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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Sali
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Bewertungen

Insgesamt 26 Bewertungen
Bewertung vom 15.09.2021
DAFUQ
Jarmysch, Kira

DAFUQ


ausgezeichnet

In diesem Buch verarbeitet Kira Jarmysch ihre Erfahrungen mit der russischen Justiz und Exekutive. Als Pressesprecherin von Alexej Nawalny durfte sie deren Bekanntschaft schon mehrfach machen. Hier ist es stellvertretend die 28 jährige Protagonistin Anja, welche nach der Teilnahme an einer ungenehmigten Demonstration 10 Tage in Arrest muss. In der Zelle trifft sie einen Querschnitt der russischen Gesellschaft, wie die Alkoholikerin Irka, welche keinen Unterhalt für ihre Tochter gezahlt hat und die schöne Maja, die ohne gültigen Führerschein gefahren ist. Beide verdienen sich ihren Lebensunterhalt, in dem sie sich an Männer verkaufen. Die eine für eine Flasche Schnaps und die andere für ein Luxusleben.
Besonders interessant fand ich die Beschreibung des Alltags im Arrest. Die Langeweile, welche mit dem nervtötenden Radio, dass zusätzlich an den Nerven der Gefangenen zerrt, Anja langsam in den Wahnsinn treibt. Fixpunkte werden die Essensausgaben, wobei das Essen besser ist, als ich immer gedacht habe. Ansonsten ist Anja mit ihren Gedanken und Erinnerungen allein.
Die Gespräche mit den Insassen, aber auch den Polizisten, die einen guten Schnitt der Sorgen, Sehnsüchte und des Denkens abbilden, fand ich unglaublich interessant. Und ganz besonders schön für mein Empfinden war, dass das Buch nicht wertet. Die Missstände werden aufgezeigt, aber jeder kann sich sein eigenes Bild machen und wird nicht gedanklich in eine bestimmte Richtung gedrängt. Oh ja und der Titel passt. What the fuck - wie schnell und unverhofft, kann man in Russland in so eine Situation geraten, egal ob arm oder reich, jung oder alt. Ich finde dieses Buch absolut gelungen, habe aber gleichzeitig die Befürchtung, dass es in Russland auf den Index stehen wird.

Bewertung vom 08.09.2021
Mai bedeutet Wasser
Mpoyi, Kayo

Mai bedeutet Wasser


ausgezeichnet

Ein Buch, wie die afrikanischen Sonne. Eine Sonne, die so hell und gleißend ist, dass man die Augen zusammenkneifen muss damit es nicht zu sehr schmerzt, wenn man Adi und ihrer Schwester Mai beim Spielen auf der Dachterasse zusieht. Ein Sonnenlicht, welches gnadenlos alles zeigt, was sonst verborgen bleibt. Aber das Sonnenlicht zieht auch dunkle und tiefe Schatten an, die Adi in ihren Bann ziehen. Und ihr Geheimnis ist duster. Leider bekommt sie keine Hilfe, da sie keine Worte dafür hat. Die Krankheit ihrer kleinen Schwester überschattet das gesamte Familienleben.
Ein sehr faszinierend geschriebenes Buch über ein Mädchen, welches langsam erwachsen wird, und sich sicher ist, dass Gott alles sieht und auch die Geisterwelt immer da ist. Sie ist kein einfaches Kind, eifersüchtig und manchmal gemein zu ihren Schwestern. Aber die Erziehung des Vaters und die Lehrer in der Schule sind sehr streng, Schläge an der Tagesordnung.
Wer Adis Leben folgen will, keine Angst vor Geistern hat und gern den Geschichten Afrikas lauscht, die seit Generationen existieren, der wird begeistert sein, aber die Tränen werden auch fließen.

Bewertung vom 03.09.2021
Das Buch der verschollenen Namen
Harmel, Kristin

Das Buch der verschollenen Namen


ausgezeichnet

„Eine Weise Person hat gesagt: Wir werden dadurch definiert, wer wir in unserem Herzen sind und wer wir auf dieser Erde zu sein beschließen.“
Die Bibliothekarin Eva Abrams durchfährt es wie ein Blitz. Sie erkennt in der Zeitung ein Buch, welches ihr vor mehr als 60 Jahren im besetzten Frankreich geraubt wurde, wieder. Und Eva macht sich auf den Weg nach Berlin zu diesem Buch, denn nur sie ist in der Lage, den Code, den es enthält zu entschlüsseln und jüdischen Kindern ihren Geburtsnamen zurückzugeben uns eventuell noch eine letzte Nachricht von ihrer großen Liebe zu finden.
Das Buch besticht durch 2 Handlungsstränge, welche eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. Einmal die Erlebnisse der jungen jüdischen Studentin Eva, welche unversehens in die Gräuel der Judenverfolgung gerät und alles tut, um wenigstens ihre Mutter zu retten. Auf der anderen Seite die reife Frau Eva, welche mit dem gleichen Elan ihren Weg weitergeht, um zu beenden, was sie begonnen hat.
Ein Buch wie ein Denkmal, an alle Menschen, die zu der Zeit Widerstand leisteten und diesen auch größtenteils mit dem Leben bezahlten. Ein Buch, was sprachlos macht und unglaublich rührend ist, wenn fast ein gesamtes Bergdorf jüdischen Kindern zur Flucht verhilft, dass wenigstens diese eine Zukunft haben.
Die Geschichte ist unglaublich spannend aber gleichzeitig sehr realistisch geschrieben. Man spürt die Zweifel, Ängste, Selbstvorwürfe und Hoffnungen der jungen Eva, als sie sich dem Widerstand anschließt und genau diese Gefühle machen die Person so unglaublich reell.
Dieses Buch ist eine Hommage an die Menschlichkeit und dass man die Hoffnung auf Glück nie aufgeben sollte. Und so wie das Mädchen Dorothee im Zauberer von Oz, findet Eva nun hoffentlich auch nach Hause.

Bewertung vom 29.08.2021
Pacific Crest Trail Killer
Christian, Piskulla

Pacific Crest Trail Killer


ausgezeichnet

4300 km Wanderweg - anspruchsvoll zu gehen, größtenteils einsam und abgeschieden. Doch jemand ermordet junge Frauen und verstümmelt sie. Zufällig kommt der Wanderer Mark Stetson, Ex Polizist und Ex Militärpolizist an den Tatort. Es beginnt ein spannendes Katz- und Mausspiel. Das FBI versucht den Mörder zu entlarven, Mark jagt ihn vom Trail aus. Doch dieser ist schneller und tötet wieder, wobei ihn die Abgeschiedenheit einen ungeheuren Vorteil verschafft.
Ein Buch mit unglaublichem Spannungsaufbau. Es führt in die Abgründe der Gesellschaft und zeigt das Gegenteil des „American Way of Life“ - die Welt der Verlierer und Abgehängten aber auch die Verlogenheit und Perversion der Gesellschaft, die gern online und unerkannt zuschaut. Niemand wird als Mörder geboren. Und dieser hier ist nach Aussage eines FBI Agenten ein „Killer Made in America“. Aber auch bei den restlichen Handelnden ist man sich nicht sicher, wem man trauen kann. Was ist z.B. mit der geheimnisvollen Rebecca, die dem Mörder entkommen ist?
Die sorgfältige Ausarbeitung der Protagonisten nimmt Zeit in Anspruch. Aber trotz der mehr als 600 Seiten liest das Buch sich flüssig und keineswegs langatmig.
Und der Hochglanzeinband ist auch ein absoluter Hingucker.

Bewertung vom 27.08.2021
Muttl auf Reisen
Bauer, Irmgard Rosina

Muttl auf Reisen


ausgezeichnet

Kleine Geschichten über das Reisen und das Loslassen. Rosi‘s 4 Kinder sind erwachsen und nun kommt für sie die Zeit, sich von ihnen zu lösen. In 5 Kapiteln zu unterschiedlichen Reiseorten (mal allein, mal mit einem Kind oder auch der ganzen Sippe) erzählt
Rosi zum einen liebevoll von Land, Leuten und Bekanntschaften. Aber was viel wichtiger ist, sie findet nach und nach sich selbst wieder. Ändert ihren Blick auf die Welt und gibt ihre Kinder frei.
Rosi ist eine sehr sympathische Frau mit einer lustigen Familie, welche mich bei der Beschreibung der Reise nach Rumänien (back to the roots) immer wieder zu Lachen gebracht hat.

Mir haben der Schreibstil und die kurzen Kapitel sehr gut gefallen. Lustige, neutrale und nachdenkliche Geschichten wechseln als gute Mischung. Kleine Zeichnungen runden die Geschichten gut ab. Ein Buch, welches man aufgrund seiner handlichen Größe und den in sich geschlossenen Kurzgeschichten auch gut im Bus lesen kann.

Bewertung vom 25.08.2021
Herbertstraße
Freitag, Manuela

Herbertstraße


ausgezeichnet

Das Buch behandelt in kurzen Kapiteln das Leben von Manuela, der dienstältesten Domina der Herbertstraße - über ihre traurige Kindheit, geprägt durch Pflegefamilien und Heimaufenthalten bis hin zu ihrem aktuellen Studio.

Auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter, welche eine Prostituierte war, kommt Manuela schon in jungen Jahren mit diesem Geschäft in Verbindung. Ihr gelingt es, sich im Gewerbe hochzuarbeiten und sie geht bis heute ihrer Arbeit als Domina nach. Sie erzählt natürlich auch Szenen ihrer Arbeit bis hin zu wirklich skurrilen Kunden. Aber alles wird gut erklärt und rational geschrieben. Schön habe ich auch empfunden, dass sie uns Einblicke in ihr Privatleben gegeben hat. Das empfand ich als sehr mutig.

Mir gefällt ihr Erzählstil. Obwohl in ihrer Kindheit und Jugend die Umstände häufig schrecklich waren, stellt sich Manuela nie als Opfer dar, sondern schildert die Umstände, wie sie weitergemacht hat und fertig - völlig ohne Gefühlsduselei. Natürlich blickt sie auf ihr Leben zurück und fragt sich, was wäre wenn. Aber dann geht der Blick nach vorn.

Mein Fazit:

Ein sehr lesenswertes Buch über eine starke Frau, die einem Beruf nachgeht, wo wir als Gesellschaft ja gern schweigen oder verlegen kichern. Manuela öffnet Türen zum Verborgenen und erklärt alles gut ohne dass es ins schlüpfrige abgleitet. Sie erzählt schonungslos, auch über eigenes Versagen - eben wirklich ihr Leben. Fotos im Buch runden die Geschichte ab.
Ein sehr lesenswertes Buch, welches ich gern weiter empfehlen werde.

Bewertung vom 19.08.2021
Die Frauen von New York - Glanz der Freiheit / Töchter Amerikas Bd.1
Carey, Ella

Die Frauen von New York - Glanz der Freiheit / Töchter Amerikas Bd.1


ausgezeichnet

New York in der Zeit des 2.Weltkriegs. Immer mehr Männer werden eingezogen oder melden sich freiwillig an die Front. Diese Entwicklung macht auch vor dem First Class Restaurant „Valentino’s“ nicht halt. Und somit erhält die junge Sous-Chefin Lily die Chance den Posten des Küchenchefs von Tom zu übernehmen als der an die Front muss. Eine Sensation zu der damaligen Zeit. Lily muss sich bei den alteingesessenen Köchen, machohaften Restaurantkritiken und einem gruseligen Oberkellner behaupten. Sie stellt, zusammen mit ihrem Team, welches aus immer mehr Frauen besteht, immer neue und der Nahrungsmittelknappheit angepasste, hochwertige Speisen zusammen. Als wäre das nicht schwer genug, ist da noch ihre Mutter, der es ein Dorn im Auge ist, dass ihre Tochter, die doch zur High Society gehört, arbeitet. Und sie hat doch für Lily bereits den passenden Mann gefunden. Dabei liebt Lily Tom, doch der wird vermisst. Und nur Ihre Arbeit und der Trost ihrer Großmutter und Toms Mutter lassen sie nicht verzweifeln. Dann ist der Krieg vorbei und die Männer kehren heim. Nur was wird jetzt aus den Frauen? Und wo ist Tom?
Eine sehr gefühlvoll geschriebene und gut recherchierte Geschichte, die mich in das New York der Vierziger Jahre entführt hat. Es war schön zu lesen, wie Lily immer mehr an den Aufgaben gewachsen ist und wie sie ihr Team erfolgreich geführt hat. Und auch die neuen Ideen, die sie und ihre Mitstreiter hatten wie z.B. der Victory Garden zur Versorgung des Lokals waren toll. Und schön fand ich, dass Lily nicht alles zugefallen ist, sondern dass sie fleißig und zäh war und trotzdem sehr menschlich geblieben ist. Weiterhin hat mir sehr gut gefallen, dass es dich nicht nur um eine Liebesgeschichte handelte, sondern dass der Mittelpunkt immer Lily und ihr komplettes Leben war.
Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen und ich werde die Nachfolgebände auf alle Fälle mit auf meine Wunschliste setzen.

Bewertung vom 12.08.2021
Die Nacht - Wirst du morgen noch leben? / Björk und Brand Bd.2
Beck, Jan

Die Nacht - Wirst du morgen noch leben? / Björk und Brand Bd.2


ausgezeichnet

5 Menschen gefangen in Glaskästen. 5 Aufgaben, die die Internet Community im Namen des Nachtmanns pro Nacht erfüllen muss, können sie retten. Wer sind die Leute und haben sie eine Chance? Inga Björk von Europl bleibt zusammen mit Christian Brand nicht viel Zeit, die Zusammenhänge zu finden, die diese 5 verbinden und diese zu finden. Ist das überhaupt machbar und welche Rolle spielt ein Bekannter Pharmakonzern dabei.
Die Geschichte ist mega spannend. Die Erzählweise erfolgt in Handlungssträngen - aus Sicht der Ermittler, aus Sicht eines Opfers und weiteren. Somit wird der Leser geschickt manipuliert und zum mitdenken angespornt. Ab und an schlich sich mir Gänsehaut über den Nacken.
Das Ermittler-Team ist überaus sympathisch, mit eigenen Fehlern und keine „Super Cops“.

Eine sehr lesenswerte Geschichte, die von mir 5 Sterne bekommt und die Hoffnung, dass der Autor auch einen Folgeband schreibt.

Bewertung vom 09.08.2021
Ein neuer Morgen für Samuel
Druart, Ruth

Ein neuer Morgen für Samuel


ausgezeichnet

Wie weit geht man, um das zu schützen, was man am meisten liebt?
Frankreich in der Zeit der deutschen Besatzung. Der junge Gleisbauer Jean Luc realisiert eines Tages, dass die Gerüchte wahr sind und auf dem Bahnhof Drancy keine normalen Züge an normale Orte fahren, sondern dass diese in einem Vernichtungslager enden. Eines Tages drückt ihm eine unbekannte Frau aus einem der Züge, ihren neugeborenen Sohn Samuel in die Hand und fleht in an, diesen zu retten. Jean Luc und seine Freundin Charlotte wagen das Unmögliche und fliehen mit dem Kleinkind.

Doch Jahre später holt sie die Vergangenheit ein. Samuels Eltern sind am Leben und suchen ihren Sohn.

Ein sehr emotionales Buch, was mich tief bewegt hat. Die verzweifelte Liebe der Eltern zu ihrem Kind und hier ist es egal, ob leiblich oder nicht. Der Schmerz des kleinen Jungen. Alles ist sehr detailliert und ergreifend geschrieben. Richtig und Falsch vermischen sich und als Leserin habe ich mir häufig die Frage gestellt, wie hätte ich mich entschieden.
Ein ergreifendes Buch, dass die Schrecken der Nazizeit greifbar macht. Man spürt die Verzweiflung von Sarah und David (Samuels leibliche Familie) und wie sie nur der Gedanke, dass ihr Kind überlebt hat, die schrecklichen Tage überstehen lässt. Nach 9 langen Jahren haben sie ihn wieder gefunden. Doch ihr Sohn lehnt sie ab und verweigert sich ihnen.
Aber auch Jean Luc und Charlotte, die ihre Familien verlassen, um dem Säugling das Leben zu ermöglichen, fand ich unglaublich. Die Autorin beschreibt sehr feinfühlig, wie Charlotte eine immer stärkere Bindung zu dem Jungen aufbaut und ihn beschützt. Es zeigt aber auch auf, dass man seiner Vergangenheit nicht entfliehen kann.
Nur was ist mit Samuel? Er kennt nur Charlotte und Jean Luc als Eltern und soll nun bei Fremden wohnen.

Die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin. Von mir eine absolute Leseempfehlung. Aber besser Taschentücher bereithalten, denn die Geschichte rührt zu Tränen.

Bewertung vom 04.08.2021
Die Unbeugsamen
Adams, Anera

Die Unbeugsamen


sehr gut

Für jemanden, der Abenteuer und Spannung garniert mit einer süßen Liebesgeschichte mag, ist es das richtige Buch. Durch den Zufall zusammengeführt, müssen sich das Stadtmädchen Katharina und der Unbeugsame Will, gemeinsam bewähren. Und dabei hasst Katharina die Unbeugsamen, seitdem diese ihren Vater gerötet haben. Aber stimmt das, was den Stadtbewohnern erzählt wird überhaupt?

Die Geschichte rankt sich im Wesentlichen um Katharina und Will. Wobei Katharina ab und an sich ziemlich naiv und kindisch verhält (eben verwöhntes Stadtkind). Will ist deutlich reifer, was schon allein seinem Schicksal geschuldet ist. Aber ich fand beide Protagonisten sehr liebevoll ausgearbeitet. Die Geschichte ist spannend, da sie sich immer wieder gegen den Orden zur Wehr setzen müssen, der ihnen gefühlt immer einen Schritt voraus ist, bevor es zum endgültigen Kampf kommt. Ach und eine gute Dosis Magie ist auch dabei, was bei einer Fantasy Geschichte nicht fehlen sollte.

Und das Buch ist von seiner Aufmachung ganz liebevoll gestaltet z.B. mit kleinen Ornamenten auf den Seiten (aber dezent ohne kitschig zu sein). Somit auch ein schönes Geschenk.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung.