubernden Atmosphäre, die es ihm ermöglicht, bedingt durch den anschaulichen Schreibstil, die Szenen vor seinem inneren Auge entstehen zu lassen.
Dieses Buch ist etwas für wahre Mittelalterfans, einer Zeit, als die Kirche und der Teufelsglaube große Macht über die Menschen hatte. Quacksalber und Magier trieben damals ihr Unwesen.
Allerdings ist das Werk mit gut 760 Seiten auch ein richtiger Wälzer, an den sich vielleicht nicht jeder herantraut. Meine Leseempfehlung jedoch klare 5 Punkte

Bewertung vom 07.10.2018
Ein Winter in Paris
Blondel, Jean- Philippe

Ein Winter in Paris


ausgezeichnet

Thematisch geht es in diesem kurzen Roman um den Selbstfindungsprozess eines jungen Mannes, nachdem ein Mitschüler Selbstmord begangen hat. Aber es ist auch eine Anklage an das französische Eliteschulsystem. Jeder kann kostenfrei nach dem Abitur studieren, wenn man jedoch eine berufliche Höchstqualifikation mit Arbeitsplatzgarantie anstrebt, muss man nach einem (sehr) guten Abitur in eine 2-jährige Vorbereitungsklasse aufgenommen werden, legt danach eine nationale Prüfung ( concour) ab, wonach nur die Besten in eine Grande Ecole ( Eliteuniversität) aufgenommen werden.
Victor,der aus der Provinz stammt, geht in so eine Vorbereitungsklasse in Paris und findet unter seinen Mitschülern keinerlei Kontakt, wohl auch, weil diese meist aus sehr vermögenden Familien stammen. Er leidet unter Einsamkeit, der Anonymität der Großstadt und,vor allen Dingen,unter den Stress und der Angst, es nicht schaffen. Seine Eltern verstehen sein neues Leben nicht. Die Lehrer sind wenig mitfühlend und arrogant. Ein Lehrer jedoch macht den Schülern, welche er für unzulänglich hält, das Leben zur Hölle, indem er sie ständig erniedrigt und vor der ganzen Klasse bloßstellt.
Viktor hatte einen lockeren Kontakt zu einem Mitschüler entwickelt. Mathieu kann dem Druck und dem Mobbing durch besagten Lehrer aber nicht standhalten und stürzt sich in den Tod.
Jetzt wird Victor als der „Freund“ des Opfers hofiert. Man lädt ihn zu Feiern ein und unterhält sich mit ihm. Durch Kontakt zu dem Klassenbesten aus einer Pariser Elitefamilie erfährt er, wie auch dieser dem klassenspezifischen Erwartungsdruck seiner Eltern ausgesetzt ist und leidet.
Ein Mädchen aus der Oberschicht findet ihn plötzlich interessant, aber eher als „Spielzeug“ aus dem falschen sozialen Kontext. Das macht sie ganz klar deutlich. Außerdem hat sie ständige Launen. Er kann also hinter die geschönte Fassade der Pariser „Reichen und Schönen“ blicken und kommt immer mehr zu der Einsicht, dass er selbst glücklich und frei in der Provinz als Aushilfslehrer und Schriftsteller sein möchte.Victor nimmt zwar am „concour“ teil, vergeigt ihn jedoch bewust.
Victor wird aus der Bahn geworfen, kann seine Krise durch Kontakt zu Mathieus Vater und seinen provinzialen Umfeld aber meistern.
Blondel schildert äußerst kritisch und realistisch den Schulalltag an so einer Vorbereitungsschule. Der Leser kann sich sehr gut in die Situation hineinfinden, denn der Protagonist spricht offen über seine Gefühle und Probleme. Dabei wird eine gepflegte,ruhige, leicht melancholische Sprache verwendet.
Wir finden einen sehr tiefgründigen Stoff vor, der mich, bedingt durch Erfahrungen aus dem französischen Bekanntenkreis, vieles an der französischen „Klassengesellschaft“ hinterfragen lässt.
Sehr zu empfehlen.

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