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Benutzername: EllenK87
Wohnort: Landshut
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Bewertungen

Insgesamt 93 Bewertungen
Bewertung vom 04.11.2021
Sidebitch 2 (eBook, ePUB)
Wood, Jona

Sidebitch 2 (eBook, ePUB)


sehr gut

Wer eine erregende und prickelnde Lektüre haben möchte, der kann bei dem Buch nichts falsch machen. Jona Wood schafft es mit ihrem bildhaften Schreibstil die Fantasie anzuregen und den Leser aus dem trüben Alltag zu entführen. Auf ca. 200 Seiten begleitet man Julie durch eine Phase ihres Lebens, in der Männer eine große Rolle spielen.

Hauptprotagonistin ist Julie. Sie hat einen Job, der ihr eigentlich Spaß macht, auch wenn sich ihr Chef schon mal richtig danebenbenommen hat.
Schon zu Beginn erfährt man, dass sie eine Schwäche für vergebene Männer hat. Bisher hat sie eigentlich auch kein Problem damit und genießt die Stunden zu 2, genauso wie dadurch ihre Freiheiten nicht einschränken zu müssen.
Doch je älter sie wird und umso mehr Beziehungen in ihrem Umfeld mit der Ehe gefestigt werden, umso häufiger fragt sie sich, ob sie diese belanglosen Affären noch haben möchte und ob sie immer wieder als „Ehebrecherin“ dastehen will.
Doch wie kommuniziert man das einem Mann, der eine unheimliche Anziehungskraft hat? Mit der Bekanntschaft zu Greta öffnet sich eine Tür für Julie. Die betagte Dame hat eine ähnliche Geschichte mit Männern hinter sich, wie Julie und gibt ihr daher Tipps. Moralische Kompass, ob der funktioniert ist egal, denn wichtig ist, dass man sich selbst in der eigenen Haut wohlfühlt. Und die Zeit für eine feste Bindung ohne Angst die Freiheiten aufgeben zu müssen, kommt von ganz allein und man merkt wann man dazu bereit ist.
Wie verändern sich Bedürfnisse im Laufe der Jahre und ändern die Veränderungen im Freundeskreis auch die eigenen Einstellungen. Wonach entscheidet man, was für einen selbst wichtig ist und wann die gesellschaftliche Moral über den eigenen Bedürfnissen steht? Was macht für manche Frauen vergebene Männer so anziehend und wann ist man bereit, die eigenen Freiheiten etwas einzuschränken?
Ein Roman für gemütliche Stunden, wo man einfach mal den Alltag vergessen kann und die Fantasie angeregt wird.

Bewertung vom 04.11.2021
Das kleine Chalet in der Schweiz / Romantic Escapes Bd.6
Caplin, Julie

Das kleine Chalet in der Schweiz / Romantic Escapes Bd.6


ausgezeichnet

Wohlfühlzeit in der Schweiz

Julie Caplin schafft in dem Roman eine Wohlfühlgefühlatmosphäre und lässt den Leser am Gefühlschaos von Mina teilhaben. Das Buch ist in 3 Teile aufgeteilt und enthält ein Rezept zum Nachbacken. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und der Schreibstil ist sehr schön zu lesen. Das Cover ist schlicht gehalten, stimmt den Leser aber schon auf die Reise in die Schweiz ein.

Hauptprotagonistin der Geschichte ist Mina.
Sie liebt es neue Rezepte zu probieren und mit den Geschmäckern zu experimentieren. In ihrem Job ist sie leider etwas festgefahren und kann sich dort nicht so ausleben, wie erhofft. Sie veranstaltet oft Themenpartys, wo sie ihre Gäste mit ihren Kreationen verwöhnt.
Der mexikanische Abend nimmt ein schlechtes Ende, denn statt der Verlobung mit ihrem Freund Simon, erfährt sie, dass er sie schon seit Monaten mit ihrer besten Freundin betrügt.
Als sie sich dann auch noch in ihrer Arbeit eine Auszeit nehmen soll, nutzt sie die Gelegenheit und fährt in die Schweiz zu ihrer Patentante. Schon auf der Hinreise lernt sie den charmanten Luke kennen und es kommt sogar zu einem Kuss. Als sie sich dann überraschend bei ihrer Patentante wieder begegnen, geht das Gefühlschaos los. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen, doch da er ähnlich spontan und sprunghaft wie sie ist, will sie lieber auf Abstand gehen. Luke hingegen sieht es als Fügung an, dass sie zu demselben Ziel reisen und versucht sie von sich zu überzeugen.
Mina findet schnell Freunde unter den Gästen im Chalet von Amelie und bringt sich zudem mit in der Küche ein. Sie fühlt sich frei und kreativ und kann in der Freizeit endlich auf den Bergen Ski fahren gehen. Sie merkt schnell, wie unglücklich sie eigentlich in England ist und das Simon sie immer aufgehalten hat.
Die Zeit mit Amelie, dem Nachbar Johannes und den Gästen im Chalet erfühlen sie mit Glück und in ihr reift eine Idee. Ein Neuanfang in der Schweiz, wo sie nicht nur ihren Traum leben kann, sondern auch den liebgewonnen Menschen nah sein kann und ihre Patentante entlasten kann. Wie wichtig die Entlastung für Amelie wäre merkt sie, als Johannes und Mina die Patentante auf dem Boden liegend vorfinden und ein Aufenthalt im Krankenhaus unumgänglich wird. Auf einmal muss Mina alles im Chalet organisieren und findet dabei viele helfende Hände.

Manchmal ist ein Ende mit Schrecken der beste Weg sich selbst zu finden. Veränderungen müssen nicht immer etwas Schlechtes sein und auch wenn man nicht an Fügung glaubt, sieht das Leben manches Mal seine ganz eigenen Wege für einen vor. Man muss sein Leben so gestalten, dass man glücklich ist und seine Träume auch mal leben.

Bewertung vom 28.10.2021
Meeressarg / Fabian Risk Bd.6
Ahnhem, Stefan

Meeressarg / Fabian Risk Bd.6


ausgezeichnet

Wenn sich das Böse unter den Guten versteckt

Stefan Ahnem schafft es auch in diesem Fall um Fabian Risk den Leser wieder in seinen Bann zu ziehen. Die 504 Seiten sind auf 2 Teile aufgeteilt und 69 Kapitel, die eine angenehme Länge haben. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft. Das Cover passt gut dem Inhalt des Buches.

Hauptprotagonisten sind Jan Hesk und sein Team, Kommissar Fabian Risk, Dunja Hougard und Kim Sleizner. Auch diesmal gibt es gleich 3 Schauplätze. Fabian Risk ist nach dem Suizid seines Sohnes Theodor überzeugt, dass ihnen etwas verschwiegen wird und Misshandlungen in der Untersuchungshaftanstalt vor sich gingen. Dunja möchte Rache nehmen an Kim Sleizner und ihm seine Karriere durch Beweise zerstören. Jan Hesk bekommt die Leitung des Falles, zu dem Fall der 2 Leichen, die in einem Auto aus dem Hafen gezogen wurden.
Der Fall um die 2 Leichen scheint erst eindeutig zu sein. Der Mann erwürgt beim Sex die Frau und erschießt sich dann selbst. Doch Jan Hesk stellt Ungereimtheiten fest und kommt schnell zu dem Schluss, dass noch weitere Personen darin verwickelt sein müssen. Seine Genauigkeit könnte ihm am Ende gefährlich werden, denn der Feind ist näher als ihm lieb sein kann.
Dunja stellt Kim nach und hat sogar GPS und Abhörsoftware auf sein Handy spielen lassen. Sie weiß, dass er es nicht immer so mit der Gesetzestreue hat und will ihm das auch endlich nachweisen. Doch plötzlich wird sie zur Fahndung ausgeschrieben und läuft Gefahr jederzeit festgenommen zu werden. Ohne das sie es will, findet sie Beweise, die Kim Sleizner mit dem aktuellen Fall in Verbindung bringt und seine Verbindungen zu einem elitären, im Untergrund agierenden Club ans Licht bringt. Und nicht nur er steht so in einem schlechten Licht da.
Fabian Risk läuft Gefahr seine Frau und seine Tochter nun auch noch zu verlieren, weil er einfach die Wahrheit wissen will. Doch was er dann vom Leiter der Haftanstalt erfährt, trifft ihn wie ein Schlag und bringt ihn sogar in Lebensgefahr. Auch er muss einsehen, dass der Wolf im Schafspelz steckt und ist sogar auf der Flucht vor der Polizei.

Der Weg nach ganz Oben ist ein schwerer und in dem Fall nicht ohne Bündnisse und illegale Mittel zu erreichen. Unter Verdacht stand Sleizner schon einige Male, nur nachweisen konnte man ihm nix. Werden die neuen Ermittler sich von seiner Art einschüchtern lassen und ist vielleicht sogar der Zufall ein Helfer.

„Meeressarg“ ist eine tolle Fortsetzung der Kriminalromane um Kommissar Fabian Risk und hält für die Leser einige Wendungen und vor allem viel Spannung bereit. Ein Kartenhaus aus Lügen, Geheimnissen und Morden steht kurz vor dem Einsturz, doch welche bittere Wahrheit behält es bereit?

Bewertung vom 18.10.2021
Reality Show
Freytag, Anne

Reality Show


ausgezeichnet

Eine Show um Alle zu unterhalten und im geheimen agieren zu können

Anne Freytag hat mit „Realty Show“ eine Geschichte geschrieben, die die Menschen wachrütteln soll. Auf 458 Seiten zeigt sie auf, dass unser System im Deutschland kränkt. Wir gehen zwar wählen, doch sind die gewählten Politiker wirklich für das Volk da oder eher für die Industrie und die Superreichen? Wer steuert wirklich das Land und warum besitzen 1 % der Bevölkerung mehr, als die restlichen 99%? Wohnraum wird für viele Menschen in den Städten zum Luxus oder gar unerschwinglich. Steuern fressen die Gehälter auf und an Sparen oder Urlaub ist für viele nicht mehr zu denken. Was läuft falsch in diesem Land?

Hauptprotagonisten sind eine Männer-WG und ihre Freundinnen, die nach einer Partynacht einen Plan machen, wie sie das Vermögen der Superreichen besser verteilen und so mehr Gerechtigkeit bringen – moderne Robin Hood Story.
Sie schmieden einen Plan, wie sich das Vermögen umverteilen können, ohne dass sie von den Sicherheitssystemen gestoppt werden können. Und wie ginge das besser als mit einem großangelegten Ablenkungsmanöver? Menschen wollen unterhalten werden und das geht am einfachsten mit einer guten Show und mit Gewinnen für die abstimmenden Teilnehmer.
Eine ausgewählte Top-10 von Superreichen wird an Heilig Abend, samt ihren Familien/Freunden als Geiseln genommen. Ihre „Vergehen“ werden in einem Video publiziert und dann darf die Bevölkerung über ihre Strafen entscheiden, denn die Justiz schaut einfach nur zu, da Löcher in der Gesetzgebung ausgenutzt werden. Nur bei einem der ausgewählten Leute ist auch ein privates Motiv beteiligt. Wird dieses private Motiv den Plan zum Scheitern bringen oder wird es einen Neustart des Systems geben?

In jeder Geschichte steckt ein wenig Wahrheit und wenn man als Bevölkerung in der aktuellen Zeit mal einige Entscheidungen kritisch hinterfragt oder aber auch schaut, wie die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, dann erkennt man tatsächlich Parallelen zu der Story „Reality Show“. Das System kränkt, dafür braucht man nur mal schauen, was ein Politiker als Diät erhält und wieviel Geld noch durch Nebenverdienste hinzukommt. Da fragt man sich manchmal schon, ob die Politiker für die Bevölkerung arbeiten oder für die Industrie und vorallem den eigenen Geldbeutel.

Bewertung vom 14.10.2021
Das Geheimnis des Bücherschranks
Skybäck, Frida

Das Geheimnis des Bücherschranks


sehr gut

Wenn die eigene Familie nicht den erhofften Halt gibt

Frida Skybäck nimmt den Leser mit auf einer Reise in der Jahr 1943 und 2007. Man erhält einen kleinen Einblick in das Leben von Anne und ihrer Enkelin Rebecka und wechselt zwischen diesen beiden Jahren und ihren Ereignissen hin und her. Der Schreibstil ist bildhaft und flüssig. Das Cover passt gut zum Buch, da ein Bücherschrank einige Geheimnisse verwahrt und eine Katze zur Gesellschaft wird.

Die Hauptprotagonistinnen sind Rebecka und ihre Oma Anna.
Rebecka arbeitet in Stockholm, ist mit Joar verlobt und hat für ihren Job ihre Familie südlich von Helsingborg vernachlässigt. Die versprochene Beförderung ist geplatzt und als ihre Oma sich die Hand bricht, will sie sich um sie kümmern. Ihr Verlobter hat dafür kein Verständnis, aber Rebecka kann und will ihre Oma nicht im Stich lassen. Sie hat ihr durch eine schwierige Jugend geholfen und nun will sie ihr helfen.
Anna lebt alleine in ihrem Häuschen und das Verhältnis zu ihrer Tochter Camilla ist sehr schwierig. Nur eine Katze, die sie Scarlett genannt hat, leistet ihr Gesellschaft. Sie hat in ihrem Bücherschrank ein paar Geheimnisse versteckt, über die sie nicht reden möchte, doch als ihre Enkelin die Sachen findet, muss sie die Wahrheit über ihre Vergangenheit sagen.

Alle 3 Frauen der Familie scheinen eine schwierige Kindheit gehabt zu haben. Anna ist zu Kriegszeiten groß geworden und ihre Eltern wollten versuchten sie vom Krieg abzuschotten. Dabei gerieten die Träume von ihr in den Hintergrund und sie war eigentlich ständig wütend auf ihre Eltern. Die Ehe mit Axel war ein Kompromiss für die, doch darunter musste am Ende Camilla leiden, die sich von ihrem Vater nie geliebt fühlte.
Rebecka zerstritt sich im Jugendalter mit ihrer Mutter und floh zu ihrer Oma. Die nahm sie auf und versuchte ihr ein zu Hause zu geben. Auch wenn die Zuneigung zur Oma da war, so fühlte sich Rebecka nie wirklich mit sich im Reinen, daher wollte sie eigentlich nie zurück in diesen Ort kommen.

Als Rebecka beim Aufräumen des Hauses den Bücherrang unverschlossen vorfand, gab sie ihrer Neugier nach und kam so ganz langsam den Geheimnissen ihrer Oma auf die Spur. Doch neben den Geheimnissen, musste sie auch ihr Leben entschlüsseln und dabei kam ihr Arvid in die Quere. Arvid macht anfangs den Eindruck eines mürrischen Landwirts, doch auch er hat einen weichen Kern. Als er die harte Schlale etwas ablegt merkt Rebecka, dass in ihrer Beziehung mit Joar etwas schiefläuft und das sie ihre Arbeit auch nicht mehr wirklich glücklich macht. Doch kann sie das einfach alles aufgeben. Je mehr von der Vergangenheit an die Oberfläche kommt, umso mehr verändern sich die Verhältnisse zwischen den 3 Frauen und umso klarer wird Rebecka dass es so nicht weitergehen kann.

Ablehnung und Geheimnisse stören das Zwischenmenschliche und erst als die schmerzhafte Wahrheit ausgesprochen und die Vergangenheit aufgearbeitet wird, kann eine unbeschwerte Zukunft beginnen. Liebe kann Wunden heilen, doch eine geheime Liebe kann auch viele Menschen verletzen.

Bewertung vom 27.09.2021
Pacific Crest Trail Killer (eBook, ePUB)
Piskulla, Christian

Pacific Crest Trail Killer (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Abgründe der Menschlichkeit

Christian Piskulla nimmt den Leser im Buch mit auf eine Reise auf den Pacific Crest Trail und die Abgründe eines Menschen. In 5 Teilen wird erläutert, wie man sich als Hiker auf dem PCT fühlt, wie die Ermittler fieberhaft nach dem Killer suchen und wir der Killer sich auf seine Taten vorbereitet. Doch wie wird ein Mensch zu einem Mörder? Und ist die Entwicklung in der Film-, Buch- und Spielebranche mit Schuld am Verfall der menschlichen Ethik?
Mark wollte nach seiner Zeit als Militärpolizist eigentlich nur seinen Jugendtraum erfüllen und den PCT wandern. Doch er ist noch nicht allzu lange unterwegs, als er zu einem Leichenfundort kommt, wo die Rangers von einem Unfall ausgehen. Schnell stellt er jedoch fest, dass das ein brutaler Mord war. Als das FBI hinzugezogen wird, ernennt man ihn zum Agent und möchte, dass er den Trail weiterläuft und dabei die Augen offenhält. Er soll recht behalten mit seiner Theorie, dass er Serienkiller unterwegs ist. Doch der Zufall sorgt dafür, dass es immer mehr Indizien gibt und das FBI immer mehr Kenntnisse über den Täter erhalten.
Ein übereifriger Ermittler nimmt einen Verdächtigen in die Mangel, obwohl seine Kollegen davon ausgehen, dass die gefundenen Beweise nur eine Trugspur waren. Als sich der Verdächtige das Leben nimmt, muss auch der Ermittler seine Sachen packen. Das Team um FBI Agent Cortez hat neben den Fall noch mit einigen privaten Problemen zu kämpfen, sodass das Personal immer weniger wird. Und da zwischen den Morden auf dem Trail ein Abstand von ca. 30 Tagen liegt, werden die Nerven des Teams ziemlich ausgereizt.
Christian Piskulla lässt die Leser in die Köpfe verschiedener Protagonisten schauen und durch die Erzählung aus der Ich-Perspektive kann man sich in die Situationen hineinversetzen. Zudem zeigt er immer wieder Seiten von Amerika auf, die die Menschlichkeit in Frage stellt. „American way of life“ lässt Leute durch das System fallen, die aus irgendwelchen Gründen keine Ausbildung machen konnten und keiner geregelten Arbeit nachgehen können. Die Obdachlosen und Bewohner der Trailer-Parks werden wie Abschaum angesehen. Und nachdem sich die „bessergestellten“ nicht mehr für das Militär meldeten, durften auch Vorbestrafte sich für Einsätze melden. „Killer made in America“, so kann man es nennen, denn ihnen wird beim Militär alles gelernt, damit sie töten können.

Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn sich billige Horrorfilm- und Pornografieproduktionen besser verkaufen, als Filme mit hochbezahlten Schauspielern. Warum ist die Gesellschaft in so einem Blutrausch, wo es immer brutaler zugehen muss und Gewalt gegen Frauen verherrlicht wird? Wird die neue Generation mit einem gestörten Verhältnis zu Recht und Unrecht aufgezogen, da sie so einfach an solches Bildmaterial kommen und die Computerspieleindustrie auf Spiele setzt, die Gewalt verherrlichen? Kann ein Buch zum Mentor werden?

Bewertung vom 17.09.2021
Das Flüstern der Puppen (Thriller)
Schwarz, Gunnar

Das Flüstern der Puppen (Thriller)


sehr gut

Morde nach Märchenvorlage

Gunnar Schwarz nimmt seine Leser in „Das Flüstern der Puppen“ mit auf die Ermittlungen von Lena und Henning. Ein Mörder benutzt Märchen, um seine Morde zu begehen und für die Ermittler beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Morde geschehen in kurzen Abständen. Doch wem kann man im Team wirklich vertrauen und wer hat vielleicht ganz eigenen Motive bei diesem Fall. Der Schreibstil ist bildhaft und flüssig, sodass man sich als Leser mitten ins Geschehen reindenken kann.

Die Hauptprotagonisten sind Lena Freyenberg und Henning Gerlach.
Lena stößt neu zu dem Team, nachdem sie ihren Partner bei ihrer letzten Dienststelle auf traumatisierende Weise verloren hat. Zudem kriselt es auch in ihrer Beziehung zu Nils, sodass sie die Entfernung als Chance sieht, die Liebe vielleicht neu entfachen zu können. Lena hat mit den Erinnerungen an ihren verstorbenen Partner zu kämpfen, doch das hält sie nicht davon ab, diesen „Puppenmörder“ schnappen zu wollen.
Henning Gerlach musste in der Vergangenheit ein paar Schicksalsschläge verkraften und wollte eigentlich nie wieder eine Partnerin an seiner Seite haben. Er hatte sich in seine Kollegin verliebt. Da die beiden aber ein sehr erfolgreiches Team waren, störte die Vermischung von privaten und beruflichen nicht. Die Entführung von ihr, welche durch die Folterungen eine Fehlgeburt zur Folge hatte, hat ihn aber fast zerstört und die Beziehung war zum Scheitern verurteilt. Auch wenn er Lena erst nicht als Partnerin haben wollte, so schafften sie es doch recht schnell, einander zu vertrauen und miteinander an dem Fall zu arbeiten.

Ein Mord an einer jungen Frau ruft die Ermittler auf dem Plan. Eine Puppe mit aufgeschnittenen Bauch voller Süßigkeiten wird vor Ort gefunden und geben Rätsel auf. Man hofft, dass es kein Serienmörder ist, doch nur wenige Tage danach zerschlägt siech diese. Die Vorgehensweise ist zwar eine völlig andere, doch die hinterlassene Puppe stellt den Zusammenhang dar. Die Ermittler kommen erst durch einen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen den beiden Opfern und müssen befürchten, das noch 3 weitere Personen auf der Liste des Täters stehen. Die Ermittlungen werden zudem erschwert, da der Täter immer einen Schritt voraus zu sein schein, sodass der Verdacht aufkommt, dass im Team ein Maulwurf ist. Hat vielleicht sogar ein Teammitglied eine Verbindung zu der Sache oder ist da nur ein unbegründeter Verdacht.
Lena und Henning vertrauen sich nur noch gegenseitig und wollen dem möglichen Maulwurf sogar eine Falle stellen. Doch die Ereignisse überschlagen sich, sodass Beide auf einmal um ihr Leben fürchten müssen.

Ein spannend geschriebener Thriller, der den Leser miträtseln lässt und einen in die Abgründe des Menschen blicken lässt, der Rache zu seinem Lebensinhalt macht. Menschen die sich verstellen um an ihre Ziele zu kommen und Eltern die Alles dafür tun um ihre Kinder zu schützen.

Bewertung vom 17.09.2021
Du hast mir gerade noch gefehlt
McFarlane, Mhairi

Du hast mir gerade noch gefehlt


ausgezeichnet

Nur wer hinter die Fassade der Freunde blickt, findet ihren wahren Charakter

Mhairi McFarlane nimmt ihre Leser im neuen Roman mit auf die Reise durch einen Lebensabschnitt von Eve. Das Cover ist ein typisches "McFarlane-Cover" welches ein bisschen Verspielt auf den Buchinhalt deutet. Auf 426 erlebt man eine Achterbahn der Gefühle, wo Liebe, Eifersucht, Wut und Freundschaft immer wieder eine Rolle spielen. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, sodass man auch mal eine kurze Pause zwischendurch zum Lesen nutzen kann. Der Schreibstil ist flüssig und lässt den Leser abtauchen in die Welt von Eve (aus ihrer Sicht wird die Geschichte erzählt) und ihren Freunden.

Hauptprotagonistin ist Evelyn „Eve“ Harris. Sie ist 34, arbeitet als Texterin für ein Online-Portal, ist seit Ewigkeiten in Ed verliebt und ist immer noch mit ihrer Jugendclique befreundet. Sie nehmen an Quizabenden im Pub teil und die Clique besteht aus Eve, Susie, Ed und Justin. Auch die Freundin von Ed nimmt hin und wieder an den Abenden mit teil, doch so wirklich gehört sie nicht zur Clique.
Nach genau solch einem Quizabend im Pub kommt das böse Erwachen für die Freunde, denn ein Unfall verändert das Leben Aller und ruft auch noch Susies Bruder Finley auf den Plan. Er war schon immer das schwarze Schaf der Familie Hart, doch die Freunde kennen natürlich nur die Erzählungen von Susie. Finley ist 2 Jahre älter und lebt seit vielen Jahren in New York. Er war schon in der Jugend eher unnahbar, doch mittlerweile scheint er gefühlskalt und arrogant zu sein. Was hat ihn so werden lassen und kann Eve vielleicht doch den Schutzpanzer knacken.
Nach dem Unfall schaut Eve immer mal wieder bei Susies demenzkranken Vater vorbei und macht dort die unliebsame Begegnung mit Finley. Er möchte nicht, dass sie sich weiter in Familienangelegenheiten einmischt, doch da Mr. Hart seinen eigenen Sohn gar nicht erkennt – so tief ist das Familienzerwürfnis – sorgt Eve dafür, dass er überhaupt Zuritt zum Elternhaus erhält. Als Mr. Hart sich alleine nach Edinburgh aufmacht, will sein Sohn ihn zurückholen und bittet Eve (auf seine Kosten) darum mitzukommen. Sie stimmt zu und so langsam lässt Finley etwas Nähe zu und schafft damit eine Vertrautheit zwischen den Beiden. Doch was ist da zwischen den Beiden und kann sie hinter die Familiengeheimnisse kommen.
Ein Geheimnis zwischen Ed und Susie kommt ans Licht und sorgt dafür, dass Eve das Vertrauen in die tiefen Freundschaften verliert. Sie fühlt sich verraten, doch eine Aussprache gibt zumindest etwas Klarheit. Doch dieses Geheimnis sorgt auch dazu, dass Ed und seine Freundin sich trennen. Ist nun endlich der Weg für Eve frei und will sie nach den ganzen Erkenntnissen der letzten Zeit noch diese Chance haben? Wie geht es mit den Freunden weiter, nachdem diese ungesagten Dinge auf den Tisch kommen?

„Du hast mir gerade noch gefehlt“ ist ein humorvoller, trauriger und emotionaler Roman, der gleich mehrere Schauplätze im Leben von Eve und ihren Freunden beleuchtet. Geheimnisse sorgen für Missverständnisse, lassen Menschen einen Schutzpanzer aufbauen und Unfälle sorgen dafür, dass so einiges ans Licht kommt. Nur wer es schafft hinter die Fassade der Menschen im Umfeld zu schauen, kann wirkliche Freundschaft und Liebe finden.

Bewertung vom 08.09.2021
Diese Frauen
Pochoda, Ivy

Diese Frauen


sehr gut

Sind manche Frauen weniger Wert?

Ivy Pochoda zeigt in ihrem Roman „Diese Frauen“, dass es immer noch ein verqueres Bild der Frauen gibt und die Polizei in manchen Fällen weniger Zeit in die Aufklärung steckt, als bei anderen Frauen. Das Buch ist in 5 Teile unterteilt und stellt dem Leser 7 Frauen vor. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und man kann sich gut in die Story reinversetzen.

Hauptprotagonistinnen sind Frauen, die einen unterschiedlichen Lebensstil haben und Opfer von einem Mann werden.
Feelia ist eine Überlebende, doch da sie zu der Zeit des Übergriffs auf der Straße arbeitete, überschlägt sich die Polizei nicht gerade mit ihrem Tatendrang. Und auch als sie nach diesem Überfall immer wieder auf der Wache auftaucht um eine Stalkerin zu melden, wird sie nicht allzu ernst genommen.
Dorian hat ihre Tochter verloren. Auch der Tochter wurde damals die Kehle aufgeschlitzt und eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt. Sie hat zwar nicht auf der Straße gearbeitet, aber einen gewissen Ruf hatte sie trotzdem, sodass auch da die Ermittlungen eher im Sande verliefen. Sie findet vor ihrer Fischbude immer wieder tote Kolibris. Doch was hat sie getan, dass ihr Jemand tote Vögel zukommen lässt. Sie spricht den Müttern Mut zu und bitte daru, dass ihre Stimmen nie verklingen werden, denn die Wut und Verzweiflung wird auch nie aufhören.
Kathy war ebenfalls in dem Umfeld „der leichten Damen“ anzutreffen und auch sie fand den gleichen Tod wie die Frauen zuvor. Julianna wurde von Kathy in diese Kreise gebracht, doch als sie sich entschied, dass sie dieses Leben eigentlich nicht nötig hatte, wurde auch sie ermordet.
Marella kannte 2 der Opfer. Julianne war das Nachbarsmädchen und die Tochter von Dorina war damals die Babysitterin von Julianne. Marella wurde von ihren Eltern auf ein Internat geschickt und hatte wenig Kontakt zu den Kindern in ihrer Stadt. Jetzt, wo sie älter ist, lehnt sie sich sogar ein wenig gegen ihre Eltern auf und will Künstlerin werden und auch sie erlebt einen Moment, wo sie auf einmal Angst vor einem Mann hat.
Esmeralda Perry wurde nach einem tödlichen Autounfall zur Sitte versetzt und bekommt es mit Feelia zu tun. Auch sie tut das Gerede der Frau erst ab und beschäftigt sich nicht weiter, doch als sich die toten Frauen mehren und es Ähnlichkeiten mit Morden von vor 15 Jahren ans Licht kommen, da hört sie zu und nimmt die gesammelten Beweise nochmals unter die Lupe. Ist es ein neuer Serientäter, der 4 Opfer gefunden hat, oder ist es der gleiche wie vor 15 Jahren und hat somit schon mindestens 17 Frauen das Leben genommen?
Und dann wäre da noch Anneke. Mutter von Marella und liebende Ehefrau. Doch warum hat sie ihre Tochter in ein Internat gegeben und warum hatte sie die Polizei vor 15 Jahren angerufen und um Rückruf gebeten? Was hat sie mit den Dingen zu tun, die vor Ort passieren?

„Diese Frauen“ zeigt, wie Menschen sich verstellen können und wie Frauen für ihr eigenes Schicksal selbst zur Schuldigen erklärt werden. Ein Mann ist „nur“ ein Opfer seiner Triebe und diese werden von „diesen Frauen“ ja angeheizt. Doch ist nicht auch die Polizei mit daran schuld, dass manche Frauen eher zu opfern werden, da bei Opfern aus einem bestimmten „Arbeitsumfeld“ weniger Kraft in die Aufklärung gesteckt wird? Ist das Leben einer bestimmten „Berufsgruppe“ wirklich weniger Wert?

Bewertung vom 25.08.2021
Und immer nur du
Weiß, Josefine

Und immer nur du


ausgezeichnet

Ungenutzte Chancen und ein mieses Schicksal

Josefine Weiss schafft es in „Und immer nur Du“ die Gefühle auf eine Achterbahn zu schicken. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und die Kapitel haben eine gute Länge. Sie schreibt ihre Geschichte von Fenja bildhaft und lässt den Leser an der Gefühlswelt der Hauptprotagonistin teilhaben.

Hauptperson im Roman ist Fenja. Vor 14 Jahren ist sie mit ihrem Vater aus Dahrenburg geflohen, als sich ihre Eltern trennten und ihre große Liebe Elias sich plötzlich von ihr abwendete. Damals war sie 16 Jahre alt.
Jetzt mit 30 ist sie erfolgreich als Dolmetscherin in einer großen Firma angestellt, hofft auf die Beförderung und ist zudem noch mit dem Sohn des Geschäftsinhabers verlobt. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Nachdem Fenja 6 Jahre zuvor ihren Vater beerdigen musste, folgte nun der Tod der Mutter. Nur durch einen Brief einer Kanzlei erfuhr sie davon und nun muss sie von Berlin zurück nach Dahrenburg um die letzten Angelegenheiten zu erledigen.

Doch der Besuch stellt ihr Leben auf den Kopf. Alles was sie bisher für die Wahrheit hielt und worauf sie sich ihr Leben aufgebaut hatte, wird in Frage gestellt. Zudem machen ihre Freunde ihr immer wieder klar, dass sie sich verstellt und nicht mehr an ihre Wünsche und Träume glaubt. Und auch Elias gesteht seinen Fehler ein, dass es damals falsch war, sie von sich zu stoßen. Aber er war ein Teenager und wollte seine Familie retten. Wird sie ihn diesen Verrat verzeihen können?

Ihr Verlobter ist gefühlskalt und möchte die eingefahrenen Traditionen seiner Familie wahren. Dafür bestimmt er einfach über Fenjas Leben, möchte, dass auch sie keine Gefühle zeigt und plant die Zukunft ohne Rücksprache mit ihr. Wird sie damit auf Dauer glücklich werden können oder öffnen ihr die Tage in Dahrenburg die Augen.

Auch wenn sich die Geschichte zum Guten zu wenden scheint, hatte Josefine immer noch eine Wendung mehr auf Lager und bringt ihre Romanfiguren damit an ihre Grenzen. Ein sehr gefühlvoller Roman, mit Momenten des Glückes, aber auch Momenten der Verzweiflung ist aus der Feder der Autorin entsprungen.