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Benutzername: Rosenfreund
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Bewertungen

Insgesamt 15 Bewertungen
12
Bewertung vom 01.01.2019
Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2
Katzenbach, John

Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2


sehr gut

Fünf vor zwölf
Das düstere Cover mit einer krallenartigen Hand, in der sich eine Armbanduhr befindet, die fünf vor zwölf anzeigt, stimmt einen perfekt auf die Situation ein. Der Schreibstil ist sehr gekonnt und flüssig lesbar, jedoch wird zeitweise eine gewisse Langatmigkeit erkennbar. Ferner habe ich den Vorläufer „ Der Patient“ nicht gelesen. Somit konnte ich diverse Fakten nicht gleich einordnen und musste bis etwa zur Hälfte der Geschichte lesen, um den Sinn korrekt zu entschlüsseln. Also sollte man, falls möglich, den Vorläufer vorher lesen.
Durch das perfide Spiel um Leben und Tod wird es äußerst spannend, und die Lektüre lohnt sich. Der Protagonist, Frederick Sparks konnte einem Psychopathen nur knapp entrinnen und musste sich eine neue Identität aufbauen. Er glaubt sich in Sicherheit, bis genau dieser vermeintlich tote Typ in seiner Praxis auftaucht, ihn bedroht und verlangt, einen Killer zu finden und zu töten, der ihn und seine Geschwister bedroht.
Generell: Protagonisten, mit denen man sich identifizieren kann. Ein Spannungsbogen bis zur letzten Seite. Etwas für Psychothrillerfans

Bewertung vom 09.12.2018
Stieg Larssons Erbe
Stocklassa, Jan

Stieg Larssons Erbe


ausgezeichnet

Wo ist Olof Palmes Killer?

Stieg Larsson war Journalist und Illustrator, aber auch ein sehr bekannter Schriftsteller.
Larssons äußerst spannende „ Millennium - Trilogie “ wurde zu einem internationalen Bestseller und ist seit der Verfilmung einem sehr großen Publikum zugänglich gemacht worden.
Larsson hat seit seiner Jugend einen erbitterten Kampf gegen den Rechteextremismus geführt.
Um den Mord an dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Olof Palme ( 1927 – 1986 ) aufzuklären, hat er sehr intensiv recherchiert und ein großes Archivmaterial zusammengetragen. Nach seinem Tod erhielt Jan Stocklassa Zugang dazu. Dieser hat nun dieses Sachbuch herausgegeben, welches verständlich geschrieben ist, aber Ruhe und Konzentration beim Lesen erfordert, denn es enthält eine Masse an Fakten und Namen ( siehe riesiges Namensregister). Es ist eine Mischung aus Biographie, Dokumentation und Roman. Häufig vermischen sich Fiktion und Fakten, so dass man nicht von „Thriller“ sprechen kann.

Der erste Teil stützt sich auf Stiegs Archivmaterial und liefert Originalauszüge aus seinen Aufzeichnungen. Es werden Theorien an Palmes Mord entwickelt. Das Material , gab er an die Polizei weiter. Welche Rolle spielte der südafrikanische Geheimdienst ? Palme war gegen das dortige Apartheitregime , ließen sie ihn ermorden?
Dieser Teil trägt Stieg Larssons Handschrift.

Der zweite Teil die von Jan Stocklassa. Er traf sich mit Zeitzeugen und vielen Teilinvolvierten, setzte immer mehr Puzzleteile zusammen und erläuterte die von ihm aufgestellten Theorien. Auch er übergab all seine Rechercheergebnisse der Polizei. Wird diese nun aktiv werden?
Ständig wechselnde Perspektiven erschweren den Lesefluss, man muss vieles sacken lassen, bevor man mit der Lektüre fortfahren kann. Auf alle Fälle ein Sachbuch für den politisch und historisch interessierten Leser, welches mir Einsicht in komplizierte Sachverhalte ermöglicht hat.
Ein Weihnachtsgeschenk für meine eher intellektuellen Freunde. 5Sterne

Bewertung vom 12.11.2018
Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6
Theurillat, Michael

Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6


ausgezeichnet

Das verborgene "Ich"

Das Cover bildet die Flagge der Schweiz ab, wirkt zwar etwas nüchtern, hat jedoch einen gewissen Erkennungswert. Der Interessent fragt sich natürlich, was wohl Lenz zu bedeuten hat.
Mir gefällt der klare Schreibstil mit den kleinen Schweizer Sprachbesonderheiten, obwohl die rückblickende Erzählweise nicht immer spannend ist und eben auch nicht typisch für Krimis, zumal Informationen oft einfach nur dargeboten werden und nicht in die Handlung integriert sind.
Es geht um den Ermittler Eschenbach und dessen verschwundenen Kollegen und Freund Lenz. Dieser bringt der gemeinsamen Freundin Isabela ein Päckchen von der Schweiz in den Schwarzwald. Dadurch wird Lenz in eine internationale Verschwörung hineingezogen. Es entwickelt sich kein spannungsgeladener Krimi, sondern eher ein Roman mit viel Gesellschaftskritik, der aktuelle Themen, wie Meinungsmanipulation in Zeiten der Digitalisierung, die Themen Syrien-Konflikt und Terrorismus anspricht. Diese andere Art des Krimis hat mir gut gefallen, denn es hat meine Sichtweise geschärft und viel Nachdenklichkeit bei mir ausgelöst.
Die Lektüre wird erleichtert, da es sich nur um 3-4 Hauptpersonen dreht, deren Lebenswege sich immer gekreuzt haben, zumal sie sehr anschaulich charakterisiert werden. Lenz hat mir dabei besonders gefallen.
Der Spannungsbogen ist nicht sehr steil, hält aber bis zum Schluss an. Die Auflösung des Falles ist dann auch sehr gut und überraschend. Dieses Werk ist nichts für „Schockerfans“, sondern verlangt einen aufgeklärten, ein wenig intellektuellen Leser, der Tiefgang schätzt.
Meine Meinung 5 Punkte

Bewertung vom 27.10.2018
Echo Killer / Polizeireporterin Harper McClain Bd.1
Daugherty, Christi

Echo Killer / Polizeireporterin Harper McClain Bd.1


ausgezeichnet

Doppelmord ?
Christi Daughertys Erstlingswerk im Genre „Erwachsenen Thriller“ hat mir sehr gut gefallen.
Da es sich um eine Übersetzung aus dem Englischen handelt, muss ich Inka Marter auch sehr loben, denn sie hat einen flüssigen, ansprechenden und fesselnden Stil geliefert, der dem Leser ein spannendes Leseerlebnis ermöglicht.
Der Titel ist ausgefallen und passt perfekt.
Das Setting ist Savannah in Georgia, und durch de wunderbaren Beschreibungen fühlt man gleich das Südstaatenflair. Hier macht sich bemerkbar, dass die Autorin etliche Jahre lang dort als Gerichtsreporterin tätig war. Somit hat sie natürlich auch einen guten Einblick in die Welt der Kriminellen erhalten.
Der Plot ist perfekt konstruiert und wirkt realistisch. In ausgefeielter Thrillermanier enthält das Buch viele Wendungen, falsche Fährten und Verdächtigungen. Der Spannungsbogen wird von Anfang bis zum Ende aufgebaut. Allerdings ist das Ende für den Leser und die Polizeireporterin Harper ein wenig unbefriedigend.
Die Protagonistin Harper McClain ist wagemutig und energiegeladen, damit sie den Mord an einer Dreißigjährigen, die von ihrer 12-jährigen Tochter aufgefunden wurde , aufklären kann. Besonderes Interesse daran hat sie, da ihre Mutter vor 15 Jahren auf die gleiche Weise ermordet wurde, Sie glaubt, entgegen der Annahme der Polizei, an den gleichen Täter und versucht, alleine zu ermitteln, dabei bringt sie sich in großer Gefahr. Nun stehen ihre Existenz und auch ihr Leben auf dem Spiel.
Alle Protagonisten sind differenziert dargestellt und glaubhaft, besonders natürlich Harper.
Generell ein Thriller nach meinem Geschmack. Ob wohl eine Harper-Serie daraus werden wird?

Bewertung vom 07.10.2018
Der Spielmann / Die Geschichte des Johann Georg Faustus Bd.1
Pötzsch, Oliver

Der Spielmann / Die Geschichte des Johann Georg Faustus Bd.1


ausgezeichnet

In diesem Historienroman erfahren wir die Geschichte des Johann Georg Faust neu. Der Autor, Oliver Pötzsch, berichtet von seiner Kindheit undseinem Leben allgemein. Dabei treten viele Mysterien zutage, die das Buch spannend machen. Das Cover mit dem mittelalterlichen Wagen, den Bürgern und Spielleuten stimmt perfekt in die Thematik ein.
Der Protagonist wird von seiner Mutter verhätschelt, denn sie will ihn schützen, da er für sein Alter zu klein ist und unter seinem Vater, seinen Brüdern und den anderen Kindern von Knittlingen im Kraichgau leidet. Sie hat ihm ein glückliches und besonderes Leben vorrausgesagt, da er unter einem besonderen Stern geboren sei.
Faustus ist ein wissbegieriges Kind, als seine Mutter stirbt, muss er jedoch ein entbehrungsreiches Leben führen. Die Liebe zu seiner Jugendfreundin Margarethe kann nicht erfüllt werden, da sie einem reichen Hoferben versprochen ist. Er wird magisch von den fahrenden Gauklern angezogen, die in gewissen Abständen nach Knittlingen kommen. Schwebt eine dunkle Macht über ihnen? Es verschwinden nämlich immer wieder Kinder, wenn sie in der Nähe sind.
Mit 16 Jahren schließt er sich einer Gruppe von Gauklern und Alchimisten an, mit denen er ein zwar interessantes, jedoch auch beschwerliches Leben auf den ausgedehnten Reisen führt. Er schließt einen Pakt mit dem Magier Tonio del Moravia. Faustus muss leider erkennen, dass dieser Pakt nur für einen von Vorteil ist und, dass er dem Teufel nicht entkommen kann, obwohl er im Laufe der Zeit berühmt und recht mächtig wird.
Pötzsch liefert eine abenteuerliche und stets spannende Handlung mit einer dem Leser verzaubernden Atmosphäre, die es ihm ermöglicht, bedingt durch den anschaulichen Schreibstil, die Szenen vor seinem inneren Auge entstehen zu lassen.
Dieses Buch ist etwas für wahre Mittelalterfans, einer Zeit, als die Kirche und der Teufelsglaube große Macht über die Menschen hatte. Quacksalber und Magier trieben damals ihr Unwesen.
Allerdings ist das Werk mit gut 760 Seiten auch ein richtiger Wälzer, an den sich vielleicht nicht jeder herantraut. Meine Leseempfehlung jedoch klare 5 Punkte

Bewertung vom 07.10.2018
Ein Winter in Paris
Blondel, Jean- Philippe

Ein Winter in Paris


ausgezeichnet

Thematisch geht es in diesem kurzen Roman um den Selbstfindungsprozess eines jungen Mannes, nachdem ein Mitschüler Selbstmord begangen hat. Aber es ist auch eine Anklage an das französische Eliteschulsystem. Jeder kann kostenfrei nach dem Abitur studieren, wenn man jedoch eine berufliche Höchstqualifikation mit Arbeitsplatzgarantie anstrebt, muss man nach einem (sehr) guten Abitur in eine 2-jährige Vorbereitungsklasse aufgenommen werden, legt danach eine nationale Prüfung ( concour) ab, wonach nur die Besten in eine Grande Ecole ( Eliteuniversität) aufgenommen werden.
Victor,der aus der Provinz stammt, geht in so eine Vorbereitungsklasse in Paris und findet unter seinen Mitschülern keinerlei Kontakt, wohl auch, weil diese meist aus sehr vermögenden Familien stammen. Er leidet unter Einsamkeit, der Anonymität der Großstadt und,vor allen Dingen,unter den Stress und der Angst, es nicht schaffen. Seine Eltern verstehen sein neues Leben nicht. Die Lehrer sind wenig mitfühlend und arrogant. Ein Lehrer jedoch macht den Schülern, welche er für unzulänglich hält, das Leben zur Hölle, indem er sie ständig erniedrigt und vor der ganzen Klasse bloßstellt.
Viktor hatte einen lockeren Kontakt zu einem Mitschüler entwickelt. Mathieu kann dem Druck und dem Mobbing durch besagten Lehrer aber nicht standhalten und stürzt sich in den Tod.
Jetzt wird Victor als der „Freund“ des Opfers hofiert. Man lädt ihn zu Feiern ein und unterhält sich mit ihm. Durch Kontakt zu dem Klassenbesten aus einer Pariser Elitefamilie erfährt er, wie auch dieser dem klassenspezifischen Erwartungsdruck seiner Eltern ausgesetzt ist und leidet.
Ein Mädchen aus der Oberschicht findet ihn plötzlich interessant, aber eher als „Spielzeug“ aus dem falschen sozialen Kontext. Das macht sie ganz klar deutlich. Außerdem hat sie ständige Launen. Er kann also hinter die geschönte Fassade der Pariser „Reichen und Schönen“ blicken und kommt immer mehr zu der Einsicht, dass er selbst glücklich und frei in der Provinz als Aushilfslehrer und Schriftsteller sein möchte.Victor nimmt zwar am „concour“ teil, vergeigt ihn jedoch bewust.
Victor wird aus der Bahn geworfen, kann seine Krise durch Kontakt zu Mathieus Vater und seinen provinzialen Umfeld aber meistern.
Blondel schildert äußerst kritisch und realistisch den Schulalltag an so einer Vorbereitungsschule. Der Leser kann sich sehr gut in die Situation hineinfinden, denn der Protagonist spricht offen über seine Gefühle und Probleme. Dabei wird eine gepflegte,ruhige, leicht melancholische Sprache verwendet.
Wir finden einen sehr tiefgründigen Stoff vor, der mich, bedingt durch Erfahrungen aus dem französischen Bekanntenkreis, vieles an der französischen „Klassengesellschaft“ hinterfragen lässt.
Sehr zu empfehlen.

Bewertung vom 07.10.2018
Stern des Nordens
John, D. B.

Stern des Nordens


ausgezeichnet

Dieser Thriller hat mich für Nordkorea interessiert, denn über dieses Land erfährt man in Europa nur wenig,da wir, anders als die USA,nicht unmittelbar durch die Langstreckenraketentests bedroht sind. Nordkorea wird von einer marxistischen Erbmonarchie regiert, die Hunger und Unterdrückung als Druckmittel gegen die Bevölkerung einsetzt, um selbst uneingeschränkte Machtausübung durchsetzen zu können. Wer sich widersetzt, wird in Lager verbannt, wo Folter, Schläge. Vergewaltigungen, Kindstötungen, gefährliche Arbeit sowie, teils willkürliche, Hinrichtungen praktiziert werden. Die hungernden Menschen leben wie Tiere! Unter wirtschaftlichem Aspekt haben die Lager aber keinen Sinn. Zwangsweise wird Kim Jong-il von der Bevölkerung wie ein Gott verehrt. Jeder muss ihm Liebe und Verehrung entgegenbringen, andere Religionen sind verboten.
Neben der fiktiven Handlung erfahren wir also sehr viel über die bittere Realität dieses Landes, das nur wenige Menschen in sehr eingeschränkter Weise besucht haben.
Der Schreibstil ist mitreißend und enthält viele Details,welche die Handlungen und Beschreibungen vor dem inneren Auge entstehen lassen.
Wir finden 3 Erzählstränge. Jenna Williams, CIA-Agentin wird in geheimer Mission nach Nordkorea geschickt. Die ca. 60-jährige Marktfrau Moon lebt unter einfachsten Bedingungen in der nordkoreanischen Provinz. Die wahre Abstammung des Parteifunktionärs Cho wird wegen einer Beförderung durchleuchtet. Es kommt heraus, dass sein Großvater mit dem Feind, der USA, kollaboriert hat. Somit ist der Enkel, in Form einer Sippenhaft, ebenfalls schuldig und wird in ein Lager verbannt. Der ehemals treue Anhänger des Regimes fragt sich, inwiefern Wahrheit, Logik und Vernunft umgekrempelt werden. Er kann fliehen und und seine Perfektion in vielerlei Hinsicht ausnutzen.
Frau Moon wird Zeugin, wie Locke, eine Christin hingerichtet wird. Auch sie kommt in ein Lager und trifft dort ihren lang verschollenen Sohn. Jenna gelingt es, durch Chos Hilfe ihre entführte Schwester aus Nordkorea herauszubringen . Diese ist Teil des des dortigen Samenkornprogramms.
Der Spannungsaufbau ist perfekt geglückt. Bis zum Schluss bleiben Lesefreude und Interesse erhalten. Letztendlich werden die 3 Erzählstränge miteinander verbunden und es kommt zu einer teilweisen sehr perfekten und märchenhaften Auflösung. Jenna erinnert in der Szene im Zug an die um sich schießende Lara Croft. Besonders gut hat mir Frau Moon gefallen, die durch ihre Liebe, ihren Mut, ihre Menschenfreundlichkeit und ihren Erfindungsreichtum überlebt.
Generell ein sehr lesenswertes Werk mit mehr als 500 mitreißenden Seiten

Bewertung vom 27.08.2018
Wie ich fälschte, log und Gutes tat
Klupp, Thomas

Wie ich fälschte, log und Gutes tat


gut

Ich war geschockt von der sehr auffälligen, mit Fäkalausdrücken durchsetzten Ausdrucksweise des Erzählers, Benedikt Jäger, der zu einer Jungenclique in der Vorzeigekleinstadt Weiden gehört. Allerdings scheint es der dortigen Realität zu entsprechen. Menschenverachtung und Hass auf die Schule und die Lehrer werden deutlich. Das Buchcover, ein Vorhang, hinter dem sich die geschönte Realität und die Abgründe von Weiden verbergen, passt sehr gut zum Titel und dem Klappentext.
Die Mitglieder der Clique sind 15-16 Jahre alt und verwöhnt, denn sie gehören der Upper-Class von Weiden an. Sie sind, standesgemäß, Mitglieder der dortigen Tennismannschaft und haben einen Preis gewonnen. Sie sind auch Gesichter einer Anti-Drogenkampagne. Und das obwohl sie selbst Drogen nehmen. Benedikt erzählt uns viel über sein Schulleben. Seit Jahren schon fälscht er seine Noten, um dem Anspruch der Eltern zu genügen. Dabei kommt es zu immer skurrileren Taten.
Benedikt deckt, teilweise sehr unterhaltsam, auf, was tatsächlich hinter seiner eigenen Fassade und der anderer Menschen aus Weiden, allen voran seinen Eltern, steckt.
Diese Doppelmoral ist sicherlich in vielen vergleichbaren Kleinstädten zu finden, wo die Hierarchie seit Generationen tradiert ist.
Mir fehlt ein wenig die Spannung in diesem Werk. Auch konnte ich keinerlei Anknüpfungspunkte an meine eigene Jugendzeit und die meiner Söhne finden. Das Werk ist unterhaltsam, aber oft ein wenig realitätsfern.

Bewertung vom 25.08.2018
Ein Keim kommt selten allein
Egert, Markus; Thadeusz, Frank

Ein Keim kommt selten allein


ausgezeichnet

Mikroorganismus Freund oder Feind ?
Das Cover ist, ebenso wie die Zeichnung auf Seite 18, eher verspielt und lässt einen schmunzeln. Der Autor bespricht auf verständliche Weise dieses brisante Thema mit viel Witz und interessanten Beispielen. Der Schreibstil ist flüssig und nicht mit zu viel Fachsprache überhäuft.
Wir erfahren, dass jeder Mensch ca. 10 Billionen Mikroorganismen beherbergt. Jedoch kann uns übertriebene Hygiene regelrecht krank machen. Vielmehr müssen wir lernen, welche Mikroben wir unbedingt töten müssen, während andere wichtig für uns Menschen sind. Außerdem erfahren wir, wo die gefährlichen Keime anzutreffen sind. Oft an Orten, wo man sie nicht vermutet.
Anders als erwartet ist nicht etwa das WC mit Keimen belastet, sondern die Küchenspüle, denn dort können sich Biofilme besonders gut entwickeln. Besonders gefährlich ist aber der Küchenschwamm, denn nirgendwo sonst finden sich mehr Mikroben, darunter auch potenzielle Krankheitserreger.
Erstaunt haben mich die Infos über Keimbelastung von Handy und Co. Ebenso der doch schlechte Ruf der flüssigen Waschmittel.
Sorgen mache ich mir über die zunehmende Belastung mit „Krankenhauskeimen“ in Krankenhäusern.
Wir müssen aber auch bedenken, dass es ohne Mikroorganismen weder Käse, Bier noch Wein gäbe.
Seine praxisnahen Tipps sind sehr wertvoll! Generell ein solides, informatives Taschenbuch.

Bewertung vom 19.08.2018
Die letzte Terroristin
Georgi, André

Die letzte Terroristin


ausgezeichnet

Das Cover wirkt geheimnisvoll. Es zeigt eine schöne junge Frau im Zentrum, in eckigen Konturen.
Es passt perfekt zum Titel. Links finden wir die rote Farbe der RAF, rechts ist alles weiß.
Die Sprache ist recht speziell und abwechslungsreich, gespickt mit Modewörtern, aber auch treffenden Fremdwörtern, generell leicht ironisch und direkt. Vorwärtsblicke und viel direkte Rede machen das Buch lebendig. Es stellt mit seinen harten Schnitten große Anforderungen an die Leserschaft.
Man wird sofort in die spannende Geschichte hineingeworfen, denn Gereon der hypernervöse Informant des BKA hat Hinweise über ein geplantes Attentat auf Doktor Ernst Wegner, den Chef der Deutschen Bank, in Frankfurt zu vermelden. Andreas Kawert, sein Kontaktmann beim BKA ist nur mit einem Geheimcode zu erreichen. Er kann das Attentat nicht verhindern. Gereon, der Verräter wird kurz danach von einer Frau aus dem RAF- Milieu erschossen. Als nächstes will die RAF den Vorsitzenden der Treuhand, Hans-Georg Dahlmann, ermorden. Sandra Wellmann, die Protagonistin, ist mit Dahlmanns Tochter befreundet. Es gelingt ihr, eine westliche Rolle in Dahlmanns Leben zu spielen. Andreas Kawert erhält von V-Männern Informationen, und wir erfahren spannende Einzelheiten im Wettlauf um Leben und Tod. Kawert hat mir sehr gut gefallen, denn er kann sich auf seine Intuition verlassen. Ebenso ist die Zerrissenheit Sandra Wellmans, die von der RAF völlig beherrscht und vereinnahmt wird, sehr gut dargestellt. Sie ist gleichzeitig naiv und brutal.
Dieser realistische Politthriller hat mich sehr interessiert und gefesselt, denn nach der Wiedervereinigung Deutschlands kämpfte die 3. Generation der RAF intensiv gegen die Bosse aus Wirtschaft und Politik. Ich konnte meine Geschichtskenntnisse wieder mobilisieren, denn die bewusst konstruierten Ähnlichkeiten mit Herrhausen, dem Chef der Deutschen Bank ( hier Herr Wegner) und dem Treuhandvorsitzenden Rohwedder ( hier Hans-Georg Dahlmann) springen ins Auge.Ich erinnere mich, auch noch gut an den Einsatz der GSG-9 in Bad Kleinen ( hier Bad Gronan).
Ein tolles, spannendes Werk, eingebettet in reale deutsche Zeitgeschichte!
5 Punkte dafür!

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