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Benutzername: Buecherdanny
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Bewertungen

Insgesamt 24 Bewertungen
Bewertung vom 05.11.2019
Die Ewigkeit in einem Glas
Kidd, Jess

Die Ewigkeit in einem Glas


ausgezeichnet

Bridie Devines neuer Auftrag ist mysteriös und sehr seltsam. Sie wird von Sir Edmund beauftragt, seine entführte Tochter aufzufinden. Die Dienerschaft des Adligen reagiert feindselig auf Bridies Besuch und Fragen. Keiner scheint die Tochter Christabel je gesehen zu haben. Sie hatte ein Zimmer in einem Trakt des Hauses, der für alle außer dem seltsamen Kindermädchen verschlossen war. Komisch auch, dass der Hausarzt und das Kindermädchen auch nicht mehr aufzufinden sind. Bridie verschafft sich Zugang zu Chritabels Zimmer und ahnt, dass das seltsame Mädchen in großer Gefahr ist. Bei ihrer Suche wird Bridie von ihrem neuen Begleiter, dem toten Ruby beschützt. Denn Briedie hat einen gefährlichen und grausamen Gegner der aus der Vergangenheit wieder aufgetaucht ist. Ein Sammler menschlicher Kuriosäten …

Bridie Devine ist eine sympathische und engagierte Ermittlerin. Ihr Charakter ist von der Autorin sehr detailreich beschrieben. Man erfährt durch die Rückblicke im Roman viel aus ihrer Vergangenheit und ahnt welche Rolle ihr ständiger, toter Begleiter Ruby darin gespielt hat. Mit dem Geist Ruby, einem ehemaligen Boxer, hat Jess Kidd einen weiteren interessanten und außergewöhnlichen Protagonisten geschaffen. Auch alle anderen Charaktere sind sehr gelungen und in ihrer Art sehr speziell und außergewöhnlich. Da wäre zum Beispiel das riesige Hausmädchen Cora, ein recht verrückter Zirkusdirektor, ein Chemiker der geniale Mischungen von Pfeifentabak entwickelt hat – und natürlich Christabel mit ihrem unsympathischen Kindermädchen das ständig “Märchen“ erzählt…. Christabel ist wirklich etwas besonderes und auch etwas beängstigend… Die Suche nach dem entführten Mädchen gestaltet sich für Bridie sehr schwierig, da sie von ihrem Vater keinerlei Unterstützung bekommt.

Es war sehr spannend Bridie bei ihren gefährlichen Ermittlungen zu begleiten. Der Fall ist alles andere als logisch und eigentlich glaubt Bridie nicht an Geister, dennoch wird sie von einem begleitet und beschützt. Und auch bei Christabel ist man sich nie so sicher ob es sich nicht doch um ein normales Mädchen handeln könnte? Realität und Fiktion liegen in diesem fantastischen Krimi eng beieinander.

Jess Kidd ist es auch gelungen, einen lebendigen Eindruck vom Leben in London im neunzehnten Jahrhundert zu übermitteln. Der Fortschritt zieht in die Gesellschaft ein, dennoch wird das Leben oft noch vom Aberglauben geprägt.

Mir hat dieser mysteriöse und fantastische Krimi sehr gut gefallen. Auch der Humor kam nicht zu und das Buch hat mich des öfteren schmunzeln lassen.

Bewertung vom 08.10.2019
Hotel Cartagena / Chas Riley Bd.9
Buchholz, Simone

Hotel Cartagena / Chas Riley Bd.9


sehr gut

Eine spektakuläre Geiselnahme in einer Hotelbar in St Pauli, im Hamburger Hafen : Zwölf schwerbewaffnete vermummte Männer nehmen die Gäste und das Personal in ihre Gewalt. Unter ihnen befindet sich auch Staatsanwältin Chastity Riley und einige ihrer Kollegen.
Nach und nach stellt sich heraus, dass das Motiv des Anführers weit in der Vergangenheit zu finden ist. In den 80 iger Jahren will Henning, ein junger Mann vom Kiez raus aus seiner hoffnungslosen Welt. Er heuert auf einem Schiff an und steigt in Kolumbien in den Drogenhandel ein. Er vermittelt zwischen Cartagena und Hamburg. Doch auf Geld und gutes Leben folgt für ihn die Hölle. Er wird verraten und muss fliehen. Als er Jahre später die Chance auf Vergeltung bekommt, kehrt er nach Hamburg zurück …

Das Buch berichtet abwechselnd aus zwei Perspektiven. Staatsanwältin Riley feiert mit Kollegen in der Hotelbar den Geburtstag des pensionierten Hauptkommissars Faller bis die Bar von zwölf Geiselnehmern gestürmt wird.

Die anderen Kapitel beschreiben das Leben von Henning, wie er als Junge auf dem Kiez aufwächst und die große Chance sein Leben zu verbessern im Drogengeschäft findet. Obwohl er ein Krimineller ist, ist sein Charakter recht sympathisch dargestellt. Seine Lebensgeschichte ist ausführlich beschrieben, so dass man das Gefühl hat ihn gut kennen zu lernen.

Man ahnt recht schnell, dass die beiden Erzählstränge irgendwann zusammenlaufen müssen, was sich später auch bewahrheitet.

Es ist schwierig, etwas über die Story auszusagen, ohne zu viel zu verraten, da das Buch nicht sehr umfangreich ist. Es ist ungeheuer spannend geschrieben und entwickelt einen regelrechten Sog, was wohl auch am typischen, umgangssprachlichen und rasanten Schreibstil der Autorin liegt.

Die Kapitel um Henning haben mir besser gefallen als die in der Hotelbar. Rileys Probleme haben in meinen Augen zu viel Raum eingenommen. Zum Ende der Geiselnahme hin ging mir alles etwas zu schnell und der Showdown kam recht plötzlich.

Im Ganzen war das Buch ein weiterer spannender Fall der Reihe um Staatsanwältin Riley. Aber es gibt andere Bände, die mir besser gefallen haben.

Bewertung vom 30.09.2019
Der Verein der Linkshänder
Nesser, Hakan

Der Verein der Linkshänder


ausgezeichnet

Der legendäre Kommissar Van Veeteren ist im Ruhestand, genießt die Zeit in seinem Antiquariat und sieht mit gemischten Gefühlen seinem 75. Geburtstag entgegen.
Er bekommt Besuch von einem früheren Kollegen, der ihm von einem Fall aus vergangenen Zeiten berichtet. In einer Pension in Osterby sind damals vier Menschen ums Leben gekommen. Sie gehörten als Kinder und Jugendliche zum „Verein der Linkshänder“ und ein Mitglied hatte ein Wiedersehen organisiert. Da nach dem Brand ein Teilnehmer verschwunden war, wurde er schnell als Täter identifiziert, obwohl er niemals aufgefunden worden ist.
Überraschend wurde nun seine Leiche entdeckt. Auch sein Tod liegt lange zurück. Er wurde zur selben Zeit ermordet wie die anderen Teilnehmer des Treffens. Van Veeteren und sein Team hat damals versagt – der Mörder ist immer noch auf freiem Fuß! Van Veeteren beteiligt sich an den aktuellen Ermittlungen.
Es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Im Parallelfall ermittelt ein nicht unbekannter Inspektor Barbarotti. Gibt es eventuell eine Verbindung zwischen den beiden Fällen?

Mich konnte das Buch von der ersten Seite an fesseln. Es spielt in verschiedenen Zeitebenen und beginnt zunächst in der Vergangenheit. Die Kapitel berichten abwechselnd aus den drei verschiedenen Zeiten, sind aber immer mit Jahr und Ort betitelt so dass es nicht zu Verwirrungen kommen kann. Durch den ständigen Wechsel von Zeit und Ort baut sich eine enorme Spannung auf und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen.

Die Charaktere sind mir durch andere Krimis von Hakan Nesser vertraut und es war schön, alten Bekannte wieder zu begegnen. Van Veetren ist älter und reifer geworden. Teilweise sind seine Gedanken über das Älterwerden und das Leben schon recht philosophisch, was mir sehr gut gefallen hat. Seine Ermittlungsarbeit ist wie gewohnt durch seinen Instinkt geprägt. Er bekommt Unterstützung von seiner Lebensgefährtin Ulrike Fremdli , mit der er auf einer Reise ist um in Abgeschiedenheit seinen 75. Geburtstag zu feiern. Ihre Reise und Gespräche werden von den Ermittlungen geprägt.

Der Fall ist sehr komplex, es gibt viele Verwicklungen und unerwartete Wendungen. Die Ermittlungen sind spannend und es kommen viele Geheimnisse aus der Vergangenheit ans Licht. Besonders unterhaltsam fand ich, dass die Spuren auch nach Schweden führen und dort Inspektor Barbarotti ins Spiel kommt. Eine tolle Idee vom Autor, diese beiden Ermittler zusammen treffen zu lassen!

Ich habe den neuen Kriminalroman von Hakan Nesser mit Begeisterung gelesen und empfehle ihn sehr gerne weiter.

Bewertung vom 19.09.2019
Messer / Harry Hole Bd.12
Nesbø, Jo

Messer / Harry Hole Bd.12


sehr gut

Harry Hole ist am Boden zerstört. Seine Frau Rakel, seine große Liebe, hat ihn verlassen. Seit diesem Verlust trinkt er wieder und hat seinen Job an der Polizeihochschule verloren.

Um ein bisschen Ablenkung zu bekommen arbeitet Harry als einfacher Ermittler wieder bei der Polizei. Svein Finne, den er schon einmal hinter Gitter gebracht hat, ist wieder aufgetaucht und es kommt zu neuen Vergewaltigungen. Harry fängt an, Svein Finne zu verfolgen.

Sein Alkoholkonsum beschert Harry eine Nacht an die er sich nicht erinnern kann. Als er am Morgen aufwacht ist seine Kleidung voller Blut und der Albtraum beginnt …

Im 12. Band der Reihe ermittelt Harry Hole in seinem persönlichsten Fall. Da er suspendiert wurde, muss er dass auf eigene Faust tun. Der Kriminalroman beschäftigst sich sehr viel mit Harrys Privatleben, seinen Gedanken und seinen Gefühlen. Harry ist am Ende, trinkt wieder und auch seinen Job hat er deswegen verloren. Klar, dass er nur düstere Gedanken haben kann und immer weiter abrutscht. Es ist ein typischer Harry Hole Krimi, aber teilweise waren mir die düsteren Gedanken etwas zu langatmig dargestellt.

Die Ermittlungen und er Fall sind sehr spannend. Es gibt verschiedene Handlungsstränge die am Ende zusammenlaufen. Der Leser wird auf falsche Spuren geschickt und es gibt spannende Wendungen bei den Ermittlungen. Viele der Protagonisten haben dunkle Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen. Hier wäre ein bisschen weniger vielleicht mehr gewesen.

Im Ganzen war der Krimi sehr spannend und unterhaltsam zu lesen. Teilweise hatte er aber seine Längen und war etwas überzogen. Für alle Harry Holes Fans aber trotzdem zu empfehlen!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.09.2019
Die geheime Mission des Kardinals
Schami, Rafik

Die geheime Mission des Kardinals


ausgezeichnet

Es ist ein komplizierter Fall, den Kommissar Barudi 2010 kurz vor seiner Pensionierung übernehmen muss. Der italienischen Botschaft wird ein Fass Olivenöl geliefert in dem sich die Leiche eines Kardinals befindet. Damit es nicht zu politischen Verstimmungen zwischen beiden Ländern kommt, bekommt Barudi Unterstützung von Mancini, einem italienischen Kollegen aus Rom. Die beiden Kommissare verstehen sich sehr gut und es entwickelt sich schnell eine gute Freundschaft zwischen ihnen. Sie versuchen herauszufinden auf welcher geheimen Mission der Kardinal unterwegs war und warum er den berühmten, muslimischen Bergheiligen aufsuchen wollte. Die Ermittlungen gestalten sich sehr schwierig und auch gefährlich, als die beiden in die Hände bewaffneter Islamisten geraten …

Der neue Roman von Rafik Schami ist mehr als ein spannender Kriminalfall. Er ist ein Gesellschaftsroman der tiefe Einblicke in die syrische Gesellschaft vor dem Bürgerkrieg gibt.

Die beiden Kommissare sind sympathische und glaubhafte Charaktere denen ich sehr gerne auf ihrer Reise durch Syrien gefolgt bin. Im Roman lernt man viel über das Land und das Leben der Menschen. Die Sprache ist sehr bildhaft und Rafik Schami hat es geschafft dem Leser die Atmosphäre in Damaskus und auch in kleinen Dörfern auf dem Land zu vermitteln. Als die beiden Freunde in den von Islamisten besetzen Teil des Landes geraten, wird die Stimmung bedrückend und beängstigend. Es ist auch erschreckend zu erfahren, dass die Bevölkerung Rat und Hilfe bei Wunderheilern und Scharlatarnen sucht. Der Aberglaube spielt eine große Rolle im Leben der Menschen vor dem Ausbruch des drohenden Bürgerkriegs.

Die verschiedenen Religionen haben großen Einfluss auf die syrische Gesellschaft und es kommt zu vielen Konflikten. Auch der Geheimdienst, der seine Augen überall hat, erschwert die Ermittlungen der Kommissare erheblich. Beziehungen und gute Kontakte zählen mehr als erfolgreiche Ermittlungsarbeit, was für Kommissar Barudi schwer zu akzeptieren ist.

Der Roman ist in zwei Erzählsträngen geschrieben, was ihn sehr abwechslungsreich macht. Die Beschreibungen der Ermittlungen wechseln sich mit Barudis Tagebuch ab. Er hat von seinem Arzt empfohlen bekommen, diese Aufzeichnungen zu tätigen um besser mit seiner Vergangenheit und dem Verlust seiner geliebten Frau Basma fertig zu werden. Die Tagebucheinträge sind sehr persönlich und man hat das Gefühl, den Kommissar sehr gut kennen zu lernen.

Für mich war „Die geheime Mission des Kardinals“ wieder einmal ein sehr lesenswerter Roman von Rafik Schami der mich berühren und fesseln konnte.

Bewertung vom 15.07.2019
Wilder Winter / Hap & Leonard Bd.1
Lansdale, Joe R.

Wilder Winter / Hap & Leonard Bd.1


ausgezeichnet

Der Krimi „Wilder Winter“ ist der Beginn der Serie mit den beiden Protagonisten Hap & Leonard. Die beiden Freunde Hap Collins und Leonard Pine können unterschiedlicher kaum sein. Hap ist weiß, hetero und Kriegsdienstverweigerer, Leonard ist schwarz, schwul und ein Vietnamveteran. Beide schlagen sich mit Gelegenheitsjobs auf den Rosenfeldern von Texas durch. Als Haps Exfrau Trudy auftaucht beginnen unruhige Zeiten für die Freunde. Sie schlägt den Beiden ein Geschäft vor, bei dem Hap schnelles Geld mit wenig Aufwand wittert.
Hap soll bei der Suche nach einer Milllion Dollar aus einem schiefgelaufenen Bankraub helfen. Die Beiden Freunde nehmen das Angebot an, da sie das Geld dringend brauchen. Leider läuft die Sache nicht so glatt wie gedacht und es gibt viel Ärger und es wird ein wilder Winter …

Die beiden Freunde Hap und Leonard sind zwei originelle und skurrile Typen. Sie schrecken vor nichts zurück. Ihre Dialoge sind derbe, mit Sticheleien gespickt und sehr witzig und unterhaltsam zu lesen. Auch die anderen Charaktere sind außergewöhnlich in ihrer Art und passen perfekt in die wilde Story. Durch die detailreiche und authentische Beschreibung kann man die Personen regelrecht vor sich sehen.

Die Handlung spielt in einer geheimnisvollen und wilden Natur voller Wälder und morastiger Gewässer. Irgendwo in der texanischen Moorlandschaft soll das Geld aus dem Bankraub zu finden sein. Die Beschreibungen der undurchdringlichen und urwüchsigen Natur haben mir sehr gut gefallen und vermitteln eine unheimliche, teilweise bedrohliche Stimmumg.

Die Story ist von Anfang an unterhaltsam, die Spannung steigert sich im Laufe der Geschichte und endet in einem furiosen und blutigen Showdown. Das Buch konnte mich vom Anfang an fesseln, der Roman ist voll von schwarzem Humor aber auch unterschwelliger Gesellschaftskritik. Ich freue mich auf weitere Bände mit und um Hap & Leonard!

Bewertung vom 15.04.2019
SCHWEIGEPFLICHT / Stockholm-Reihe Bd.1
Lapidus, Jens

SCHWEIGEPFLICHT / Stockholm-Reihe Bd.1


gut

In einem Sommerhaus auf den Stockholmer Schären wird ein schrecklich zugerichteter Toter gefunden. Ein bewusstloser Mann der mit seinem Auto in der Nähe des Tatorts verunglückt ist, wird wegen dieser Tat in U-Haft genommen. In einem wachen Moment im Krankenhaus wünscht er, dass die frischgebackene Anwältin Emelie Jansson seine Verteidigung übernimmt. Zusammen mit Teddy, einem Ex-Knacki, der für Emelies Kanzlei spezielle Nachforschungen betreibt nimmt sie die Ermittlungen auf. Es zeigt sich schnell, dass dieser Fall sehr komplex ist und weit in die Vergangenheit reicht.

Ich brauchte einige Zeit, mich in den Krimi einzulesen. Die verschiedenen Handlungsstränge und vielen Personen waren zunächst etwas verwirrend.

Die Geschichte war interessant, die Beschreibungen der Stockholmer Unterwelt wirkten sehr authentisch. Die einzelnen Handlungsstränge waren jedoch sehr komplex, detailreich beschrieben und in meinen Augen oft zu langatmig, weswegen sich keine richtige Spannung aufbauen konnte.

Leider waren die Charaktere der Protagonisten teilweise recht oberflächlich und im Ganzen nicht stimmig. Ich konnte ihre Handlungsweise nicht immer nachvollziehen und mir war kein Charakter wirklich sympathisch.

Zum Ende hin wurde der Krimi spannender und es fügte sich alles zusammen. Das Ende konnte mich jedoch nicht überzeugen.

Bewertung vom 03.04.2019
Eine eigene Zukunft
Dueñas, María

Eine eigene Zukunft


sehr gut

Die Familie Arenas lebt in der spanischen Provinz. Das Familienoberhaupt Emilio lässt sich nur selten in Malaga blicken. Er ist rastlos und seine verschiedenen Jobs führen ihn mal hier, mal dorthin. 1936 beschließt er in New York sesshaft zu werden und übernimmt ein heruntergekommenes Restaurant. Gegen ihren Willen holt er seine Frau und seine drei Töchter zu sich, damit sie ihn im Restaurant helfen können. Als Emilio bei einem Unfall ums Leben kommt hinterlässt er seine Familie mit vielen Schulden und in einem fremden Land, in dem sie eigentlich nicht sein wollen und sich nicht wohlfühlen. Um sich über Wasser halten zu können versuchen die Schwestern das schlecht laufende Restaurant in einen Nachtclub zu verwandeln …

Ich konnte mich schnell in die Geschichte einfinden. Die Charaktere waren detailreich dargestellt, die Schwestern in ihrer Art sehr unterschiedlich und ich habe ihre Erlebnisse in New York mit Spannung verfolgt. Die drei stehen sich zunächst in der Fremde sehr nah, doch sind sie zu unterschiedlich um dauerhaft fest zusammenstehen zu können und jede versucht für sich ihren Weg zu finden. Aber sie halten trotzdem zusammen und versuchen sich um die etwas ängstliche Mutter Remedios zu kümmern, die so schnell wie möglich wieder in die alte Heimat zurückmöchte. Klar, dass es bei so verschiedenen Charakteren und Lebenszielen zu Konflikten kommen muss.

Das Umfeld der Familie, die Probleme der Einwanderer sich in der fremden Welt zurechtzufinden und ein annehmbares Leben aufzubauen waren sehr gut dargestellt. Durch die bildliche Sprache fühlte man sich ins New York der 30iger Jahre versetzt. Die Liebes- und Beziehungsgeschichten der Schwestern waren nach meinem Geschmack etwas zu kompliziert. Ihre Ängste und Zweifel die das neue Leben mit sich brachten waren jedoch glaubhaft und haben mich mit den Dreien mitfühlen lassen.

Im Laufe des Romans hat die Spannung abgebaut und die Handlung war manchmal etwas langatmig und überladen. Die Geschichte um den spanischen Thronfolger war mir zu ausführlich und eher überflüssig. Das Ende kam für mich dann recht plötzlich und war in meinen Augen etwas zu dramatisch. Der Epilog zum Schluss hat mir gut gefallen. Im Ganzen habe ich Geschichte der Arena-Schwestern sehr gerne gelesen.

Bewertung vom 20.03.2019
Was uns erinnern lässt
Naumann, Kati

Was uns erinnern lässt


ausgezeichnet

Von 1945-1977 ist das Hotel Waldeshöh das Zuhause der Familie Dressel. Das Hotel liegt im Thüringer Wald, nahe des berühmten Rennsteigs und war vor dem zweiten Weltkrieg beliebt bei Wanderern und immer gut besucht. Im Laufe der Zeit hat sich das Leben im Hotel stark verändert. Im Krieg diente es als sicherer Unterschlupf für eine Schulklasse. Der Traum der Familie Dressel das Hotel nach 1945 wieder zu dem werden zu lassen, was es einmal war geht leider nicht in Erfüllung. Nach der Errichtung der innerdeutschen Grenze liegt es hinter Stacheldraht in der Sperrzone. Die Familie hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Ohne Passierschein darf keiner ihr Waldstück betreten und die Familie muss weite Wege bis zur Schule und zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen. Es gibt kein fließendes Wasser, kein Telefon und die Grenzbeamten schikanieren oftmals die Familie beim Passieren der Grenze. Trotz allem fühlen sie sich dort sicher und wollen ihre Heimat nicht verlassen bis es 1977 zur Zwangsaussiedlung kommt …

Der zweite Erzählstrang spielt 2017 und erzählt von der 31 Jahre alten Milla. Sie arbeitet als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei. Die alleinerziehende Mutter des 14 jährigen Neo hat ein spannendes Hobby. Sie sucht Lost Places fotografiert sie und schreibt Berichte in ihrer Gruppe in einem sozialen Netzwerk. Meistens haben aber schon andere Leute diese Plätze vor ihr entdeckt. Als sie bei einem ihrer Ausflüge den Keller des Hotels Waldeshöh findet ist sie ganz aufgeregt, denn sie ist die Erste die diesen Lost Place betritt. Sie möchte unbedingt mehr über den Forst erfahren und warum vom Hotel nur noch der Keller übrig geblieben ist. Sie freundet sich mit Christine Dressel an und erfährt die ganze dramatische Familiengeschichte. Das Schicksal der Familie geht Milla sehr nahe. Sie arbeitet sich in die alten Akten ein und will der Familie helfen den Forst zurückzufordern.

Einmal angefangen konnte ich das Buch nur sehr schwer aus der Hand legen, ich habe es regelrecht verschlungen. Der fesselnde und bildliche Schreibstil hat es leicht gemacht tief in die Geschichte eintauchen zu können. Die Charaktere waren sehr vielschichtig beschrieben und die Familie Dressel ist mir schnell ans Herz gewachsen.

Kati Naumann ist es sehr gut gelungen die schwierige Zeit darzustellen in der die Familie im Hotel Waldeshöh ihr Zuhause hatte. Das Schicksal der Familie Dressler mitzuverfolgen war sehr bewegend. Die Angst vor der Überwachung und der Stasi war förmlich spürbar. Schlimm, wie auch die Kinder darunter leiden mussten und darauf getrimmt wurden bloß nichts Falsches zu sagen. Trotz sehr vieler Entbehrungen war die Familie erstaunlich zufrieden, hat zusammengehalten und das Beste aus ihrer Situation gemacht. Wirklich bewundernswert!

Durch den zweiten Erzählstrang in dem Milla den Keller des Hotel Waldeshöh findet wird eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschaffen. Es war spannend zu verfolgen, wie Milla versucht der Familie Dressel zu helfen den Besitz zurückzufordern um endlich in ihre Heimat zurückkehren zu können. Sie bemüht sich die Hintergründe für die Umsiedlung herauszufinden. Was sie bei ihren Nachforschungen aufdeckt ist überraschend!

Mir hat diese bewegende Familiengeschichte sehr gut gefallen und ich werde den Roman sehr gerne weiterempfehlen!

Bewertung vom 14.03.2019
Ein perfider Plan / Hawthorne ermittelt Bd.1
Horowitz, Anthony

Ein perfider Plan / Hawthorne ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Die gut betuchte Witwe Diana Cowper wird von ihrer Putzhilfe erdrosselt in
ihrem eigenen Haus aufgefunden. Einige Stunden zuvor war sie in einem
Beerdigungsinstitut um ihre bis ins Detail geplante Beerdigung zu bestellen.
Das kann doch kein Zufall sein? Hatte sie Angst und wusste dass sie sterben
muss? Da dieser Fall sehr mysteriös ist, zieht die Polizei den Privatdetektiv und ehemaligen Polizeioffizier Daniel Hawthorne als Berater hinzu. Dieser möchte aus diesem aufsehenerregenden Fall gerne ein Buch mit sich als Ermittler schreiben lassen. Der Bestsellerautor Anthony Horowitz
der sich nach ersten Zweifeln darauf einlässt das Buch zu schreiben, wird
schnell in den Fall mit hineingezogen ...


Der Autor Anthony Horowitz hat eine geniale Idee meisterhaft umgesetzt. Er
schreibt diesen Roman als Ich-Erzähler da er den Detektiv Hawthrone bei
seinen Ermittlungen begleitet und darüber ein Buch schreiben soll. In die
fiktive Geschichte lässt er immer wahre Begebenheiten aus seinem Leben
einfließen. Wie zum Beispiel die Hinweise auf seine veröffentlichten Bücher
"Alex Rider" und "Das Geheimnis des weißen Bandes". Durch die Mischung aus Realität und Fiktion hatte ich als Leserin manchmal den Eindruck, dass auch Hawthrone eine wahre Figur sein könnte.


Horowitz und Hawthrone sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Es gibt
große Differenzen in ihren Ansichten und sie sind sich nicht wirklich
sympathisch. Ihre Zusammenarbeit gestaltet sich oft sehr schwierig , was
die Sache für den Leser teilweise allerdings sehr unterhaltsam macht. Im
Stil von Holmes und Watson kommen die Beiden der Lösung des Falls näher.
Horowitz ist immer wieder überrascht von Hawthrones Kombinationsgabe und würde ihn doch sehr gerne übertrumpfen womit er sich selbst in Gefahr bringt und für Spannung in der Geschichte sorgt.

Der Krimi ist gespickt mit britischem Humor und hat mich oft zum Schmunzeln gebracht. Der Fall war interessant und die Ermittlungen waren spannend da es einige Verdächtige gab und in verschiedene Richtungen ermittelt wurde. Der Leser konnte miträtseln und sich auf falsche Fährten locken lassen...

Die Auflösung des Falls war überraschend aber stimmig. Für mich war dieser
Krimalroman ein echtes Lesevergnügen und ich empfehle ihn gerne weiter!