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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: sirimaus
Wohnort: Hamburg
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Bewertungen

Insgesamt 47 Bewertungen
Bewertung vom 22.10.2019
Laufen
Bogdan, Isabel

Laufen


ausgezeichnet

Atem- und sprachlos beeindruckt vom Lauf zurück ins Leben!
„Laufen“ ist das erste Buch von Isabel Bogdan, das ich gelesen habe, und es hat mich sehr beeindruckt!! Es hat mich so gefangen, dass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen konnte...

Die namenslose Ich-Erzählerin, 43 Jahre alt und kinderlos, beginnt ein Jahr nach dem Tod ihres Lebensgefährten wieder mit dem Laufen - um sich mit körperlichen Schmerz von dem seelischen abzulenken; um nicht mehr an ihren Verlust denken zu müssen; um wieder ins Leben zu finden... Ihre Gefühls- und Gedankengänge sind über lange Satzkonstruktionen abgebildet und lassen einen als Leser nach- und mitfühlen: wie sie versucht, den Verlust zu verarbeiten; wie die letzte Zeit in der Beziehung war; ihre Gefühle zwischen Schuld, Wut, Unverständnis („wie kann man nicht mehr leben wollen?“) und ganz langsam, mit Hilfe von Freunden, Musik und Therapeutin, einsetzenden Zuversicht...
manche Gedanken wiederholen sich, anderes aus ihren gedanklichen Rückblicken ist unerwartet und ganz oft möchte man zu ihr an die Alster oder den Hammer Park und sie umarmen.

Ein schwieriges Thema, das die Autorin sich hier vorgenommen hat! Meiner Meinung nach ist das beeindruckend gut gelungen und ich wollte mich nach den 200 Seiten bzw dem einen Jahr, das die Läuferin begleitet wurde, eigentlich noch gar nicht verabschieden... empfehle ich gern weiter.

Bewertung vom 22.10.2019
Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski
Egger, Regina W.

Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski


weniger gut

Von allem ein bisschen ist hier nichts so richtig...
Wien, 2018: das ungleiche Freundespaar Lukas, 28, studierter Historiker und Ewa, 66, seit einem Jahr Witwe, Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium, machen sich auf einen Roadtrip, da Ewa die letzten Wochen ihres Lebens noch auskosten will.

Irgendwie fühlte ich mich vom Plot leicht an „Die unwahrscheinlich Pilgerreise des Harold Fry“ erinnert, das ich sehr gern gelesen habe - aus ebenfalls traurigen Anlass wird eine Reise unternommen; das Buch bringt zum Nachdenken, aber hat auch lustige Momente. Leider hatte ich bei der Lektüre von diesem Buch weniger Vergnügen...
vielleicht liegt es daran, dass ich mit dem Ich-Erzähler Lukas nicht „warm geworden“ bin: seine permanente Kifferei ist mir völlig fremd und Fahren unter Drogeneinfluss kann ich auch in Büchern nicht gutheißen.
Ewa ist mir schon sympathischer, aber dadurch, dass sie aus Lukas‘ Sicht bzw über die Wiedergabe der Gespräche zwischen den beiden dargestellt wird, doch wieder fern. Die Gesprächsthemen haben irgendwie alles abgedeckt, was heute so jeden beschäftigt:
der 79. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs; die „Flüchtlingskrise“; Religion; Computer-Ballerspiele; die allgegenwärtigen Smartphones statt Gespräche ; Kindererziehung etc.. Die Meinung der Autorin zu allem ist sehr verträglich und kommt klar raus, aber bei so vielen Themen bleibt es oberflächlich.
Sehr detailliert beschrieben sind die Sehenswürdigkeiten an den Stationen des Roadtrips, hier kann das Buch - dank des Historikers Lukas- fast als Reiseführer herhalten.
Zum Ende hin -welches ich hier nicht vorwegnehmen will- wird mir alles zu harmonisch, zu sehr „happy end“.
Leider nicht mein Fall, da ich möglicherweise mit falschen Erwartungen an das Buch ging...

Bewertung vom 22.10.2019
Die Welt in allen Farben
Heap, Joe

Die Welt in allen Farben


ausgezeichnet

Der Text öffnet die einem Augen!
Der Debütroman des jungen Vaters Joe Heap, Jahrgang 1986, der den beiden Frauen Nova und Kate so berührende Gedanken und Gefühle gibt, hat mir sehr gefallen - auch der Übersetzerin Wibke Kuhn danke ich für viele schöne Sätze, über die ich länger nachgedacht habe...

Jillian Safinova, genannt Nova, 32 Jahre alt und von Geburt an blind; ist Dolmetscherin zwischen Englisch, Urdu, Französisch, Italienisch und arabisch. Nun muss sie eine neue „Sprache“ lernen: das Sehen... sie muss Farben und Formen wie Vokabeln lernen, das 3D-Sehen; Mimiken und Gestiken und noch viel mehr, was uns als von Geburt an Sehenden gar nicht auffällt... hierzu ein Zitat von Seite 104: „es sich so anfühlt, als würde ich versuchen, alle fünf Sprachen gleichzeitig zu lernen. Weil es sich anfühlt, als würden diese ganzen Unterhaltungen synchron geführt werden - Farbe und Tiefe, Form und Textur, Licht und Dunkelheit-, und ich soll versuchen, sie alle gleichzeitig zu übersetzen.“

Die zweite Protagonistin Kate, Architektin, ist mit Tony verheiratet. Zufällig begegnen sich die Frauen in emotionalen Ausnahmezuständen, verlieren einander aus den Augen und finden sich doch wieder... der Roman hat Züge einer Liebesgeschichte, aber auch spannende Seiten!
Wer über den Sinn Sehen einmal tiefer nachdenken will und Lust hat auf ein Buch mit einigen literarischen Ideen, wird hier knapp 400 Seiten Lesespaß haben!

Bewertung vom 22.10.2019
Der größte Spaß, den wir je hatten
Lombardo, Claire

Der größte Spaß, den wir je hatten


ausgezeichnet

Es sind alles Menschen...
„Der größte Spaß den wir je hatten“ - selbst Mutter von drei kleinen Kindern, hoffe ich sehr, diesen Satz irgendwann auch im Rückblick auf die Jahre mit Kleinkindern bzw die hoffentlich Jahrzehnte andauernde Ehe sagen zu können!
Ganz schön hohe Messlatte an Lebensglück, die Marilyn und David ihren vier Töchtern vorleben. Doch war es wirklich immer so leicht, wie es der Titel glaubhaft machen will?
Und finden Sie vier jungen Frauen ihr eigenes Glück in den Lebensentwürfen, die sich teilweise sehr von dem ihrer Eltern unterscheiden? Welche Geheimnisse trägt jeder der sechs Familienmitglieder mit sich?
Erzählt wird wechselnd aus den Perspektiven aller sechs, so dass von jedem Gedanken und Gefühle offenbart werden, die die anderen nicht ahnen. Selbstzweifel, Neid, Unsicherheit, grenzenlose Geschwisterliebe... jede Person wird so charakterlich stark entwickelt - mit manchem mag man sich identifizieren, mit anderem nicht. Ich fühlte mich nach den 700 Seiten in die Familie hineingewachsen - perfekt ist sie sicher nicht; aber das macht es ja gerade so lebensnah... es sind eben alles Menschen!

Bewertung vom 22.10.2019
Wie kleine Tiere groß werden. Die kleine Raupe
Grimm, Sandra

Wie kleine Tiere groß werden. Die kleine Raupe


ausgezeichnet

Ein Fühlerlebnis für kleine Kinderhände!
Ein wunderschönes Buch, das fast alle Sinne der Kinder anspricht:
Sehen: in den kräftigen Farben des Titelbildes colorierte, schematische Zeichnungen von der Entwicklung der Raupe zum Schmetterling;
Hören: erklärender Text zu den Bildern, jeweils 1-3 Sätze pro Doppelseite;
Fühlen: das Highlight! Die ausgestanzten Konturen der festen Pappseiten bieten viele Blüten, angenagte Blätter etc zum Anfassen und da sich die Aussparungen teilweise überlappen, entstehen Formen mit Tiefe - wie die Blüte in der Mitte des Covers. Später wird zB die rote Blüte mit Tupfen nach dem Umblättern durch die runde Aussparung ein Marienkäfer :) so haben auch ältere Kinder als die Zielgruppe ab 2 etwas zu entdecken und erforschen.

Ein rundherum tolles Buch, das bei uns einen „Logenplatz“ im Regal hat, da es farblich so gelungen ist.

Bewertung vom 22.10.2019
Otto
Suffrin, Dana von

Otto


weniger gut

Szenen aus dem Leben eines Juden im 20. Jahrhundert
Otto, jüdischer Patriarch, wird zum Pflegefall - zum (im wahrsten Sinne des Wortes) Leidwesen seiner Töchter Babi und Timna... letztere ist die Ich-Erzählerin des Buches und über 240 Seiten hinweg wird nicht nur die aktuelle Situation mit dem sehr fordernden Vater geschildert, sondern auch die Vergangenheit der Familie. Die Szenen bauen nicht chronologisch aufeinander auf; selbst innerhalb der Kapitel gibt es Sprünge zwischen früher und jetzt.
Die Personen werden schonungslos ehrlich und mit all ihren Problemen geschildert, von welchen es in dieser Familie reichlich gibt - durch den Erzählstil wirkt das jedoch nicht schwermütig. So richtig warm werden könnte ich mit den speziellen Personen und ihren skurrilen Erlebnissen jedoch nicht.
Ja, die Liebe zwischen Eltern und Kindern ist bedingungs- und grenzenlos... und ja, der Abschied vom Leben ist nicht leicht. Beides zentrale Themen in den Buch, aber irgendwie doch wieder nicht im Fokus. Schade, leider nicht meins.

Bewertung vom 22.10.2019
Das Erbe von La Florentina
Colwey, Anne

Das Erbe von La Florentina


gut

Familien- und Liebesgeschichte im Weingut in Süditalien
Southport, England, 2008: Laura van Dyck, 28 Jahre alt, angestellte Köchin mit dem Traum, sich eines Tages mit ihrer besten Freundin Fiona selbstständig zu machen, verliert ihre Tante Harriet, die ihr viel näher stand als ihre eigene Mutter. Wegen der ihr zufallenden Erbschaft reist sie nach Italien und taucht dort in die Familienvergangenheit ein...

La Florentina, Italien, 1947: die junge Amalia van Dyck vertraut sich ihrem Tagebuch an...

So weit, so bewährt der Aufbau der Geschichte mit ihren zwei Zeitebenen. Auch Gefühle kommen nicht zu kurz und die romantischen Stellen sind so beschrieben, dass das Kopfkino genaue Bilder vor Augen hat. („Ein Schauer rieselte durch sie hindurch, das Gefühl der Sehnsucht, welches seit ihrer Ankunft in Italien ihr ständiger Begleiter war, regte sich, wachte auf und streckte sich verlangend.“) Doch nun zum Aber: ich fand die Entwicklung der Liebesgeschichte unpassend - für mich nicht nachvollziehbar. Außerdem fehlt mir die Geschichte aus Carls Vergangenheit, die Auswirkungen auf den weiteren Verlauf von La Florentina hat. Als die Geschichte bei 81% des eBooks vorbei war und danach detaillierte Rezepte sowie eine andere Leseprobe folgten, war ich sehr erstaunt - ich hätte erwartet, dass diese Seiten die offenen Punkte klären und die Geschichte damit abrunden.
Von daher von mir nur eine eingeschränkte Leseempfehlung: ja, die Geschichte ist mit den zwei Zeitebenen und dem angenehmen Schreibstil gut erzählt; aber es fehlte mir eben leider etwas.

Bewertung vom 22.10.2019
Wer im Himmel auf dich wartet
Albom, Mitch

Wer im Himmel auf dich wartet


ausgezeichnet

Liebe und Vergebung - für andere, aber vor allem sich selbst
Annie heiratet die Liebe ihres Lebens, Paulo, und noch in der Hochzeitsnacht verunglücken sie. Annies Geschichte wird in drei Ebenen erzählt: sie trifft fünf Personen im Himmel, die für sie eine Bedeutung hatten; sie denkt an die begangenen Fehler als Kind und Jugendliche zurück; und die Ereignisse rund um den Ballon nach dem Unfall werden erzählt. Das ganze in einer Sprache, die auf der einen Seite sehr gut und flott zu lesen ist; aber auf der anderen Seite einige schöne Zitate zum Nachdenken bereithält. (Bsw „Wir können uns genau an den Tag erinnern, an dem wir verletzt wurden, aber wer erinnert sich an den Tag, an dem die Wunde verheilt war?“ - ein schöner Hinweis, dass man auch selbst wieder das positive, die Heilung, sieht; und sich nicht nur an das Negative erinnert...)
Annies Leben offenbart sich als ereignisreich und nicht leicht; sie hat vieles sich und anderen nicht verziehen - Details will ich nicht vorwegnehmen, da sich das Lesen dieses Buches wirklich lohnt! Diese Idee davon, wie es nach dem Tod sein könnte, ist angenehm und das Ende des Buches kam für mich überraschend.
Jedes Leben und alles darin hat seinen Sinn, auch wenn man das manchmal erst im Nachhinein erkennt. Und die Liebe kennt keine Grenzen :)

Bewertung vom 05.09.2019
Ziemlich beste Ferien - Abenteuer auf Spiekeroog
Hartmann, Luisa

Ziemlich beste Ferien - Abenteuer auf Spiekeroog


ausgezeichnet

Viel Wissen rund um Spiekeroog und das Wattenmeer kindgerecht in eine Urlaubsgeschichte verpackt
Lukas, 12, fährt mit seiner Mutter, deren Freund sowie dessen Tochter Viola, 9, für drei Wochen nach Spiekeroog statt zu seinem Vater nach Ibiza. Zunächst sieht er dem Patchwork-Urlaub sehr skeptisch entgegen und zieht sein Handy der neuen Umgebung vor, doch das ändert sich bald... in der Geschichte wird nicht nur das Zusammenwachsen der neuen Familie ganz nebenbei eingebracht, sondern auch ganz viel Wissen rund um das Wattenmeer und besonders die Insel Spiekeroog. Sehenswürdigkeiten wie De Utkieker, das Kuriose Muschelmuseum, die Pferde-Eisenbahn und Plätze wie die Strandhalle, das Trockendock und die Bake werden erwähnt - perfekt für alle, die sich an einen Urlaub auf der Insel zurückerinnern oder in Vorfreude schon etwas erfahren wollen! Vor allem die drohende Umweltkatastrophe und ihre Bekämpfung ist spannend geschildert und animiert zum Weiterlesen bis zum Ende der Geschichte auf Seite 100. Durch die passenden Illustrationen wird der Text angemessen aufgelockert und ist für Leser ab mindestens 7/8 Jahren, je nach Lesebegeisterung, sehr gut geeignet. Seite 102-108 sind dann Fakten rund um die ostfriesischen Inseln zum Nachlesen, nachgelagert ist noch die Leseprobe für „Abenteuer in Ostfriesland“ von S. 109-124 sowie eine Übersicht über weitere Bücher des Verlages. Tolles Buch und wir werden sicher noch weitere aus der Reihe vor Urlauben an den entsprechenden Ostseeorten lesen!

Bewertung vom 05.09.2019
Sal
Kitson, Mick

Sal


ausgezeichnet

Unendliche Geschwisterliebe!

Sal, 13, und ihre kleine Schwester Peppa, 10, fliehen in die Wildnis Schottlands - eine von Sal lange geplante Flucht aus dem kaputten Elternhaus mit einer alkoholkranken Mutter und ihrem Lebensgefährten, der sich regelmäßig seit drei Jahren an Sal vergreift. Bevor es nun auch Peppa treffen soll, ergreift Sal drastische Maßnahmen zu ihrem Schutz...

Mich hat dieses Buch nicht losgelassen - zum einen mit all dem Wissen über die Tiere, Pflanzen und Natur sowie das Überleben darin, das sich Sal angeeignet hat; aber auf der anderen Seite die fehlenden Emotionen, wenn es um ihre traumatisierenden Erlebnisse geht... beeindruckend, wie der Autor es hinbekommen hat, dies in einer Erzählung aus der Perspektive von Sal auszudrücken, dass sie auf der einen Seite schon erwachsen ist und sich (seit Jahren) um ihre Schwester kümmert; aber auf der anderen Seite eben noch ein Kind ist - in diese Rolle lässt sie sich nur in der Begegnung mit Ingrid fallen, was man dann am Erzählstil mit „und dann... und dann...“ merkt, als sie deren Lebensgeschichte wiedergibt. Wirklich sehr gut gemacht!!

Was den Verlauf der Geschichte angeht: ich will nichts vorweggreifen, aber als sehr realistisch ist es wohl nicht zu beschreiben mit den (zu) vielen passgenauen Zufällen... aber egal, für mich überwog das hervorragende „Wie“ die kleinen Abstriche beim „Was“ des Buches und die Geschichte findet so einen runden Abschluss. Sollte ich irgendwann mal einen Survival-Trip machen, nehm ich dieses Buch mit :)