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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: gagamaus
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Danksagungen: 25 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 337 Bewertungen
Bewertung vom 17.09.2021
Bis ans Ende aller Fragen
Hertz, Anne

Bis ans Ende aller Fragen


ausgezeichnet

Ich habe aus mehreren Gründen zum neuen Buch von Anne Hertz gegriffen. Zum einen finde ich den Titel toll. Auf so etwas stehe ich total. Also habe ich den Klappentext und die Leseprobe gelesen. Beide sehr positiv. Eine Frau, fast meine Generation, ein Job der ungewöhnliche Begegnungen nahezu heraufbeschwört und ein sehr angenehmer Erzählton. Mit einen Augenzwinkern aber durchaus auch mit einer Portion Tiefgang. Das Buch konnte meine Erwartungen tatsächlich voll und ganz erfüllen.

Die Darsteller sind sehr sympathisch und nur in erträglichem Maße überzogen. Der Humor ist fein, ebenso wie etwas fatalistisches. Diese Grundstimmung ist exemplarisch für die Heldin und ihre Suche - oder eigentlich ihre NIcht-Suche - nach dem eigenen Glück. Dass ihr gleich zwei Kerle über den Weg laufen und sie auch noch entscheiden darf/muss, macht das Ganze noch spannender und unterhaltsamer.

Am Ende entscheidet sie sich für den Richtigen - also den, für den ich mich auch entschieden hätte. Und der Plot lässt mich glücklich und zufrieden zurück. Zumindest im Buch bekommt Frau was sie möchte.

Bewertung vom 17.09.2021
Das Buch der verschollenen Namen
Harmel, Kristin

Das Buch der verschollenen Namen


ausgezeichnet

Die Jüdin Eva versteckt sich im zweiten Weltkrieg im französischen Untergrund und hilft bei der Resistance andere Flüchtlinge mit gefälschten Papieren auszuschleusen. Dabei legt sie ein kleines Buch an, in dem sie die wahren Namen und Daten der Menschen, vor allem der Kinder, verschlüsselt, weil sie spürt, dass es nach dem Krieg wichtig sein könnte.
60 Jahre später wird das Buch gefunden und Eva macht sich auf die Reise, um die geheimen Botschaften des Buches zu entschlüsseln.
Ich habe oft Schwierigkeiten mit Büchern, in denen in zwei Zeitebenen erzählt wird. Hier war das aber nicht der Fall. Die Handlung in den 2000er Jahren dient lediglich als Rahmenhandlung. Die meiste Zeit befinden wir uns im Krieg in Frankreich. Eindringlich, spannend und mit einem liebevollen Blick auf ihre Akteure schildert die Autorin den Kampf der französischen Bevölkerung gegen die Nazis. Die Gefahren und Geschehnisse sind erschütternd und gehen unheimlich unter die Haut. Eva ist eine Heldin, mit der man unglaublich mitfühlt. Überhaupt ist das Buch sehr empathisch und schildert diese Kriegsjahre so, wie sie gewesen sein könnten.

Ein Buch, welches ich unglaublich schnell gelesen habe und nur wärmstens empfehlen kann. Wer die Thematik mag, für den ist es sicherlich, wie für mich, ein Highlight.

Bewertung vom 17.09.2021
Die Teehändlerin / Die Ronnefeldt-Saga Bd.1
Popp, Susanne

Die Teehändlerin / Die Ronnefeldt-Saga Bd.1


gut

Das Thema Teehandel hat mich magisch angezogen. Als Teetrinker und Fan der Länder, in denen bevorzugt Tee angebaut wird, habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Die Teehändlerin liest sich leicht weg. Allerdings fand ich, es plätschert etwas zu viel zwischen den Befindlichkeiten einer jungen Frau dahin, die bereits einige kleine Kinder hat und deren Mann sich auf eine lange Handelsreise begibt, was ihr Angst macht und nicht ihr Wunsch. In dessen Abwesenheit muss sie sich emanzipieren um den unfähigen Verwalter auszubooten und das Handelshaus gegen einige Unbillen zu schützen.

Es passiert irgendwie nicht viel in diesem Buch und das was passiert ist nur mäßig spannend und ich habe wirklich gar nichts Neues erfahren über den Teehandel und diese Zeit. Schade.

Bewertung vom 17.09.2021
Die Anomalie
Le Tellier, Hervé

Die Anomalie


sehr gut

Was für ein Feuerwerk diese Idee hervorbringt, die im ersten Moment dem Hörer/Leser seltsam anmutet. Ein außergewöhnliches Unwetter führt dazu, dass ein Flugzeug samt Passagieren dupliziert wird und drei Monate nach dem ersten Flieger landet. Dass diese Tatsache ziemliche Verwicklungen auslöst und große Fragen in den Raum wirft, liegt auf der Hand. Das Kunststück von Anomalie liegt aber nicht darin, eine realistische Erklärung zu suchen und zu finden sondern aufzuzeigen, wie so eine Anomalie sich auch das Leben einer Gesellschaft und des Einzelnen auswirkt. Und es werden Fragen gestellt, die nicht nur wegen der Anomalie entstehen aber durch sie verstärkt werden.

Ist jeder Mensch einzigartig? Kann ich mir selber als reale Person guten Gewissens ins Auge sehen? Wie gehen ich damit um, dass ich weiß, wie mein Doppelgänger tickt, welche Leichen er im Keller hat, welche Ziele? Ändert sich mein Verhalten, wenn mir ein Spiegel vorgehalten wird, den ich leibhaftig anfassen kann und der sich gar nicht so anfühlt, wie mein inneres Ich es mir immer vorgegaukelt hat?

Erfrischend klug und frech erzählt der Autor was wäre wenn. Er hält sich an kein Genre, will nicht erklären oder belehren, will unterhalten und gleichzeitig die Fragen des Lebens stellen. Anders als erwartet, bekommt man keinen Knoten beim Lesen. Aber bitte von Anfang an aufmerksam lesen und Namen merken, denn sein Ensemble ist groß und das Tempo zieht bald sehr an.

Hervorragend erfrischend andere Unterhaltung.

Bewertung vom 17.09.2021
The Rules of Magic. Eine zauberhafte Familie
Hoffman, Alice

The Rules of Magic. Eine zauberhafte Familie


gut

Ich hatte eine zauberhafte Geschichte über eine Familie von Hexen erwartet. Die Mischung aus Fantasyelementen und realem Großstadtfeeling klang vielversprechend. Aber der Plot konnte mich nicht so ganz abholen. Nachdem ich weiß, dass es das Prequel eines vor längerer Zeit erschienenen Romanes der Autorin ist und eben dieser gerade erneut verfilmt wird, habe ich das Gefühl, hier wurde schon ein wenig auf die Medienwirksamkeit spekuliert. Es fehlte dem Roman so einiges.

Das erste Drittel zieht sich und dass nicht etwa, weil die Autorin so vieles erklärt und beschreibt sondern einfach, weil nichts wesentliches passiert. Weder wird der magische Fluch, der auf der Familie lastet, genauer beleuchtet, noch die Schwestern und ihre Fähigkeiten richtig in Szene gesetzt. Für mich blieb das alles eher blass und nichtssagend.
Ich mochte auch nicht die Zeitsprünge. Mir war vorher nicht klar, dass so eine große Wegstrecke beschrieben wird. Da habe ich oft Probleme mit Romanen, da Spannung durch weglassen erreicht wird und Geschehnisse nur aus der Rückblende auftauchen und dadurch keine Tiefe bekommen.

Ich habe mich durchgequält und einiges überflogen. Schade. Andere Bücher der Autorin fand ich sehr lesenswert. Dieses war nicht mein Fall.

Bewertung vom 17.09.2021
Die Kinder der Otori 1 - Waisenkrieger
Hearn, Lian

Die Kinder der Otori 1 - Waisenkrieger


sehr gut

"Der Clan der Otori" lässt sich gut ohne Vorkenntnisse der früheren Bücher aus dieser Welt lesen. Es handelt sich um ein Jugendbuch, dementsprechend ist der Schreibstil einfach und klar gehalten, was der Geschichte aber keinen Abbruch tut. Die phantastischen Elemente sind anfangs sehr zurückhaltend und vor allem auf den Hauptdarsteller Kasho zentriert, der Tote wiedererwecken kann. Dass diese Fähigkeit von allem möglichen Menschen ausgenutzt werden möchte, liegt auf der Hand. Ungewöhnlicher ist da schon, dass auch die Toten Kontakt zu dem Jungen aufnehmen und er sich in ein totes junges Mädchen sogar verliebt.

Keine Sorge, das Buch ist nicht besonders gruselig oder gar blutig und ist meiner Meinung nach ab 10 Jahren schon gut lesbar.

Schöne Jugend-Fantasy auch wenn ich sagen würde, nicht ganz für den All-age-Markt gedacht.

Bewertung vom 17.09.2021
Nur hier sind wir einzigartig
Avel, Christine

Nur hier sind wir einzigartig


sehr gut

An diesem Buch berührte mich vor allem, dass es mich dazu anregte, über meine eigene Familie und ihre Sommer nachzudenken. Vor allem die unzähligen Jahre mit den Söhnen in Italien haben große Parallellen zu diesem Roman. Die Autorin trifft ziemlich genau das Gefühl von Sonne, NIchtstun, Freiheit und Familie. Eine Kombination, wie sie so nur auf einer Insel oder einem abgeschlossenen Feriendomizil entsteht. Weg von all dem Alltagstrott und der Schule treffen sich einige Familien jedes Jahr aufs Neue und während die Kinder heranwachsen bemerken sie, dass nicht nur sie sich verändern sondern auch die Welt um sie herum eine andere wird. Wobei es sowohl ihr erwachsen werdender Blickwinkel als auch tatsächliche Veränderungen sind. Die Unbeschwertheit der Kindheit weicht anderem und diese Entwicklungen werden gut beschrieben und man kann sie nachvollziehen.

Ein eher ruhiges und nachdenkliches Buch mit einem wunderschönen Cover und nicht nur durch den Handlungsort eine hervorragende Strandlektüre.

Bewertung vom 07.09.2021
Wovon wir träumen / The Brooklyn Years Bd.4
Bowen, Sarina

Wovon wir träumen / The Brooklyn Years Bd.4


ausgezeichnet

Gibt wenig Buchreihen aus diesem Genre, die ich wirklich von A-Z gern gelesen habe. Ganz oben steht The brooklyn years. Und Teil 4 reiht sich nahtlos ein in die vorhergehenden drei Wohlfühl-Bücher. Manchmal braucht mein gar nicht besonders romantisches Herz genau so eine Geschichte. Und da ist es doch schön, dass Sarina Bowen zuverlässig und regelmäßig neues abliefert und ich inzwischen eigentlich blind zugreifen kann.

Also, wer eine wunderschön erzählte Liebesgeschichte sucht, die bodenständig und realistisch rüberkommt und bei der man wunderbar schmachten kann - kriegen sie sich und geht das gut, oder nicht - der ist hier mehr als richtig.

Volle Punktzahl - dicke Empfehlung.

Bewertung vom 07.09.2021
Was, wenn wir einfach die Welt retten?
Schätzing, Frank

Was, wenn wir einfach die Welt retten?


ausgezeichnet

Ja, was wäre denn, wenn wir endlich mal aufhören zu palavern und einfach mal die Welt retten? Jeder einzelne für sich und wir alle zusammen. Mit ganz vielen kleinen Bausteinen, mit Ideen und mit Mut, mit dem Willen etwas zu ändern und der Gewissheit, wir schaffen das. In diese Ton erklärt Frank Schätzing worauf es seiner Meinung nach ankommt. Er hat in gewohnter Manier intensiv recherchiert und bringt sein Talent zum Erzählen und Zukunftsvisionen entwerfen ein. Er scheut auch nicht vor dem Weltraum zurück und er ist bei allem so optimistisch, dass mancher sich vielleicht etwas ungläubig die Augen reibt. Aber mal ehrlich, ist das nicht eine positive Art, um das Ganze Thema Umweltschutz anzugehen. Warum immer erst mal sagen, wir schaffen das doch eh nicht? Warum nicht einfach anpacken und machen und gucken, wie weit wir kommen. Das hat mir tatsächlich am Besten an diesem Buch gefallen. Der Grundton. Die Haltung, die Herr Schätzing vermitteln will und die ich gut finde. Auch wenn man Realist ist schließt das ja nicht aus, dass man zuversichtlich an ein riesiges Problem herangeht. Schließlich sind wir viele und wenn dieses Buch dafür sorgt, dass es noch zwei, drei Leute mehr werden, dann hat es doch alles richtig gemacht.

Unterhaltsames Sachbuch mit positiver Sicht auf die Menschheit.

Bewertung vom 07.09.2021
Herren der Lage
Freeman, Castle

Herren der Lage


ausgezeichnet

Lucian Wing, seines Zeichens Sheriff in einer amerikanischen Kleinstadt, ist immer Herr der Lage. Egal ob es um ausgebrochene Keiler oder verschwundene Töchter geht. Castle Freeman setzt seinen Helden gewohnt routiniert in Szene.

Lakonisch – dieser Begriff wurde quasi für Freemans Schreibstil erfunden.
Trockener Humor – vor allem in seinen genialen Dialogen sind eine große Stärke des Buches.
Rasiermesserscharf – so zeichnet er seine Charaktere, wobei er alle mit einem liebevollen Auge betrachtet und jede Überzeichnung beim Leser glaubhaft ankommt.
Gesellschaftskritisch – das ist gerade in diesem Band ein zentrales Thema, wobei es verpackt wird in diese typisch amerikanisch-raubeinige Erzählart, die mich noch immer an den Wilden Western erinnert und die ich gerade deshalb so gerne lese.

Fazit: Auf weniger als 200 Seiten erzählt Freeman kongenial, setzt unnachahmliche Akzente mit seinen Dialogen und den Bildern, die er bei mir im Kopf erzeugt. Ich bewundere seine Punktgenauigkeit, die wenig Worte braucht und dabei so viel Tiefgang hat.

Ein Genuss.