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Ryria

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Insgesamt 151 Bewertungen
Bewertung vom 07.01.2026
Cross, Ethan

Im Labyrinth der Furcht


gut

Der Einstieg in die Geschichte gelingt gut, wir knüpfen quasi nahtlos an das Ende der vorherigen Teils an. Ackerman und seine Familie befinden sich in der Gefangenschaft des Hüters und müssen dort diverse Spielchen und ellenlange Monologe über sich ergehen lassen, während Ackermans Partnerin Nadia versucht, ihn zu finden und zu befreien.
Wichtige Teile der vorherigen Geschichte werden nochmal kurz umrissen, sodass man sich schnell wieder an alles erinnert und auch als Neuling die Charaktere kennenlernt, trotzdem würde ich empfehlen, zuerst den direkten Vorgängerband zu lesen.
Das Lesetempo ist dank kurzer Kapitel und wechselnder Perspektiven durchgängig schön hoch, man verfolgt mehrere Handlungsstränge zugleich und jeder davon macht auch neugierig darauf, was als Nächstes dort passieren wird.

Das Problem an der Sache ist jedoch, dass diese anfängliche Neugier leider schnell verfliegt. Nach einem spannenden Start folgt ein doch eher zäher Mittelteil - man liest trotzdem noch schnell, aber mit schwindendem Interesse. Hierfür sind direkt mehrere Faktoren aus meiner Sicht verantwortlich gewesen: Der Serienmörder dieses Buches wird stark eingeführt und verliert mit jedem Kapitel an Glaubwürdigkeit dank seltsamer Entscheidungen, Drama und zu viel Gerede. Ähnliches gilt auch für den Hüter, statt eines starken Gegenspielers für Ackerman bekommen wir hier erstmal nur einen Bösewicht, der sich gerne selber reden hört. Auch Ackerman selbst scheint irgendwie weit weg von seinen üblichen Glanzleistungen zu sein und lässt seinen typischen Charakter und Witz etwas vermissen. Die Handlung hat gefühlt auf der Stelle getreten, nur Nadias Perspektive konnte mich größtenteils gut mitnehmen.

Schade fand ich auch, dass man nicht wirklich miträtseln konnte, ein Großteil der aufgeworfenen Fragen wird innerhalb weniger Kapitel auch schon wieder aufgeklärt.
Insgesamt hat mich das Buch dennoch ganz gut unterhalten und war auch teilweise mal recht spannend, aber irgendwie fehlte der Charme und es wurde einiges an Potential verschenkt. Man könnte dieses Buch vermutlich auch überspringen und würde trotzdem ohne Probleme den nächsten Band lesen können. Für (angehende) Nadia-Fans gibt es aber dafür ein paar coole Szenen, nachdem sie im vorherigen Teil ja eher keine Rolle gespielt hat.

Bewertung vom 04.01.2026
Winn, Cortney L.

Vesselless - Mein verräterisches Herz / Merciless Realms Bd.1


ausgezeichnet

Nizzara ist eine Prinzessin, doch statt aus Tanzstunden oder gemütlichen Nachmittagstees besteht ihr Tag aus erbarmungslosem Kampftraining, Rettungsaktionen der unterdrückten Untertanen und Gesprächen mit Geistern.
Einer dieser Geister ist der ermordete frühere König, der seine ganz eigenen Ziele verfolgt und Nizzara gefährlich werden könnte - oder doch sie ihm?
Die Gestaltung der deutschen Ausgabe wartet mit einer nützlichen Landkarte sowie Stammbäumen der Königsfamilien auf, was doch sehr hilfreich war.
Eher nutzlos war hingegen das Glossar, hier fehlte wirklich so einiges an Infos (um Spoiler zu vermeiden?).

Allgemein gab es nämlich wirklich viel, das man ins Glossar hätte schreiben können: Die Geschichte entführt den Leser in eine komplett neue Welt mit mehreren Königreichen, Dimensionen, Spezies, Magiesystemen, Geistern...
Gerade am Anfang ist dies teilweise doch sehr verwirrend und auch später gibt es immer noch Momente, in denen man nicht alles perfekt versteht, auch wenn es hier dann eher daran liegt, dass man die Geheimnisse der Welt so entdeckt.
Generell mochte ich die verschiedenen (Magie-)Systeme und Kulturen sehr, die Idee wirkte auf mich erfrischend und gut durchdacht.
Auch der Mix der verschiedenen Themen bot viel Abwechslung: Es gab Action und Turnierkämpfe, romantische Szenen, Freundschaften, Politik und familiäre Beziehungen.
Dabei ist der Großteil doch sehr düster und auch vor viel Gewalt und heiklen Beschreibungen wird nicht zurückgeschreckt - macht die Erzählung irgendwie authentisch, ist aber auch nichts für zarte Gemüter.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Nizzara und Dagen, sodass man beide Charaktere gut kennenlernen und verstehen kann. Auch ermöglicht dies mehrere Handlungsstränge und -orte, besonders wenn beide getrennt voneinander agieren. Nizzaras Perspektive fand ich etwas gelungener, jedoch ließ sich beides gut lesen - auch wenn nicht "viel" passiert ist, wollte ich doch immer weiterlesen und mehr über diese Welt erfahren.
Manche Nebencharaktere sind vielleicht ein wenig zu kurz gekommen, aber hier bin ich einfach mal auf die Fortsetzung gespannt.

Bewertung vom 27.12.2025
Fast, Brooke

To Cage a Wild Bird


sehr gut

To Cage a Wild Bird ist eine schöne Rückkehr zu den modernen Dystopien wie Tribute von Panem und ein gelungener Vorbote für das Revival dieses Genres.
Wir begleiten Raven, die als Kopfgeldjägerin im ärmeren Wohnviertel den Lebensunterhalt für sich und ihren jüngeren Bruder verdient. Als dieser jedoch verhaftet wird, folgt sie ihm in das berüchtigte Gefängnis, in dem die Reichen dieser Welt gegen Bezahlung Jagd auf die Insassen machen dürfen.

Das Setting ist jetzt nichts bahnbrechend Neues, auch findet man regelmäßig kleine Elemente aus diversen Dystopien wieder. Davon abgesehen konnte mich das Gefängnis als Handlungsort doch durchaus überzeugen. Verschiedene Details, Systeme und Personal des Gefängnisses wurden gut ausgearbeitet, ohne dabei jedoch den Leser mit zu vielen Informationen zu erschlagen. Man kommt recht ahnungslos mit Raven dort an und findet sich nach und nach besser zurecht, was ich ansprechend fand.
Dafür ist mir die Welt außerhalb des Gefängnisses jedoch etwas zu kurz geraten. Es gibt immer wieder mal kleine Informationshappen über die Geschichte und aktuelle Politik, allerdings nicht in dem Umfang, dass man sich irgendwie involviert fühlt. Hierbei hoffe ich auf den nächsten Band, der dies hoffentlich stärker in den Fokus nimmt.

Die Geschichte war eigentlich durchweg spannend, hatte zwischendurch allerdings auch manchmal Passagen, die mir gefühlt zu schnell oder teilweise auch zu langsam gingen.
Dies hatte auch Auswirkungen auf die Charaktere: In manchen Situationen hätte ich mir mehr Tiefe und eine authentischere Gefühlsbeschreibung gewünscht. Im Laufe der Geschichte wurde es besser, ist bei den Nebencharakteren jedoch immer noch etwas kurz geraten, weshalb ich zu ihnen auch eher nur eine oberflächliche Bindung aufbauen konnte. Auch hier sehe ich allerdings Potential für die Fortsetzung, vor allem wenn man diese Charaktere jetzt schon etwas besser kennt.
Insgesamt eine spannende Einführung in eine interessante dystopische Welt, die aber auch noch gut Luft nach oben für Band 2 lässt.

Bewertung vom 22.12.2025
Koppel, Benjamin

Großmutters Geheimnis


sehr gut

Auf zwei Zeitebenen tauchen wir in die Geschichte einer jüdischen Familie ein: Die Großmutter erzählt von ihrem Leben und den Schrecken des 2. Weltkrieges während der Enkel in der Gegenwart mit seinen ganz eigenen Dämonen kämpft.
Diese Aufteilung hat mir gut gefallen, vor allem da immer wieder Parallelen im Text oder in der Handlung gezogen wurden. Auch wenn sich der Inhalt der Kapitel/Zeitebenen stark unterschied, konnte man trotzdem die Verbindungen zwischen den Generationen erkennen.
Eine Metapher oder Beschreibung in der einen Zeit wird in der anderen auch aufgegriffen, wodurch man schön die Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen konnte.
Auch ermöglicht dies, das Thema der vererbten Traumata besser darzustellen.

Inhaltlich hat mir jedoch der Teil der Großmutter besser gefallen. Beim Lesen fühlte es sich so an, als würde man gerade wirklich von einer alten Frau ihre Lebensgeschichte erzählt bekommen. Es ist alles gründlich ausgearbeitet und recherchiert, mit so vielen kleinen Details, dass diese Familie und ihr Leben komplett echt wirken. Auch die späteren schlimmen Schilderungen gingen unter die Haut.
Zwar fühlte sich auch die Gegenwartsebene mit dem Enkel authentisch an, jedoch konnte es mich im Vergleich dann doch nicht wirklich packen. Alexander war mir nicht immer sympathisch und teilweise habe ich mich ein wenig schwer getan, seinen inneren Kampf zu verfolgen.
Auch das Einbinden von musikalischen Themen in die Geschichte und den Schreibstil war grundsätzlich passend, für mich als Musiklaien jedoch manchmal etwas schwer verständlich.

Generell mochte ich den Schreibstil im Großen und Ganzen, die Erzählung ist eher ruhig, aber nimmt einen trotzdem gut mit. Vieles ist schön formuliert, während ich selten aber auch über Kleinigkeiten gestolpert bin (vielleicht der Übersetzung geschuldet?). Insgesamt ein Buch, das von seinen authentischen Schilderungen der (Familien-)Geschichte und der Gefühlswelt der Protagonisten lebt und darin auch gut überzeugen kann.

Bewertung vom 05.12.2025
Bovalino, V. L.

The Second Death of Locke


sehr gut

Grey und Kier verbindet ein besonderes Band: Kier ist ein Magier, der für seine Magie jedoch Grey als Quelle benötigt.
Dieses eher ungewöhnliche Magiesystem hat direkt meine Aufmerksamkeit geweckt: Statt sich nur wie oft üblich auf die Entwicklung der magischen Kräfte einer einzelnen Person zu konzentrieren spielt hier die Verbindung zwischen zwei Charakteren und ihre Gefühle füreinander eine große Rolle.
Am Anfang war diese neue Welt und ihre Magie noch ein klein wenig verwirrend, nach einer Weile konnte ich jedoch gut den Überblick behalten. Hierfür waren die Karte sowie kleine Textpassagen aus Briefen, Büchern etc. am Kapitelbeginn auch hilfreich, diese haben ebenso gut zum Worldbuilding beigetragen.
Generell habe ich die Atmosphäre als sehr gelungen wahrgenommen, die düstere Stimmung wurde gut eingefangen und mit Themen wie Krieg und Intrigen verstärkt. Auch der Schreibstil trägt hier gut zu bei - die Geschichte war angenehm zu lesen und trotzdem auch voller ernster Momente.
Ebenso positiv fand ich die Beziehung zwischen Grey und Kier und die Entwicklung ihrer Liebe. Diese lässt sich Zeit, überzeugt mit ruhigen Passagen und fügt sich gut in den Rest der Geschichte ein.
Insgesamt eine spannende Fantasy-Erzählung mit gelungener Atmosphäre und einer interessanten neuen Idee für Magie.

Bewertung vom 04.12.2025
Kolb, Elli

Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen


ausgezeichnet

Als ihr Opa stirbt fällt Romy in ein Loch der Trauer - wie soll ihr Leben nun weitergehen, wenn auf einmal irgendwie alles anders ist?
Während dieser schweren Tage lernt sie zwei unerwartete neue Freunde kennen: Jakob, für den sie Gefühle entwickelt, sowie eine kranke Taube, die ohne ihre Hilfe vermutlich nicht überleben würde.
Dies ist kein super spannendes Buch, aber trotzdem wollte ich immer weiter lesen. Die Geschichte überzeugt vielmehr mit ihren ruhigen Tönen und emotionalen Beschreibungen.
Gerade wenn man selbst schon mal getrauert hat, sind viele Momente hier beinahe schmerzhaft vertraut. Es ist nicht dramatisch, aber entfaltet trotzdem große Wirkung.
Wir haben nur eine Handvoll Charaktere, was ich für die Länge der Geschichte auch sehr passend empfand. Jede:r von ihnen ist auf ganz eigene Art einzigartig, mit kleinen "Macken" und Angewohnheiten. Im Fokus bleibt aber Romy als Ich-Erzählerin und sie hat auf mich auch komplett authentisch gewirkt, von ihren Gefühlen bis hin zu ihrem Alter. Besonders toll fand ich auch, dass sich der Erzählstil ihren Gedanken angepasst hat, in manchen Momenten komplett wild, in anderen poetisch mit kleinen Weisheiten.
Generell mochte ich den Schreibstil auch sehr, in jedem Kapitel gab es mindestens eine Textstelle, die ich besonders schön oder berührend fand und mehrmals gelesen habe.
Ein weiteres Highlight waren die Tauben für mich - diese gibt es auch in der Realität und das hat man wirklich gemerkt. Ich habe viel Neues über Tauben gelernt, ohne mich eine Sekunde zu langweilen, und diese sind mir sogar noch mehr ans Herz gewachsen als vorher.
Insgesamt eine wundervolle ruhige Erzählung über (tierische) Freundschaften und Liebe und wie diese die Dunkelheit der Trauer erhellen können.

Bewertung vom 01.12.2025
Craig, Erin A.

Das Dreizehnte Kind


sehr gut

Neuerzählungen von Märchen sind ein ganz besonderes Genre: Man nimmt eine bekannte Geschichte und interpretiert sie auf seine ganz eigene Art komplett neu. Auch dieses Buch basiert auf einem Märchen, jedoch war es mir vorher diesmal nicht bekannt - und trotzdem spürte man auf jeder Seite das Märchenhafte.
Hazel ist das ungewollte 13. Kind und wurde deshalb schon vor ihrer Geburt dem Gott des Todes versprochen. Wir verfolgen ihre Kindheit, zunächst bei ihrer Familie, später bei ihrem göttlichen Paten, und erleben wie sie zur Heilerin wird und welche Herausforderungen dieser Beruf mit sich bringt.

Der Schreibstil hat mir richtig gut gefallen, Hazel erzählt aus ihrer Perspektive, aber trotzdem wirkt es gleichzeitig auch wie ein Märchen mit teilweise fast poetischen Elementen, das man erzählt bekommt.
Auch die Atmosphäre hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen, es wirkt alles sehr düster, aber trotzdem gibt es immer wieder kleine Lichtblicke, wie Kerzenflammen in der Dunkelheit.
Die angesprochenen Themen und moralischen Konflikte fand ich gut eingebaut: Man wird nicht davon erschlagen, aber trotzdem auch zum Nachdenken motiviert.
Generell hat mir auch das Erzähltempo gefallen, alles wird eher in ruhigen Tönen erzählt, was wiederum gut zur Stimmung beiträgt. Dies führt zwischendurch jedoch auch dazu, dass es doch mal kleinere Längen gibt und sich manche Erzählpassagen ein wenig ziehen.

Hazel als Erzählerin/Protagonistin mochte ich sehr, wir lernen sie als Kind kennen und verfolgen ihre Entwicklung über die Jahre, was natürlich die Bindung zu diesem Charakter verstärkt. Davon mal abgesehen war sie mir aber auch generell sympathisch und ich konnte ihre Entscheidungen und Handlungen oft gut nachvollziehen.
Zwar gibt es auch noch weitere tolle Charaktere, jedoch bleiben sie im Vergleich zu Hazel dann natürlich doch etwas blasser. Bei manchen von ihnen hätte ich mir vielleicht noch etwas mehr Charaktertiefe gewünscht.
Insgesamt eine gelungene Märchenerzählung, die jedoch durchaus auch sehr düster zwischendurch wird.

Bewertung vom 26.11.2025
Hill, Melissa C.

Evermind. Sie kennt dich


ausgezeichnet

200 Jahre in der Zukunft leben die Menschen in unterirdischen Städten, die von einer Künstlichen Intelligenz namens MAM gesteuert werden. Tagesablauf, Essen, Beruf, Rolle in der Gesellschaft, alles wird durch ihre Berechnungen entschieden.
Die junge Livia bekommt zu Beginn ihren Job zugewiesen, stellt sich jedoch mehr und mehr die Frage, ob MAM wirklich so unfehlbar ist und was sie alles verbirgt...
Auch wenn diese dystopische Handlung recht weit in der Zukunft spielt, ist das Thema vermutlich so aktuell wie nie, bereits angefangen bei der Frage, für welche Berufe man noch Menschen braucht und was auch einfach von einer KI übernommen werden könnte.
Die Überlegungen wie eine solche KI-gesteuerte Zukunft aussehen könnte erscheinen fast durchgängig nachvollziehbar, lediglich an vereinzelten Stellen war die Darstellung und MAMs Aktionen nicht komplett schlüssig aus meiner Sicht.
Generell fand ichs sehr interessant und auch spannend, diese dystopische Welt zusammen mit Livia zu erkunden. Viele Details und gut überlegte Systeme machen alles realistisch und gut vorstellbar.
Teilweise hätte ich mir noch mehr Infos oder Kontext gewünscht, z.b. noch andere Teile der Stadt kennenzulernen, jedoch war dies vermutlich der begrenzten Seitenzahl und der Ich-Perspektive geschuldet.
Auch das Ende erscheint aus selbigen Gründen etwas übereilt mit kleineren Logikfehlern, weshalb ich einen halben Stern abziehe, jedoch ist der Großteil besonders als Jugendbuch echt gut gelungen.

Positiv erwähnen würde ich hier zunächst den Schreibstil: Trotz des leicht technischen Hintergrundes bleibt alles super verständlich, auch lässt sich die Geschichte sehr flüssig lesen. Immer wieder werden auch kleine Liebeserklärungen an das Schreiben und die Macht des Wortes eingebaut, diese habe ich besonders gerne gelesen.
Der Kontrast zwischen technischem Kalkül und unperfekter Menschlichkeit wurde schön eingefangen, besonders auch im Hinblick auf die Entwicklungen der Charaktere.
Livia und Cassian sind ein sehr süßes Duo, ihre Liebesgeschichte war toll zu verfolgen und konnte einige gefühlvolle Momente aufweisen.
Aber auch die Nebencharaktere sind mir teilweise ans Herz gewachsen, mit all ihren Fehlern, die die KI nicht zu schätzen weiß.
Klare Empfehlung für alle, die mal wieder eine interessante Dystopie mit aktuellem Bezug lesen wollen!

Bewertung vom 12.11.2025
June, Joana

Bestie


sehr gut

Delia will sich neu erfinden und raus aus ihrem alten Leben - und wie ginge das besser als direkt mit einem neuen Namen in einer fremden Stadt. Dort zieht sie mit einigen Lügen im Gepäck als Lilly bei Influencerin Anouk ein und wir verfolgen aus beiden Perspektiven, wie ihre Beziehung sich entwickelt.

Zunächst muss ich unbedingt den Schreibstil hervorheben! Die Geschichte liest sich sehr angenehm und flüssig, aber trotzdem habe ich immer wieder innegehalten, um einzelne Sätze und Textpassagen auf mich wirken zu lassen. Vieles hat einen poetischen Touch, anderes ist eher direkt, aber immer schwingt sehr viel Wahrheit in den Worten mit. Kluge Beobachtungen über die heutige Zeit und Beziehungen aller Art wechseln sich ab mit atmosphärischen Beschreibungen.
Dazu gibt es noch eher experimentelle Kapitel, die ein ungewöhnliches Format wählen.

Delia und Anouk sind alles andere als perfekte Charaktere und gewiss keine makellosen Vorbilder, aber das macht sie oft auch wieder irgendwie sympathisch. Manchmal mag man sie so gar nicht, in anderen Abschnitten kann man dann aber doch mit ihnen mitfühlen. Gerade ihre Fehler machen sie auch authentisch. Teilweise hätte man hier jedoch vielleicht noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Insgesamt mochte ich besonders die Darstellung ihrer Freundschaft bzw. ihrer Beziehung generell zueinander sehr.
Auch Themen wie Feminismus oder Social Media kommen nicht zu kurz und runden das Ganze schön ab.
Ein schönes Debüt, das mich neugierig auf die nächsten Werke der Autorin macht.

Bewertung vom 09.11.2025
Uketsu

HEN NA IE - Das seltsame Haus


sehr gut

Uketsu und sein außergewöhnlicher Stil sind hier ja bereits durch "Seltsame Bilder" bekannt geworden, nun folgt mit dem seltsamen Haus sein Debütwerk. Während das Konzept auch hier wieder überzeugen kann und ein spannendes Leseerlebnis verspricht, merkt man doch auch, dass Uketsu noch ein wenig Erfahrung fehlte.
Inhaltlich verfolgen wir die Gespräche und Überlegungen einiger Charaktere, denen seltsame Grundrisse von Häusern in die Finger fallen. Schnell entwickeln sie diverse Theorien, warum die Räume etc. so gebaut wurden und welche Bewohner dort gelebt haben könnten.

Der Aufbau des Buches ist wieder sehr ansprechend, man bekommt zur Veranschaulichung viel Bildmaterial wie die Grundrisse und eine Vielzahl an Dialogen fördert den Lesefluss. Dadurch kann man den Überlegungen super folgen und fühlt sich mitten im Geschehen.
In der Printausgabe wurden die Grundrisse jedoch etwas zu häufig abgedruckt, während es im Ebook ganz nett ist.
Zwar kann man sich diese in Ruhe angucken und nach Auffälligkeiten suchen wie komische Fenster, allerdings ist der Miträtsel-Aspekt im Großen und Ganzen leider etwas auf der Strecke geblieben.
Die Charaktere liefern recht schnell Theorien, die dann auch so abwegig sind, dass man niemals auf die Lösung gekommen wäre. Das fand ich etwas schade, auch wenn es trotzdem Spaß gemacht hat, die Schlussfolgerungen zu verfolgen.

Generell war die Geschichte doch sehr japanisch (Überraschung) - mit allen Vor- und Nachteilen. Manches wirkt abstrus und konstruiert, kann dafür aber mit Originalität punkten. Aus westlicher Sicht und ohne Vorwissen mag einiges komisch erscheinen, für japanische Literatur ist es hingegen absolut typisch. Man kann super in die Kultur dort eintauchen, bekommt aber auch keine zusätzlichen Erklärungen. Ich glaube hier wären ein paar Anmerkungen der Übersetzerin noch ganz nett gewesen, denn mit ein wenig Vorwissen wirkt einiges direkt etwas anders.
Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß beim Lesen, der Stil mit den Bildern ist einfach sehr erfrischend und bietet kurzweilige, spannende Unterhaltung.