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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Buecherdanny
Wohnort: Krefeld
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Bewertungen

Insgesamt 16 Bewertungen
12
Bewertung vom 20.03.2019
Was uns erinnern lässt
Naumann, Kati

Was uns erinnern lässt


ausgezeichnet

Von 1945-1977 ist das Hotel Waldeshöh das Zuhause der Familie Dressel. Das Hotel liegt im Thüringer Wald, nahe des berühmten Rennsteigs und war vor dem zweiten Weltkrieg beliebt bei Wanderern und immer gut besucht. Im Laufe der Zeit hat sich das Leben im Hotel stark verändert. Im Krieg diente es als sicherer Unterschlupf für eine Schulklasse. Der Traum der Familie Dressel das Hotel nach 1945 wieder zu dem werden zu lassen, was es einmal war geht leider nicht in Erfüllung. Nach der Errichtung der innerdeutschen Grenze liegt es hinter Stacheldraht in der Sperrzone. Die Familie hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Ohne Passierschein darf keiner ihr Waldstück betreten und die Familie muss weite Wege bis zur Schule und zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen. Es gibt kein fließendes Wasser, kein Telefon und die Grenzbeamten schikanieren oftmals die Familie beim Passieren der Grenze. Trotz allem fühlen sie sich dort sicher und wollen ihre Heimat nicht verlassen bis es 1977 zur Zwangsaussiedlung kommt …

Der zweite Erzählstrang spielt 2017 und erzählt von der 31 Jahre alten Milla. Sie arbeitet als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei. Die alleinerziehende Mutter des 14 jährigen Neo hat ein spannendes Hobby. Sie sucht Lost Places fotografiert sie und schreibt Berichte in ihrer Gruppe in einem sozialen Netzwerk. Meistens haben aber schon andere Leute diese Plätze vor ihr entdeckt. Als sie bei einem ihrer Ausflüge den Keller des Hotels Waldeshöh findet ist sie ganz aufgeregt, denn sie ist die Erste die diesen Lost Place betritt. Sie möchte unbedingt mehr über den Forst erfahren und warum vom Hotel nur noch der Keller übrig geblieben ist. Sie freundet sich mit Christine Dressel an und erfährt die ganze dramatische Familiengeschichte. Das Schicksal der Familie geht Milla sehr nahe. Sie arbeitet sich in die alten Akten ein und will der Familie helfen den Forst zurückzufordern.

Einmal angefangen konnte ich das Buch nur sehr schwer aus der Hand legen, ich habe es regelrecht verschlungen. Der fesselnde und bildliche Schreibstil hat es leicht gemacht tief in die Geschichte eintauchen zu können. Die Charaktere waren sehr vielschichtig beschrieben und die Familie Dressel ist mir schnell ans Herz gewachsen.

Kati Naumann ist es sehr gut gelungen die schwierige Zeit darzustellen in der die Familie im Hotel Waldeshöh ihr Zuhause hatte. Das Schicksal der Familie Dressler mitzuverfolgen war sehr bewegend. Die Angst vor der Überwachung und der Stasi war förmlich spürbar. Schlimm, wie auch die Kinder darunter leiden mussten und darauf getrimmt wurden bloß nichts Falsches zu sagen. Trotz sehr vieler Entbehrungen war die Familie erstaunlich zufrieden, hat zusammengehalten und das Beste aus ihrer Situation gemacht. Wirklich bewundernswert!

Durch den zweiten Erzählstrang in dem Milla den Keller des Hotel Waldeshöh findet wird eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschaffen. Es war spannend zu verfolgen, wie Milla versucht der Familie Dressel zu helfen den Besitz zurückzufordern um endlich in ihre Heimat zurückkehren zu können. Sie bemüht sich die Hintergründe für die Umsiedlung herauszufinden. Was sie bei ihren Nachforschungen aufdeckt ist überraschend!

Mir hat diese bewegende Familiengeschichte sehr gut gefallen und ich werde den Roman sehr gerne weiterempfehlen!

Bewertung vom 14.03.2019
Ein perfider Plan / Hawthorne ermittelt Bd.1
Horowitz, Anthony

Ein perfider Plan / Hawthorne ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Die gut betuchte Witwe Diana Cowper wird von ihrer Putzhilfe erdrosselt in
ihrem eigenen Haus aufgefunden. Einige Stunden zuvor war sie in einem
Beerdigungsinstitut um ihre bis ins Detail geplante Beerdigung zu bestellen.
Das kann doch kein Zufall sein? Hatte sie Angst und wusste dass sie sterben
muss? Da dieser Fall sehr mysteriös ist, zieht die Polizei den Privatdetektiv und ehemaligen Polizeioffizier Daniel Hawthorne als Berater hinzu. Dieser möchte aus diesem aufsehenerregenden Fall gerne ein Buch mit sich als Ermittler schreiben lassen. Der Bestsellerautor Anthony Horowitz
der sich nach ersten Zweifeln darauf einlässt das Buch zu schreiben, wird
schnell in den Fall mit hineingezogen ...


Der Autor Anthony Horowitz hat eine geniale Idee meisterhaft umgesetzt. Er
schreibt diesen Roman als Ich-Erzähler da er den Detektiv Hawthrone bei
seinen Ermittlungen begleitet und darüber ein Buch schreiben soll. In die
fiktive Geschichte lässt er immer wahre Begebenheiten aus seinem Leben
einfließen. Wie zum Beispiel die Hinweise auf seine veröffentlichten Bücher
"Alex Rider" und "Das Geheimnis des weißen Bandes". Durch die Mischung aus Realität und Fiktion hatte ich als Leserin manchmal den Eindruck, dass auch Hawthrone eine wahre Figur sein könnte.


Horowitz und Hawthrone sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Es gibt
große Differenzen in ihren Ansichten und sie sind sich nicht wirklich
sympathisch. Ihre Zusammenarbeit gestaltet sich oft sehr schwierig , was
die Sache für den Leser teilweise allerdings sehr unterhaltsam macht. Im
Stil von Holmes und Watson kommen die Beiden der Lösung des Falls näher.
Horowitz ist immer wieder überrascht von Hawthrones Kombinationsgabe und würde ihn doch sehr gerne übertrumpfen womit er sich selbst in Gefahr bringt und für Spannung in der Geschichte sorgt.

Der Krimi ist gespickt mit britischem Humor und hat mich oft zum Schmunzeln gebracht. Der Fall war interessant und die Ermittlungen waren spannend da es einige Verdächtige gab und in verschiedene Richtungen ermittelt wurde. Der Leser konnte miträtseln und sich auf falsche Fährten locken lassen...

Die Auflösung des Falls war überraschend aber stimmig. Für mich war dieser
Krimalroman ein echtes Lesevergnügen und ich empfehle ihn gerne weiter!

Bewertung vom 05.02.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


ausgezeichnet

In Stockholms Zeitungsredaktionen geht die Angst um. Journalisten werden per E-Mail und in den sozialen Medien massiv bedroht. Es bleibt nicht bei den Drohungen, eine Journalistin wird brutal ermordet.

Carl Cederhielm kann es nicht mehr ertragen was in seinem Land geschieht. Flüchtlinge überschwemmen Schweden und die Politiker und die Presse treten weiterhin für eine offene Gesellschaft und Integration ein. Zusammen mit zwei Komplizen nimmt er Rache an den Medien und bringt Journalisten um, die positiv und offen mit der Flüchtlingssituation umgehen und ihre Meinung in der Öffentlichkeit kundtun. Er nimmt für seinen Rachefeldzug auch in Kauf, dass einige seiner Landsleute ihr Leben lassen müssen. Für dieses Attentat muss ein schwedischer Staatsbürger mit syrischen Wurzeln herhalten. Carl erreicht damit was er will – die Wut und Angst gegenüber Ausländern wächst weiter…

Die junge Nachrichtenredakteurin Madeleine Winther lässt das alles ziemlich unberührt. Sie arbeitet zielstrebig an ihrer Karriere. Aber auch sie kann die Augen vor den Dingen die in ihrem Land geschehen nicht verschließen und ist näher am Geschehen als alle anderen denken.

Der Autor Pascal Engman war selbst Journalist einer schwedischen Zeitung und hat sich nach massiven rechtspopulistischen Drohungen gegen ihn und seine Kollegen aus dem Journalistenmilieu zurückgezogen. Mit „Der Patriot“ hat er ein erschreckend realitätsbezogenes Szenario für einen sehr spannenden Krimi erschaffen.

Die Charaktere sind glaubhaft, detailreich und in ihrer Art sehr unterschiedlich. Da die Erzählperspektive ständig wechselt erlebt man die Handlung aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten was das Buch sehr spannend macht. Überwiegend spielt der Krimi in Schweden. Da ist der sympathische, syrische Taxifahrer der stolz auf seine Familie ist. Die Familie ist sehr gut intergiert und fühlt sich wohl in ihrer neuen Heimat. Eine große Rolle spielen die Journalisten und ihre berechtigten Ängste. Sie werden aufgrund der Ausübung ihrer Meinungsfreiheit gehetzt. Ein weiterer Handlungsstrang berichtet vom Terroristen Carl und seinen beiden Komplizen, über ihren unverständlichen Hass und die Planung und Ausführung der Morde. Hin und wieder gibt es einen Wechsel nach Chile. Dort lebt August der vor einigen Jahren seine Heimat Schweden verlassen hat jedoch im Laufe der Geschichte zurückkehrt .

Das Thema des Krimis ist brisant und aktuell, Zuwanderung und Islamisierung der Gesellschaft. Der Hass und die Wut der radikal denkenden Terroristen ist regelrecht spürbar. Die Darstellung, wie die Gewalt in den sozialen Medien verherrlicht wird und sich gegen unschuldige Menschen wendet ist erschreckend. Ein Buch, das aufrüttelt sich Gedanken zu machen und sich nicht von falscher Meinungsmache beeinflussen zu lassen!

Bewertung vom 17.01.2019
Die Farben des Feuers
Lemaitre, Pierre

Die Farben des Feuers


ausgezeichnet

Madeleine ist die Tochter des berühmten französischen Bankiers Marcel Pericourt. Ihr Exmann sitzt nach einem landesweiten Skandal im Gefängnis. Als ihr Vater im Jahr 1927 stirbt steht sie ganz allein an der Spitze des Bankimperiums. Sie hat ein paar Vertraute, wie den Prokuristen Gustave Joubert und Leonce ihre jahrelange Freundin und Gesellschafterin, sowie ihren Liebhaber André Delcourt den sie als Hauslehrer für ihren Sohn angestellt hat. Schnell werden diese vertrauten Personen und auch Madeleines verschwenderischer Onkel Charles Pericourt neidisch auf ihr Erbe und versuchen mit hinterhältigen Mitteln an ihr Vermögen zu kommen. Madeleine schwört Rache und wehrt sich gegen den Komplott der ihr Leben zerstört hat.

Das Buch beginnt sehr dramatisch mit dem Tod von Madeleines Vater und Pauls Sturz aus dem Fenster. Ich war sofort von der Geschichte um die Bankierstochter gefesselt. Da ihr Sohn Paul seit dem Unfall gelähmt im Rollstuhl sitzt, kümmert sich Madeleine nur um ihn und überlässt die Angelegenheiten der Bank komplett dem Prokuristen Gustave Joubert. Als Leserin ahnt man, dass das nicht gut gehen kann. Und es gibt noch andere Neider die gegen Madeleine einen Komplott schmieden.

Besonders tragisch finde ich die Rolle die ihr Liebhaber und Pauls Hauslehrer spielt. Es ist wirklich schwierig, kein Mitleid mit der sympathischen Protagonistin zu haben! Obwohl mir Madeleines Verhalten zuerst recht naiv erschien, tat es weh zu lesen, wie sich alle gegen sie wenden und es auf ihr Erbe abgesehen haben. Madeleines Haltung ist aber nicht wirklich naiv. In dieser Epoche ist es absolut unüblich, dass Frauen an der Spitze eines Bankimperiums stehen und die Geschäfte führen.

Doch Madeleine lässt sich nicht unterkriegen! Sie dreht den Spieß um und rächt sich an den Menschen, die ihr Leben zerstört haben. Dabei geht sie sehr raffiniert vor und die Geschichte wird spannend wie ein Krimi! Ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen.

Madeleines Geschichte spielt in den 1920 er und 1930er Jahren und dem Autor ist es gelungen die Zeit durch seine detailreiche Sprache lebendig werden zu lassen. Man spürt die Gefahren durch den Faschismus in den Nachbarländern und die Angst der Menschen vor einem drohenden Krieg. Auch die Wirtschaftslage wird anschaulich vermittelt wie zum Beispiel durch die Erfindung des Düsenflugzeugs.

Sehr gut gefallen hat mir der teilweise recht humorvolle und ironische Schreibstil des Autors, der den Leser / die Leserin häufig auch direkt anspricht. Die Charaktere der Protagonisten sind sehr ausführlich, detailreich und glaubhaft dargestellt, so dass sie mir regelrecht ans Herz gewachsen sind.

In meinen Augen ist dieses Buch ein sehr gelungener und absolut lesenswerter Roman!

Bewertung vom 07.11.2018
Die Unsterblichen
Benjamin, Chloe

Die Unsterblichen


ausgezeichnet

New York im Sommer 1969: Seit kurzer Zeit lebt in der Lower East Side eine Wahrsagerin, sie zieht durchs Land und bleibt nicht lange an einem Ort. Die vier Geschwister der jüdischen Familie Gold haben erfahren, dass die Wahrsagerin jedem Menschen den Tag seines Todes vorhersagen kann. Die Kinder sind neugierig geworden und machen sich mit gemischten Gefühlen auf den Weg zu ihr. Dieser Tag verändert das Leben der Geschwister, denn unbewusst wird jedes Kind von der Vorhersage der Wahrsagerin beeinflusst.

Zunächst bekommt der Leser Einblicke in die Geschichte der jüdischen Familie Gold. Nachdem die Kinder bei der Wahrsagerin waren, teilt sich der Roman in vier Teile auf. In jedem Abschnitt wird die Lebensgeschichte eines der Geschwister erzählt. Mir hat die Aufteilung sehr gut gefallen. Die Geschwister sind sehr unterschiedlich und man erlebt als Leser die Erlebnisse und Schicksale jedes einzelnen Protagonisten intensiv mit.

Es war berührend zu lesen, wie jedes Kind versucht hat sich seinen Traum zu erfüllen. Simon, der Jüngste, der sein Glück in San Francisco findet. Hier kann er so frei leben, wir er es sich schon immer erträumt hat! Klara kann endlich die Menschen mit ihren Zauberkünsten begeistern. Durch die bildliche Sprache konnte ich mir ihre Zaubervorstellungen sehr gut vorstellen. Daniel ist Arzt bei der Armee geworden, was teilweise Fragen aufwirft, ob sein Job wirklich moralisch vertretbar ist. Varya hat ihr Leben der Altersforschung gewidmet. Die Forschungsarbeit war sehr interessant beschrieben und hat zum Nachdenken angeregt.

Es macht den Anschein, als könnten die Vier ihr Leben mehr oder weniger glücklich und zufrieden verbringen. Aber sie stehen unter dem Druck alles zu erreichen, was sie glücklich macht, bevor ihr Todestag da ist. Auch wenn sie versuchen die Vorhersage als Unsinn abzutun, will ihnen das nicht wirklich gelingen.

Die tragische Familiengeschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Die Charaktere sind sehr detailreich und glaubhaft dargestellt. Mir fiel es leicht, in jede einzelne Lebensgeschichte einzutauchen. Es war interessant, viele Dinge über das jüdische Leben zu erfahren und auch der zeitgeschichtliche Rahmen kam im Roman nicht zu kurz! Die Geschichte war spannend und kurzweilig zu lesen. Sie hat mich nachdenklich gemacht und wirkt wohl noch etwas nach – „Leben, oder Überleben?“

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.10.2018
Das Geheimnis der Grays
Meredith, Anne

Das Geheimnis der Grays


sehr gut

Von buecherdanny
Der Kriminalroman ist im Original 1933 erschienen und liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. England 1931, wie in jedem Jahr lädt das geizige Familienoberhaupt Adrian Gray seine ganze Familie in sein abgelegenes Landhaus King´s Polar ein. Er ist nicht besonders beliebt bei seiner Verwandtschaft. Aber da es alle auf sein Geld abgesehen haben, kommen auch alle zu Weihnachten in seinem Haus zusammen. Am Weihnachtsmorgen ist Gray tot – er wurde ermordet. Geht der Mord auf das Konto eines seiner Kinder, damit es schneller an sein Erbe kommt?

Der nostalgische Weihnachtskrimi erinnert in Stil und Art an Agatha Christie, ist aber doch ganz anders und außergewöhnlich. Nachdem der Leser die Familienmitglieder kennengelernt hat geschieht ein Mord innerhalb der Familie und man erfährt schnell, wer der Mörder war. Das macht die Geschichte aber nicht langweilig, sonders ganz interessant! Man bekommt Einblicke in die Gedanken des Mörders und verfolgt die Ermittlungen auch aus seiner Sicht. Spannend bleibt bis zum Schluss die Frage, ober der Mörder mit seiner Geschichte überzeugen kann oder auffliegt.

Der Roman ist nicht nur ein Krimi sondern auch eine Familiengeschichte in der jedes Mitglied mit seinen eigenen Problemen kämpft. Anne Meredith schafft es die Atmosphäre der Zeit in der die Geschichte spielt gut darzustellen. Es gibt eine große Kluft zwischen der Oberschicht und den einfachen Angestellten.

Mir hat ein wenig die weihnachtliche Atmosphäre gefehlt, sie kam in meinen Augen etwas zu kurz. Im Ganzen war der historische Krimi ein unterhaltsames Lesevergnügen. Die Aufmachung des Buches ist genau wie bei den anderen Titeln der klassischen Weihnachtskriminalromane des Klett- Cotta Verlags wieder sehr schön gelungen.

Bewertung vom 27.09.2018
Mexikoring / Chas Riley Bd.8
Buchholz, Simone

Mexikoring / Chas Riley Bd.8


ausgezeichnet

Daran, dass in jeder Nacht in Hamburg Autos brennen, hat sich die Staatsanwältin Chastity Riley schon fast gewöhnt. Aber in dieser Nacht ist etwas anders: In einem brennenden Fiat am Mexikoring sitzt noch ein Mensch! Es handelt sich um Nouri Saroukhan. Er wurde von seiner Familie, die zu einem Clan in Bremen gehört, ausgeschlossen. Riley taucht bei ihren Ermittlungen tief in die Welt der Clan-Familien ein. Nach und nach erschließt sich ihr, wie weit sich die kriminellen Strukturen über ganz Deutschland erstrecken.

Während ihrer Ermittlungen beschäftigt sich Riley mit Nouri Saroukhans tragischer Lebensgeschichte. Er wollte aus diesem kriminellen, von Gewalt geprägten Leben ausbrechen und mit seiner großen Liebe Aliza ein neues Leben beginnen. Wurde er deswegen von seinem Clan ermordet? Weiß Aliza warum Nouri sterben musste?

Der neue Fall für Staatsanwältin Chastity Riley hat mich von der ersten Seite an gefesselt! Simone Buchholz hat mit Riley und den anderen Protagonisten sehr gelungene, außergewöhnliche Charaktere mit Ecken und Kanten geschaffen. Ich mag den etwas schnoddrigen und flotten Schreibstil und musste trotz des ernsten Themas auch hin und wieder schmunzeln. Rileys lockere, etwas chaotische Art und ihre Direktheit macht sie in meinen Augen sehr sympathisch.


Der Fall ist spannend und am Puls der Zeit. Das Buch gibt authentische Einblicke in die Strukturen der Clan-Familien und die beklemmende Geschichte der Mhallamiye. Es ist wirklich erschreckend, welche große Rolle die Gewalt in diesen Clans spielt. Von der Polizei halten diese Menschen gar nichts, alles wird intern geregelt, was die Hamburger Ermittler auch deutlich zu spüren bekommen. Sehr berührend war die verbotene Liebesgeschichte zwischen Nouri und Aliza. Es ist wirklich traurig, wie die Clanfamilien das Leben ihrer Kinder bestimmen.

Der neue Krimi von Simone Buchholz hat mir sehr gut gefallen. Er war spannend, aktuell und berührend – absolut lesenswert!

Bewertung vom 05.09.2018
Das Vogelhaus
Eva, Meijer

Das Vogelhaus


ausgezeichnet

Der biografische Roman befasst sich mit der Lebensgeschichte und den Forschungen von Len Howard (1894–1973). Die Pionierin auf dem Gebiet der Tierforschung verbrachte die zweite Hälfte ihres Lebens in einem abgelegenen Cottage in Südengland. Sie zog auf´s Land um sich ganz auf die Erforschung des Lebens der Vögel konzentrieren zu können. Die scheuen Tiere fassten schnell Vertrauen zu Len und sie konnte ihre Eigenarten, Gewohnheiten und ihren Gesang in ihrem natürlichen Lebensraum erforschen. Len lebte in dieser Zeit sehr zurückgezogen, da sich die Vögel durch Besucher gestört fühlten. Ihr genügte die Gesellschaft ihrer gefiederten Freunden, die in ihrem Cottage ein - und ausflogen.

Eva Meijer erzählt in ihrem Roman die Lebensgeschichte der Vogelforscherin Len Howard. Die kluge und eigensinnige Protagonistin war mir schnell sympathisch. Gerne bin ich ihr auf ihrem Lebensweg gefolgt. Heraus aus der unruhigen Stadt London in ihr kleines Cottage auf dem Land wo sie endlich Zeit und Ruhe für ihre Forschungen gefunden hat. Es gibt Kapitel die Lens Lebensgeschichte erzählen im Wechsel mit Kapiteln die sich auf ihre Forschungen beziehen. In meinen Augen eine gelungene Erzählweise, sie macht das Buch abwechslungsreich zu lesen.

Durch den bildlichen Sprachstil konnte ich mir “das Vogelhaus” und seine Bewohner sehr gut vorstellen. Auch die ausführlichen Beschreibungen des Gartens mit den vielen Obstbäumen und Nistkästen hat mir gut gefallen. Mich hat es fasziniert, wie Len das Vertrauen zu den scheuen Vögeln aufgebaut hat. Es war sehr interessant die Fortschritte ihrer Forschungen zu verfolgen und zu erfahren, wie intelligente und sensible Tiere die Kohlmeisen sind.

Len hat schon als Kind Vögel geliebt. Ihr Vater hat verletzte Tiere ins Haus geholt und sie hat sie gesund gepflegt. Diese Tierliebe zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben und sie hat sich mit viel Energie für ihre kleinen Freunde und den Vogelschutz eingesetzt.

Ich habe Lens Lebengschichte sehr gerne gelesen, sie war berührend und interessant. Sehr gut gefallen hat mir auch das wunderschöne Cover sowie die Fotografien hinten im Buch.

Bewertung vom 31.08.2018
Das andere Haus
Fleet, Rebecca

Das andere Haus


sehr gut

Caroline und Francis freuen sich auf eine Woche erholsamen Urlaub. Sie haben ein Angebot zu einem Haustausch in der Nähe von London angenommen. Im Haus angekommen, erwartet sie eine recht kühle und anonyme Atmosphäre, als würde hier keiner wohnen. Umso mehr fallen Caroline unheimliche Details auf, die mit einem Geheimnis in ihrer Vergangenheit zu tun haben: ganz spezielle Blumen in einer Vase, ein ihr sehr bekanntes Rasierwasser und eine CD. Diese Dinge erinnern sie an einen Menschen, den sie eigentlich für immer vergessen wollte. Ist dieser Mensch nun in ihrer eigenen Wohnung und hat sie in eine Falle gelockt? Für Caroline und ihren Mann entwickelt sich der Urlaub alles andere als erholsam...


Ich würde das Buch eher als Drama und nicht als Psychothriller bezeichnen, aber es war trotzdem spannend zu lesen. Die Charaktere waren glaubwürdig, interessant und sehr gut dargestellt. Caroline und Francis waren in ihrer Art sehr authentisch in meinen Augen aber eher unsympathisch.


Der Zeit- und Perspektivwechsel macht die Geschichte abwechslungsreich und sorgt auch für ein wenig Verwirrung. Nach und nach bekommt man Einblick in Carolines Vergangenheit und versteht ihre Unruhe über die Hinweise im getauschten Haus. Das Familiendrama ist bedrückend und löst gemischte Gefühle für Carolines Verhalten aus.

Die Atmosphäre im Urlaubsdomizil war unheimlich und beängstigend. Schnell dachte ich die Situation durchschaut zu haben. Doch es kam immer wieder zu überraschenden Wendungen. Ich konnte das Buch schwer aus der Hand legen, ich wollte immer wissen wie es weitergeht. Obwohl ich etwas anders erwartet hatte, war der Roman spannend, unterhaltsam und kurzweilig zu lesen.

Bewertung vom 13.08.2018
Ein unvergänglicher Sommer
Allende, Isabel

Ein unvergänglicher Sommer


sehr gut

In Brooklyn kommt der Winter spät aber heftig! Im Schneesturm passiert dem eigenbrötlerischen Professor Richard ein kleiner Auffahrunfall. Die Fahrerin Evelyn ist sehr nervös, nimmt nur Richards Visitenkarte entgegen und verschwindet. Kurze Zeit später steht sie völlig aufgelöst vor Richards Haustür: Im Kofferraum des ausgeliehenen Wagens liegt eine Leiche! Da sie illegal im Land ist, will das guatemaltekische Kindermädchen nicht zur Polizei gehen. Richard ist mit der Situation völlig überfordert und wendet sich Hilfesuchend an seine chilenische Untermieterin Lucia. Die drei sind sich schnell einig, dass die Leiche weg muss. Sie brechen zu einer gemeinsamen Reise in die nördlichen Wälder auf. Während des gemeinsamen Abenteuer erzählen sie sich viel aus ihrer Vergangenheit und Richard und Lucia kommen sich langsam näher.

Auf ihrer abenteuerlichen Reise verbringen die drei Protagonisten viel Zeit miteinander und erzählen sich ihre Lebensgeschichten um sich vom Grund ihrer Reise abzulenken. Der Leser erfährt von Evelyns gefährlicher Flucht aus Guatemala. In ihrem Land herrschen schlimme Zustände, ihre Familie erlebt die Grausamkeiten von Bandenkriegen, Morden und Vergewaltigung. Auch Lucia hat es in ihrem Leben in Chile nicht leicht gehabt. Sie berichtet über die Machtübernahme des Militärs, über Guerillakämpfe und ihrer Suche nach ihrem verschollenen Bruder. Richard führt ein zurückgezogenes Leben und spricht auf der Reise zum ersten Mal über die dunklen Seiten seiner Vergangenheit.

Ich habe die Protagonisten gerne auf ihrer abenteuerlichen Reise begleitet. Die Charaktere sind interessant und ihre Eigenarten sehr gut dargestellt. Wenn sie von ihrem Leben berichtet haben, war es fast, als würde man einer Erzählung zuhören, da Allendes Schreibstil sehr lebendig ist. Teilweise waren es etwas zu viele Probleme die in dem doch relativ dünnen Roman verpackt waren. Ein bisschen mehr Ausführlichkeit hätte dem Buch in meinen Augen gutgetan. Die Rahmengeschichte mit der Leiche war eher skurril als spannend, was mir ganz gut gefallen hat. Im Ganzen konnte mich der fesselnde Roman mit politischen Hintergründen und einer Liebesgeschichte gut unterhalten.

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