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Benutzername: danieleb
Wohnort: münchen
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Bewertungen

Insgesamt 33 Bewertungen
Bewertung vom 07.08.2020
Alter Hund, neue Tricks / Sean Duffy Bd.8
McKinty, Adrian

Alter Hund, neue Tricks / Sean Duffy Bd.8


sehr gut

Ich weiß nicht wie es heute in Irland aussieht, was die Feindschaften zwischen Protestanten und Katholiken angeht, doch vor knapp dreißig Jahren war es noch äußerst gefährlich auf der falschen Seite zu stehen.
Detective Inspector Sean Duffy, der inzwischen seit einigen Jahren nur noch als Teilzeitpolizist arbeitet, und mit seiner kleinen Familie in Schottland lebt, gerät bei seinem Fall diesmal gehörig zwischen die Fronten. Ein relativ bekannter Maler wird ermordet, doch der Grund: Autodiebstahl erscheint Duffy nicht plausibel. In seiner gewohnten Art gräbt er tiefer als er soll, und findet sich in einer hochpolitischen Affaire wieder, die ihn fast das Leben kostet. Spannend beschreibt Adrian McKinty die Verflechtungen, die der Kampf der verschiedenen Parteien in Irland bedingt, und welch weite Kreise der jahrelange Krieg zwischen Protestanten und Katholiken zieht. Jeder der Teilnehmer verdient letztendlich daran auf die eine oder andere Weise, wie das Kriege so an sich haben.
Was mir weniger gut gefiel, sind die Monologe die Duffy mit sich führt. Erinnert mich an so manche infantilen Männer, die nichts mit den Jahren dazu gelernt haben. Daher nur vier Sterne. Ansonsten gut geschrieben.

Bewertung vom 25.07.2020
42 Grad
Harlander, Wolf

42 Grad


sehr gut

... der Zivilisation reißt, wenn das Wasser versiegt. Es beginnt die Schlacht ums Überleben. Wolf Harlander zeigt in seinem neuesten Roman, wie fragil das soziale Miteinander ist, und in ein gnadenloses Gegeneinander zerfällt, wenn der wichtige Lebensstoff Wasser zur Neige geht. Es ist ein sagenhafter Sommer, schon seit dem Frühjahr steigen die Temperaturen stetig an, und, es regnet nicht mehr. Die Wasserreservoirs der Großstädte und Gemeinden versiegen, da die natürlichen Zuflüsse von Seen und Flüssen buchstäblich unter der Sonne und Hitze vertrocknen. Die Hauptperson ist Elsa, eine Datenanalystin die für die EU arbeitet und feststellt, dass die Wasservorräte Europas gefährlich knapper geworden sind als allgemein angenommen. Doch die verantwortlichen Politiker und Vertreter reagieren zu Elsas Verblüffung nicht wie sie es ihrer Meinung nach tun sollten. Sie verharmlosen den Zustand und stellen ihre Kompetenz in Frage. Es wird ihr unter Androhung von Strafe verboten ihre Studienergebnisse zu veröffentlichen. Da handelt sie nach ihrem Gewissen und stellt die Daten ins Darknet zur Veröffentlichung um die schlimmsten Folgen zu verhindern. Sie wird zur Verfolgten der Justiz, und findet zwar in Julius, einem Studenten der Hydrologie den sie kurz zuvor kennengelernt hat, einen Verbündeten, doch es wird knapp. Parallel zu Elsas Entdeckung, gerät Noel Lüthy ein Schweizer Ingenieur und Berater für Wasserwerke in Bedrängnis, weil einige seiner Kunden behaupten er hätte schlechte Arbeit geleistet. Er entdeckt ein Komplott, was er zuerst nicht glauben möchte. Als er jedoch in Lebensgefahr gerät, erkennt er, dass nicht seine Ergebnisse sondern Manipulationen der Steuerungssoftware Ursache für Unfälle und Zerstörungen sind. Nach über 400 Seiten spannender Lektüre finden sich weitere Protagonisten schließlich zusammen um den Supergau der Wasserversorgung zu verhindern...

Bewertung vom 16.07.2020
Margos Töchter
Stephan, Cora

Margos Töchter


sehr gut

Cora Stephan ist eine herausragend gute Schriftstellerin. Im zweiten Teil ihrer deutschen Frauensaga, Margos Töchter, geht es um das Aufdecken von Lebensumständen der Töchter und der Enkelin von Margo. Da ich den ersten Band noch nicht gelesen habe, kann ich nichts zu Margos Schicksal sagen. Jana Margos Enkelin nimmt nun endlich ihre Chance wahr, ihrer Vergangenheit und den Lebensumständen ihrer "Mütter" auf die Spur zu kommen. In verschiedenen Zeitebenen und Rückblenden, beschreibt die Autorin, das System Westdeutschland und DDR. Beide konnten nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander. Spionage auf beiden Seiten, die Menschenleben rücksichtslos opferten. Am meisten hat mich Claras, Janas leibliche Mutter, Schicksal berührt. In der Faser gefärbter Genossin, überzeugt dem Gedanken des Sozialismus ihr Leben zu widmen, muss sie am Ende feststellen, dass die oberen Kadergenossen, gleich ihrem westlichen Pendants, auch nur das eigene Wohl zu Lasten aller anderen, voran stellen. Sie hat die besten Jahre, sprich den Großteil, ihres Lebens einer schlau inszenierten Lüge geopfert. Ein kleiner Trost bleibt zu wissen, dass sie ihre letzten Jahre mit einem geliebten Mann verbringen konnte, und nicht in Einsamkeit sterben musste. Ein gelungener Roman der die Verflechtungen deutsch/ deutscher Geschichte, die auch dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch wirken, aufzeigt.

Bewertung vom 11.07.2020
flüchtig
Achleitner, Hubert

flüchtig


sehr gut

Maria macht ernst und verlässt nach vielen Jahren Ehe ihren Mann Wig. Nachdem sie erfahren hat, dass dieser mit seiner Geliebten Nora ein Kind erwartet, was ihr in all den Jahren nicht möglich war. Mit Anfang/ Mitte Fünfzig stellt sie sich die Frage, was bleibt mir noch von meinem Leben wenn ich so weiter mache wie zuvor... Der Abschied von Heim und Arbeit fällt ihr erstaunlich leicht. Besonders als sie das gemeinsame Bankkonto fast komplett leert, und mit dem Geldvorrat und dem stabileren Auto ihres noch Gatten eine Reise in eine ungewisse Zukunft antritt. Auf ihrem Weg ins Irgendwo begegnet ihr bald Lisa, die sie spontan mit nimmt. Hubert Achleitner alias Hubert von Goisern hat sein erstes Buch veröffentlicht. Ich war sehr neugierig was da heraus gekommen ist, und angenehm überrascht. "Flüchtig" geschrieben von einem Mann aus der Sicht einer Frau, die in der Mitte ihres Lebens angekommen dieses in Frage stellt. Gelungen.

Bewertung vom 05.07.2020
American Dirt
Cummins, Jeanine

American Dirt


sehr gut

Lydia besitzt einen Buchladen in Acapulco, ist glücklich verheiratet und hat einen Sohn, Luca. Lydia hat einen Verehrer, der sie öfters in ihrem Laden besucht, mit ihr tiefsinnige Gespräche über Literatur und die Dinge des Lebens führt. Lydias geliebter Mann Sebastián ist Journalist, und schreibt über Themen, die in Mexiko den Tod bedeuten können.... Bandenkriege, Drogenkartelle, Korruption.
Lydias letztes Familienfest endet tödlich für alle Familienmitglieder, außer ihr und Luca.
Von diesem Moment an ist sie mit Luca auf der Flucht, denn sie weiß, die Mörder sind ihnen auf den Fersen, und werden nicht aufgeben bis auch sie und Luca tot sind.
So beginnt er Roman von Jeanine Cummins, die die Lebenskatastrophe einer Frau beschreibt, die in einem Land lebt, daß sich seit Jahrzehnten in einem Krieg gegen sich selbst befindet, der nicht so genannt wird.
Korruption und der Wirtschaftszweig des Drogenhandels, und aller damit verbundenen Auswirkungen auf das tägliche Leben der zivilen Bevölkerung, findet in diesem Thriller statt. Die Hauptprotagonistin hat es irgendwie gewußt, der Besucher ihres Ladens ist einer der Kartellbosse, die das Land beherrschen. Mit aller Brutalität setzt er seinen Machtanspruch durch, und macht vor niemandem Halt, auch nicht vor ihr. Sie wird alle Höhen und Tiefen einer Flucht erleben, und nicht aufgeben, denn sie will ihren Sohn in Sicherheit bringen.

Bewertung vom 26.06.2020
Schwarzer August / Leander Lost Bd.4 (eBook, ePUB)
Ribeiro, Gil

Schwarzer August / Leander Lost Bd.4 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Auch der inzwischen vierte Krimi um Leander Lost und seine Kollegen ist sehr gelungen. Endlich darf Leander seinen Gefühlen folgen, die er bisher immer vermieden hat, denn er kann seiner Liebe Soraia vertrauen. Sie versteht ihn und liebt ihn aufrichtig. Sie verbringen ungestört Tage zu zweit in Leanders kleiner Villa.
Doch unterbricht die Explosion einer Autobombe, die eine Bank beschädigt, jäh das neue Glück.
Auch diesmal werden Leander, seine Chefin Rosaria und sein Kollege Carlos das Geheimnis um diese sonderbare Explosion lösen, die eine Bank die einsam in einem nahegelegenen Olivenhain gelegen ist schwer beschädigt. Niemand wird verletzt, doch in einem der nur drei Schließfächer lag eine hohe Summe Bargeld, die niemand beansprucht. Ein roter Faden zur Lösung des Verbrechens?
Rosaria wird im Laufe der Ermittlungen, die zuerst ins Leere laufen, einen Mann kennenlernen, der auch ihr Leben, leider nur kurz, verschönern wird. Am Ende der Geschichte wird wie so oft die Vergangenheit der Schlüssel zur Lösung des vierten gemeinsamen Falles sein. Man darf verraten: Leander bleibt glücklich, und wird sich als wahrer Freund seiner Kollegen erweisen.

Bewertung vom 11.05.2020
Echo des Schweigens
Thiele, Markus

Echo des Schweigens


ausgezeichnet

Ein sehr spannender Roman, der den Leser u. a. wieder in die Zeit des zweiten Weltkrieges führt. Von da aus spannen sich die Linien vieler Menschenleben über drei Generationen in die Gegenwart von Hannes und Sophie. Diese zwei Menschen begegnen sich zufällig, verlieben sich ineinander, und fühlen sich angezogen voneinander wie es ihnen nie zuvor passiert ist. Der Autor Markus Thiele versteht es virtuos das "Echo des Schweigens" der Kriegsgeneration in die Gegenwart zweier junger Menschen zu holen. Ahnungslos begeben sie sich auf die Suche nach der Wahrheit ihrer Familiengeschichte, und müssen erfahren wie ihr Schicksal enger verbunden ist als sie es sich je gewünscht hätten. Der Echohall der Vergangenheit trifft beide hart, und sie und ihre Liebe füreinander werden auf eine harte Probe gestellt. Gleichzeitig wird der Leser daran erinnert, dass Unrecht und Feigheit nicht nur eine menschliche Schwäche der Vergangenheit ist, sondern auch heute immer noch präsenter ist als wir es ertragen können. Fazit: Sehr lesenswert!

Bewertung vom 07.05.2020
Das wirkliche Leben
Dieudonné, Adeline

Das wirkliche Leben


ausgezeichnet

Knallhart ist das Leben in der Vorstadtsiedlung für "das Mädchen". Sie lebt mit ihrem kleinen Bruder und den Eltern in einem Haus am Stadtrand. Der Vater, ein brutaler Patriarch und Jäger, terrorisiert die Mutter, wenn ihn wieder seine Laune überkommt. Die Kinder sind vorerst sicher, solange die Mutter als Wand fungiert, doch eines Tages geschieht ein schrecklicher Unfall, der die Verhältnisse zwischen den Protagonisten verändert. Der Eishändler der Siedlung, wird durch einen explodierenden Sahnespender getötet, als das Mädchen mit ihrem Bruder ein Eis kauft. Der kleine Bruder Gilles traumatisiert durch diesen Unfall verändert seine Wesensart vollkommen. Die große Schwester verliert ihren besten Freund und Gefährten an die bösen Geister des Hauses. Personifiziert durch einen Hyänenkopf im sogenannten Kadaverzimmmer des Vaters, wo er alle seine Jagdtrophäen sammelt, und der absolut tabu für die Kinder ist. Sie kämpft von diesem Tag an um die Seele ihres Bruders, und um ihre eigene. Da sie hochbegabt ist, und von der unterdrückten und misshandelten Mutter bestmöglich geschützt wird, lernt sie einen Highclass- Physiker kennen, vermittelt von ihrem Klassenlehrer, der an sie und ihre Hochbegabung glaubt. Ihr Begabung und Intelligenz sind es auch schließlich die ihr das Leben in einem Showdown retten. Eigentlich als Jagdopfer gedacht bietet sie ihrem gewalttätigen Vater die Stirn, und ihr kleiner Bruder wird ihr im wichtigsten Moment wieder zur Seite stehen. Adeline Dieudonné beschreibt in ihrem Roman, eine Familiensituation, wie es sie alltäglich leider oft gibt. Ein gewalttätiger Mann hält seine Familie unter Kuratell, schlägt die Mutter seiner Kinder und vergreift sich schließlich in einer Form an seiner Tochter, die einem Wut und Scham des vermeintlichen Opfers unter die Haut gehen lässt. Doch die Wut der Tochter ist größer und besiegt die Scham, was aller Leben wieder in neue Bahnen lenken wird. Toll geschrieben, und ein Ansporn Gewalt in der Familie nicht zu übersehen, und den Opfern ihre Würde wieder zu geben.

Bewertung vom 06.05.2020
Ein wenig Glaube
Butler, Nickolas

Ein wenig Glaube


ausgezeichnet

Nickolas Butler hat wieder ein wunderbares Buch geschrieben. Eine Geschichte über das Landleben in den USA, wo Leute, noch, einander als Nachbarn kennen und die meiste Zeit ihres Lebens an einem Ort verbringen. Luke und Pat hatten einst einen Sohn, der jedoch als Baby kurz nach seiner Geburt starb. Doch das Leben spielt manchmal nicht nur unfair, es hat auch Trost bereit. So adoptieren die beiden Shilo, die ungewollte Tochter einer Minderjährigen. So zieht wieder das Glück in das Haus des Paares ein. Für ein paar Jahre wird es bleiben. Sogar ein kleiner Enkelsohn wird geboren, doch die Freude trübt sich, als Shilo sich in einen Prediger verliebt, und mit diesem in ein eigenes Haus zieht. Luke ist ein sympathischer Protagonist, der in die Jahre gekommen Bilanz über sein Leben zieht. Viel ist am Ende nicht geblieben, sein bester Freund liegt im Sterben, die eigen Gesundheit läst hier und da zu wünschen übrig. Es liegt viel mehr Leben hinter ihm als vor ihm. Das möchte er mit seinem Enkel teilen, doch der ist ernsthaft erkrankt, und die Glaubensgemeinschaft seiner Tochter meint diese schwere Krankheit weg beten zu können. Butler beschreibt sehr unaufgeregt über die Liebe, den Glauben und den Unsinn, den die Angst vor dem Tod bei Menschen wider den Verstand hervor bringt. Ein Roman den man erst nach der letzten gelesenen Seite aus der Hand legen kann - so gut ist er geschrieben, und aus dem Englischen übersetzt.

Bewertung vom 04.05.2020
Die Kleider der Frauen
Lester, Natasha

Die Kleider der Frauen


sehr gut

In zwei Zeitebenen spielt der Roman von Natasha Lester. Frankreich im zweiten Weltkrieg, dort lebt Estella mit ihrer Mutter in Paris, und Amerika und Kanada in der Jetztzeit, dort bangt die junge Modekuratorin Fabienne um das Leben ihrer schwerkranken Großmutter Estella. Fabienne wird nach dem Tod Estelles eine Reise in die Vergangenheit ihrer Großmutter antreten und ihr eigenes Leben und ihre Herkunft in Frage stellen. Ihr Leben wird sich von Grund auf verändern, da sie die Liebe ihres Lebens treffen wird, und anders als ihre Vorfahrinnen für den Mann an ihrer Seite entscheiden wird. Viele Geheimnisse werden gelüftet. Der Leser begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit Europas und wird ebenso die Geschichte der amerikanischen Modeindustrie kennenlernen, die bis in die fünfziger Jahre wenig an eigener Kreativität hervorbrachte. Die Autorin hat einen sehr spannenden Familienroman mit bisweilen krimihaften Sentenzen geschrieben, der bis zur Auflösung der Rätsel um die wirkliche Herkunft von Fabienne Spannung und Unterhaltung verspricht.