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Benutzername: brauchnix
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Danksagungen: 13 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 134 Bewertungen
Bewertung vom 06.02.2019
Stella
Würger, Takis

Stella


sehr gut

Wenn man den Wikipedia-Eintrag über das Leben der Stella Goldschlag gelesen hat, dann weiß man, dass so ein dünnes Büchlein wie "Stella" von Takis Würger dem Leben dieser Frau nicht gerecht werden kann. Um zu verstehen, warum sie so und nicht anders gehandelt hat, bräuchte es viele psychologische Abhandlungen und viele Zeugenaussagen und Gespräche. Takis Würger umreißt hier eine Figur der nahen Zeitgeschichte, die unvorstellbares getan hat und deren Beweggründe er nur anreißt. Dennoch ist das Buch einen Blick wert.

Stella war die vielleicht erfolgreichste jüdische Denunziantin des zweiten Weltkrieges. Man vermutet im schlimmsten Fall bis zu 3.000 Verhaftungen, die auf ihr Konto gingen. Die meisten dieser jüdischen Menschen kamen in Lagern um. Stella überlebte den Krieg und wurde 72 Jahre alt. Dies alles ist für das Buch nur am Rande von Bedeutung, denn darum ging es Takis Würger nicht wirklich. Er wollte nicht anklagen und wohl auch nicht erklären. Er wollte ins Gedächtnis rufen und erzählen. Und das tut er auf unnachahmliche Art und Weise.

Er schildert aus der Sicht des jungen Schweizers Friedrich, wie der Berlin in den 40ger Jahren des letzten Jahrhunderts erlebt. Wie er Stella kennen- und lieben lernt und auch über die Anfänge und Gründe ihrer Arbeit für die Gestapo.

Das Buch ist aufwühlend. Die klare Sprache, die Metaphern und Beschreibungen, die Gespräche, die mehr Abgründe offenbaren, als man glaubt zu verkraften. Ein gehaltvolles Buch. Schwer obwohl es so schmal ist. An einigen Stellen konnte ich Takis Würger nur widerwillig folgen. Nicht immer fand ich den Ton passend für das schwierige Thema. Dennoch würde ich es sehr empfehlen, denn einige Passagen waren wirklich großartig und lösten bei mir als Leser heftige Emotionen aus.

Bewertung vom 06.02.2019
Das Echo der Wahrheit
Chirovici, Eugene

Das Echo der Wahrheit


ausgezeichnet

Der todkranke Millionär Joshua Fleischer möchte durch die Hypnose des Psychiaters Dr. Cobb herausfinden, ob er vor vielen Jahren wirklich eine junge Frau getötet hat oder ob sein Gehirn ihm einen Streich spielt, weil er glaubt, diese Erinnerung verdrängt zu haben.

„Das Echo der Wahrheit“ ist ein Spiel mit der Realität und dem, was das menschliche Gehirn dazu macht. Nach dem Tod von Fleischer begibt Cobb sich auf die Suche nach der Wahrheit und bekommt erst mal viele verschiedene Versionen der Geschehnisse von verschiedenen Personen. In einem weiteren Strang ist der Psychiater mit einem anderen schwierigen Fall beschäftigt, der ebenfalls die Wahrnehmung von Arzt und Leser auf die Probe stellt.

Eine trickreiche Geschichte, die man nicht mal so nebenher lesen sollte, auch wenn die Handlung streckenweise eher behäbig daherkommt. Die Tücke liegt im Detail. Auch der Erzählstil ist anspruchsvoll und fordert die Aufmerksamkeit des Lesers. Ganz nach meinem Geschmack.

Bei der Punktevergabe hätte ich gerne einen halben Stern abgezogen, da mir „Das Buch der Spiegel“ noch ein bisschen besser gefallen hat. Aber da es keine halben Sachen hier gibt und 4,5 für mich immer noch mathematisch aufgerundet werden, bekommt auch dieser Roman von E.O. Chirovici die ganz knapp volle Punktzahl.

Bewertung vom 05.02.2019
Zwei Versprechen / All in Bd.2
Scott, Emma

Zwei Versprechen / All in Bd.2


sehr gut

Für Theo war es Liebe auf den ersten Blick. Als sein Bruder Jonah stirbt weiß er nun nicht, wie er sich Kacey gegenüber verhalten soll. Aber er hat versprochen, ihr immer zu helfen und sie nicht alleine zu lassen in ihrem Schmerz. Und genau das tut er, als sie ihn braucht, ohne zu fragen und ohne Wenn und Aber. Vereint im Schmerz um den gemeinsamen Verlust entdecken sie nach und nach neue Gefühle füreinander.

Wer All In zur Hand nimmt weiß, dass er hier etwas fürs Herz kriegt. Mit viel Gefühl, viel Liebe, viel Trauer und hoffentlich mit einem Happy End. Und genau was ich erwartet habe, habe ich auch bekommen.
Auf rund 450 Seiten wird im zweiten Band der All-In-Reihe alles geboten, was eine dramatische Liebesgeschichte braucht. Das Unglück einer vergangenen Liebe, die Unsicherheit und die Furcht vor der neuen Liebe, wunderschöne Höhenflüge aber auch dramatische Tiefpunkte der Hauptdarsteller. Erste zarte Küsse, eine Achterbahn der Gefühle für die Liebenden und auch für den Leser.

Die Sprache ist romantisch und etwas kitschig. Vor allem Theo ist für jede Frau der absolute Glücksfall. Wenn Kacey ihn nicht will findet er sicher jede Menge andere Bewerberinnen. Aber er will natürlich nur sie.
Die Geschichte endet wie man es sich wünscht und vorher gibt es jede Menge Drama. Das Buch hätte gerne noch 100 Seiten länger sein dürfen, um mehr Raum für alles zu haben. Ein nettes Buch für zwischendurch.

Bewertung vom 29.01.2019
Wir nannten es Freiheit
Schütze, Silke

Wir nannten es Freiheit


ausgezeichnet

„Wir nannten es Freiheit“ ist mein erstes Buch von Silke Schütze. Ein Buch über das Lehrerinnen-Zölibat, welches Anfang des 20. Jahrhunderts noch in Kraft war, erschien mir als ein sehr spannendes lehrreiches Thema. Umso mehr freut es mich, dass die Autorin mit ihrem schönen Roman all meine Erwartungen übertroffen hat.
Lene arbeitet während des ersten Weltkriegs als Lehrerin an einer Volksschule für Mädchen. Sie ist mit Leidenschaft und Freude dabei und steht, als ihr Verlobter mit einer Verwundung aus dem Krieg zurückkommt, vor der Frage, ob sie heiraten und damit ihren Beruf aufgeben oder lieber weiterarbeiten und ledig bleiben will.
Dass es mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau damals noch nicht weit her war, war mir bekannt. Frauen mussten ihren Ehemann um Einwilligung in allen wichtigen Lebensentscheidungen bitten, verdienten weniger, wurden eingeschränkt, wo es nur ging. Dass man ihnen absprach als verheiratete Frauen Lehrerinnen sein zu können, fand ich schon sehr schräg. Und ehrlich, die Männer haben sich da nie einen guten Dienst getan.
Lene sucht sich gleichgesinnte Frauen und mit ihnen einen Weg, das Zölibat zu beenden oder auszuhebeln. Ich finde Romane über die Anfänge der Emanzipation sehr interessant und Silke Schütze hat das Thema wunderbar umgesetzt. Sie schreibt eingängig und nah dran an ihren Figuren. Man kann mitfiebern und erfährt Neues aus der Vergangenheit.
Das Buch hat mich rundrum überzeugt und ich kann es nur jedem Wärmstens ans Herz legen.

Bewertung vom 10.01.2019
Die Tochter der Toskana / Toskana-Saga Bd.1
Seemayer, Karin

Die Tochter der Toskana / Toskana-Saga Bd.1


ausgezeichnet

Antonella hat Glück im Unglück. Als ihr Verlobter schon vor der Hochzeitsnacht seine Rechte mit Gewalt einfordern will, kommt ihr ein Unbekannter zu Hilfe und weil die Aussicht auf so einen Ehemann ihr Angst und Bange macht, flieht sie mit ihm aus dem heimatlichen Dorf gen Süden. Damit beginnt für die junge Frau ein großes Abenteuer. Denn auf dem Weg nach Genua, wo Antonella bei einer Tante unterkommen möchte, muss sie feststellen, dass Männer ihren Retter Michele verfolgen und auch das Wetter und die Natur machen die Reise gefährlich und anstrengend. Aber die ganzen Unbillen schweißen die beiden mehr und mehr zusammen.
„Die Tochter der Toskana“ ist das erste Buch einer Trilogie von Karin Seemayer.
Ich mochte von Anfang an den Erzählstil der Autorin sehr gerne. Man kommt den Protagonisten schnell näher ohne, dass alle Geheimnisse sofort gelöst werden. Dadurch wird eine Grundspannung erzeugt, die über den gesamten Plot stetig zunimmt. Dass die beiden jungen Menschen Zuneigung füreinander entwickeln ist natürlich klar. Aber man wünscht den beiden von Herzen auch ein bisschen Glück und ohne großen Schmalz entwickelt sich ein tiefes Vertrauen zwischen Antonella und Michele.
Nebenbei erfährt man so einiges über Italien und die Aufstände der Rebellen gegen das damals vorherrschende Regime. Land und Leute, Kultur und Geschichte sind angenehm und unaufdringlich in die Geschichte verwoben und mir hat das Buch rundherum sehr gut gefallen.
Ich habe es allen anderen Büchern vorgezogen, auch, weil schon bald der zweite Band herauskommt und ich mich sehr freue wieder von den beiden zu lesen.

Bewertung vom 18.12.2018
Fluchbrecher / Die Eisraben-Chroniken Bd.1
Schwartz, Richard

Fluchbrecher / Die Eisraben-Chroniken Bd.1


sehr gut

„Fluchbrecher“ spaltet die Schwartz-Fan-Gemeinde. Und ich sitze mitten drinnen. Ich fand seine Askir-Bücher einfach Klasse. Man konnte total in die Fantasywelt eintauchen. Von der ersten Seite an. Das fiel mir hier etwas schwerer, denn sowohl das Setting als auch der Schreibstil sind anders. Ich dachte ja erst, es wäre eher in Science Fiction einzuordnen aber nachdem die Story in die Künstliche Welt abtaucht wird es eine Mischung aus Fantasy-Rollenspiel-SF. Darauf muss man sich einlassen können. Ich bin kein Rollenspieler und ich denke mal, meine Söhne hätte sich leichter mit der Geschichte getan, denn die Logik und die Struktur haben nichts mit der realen Welt und auch nichts mit einem normalen Ablauf zu tun. Der Computer und das Spiel haben eigene Kampfregeln, die teilweise unverständlich oder sogar unlogisch sind, die man aber so hinnehmen muss, wenn man nicht den Faden verlieren will. Diese Spiele-Welt war mir unsympathisch. Dennoch hat mich irgendwann die Spannung gepackt. Ich wollte wissen, wie Alexandra sich durchwurschtelt und wer sich alles in ihr Kampfteam einfindet. Und mir gefiel, dass sie Stück für Stück etwas Neues für sich eroberte, was ihr in der realen Welt durch ihren Unfall wohl verwehrt geblieben wäre.

Warum Schwartz allerdings seinen Schreibstil gar so dramatisch dem Plot angepasst hat, kann ich nicht ganz verstehen. Der nervte manchmal wirklich und vor allem deshalb habe ich länger als gewöhnlich gebraucht, um das Buch durchzulesen. Deshalb ziehe ich auch einen Stern ab für eine sehr ungewöhnliche Geschichte, die man auf sich wirken lassen sollte, bevor man sie schon nach wenigen Seiten vielleicht weglegt.

Fazit: Ungewöhnlich, interessant, voller Ideen, etwas störrisch beim Lesen

Bewertung vom 18.12.2018
Bösland
Aichner, Bernhard

Bösland


sehr gut

Berhard Aichners Stärke sind der prägnante Schreibstil und seine Art, sperrige Helden mit ungewöhnlicher Psyche zu präsentieren. Wie schon in der Reihe um seine Bestatterin, so ist auch hier der Hauptdarsteller kein besonders liebenswerter Typ und wieder verwischen in Aichners neuem Roman „Bösland“ die Grenzen zwischen Gut und Böse sehr schnell. Obwohl natürlich interessant ist, ob Ben als Teenager gemordet hat, so ist es doch nicht der alleinige Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Bald spielen auch Rache und Wut eine große Rolle in dieser Geschichte.

Durch kurze Kapitel, Wechsel im Erzählrythmus und der Perspektiven und ein sehr schnelles Fortschreiten der Handlung bringen Spannung. An mancher Stelle hätte ich mir etwas mehr Ruhe und tatsächlich etwas mehr Hintergrundgeschehen gewünscht. Auch sind nicht alle Kniffe und Volten wirklich logisch und der Zufall hat mehr als einmal die Hand im Spiel.

Dennoch hat Bösland eine Tonart, die mir gefallen hat. Eben weil sie aus dem Krimi-Trott vieler Bücher herausragt und den Leser versucht zu überraschen. Für mich ein unterhaltsamer Roman, den man schnell und leicht lesen kann.

Bewertung vom 29.09.2018
Ein Song bleibt für immer
Peterson, Alice

Ein Song bleibt für immer


ausgezeichnet

Alice Martineau ist eine reale Person, die wirklich gelebt, geliebt und gesungen hat. Das ist es, was das Buch für mich von Anfang an so interessant und authentisch gemacht hat. Dieses Wissen und auch, dass Alice an ihrer Krankheit gestorben ist, darf man meiner Meinung nach durchaus wissen, wenn man mit diesem Buch anfängt. Es geht in dieser Geschichte nicht darum, den Leser über das traurige Ende im Ungewissen zu lassen. Es geht vielmehr darum zu erzählen, wie eine junge Frau mutig ihren Weg ging, auch wenn dieser scheinbar aussichtlos und für sie unpassierbar erschien. Wie sie ihren leidenschaftlichen Wunsch, Sängerin zu werden, in die Tat umsetzte, obwohl sie an einer schweren Erkrankung der Atemwege litt. Wie sie zuversichtich und klug die Jahre nutzte, die sie hatte. Denn nicht die länge des Lebens sondern seine Intensität ist es, die wichtig ist.

Alice ist eine tolle Frau. Und ihre Geschichte gibt nicht nur Kranken Mut sondern sollte vor allem gesunden Menschen vor Augen führen, dass das Leben zu kurz ist, um es zu verschwenden mit Nichtstun und in Starre verharren. Greift nach den Sternen und erfüllt eure Herzenswünsche. Dazu ist das Leben da. Und nur keine Angst. Was soll schon schief gehen. Denn selbst, wenn nicht alles klappt, so kann man doch sagen, ich habe es versucht.

Also für mich ein positives Buch. Und auch die geweinten Tränen sind schön. Denn Alice ist nicht vergessen.

Bewertung vom 29.09.2018
Gelobtes Land
Christine Heimannsberg,

Gelobtes Land


sehr gut

Wie meist in Dystophien, so ist auch in „Gelobtes Land“ eine totalitäre Regierung an der Macht, die das Leben der einfachen Menschen bis ins Kleinste durchorganisiert und indoktriert. Im Fall dieser Geschichte wird mal wieder das Leben der Frauen gering geschätzt. Männliche Nachkommen sind am Wichtigsten. Das ist ja nicht so weit weg von der Realität manch wirklicher Länder heutzutage. Und natürlich gibt es junge Menschen, die sich dagegen auflehnen. Die sich verlieben, die sich wehren, die flüchten. Lore muss ihren kleinen Bruder schützen und flieht mit ihm. Sie machen sich auf die Suche nach dem Gelobten Land, in dem die Menschen frei sein können und auch Frauen vollwertige Mitglieder der Gesellschaft sein können.
Es handelt sich um einen ersten Band, das war mir nicht ganz klar am Anfang – aber das ist ja inzwischen auch normal, dass es immer Trilogien sind. Der Auftakt dieser Reihe ist interessant. Vor allem Lore lernt man gut kennen und ihr Beschützerinstinkt und ihr Überlebenswille sind bewundernswert. In einer düsteren und lebensfeindlichen Umwelt und immer wieder vor allem Männlichen Angriffen ausgesetzt gelingt es ihr doch immer wieder, für sich die Freiheit zu behalten, die sie sich mit ihrer Flucht erkämpft hat.
Ich bin gespannt, wie es mit Lore und ihrem Bruder und mit der Welt weitergeht.

Bewertung vom 13.09.2018
Liebe und Verderben
Hannah, Kristin

Liebe und Verderben


ausgezeichnet

Was für ein ergreifendes, wunderschönes, erschütterndes, spannendes Buch ist „Liebe und Verderben“. Kristin Hannah hat sich mit dieser Geschichte mal wieder selbst übertroffen.
Man merkt, dass es ein persönliches Buch ist. Eines, welches reale Personen und reale Geschehnisse verarbeitet, auch wenn sie natürlich keine Biografie ist. Im Vordergrund steht hier nicht eine reine Liebesgeschichte, sondern es ist ein Drama um eine dreiköpfige Familie. Und Alaska spielt als Kulisse eine entscheidende Nebenrolle.
Von der ersten Seite an bin ich tief eingetaucht und Leni und das Schicksal von ihr und ihren Eltern hat mich nicht losgelassen, auch wenn ich das Buch mal notgedrungen aus der Hand legen musste. Und es verfolgt mich auch nach Beendigung der letzten Seiten in meinen Gedanken.
Ich finde, Kristin Hannah wird immer besser und besser.