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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: gagamaus
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Bewertungen

Insgesamt 217 Bewertungen
Bewertung vom 09.10.2019
Bücherkrieg / Die Bibliothek der flüsternden Schatten Bd.3
El-Bahay, Akram

Bücherkrieg / Die Bibliothek der flüsternden Schatten Bd.3


ausgezeichnet

Drei Hexen sind es, die das Gleichgewicht in der Welt bewahren sollen. Aber bereits im zweiten Band der Trilogie über die „Bibliothek der flüsternden Schatten“ ist eine von Ihnen gestorben. Und die zweite Sahira versucht mit dem weißen König die Namen der magischen Wesen aus den Büchern zu lesen und so einen Krieg heraufzubeschwören, in dem Sam und seine Freunde zum Untergang verdammt wären. Doch die Magie hält noch jede Menge Geheimnisse bereit und Kani könnte das Zünglein an der Waage in diesem fürchterlichen Kampf werden.

Der Abschlussband der Trilogie ist definitiv nichts für Quereinsteiger. Man kann hier nicht so einfach reinschnuppern. Da entgeht einem, wie liebevoll und facettenreich Akram El-Bahay seinen Bücherkrieg gestaltet hat. Wie wendungsreich und spannend der Plot ist, und wie liebevoll die Protagonisten gezeichnet sind. Ich bin begeistert von dieser Fantasygeschichte. Ich liebe nicht nur Sam und Kani sondern unbedingt auch die diversen Nebenfiguren, wie z.B. Nusar und Shagyra. Die magischen Wesen werden allesamt hier nicht eindimensional gezeichnet und es gibt selbst unter den vermeindlich „Bösen“ sehr interessante Charaktere und die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen schon mal.

Sehr gut hat mir auch die Düsternis gefallen. Die Stimmung wird der Bedrohung und dem Kriegsgeschehen gerecht. Hier kann der Autor beweisen, dass er Stimmungen erzeugen und den Leser in seine Geschichte hineinziehen kann.

Ich finde gut, dass es kein weichgespültes Happy-End ist und die Dramatik beim Leser so auch richtig ankommt. Ein Autor, der es schafft, dass jung und alt den Buchdeckel sehr zufrieden schließen und sich sofort auf die Suche nach neuem Stoff von Akram El-Bahay machen.

Bewertung vom 09.10.2019
Rubicon
Havaii, Kai

Rubicon


sehr gut

„Rubicon“ ist ein Erstling. Der Autor als Musiker bereits bekannt. Also durchaus einer, der mit Worten umgehen kann. Aber trägt das auch einen ganzen Thriller lang? Ich empfinde gerade dieses Genre als hohe Kunst. Denn Langatmigkeit, ein dünner Plot oder eine unglaubwürdige Auflösung können dem Leser schnell den Spaß verderben. Diese Hürden umschifft Kai Havaii ziemlich routiniert.
Bereits mit den ersten Seiten wird man hineingeschmissen in die Geschichte. Hauptprotagonist Carl wird von Killern der Mafia gejagt. Und bereits hier hatte mich das Buch gefangen. Mir gefiel sofort die Art, wie Havaii erzählt und beschreibt. Ja, das ist solides Kopfkino. Hier werden Fans von Verfolgungsjagden und Helden, die an allen Fronten kämpfen müssen alla James Bond schon ihre Freude haben. Und überhaupt ist das Ganze eine Story, die mit großem Kaliber daherkommt. Kriegsszenarien mit dazugehörigen Traumata, ein Scharfschütze der Bundeswehr, der sich als Auftragskiller verdingt, die Mafia, die ihn nur zu gerne beseitigen würde. Da wird nicht mit Zündstoff gespart. Ich fühlte mich an amerikanische Autoren wie Tom Clancy erinnert. Bin erfreut, dass Havaii da durchaus mithalten kann. Wer diese Art von Thriller mag und über kleinere Mängel in der Logik hinwegschaut, wird sehr gut unterhalten.

Bewertung vom 09.10.2019
Das flüssige Land
Edelbauer, Raphaela

Das flüssige Land


sehr gut

„Das flüssige Land“ ist ein sehr gehaltvolles Buch. Eines, welches man langsam, genüsslich und gründlich lesen muss. Eines welches man auf sich wirken lassen muss. In anderen Rezensionen wird immer wieder auf Kafka verwiesen. Ehrlicherweise kann ich das nicht beurteilen, da ich nie etwas von diesem Schriftsteller gelesen habe. Aber sowohl die Ausgangssituation, als auch die Hauptperson und das Setting sind sehr ungewöhnlich und so deutlich gewollt surreal-unreal, dass ich es nicht in ein mir bekanntes Genre einordnen möchte. In dieser Mischung zwischen aktuellen zeitnahen Themen wie Globalisierung und eindeutig rechtsradikalem Gedankengut und der fiktiven Bedrohung eines großen Loches unter der Stadt, die vielleicht diesen ganzen kleingeistigen Pfuhl verschlucken könnte, agieren die Menschen seltsam normal aber auch seltsam ziellos.

Der kraftvolle Erzählstil hat mir sehr gut gefallen. Am Plot hatte ich etwas zu kauen und bin mit dem etwas abrupten Ende nicht wirklich zufrieden. Dennoch hat mich das Buch auf ganz eigene Art gefesselt und auch wenn ich es immer wieder mal für leichtere Lektüre zur Seite gelegt habe, so habe ich doch immer wieder zurückgefunden und kann für meinen Teil sagen, dass die Lektüre dieser ungewöhnlichen Geschichte durchaus lohnt und den Horizont erweitert.

Ach ja. Das Cover ist einfach genial. Ich überlege mir das HC zu besorgen.

Bewertung vom 01.10.2019
Tagebuch meines Verschwindens / Profilerin Hanne Bd.2
Grebe, Camilla

Tagebuch meines Verschwindens / Profilerin Hanne Bd.2


sehr gut

Mir war nicht bekannt, dass Camilla Grebe inzwischen alleine ihre Bücher schreibt. Deshalb hat sich auch ihr Erzählstil, finde ich, etwas geändert. Gleich geblieben ist die Art, wie sie ihre Krimis sehr emotional und psychologisch ausgetüftelt erzählt. Das hat mir schon in ihrer ersten Reihe (geschrieben noch mit der Schwester zusammen) sehr gut gefallen. Der Krimi liest sich sehr schnell weg, denn das Tempo ist trotz eines ruhigeren Mittelteils sehr hoch. Schnelle Wechsel der Erzähler, geheimnisvolle Geschehnisse und eine Ermittlerin, die eine Art von fortschreitender Demenz hat, sind die Inkredenzien, die den Fall spannend und aus der Masse herausragend machen.

Mir hat auch dieses Grebe-Buch wieder gut gefallen und ich kann es empfehlen. Ich habe den Vorgänger nicht gelesen, hatte aber keine spürbaren Unkenntnisse, die gestört hätten. Das Ende hat mich zufrieden zurückgelassen. Auch wenn Hanne mir sehr leid tut.

Bewertung vom 01.10.2019
Dunkelsommer
Jackson, Stina

Dunkelsommer


sehr gut

Dunkel ist der Sommer in „Dunkelsommer“ tatsächlich. Das liegt weniger am fehlenden Licht als an den deprimierenden, traurigen Lebenssituationen der beiden Hauptpersonen. Die Dramatik des einen Erzählstrangs ist das Verschwinden von Lelles 17jähriger Tochter. Auch wenn dieses bereits drei Jahre zurückliegt, bleibt die Frage was passiert ist? Deshalb ist der Mathematiklehrer immer noch auf der Suche nach Antworten. Aber hier spielt auch noch das Persönliche, die Trauer und Trauerverarbeitung eine große Rolle. Das gefällt mir sehr an Romanen und auch wenn das Buch dadurch noch etwas düsterer wird, mag ich das.

Zum anderen gibt es da Meja, einen Teenager, der mit der Mutter zu deren neuem Freund zieht. Auch hier ist zu wenig Liebe im Spiel und auch wenn man nicht gleich weiß, wie diese zwei Handlungsstränge zusammenhängen, so hat man doch schon eine gefühlsmäßige Ahnung, wo die Geschichte hingehen könnte.

Durch den regelmäßigen Wechsel zwischen den Erlebnissen von Meja und Lelle wird Spannung aufgebaut. Der Wald spielt tatsächlich eine wichtige Nebenrolle in der Geschichte, weil er das einsame und abgelegene Leben erklärt, dass die Darsteller teilweise innerlich und äußerlich führen.

Mir war die Geschichte fast etwas zu kurz aber sie hat mir sehr gut gefallen

Bewertung vom 26.09.2019
Der Untergang der Könige
Lyons, Jenn

Der Untergang der Könige


ausgezeichnet

Mit 860 Seiten ist es wirklich ein epischer erster Teil, den Jenn Lyons mit „Der Untergang der Könige“ vorlegt. Und was gibt es Besseres zu sagen über so einen dicken Wälzer, als dass ich froh war, dass ich so lange in dieser neuen magischen Fantasywelt verweilen durfte. Und dass noch vier weitere Teile angekündigt sind erfreut mein Herz, vor allem, wenn sie an die Qualität des ersten herankommen sollten.
Keiner kann das Fantasyrad neu erfinden. Aber Lyons hat durchaus eine eigene Stimme und findet einen eigenen Stil für ihre Geschichte. Am Anfang erfordert es eine gewisse Aufmerksamkeit bis man sich die Namen der diversen Akteure angeeignet hat. Durch einen zeitlichen Wechsel in den zwei Erzählebenen, könnte man zusätzlich verwirrt werden und das wäre schade, denn von Anfang an gibt es viele kleine Rätsel und Hinweise, die für den Fortgang der Storyline immer wichtiger werden. Die Ausgangslage ist denkbar spannend. Der Held Kihrin schmort hinter Gittern, wartet auf seine Hinrichtung. Ein dämonischer Bewacher zwingt ihn zu einer Lebensbeichte und dadurch erfährt der Leser recht bald, dass mehr hinter ihm steckt, als der einfache Dieb, der er als Teenager gewesen war.
Aber wer ist er wirklich? Wer sind seine wahren Eltern? Ist er der Retter, auf den alle hoffen oder wird er die Welt aus den Angeln heben und vernichten?
Es wimmelt in dieser Geschichte von interessanten Gestalten. Vor allem die Art, wie hier Hexen, Dämonen. Seelenwanderer und Ungeheuer beschrieben werden ist so plastisch, farbenfroh und intensiv, man riecht fast die verderbte Fäulnis und spürt den Hauch der Bedrohung zwischen den Zeilen. Die Autorin kann wirklich erzählen. Ein Highlight für mich sind auch die Dialoge, die den Plot zusätzlich befeuern und mit einer gesunden Prise Humor und Ironie würzen.
Die Messlatte bei High Fantasy liegt bei mir ziemlich hoch. Die 4,5 Sterne kann „Der Untergang der Könige“ aber problemlos über die ganze Strecke halten. Der zweite Band erscheint in vier Wochen auf Englisch. Ich hoffe auf eine schnelle Übersetzung und freue mich darauf.

Bewertung vom 25.09.2019
Der Geschmack von Schmerz
Haller, Cornelia

Der Geschmack von Schmerz


sehr gut

Am Anfang eines jeden Buches steht eine gewisse Erwartungshaltung an die Geschichte. Ausgelöst wird dies durch den ersten Eindruck. „Der Geschmack von Schmerz“ hat mit seinem Titel bereits eine Richtung eingeschlagen, die das samtige rote Cover mit der Maske noch verstärkt. Außerdem sieht man Notre Dame und weiß, dass es nach Frankreich geht und dass de Sade eine nicht unwesentliche Rolle spielen wird. Und der Covertext spricht von dunklen Gelüsten im Paris des 18. Jahrhunderts, Tarotabenden, Lust und Schmerz. Nicht schwer sich vorzustellen, welche Vorstellungen ich hatte, als ich die Geschichte zur Hand nahm.
Von de Sade wusste ich so gut wie nichts. Ich kannte aber Cornelia Haller schon als hervorragende Autorin.
Und ich wurde nicht enttäuscht, bekam eine Histo-Mischung, wie ich sie liebe. Eine junge Heldin, die aus den konventionellen Normen der damaligen Zeit ausbricht und dabei auf den charismatischen de Sade trifft und sich in ihn verliebt. Ungeklärte Mordfälle geschehen und der Marquis wird verdächtigt, etwas damit zu tun zu haben. Vor allem die Entwicklung der beiden Hauptakteure war sehr spannend und überraschend. Die "erfundenen" Teile passten für mich sehr gut zu den realen "Fakten". Dadurch, dass de Sade und auch Isabeau etwas "aus ihrer Zeit fallen" wurde die Geschichte noch abwechslungsreicher und man konnte der damalige Zeit noch besser nachspüren.
Und für alle, die noch zögern. Es handelt sich nicht um einen seichten „Fiftiy-Shades-Histo-Roman“. Keine Sorge. Wer die Autorin kennt und schätzt, weiß wovon ich rede. Ein schöner Roman mit ein bisserl Sex und Crime – aber durch und durch ein Histo.

Bewertung vom 13.09.2019
Funkenflug
Friederichs, Hauke

Funkenflug


ausgezeichnet

„Funkenflug“ beschreibt die Monate vor Ausbruch des zweiten Weltkrieg. Rund um die Welt wird erzählt. Von Churchill bis Sophie Scholl, von Weizäcker bis Kennedy, aber auch Heydrich und Canaris sind es, die in diesem geschichtsträchtigen Buch zu Wort kommen. Fakten und Anekdoten, Zeitzeugnisse, politische Zusammenhänge, Geschehnisse am Rande und mittendrin sind es, die sich zu einem Bild verdichten. Hitler und die Nazis schachern mit Europa und legen einen Brandherd nach dem anderen immer mit dem Plan, dass der Funkenflug zum Krieg führen wird. Unausweichlich ist der Ablauf und doch fiebert man mit und ist sprachlos von der Dramatik der Ereignisse. Vielleicht, weil im Hinterkopf bereits schwelt, was sich darauf entwickelt hat. Ein unvergleichlicher Weltenbrand, der hier seinen finalen Anfang findet.

Die vielen Puzzleteile ergeben das große Ganze und der Autor, Hauke Friederichs, hält die Zügel straff in der Hand und glänzt mit guter Recherche und passendem Sprachstil, der die Zeit widerspiegelt und Wahrhaftigkeit atmet ohne das Ende vorweg zu nehmen, welches sowieso jeder kennt.

Bewertung vom 13.09.2019
Der Gesang der Flusskrebse
Owens, Delia

Der Gesang der Flusskrebse


ausgezeichnet

North Carolina in den Sechziger Jahren. An der Küste breitet sich ein von Flussläufen und Sümpfen durchzogenes Marschland aus, in dem seit Jahrhunderten Menschen Zuflucht suchen, die andernorts kein Auskommen finden oder vor den ungnädigen Augen der Wohlstands-Gesellschaft fliehen. So landet auch Kyas Familie in einer heruntergekommenen Hütte mitten im Nirgendwo, wie weg von der Stadt und anderen Menschen. Die Mutter versucht sich und ihre vier Kinder über Wasser zu halten, während der Ehemann und Vater die meiste Zeit das Geld verspielt oder versäuft und mehr als einmal Frau und Kinder fast krankenhausreif schlägt. Schließlich verlässt die Mutter ihn und lässt ihre minderjährigen Kinder zurück. Kya ist gerade mal sechs Jahre alt und viel jünger als ihre Geschwister. Nach und nach fliehen auch diese vor dem Vater. Kya versucht beherzt und mutig und mit großem Erfindungsgeist, dem Vater den Haushalt zu führen und irgendwie zu überleben. Wenige Jahre später ist sie ganz auf sich alleine gestellt.


Von der ersten Seite an bewegt und berührt das Schicksal von Kya. Kaum jemand hilf dem kleinen Marschmädchen. Sie wird von den Stadtbewohner misstrauisch beobachtet. Die Schulbehörde versucht nur einmal halbherzig, das Kind in die Gesellschaft zu integrieren. Kyas Einsamkeit kann der Leser fast am eigenen Körper spüren. Ihre Stärke ist es, die die Geschichte durchdringt und die einem mehr als einmal die Tränen in die Augen treibt. Vor allem, wenn sie wieder einen der vielen Rückschläge erdulden muss, wenn sie von den zwei, drei Menschen enttäuscht wird, die sie wagt, in ihr Leben zu lassen. Wenn sie hungert an Körper und Seele und doch nie aufgibt, nie klein beigibt, nie versucht, sich Hilfe zu holen, sondern immer glaubt, sie müsse das alles alleine schaffen.

Eine weitere feste Größe in dieser Geschichte ist die Natur, die Marschen, der Sumpf. Aber auch die Möwen und Muscheln, die verwachsenen Flussläufe, die Tier- und Pflanzenwelt in der Kya sich bewegt, von der sie lebt, in der sie kein Fremdkörper ist, sondern mit der sie in tiefer Harmonie lebt. Kyas Wesen wird dadurch geformt und diese Natur gibt ihr auch den Halt, den die Menschen ihr nicht geben können und bewahrt sie davor, ohne Liebe und menschliche Nähe verrückt zu werden. Sie wird eins mit der Natur und durchdringt das Wesen ihres ungezähmten Lebensraumes.

Eines Tages bricht dann das Unheil mit Macht über sie herein. Sie wird verdächtigt einen jungen Mann getötet zu haben und die Beweise sind erdrückend.
Mein Fazit:

Ein wahnsinnig bewegendes und glaubhaftes Buch. Die Geschichte über ein Kind, eine junge Frau, die in der Einsamkeit der sumpfigen Marschen zu einem klugen aber unglaublich scheuen Menschen heranwächst, der mit der Natur in wunderbarem Einklang leben kann, der aber droht an der Verständnislosigkeit der anderen zu zerbrechen. Die Autorin schafft es dabei, das man als Leser glaubt, selbst in die Wildnis einzutauchen, mit Kya die kreischenden Möwen zu füttern, nasse Muscheln aus dem Wasser zu ziehen, dem Gesang der Flusskrebse zu lauschen. Ein bildgewaltiges, einfühlsames Buch, welches durch den mutmaßlichen Mordfall zusätzlich an Spannung gewinnt.

Ich hoffe sehr, dass Delia Owens noch weitere Bücher schreibt, auch wenn sie bereits nicht mehr die Jüngste ist. Sie hat eine große literarische Stimme.


Das Buch wird demnächst verfilmt. Ich bin gespannt.

Bewertung vom 12.09.2019
Wir gegen euch
Backman, Fredrik

Wir gegen euch


ausgezeichnet

Björnstadt ist eine Kleinstadt mit einem Trauma. Dieses wurde im Vorgängerband beschrieben. Im Nachhinein finde ich es schade, dass ich diesen nicht vorher gelesen habe, denn auch wenn man nach und nach in die Geschichte reinkommt, so bleibt doch ein kleiner Stachel, dass ich viele Feinheiten nicht oder nur aus einer Nacherzählung der Geschehnisse bekommen habe. Aber auch so ist dieser zweite Teil sehr dramatisch und bewegend. Die Schicksale der vielen Protagonisten berühren auf unterschiedlichste Weise. Durch die vielen Szenewechsel wird ein hohes Tempo gefahren und man muss aufmerksam dabeibleiben.
Besonders gefallen hat mir die Art, wie der Leser angesprochen wird, als würde tatsächlich jemand mir erzählen, was passiert ist. Und mich mit kleinen Andeutungen neugierig machen oder schon vorher auf das Unvermeidliche vorbereiten. Dadurch wirkt es manchmal wie eine Parabel oder ein Märchen, wobei es viel zu realistisch dafür ist. Es gibt auch nicht dieses „Und sie lebten glücklich bis ans Ende…“. Aber immer wieder blitzt auch etwas wie Hoffnung auf und durch die Einschübe über Eishockey und die Eishockeyfans wird die ganze Stadtgemeinschaft in einen gemeinsamen Kontext gesetzt, über alle Probleme und Animositäten hinweg.
Ein Roman, der mich überrascht hat mit seiner Tiefe. Die ersten – heiteren –Bücher des Autors waren nicht mein Fall. Dieses hat mir sehr gut gefallen. Ich wäre auch den Vorgänger noch lesen.