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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Testsphaere
Wohnort: München
Über mich: Bekennende Lesesüchtige


Bewertungen

Insgesamt 27 Bewertungen
Bewertung vom 15.11.2020
Ein neuer Anfang / Palais Heiligendamm Bd.1 (eBook, ePUB)
Grünig, Michaela

Ein neuer Anfang / Palais Heiligendamm Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Eine Familienasaga, die Lust auf mehr macht

Zum Inhalt:
Das Seebad Doberan 1912 - provinziell aber auch gleichzeitig mondän - die Berliner Hotelierfamilie Kuhlmann sieht in diesem Ort die Chance sich den Traum eines familiengeführten Luxushotel, das Palais Heiligendamm, zu erfüllen. Wie in jeder Familie treffen unterschiedliche Charaktere zusammen, mit ihren unterschiedlichen Träumen und Hoffnungen. Das Ganze ist eingebettet in eine Zeit, die an sich geprägt ist von Umrüchen und zahlreichen gesellschaftlichen Änderungen.

Das Cover:
Gefällt mir sehr gut, ergibt das wesentliche wieder. Die lächelnde junge Frau, die den Blick auf sich zieht assoziiert man, sobald man die ersten Seiten gelesen hat mit der Hauptfigur Elisabeth Kuhlmann. Das Hotel im Hintergrund, alles passt gut zusammen.

Meine Meinung:
Eine zentrale Rolle spielt in diesem ersten Teil ganz klar Elisabeth Kuhlmann, die mittlere der drei Schwestern. Zur Familie gehören auch noch die Brüder Friedrich, der als Arzt in Berlin geblieben ist und Paul, zum Hotelerben auserkoren, auch wenn er sich selber eher als Musiker sieht. Dagegen träumt Elisabeth davon, am Hotelleben überhaupt eine Rolle zu spielen oder sogar es zu leiten. Sie verfügt über einen kaufmännischen Blick, begreift Zusammenhänge schnell und kümmert sich um jedes noch so kleines Detail im Hotel. Anfänglich noch in sehr kleinen Schritten, gelingt es ihr so nach und nach, vor allem durch die Unterstützung von Julius Falkenhayn, den Spagat zwischen gesellschaftlichen Konventionen und persönlicher Freiheit zu leben. Allerdings wird nicht nur Elisabeths Weg beschrieben, auch ihr Bruder Paul versucht sich von den Zwängen der Zeit zu befreien und auch Schicksalsschläge, die das Personal betreffen werde eingebaut.
Der Schreibstil gefällt mir ausnehmend gut, er ist unaufgeregt, gleichzeitig aber so, dass man immer dranbleiben und mehr erfahren will. Die handelnden Figuren sind gut beschrieben oder werden so angeleuchtet, dass man mehr über sie zu erfahren wünscht.
Das alles ist perfekt eingebettet in die Zeit, in der der Roman spielt, ohne dass die historischen Ereignisse zu sehr in den Vordergrund gestellt werden. Aber den Zeitgeist spürt man, sei es der Kolonialball, der im Hotel stattfindet oder natürlich der erste Weltkrieg selber, der auch auf das Leben im Hotel und auf die Familie Kuhlmann hat.

Fazit:
Für mich ein gelungener Einstieg in eine Familiensaga, der definitiv Lust auf mehr macht. Einige Personen und Handlungsstränge sind schon weiterführender und umfassender gezeichnet, andere spielen n diesem Teil nur eine Nebenrolle. Einziger kleiner Kritikpunkt, während sich die Geschichte in den Vorkriegsjahren viel Zeit lässt und mit vielen kleinen Details gespickt werden, entsteht der Eindruck, dass die Ereignisse in d n Kriegsjahren eher zusammenfassend abgehandelt werden.
Allerdings gelingt es Michaela Grünig insgesamt, die Spannung und das Interesse hoch zu halten, so dass man schon gespannt auf den nachfolgenden Teil ist.

Bewertung vom 14.11.2020
Bienentod (eBook, ePUB)
Mühlenhaupt, Stefanie

Bienentod (eBook, ePUB)


gut

Zukunftsvision mit aktuellem Bezug

Zum Inhalt:
Die Welt in einer (vielleicht nahen Zukunft) hat sich verändert, Insektensterben und lange Dürreperioden hatten Einfluss auf die Gesellschaftsstruktur. Nicht mehr politische Systeme kontrollieren die Macht, sondern Konzerne, die über die Nahrungsmittelproduktion bestimmen. Sophie, Biologin mit Spezialgebiet Bienenvölker, arbeitet für einen dieser Konzerne und hofft gemeinsam mit diesem die Zukunft zum positiven zu verändern. Doch bald muss sie feststellen, dass der Konzern anderes plant und sie widersetzt sich, was sie und ihr ganze Familie in Gefahr bringt.

Das Cover:
Gefällt mir ausgesprochen gut, Titel und Bild würden in der Buchhandlung auf jeden Fall den Blick auf sich ziehen. Wie sich der Titel quasi durch die Waben bricht finde ich klasse.

Meine Meinung:
Der Schreibstil ist gut und man wird direkt abgeholt und ist im Geschehen drin. Sophie als Hauptcharakter gefällt mir stellenweise ganz gut, auch die Entwicklung die sie von der Wissenschaftlerin zu Rebellin macht ist gut, aber sie bleibt insgesamt zu schwach gezeichnet, es gibt kaum einen inneren Konflikt und als Figur ist sie sehr oberflächlich gezeichnet.
Das trifft auch auf das Thema selber zu, ich hätte hier gern mehr "Theorie" zu dem Thema gelesen oder auch mehr Details wie es zu den Entwicklungen kam, wie FoodTec aufgebaut ist, wie die Rebellen funktionieren.
Dadurch, dass das alles weitestgehend etwas zu kurz kommt verliert der Roman, in meinen Augen doch sehr an Spannung, dazu fügt sich alles auch immer zu gut zusammen.

Fazit:
Hochaktuelles und spannendes Thema, aber durch die oberflächliche Behandlung auch etwas langweilig. Das nimmt dem ganzen so ein bisschen die Spannung. Das ist etwas schade, denn das Thema gefällt mir sehr gut.

Bewertung vom 20.10.2020
Arden Hall - Vermächtnis der Liebe (eBook, ePUB)
Schreiber, Julia

Arden Hall - Vermächtnis der Liebe (eBook, ePUB)


weniger gut

Arden Hall - eine Familiengeschichte im englischen Idyll
Zum Inhalt:
Sarah Brook, Tochter eines Gutsbesitzers im England des 19. Jahrhunderts, verliebt sich in den Stallburschen Rob. Die Liebe wird erwidert und beide erkennen schnell, dass die ohne einander nicht leben können. In der Zeit ist eine Heirat über verschiedene Standesschichten hinweg natürlich undenkbar.
Als Sarah einen Heiratsantrag für eine Scheinehe von George erhält, zögert sie nicht und nimmt diesen an. Doch auch der Earl of Arden führt ein geheimes Doppelleben.

Das Cover:
Gefällt mir wirklich gut, die Frauenfigur im Vordergrund zieht den Blick auf sich, der englische Landsitz passt ebenfalls sehr gut. Insgesamt ist es sehr stimmig.

Meine Meinung:
Der Schreibstil ist sehr flüssig und man kommt wirklich gut in die Geschichte hinein. Auch wie sich die Geschichte zwischen Sarah und Rob am Anfang entwickelt gefällt mir gut. Ungewöhnlich ist zum Beispiel, als Sarahs Vater den beiden auf die Schliche kommt, nicht direkt zu drastischen Maßnahmen greift, sondern sehr verständnisvoll reagiert.
Allerdings die Liebesgeschichte zwischen Sarah und Rob hat mich nicht so gepackt. Irgendwie war für mich die Faszination, die beide wohl aufeinander ausüben sollen, nicht greifbar, das war mir alles zu gefällig.
Insgesamt ist es auch so, dass die Bewohner auf Arden Hall alle zwar Geheimnisse haben, aber am Schluß soviele Menschen darin involviert sind, dass es dem Ganzen die Spannung nimmt. Auch die Art und Weise mit der Sarah mit allen Problemen umgeht, finde ich mittlerweile ziemlich anstrengend. Mir fehlen bei ihr ein paar Ecken und Kanten mehr.


Fazit:
Leider insgesamt zu konstruiert vor allem zum Ende hin, als immer mehr Handlungsstränge dazu kommen, die nur kurz angerissen werden. Angesichts dessen, dass dies der erste Teil einer Familiensaga ist, machen verschiedene Handlungsstränge Sinn, allerdings hätte man hier und da Abstriche machen können und im zweiten Teil, z.B. neu hinzuzufügen oder als Rückblenden hinzufügen können.
Insgesamt läuft hier alles zu sehr nach dem Prinzip „heile Welt“, alle etwaigen Probleme lösen sich gleich in Wohlgefallen auf, alles fügt sich immer zu perfekt zusammen, das lässt in meinen Augen die Geschichte zu konstruiert und leider zu langweilig wirken.

Bewertung vom 08.10.2020
Code: Elektra
Engstrand, Maria

Code: Elektra


sehr gut

Auf der Suche nach der geheimnisvollen Sternenuhr
Zum Inhalt:
Es handelt sich um den zweiten Band einer Trilogie, bei der sich die 13-jährige Malin und der gleichaltrige Orestes auf die Suche nach dem Rutenkind machen, um hinter das Geheimnis der Sternenuhr zu kommen. Dabei begeben sie sich auf eine abenteuerliche Schnitzeljagd innerhalb ihres Heimatortes Lerum, das sich in der Nähe von Göteborg befindet, in das auch ihrer beiden Familien und Freunde mit hineingezogen werden.

Das Cover:
Das Cover ist sehr gut gelungen und spiegelt das wieder, um das es im Buch geht. Außerdem passt es von der Farbgestaltung und Stil zu Band 1 aus der Reihe. Im Hintergrund sind Textfragmente und Symbole der Sternzeichen. Zentral stehen zwei Figuren (wahrscheinlich Malin und Orestes), vor einem orangefarbenen Hintergrund, der zu einem Teil einer Uhr gehört.

Meine Meinung:
Wir haben den ersten Band nicht gelesen, man kann der Geschichte aber auch so folgen, allerdings denke ich, dass das Ganze etwas stimmiger wird, wenn man die Bände tatsächlich in chronologischer Abfolge liest. Die erneute Suche nach dem Rutenkind startet, ganz stimmig, während einer Séance an Halloween, als Malin und Orestes neue Hinweise erhalten.
Die Suche selber führt sie an die verschiedensten Orte in Lerum wo sie nach den Briefen und weiteren Hinweisen zum Lösen der Codes suchen. Das ganze wird auch manchmal geheimnisvoll und abenteuerlich, was sicherlich auch an der Jahreszeit (der zweite Band spielt Halloween und Weihnachten) liegt. Die Charaktere gefallen mir sehr gut, jeder bringt etwas besonderes mit sich, auch die Nebenfiguren. Dazu bewegen die beiden Jugendlichen neben der Rätselsuche, auch die normalen Probleme, in der Familie, in der Schule und im Freundeskreis. Allerdings wird alles nur eher oberflächlich angerissen, was sehr schade ist.

Fazit:
Ein schönes Buch für Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren. Die Geschichte ist stimmig erzählt, aber mir fehlt es etwas an Tiefe. Das bezieht sich sowohl auf die handelnde Figuren, diese werden insgesamt nur sehr oberflächlich abgehandelt, auch wenn ich sie in sich interessant finde, da könnte man sicherlich mehr machen. Und das bezieht sich auch auf das Lösen der Rätseln, hier wird man als Leser einfach zu wenig mit hineingezogen. Das Erklären, wie die Codes funktionieren, finde ich wirklich toll, aber die Lösung wird dann einfach zu schnell präsentiert, das nimmt dem Ganzen etwas die Spannung.

Bewertung vom 26.09.2020
Das Schicksal der Henkerin
Martin, Sabine

Das Schicksal der Henkerin


sehr gut

Zum Inhalt:
Das Buch ist der dritte Teil einer Reihe, rund um das Leben Melisandes. Man kann es problemlos aber auch eigenständig lesen, die wichtigsten Informationen erhält man im Laufe der Erzählung.
Melisande erhält einen Hilferuf, der von ihrem totgeglaubten Bruder stammt. Umgehend macht sie sich auf den Weg diesen aus dem Kerker zu befreien, ahnt aber nicht, dass sie damit eine Kette von Ereignissen auslöst, die auch ihre Kinder und ihren Mann betreffen und die gesamte Familie in gegen Kindsentführer, die Kirche und kriminelle Burgherren kämpfen muss.

Das Cover:
Klassisch gehalten im Stil von historischen Romanen. Streift man mit dem Blick darüber in der Buchhandlung, weiß man gleich um was es geht.

Meine Meinung:
Man wird direkt in die Geschichte "hineingeworfen", alle Eckdaten aus den vorangegangenen Bänden erfährt man im Lauf der Erzählung.
Der Schreibstil ist lebhaft und hält den Leser in Spannung, dafür sorgen auch die Cliffhanger, die einen zu, Weiterlesen verleiten. Gut gefällt mir auch, dass die Geschichte in drei Erzählsträngen erzählt wird. Melisandes Suche nach ihrem Bruder, dessen Befreiung und die weiteren Abenteuer. Die Suche der beiden Kinder Melisandes, die ihre Mutter in Gefahr wähnen und sich wiederum auf die Suche nach ihr machen. Auch ihre Reise ist gefährlich und führt sie in so manche brenzlige Situation. Und schließlich die Suche Wendels nach seinen Kindern und Frau.
Auf geschickte Weise werden die Stränge verwoben, bis alle Protagonisten dann zum Finale aufeindertreffen.

Fazit:
Äußerst unterhaltsam erzählt, so macht Geschichte Spaß, vor allem mit so mancher Wendung, die man als Leser nicht erwartet. Die Figuren sind gut herausgearbeitet, einige historische Themen werden oberflächlich gestreift. Wer Fan großer und über mehrere Kapitel angelegter Charakterstudien ist und auch wer historische Eckdaten und ausufernde geschichtliche Informationen erwartet, wird hier nicht unbedingt fündig. Wer aber einen Abenteuerroman sucht, der in einer historisch spannenden Zeit spielt, der wird hier gut unterhalten.

Bewertung vom 20.09.2020
Vielleicht auf einem anderen Stern
Raney, Karen

Vielleicht auf einem anderen Stern


ausgezeichnet

Ein Buch für den zweiten Blick
Zum Inhalt:

Maddy, gerade 16 geworden, ist an Krebs erkrankt, die Heilungschancen sind gering, Rückhalt gibt ihr ihre Mutter Eve, die versucht ihrem Alltag einen Hauch von Normalität zu geben. Allerdings belastet ein Geheimnis die Beziehung der beiden, Eve hat sich von Maddys Vater noch vor deren Geburt getrennt und keinen Kontakt mehr zu ihm. Nachdem absehbar ist, dass die Krankheit einen tödlichen Verlauf nehmen wird, entschließt sich Maddy, ohne Wissen ihrer Mutter sich auf die Suche nach ihrem Vater zu machen.

Das Cover und Titel:

Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut, die Mohnblumenwiese, das Mädchen im gelben Blümchenkleid, das könnte Maddy sein,vor der Krankheit, das könnte auch die junge Eve sein. Den Titel im englischen ("All the Water in the World") finde ich etwas passender, da er auch Bezug zur Geschichte hat.

Meine Meinung:

Maddy ist schwer erkrankt und sie, wie auch der Leser wissen relativ schnell, dass die Krankheit tödlich verlaufen wird. Dennoch gelingt es diesem Roman nicht kitschig in eine Behandlungs- und Leidensgeschichte abzudriften. Die Krankheit bleibt präsent, aber es geht nicht um deren Behandlung, sondern eher, wie das Leben sich für die zwei Protaganisten mit und um die tödliche Krankheit herum gestaltet.

Während Maddy, mit knapp 16 noch möglichst viel an Erfahrungen mitnehmen will (über den ersten Freund, die Teilnahme an politischen Kampagnen oder eben den eigenen Vater kennenzulernen), muss Eve nicht nur für sich und ihre Umwelt Stärke zeigen, sondern auch für ihr Kind, sie muss versuchen ihr all das was sie sich noch wünscht zu ermöglichen. Bis auf den Kontakt zum Vater, die erfolgt nämlich ohne das Wissen von Eve.

Erst nach Maddys Tod erfährt Eve, dass Maddy Antonio, ihren Vater kontaktiert ist und dieses Wissen. muss sie zusätzlich zu ihrer Trauer bewältigen.

Das Thema oder die Themen sind nicht neu, was es für mich wirklich außergewöhnlich macht, ist die leise und unaufgeregte Art, wie es bearbeitet wird, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Während man nach dem Lesen des Klappentextes oder anderer Inhaltsangaben davon ausgeht hier vielleicht ab der Hälfte des Buches nur mit einem Taschentuch den Stoff bewältigen kann, passiert alles ganz unaufgeregt, aber mit vielen schönen Momenten und leisen Zwischentönen.

Fazit:

Ohne zu plakativ zu sein, ist dies für mich ein Buch für die Zwischentöne, manchmal auch für das was nicht gesagt wird und das von jeder Leserin und jedem Leser individuell hineininterpretiert wird. Die Krankheit begleitet beim Lesen durch das ganze Buch, steht aber nicht im Mittelpunkt, was den Figuren Raum für Entwicklung gibt. Manchmal hätte ich mir ein bisschen weniger Distanz gewünscht, allerdings muss ich sagen, dass der grandiose Epilog, das ganze wieder einigermaßen wett macht.

Bewertung vom 20.09.2020
Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis
Grill, Petra

Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis


ausgezeichnet

So bunt und vielfältig wie die Wiesn

Zum Inhalt:

Colina Kandl arbeitet als Schankmädchen in einem Münchner Wirtshaus. Doch sie erwartet sich mehr vom Leben. Mit viel Witz und einer List gelingt es ihr die Gouvernante Clara Pranks zu werden, deren Vater wiederum ist kürzlich von Nürnberg nach München gezogen mit dem erklärten Ziel Wiesnwirt zu werden.

Doch welchen Preis ist er bereit dafür zu zahlen? In einem bunten Reigen rund ums Münchner Oktoberfest entspannt sich dieser Roman und schafft ein unterhaltsames Stück Geschichte.


Das Cover:

Das Titelbild find ich gut gestaltet, insbesondere der Schriftzug. Allerdings ziehen beim Bild eher die beiden Frauenfiguren den Blick auf sich, dass sie - wahrscheinlich - auf der Wirtsbudenstraße flanieren, weißman erst wenn man das Bild genauer betrachtet. (Und natürlich dank des Titels ;-)


Meine Meinung:

Das Buch ist eine optimale Verbindung von historischem Roman, Kriminal- und Frauenroman. Man kann nicht so ganz festmachen: geht es um die Einzelschicksale der beiden jungen Frauen, Colina und Clara, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammen und vor verschiedenen schweren Entscheidungen gehen.

Andererseits wird ein lebhaftes Bild Münchens 1900 gezeichnet man erhält Einblicke in die Schwabinger Boheme rund um die Zeitschrift "Simplicissimus". Aber man erfährt auch, was es bedeutete am unteren Ende der Leiter zu stehen, was es hieß sein Leben ohne festes Gehalt als Schankmädchen zu verdienen . Abhängig von den Trinkgeldern der Gäste, denen man zuweilen noch andere Gefälligkeiten erweisen musste.

Gleichzeitig kann man mitverfolgen, wie der Zeitenwandel auch beim Oktoberfest Einzug hält, nicht mehr die Wirte verdienen daran, sondern immer mehr Einfluß erhalten die Brauereien, die den Bierpreis bestimmen und den Wirten mit ihren großen Bierburgen gehörig Konkurrenz machen.

Diese Konkurrenz gipfelt in einen Mord an einen eingesessenen Münchner Wirt, der von der Polizei aufgeklärt werden muss und der wiederum Einfluss auf Colina und Claras Leben hat.

So schließt dich der Kreis und schafft ein stimmiges Ganzes, das wirklich viel Spaß zum und beim Lesen macht. Der Schreibstil ist flüssig, der Geschichte lässt sich gut folgen und die Figuren sind bis in die Nebenrollen gut und individuell herausgearbeitet.


Fazit:

Ein wirklich lesenswerter und unterhaltsamer Roman, bei dem verschiedene Erzählstränge sich zu einer stimmigen Geschichte vereinen. Stets im Mittelpunkt steht das Oktoberfest und München selber. Die Geschichte ist von Anfang bis Ende spannend erzählt und überrascht mit der ein oder anderen Wendung. Auch wenn dieses Jahr das Oktoberfest nicht stattfindet, hier lebt es auf jeden Fall wieder auf.

Bewertung vom 06.09.2020
Bio, Deutsch und Zauberei / Sophie und die Magie Bd.1
Martin, Katharina

Bio, Deutsch und Zauberei / Sophie und die Magie Bd.1


sehr gut

Auf der Suche nach dem verschwundenen Einhorn
Zum Inhalt:
Sophie besucht seit knapp zwei Wochen die 5. Klasse der Autora-Fanning-Gesamtschule. Hier werden Kinder mit Zauberkräften, sowie magische Wesen zusammen mit Kindern ohne magische Fähigkeiten unterrichtet. Da Zaubern im Unterricht verboten ist, weiß Sophie, zu ihrem Leidwesen, noch nicht, wer zu den magischen Wesen gehört und wer nicht. Doch das ändert sich an dem Tag, an dem in einer Pause auf einmal das Klassenbuch durch den Raum fliegt und vor der eingebildeten Anna-Lena zuklappt.
Kurze Zeit später, kennt nicht Sophie nicht nur einige magische Kinder aus ihrer Klasse, sondern macht sich sogar gemeinsam mit ihnen auf eine abenteuerliche Suche.
Das Cover:
Gefällt mir ganz gut, spiegelt die Hauptfiguren im Comic-Stil wieder, ohne dabei zu kindlich-naiv zu sein. Die Idee den Titel des Buches auf die Tafel zu schreiben ist klasse und auf jeden Fall ein Eyecatcher.
Meine Meinung:
Man wird zum eigentlichen Kern der Geschichte - die gemeinsame Suche und wie sie die Kinder, die daran beteiligt sind, miteinander verbindet - langsam herangeführt. Das gefällt mir sehr gut. Die 5. Klasse ist aufregend, neue Schule, neue Lehrer, eine neue Klasse. Diese Aufregung und vielleicht auch die damit verbundenen Ängste merkt man Sophie auch an, aus ihrer Grundschule kennt sie nur Fenja, mit der hatte sie vorher nicht soviel zu tun und jetzt scheint sie sich auch noch zu verändern. Wie sie nach und mach ein magisches Wesen, kennenlernt und wie sie dann zu einer kleinen Clique werden ist auch schön herausgearbeitet. Gut finde ich auch die kleinen Details, wie z.B. dass in der Deutschstunde das Thema Briefe besprochen wird, das war im vergangenen Schuljahr auch in der Klasse meiner Tochter das Thema.
In Sophies Clique verstehen sich die „Magischen“ und die „Normalen“ sehr gut, sie bilden eine verschworene kleine Gemeinschaft, in der jeder seine Fähigkeiten und Besonderheiten hat, die auch in der ein oder anderen brenzligen Situation zum Tragen kommt. Ich würde jetzt da nicht hoch-philosophisch oder gesellschaftskritisch herangehen, natürlich kann man hier herauslesen, dass man jeden so akzeptieren soll wie er/sie ist und ohne Vorurteile jede(n) akzeptieren soll. Im Prinzip ist das doch die Kernessenz der meisten Kinderbücher, in der sich eine buntgemischte Truppe zusammenfindet um Abenteuer zu bestehen.
Da dies der Auftakt einer Buchreihe ist, gerät das Abenteuer selber etwas in den Hintergrund, die Entwicklung ist einfach zu vorhersehbar. Aber alles in allem ist es doch stimmig. Der Schreibstil ist angenehm, das Buch lässt sich flüssig lesen.
Fazit: Ein schönes Buch für junge Leserinnen und Leser in der Altersklasse von 7 - 9/10. Ältere Kinder könnten sich etwas langweilen (so ging es phasenweise meiner Tochter mit 11, schließlich gibt es ja auch andere Zauberschulen, in denen auch aufregende Sachen passieren :-)). Ein bisschen aufregender wäre es sicherlich, wenn die Charaktere nicht ganz so vorhersehbar wären und nicht ausschließlich in schwarz-weiß gezeichnet wären, d.h. dass die Bösen nicht nur ausschließen böse sind und umgekehrt.

Bewertung vom 14.10.2018
Per sempre - In ewiger Liebe
Talisker, Lucy M.

Per sempre - In ewiger Liebe


weniger gut

Leider hält die Geschichte nicht das was Klappentext und Cover versprechen. Alessia bleibt insgesamt zu blaß und die Geschichte erinnert einfach nur an 50 Shades of Grey: unbedarftes Mädchen, diesmal aus der deutschen Provinz, mit wenig sexueller Erfahrung, trifft auf geheimnisvollen Mann, der sie in die Welt von BDSM einführt. Zuvor hat sie noch ein Verhältnis mit dessen Brudern, der sich vom charmanten Italiener zum ätzenden Machotypen verwandelt um zumindest etwas glaubhaft, dann das entflammte Interesse für den anderen Bruder zu begründen.
Der Wechsel hier ging mir einfach zu schnell und nicht glaubhaft dargestellt. Auch war mir dann insgesamt die Darstellung der Sexszenen irgendwann zu "technisch" und nicht wirklich erregend.
Dazu kommt noch die Schlußszene, die mir einfach zu übertrieben vorkam.
Fazit:
Leider nicht wirklich überzeugend, mich ärgert an solchen Geschichten immer, dass die Frau die passive Rolle übernehmen muss, bzw. dass es letzendlich immer nur darum geht, dass der Mann seine sexuellen Fantasien auslebt. Auch hier stand irgendwo relativ am Ende des Romans, dass Alessia froh ist, dass Luca seine sexuellen Fantasien mit ihr auszuleben kann. Wieso entdeckt sie nicht erstmal ihre sexuelle Fantasien? Wieso kann sie nicht froh sein ihre Vorlieben auszuleben? Ja, vielleicht ist es genau das was sie sich immer gewünscht hat, aber dafür fehlen einfach die Hinweise, dass es das ist, was sie sich wünscht, so dass mir dann insgesamt hier etwas fehlt.

Bewertung vom 14.10.2018
Nebenan funkeln die Sterne
Adams, Lilly

Nebenan funkeln die Sterne


gut

#EsFunkeltAberLeiderNichtDurchgängig

Zum Inhalt:
Emma lebt als Webdesignerin in London, einer der wahrscheinlich aufregendsten Städten der Welt. Glaubt man ihrem Instagram Profil genießt sie auch die Vorzüge der Stadt in vollen Zügen: ein hipper Freund, aufregende Parties, tolle Freunde. Doch tatsächlich sieht die Wahrheit anders aus: das virtuelle Leben ist nur Schein, denn ein Ereignis aus der jüngsten Vergangenheit, hat bei Emma eine traumatische Wirkung ausgelöst, so dass sie sich nicht mehr unter Menschen traut, jeglichen Kontakt auf ein Minimum reduziert und ihre Wohnung kaum verlässt.
Aber alles ändert sich als Nathan, in der Wohnung gegenüber einzieht und sie sich öfter auf der gemeinsam geteilten Terrasse treffen. So langsam gelingt es ihm ihre Panzer zu durchdringen. Doch auch Nathan kämpft mit seinen eingenen Dämonen, so dass Emma ihm nicht ganz vertrauen kann ... oder vielleicht doch?
Das Cover:
Ist wirklich zauberhaft gestaltet, die funkelnden Leuchten der Lichterkette, die den Eindruck kleiner Sterne widergeben sollen, dazu der Titel des Buches, der zwischen die aufgespannte Lichterkette rankt, finde ich wirklich gelungen und ist auf jeden Fall ein Hingucker.
Meine Meinung:
Der Schreibstil ist sehr überzeugend, die Idee die Kapitelüberschrift mit Hashtags zu kennzeichnen finde ich toll und passt gut zu diesem Roman, der nicht nur ein Liebesroman ist, sondern auch den teilweise bestehenden Widerspruch zwischen dem schönen Schein der virtuellen Welt und der Wirklichkeit, die eben oft ganz anders ist.
Gut gefällt mir auch, dass wir nach und nach erfahren, was Emma dazu bewogen hat, diese selbstgewählte Isolation zu wählen. Die Geschichte entwickelt sich gut, man kann förmlich spüren, wie sich Emma nach und nach ihrer Umwelt öffnet und immer mehr wagt.
Auch Nathans Vergangenheit wird beleuchtet und fügt sich gut in die Geschichte ein. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, wobei ich allerdings sagen muss, dass mich Emma nicht ganz überzeugt hat.
Das Ereignis, das zu einem derartigen Rückzug führt, mag dramatisch gewesen sein, aber letzendlich ist es ja nicht so schlimm ausgegangen, wie Emma befürchtete und das Missverständnis wäre ja eigentlich mit einem Satz aufgeklärt worden. Da ist mir die Reaktion zu melodramatisch und etwas unglaubwürdig.
Nathan dagegen punktet absolut, hier finde ich die Geschichte um seine Vergangenheit auch durchdachter und wesentlich glaubwürdiger.
Fazit:
"Nebenan funkeln die Sterne" ist ein schöner Liebesroman, der auch eine Botschaft mit sich bringt. Stilistisch punktet der Roman bei mir voll, leider ist für mich einer der Hauptcharaktere nicht ganz überzeugend, so dass es zum Punktabzug kommt. Auch wird mir das Thema soziale Medien zu einseitig und plakativ behandelt, nicht alles was dort dargestellt wird, ist zwangsläufig eine Lüge. Als Mittel und Kontrast zum Rückzug Emmas aus der "echten Welt" ist es zwar gut dargestellt, aber insgesamt zu wenig ausgeleuchtet.