Benutzername: bücherfreund
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Bewertungen

Insgesamt 70 Bewertungen
Bewertung vom 18.08.2017
Und Marx stand still in Darwins Garten
Jerger, Ilona

Und Marx stand still in Darwins Garten


ausgezeichnet

Charles Darwin und Karl Marx: zwei bedeutende Köpfe des 19. Jahrhunderts. Obwohl ihre Leben und Ansichten so verschieden waren, hatten sie doch einige Gemeinsamkeiten, denen sie sich vielleicht selber gar nicht bewusst waren. Beide am Ende ihres Lebens in London, nicht weit voneinander entfernt, doch im wahren Leben sind sie sich nie begegnet. In diesem Buch macht die Autorin ein Gedankenexperiment und lässt die beiden Charaktere aufeinanderprallen.

Ich finde den Ansatz sehr interessant. Als Leser lernt man beide Charaktere näher kennen. Als Verbindungsperson fungiert Dr. Beckett, der gemeinsame Hausarzt der beiden, der schon bald merkt, dass ein Treffen der beiden bedeutenden Denker sehr interessant sein könnte. Doch Darwin, dem der kommunistische Deutsche nicht ganz geheuer ist, lehnt ab. Erst durch einen kleinen Trick stehen sich die beiden doch irgendwann gegenüber.

Das Treffen der beiden Persönlichkeiten steht in diesem Buch gar nicht so sehr im Mittelpunkt - dieses ist auch nur relativ kurz. Eher lernt man sehr viel über beide Persönlichkeiten, ihre Gedanken und ihr Leben. Besonders Darwin steht im Mittelpunkt. Er merkt, dass es langsam mit ihm zu Ende geht und schaut auf sein Leben zurück, sucht den Sinn darin und hadert mit seinem Bruch mit der Religion.

Die Frage nach dem Glauben, der Existenz Gottes und dem Ungewissen nach dem Tod spielt eine große Rolle.
Charles Darwin, Schöpfer der Evolutionstheorie, wird von seinen Zeitgenossen vorgeworfen, Gott getötet zu haben. Er steht im Zwiespalt zwischen seinem eigenen Glauben und dem Wissen, das er im Laufe seines Lebens angesammelt hat. Wie kann er Wissenschaft und Glaube vereinbaren? Je älter er wird, desto mehr drängt er auf eine Lösung dieses Zwiespalts.
Für Karl Marx hingegen, als klarer Atheist, gibt es keinen Gott. Seiner Meinung nach ist die Kirche eine Institution zur Unterdrückung der Arbeiter.

Ich fand es sehr interessant über diese beiden so wichtigen Persönlichkeiten zu lesen und mehr über ihre Leben herauszufinden. Die Hintergründe scheinen sehr gut recherchiert zu sein. Besonders die Gedanken, die sich beide Charaktere so intensiv machen, sind sehr interessant nachzuvollziehen und hat das Ganze persönlich gemacht. Das Buch ist dabei nie trocken, sondern oft sogar sehr amüsant und hat mich zum Schmunzeln gebracht.

Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung für das Buch für jeden, der sich für Geschichte, Wissenschaft und/oder spannende Charaktere interessiert.

Bewertung vom 18.08.2017
Die Lieferantin
Beck, Zoë

Die Lieferantin


ausgezeichnet

London in der nahen Zukunft: seit dem Brexit geht es bergab für Großbritannien. Nun steht ein neues Referendum an: der Druxit, der jegliche Drogen abschaffen soll. In dieser schwierigen Zeit hat Ellie sich mit dem besten Drogenhandel im Darknet selbstständig gemacht. Sie selber hat ihren Bruder durch eine Überdosis verloren, daher möchte sie eine sichere und anonyme Quelle für Abhängige bieten. Sie hat alles perfekt organisiert: die Drogen kommen werden innerhalb kürzester Zeit per Drohne geliefert. Damit ist sie den anderen Drogenhändlern natürlich ein Dorn im Auge, die schon bald ein Kopfgeld auf sie aussetzen.

Ich fand das Buch wahnsinnig gut geschrieben. Es gibt mehrere Hauptcharaktere, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird. Die Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln ist so gut gemacht, dass eins in das andere über zu fließen scheint. So gut hab ich das selten bei einem Buch erlebt. Meist ist es ja so, dass man sich oft erst mal wieder in den nächsten Charakter einfinden muss. Hier ist das super gelöst.

Die Charaktere sind außergewöhnlich und durchweg sympathisch und nachvollziehbar (sogar die "Bösewichte"). Jeder Charakter hat eine tiefgehende Vorgeschichte, die sein Handeln in der Gegenwart beeinflusst.
Es ist außerdem sehr interessant zu sehen, wie das Großbritannien der Zukunft aussehen könnte. Der Brexit ist sicher, die Zeiten ungewiss und es könnte vielleicht wirklich sein, dass es so kommt wie in diesem Buch beschrieben. Das Buch bietet eine völlig neue Sichtweise auf den Brexit und damit verbundene Konsequenzen. Die Autorin scheint sehr gut recherchiert ihre Idee sehr ausführlich ausgearbeitet zu haben, bevor sie sich auf dieses Projekt eingelassen hat.

Mich hat das Buch durchweg begeistert. Auch wenn ich es nicht unbedingt als "Thriller" bezeichnen würde. Es ist zwar spannend, aber nicht thrillermäßig, womit ich mehr psychischen Nervenkitzel verbinden würde. Es ist trotzdem spannend, interessant und auf jeden Fall lesenswert.

Bewertung vom 18.08.2017
Swing Time
Smith, Zadie

Swing Time


sehr gut

Auf "Swing Time" bin ich schon alleine durch das farbenkräftige Cover und Titel aufmerksam geworden. Ich mag es, wenn ein Buch anstatt eines aufwändigen Covers alleine durch Farbe und Wahl des Titels heraussticht. Das weckt mein Interesse und so war es auch hier.

Zwei Mädchen, die aus ähnlichen Verhältnissen kommen, lernen sich beim Tanzunterricht kennen und werden Freundinnen. Der Traum selber einmal eine berühmte Tänzerin zu werden, verbindet die beiden zunächst, doch nur eine der beiden wird es später schaffen. Die beiden einmal so eng befreundeten Mädchen leben sich auseinander, der Kontakt bricht ab, doch aus den Gedanken der jeweils anderen können sie sich niemals ganz löschen.

Das Buch begleitet beide Mädchen durch ihre Kindheit bishin ins Erwachsenenalter. Mir gefällt es sehr, wie Zadie Smith die Entwicklung der beiden Charaktere so bildhaft in treffenden, kurzen Szenen darstellt. Es fühlt sich an, als würde man als Leser wirklich am Leben der Protagonistin teilhaben, und das über Jahre hinweg.

Die (meist weiblichen) Charaktere sind interessant, einzigartig und tiefgründig. Jede hat ihre eigene Geschichte, die sie zu dem Menschen gemacht hat, die sie heute ist. Das ist interessant nachzuvollziehen und spannend, wenn die Charaktere, die teils extrem unterschiedlich sind, aufeinander treffen und lernen müssen, miteinander zurecht zu kommen. Der Autorin gelingt es wirklich gut, die Charaktere vor dem inneren Auge lebendig zu machen.

Insgesamt ein sehr interessantes Buch, das durch tiefgründige Charaktere besticht und gesellschaftskritische Fragen aufwirft. Im Hintergrund steht immer die besondere Beziehung der beiden Mädchen, die trotz der unterschiedlich eingeschlagenen Lebenswege doch immer bestehen bleibt.

Bewertung vom 18.08.2017
Teufelskälte / Kommissar Tommy Bergmann Bd.2
Sveen, Gard

Teufelskälte / Kommissar Tommy Bergmann Bd.2


gut

Ich bin ein bisschen zwiegespalten, was dieses Buch betrifft. "Der letzte Pilger" war eines meiner Favoriten des letzten Jahres, daher war ich auch sehr gespannt auf das zweite Werk von Gard Sveen, doch wirklich überzeugen konnte es mich nicht.

"Teufelskälte" beginnt mit Tommy Bergmanns erstem Fall, die brutale Ermordung mehrerer junger Frauen 1988. Der Fall konnte damals aufgeklärt und der Täter hinter Gitter gebracht werden. Doch Bergmanns neuester Fall weist seltsame Ähnlichkeiten zu den damaligen Morden auf, wodurch die gesamten Ermittlungsergebnisse in Frage gestellt werden müssen.

Was mir an Sveens Schreibweise gefällt, ist die Geschwindigkeit, mit der er erzählt. Schnelle, spannende Szenenwechsel sind typisch für ihn. Bei diesem Buch kommt nun noch die zeitliche Komponente hinzu. Es wird hin und her gesprungen zwischen den damaligen Ermittlungen und der Gegenwart. Dass gleichzeitig immer neue Charaktere eingeführt werden, macht den Überblick mit der Zeit schwierig. Teilweise wirkt die Handlung etwas wirr. Es werden immer neue Fährten gelegt, so dass ich irgendwann den Faden verloren habe.

Die Charaktere sind auch so eine Sache. Einige sind gut ausgearbeitet und werden interessant dargestellt (mir haben besonders die Szenen in der psychologischen Anstalt gefallen), doch andere sind klischeebehaftet, so wie die weibliche Ermittlerin, die zwar alleinerziehend ist, doch trotzdem ihren Alltag und die Ermittlungen ganz wunderbar miteinander vereinbaren kann.

Von dem Ende war ich sehr enttäuscht. Da fiebert man über 400 Seiten mit, erhofft sich eine Auflösung des Falls und wird dann mit einer halbherzigen Lösung abgespeist, die mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet. Warum so kompliziert? Etwa damit man noch eine Fortsetzung verkaufen kann? Dem Buch hätte es besser getan, man hätte die Handlung gestrafft und in ein einziges Buch verpackt. So wie es gelöst wurde, wirkt die ganze Handlung absolut nicht rund.

Bewertung vom 02.07.2017
Glück ist teuer
Aeschlimann, Silvan

Glück ist teuer


ausgezeichnet

Noah ist 22, Student und auf der Suche nach seinem Platz im Leben. Er studiert Wirtschaft, doch das auch nur, da er das für etwas Vernünftiges hält, etwas, worauf man aufbauen kann. Was er damit in der Praxis einmal anfangen möchte, weiß er noch nicht. Und gleichzeitig realisiert er, dass er das gesamte Weltwirtschaftssystem in Frage stellt. Er stellt sich die Frage nach dem Sinn des Geldes und des Lebens. Ist Glück wirklich käuflich? Als er herausfindet, dass sein Vater einer der reichsten Geschäftsmänner der Schweiz ist, treibt ihn dies noch mehr in einen Gewissenskonflikt.

Ich fand das Buch sehr interessant. Noah ist ein Charakter, der sich viele Gedanken um die Welt und den Sinn des Lebens macht. Er hat gerade erst seinen leiblichen Vater kennen gelernt und bekommt die Chance in kurzer Zeit sehr viel Geld zu verdienen. Die Gedanken, die er sich macht und wie er auf die neuen Lebensumstände reagiert, macht ihn zu einem interessanten Charakter, der dazu noch sehr sympathisch rüberkommt. Als Leser begleitet man ihn einfach gerne.
Gut gemacht sind die kurzen Episoden aus der Kindheit des Protagonisten, die zwischendurch eingestreut werden. Da diese Episoden wichtig für Noahs spätere Entwicklung sind, fand ich es spannend, ihn auch als Kind zu erleben. Man kann nachvollziehen, wie sich Noahs Blick auf die Welt mit der Zeit verändert (besonders im Hinblick auf das viele Geld, was ihm plötzlich zur Verfügung steht und was er damit erreichen möchte) und wie sich die Wurzeln seines Handelns schon in seiner Kindheit gebildet haben.

Besonders gut gelungen fand ich, dass der kurze Prolog und Epilog die Geschichte perfekt einrahmen. Das lässt die Geschichte rund erscheinen und mich als Leser zufrieden zurück.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Offen gelassen wird die Frage, was denn nun eigentlich Glück ist, denn das muss jeder für sich selber beantworten. Ich würde das Buch definitiv weiter empfehlen.

Bewertung vom 04.06.2017
So, und jetzt kommst du
Frank, Arno

So, und jetzt kommst du


sehr gut

Familie Frank hat das große Geld gemacht. Jedenfalls wird das so den Kindern gesagt, als sie Hals über Kopf mitten in der Nacht nach Südfrankreich zu ihrem "neuen Leben" aufbrechen. Angeblich steinreich braucht der Vater nicht mehr zu arbeiten, die Familie lebt in Luxus und die Kinder sind glücklich. Doch schon bald müssen sie wieder weiterziehen und weiter und weiter und besitzen bald nicht mehr als das, was sie am eigenen Körper tragen. Die Wahrheit wird vor den Kindern so lange geheim gehalten bis es nicht mehr geht.

Ich finde das Buch hervorragend geschrieben. Mir hat dieser unterschwellige Humor, der sich durch das gesamte Buch zieht, sehr gut gefallen. Die Lektüre war daher sehr unterhaltsam, auch wenn es im Buch selber gerade nicht lustig zuging.

Was ich auch sehr gut gelungen fand, ist die Charakterentwicklung, besonders vom Jungen. Als Leser lernen wir ihn schon sehr jung kennen. Im Laufe des Buches wächst er heran und wird zum Teenager. Da aus seiner Sichtweise geschrieben wird, weiß der Leser immer nur so viel, wie der Junge mitbekommt und verstehen kann. Er ist ein sehr guter Beobachter und so versteht der Leser oft mehr als der kleine Junge, der beschreibt und Dinge noch nicht richtig einzuordnen weiß. Doch während er heranwächst, ändert sich auch der Schreibstil passend dazu und wird erwachsener. Er vertraut nicht mehr blind seinen Eltern, sondern beginnt Zusammenhänge zu erkennen und seine eigenen Schlüsse zu ziehen bis er sich schließlich sogar gegen seine Eltern stellt.

Die Charaktere sind überhaupt durchgehend gut entwickelt mit vielen Facetten und Eigenheiten, die auch konsequent durchgezogen werden. Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich alle Charaktere so klar vor Augen sehen konnte wie hier.

Einen Punkt muss ich leider abziehen, da die Handlung im Mittelteil teilweise etwas langatmig wurde. Doch das war wirklich nur stellenweise und dank des ausgeprägten Humors, der immer wieder eingeflochten wird, war das auch kein großer Störfaktor.

Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen. Es war eine amüsante Lektüre mit sehr interessanten Charakteren. Ich würde es definitiv weiterempfehlen.

Bewertung vom 04.06.2017
Der Freund der Toten
Kidd, Jess

Der Freund der Toten


ausgezeichnet

Dieses Buch hat es mir echt angetan. Erstmal ist die Handlung wirklich spannend. Der junge Mahony kehrt an den Ort zurück, in dem er geboren wurde, um das Rätsel um seine Herkunft zu lösen. Trotz der Ablehnung, die ihm fast überall entgegen schlägt, geht er zielstrebig und unerschrocken vor, um herauszufinden, was nach seiner Geburt mit seiner Mutter passiert ist.

Mahony ist wunderbar einzigartig. Er ist ein Einzelgänger, unabhängig und lässt sich von niemandem etwas vormachen, doch gleichzeitig weiß er genau, wie er sich verhalten muss, um jemanden um den Finger zu wickeln und so zu erreichen, was er möchte. Seine erfrischende Art wird mir bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben.
Auch die anderen Charaktere dieser Geschichte sind faszinierend und haben alle ihre ganz eigene Art und Weise, was sie zu wirklichen Individuen macht.

Die Sprache, in der das Buch geschrieben ist, ist absolut schön. Ich habe selten etwas in einem so poetischen Stil gelesen, das gleichzeitig noch so packend und spannend war.

Ich würde dieses außergewöhnliche Buch jedem weiter empfehlen, der auf der Suche nach einer guten Geschichte mit außergewöhnlichen Charakteren ist.

Bewertung vom 04.06.2017
Das Einstein Enigma
Dos Santos, José R.

Das Einstein Enigma


ausgezeichnet

Schon als ich die Kurzbeschreibung des Buches gelesen hatte, wusste ich, dass das genau das richtige Buch für mich ist. Ein altes Manukript von Albert Einstein wird gefunden, der Titel "Die Gottesformel". Doch in dem Manuskript befinden sich verschlüsselte Passagen. Der Kryptanalyt Tomás Noronha soll dabei helfen, diese zu entschlüsseln und hat keine Ahnung, auf was er sich bei diesem Vorhaben einlässt. Das Manuskript soll eine Anleitung zum Bau der Atombombe enthalten, die es dem Iran ermöglicht, auf einfache Weise Atomwaffen herzustellen. Noronha wird gleichzeitig vom Iran und von der CIA angeheuert. Vom Iran, um das Manuskript zu entschlüsseln und von der CIA, um das Vorhaben des Irans auszuspionieren. Noronha verwickelt sich in etwas, bei dem es bald um Leben und Tod geht und evtl. auch einem Beweis für die Existenz Gottes.

Die Handlung ist wahnsinnig spannend. Ich konnte es fast gar nicht mehr aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgehen würde. Ich fand auch die wissenschaftlichen Erklärungen, von denen es viele im Buch gibt, sehr interessant. Für manch anderen Leser mögen diese vielleicht etwas zu viel des Guten sein, doch da ich mich sowieso für diese Themen interessiere, war es für mich sehr interessant, mehr über die existenziellen Fragen der Physik zu erfahren.
Bei der ganzen Spannung und Wissenschaft kommen aber auch die Charaktere nicht zu kurz. Besonders Tomás Noronha ist ein sympathischer Charakter, bei dem es auch in die Tiefe geht. Seine Eltern fand ich hingegen ein wenig flach, besonders die Mutter scheint nur aus Klischees zu bestehen, doch diese spielen ja auch nur eine Hintergrundrolle.

Insgesamt war das Buch eine sehr interessante Reise in die Physik auf der Spur des größten Rätsels, das die Welt wohl beschäftigt: die Existenz Gottes. Ich würde das Buch allerdings nur denjenigen weiterempfehlen, die auch wenigstens etwas Interesse an den physikalischen Zusammenhängen in der Welt haben. Sonst könnte das Buch passagenweise etwas langweilig werden.

Bewertung vom 04.06.2017
Ragdoll - Dein letzter Tag
Cole, Daniel

Ragdoll - Dein letzter Tag


gut

Auch wenn die Idee nicht neu ist, ein Killer, der eine Liste seiner nächsten Mordopfer veröffentlicht und am Ende sogar der Hauptermittler selber auf der Liste steht, wurde sie spannend umgesetzt.

Die Charaktere waren mir durchweg sympathisch. Ohne Klischees zu bedienen hatte jede Figur ihre eigenen Macken und persönliche Geschichte, die sie individuell gemacht haben. Mir hat vor allem die Interaktion zwischen den Figuren gefallen, da sie realistisch und unterhaltsam erschien. Ohne die Vorgeschichte zu kennen, hat man als Leser den Eindruck gewonnen, dass die Figuren schon einiges miteinander erlebt haben, was die Figuren noch lebhafter gemacht hat. Dies hatte allerdings auch einen kleinen Haken: dadurch dass die Figuren sich gegenseitig so gut kennen, wird man manchmal als Leser etwas außen vor gelassen, z.B. wenn eine Figur mit einem Namen erwähnt wird, der vorher noch nie erwähnt wurde und man erst mal rätseln muss, wer gemeint ist.

Auch der etwas konfuse Erzählstil hat mein Lesevergnügen etwas gemindert. Ständige Szenenwechsel, die an sich ja nicht schlecht sind, aber hier weiß man als Leser oft nicht, wo man gerade ist oder was überhaupt passiert ist. Da zusätzlich auch dauernd in der Zeit herumgesprungen wird, hab ich öfter den Überblick verloren und musste ganze Passagen mehrmals lesen, um zu verstehen, wann was passiert ist. An manchen Stellen war die Erzählung auch sehr vage, so dass ich mir nicht sicher war, was der Autor mir nun eigentlich sagen wollte.

Zum Schluss hat alles Sinn ergeben. Die Auflösung fand ich auch echt gut, weil es mal etwas anderes war. Doch der Weg dorthin war etwas beschwerlich.

Insgesamt ist dies ein spannender Thriller mit einer überraschenden Wendung, wenn man sich erst mal an den Erzählstil gewöhnt hat.

Bewertung vom 04.06.2017
Der letzte Überlebende
Pivnik, Sam

Der letzte Überlebende


ausgezeichnet

Mir fällt es schwer, dieses Buch zu rezensieren, weil ich keine Worte finde. Sam Pivnik schreibt hier über sein Leben und doch liest es sich wie eine unvorstellbare Horrorgeschichte. Eine Horrorgeschichte, die er über Jahre durchleben musste.

Die Lektüre des Buches ist mir teilweise sehr schwer gefallen, weil er sehr detailreich beschreibt, was ihm widerfahren ist. Aber auch wenn es schwer gefallen ist, fand ich es wichtig, dieses Buch zu lesen. Das Grauen des Dritten Reiches wird einem so noch einmal sehr viel näher gebracht. Und es ist so wichtig, dass nicht vergessen wird, was damals passiert ist.

Ich möchte dieses Buch jedem weiterempfehlen. Sam Pivnik hat so eine unfassbare Lebensgeschichte hinter sich, die sich kein Autor ausdenken könnte. Und das Schlimme daran: es ist alles wahr. Es darf nicht vergessen werden und darf sich niemals wiederholen.