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Hanne2
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Langenargen

Bewertungen

Insgesamt 59 Bewertungen
Bewertung vom 28.08.2025
Kling, Marc-Uwe;Cronauer, Jan

Neon und Bor


ausgezeichnet

So, ich muss erst mal kurz durchschnaufen... Marc-Uwe Kling hat mit seiner Geschichte über die beiden Erfinderkinder unsere Lachmuskeln wieder direkt sehr herausgefordert - so absurd und ideenreich stürzen sich das Baby Bor und dessen große Schwester "Siefinderin" Neon in ihre neuesten Erfindungen, nicht immer ganz im elterlichen Konsens ("So wie Papas halt gucken,
wenn das Kinderzimmer aussieht, als hätte dort ein Laubbläser mit
einem Presslufthammer Tango getanzt.").
Der Aufbau der einzelnen Artikel verläuft kindgerecht nach dem immer gleichen Schema - ein Problem, eine Erfindung zur Lösung des Problems muss her, durch die Erfindung entsteht ein noch größeres vorher nicht einkalkuliertes Problem, Baby Bor hat die rettende Idee. In unserem Lieblingskapitel hat Neon durch ihre Erfindung jeden Tag auf's neue Geburtstag, was anfangs noch sehr witzig, später öde und dann nur noch zum Haareraufen ist... Wie immer in der Hörbuchversion toll gelesen durch Marc-Uwe Kling selbst und in jedem Fall gute Unterhaltung auch für längere Autofahrten.

Bewertung vom 18.08.2025
Keßler, Verena

Gym


ausgezeichnet

Was war das denn?!? Dieses Buch ist ganz anders als "Eva" und "Die Gespenster von Demmin" und dabei richtig, richtig gut! Ich war fasziniert, habe gelacht und stellenweise mit leichtem Ekel das Gesicht verzogen (Quentin Tarantino lässt grüßen...).
Die Protagonistin mogelt sich mit einer kleinen Notlüge ins Fitnessstudio Megagym, in dem sie zunächst hinter dem Tresen und später als Fitnesstrainerin in einem Kurs für Mütter arbeitet. Erst nach und nach eröffnet sich ihre Vorgeschichte und entfaltet sich ihr obsessiver, mitleidsloser Ehrgeiz.
"Fünfzehn Frauen, die für mich alle gleich aussahen, runde Gesichter, schlaffe Schultern, müde Augen, keine Ambitionen, nur die Hoffnung, es würde vielleicht schon reichen, sich hier auf die Matte zu setzen, um aus den Zwängen ihres Standardlebens auszubrechen." (S. 115)
Der Roman behandelt das Thema der auf Konkurrenz ausgerichteten Arbeits- und Freizeitwelt so laut und abgedreht, dass ich zwischendrin immer wieder schallend lachen musste. Mir persönlich hat das Buch sehr gefallen und empfehle ich gerne weiter an alle, die einen ironischen Ton und Quentin Tarantinos Filme lieben.

Bewertung vom 17.08.2025
Lühmann, Hannah

Heimat


ausgezeichnet

Mit dem 3. Kind schwanger ist Jana mit ihrer Familie aus der Großstadt in ein ländliches Neubaugebiet gezogen. Ihren Job hat sie gekündigt, die beiden Kinder sind ganztags in der Kita betreut. Erschöpft und auch irgendwie gelangweilt und leer trifft sie auf Karolin, die in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter von 4 Kindern ganz in sich zu ruhen scheint und dabei ein Weltbild vermittelt, was zunächst irritierend wirkt und gleichzeitig einen Sog ausübt. Nach und nach driftet Jana in die Idee einer Idylle ab, in der das Aufziehen der Kinder so natürlich und mühelos sowie die Aufteilung zwischen den Geschlechtern so klar und entspannt erscheint.
Den Roman hab ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Spannend fand ich, wie Hanna Lühmann ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu werten die unterschiedlichen Lebensentwürfe beschreibt. Manches erscheint zunächst haltgebend und Zugehörigkeit schaffend und das leise Gruseln stellt sich eher ganz subtil zwischen den Zeilen ein. Toll fand ich außerdem die Instagraminszenierung dargestellt. Die entsprechenden Bilder und Texte hatte ich sofort gut vor Augen. Das Ende hat mich dann tatsächlich geschockt und noch eine Weile nachgehallt. So offen, wie von anderen Lesern beschrieben, fand ich es eigentlich gar nicht. Liebend gerne hätte ich mich hier noch mit anderen darüber ausgetauscht. Überhaupt ist einiges im Roman nicht ganz auserzählt und lässt manches an Interpretationsmöglichkeiten und unterschiedlichen Sichtweisen zu. Für meinen Geschmack hätte der Roman auch gut und gerne noch 100 Seiten mehr haben dürfen. Erzählstil und Geschichte hätten es auf jeden Fall hergegeben.

Bewertung vom 02.08.2025
Schoeters, Gaea

Das Geschenk


sehr gut

Satire zur deutschen Gegenwartspolitik
Gaea Schoeters, aus Belgien stammend und Tochter eines Politikers, hat mit "Das Geschenk" einen Roman zur deutschen Gegenwartspolitik geschrieben. Mit seinen 144 Seiten ist das Büchlein eigentlich schnell gelesen, beinhaltet aber soviele Themen und Gedanken, so dass es zumindest bei mir die eine oder andere Pause gebraucht hat.
Nach der Verabschiedung eines umstrittenen Gesetzes zum Verbot von Elfenbeineinfuhr sendet der Präsident aus Botswana 20000 Elefanten nach Berlin und das Schicksal nimmt seinen Lauf... Im Vordergrund steht der deutsche Kanzler und der politische Alltag mit all seinem Lobbyismus, Taktieren, Ringen um Werte und Macht. Für mich ging es stellenweise etwas zu rasant durch die Themen, da hätte ich mir manchmal noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Auch das Thema mit den Elefanten in Berlin und Umgebung hätte man vielleicht noch etwas mehr auserzählen können.
Wer politische Satiren mag, wird in dem Büchlein einiges an "Hirnfutter" finden. Es regt in jedem Fall an, auch andere Perspektiven, die man vielleicht vorher gar nicht so sehr auf dem Schirm hatte, einzunehmen.

"Alles hängt davon ab, was du willst: Das Richtige tun oder an der Macht bleiben. Beides zusammen wird heutzutage immer unvereinbarer, das war früher anders."(S.129)

Bewertung vom 02.08.2025
Dröscher, Daniela

Junge Frau mit Katze


sehr gut

"Lügen über meine Mutter" hatte mir sehr gefallen und so war ich gespannt und neugierig auf den neuen Roman von Daniela Dröscher. Stand im ersten Band die Beziehung der Protagonistin zu ihrer Mutter und die elterliche Ehe im Vordergrund, geht es jetzt um Elas Beziehung zu sich selber. Angestellt als Doktorandin, zusammen mit ihrem Kater in einer kleinen 1-Zimmer-Wohnung unter dem Dach lebend, bestimmen ausgeprägte psychosomatische Symptome ihren Alltag.
Dabei ist die Sprache wie auch beim ersten Teil einnehmend und sehr zugänglich. Mit genauem Blick schildert Daniela Dröscher die Hilflosigkeit und Ängste der Protagonistin aber auch ihres Umfeldes angesichts ihrer vielen Beschwerden, durch die "der Körper laut spricht, wo die Seele schweigt". Es hat stellenweise für den Leser fast etwas Zermürbendes, Ela bei den zahlreichen Arztbesuchen zu begleiten, ohne dass eine tiefere Auseinandersetzung mit ihren darunter liegenden Konflikten und Gefühlen stattfindet. Mit den eingeschobenen Zitaten einer ihrer japanischen Lieblingsautorinnen konnte ich persönlich wenig anfangen bzw. lösten sie bei mir eher ein Gefühl von Distanz aus.
In jedem Fall habe ich die Darstellung des Leidensweges ausgelöst durch eine psychosomatische Erkrankung als stimmig erlebt. Während mich "Lügen über meine Mutter" wirklich berührt hat und ich emotional nah an den Figuren dran war, blieb bei "Junge Frau mit Katze" für mich Wesentliches nicht ausgesprochen. Aber vielleicht liegt es auch in der Natur einer psychosomatischen Erkrankung, dass der Kern ("das Eigentliche, das Wesentliche") so schwer zu greifen und zu benennen ist. Ich bin sehr gespannt auf ihre folgenden Bücher.

Bewertung vom 25.07.2025
Kelly, Julia R.

Das Geschenk des Meeres


ausgezeichnet

Tieftraurig und zugleich mit einer sehr einnehmenden Atmosphäre geschrieben

Wer sich die Frage "Ebook oder gebundenes Buch?" stellt, dem würde ich in diesem Fall eindeutig zum Buch raten. Das Cover nimmt mit seinen dunklen Blautönen wunderbar die Stimmung auf. Der dunkelpinke Farbton des Autorinnamens findet sich im Lesebändchen wieder. Sehr gerne hab ich den Roman allein schon wegen der Optik in die Hand genommen oder mich an seinem Anblick auf dem Tisch liegend gefreut.
Überhaupt hab ich das Lesen sehr genossen. Auch wenn der Roman, der am Anfang des 20. Jahrhunderts in einem schottischen Fischerdorf spielt, durchaus etwas Düsteres und Tragisches hat, beschreibt Julia R. Kelly mit soviel Atmosphäre das Leben der Dorfbewohner und deren Beziehungen, dass ich beim Lesen richtig in der Geschichte aufgegangen bin und mich jedes Mal gefreut hab, wenn ich weiterlesen konnte. Dabei wechselt die Erzählung zwischen dem Damals und Heute, wobei die Übergänge geschickt ineinander wechseln, so dass der Lesefluss nicht gestört wird. Getragen wird die Geschichte von Beschreibungen des Meeres und des Küstenwetters, das mal rauh und wild, dann wieder glitzernd und hell Teil des Lebens der Bewohner ist. Wer einen Roman sucht mit interessanten psychologischen Verflechtungen und Tiefe sowie viel, viel Atmosphäre, dem kann ich den Roman sehr empfehlen.

"...Und deshalb spricht sie nicht über sich wie die Frauen am Ofen, denn wenn man spricht, findet man Dinge über sich heraus, Dinge wie die Wesen in den Prielen, von deren Existenz man nichts ahnte, bis das Meer sie freigelegt hat." (S.213)

Bewertung vom 13.07.2025
Zwickau, Dora

Gesellschaftsspiel


gut

Das Cover ist klar gestaltet und zeigt die 3 Hauptfiguren des Romans - die beiden Schwestern Isabelle und Annika, sowie deren Tante Dagmar. Die 3 verbindet am Anfang wenig. Erst der Tod deren Mutter bzw. Schwester führt sie wieder zusammen. Parallel zu diesem Handlungsstrang möchte ein großer Tech-Investor und Spieleentwickler in deren Heimatstadt Weimar eine App einführen, die den Bewohner mehr politische Mitbestimmung und Einflussnahme ermöglicht.
Der Roman ist nah an den aktuellen politisch-gesellschaftlichen Themen dran. Zwischen den Kapiteln gibt es immer wieder Einschübe aus diversen Medien, die sehr gut den zum Teil aufgepeitschten, in der Anonymität des Internets radikal formulierten Ton wiedergeben. Wie gehen die beiden Stränge am Ende zusammen auf? Für mich tatsächlich leider nicht ganz. Vermutlich bin ich mit anderen Erwartungen in den Roman gestartet, z.B. wie sich die Frauen in einer möglichen Utopie/Dystopie weiterentwickeln.
Annika arbeitet in der Tech-Branche, Isabelle ist Lehrerin für Politik und Dagmar unterrichtet Soziologie an der Hochschule. So hatte ich bei manchen Dialogen oft den Eindruck eher ein Sachbuch zu lesen. Die Figuren und deren Beziehungsleben blieben für mich kühl und irgendwie blass. So sitzen die 3 Frauen wenige Tage nach dem Tod der Mutterin/Schwester in der Sauna zusammen und diskutieren die gesellschaftliche Neuordnung und sind am Ende froh, wieder zueinander gefunden zu haben. Ahja... vieles bleibt im Kopf, wird aber wenig fühlbar. Die Auseinandersetzung mit der zu erwartenden Trauer, möglicherweise auch Ambivalenz gegenüber der Verstorbenen und insgesamt eine emotionale Tiefe in der Figurenzeichnung wird man beim Lesen eher wenig finden.
Andererseits merkt man dem Roman die Expertise der Autorin mit der Tech-Branche und Medien sowie ihre intensive Auseinandersetzung mit deren gesellschaftlichen Verantwortung/Möglichkeiten an. Wenn man es so liest, wird man als Leser mit vielen Denkanstößen belohnt und bekommt einiges an Diskussionsstoff.

Bewertung vom 07.07.2025

National Geographic Kids - Jenseits der Unendlichkeit


gut

Das Buch widmet sich dem Superteleskop, dem James-Webb-Teleskop. Spannend zu lesen, dass es ganze 25 Jahre gebraucht hat, dieses zu entwickeln aber auch interessant, wie es aufgebaut ist und funktioniert. Die Bilder von fernen Galaxien sind großartig und besonders der Vergleich zu dem Vorgängermodell, dem Hubbleteleskop, sind beeindruckend und faszinierend.
Zwischendrin kommen in Interviewform verschiedene Weltraumforscher zu Wort. Insbesondere mit welcher Leidenschaft und Expertise Frauen dieses technische Fach vertreten fand ich sehr inspirierend und vorbildlich.
Jetzt kommt leider das große Aber... meine beiden Kinder (8 und 11 Jahre) waren anfangs trotz der tollen Bilder wenig für das Buch zu begeistern. Zu unstrukturiert ist teilweise die Kapitelanordnung und zu viel Wissen wird bereits vorausgesetzt (Aufbau des Sonnensystems, Gravitation, ...), so dass das Lesen und Verstehen für sie alleine mühsam war. Erst durch meine Begeisterung und viel zusätzliche Erklärung wurde das Buch auch für sie spannend und interessant. Die Altersangabe ab 8 Jahre finde ich zu früh, es sei denn, das Kind ist ein ausgesprochener Astronomiefan. Als Buch für die ganze Familie mit der Möglichkeit, auf Fragen der Kinder direkt eingehen zu können, gibt es einen tollen Einblick zum Thema Weltraum und James-Webb-Teleskop.

Bewertung vom 27.06.2025
Ehrenhauser, Martin

Unsere Suche nach Zärtlichkeit


sehr gut

Ein wenig erinnert der Roman mich an einen alten französischen Film - langsame Kamerafahrten, viel Zeit für das Bewegungsspiel der Mimik, immer etwas melancholisch, immer etwas schwierige Beziehungsthemen...
Als Leser starten wir in Brüssel, wo Dumont nachts als Telefonseelsorger arbeitet und tagsüber ein kleines Uhrengeschäft betreibt. Geschieden, scheu im Kontakt mit Frauen, rührt ihn plötzlich eine nächtliche anonyme Anruferin so an, dass er ihren Spuren nach Antibes folgt.
Der Roman ist grundsätzlich gut lesbar, wenngleich mich der Schreibstil jetzt nicht völlig in seinen Bann ziehen konnte bzw. mir etwas die Originalität gefehlt hat. Die Ortsbeschreibungen sind sehr ansprechend und man fühlt das Meer und die Sonne an der Côte d'Azur. Insgesamt ist es ein leiser Roman über die Sehnsucht nach Nähe und Zärtlichkeit, blieb mir an manchen Stellen dann leider doch etwas zu flach und stereotyp.

Bewertung vom 22.06.2025
Mugford, Simon

Fußball-Stars - Alles über Messi. Vom Fußball-Talent zum Megastar


ausgezeichnet

Unser Sohn ist jetzt nicht der allergrößte Fußballfan aller Zeiten. Von Messi hatte er allerdings schon gehört, wusste um den Glanz in den Augen manches Mitschülers, wenn es um diesen Ausnahmefußballspieler geht. Daher steckte er seine Nase sehr neugierig in das Buch und tja, wurde sehr lange nicht mehr wiedergesehen...
Das Buch ist toll für kleine Fußballfans, die bereits ein wenig lesen können. Sprechblasen, Fakten im Sammelkartenstil, lebhafte Illustrationen - alles wirkt sehr einladend und abwechslungsreich und lockt vermutlich einige kleine Lesemuffel hinter dem Ofen hervor.
Viele Fakten über Messi wurden bereits großzügig am Familientisch geteilt und besprochen ("Wusstet ihr, dass Messi..."). Auch Freunde unseres Sohnes, was äußerst selten vorkommt, haben sich das Buch von ihm ausgeliehen und sind begeistert. Von unserem Sohn gibt es uneingeschränkt 5 Sterne.