Benutzer
Benutzername: 
hamburger.lesemaus
Wohnort: 
Bargfeld-Stegen

Bewertungen

Insgesamt 519 Bewertungen
Bewertung vom 09.01.2026
Bogdan, Isabel

Laufen


sehr gut

„[…] zu Hause war für mich da, wo du warst, vielleicht ist zu Hause immer da, wo jemand ist, jedenfalls für mich, jetzt ist zu Hause da, wo nur noch meine Sachen sind und dieses Loch, […]“ (S. 33)

LAUFEN
Isabel Bogdan
ET: 12.09.2019

Lange ist unsere Ich-Erzählerin nicht mehr gelaufen. Zuletzt mit ihm. Dann kam die Verletzung, die sie zwang, vorübergehend aufzuhören. Und schließlich kam sein Tod. Ab diesem Moment ging gar nichts mehr. Alles war kaputt – ihr Leben, einfach alles. Sie konnte kein Bein mehr vor das andere setzen. Wie auch, wenn selbst das Atmen schwerfiel.

Es war seine Entscheidung, aus dem Leben zu gehen. Doch sie musste mit all den Konsequenzen leben – und das war alles andere als leicht. Die Miete der gemeinsamen Wohnung konnte sie alleine nicht mehr aufbringen. Seine Eltern holten sämtliche Gegenstände ab, die ihrem Sohn gehört hatten, sogar den Eisportionierer – nur weil sie nicht verheiratet waren. Nach jahrelanger Beziehung blieb ihr nichts. Nichts außer dem Pyjama, den sie seiner Mutter vorenthielt.

Ein Jahr nach dem Tod ihres Lebenspartners schnürt sie erneut die Laufschuhe. Wir begleiten sie auf ihren Runden – immer gegen den Uhrzeigersinn – um die Alster. Anfangs sind diese Läufe beschwerlich, voller Kummer und schmerzhafter Gedanken. Doch mit der Zeit werden sie leichter. Unbeschwerter. So wie ihre Schritte.

„Ein-at-men Aus-at-men Aus-at-men.“

Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen. Es hat mich immer wieder innehalten und reflektieren lassen. Besonders gut gefallen hat mir der Aufbau, durch den wir die Protagonistin wortwörtlich dabei begleiten, wie sie sich zurück ins Leben läuft.

Fazit:
Ein eindringliches Buch über den Schmerz, einen Partner zu verlieren, über den Stillstand danach und über die Kraft, langsam wieder ins Leben zurückzukehren.
4/5

Bewertung vom 07.01.2026
Freytag, Anne

Blaues Wunder


ausgezeichnet

BLAUES WUNDER
Anne Freytag
ET: 24.4.25

Der einflussreiche Banker Walter Bronstein lädt auf seine luxuriöse Yacht ein. Zwei seiner wichtigsten Mitarbeiter reisen gemeinsam mit ihren Ehefrauen für eine Woche auf die philippinische See. Sonne, Meer und eine perfekt organisierte Crew sorgen scheinbar für paradiesische Zustände. Doch die Stimmung ist von Beginn an angespannt. Niemand weiß, warum der patriarchalische Banker seine Angestellten eingeladen hat.

Schnell wird klar: Es geht um Macht. Um eine mögliche Beförderung. Und genau diese Aussicht entfacht einen erbitterten Konkurrenzkampf zwischen den Männern. Doch auch die Frauen stehen einander in nichts nach. Anfangs bemüht, zu gefallen und die Fassade zu wahren, bröckelt diese mit jedem Tag auf der 70-Millionen-Yacht ein wenig mehr. Die Enge, der Druck und das ständige Aufeinandersitzen sorgen dafür, dass nach und nach Geheimnisse ans Licht kommen – Dinge, die besser verborgen geblieben wären.

„Blaues Wunder“ ist ein Roman über Intrigen, Machtspiele und dunkle Geheimnisse.

Anne Freytag lässt abwechselnd Rachel, Franziska und Nora zu Wort kommen – die Frauen der beiden Mitarbeiter und des Bankers. Schnell wird deutlich, dass sie die eigentlichen starken Persönlichkeiten sind: Sie ziehen im Hintergrund die Fäden und haben gelernt, mit Erniedrigungen und subtiler psychischer Gewalt der Männer umzugehen.

Freytags Schreibstil hat mich sofort gefesselt. Zu Beginn fiel es mir etwas schwer, die einzelnen Paare auseinanderzuhalten, doch sobald das gelungen war, konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Besonders die Geschichte um David hat mir sehr gefallen – sie bringt eine ordentliche Portion Spannung und „Spice“ mit hinein 😉

Fazit:
„Blaues Wunder“ wirft einen kritischen Blick hinter die Fassaden der Reichen und Schönen. Auch wenn sich die Autorin stellenweise bekannter Klischees bedient, hat mich der Roman durchgehend gepackt. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung.
5/5

Bewertung vom 04.01.2026
Fosse, Jon

Vaim


sehr gut

VAIM
Jon Fosse
ET: 12.12.25

„Vaim“ ist für mich das erste Buch des Literaturnobelpreisträgers von 2023, entsprechend groß war meine Neugier auf diesen Roman.
Jatgeir lebt als Fischer ein zurückgezogenes Leben in Vaim, einem fiktiven Ort in den norwegischen Fjorden. Sein Boot hat er einst nach seinem Jugendschwarm Eline benannt – ohne dass sie je davon wusste. Seine Eltern sind mittlerweile verstorben, und nur sein einziger Freund Elias besucht ihn gelegentlich.

Als Jatgeir eines Tages nach Bjørgvin fährt, um ein paar Besorgungen zu erledigen, taucht plötzlich und völlig unerwartet Eline selbst vor ihm auf – mit gepacktem Koffer und der Bitte, ihn zu begleiten. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen, am besten findet ihr selbst heraus, welche Rolle ihr Mann Frank und dessen bester Freund in dem Roman spielen, denn auch sie mischen kräftig mit.

In drei Teilen kommen drei Männer zu Wort, deren Perspektiven sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Jon Fosse überzeugt dabei mit seinem ganz eigenen, ruhigen Schreibstil, der von Wiederholungen geprägt ist – ein Stilmittel, das mir überraschend gut gefallen hat.

„Vaim“ ist ein leises, nachhallendes Buch, das sich nicht überstürzen lässt. Obwohl der Roman mit nur 156 Seiten recht schmal ist, habe ich mir drei Tage Zeit dafür genommen. Man muss langsam lesen, den Text wirken lassen und ihm Raum geben, damit er sich vollständig entfalten kann.

Fazit:
Ein feines literarisches Schmankerl, das ich sehr gern weiterempfehle.

Bewertung vom 29.12.2025
Ventura, Maud

Mein Mann


sehr gut

MEIN MANN
Maud Ventura
ET: 5.9.24

„Ich liebe so stark, dass meine eigene Liebe mich verzehrt (ständiges Analysieren, ständige Eifersucht, ständige Zweifel) – so sehr, dass ich, wenn ich verliebt bin, am Ende immer ein wenig erloschen wirkte. […] Ich liebe und will geliebt werden, und zwar mit einem solchen Ernst, dass diese Liebe schnell anstrengend wird (für mich, für den anderen). Kurz, es ist immer eine unglückliche Liebe.“ (S. 175)

Die Ich-Erzählerin liebt ihren Mann. Sie liebt auch ihre Kinder – und dennoch würde sie lieber eines ihrer Kinder beerdigen, als ihren Mann zu verlieren. Ihre Liebe ist obsessiv: Sie vergöttert ihn, analysiert jede seiner Bewegungen, jedes Wort, jede noch so kleine Stimmungsänderung.
Sobald sie glaubt, er könnte eine andere Frau begehren, wird ihre Eifersucht übermächtig. Um es ihm „heimzuzahlen“, sucht sie selbst die Nähe zu anderen Männern. Gleichzeitig beobachtet sie andere Frauen genau, übernimmt deren Parfum, Frisuren und Kleidung – auf der verzweifelten Suche nach einer Identität, die ihr selbst längst abhandengekommen ist. Dass sie auch eine eigene Definition von sich haben könnte, scheint sie völlig vergessen zu haben.

Wohin diese Besessenheit führt und was aus der Protagonistin wird, muss man selbst lesen – und genau das macht dieses Buch so schwer aus der Hand zu legen.

"Mein Mann" ist ein außergewöhnliches und intensives Leseerlebnis. Maud Ventura erschafft eine Protagonistin, die alles andere als sympathisch ist, die einen aber dennoch unweigerlich in ihren Bann zieht. Man liest weiter, weil man wissen muss, wohin diese Geschichte führt. Wie auch in ihrem neuesten Werk "Der Rache Glanz“ ist das Ende besonders eindrücklich.

Fazit:
Ein verstörendes, fesselndes Buch über Liebe, Abhängigkeit und Selbstverlust. Sehr empfehlenswert für alle Leserinnen und Leser, die emotionale Abgründe und Dramen mögen.
4/5

Bewertung vom 25.12.2025
Erne, Andrea

Wieso? Weshalb? Warum? Band 60 - Alles über Wasser


ausgezeichnet

WIESO? WESHALB? WARUM?
ALLES ÜBER WASSER
ET: 15.1.26

Wusstest du, dass der größte Teil der Erde von Wasser bedeckt ist – und dass auch der menschliche Körper zum größten Teil aus Wasser besteht?
Wasser kann verschiedene Formen annehmen: Es kann fest, gasförmig oder flüssig sein. Und obwohl es eigentlich durchsichtig ist, erscheint es im tiefen Meer blau.

Im neuen Band Nr. 60 der WIESO? WESHALB? WARUM?-Reihe dreht sich alles um das Thema Wasser. Kinder erfahren hier nicht nur, wie der Wasserkreislauf entsteht, sondern lernen auch, warum es so wichtig ist, Wasser zu sparen, um unsere Erde zu entlasten. Außerdem wird thematisiert, was wir heute tun können, damit auch zukünftige Generationen genügend Wasser zur Verfügung haben.
Natürlich ist das längst nicht alles – ich könnte noch viel mehr erzählen. Am besten ist es jedoch, dieses Buch gemeinsam mit euren Kindern selbst zu entdecken.

Erneut ist Ravensburger ein wunderbares Leseabenteuer für Kinder zwischen 4 und 7 Jahren gelungen. Kleine Forscherinnen und Forscher bekommen hier viele ihrer Fragen beantwortet und kommen voll auf ihre Kosten. Wie gewohnt ist das Buch mit zahlreichen stabilen Klappen ausgestattet, die von kleinen Händen geöffnet werden können und hinter denen sich spannende Zusatzinformationen verbergen. Der feste Karton macht das Buch nahezu unzerstörbar.


Fazit:
Ein weiters großartiges Buch aus dem Hause Ravensburger mit einer unglaublich wichtigen Botschaft.
Klare Leseempfehlung
5/5

Bewertung vom 23.12.2025
Schreiber, Jasmin

Da, wo ich dich sehen kann


ausgezeichnet

DA, WO ICH DICH SEHEN KANN
Jasmin Schreiber
ET: 31.10.25

„Wenn jemand geht, fehlt nicht nur die Person, sondern auch ein Stück von jedem, der bleibt.“ (S. 49)

Emma ist tot. Sie wurde von ihrem Ehemann erdrosselt. Die neunjährige Tochter Maja findet ihre Mutter am Morgen in der Küche. Der Vater, ein angesehener Anwalt, wird verhaftet und schließlich verurteilt.
Maja kommt zu ihren Großeltern mütterlicherseits nach Süddeutschland und besucht dort eine neue Schule. Doch sie zieht sich immer mehr zurück und gibt sich selbst die Schuld am Tod ihrer Mutter.

Auch Liv, Astrophysikerin und Emmas beste Freundin seit Kindertagen, leidet schwer unter dem Verlust. Sie, die nie Kinder wollte, fühlt sich stark zu Maja hingezogen und unterstützt die Großeltern – bis eine weitere erschütternde Nachricht alles verändert …
Häusliche Gewalt erwarten wir oft „in bestimmten Milieus“, fernab unseres eigenen Lebens. Femizid scheint etwas zu sein, das uns nicht betrifft. Und doch nehmen „Meldungen über Ehemänner, die ihre Frauen erstechen, erschießen, erwürgen, verbrennen, zerstückeln oder in Säurefässer versenken“ (S. 151) erschreckend zu.

Jasmin Schreiber hat hier ein unglaublich wichtiges und zutiefst berührendes Buch geschrieben. Allein der Aufbau verdient für mich fünf Sterne: In wechselnden Perspektiven kommen unterschiedliche Figuren zu Wort, sogar Emma selbst erzählt von ihrem Leben mit einem Mann, dem sie es nie recht machen kann, der sie kontrolliert und vor der gemeinsamen Tochter bloßstellt.

Besonders beeindruckt haben mich die drei Kapitel aus der Sicht von Emmas Eltern sowie von Liv, die sich mit der quälenden Frage beschäftigen: Was wäre gewesen, wenn ich besser zugehört und nachgefragt hätte?

Fazit:
Nein, es ist kein Weihnachtsbuch. Aber Weihnachten ist ja auch bald schon wieder vorbei und dann lest dieses Buch UNBEDINGT.
Ein großes #Highlight und eine eindringliche Leseempfehlung!
5+/5

Bewertung vom 22.12.2025
Laban, Barbara

Leserabe 2. Lesestufe - Auf heißer Spur - Die Detektive von Paris


ausgezeichnet

AUF HEIẞER SPUR.
DIE DETEKTIVE VON PARIS
Leserabe 2. Lesestufe
Barbara Laban
ET: 15.1.26
Noah lebt in Paris und kann von seinem Balkon aus direkt auf Notre-Dame blicken. Unter ihm wohnt Madame Favre, die die weltbesten Macarons backt und einen außergewöhnlich schlauen Kakadu namens Coco besitzt. Gemeinsam mit seinen Nachbarskindern Amelie und Samuel verbringt Noah viel Zeit im Hof, wo Madame Favre die Kinder gerne mit ihrem köstlichen Gebäck verwöhnt. Auch Coco liebt es, mit ihnen Verstecken zu spielen.

Doch eines Tages verschwindet Coco plötzlich – und mit ihm auch ein Korb voller leckerer Macarons. Wer steckt hinter diesem Diebstahl? Zum Glück sind Noah, Amelie und Samuel echte Juniordetektive. Schon bald entdecken sie eine Spur aus zerkrümelten Macarons, die sie quer durch Paris führt. Eine spannende Verfolgungsjagd beginnt – seid ihr dabei?

Diese liebevolle Abenteuergeschichte nimmt junge Leserinnen und Leser mit auf eine Reise durch Paris und vorbei an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das Buch ist sehr gut aufgebaut: Die Kapitel sind angenehm kurz, die Schriftgröße ist ideal auf das Lesealter abgestimmt und am Ende jedes Kapitels wartet eine Frage, die das Textverständnis überprüft.

Die Illustrationen von Marc-Alexander Schulze haben uns besonders gut gefallen. Zusätzlich gibt es am Ende des Buches kleine Leserätsel, die für weiteren Spaß sorgen. Als kleiner Minuspunkt sei erwähnt, dass es schön gewesen wäre, wenn die im Buch abgebildeten Sehenswürdigkeiten auch kurz beschrieben worden wären – dies ist jedoch nur eine Kleinigkeit.

Fazit:
Eine spannende Detektivgeschichte, die wir sehr gerne gelesen haben.
5½/5

Bewertung vom 19.12.2025
Luka, Saskia

Lass uns noch bleiben


gut

LASS UNS NOCH BLEIBEN
Saskia Luka
ET: 3.11.25

Anna lebt in Berlin ein zurückgezogenes, fragiles Leben.
Allein in einer Wohnung, die sie sich eigentlich nicht leisten kann, und mit dem plötzlichen Verschwinden der Frau, in die sie unsterblich verliebt war.

Tagsüber verkauft sie Topfpflanzen in ihrem kleinen Laden.
Der feste Anker in ihrem Alltag ist der tägliche Gang zu einem Café, wo sie Kaffee to go für sich und den Antiquariatsbesitzer Henning holt.
Ein paar Worte, ein kurzer Austausch – mehr Nähe entsteht zwischen ihnen nicht.

Erst als ein junger Mann ihren Laden betritt und fragt, ob er ein Wohnungsgesuch aufhängen darf, gerät Annas ruhige Routine ins Wanken.

Der Einstieg und das Setting haben mir sehr gut gefallen.
Leider verliert die Geschichte danach an Tempo und entwickelt keinen wirklichen Sog.
So feinfühlig und atmosphärisch die Autorin auch schreibt, die Handlung bleibt für mich zu zaghaft und kommt nicht richtig in Gang.

Fazit:
Eine kurze Geschichte mit schönen Momenten und guter Grundidee, die sich über weite Strecken zu ruhig entfaltet und dadurch Längen entwickelt.
Kann man lesen, muss man aber nicht.
2½/5

Bewertung vom 17.12.2025
Rosales, Caroline

Das Leben keiner Frau


ausgezeichnet

DAS LEBEN KEINER FRAU
Caroline Rosales
ET: 30.08.2021

#backlist #12für2025

Nachdem ich Die Ungelebten von Caroline Rosales beendet hatte und mir daraufhin dieses Buch empfohlen wurde, musste ich es einfach kaufen. Leider lag es dann erst einmal eine Weile auf meinem SuB, doch nun konnte ich es endlich befreien – und das hat sich gelohnt.

Melanie ist eine echte Macherin: stellvertretende Chefredakteurin der Münchner Zeitung, Stilikone und eine Frau, die mitten im Leben steht – bis zu ihrem 50. Geburtstag. Ab diesem Tag scheint alles bergab zu gehen. Die Wechseljahre melden sich, ihre 25-jährige Tochter hat viel zu wenig von dem, was Melanie im Überfluss besitzt, die Mutter muss ins Altenheim und dann stellt der Chefredakteur auch noch eine blutjunge, attraktive Journalistin ein, die Melanie gefährlich werden könnte.
Ob es noch schlimmer kommen kann? Ja.

Caroline Rosales schreibt zynisch, ehrlich und schonungslos. Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen und innerhalb eines Tages beendet. Natürlich habe ich keine hochtrabende Literatur erwartet, sondern beste Unterhaltung – und genau die habe ich bekommen.

Fazit:
Eine temporeiche Geschichte, gepaart mit einer großen Portion Zynismus. Wunderbare Unterhaltung.
4½/5

Bewertung vom 15.12.2025
Harris, Eve

Die Hoffnung der Chani Kaufman


sehr gut

DIE HOFFNUNG DER CHANI KAUFMAN
Eve Harris
ET: 24.1.24


Chani und Baruch gehören einer jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft an und leben derzeit in Jerusalem, wo Baruch die Laufbahn eines Rabbis anstrebt.
Ihre Ehe wurde vor einem Jahr arrangiert und war keine Liebesheirat, dennoch verbindet die beiden ein inniges und respektvolles Verhältnis.

Eigentlich könnte ihr Leben harmonisch sein, doch Chani ist nach einem Jahr Ehe noch immer nicht schwanger.
In der Gemeinschaft – und besonders vonseiten der Schwiegermutter – wird sie immer wieder spüren gelassen, dass dies als Makel gilt.
Baruchs Eltern drängen das junge Paar, eine Kinderwunschklinik in London aufzusuchen, während die Schwiegermutter die Situation nutzen möchte, um Chani loszuwerden, und einen Termin bei einer Heiratsvermittlerin vereinbart.

Parallel dazu erzählt der Roman die Geschichte von Rivka.
Sie hat ihren Mann Chaim, einen angesehenen Rabbi der orthodoxen Gemeinde in London, verlassen.
Seitdem gilt sie als Persona non grata, darf ihre Kinder weder sehen noch mit ihnen sprechen.
Nur ihr älterer Sohn, der in Jerusalem eine Talmudschule besucht, hält weiterhin Kontakt zu ihr.

Wie sich diese Geschichten entwickeln und welche weiteren Erzählstränge das Buch bereithält, möchte ich nicht vorwegnehmen – das empfehle ich euch, selbst zu entdecken.

Mich hat dieses Buch sehr berührt.
Ich habe es mit großer Freude gelesen und dabei unglaublich viel gelernt.
Es war mein erstes Buch der Autorin, und ich möchte unbedingt noch mehr von ihr lesen.

Besonders beeindruckt haben mich die eindrücklichen Schilderungen einer streng orthodoxen Gemeinschaft, die wie eine isolierte Parallelwelt funktioniert, sowie die schonungslose Darstellung der massiven Unterdrückung von Frauen.
Umso stärker ist der Weg, den die Autorin aufzeigt, wie ein Ausbruch aus diesen starren religiösen Strukturen möglich sein kann.

Fazit:
Ein zart, bildreich und zugleich eindringlich erzählter Roman.
Wer für einige Tage in das Leben einer orthodoxen jüdischen Gemeinschaft eintauchen möchte, dem kann ich dieses Buch sehr ans Herz legen.
Große Leseempfehlung.
4½/5