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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: MaggiKa
Wohnort: Konstanz
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Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 30 Bewertungen
Bewertung vom 06.11.2018
Der Apfelbaum
Berkel, Christian

Der Apfelbaum


sehr gut

Bewegende Geschichte

Christian Berkel erzählt die Geschichte seiner Eltern aus ihren bruchstückhaften Erinnerungen und Erzählungen. Ergänzt mit seinen eigenen Recherchen ergibt sich ein stimmiges, bewegendes und emotionales Gesamtbild. Seine Mutter Sala wächst bei ihrem alleinerziehenden Vater auf. Ihre Mutter hat sie im Stich gelassen, und doch hat sie ihr ein entscheidendes Stück ihrer Identität hinterlassen: Sala ist Halbjüdin. Mit 13 verliebt sie sich in Otto, ein Junge, der durch und durch Berliner ist und seine Wurzeln in der Arbeiterklasse hat. Eine schwierige Konstellation in den 30er Jahren. Als Sala fliehen muss, trennen sich ihre Lebenswege, und doch können sie sich ein Leben lang nicht richtig loslassen…
Mich hat der Roman sehr bewegt. Die Beschreibung der intellektuellen und sehr freizügigen Kreise anfangs des 20. Jahrhunderts war für mich neu und außergewöhnlich, und auch beispielsweise die Situation in französischen Lagern während des zweiten Weltkriegs ist nichts, worüber man täglich liest. Mit der Situation in Spanien unter Francos Regime und der Situation in Russland kurz nach dem Krieg fließen weitere Bruchstücke ein, die dazu führen, dass es sich bei diesem Buch um eine sehr vielseitige Betrachtung des damaligen Weltgeschehens handelt. Und trotzdem bleibt noch Raum für die Beschreibung persönlicher Beziehungen.
Christian Berkel hat alles richtig gemacht damit, seine persönlichen Wurzeln niederzuschreiben, und es ist nicht nur die Geschichte seiner Eltern, sondern die Geschichte einer ganzen Generation. Mein einziger Kritikpunkt: Stellenweise fiel es mir schwer, den Zeitsprüngen zu folgen und zu verstehen, welche Personen nun gerade in einer Situation gemeint sind. Jahreszahlen und Orte, vielleicht sogar Namen in den Kapitelüberschriften wären daher sehr hilfreich gewesen.

Bewertung vom 06.10.2018
Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1
Ullberg Westin, Gabriella

Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1


sehr gut

Spannend und gut durchdacht

Kriminalinspektor Johan Rokka hat einen Job angenommen in seiner Heimatstadt, wohin er nach vielen Jahren zurückgekehrt ist. Sein erster Fall lässt nicht lange auf sich warten: Eine junge Frau, die mit einem berühmten Fußballspieler verheiratet ist, wird am Weihnachtsabend vor den Augen ihrer Kinder in ihrer Wohnung ermordet von einem als Weihnachtsmann verkleideten Mann. Rokka tappt mit seinen Kollegen tagelang im Dunkeln, bis sich nach und nach immer mehr Einzelheiten erschließen. Bei den Ermittlungen trifft er auf viele alte Bekannte, und manche von ihnen sind enger mit den Geschehnissen verbunden, als er es zunächst ahnt…
Insgesamt handelt es sich bei dem Buch um einen guten, spannenden Kriminalroman, der es schafft, unvorhersehbar und mit vielen Wendungen den Leser zu fesseln. Die Atmosphäre passt zu einem düsteren schwedischen Winter, die Charaktere sind vielfältig und spannend und die Geschichte ist nachvollziehbar. Meiner Meinung nach sind sehr viele Personen beteiligt, was es etwas schwierig macht, dem Geschehen zu folgen, wenn man das Buch nicht an einem Stück liest. Als Leser tappt man zusammen mit den Ermittlern sehr lange im Dunkeln über die Zusammenhänge der verschiedenen Personen und Plots. Am Ende löst sich vieles auf, auch wenn manche Details (wie zum Beispiel der Schmetterling, dem das Buch den Titel verdankt) überflüssig scheinen und nicht so recht in die Geschichte hineinpassen. Das sind jedoch nur kleine Kritikpunkte, insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen und kann mir gut vorstellen, auch mögliche Fortsetzungen, für die garantiert genügend Stoff vorhanden ist, zu lesen.

Bewertung vom 06.10.2018
Rachewinter / Evelyn Meyers & Walter Pulaski Bd.3
Gruber, Andreas

Rachewinter / Evelyn Meyers & Walter Pulaski Bd.3


sehr gut

Spannend, kurzweilig, fesselnd

Evelyn Meyers, eine erfolgreiche Wiener Anwältin, erklärt sich bereit, die Verteidigung eines mutmaßlichen Mörders zu übernehmen. Der Fall weist Verstrickungen bis in die höchsten Kreise des Justizministeriums auf und scheint klar zu sein, doch Evelyn und ihr Kollege Flo wittern, dass an dem Fall etwas nicht stimmt.
Zeitgleich werden an mehreren Orten in Deutschland und Österreich Leichen gefunden von Personen, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben. Vor ihrem Tod jedoch trafen sie sich alle mit einer mysteriösen Frau in einem roten Kleid. Walter Pulaski, Ermittler im Kriminaldauerdienst und Vater einer 17-jährigen Tochter, stößt bei einem der Toten auf Ungereimtheiten, auch durch die riskante Mithilfe seiner Tochter und deren Freundin. Dass dieser Fall jedoch viel weitreichendere Verstrickungen hat, als er zunächst ahnt, merkt er erst, als sich Evelyn Meyers aus Wien meldet und als es beinahe zu spät ist…
Andreas Gruber schafft es hier, den Leser hineinzuziehen in einen sehr spannenden und mitreißenden Thriller. Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Der Schreibstil ist flüssig, die Geschichte ist zwar verstrickt und kompliziert, aber die Infos kommen erst nach und nach so zu Tage, dass man auch als aufmerksamer Leser gut folgen kann. Kleiner Kritikpunkt: Ich persönlich halte nicht sehr viel davon, wenn unbeteiligte Personen wie die Familie des Ermittlers (in dem Fall die Tochter) selbst Ermittlungen aufnehmen und so tief in einen Kriminalfall hineingezogen werden, wie es hier der Fall ist. Das finde ich ein bisschen störend und auch unrealistisch. Nichts desto trotz ist die Geschichte hier sehr gut aufgebaut. Es ist ein einzigartiger Fall mit einer außergewöhnlichen Idee, die auch sehr gut und für den Leser spannend umgesetzt wurde.

Bewertung vom 08.09.2018
Befreit
Westover, Tara

Befreit


ausgezeichnet

Erschreckend, aber sehr bemerkenswert

Bei „Befreit“ handelt es sich um die Memoiren einer jungen Frau, Tara Westover, welche als jüngstes von sieben Kindern im ländlichen Idaho aufwuchs. Ihr Vater, ein radikaler Mormone, hielt aus krankhafter Überzeugung die Familie von Schule und medizinischen Einrichtungen fern; ihre Mutter, eine selbsterlernte Hebamme, baute mit dem Wissen über Heilkräuter eine gut laufende Produktion homöopathischer Mittel auf. Trotz teilweise schwerster Verletzungen bei der Arbeit auf dem Schrottplatz verließen sich die Eltern voll und ganz auf Gott und auf die Heilkräuter, statt dringend notwendige medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen, und rüsteten sich mit Waffen- und Benzinlagern sowie mit Lebensmittelvorräten für den Weltuntergang.
Mit 17 Jahren trifft Tara eine folgenschwere Entscheidung: Sie bringt sich selbst alles bei, was sie für den Aufnahmetest an eine Universität können muss und entflieht einem Leben voll Gewalt und Verschwörungstheorien…
Selten hat ein Buch so viele verschiedene Gefühle in mir ausgelöst. Ich war an vielen Stellen sehr beeindruckt, aber auch wütend, verzweifelt oder traurig. Die unvorstellbaren Schilderungen von Verletzungen, aber auch von Gewalt und radikalen religiöse Ansichten machten mich sprachlos. Mit dem Wissen, dass diese Geschichten sich tatsächlich so (oder zumindest so ähnlich) zugetragen haben, übertreffen sie viele heftige Krimis oder Thriller. Gleichzeitig kann ich nur staunen über den Mut, diese Geschichte öffentlich zu erzählen und über die Entwicklung, die Tara Westover durchgemacht hat. Wie sie heute versucht, ihre Vergangenheit und die Charaktere ihrer Familie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, finde ich sehr bemerkenswert.
Mein Fazit: Definitiv eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, und ich kann nur jedem empfehlen, sich auf die Geschichte dieser bemerkenswerten jungen Frau einzulassen!

Bewertung vom 08.09.2018
Das rote Adressbuch
Lundberg, Sofia

Das rote Adressbuch


sehr gut

Berührende Geschichte

Doris ist 96 Jahre alt, gesundheitlich sehr angeschlagen und einsam, da die einzige Verwandte, ihre Großnichte Jenny, weit weg in den USA lebt. Abgesehen von den wöchentlichen Skype-Telefonaten mit Jenny und ihrer kleinen Familie bleibt Doris wenig Erfreuliches im Alltag. Daher flüchtet sie sich ins Schreiben, um Jenny ihre Geschichte zu vermachen, wenn sie nicht mehr lebt. Und sie hat viel zu erzählen: Geboren in sehr ärmlichen Verhältnissen in Schweden führte ihre Reise sie zunächst als Dienstmädchen zu einer wohlhabenden Dame, dann als Mannequin nach Frankreich und schließlich in die USA, wo sie ihre große Liebe suchte. Die wichtigsten Wegbegleiter hielt sie in einem kleinen roten Adressbuch fest, doch von ihnen lebt fast keiner mehr…
Eine berührende Geschichte, die mehrere Etappen der Weltgeschichte anschaulich erzählt, zunächst aus dem Blick eines jungen, naiven Mädchens, später aus Sicht einer starken Frau, die in ihrem Leben viel durchgemacht hat. Eine Lebensgeschichte anhand eines Adressbuches zu erzählen, ist eine nette Idee und passt auch sehr gut zu dem Charakter, den Sofia Lundberg der Protagonistin zugeschrieben hat. Der Schreibstil ist sehr gelungen und schafft es, den Leser zu fesseln. Darüber, dass einige Elemente der Geschichte doch ein bisschen zu viel des Guten sind, kann man mit einem Augenzwinkern hinwegsehen, das sollte in einem fiktionalen Werk erlaubt sein. Und auch wenn ich es normalerweise nicht extra erwähne: Besonders gelungen finde ich hier auch das Cover des Buches, das tatsächlich aussieht wie ein kleines rotes Notizbuch. So hat man irgendwie das ganze Buch über das Gefühl, das kleine Adressbuch in den Händen zu halten.

Bewertung vom 08.09.2018
Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte
Khong, Rachel

Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte


gut

Augenblicke sammeln – das ist es, was Ruth, die Protagonistin dieses Buches, hier macht. Früher war es ihr Vater, der Augenblicke gesammelt und festgehalten hat, in einem kleinen, abgewetzten Notizbuch. Doch jetzt ist er an Alzheimer erkrankt. Ruth schmeißt ihren Job hin und zieht zurück zu den Eltern – für ein Jahr nur, nicht länger, darauf besteht ihr Vater. Gemeinsam mit Theo, einem Studenten ihres Vaters, erhalten sie ein kleines Seminar am Leben, um ihm eine Aufgabe zu geben. Doch im Laufe dieses einen Jahres zeigt sich immer mehr, wie heimtückisch diese Krankheit ist, und wie sie das Leben einer ganzen Familie schleichend, aber viel zu schnell voranschreitend, verändert.
Rachel Khong ist es hier gelungen, ein Jahr in „Augenblicken“ festzuhalten. Es ist kein wütender, verzweifelter oder emotionaler Blick auf die Krankheit, es ist sachlich, nüchtern, und trotzdem ein Stück weit persönlich und berührend. Es geht nicht um die Fakten, an manchen Stellen ist es humorvoll, und doch nicht unangemessen.
Besonders gut gefallen mir die Charaktere, die sehr eindrücklich und lebensnah beschrieben sind. Dennoch gibt es von mir auch Kritik: Durch den knappen, nicht unbedingt ausschweifenden Schreibstil konnte ich nicht richtig in das Buch finden. An manchen Stellen schien es mir sehr unpersönlich und distanziert – größere Konflikte, die durchaus vorhanden wären in der Geschichte, werden dezent vermieden und ausgespart. Die kurzen und knappen „Augenblicksbeschreibungen“ sind einerseits unterhaltsam, andererseits verhindern sie, dass man das Thema Alzheimer nah an sich heranlässt. Das ist schade, und ich hätte mir von dem Buch durchaus gewünscht, dass es mich emotional ein wenig mehr berührt.

Bewertung vom 03.09.2018
In Schönheit sterben / Robert Lichtenwald Bd.2
Ulrich, Stefan

In Schönheit sterben / Robert Lichtenwald Bd.2


sehr gut

Krimi, der Lust auf Italien macht

Giada Bianchi, eine ehrgeizige und talentierte Reporterin, ist dem Mörder eines römischen Kunstsammlers auf der Spur. Entgegen der klaren Anweisungen der Polizei und des Kulturgüterschutzes ermittelt sie mit Hilfe des deutschen Anwaltes Robert Lichtenwald immer tiefer in den Reihen der römischen Kunstszene, der Grabräuberszene und der Reichen und vor allem Schönen Roms. Schnell wird dabei klar, dass Schönheit nicht nur eine nebensächliche Rolle spielt für die Aufklärung des Mordes – es gibt Personen, die für Schönheit alles tun würden…
Ich habe den ersten Teil der Krimireihe um Giada Bianchi und Robert Lichtenwald nicht gelesen und Stefan Ulrich sagte mir bisher nichts. Doch das tat der Spannung beim Lesen keinen Abbruch. Ich wurde sofort hineingezogen in die Kulisse der Kulturhauptstadt Rom und in den mysteriösen Fall, bei dem nicht nur ein Mann ermordet wurde, sondern auch eine sagenumwobene Statue verschwunden ist. Stefan Ulrich schafft es hier, einen spannenden Plot zu schaffen mit interessanten Charakteren, der das Lesen sehr kurzweilig macht. Auch wenn man an der einen oder anderen Stelle als Leser vielleicht eine leise Vorahnung hat, wie sich der Fall entwickeln könnte, löst er sich erst am Ende des Buches komplett auf und bleibt somit spannend. Ich würde das Buch gerne als „soliden, nicht allzu düsteren Kriminalroman“ bezeichnen, aber das würde der guten Handlung und dem guten Schreibstil wahrscheinlich nicht ganz gerecht. Ich würde ihn deshalb als empfehlenswerten Krimi weiterempfehlen, der gleichzeitig Lust macht auf die Gegend um Rom herum und die italienische Kunstszene.

Bewertung vom 30.08.2018
Opfer
Lemaitre, Pierre

Opfer


sehr gut

Irrsinnig spannend, aber nicht ganz leichte Kost

Camille Verhoeven, Chef der Pariser Mordkommission, nimmt sich aus persönlichen Gründen eines Falles an, der eigentlich gar nicht in sein Aufgabengebiet fällt. Doch seine Geliebte wurde Opfer eines brutalen Raubüberfalls, und er kann nicht anders, als sie zu schützen. Sie überlebt und wird nun von den Verbrechern gejagt, da sie sie identifizieren kann. Es beginnt eine rasante Verfolgungsjagd, bei der Camille alles riskiert bis hin zu seinem Job. Doch wer Jäger und Gejagte sind, ist schon bald nicht mehr so ganz klar…
Am Anfang fiel es mir sehr schwer, in die Geschichte hineinzukommen, was unter anderem sicherlich auch an dem sehr speziellen Sprachstil und der Ausdrucksweise lag. Doch als ich diese Hürde einmal überwunden hatte, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen. Eine sehr spannende Geschichte, voller unvorhersehbaren Wendungen – genau so mag ich einen Thriller. Zugegeben, stellenweise geht es sehr brutal zu; zu zart besaitet sollte man daher nicht sein. Trotzdem würde ich das Buch als absolut lesenswert bezeichnen, wenn man sich einmal über den Anfang hinausgewagt hat. Die Charaktere, die Idee, die ganze Geschichte ist es absolut wert! Die Inhaltsangabe mag sich nach einem klassischen Thriller anhören, letztendlich ist er aber außergewöhnlich und sehr gut durchdacht.

Bewertung vom 14.08.2018
Ein Teil von ihr
Slaughter, Karin

Ein Teil von ihr


ausgezeichnet

Eine Tochter auf Spurensuche

Andrea hat in ihrem Leben bisher noch nicht viel auf die Reihe gebracht. Das Studium hat sie abgebrochen, sie lebt wieder zu Hause bei ihrer Mutter Laura und hat einen nur mäßig spannenden und bezahlten Job. Doch an ihrem 31. Geburtstag ändert sich plötzlich alles: In einem Restaurant ist sie einem jungen Amokläufer ausgesetzt und Laura rettet ihr auf eine eigenartige Art und Weise das Leben. Diese Rettungsaktion wirft Fragen auf und kurze Zeit später befindet sich Andrea selbst auf einer abenteuerlichen Flucht, auf der sie nach und nach den Geheimnissen und der Vergangenheit ihrer Mutter auf die Schliche kommt – und ihre eigene Identität immer mehr in Frage stellen muss.
Das Buch spielt in zwei Zeitebenen, die zunächst nicht wirklich in Verbindung zu stehen scheinen, doch nach und nach ergibt alles einen Sinn…
Karin Slaughter hat es geschafft, mich von der ersten Seite an in die Geschichte hineinzuziehen. Ein außergewöhnlicher Thriller mit ernstem Hintergrund, in dem nicht nur Andreas Weltanschauung auf die Probe gestellt wird. Immer wieder war ich gefesselt, vor allem von dem Teil der Geschichte, der in den 80er Jahren spielt. Erst am Ende habe ich verstanden, dass der Titel „Ein Teil von ihr“ mehrdeutig verstanden werden kann – nicht nur Andrea ist ein Teil ihrer Mutter, auch ihre Vergangenheit ist es.
Der Schreibstil hat mir sehr zugesagt und auch das Cover des Buches hat mir gut gefallen. Ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen und warte gespannt auf neue Werke der Autorin.

Bewertung vom 26.07.2018
Der Kreidemann
Tudor, C. J.

Der Kreidemann


sehr gut

Karma - Was man sät, das wird man ernten

„Der Kreidemann“ ist ein Debütroman von C.J. Tudor. Im Wesentlichen geht es um eine Jugendband, bestehend aus vier Jungen und einem Mädchen, in welcher keiner sorgenfrei aufwächst – jeder hat in irgendeiner Form sein eigenes Päckchen zu tragen. Zusammen beginnen sie, auf den Vorschlag eines Lehrers hin, sich mit Kreidezeichen vor ihren Häusern zu verständigen. Doch eines Tages führen diese Kreidezeichen sie zu einer Leiche…
In der zweiten Zeitebene, im Jahr 2016, kommt plötzlich die ganze Geschichte wieder hoch, und scheinbar ist sie alles andere als geklärt. Wieder gibt es einen Toten, und wieder tauchen Kreidezeichen auf. Doch welche Rolle spielt jeder Einzelne in dieser Geschichte, und wer gehört zu den Guten, wer zu den Bösen?
Diese Frage beschäftigte mich bis zum Schluss des Buches. Es liest sich flüssig und spannend, und trotzdem hatte ich etwas zu kämpfen mit dem Buch. Im Laufe der Geschichte kristallisiert sich heraus, dass es sehr viele Personen gibt, viele Motive, viele Erklärungen für das, was passiert sein könnte. Und die Auflösung ist irgendwie letztendlich doch etwas absurd und unvorhersehbar. Zugegeben, ein Thriller ist nicht unbedingt schlecht, wenn er unvorhersehbar ist. Aber in diesem Fall war mir der Handlungsverlauf etwas zu komplex und zu weit hergeholt.
Grundsätzlich jedoch war die Idee nicht schlecht, und ich bin sehr angetan von dem Setting, in dem die Geschichte spielt: Die spießige, kleinbürgerliche Stadt mit dem Brennpunkt-Spielplatz, Abtreibungsgegnern und Heuchlerischen Zeitgenossen, mit Lehrern, die in ihre Schülerinnen verliebt sind, mit Jugendlichen, die schwanger werden, mit Demenzerkrankten, mit Vätern, die ihre Familien schlagen. Hier ist alles dabei, was man sich nur denken kann.
Deswegen: Vier Sterne für die Idee, auch wenn die Umsetzung noch etwas verbesserungswürdig ist.