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Benutzername: brauchnix
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Bewertungen

Insgesamt 106 Bewertungen
Bewertung vom 10.12.2017
Lied der Weite
Haruf, Kent

Lied der Weite


ausgezeichnet

Holt in Colorado ist das Zentrum dieses kleinen und feinen Romanes von Kent Haruf. „Wie unsere Seelen bei Nacht“ ist es ein dünnes Buch, welches so voll von intensiven Beschreibungen ist, so lebendig mit seinen Charakterzeichnungen, so dramatisch in seinen kleinen Alltäglichkeiten, dass es dem aufmerksamen Leser ganz warm ums Herz wird.
Haruf schreibt mit dem Blick eines klugen Beobachters, der Gefühle und Situationen durch Kleinigkeiten und durch Genauigkeit tiefer beschreiben kann, als manch anderer Autor in vielen hundert Seiten. Die Menschen in der Kleinstadt haben all die Schwächen und Stärken, die man kennt, aber sie haben noch etwas anderes, etwas, was sie alle miteinander zu verbinden beginnt. Sie werden zu einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft und stützt. Der Kummer und die Ängste des Einzelnen werden durch die anderen gelindert oder verdrängt. Die unterschiedlichsten Charaktere finden hier zueinander.
Die Sprache und die intensiven Dialoge haben mir wahnsinnig gut gefallen. Ein kleines Meisterwerk.

Bewertung vom 02.12.2017
Das Mädchen und die Fremde
Sarenbrant, Sofie

Das Mädchen und die Fremde


sehr gut

Das Mädchen und die Fremde ist bereits der zweite Band mit der Kommissarin Emma Sköld. Ich rate dazu, den ersten Teil vorher zu lesen. Nicht weil man sonst nicht klar käme mit dieser Geschichte. Aber es entgehen einem ein paar interessante private Feinheiten und Geschehnisse, die man so in der Fortsetzung einfach überliest. Auch muss ich betonen, dass es für mich kein typischer Krimi war, auch wenn zum Ende hin Krimifeeling und Krimihandlung aufkommen. Es ist für mich in erster Linie ein psychologischer Spannungsroman. Nein kein Thriller, denn auch der Thrill hält sich in Grenzen.
Dadurch, dass Emma gerade erst aus einem langen Koma erwacht und lange Zeit mehr oder weniger bewegungsunfähig im Krankenbett liegt, ist weniger Action die den Leser unterhält sondern mehr das Geflecht an Beziehungen und familiären Banden, welches hier in einer klaren und unprätentiösen Weise geschildert wird. Die unerwartete Verbesserung von Emmas Gesundheitszustand bringt Mann, Familie und Freundin gehörig in Gefühlsschwierigkeiten und man fragt sich, ob sich wirklich alle darüber freuen, dass Emma wieder unter den Lebenden ist.
Auch dieser Band liest sich schnell und problemlos. Mir war er fast etwas zu ruhig, weil ich einfach kein Fan von Psychothrillern bin. Und der fiese Cliffhanger am Ende ist auch etwas nervig, weil man ja jetzt auf die Fortsetzung warten muss und versuchen sollte, bis dahin nicht alles vergessen zu haben.

Bewertung vom 26.11.2017
Leere Herzen
Zeh, Juli

Leere Herzen


sehr gut

Juli Zeh zeichnet in ihrem neuen Roman „Leere Herzen“ ein düsteres, ja fast dystopisches Bild vom Deutschland der nahen Zukunft. Es ist eine Gesellschaft, in der der Einzelne nicht mehr als Mensch zählt. In der Oberflächlichkeit und Austauschbarkeit dem Menschen seine Menschlichkeit nehmen. Und niemand scheint sich daran zu stören.
Britta und Babak haben diese Einstellung mit ihrer Firma „Die Brücke“ auf die Spitze getrieben. Sie führen eine Firma mit der modernen Mischung zwischen Auftragsmord und Gehirnwäsche. Rücksichtslos und erfolgreich mit einem Konzept, welches nicht lange unbeachtet bleibt. Als Nachahmer ihnen potentielle Kunden streitig machen, versuchen die beiden das zu unterbinden und geraten schnell selbst ins Visier ihrer gefährlichen Konkurrenten.
Juli Zeh gelingt mit ihrem neuen Buch wieder mal etwas ganz Neues. D.H. sie kleidet ihre Gesellschaftskritik diesmal in eine Parabel, die nicht die Realität abbildet sondern eine mögliche Vision sein soll, wie wir uns entwickeln könnten. Überspitzt und dabei erschreckend, weil man vieles durchaus wiedererkennt. Sie versucht auch durch den harten Erzählstil der Geschichte einen eigenen Ton zu geben. Treffender hätte man den Titel nicht wählen können. Ihre Protagonisten scheinen gefühlsleer und herzlos gleichermaßen.
Eine unterhaltsame Geschichte. Allerdings gefiel mir „Unterleuten“ noch einen Hauch besser. Vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 26.11.2017
Mudbound - Die Tränen von Mississippi
Jordan, Hillary

Mudbound - Die Tränen von Mississippi


ausgezeichnet

Wer kennt nicht „Roots“ und „Twelve Years a Slave“ und so manchen anderen Film, der im Süden der USA die Sklaverei und später den tiefverwurzelten Rassenhass zum Thema hat. In diesem Millieu spielt auch „Mudbound“.
Zeitlich spielt das Buch noch vor Martin Luther und der Afroamerikanischen Freiheitsbewegung. Man erfährt, wie hartnäckig sich Vorurteile und rassistische Grenzen die Bevölkerung in schwarz und weiß spalten. Der Krieg, in dem die Männer noch Seite an Seite kämpften, hat daran nichts geändert. Zuhause gibt es noch immer die gleichen Rollenbilder und Freundschaften untereinander werden von der Gesellschaft nicht geduldet.

Keine neue Geschichte, aber eine, die man nicht oft genug erzählen kann. Eine menschliche Geschichte, denn leider gibt es dieses Verhalten der Menschen gegenüber dem Fremden oder dem Anderen überall und noch heute. Deshalb ist dieses Buch auch eine Mahnung und der Versuch, aus historischen Fehlern vielleicht für die Zukunft etwas mitzunehmen, was uns schlauer und besser macht.

„Mudbound“ hat einen sehr kraftvollen und realistischen Erzählstil und hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich habe das Buch gelesen.

Bewertung vom 19.11.2017
Das geflügelte Nilpferd
Bindrum, Victoria

Das geflügelte Nilpferd


ausgezeichnet

Ich bin bei Leibe kein Fan von psychologischen Ratgebern. Ich mag eigentlich auch keine Bücher, die uns sagen, wie wir das Glück finden oder unsere Befindlichkeiten in richtige Bahnen lenken können. Oft ist der Ton für mich oberlehrerhaft oder altklug oder einfach zu sülzig. Da ich zur Zeit aber Bedarf an bisschen seelischer Unterstützung habe, habe ich zu diesem Buch gegriffen. Der Titel versprach schon eine ungezwungene Art, mit schwierigen Themen umzugehen. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Die Autorin, Viktoria Bindrum, schreibt auf eine Art, die zwischen Plauderton und freundlicher Zwiesprache mit dem Leser liegt. Sie gibt tolle Beispiele, beschreibt und erklärt und ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass sie durchaus weiß, wovon sie schreibt. Sie hat sicherlich Teile ihrer Beispiele ähnlich selber erlebt oder in ihrem nahen Umfeld gesehen. Sie erzählt ehrlich, mit einem kleinen Augenzwinkern aber nicht so, dass man sich für seine eigenen Gefühle bloßgestellt fühlt. Ihre Tipps, haben mir gut gefallen, da sie vielfältig waren und von kleinen Dingen bis hin zu entscheidenden Veränderungen immer einen Schritt nach vorne wagen.
Die einzelnen Kapitel decken eine Vielzahl an unterschiedlichen Lebenssituationen ab. Probleme im Beruf, Privat, in der Liebe oder anderes werden behandelt. Es ist auch kein Buch, welches in den Tiefen der freudschen Psyche wühlt sondern eines, welches auch im ganz normalen Alltagswahnsinn interessante Ansatzpunkte gibt, wie man manches einfach mal von einem anderen Standpunkt aus betrachten sollte und so schon etwas bewirken kann.
Fazit: Ein sehr unterhaltsames Buch welches schon durch das Lesen ein kleines bisschen glücklicher gemacht hat.

Bewertung vom 19.11.2017
Bird and Sword / Bird & Sword Bd.1
Harmon, Amy

Bird and Sword / Bird & Sword Bd.1


sehr gut

So hi und da lese ich einen leichten Jugend-Fantasy-Roman ganz gerne. Deshalb habe ich zu Bird & Sword gegriffen. Dass es in diesem Genre immer ein gewisses Muster gibt, war mir klar und hier hat Amy Harmon auch mit Bird and Sword keine wirkliche Ausnahme gebildet.
Lake, die jugendliche Heldin, hat in der Geschichte eine magische Gabe, die sie in Gefahr bringt und die den herrschenden König gefährden könnte. In ihr schlummert eine Kraft und ein Mut, der sie zu mehr befähigt. Ihr Widersacher ist ein noch junger Herrscher, der durchaus auf seine Art aufgeschlossen scheint aber der sich nicht in die Karten schauen lässt. Dennoch entwickeln sich zarte Bande zwischen den beiden und für viele Leserinnen ist die Liebesgeschichte sicherlich das Wichtigste an der Story. Ich selber finde, dass das Buch zu dünn ist. Aus dem tollen Setting und der Grundidee hätte man mehr machen können. Das geht mir aber oft so in Büchern dieses Genres. Ich suche oft, nach den Perlen (wie z.B. zuletzt Amrita). Dennoch liest das Buch sich gut, denn schreiben kann Amy Harmon durchaus. Für Fantasy-Fans ist die Geschichte einfach etwas wenig unterfüttert und manches geht so holter di polter. Die Frage stellt sich natürlich ob das anvisierte Leserklientel das nicht etwas milder sieht, denn das Buch ist ab 14 Jahren und für Teenager durchaus einen Blick wert.
Von mir 3,5 Sterne. Es handelt sich um eine Trilogie, also Vorsicht, die Geschichte ist hier nicht zu Ende.

Bewertung vom 26.10.2017
Fever
Meyer, Deon

Fever


ausgezeichnet

Deon Meyer hat seine Komfortzone verlassen und wagt sich in ein gänzlich anders Genre. Das hat mich zutiefst überrascht und ich war neugierig, ob dieses Experiment gelungen ist. Als Fan düsterer Dystopien kenne ich natürlich die Gesetzmäßigkeiten einer solchen Geschichte zur Genüge und auch Meyer beginnt mit einer fürchterlichen Epidemie, die über 90 % der Menschheit in kürzester Zeit tötet. Dadurch werden sämtliche menschlichen Institutionen und Errungenschaften erst mal vernichtet. Recht und Ordnung gibt es scheinbar nicht mehr. Jeder ist sich selbst der nächste und in der unwirtlichen Umgebung Afrikas geht es ums nackte Überleben, um den Kampf gegen Hunger, wilde Tiere und gefährliche Mitmenschen. Aber bald gibt es auch die, die sich nach Frieden und Sicherheit sehnen und nach einer Gemeinschaft zum Schutz des Einzelnen. Nico erzählt seine Geschichte und die seines Vaters, der eine solche Gemeinschaft aufbauen möchte.
Mich hat dieses Buch von Anfang an begeistert und fasziniert. Deon Meyer schaffte es, dass ich in eine nahe Zukunft eingetaucht bin, die trotz all ihrer Schrecken und Bedrohungen auch die Werte vermittelt, die den Mensch zum Menschen machen und die in jeder Lage einen Weg finden. Optimismus und Nächstenliebe, Vertrauen und Integrität, Liebe und Hilfsbereitschaft sind es, die eine Gruppe von Menschen sich erhoffen und sie zusammenschweißen. Diesen Prozess schildert Deon Meyer eindringlich und spannend. Und er hat bis zum Schluss noch die ein oder andere Überraschung für den Leser parat.
Fazit: Das Experiment ist voll und ganz geglückt. Auch ohne Benny Griesel ist FEVER eine Geschichte, die man gelesen haben muss.

Bewertung vom 23.10.2017
Die Jahre der Schwalben / Ostpreußensaga Bd.2
Renk, Ulrike

Die Jahre der Schwalben / Ostpreußensaga Bd.2


ausgezeichnet

Die große ostpreußische Trilogie von Ulrike Renk geht mit „Die Jahre der Schwalben“ in die zweite Runde. Frederike ist inzwischen 21 Jahre und hat Ax geheiratet. Die Familie und Freundin Thea habe ich bereits im ersten Teil „Das Lied der Störche“ kennengelernt. Frederike liebt das Leben auf ihrem Gut, wird mehr und mehr zu einer souveränen Gutsherrin. Aber sie ist nicht glücklich. Die Mutter hat sie mehr oder weniger zu dieser Ehe genötigt und Ax ist nicht der Mann, der er zu sein vorgibt. Das Verhältnis zwischen den Eheleuten wird immer schwieriger. Aber auch um sie herum weht ein kalter Wind durch das Land. Die politischen Spannungen in Europa schwappen bald auch nach Ostpreußen. Und in Deutschland erstarken die Nazis.
Mir gefiel diese Fortsetzung tatsächlich um einiges besser als der erste Band der für mich zu viele Längen hatte. Hier passiert aber so einiges und es gibt auch einen neuen Mann, der das Ensemble um eine interessante Nuance erweitert und private Spannung in die Geschichte bringt. Also von mir eine klare Empfehlung. Ich bin schon gespannt auf das Finale.

Bewertung vom 23.10.2017
Fremde Tochter
Bussi, Michel

Fremde Tochter


gut

„Die fremde Tochter“ war mein dritter Roman von Michel Bussi. Anders als in den Vorgängern ist es diesmal mehr ein Familiendrama als ein Thriller. Ich gebe zu, ich bin kein Fan von Büchern, in denen ständig zwischen zwei Zeiten hin und hergesprungen wird. In diesem Fall ist auch die Vergangenheit die eines Teenagers und deshalb für mich etwas langatmig und ohne Spannung.
In der Gegenwart sucht Clothilde nach ihrer Mutter, von der sie lange glaubte, sie wäre gestorben aber Hinweise verdichten sich, dass sie noch leben könnte. Da ihr Vater bei einem Autounfall vor auf Korsika gestorben ist, führt ihr Weg Clothilde als Erwachsene fast zwangsläufig wieder auf die Insel, diesmal mit Mann und Kind.
Das Buch liest sich schnell und im letzten Viertel kommt tatsächlich noch etwas Spannung auf. Aber in der Mitte musste ich mich wirklich etwas zwingen, die Geschichte noch zu Ende zu lesen. Unter den Bussi-Büchern, die ich gelesen habe, war dies für mich das Schwächste.

Bewertung vom 16.10.2017
Crimson Lake
Fox, Candice

Crimson Lake


sehr gut

Der Ex-Polizist Ted und die verurteilte Mörderin Amanda, was für ein Dreamteam. Besser hätte man die beiden gar nicht zusammentragen können. Beide sind Außenseiter der Gesellschaft, da sie für ein Verbrechen verurteilt wurden. Sie haben keine Freunde, keine Familie, können sich also richtig in die Suche nach einer vermissten Person verbeißen. Sie könnten sich damit vielleicht sogar rehabilitieren. Aber auf jeden Fall brauchen sie den Job für ihr Seelenheil um raus zu kommen aus dem schwarzen Loch, in dem beide irgendwie stecken. Und jetzt stecken sie erst mal gemeinsam drinnen. Die beiden müssen sich erst mal zusammenraufen. Und weder sie noch der Leser wissen, wer hier schuldig ist und wer unschuldig.

Die Autorin Candice Fox steht auf ungewöhnliche Charaktere mit einem rabenschwarzen Vorleben und seltsamen Eigenheiten. Der Thriller hat sicher nicht als oberster Priorität Realismus. Aber er soll dem Leser Spaß machen und in einen spannenden Strudel reinziehen. Das gelingt gut und über die ein oder andere Ungereimtheit habe ich nachsichtig hinweggesehen. Das Buch lebt vor allem von den Charakteren. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.