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Benutzername: 
danieleb
Wohnort: 
münchen

Bewertungen

Insgesamt 65 Bewertungen
Bewertung vom 28.10.2022
Die Mauersegler
Aramburu, Fernando

Die Mauersegler


schlecht

Die Geschichte des vorbereitenden Selbstmordes eines misogynen Misanthropen als großartige Erzählung anzukündigen - na ja. Für eine Leserin ist dieser Roman die Anektodenansammlung eines kontinuierlich schlecht gelaunten misogynen Mannes in der Midlifecrisis. Alles ist Scheiße in den Augen dieses Lehrers, der beginnend mit seiner miesen Kindheit, gehaßt vom Vater, vernachläßigt von der mißhandelten Mutter, genervt vom vermeintlich verwöhnten kleinen Bruder, die Schuld seines langweiligen, mißlungenen Lebens bei den anderen sucht. Frauen sind für ihn Lustobjekte, die unberechenbar, bis auf Prostituierte, sind. Notwendiges Übel um die Lustmolchereien zu befriedigen? Schülerinnen werden als eine Ansammlung von äußeren Sexualmerkmalen beschrieben. Männer sind bis auf den behinderten Freund Humpel Konkurrenten und Feinde. Die einzige Beziehung zu einem lebenden Wesen ist die zu seinem Hund, den er seiner Frau abgerungen hat, um ihr wenigstens hier einen reinzuwürgen. Überhaupt, seine Frau, die für ihn auch nichts weiter als ein Sexobjekt, mit dummerweise eigenen Wünschen und Gefühlen, ist. Ganz schlimm das Verhältnis zu seinem Sohn, der in seinen Augen nichts taugt. Hier kann man gerne seine eigenes Verhältnis zu seinem Vater in Beziehung setzen - es fällt mir der Begriff ERBSÜNDE ein. Eine Fortsetzung unglücklicher Verbindungen, die sich in weiteren Generationen spiegelt. Hätten die Protagonisten doch mal lieber einen Apfel gegessen, statt sich fortzupflanzen! Falls es Aramburus Plan war einen Roman über eine kranke Gesellschaft zu schreiben, die gelangweilt, frauenfeindlich und selbstmordgefährdet die ganze Welt in den Abgrund ziehen will, ist ihm dies gelungen. Allerdings habe ich mich meist schrecklich gelangweilt - es ist alles bekannt, was unsere westlich dekadente Welt zur Zeit in den Untergang treibt. Darüber weitere mehr als 600 Seiten auf teures Papier zu drucken... war das nötig? Meiner Meinung nach nicht.

Bewertung vom 28.10.2022
Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens / Monsieur le Comte Bd.1 (eBook, ePUB)
Martin, Pierre

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens / Monsieur le Comte Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die Kunst nicht zu Töten, versucht Lucien Compte de Chacarasse nach dem Tod seines Vaters zu erlernen. Im Gegensatz zu seinem Onkel Edmond de Chacarasse sieht er die Verpflichtung die seine Familie über Generationen pflegte, nämlich als Assassinen sprich Mörder ein Vermögen anzuhäufen, als enorme Last. Zwar beherrscht er die dazu nötigen Disziplinen hervorragend, doch widerspricht es einfach seinem Lebensgefühl und seiner Moral zu töten. Lieber verbringt er seine Zeit in seinem Restaurant, nervt seinen Koch und genießt gutes Essen, Amouren mit schönen Frauen und das „savoir vivre“. Als Sproß einer Italienerin und eines Franzosen vereint er alle Eigenschaften die es braucht um dem Leben die schönsten Seiten abzugewinnen. Doch mit dem Tod seines Vaters erbt er die Verpflichtung, die eigentlich sein älterer Bruder hätte übernehmen müssen, doch der starb einige Jahre zuvor bei einem Unfall. Der Vater kommt bei seinem letzten Auftrag ums Leben. Lucien meistert mit Hilfe von Rosalie, dem langjährig guten Geist des Hauses, und der Sekretärin seines Vaters, Francine, alle Hürden des ersten Romans „Monsieur le Compte“ mit Bravour. Pierre Martin hat eine Mischung aus französischem James Bond und Arsène Lupin in seiner Figur des Lucien de Chacarasse auferstehen lassen, der den Lesern große Freude bereitet. Denn im Gegensatz zu den altgedienten Helden, ist Lucien modern und reflektiert, charmant und klug genug hin und wieder auf die beiden Frauen zu hören die ihm zur Seite stehen. Das Ganze in der Provence angesiedelt verbindet Abenteuer und „dolce vita“ auf das schönste Lesevergnügen.

Bewertung vom 24.09.2022
Matrix
Groff, Lauren

Matrix


sehr gut

Als Marie von ihrer großen Liebe Eleanore von Aquitanien buchstäblich verstoßen wird, nimmt sie ihr Leben in die Hand und schafft es gegen alle Widerstände ein reiches Leben zu führen. Als uneheliches Bankert stört sie das höfische Leben, und zusätzlich "gestraft" mit einem unweiblichen Äußeren, macht sich Marie auf den Weg in ein verarmtes Kloster. Sie kommt zuerst in eine Art von Hölle, da die dort lebenden Nonnen täglich um das pure Überleben kämpfen. Ganz auf sich gestellt findet sie dennoch Möglichkeiten die Umstände in gute Bahnen zu lenken, denn sie hat einen brillianten Kopf, den sie auch zu nutzen weiß. Sie schafft es mit Hilfe ihrer Mitschwestern dem Kloster im Laufe von mehreren Jahren ein gutes Auskommen zu verschaffen, und erarbeitet sich die Position der Prorin und einen guten Ruf. Als schließlich nach langer Zeit ihr einstige Liebe Eleanore von Aquitanien, das Kloster besucht, bemerkt Marie, dass diese auch nur ein fehlbarer Mensch ist. Vielleicht tat sie Marie einst einen großen Gefallen sie fort zu schicken, denn für eine begabte und fähige Frau wie Marie ist das Leben im Kloster die einzige Möglichkeit ein, im Rahmen der Möglichkeiten ihrer Zeit, erfülltes Leben zu führen. Die Weise wie die Autorin schreibt hat mich zeutweise befremdet, daher vier Sterne.

Bewertung vom 13.08.2022
Im Feuer / Lilly Hed Bd.1
Ericson, Pernilla

Im Feuer / Lilly Hed Bd.1


ausgezeichnet

Lilly Hed, traumatisierte Ermittlerin der Stockholmer Polizei ist auf der Flucht vor einem Stalker. Sie lässt sich in eine Kleinstadt versetzen um ihre Spuren zu verwischen und zur Ruhe zu kommen. Es ist Sommer in Schweden und die Temperaturen steigen und steigen, es kommt zu Bränden, die sich als sehr bedrohlich für die Bevölkerung auswachsen, Existenzen werden zerstört ganze Landstriche werden zu Asche. Die perfekte Ausgangslage für einen Serienmörder, dem drei Männer zum Opfer fallen. Zunächst unerkannt, doch dem Feuerwehrchef Jesper Hansson fällt dennoch beim ersten Brandort eine Kleinigkeit auf, die ihn an einer natürlichen Brandursache zweifeln lässt. Doch seine Beobachtung wird auf der Polizeidienststelle nicht ernst genommen. Schließlich genügt der kleinste Funke in diesem heißen trockenen Sommer um einen Brand zu verursachen. Jesper lässt nicht locker und teilt seine Bedenken mit Lilly. Als zwei weitere Morde passieren ist auch Lilly alarmiert. Es beginnt ein Wettlauf mit dem Feuer. Pernilla Ericson führt in ihrem Krimi einen spannenden Thriller mit den Klimabedingungen der letzten Jahre zusammen und hält den Leser bis zur letzten Seite in Spannung. Gelungen der Plot, der sich als große Überraschung schließlich auflöst. Selbst die sympathischsten Personen geraten bei Leser unter Verdacht, denn die Persönlichkeit eines Brandstifters hat viele Facetten. Lilly gelingt es am Ende sich ihren Ängsten zu stellen und ihren Verfolger anzuzeigen. Auch gelingt es ihr den lebenslangen Konflikt mit ihrer Mutter aufzulösen. Ich freue mich auf die Fortsetzung dieser Krimiserie.

Bewertung vom 13.08.2022
Was ich nie gesagt habe / Gretchen Bd.2
Abel, Susanne

Was ich nie gesagt habe / Gretchen Bd.2


ausgezeichnet

Tom erfährt nun die Geschichte seines Vaters auf eine Art und Weise, wie er sie sich nie vorstellen konnte, denn er hat einen ihm bisher unbekannten Halbbruder - Henk. Endlich im Leben angekommen mit geliebter Frau Jenny und deren Kind, werfen ihn die neuen Erkenntnisse über seinen Vater schier komplett aus der Bahn, als noch mehr Halbgeschwister väterlicherseits auftauchen. Tom muss sich mit einem Stück deutscher Geschichte, die auch seine unmittelbare Familie betrifft auseinander setzen. Es zerreißt ihn fast, denn der alte Schein trügt, und das tief zerrüttete Verhältnis zu seinem Vater erscheint nun in einem ganz anderen Licht. Doch es ermöglicht ihm auch eben diesen Vater nochmals in einem ganz neuen Kontext zu sehen, und seine alte Erinnerungen die ein ursprünglich sehr liebevolles Verhältnis zu seinem Vater in ihren frühen Jahren erkennen lassen, kehren wieder zurück. Somit kann er sich von Altlasten befreien und sein Leben mit Jenny glücklicher leben. Wieder spannend erzählt gelingt es Susanne Abel ein Kapitel deutscher Geschichte zu erzählen. Auch ihr zweites Buch über Tom Monderath und seine Familie ist wieder sehr gelungen.

Bewertung vom 13.08.2022
Die Hennakünstlerin
Joshi, Alka

Die Hennakünstlerin


ausgezeichnet

Lakshmi verläßt als sehr junge Frau ihr Dorf um ihrem gewalttätigen Ehemann zu entkommen. In der Stadt schafft sie es mittels ihrer Begabung als Hennamalerin ihre Dienste in die gut betuchten Kreise der dortigen Gesellschaft zu bringen. Sie möchte sich ihr eigenes Haus kaufen, und spart jeden Cent dafür. Als nützlicher Helfer steht ihr der Straßenjunge Malik zur Verfügung, der all die Dienste erledigt, die sie für ihren Erfolg benötigt. Auch ihr Wissen um Kräuter und Medizin, die ihr damals ihre wohlwollende Schwiegermutter beibrachte, helfen ihr auf dem Weg nach oben. Denn sie verfügt über Mittel die besonders Frauen in besonderen Nöten helfen. Endlich auf dem Sprung in die Frauengemächer des Maharadschas bekommt sie Besuch von ihrer kleinen Schwester Radha, die erst nach ihrer Flucht geboren wurde. Auch ihr Ehemann taucht plötzlich auf, und das Gerüst ihres sozialen und geschäftlichen Netzwerkes gerät gefährlich ins Wanken, und stürzt schließlich komplett in sich zusammen, da die Verwandtschaft keine Rücksichten auf Lakshmis Wünsche und Ziele nimmt.
Alka Joshi beschreibt die engen Verhältnisse in denen indische Frauen sich bewegen. Mit viel Geschick und List müssen gerade die intelligenten und begabten Frauen sich den patriarchalen Gegebenheiten anpassen, um ihr Leben einigermaßen zu gestalten. Die Zeit in der der Roman spielt zeigt eine Gesellschaft, die erst vor kurzem die Fesseln der englischen Kolonialherrschaft abgeschüttelt hat, und sich in einem großen Umbruch befindet. Das starre Kastensystem gibt Halt, doch beschneidet nicht nur den Frauen die Möglichkeiten ein erfülltes und zufriedenes Leben zu führen. Individuelle Wünsche und Träume werden familiären Strukturen untergeordnet. Und doch gibt es immer wieder starke Persönlichkeiten die sich erfolgreich der Knechtschaft sozialer Gesetze entziehen und Freiheiten erkämpfen. So auch Lakshmi, deren Leben letztendlich einen ganz anderen Weg nimmt als von ihr geplant, doch ihr eine größere Erfüllung beschert.
Ein kluges und gut geschriebenes Buch, dass einen tiefen Einblick in die indische Gesellschaft und Kultur gibt, deren Gesetze teilweise bis heute gelten.

Bewertung vom 13.06.2022
Tiefes, dunkles Blau
Kobler, Seraina

Tiefes, dunkles Blau


gut

Die schöne Schweizer Stadt Zürich spielt eine erhebliche Rolle im Roman von Seraina Kobler neben der Wasserpolizistin Rosa Zambrano, die mit zunehmendem Alter, sie ist Ende dreissig, sich zumindest die Möglichkeit nicht verspielen will, doch noch schwanger zu werden, auch ohne den passenden Mann. Dazu benötigt sie die Hilfe des Stargynäkologen Dr. Jansen, welcher kurz nach ihrem Eingriff tot im Zürichsee schwimmt. Dr. Jansen plagten auch schon seit längerem die Probleme des älter Werdens, die er sich mit Hilfe einer halb so alten neuen Frau erleichtern wollte. Doch da standen noch eine Ehefrau nebst Zwillingssöhnen im Wege, zum Glück. Rosa muss nun im Rahmen ihrer Arbeit heraus finden, wer den Doktor auf dem Gewissen hat. Dank modernster Technik, diesmal in der Totenkunde sprich Patologie, findet man heraus, das er den Tod durch Ertrinken erlitt, mit ordentlicher Betäubung mittels inizierter Drogen. Also Unfall kann ausgeschlossen werden, zumal sein letzter Aufenthalt auf einer Quasiyacht in Begleitung einer verschwundenen Hostess stattfand. Die Autorin führt den Leser durch ein Zürich das man lieben kann, Von gutbürgerlichen Prachtboulevards bis in gut versteckte kleine lauschige Stadtgärten, in denen die Kommissarin ihre Freunde kulinarisch verwöhnt. Eine Mordstory verpackt in einen Roman über eine Stadt, meine ich zu lesen. Wirkliche Spannung baut sich eigentlich nicht auf , denn es spielen auch noch das Familienleben mit Schwestern und Mutter/ Vater der Hauptprotagonistin eine größere Rolle. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass noch ein potentieller Liebhaber auftaucht, der schon zuvor mit Rosa in amourösen Verhältnissen stand. Was allerdings das tiefe dunkle Blau sein soll erschließt sich mir nicht, denn der See kann es nicht sein, der strahlt immer in den Farben des Wetters das er widerspiegelt. Angenehm zu lesen, der Plot löst sich wie es sich gehört zum Schluss. Mal sehen, nein lesen, wie es im nächsten Band weiter geht u.a. mit den Familienplänen der Kommissarin, wenn ihr nicht wieder ein Leiche dazwischen schwimmt. ;-)

Bewertung vom 18.05.2022
Die Knochenleser
Ross, Jacob

Die Knochenleser


ausgezeichnet

Eine Insel in der Karibik, man fühlt sich an eine Fernsehserie erinnert. Doch nein, es kommt ganz anders. Politische Ränkespiele, Mord und Totschlag ganz unzimperlich, vermischen sich mit teils undurchsichtigen Familienbeziehungen. Ein junger Mann, Michael „Digger“ Digson, schon lange Zeit auf sich allein gestellt, kann trotz eines hervorragenden Schulabschlusses mangels Geld keine weiterführende Ausbildung machen. Der Fluch der früh spurlos verschwundenen Mutter, eines vollkommen uninteressierten Vaters und das Schicksal junger arbeits- und bildungsloser Männer scheint den Lebensweg vor zu zeichnen als ein erfahrener Polizist , Superintendent Chilman, mit Ambitionen in sein Leben tritt. Vor die Wahl gestellt im Gefängnis zu landen, oder eine fundierte Ausbildung mit Zukunft bei der örtlichen Polizei zu machen, entschließt sich Digger für die zweite Variante. Zum Glück! Denn nun darf sich der Leser auf einen guten Krimi mit kultureller und sozialer Bildung in Sachen karibischer Gesellschaftsstrukturen freuen. Bravo, Strand und Sonne mit/ohne Wellenschlag fern der üblichen Klischees karibischer Zustände, geschrieben von einem der es wissen muss, der Autor Jacob Ross. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung – denn wo Diggers Mutter ab geblieben ist wird diesmal nicht geklärt.

Bewertung vom 14.05.2022
Die andere Schwester / Karlstad-Krimi Bd.2
Mohlin, Peter; Nyström, Peter

Die andere Schwester / Karlstad-Krimi Bd.2


ausgezeichnet

Alicia, durch einen Unfall mit kochendem Wasser, im Gesicht als junges Mädchen entstellt, lebt als Programmiererin eher zurück gezogen. Anders ihre Schwester Stella, die Hauptinhaberin und Geschäftsführerin der gemeinsamen Dating-Agentur RAW. Stella ist eine Schönheit und sehr rücksichtslos um immer zu bekommen was sie will. Doch nun ist sie tot, und Alicia sehr verzweifelt, da sie nun komplett allein in der Welt ist, denn beider Eltern sind schon länger verstorben.John ein Undercoverpolizist, lebt im Zeugenschutzprogramm mit falschem Namen, arbeitet jedoch weiter für die Polizei. Er ermittelt im Fall der Ermordung von Stella, und gerät dadurch in den Fokus eines nigerianischen Drogenkartells, dessen Chef er mittels seiner Tätigkeit hinter Gittern gebracht hatte. Alicia, ist schwere Alkoholikerin, und erleidet immer wieder durch Burnouts Zusammenbrüche, welche in einer Psychiatrischen Klinik enden, um dort wieder aufzutanken, und weiter für ihre Agentur arbeitsfähig zu sein. Alicia und Stella verbindet auch ein finsteres Geheimnis aus beider Vergangenheit, welches durch Stellas Tod nun droht ans Licht zu geraten. Alicia und John verbindet der Wunsch, noch ahnen sie es nicht, die jeweiligen Sünden ihrer Vergangenheit im Verborgenen zu halten. Wer wissen will ob ihnen dies gelingt sollte diesen spannend geschriebenen Krimi lesen. Viele Protagonisten, viele Geschehnisse, vermeintlich unabhängig voneinander, geben diesem Plot mehrfach ungeahnte Wendungen, die den Leser bei der Stange halten.

Bewertung vom 04.05.2022
Leo und Dora
Krup, Agnes

Leo und Dora


ausgezeichnet

Leopold Perlstein ein jüdischer Exilwiener, ehemals berühmter Autor, gelandet in Palästina, versucht seine Schreibblockade mittels einer Reise in die USA zu überwinden. Eigentlich sollte er im Hause seiner Freundin Alma wohnen, doch dieses wurde durch einen Brand zerstört. So muss er im Gästehaus des Ortes unter kommen. Eigentlich ist ihm alles zu viel, die schlecht bezahlte Arbeit als Versicherungsmitarbeiter in Israel, die lange Reise, der neue Ort, das neue Land, die Einsamkeit... die anderen Gäste mit vielen Kindern, es ist zu laut, das Essen schmeckt nicht, rauchen ist nicht erwünscht, das Bett ist schief… Leo würde am liebsten gleich wieder abreisen, wäre da nicht die Gastwirtin Dora und deren Ziehsohn Anton, die sich redlich bemühen den unerwarteten Gast doch irgendwie zum Bleiben zu animieren.
Und, Leo wird bleiben. Seine Schreibblockade beschäftigt ihn zwar fast das ganze Buch lang, doch bis seine Geschichten wieder fließen wird der Leser in eine Welt gezogen, die bisher wenig literarische Beachtung fand. Das Landleben des Amerika der Fünfziger Jahre. Die Geschichte einer Frau die ihre Wurzeln auch neu schlagen musste, und einem Mann begegnet, der im Strudel der Zeit und des zweiten Weltkrieges sein Leben verlor, und es nach einer Phase der Lähmung wieder findet, doch ganz anders als erwartet.
Leo und Dora ist eine wunderschön geschriebene Liebesgeschichte, die unaufgeregt mit viel Beobachtung ihrer Protagonisten erzählt wird. Wie ich finde gelungen.