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Benutzername: brauchnix
Wohnort: München
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Danksagungen: 12 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 118 Bewertungen
Bewertung vom 14.08.2018
Todeskäfig / Sayer Altair Bd.1
Cooper, Ellison

Todeskäfig / Sayer Altair Bd.1


sehr gut

In einem „Todeskäfig“ wird die zu Tode gefolterte Tochter eines Senators gefunden. Politik und Öffentlichkeit haben also ein großes Interesse an dem Mordfall und FBI Special Agentin Sayer Altair steht in ihrem ersten Fall ziemlich unter Druck. Aber nach anfänglich falschen Spuren führen ihre soliden Ermittlungen schließlich doch zum richtigen Täter. Dazwischen liegt ein spannender Thriller, der vielleicht nicht unbedingt überraschende, aber doch solide Crimekost bietet und durchaus Spaß macht. Der Schreibstil ist angenehm und passend zum Genre. Die Hauptdarsteller bekommen Raum für ein Privatleben, so etwas mag ich auch in Thrillern sehr gerne. Dennoch verliert die Autorin den Fall nicht aus den Augen.

Für mich ein gelungenes Debüt. Bitte mehr von dieser Autorin.

Bewertung vom 14.08.2018
Die Stimmlosen
Metzenthin, Melanie

Die Stimmlosen


sehr gut

Nach „die geliehene Schuld“ von Claire Winter und „Wie Treibholz im Sturm“ von Daniela Ohms passten „die Stimmlosen“ zeitlich und thematisch gut zu meinem Lesestoff der letzten Monate. Melanie Methenthin beschreibt das Leben von Richard und Paula im zerbombten Hamburg der Nachkriegszeit. Die Not der Menschen ist groß. Es mangelt an allem. Wohnraum, Kleidung, Essen, Heizung. Eindringlich erzählt die Autorin und lässt ihre Protagonisten trotz all dem Elend mutig und zuversichtlich erscheinen, wodurch auch der Leser leichter durch diese raue Zeit kommt. Richard mutet etwas blauäugig an, da er überrascht erkennen muss, dass die Menschen und die Seilschaften immer noch die gleichen wie vor Kriegsende sind und dass sich noch einiges tun muss, um die alten Verkrustungen und die versteckten Nazisympathisanten auszumerzen.
Das Buch liest sich schnell und spannend und bietet einige interessante Informationen und Details über die damalige Zeit. Man sollte allerdings den Vorgängerband gelesen haben, denn nur dann kommt man den Darstellern so wirklich nahe.

Bewertung vom 10.07.2018
Ohne ein einziges Wort
Walsh, Rosie

Ohne ein einziges Wort


sehr gut

Sarah verliebt sich unsterblich in Eddie. Eine Woche lang schweben die beiden auf Wolke sieben. Dann muss er für ein paar Tage verreisen und ist plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Scheinbar gibt es keinen erklärbaren Grund dafür. hat er Sarah belogen - nein, das scheint nicht so gewesen zu sein. Man erfährt in Rückblenden über ihre Zeit zusammen und hat das Gefühl, da stimmte einfach alles. Ist ihm etwas zugestoßen - nein, auch das ist unwahrscheinlich, denn sie kann keine Hinweise darauf finden. Aber warum meldet er sich dann nicht mehr.

Fast die Hälfte des Buches währt dieser Zustand der Ungewissheit. Das hat mich fast etwas genervt, weil die gute Sarah so abwartend und unentschlossen ausharrt und wartet. Außer ein paar Nachrichten an ihn zu schreiben, tut sie nicht viel, ihn zu finden oder das Rätsel zu lösen.

Aber irgendwann passiert doch etwas und so langsam kommt man darauf, was hier eigentlich los ist. Und das ist traurig, dramatisch und geht zu Herzen.

Besonders gefällt mir das tolle Cover und der angenehme Schreibstil an dieser Geschichte. Man hätte sicherlich einiges am Anfang kürzen können, um es etwas spannender zu machen. Aber dafür punktet die Geschichte später mit Glaubwürdigkeit.

Eine Autorin, die ich im Auge behalten werde.

4 von 9 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.07.2018
Der Kreidemann
Tudor, C. J.

Der Kreidemann


sehr gut

"Der Kreidemann" ist nur zufällig auf meinem Büchertisch gelandet. Aber manchmal muss der Zufall einfach nachhelfen, um endlich mal wider eine spannende neue Autorin zu entdecken.

Die Geschichte an sich ist schnell erzählt. In Eddies Jugend erschreckte der Kreidemann ihn und seine Freunde. Doch gab es ihn wirklich? Als Erwachsener ist Eddi Lehrer und hat eigentlich mit der Vergangenheit abgeschlossen, als ihn ein mysteriöser Brief mit einer Kreidezeichnung erreicht. Und dann ertrinkt einer seiner Freunde.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Durch das rote Cover fällt das Buch ins Auge. Der Einband passt hervorragend zum Plot. Der wiederrum ist logisch und beginnt eher ruhig und beschaulich und zieht ganz gemächlich die Daumenschrauben an, was mich dazu brachte, das Buch in nur drei Tagen zu lesen. Gut gemacht. Mehr davon.

Bewertung vom 16.05.2018
Tiefer denn die Hölle / Martin Bauer Bd.2
Gallert, Peter; Reiter, Jörg

Tiefer denn die Hölle / Martin Bauer Bd.2


ausgezeichnet

„Tiefer denn die Hölle“ ist der zweite Teil der Krimireihe um den Polizeiseelsorger Martin Bauer. Martin ist ein sehr empathischer Kerl. Genauso, wie man sich einen Seelsorger vorstellt. Privat hat er gerade zwar nicht so alles im Griff, denn es kriselt bei seiner schwangeren Frau und ihm, vor allem weil er, wie das bei Vermittlern gerne mal ist, kein Ende mit seinem Job findet und das Privatleben immer wieder hintanstellt. Das nervt Frau und Tochter macht ihn aber umso erfolgreicher in seinem Job.
Der Fall ist für meinen Geschmack fast etwas zu aufgebläht durch seltsame Kleinigkeiten, wie den Toten, der mit Honig überzogen wurde. Das ist an nordische oder amerikanische Thriller angelehnt und wäre gar nicht von Nöten, denn der Krimi besticht durch soliden Spannungsbogen und interessantes Setting im Ruhrgebiet. Bauer hat ein paar ermittlungstechnisch ungewöhnliche Ansätze, da er nicht das Kriminalistische sondern das Menschliche in den Mittelpunkt rückt. Das gefällt mir gut.
Ich habe das Buch gerne gelesen und werde die Reihe weiter im Auge behalten.

Bewertung vom 16.05.2018
Der Zorn der Gerechten / Scythe Bd.2
Shusterman, Neal

Der Zorn der Gerechten / Scythe Bd.2


ausgezeichnet

Neal Shusterman schafft es, mit seiner Scythe-Trilogie neue Weg zu gehen und eine dystophische Reihe zu entwickeln, die neben dem reinen Unterhaltungswert noch viel mehr zu bieten hat. Die Zukunft der Menschheit wird durch die Unsterblichkeit und die Heilung fast aller Krankheiten zu einer ganz neuen Welt. Es gelten neue Regeln, neue Gesetze. Gerechtigkeit und Tod sind nicht unbedingt im gleichen Atemzug zu nennen. Die Scythe sorgen nur scheinbar für einen gerechten Tod. Citra möchte dies verbessern, nachdem sie zu Anastasia geworden ist. Auch Rowan als Scythe Luzifer (was für ein Name) ist in Sachen Modernisierung unterwegs. Aber die alten Scythe sind nicht begeistert und beide sind ins Visier mächtiger Feinde geraten.
Auch der zweite Band „Zorn der Gerechten“ hat nichts von der Spannung eingebüßt, die im ersten Band aufgebaut wurde. Die Charaktere werden intensiv beschrieben und man spürt, wie die jungen Leute mit ihren Ämtern reifen und wachsen. Die Sprache ist nur scheinbar einfach, denn es verbirgt sich eine Tiefe und Intensität in der Erzählweise, die auch Erwachsenen Spaß macht. Mir drängen sich fast zwangsläufig die Vergleiche mit „Panem“ auf – im besten Sinne, versteht sich.
Begeistert warte ich auf Teil 3.
Ein Lob auch der Covergestaltung. Eine wahre Freude für jedes Bücherregal.

Bewertung vom 09.04.2018
Die letzte Reise der Meerjungfrau
Gowar, Imogen Hermes

Die letzte Reise der Meerjungfrau


ausgezeichnet

Die letzte Reise der Meerjungfrau“ hatte mich mit Titel und Klappentext eigentlich schon am Haken. Und die Leseprobe offenbarte, dass hier ein ungewöhnliches und ungewöhnlich schön geschriebenes Buch auf mich wartet. Meine Erwartungen wurden gleich in mehrfacher Hinsicht voll und ganz erfüllt.

Mr. Hancock, ein angesehener Londoner Händler lebt in seiner Komfortzone und auch ein bisschen in der Vergangenheit, bevor die Frau ihm gestorben ist. Seine Nichte Sukie führt ihm mit Herzblut und Übermut den Haushalt. Alles geht seinen gewohnten Gang, bis einer seiner Kapitäne von einer Reise ein ungewöhnliches Exemplar einer angeblichen Meerjungfrau mitbringt. Der Händler versucht, mit der Neugierde seiner Mitmenschen Geld zu machen und stellt das Exponat aus. Schon bald ruft das eine geschäftstüchtige Puffmutter auf den Plan, die den Run auf die Meerjungfrau für ihre eigenen Geschäftszwecke nutzen will. Dort lernt Hancock die Kurtisane Angelica kennen und entbrennt in ungeahnter Leidenschaft. Die junge Dame weiß, was sie will und verlangt als Beweis seiner Liebe eine lebende Meerjungfrau.

Das Buch besticht nicht nur durch die Sprache, die tatsächlich ein Genuss ist, sondern auch durch viele facettenreiche Charaktere und eine Handlung, die vor allem von den Entwicklungen der Personen lebt und ein ums andere Mal mit interessanten und ungewöhnlichen Geschehnissen und Beschreibungen zu überraschen weiß.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse der Londoner Gesellschaft werden klug und auf eine feine Art geschildert. Die Meerjungfrau setzt durch ihr bloßes Erscheinen eine Spirale in Gang, der sich alle, die näher in Kontakt mit ihr kommen, nicht entziehen können. Dabei geht es nicht nur um das große Geld. Hancocks scheinbar eingeschlafenes Seelenleben kommt gehörig durcheinander und die unterschiedlichen Wünsche und Träume der Huren harmonieren nicht unbedingt immer mit seinen Plänen.

Imogen Hermes Gowar gelingt ein ungewöhnliches, bildreiches Buch, welches auf langsame und fast bedächtige Art von großer Aufregung und gewaltigen Umbrüchen erzählt. Der Wunsch danach, die Meerjungfrau wäre echt und es gäbe auch eine lebende zu finden, zieht sich auch beim Lesen durch die Geschichte und die Autorin gibt den Akteuren und dem Leser scheinbar gerne, was er sich wünscht und manchmal zeigt sie ihm auch erst im Laufe der Geschehnisse, was er eigentlich braucht und wünscht.

Bewertung vom 05.03.2018
Tulpengold
Völler, Eva

Tulpengold


ausgezeichnet

Es ist die große Zeit des Tulpenhandels. Tulpen werden mit viel Gold und Geld erworben, sind Kapitalanlagen und Spekulationsobjekte. Jeder möchte mit ihnen in möglichst kurzer Zeit einen möglichst großen Gewinn machen. Eines Tages stirbt auf offener Straße ein Tulpenhändler. Schnell ist klar, er wurde vergiftet. Und er bleibt nicht der letzte Tote.

Währenddessen beginnt der junge Pieter eine Lehre beim großen Maler Rembrandt. In dessen Haushalt ereignen sich bald Dinge, die einen Zusammenhang mit den Morden erkennen lassen. Viele Verbindungen mit den Toten deuten auf den angesehenen Maler oder auf ein Mitglied seines Haushaltes hin.

Pieter ist anders als andere junge Männer in seinem Alter. Sein leicht autistisches Verhalten stößt bei manchem auf Unverständnis und so mancher nutzt seine Schwächen aus, um seine Stärken auszunutzen. Aber Pieter ist schlauer, als so mancher denkt und lernt nach und nach zu erkennen, wer Freund und wer Feind ist und sein analytischer Verstand stellt kluge Berechnungen darüber an, wer der Mörder sein könnte.

Selten habe ich einen so sympathischen und herzerfrischend anderen Helden in einem Histo gefunden. Pieter erobert die Sympathien der Leser im Sturm. Er ist ohne Arglist und frei von Hinterlist. Er ist ein großes Kind und verfügt doch über Fähigkeiten, die man sich viel öfter wünscht. Treue und Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit. Und seinen mathematischen Berechnungen über die Liebe, den Tulpenhandel und allerlei anderes zu folgen, macht großen Spaß.

Das Buch ist natürlich auch voller historischer Details über Rembrandt, die Malerei, den Tulpenhandel und den Zusammenbruch des Tulpelhandels. Einfach ein pralles Lesevergnügen.

Liebe Eva, liebe Damen und Herren vom Verlag, bitte unbedingt mehr von Pieter. Ich bin begeistert.

Bewertung vom 23.02.2018
Die andere Schwester
Hannah, Kristin

Die andere Schwester


ausgezeichnet

Kristin Hannah erzählt wieder mal eine Familiengeschichte. Eine, in der zwei Schwestern sich entfremdet habe. Tragische Geschehnisse in der Vergangenheit und eine schwierige Mutter haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass Meghann und Claire nicht miteinander können. Sie sind aber auch ziemlich unterschiedlich. Eine kühle taffe Karrierefrau die eine, eine alleinerziehende Mutter, die in der Natur ihre Kraft findet und für die Vater und Kind das Wichtigste sind.
Im Laufe der Geschichte werden erst einmal die Verhärtungen und Verletzungen aufgedeckt, dann geschehen Dinge, die beide Frauen aus ihrer alltäglichen Bahnen werden und sie wieder aufeinander zu driften. Erst mal mit Abwehr und Abneigung, aber tief drinnen taut das Eis und Blut ist bekanntlich dicker als Wasser.
Schöner Schreibstil, tolle Charaktere, eine gute Dosis Herz und Gefühl und ein bisschen Verstand.
Das Buch ist wohl schon einmal unter anderem Namen erschienen. Das wusste ich zwar nicht, aber ich hatte Glück, ich kannte das Buch noch nicht und kann deshalb volle Punktzahl vergeben. Hannah schreibt einfach Klasse.

Bewertung vom 23.02.2018
Die Bärenführerin
Weisz, Lea

Die Bärenführerin


sehr gut

„Die Bärenführerin“ spielt in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die 17jährige Agnes wurde gerade verlobt. Als Tochter des Grafen von Langerode hat sie gelernt, dass eine arrangierte Hochzeit für alle Seiten von Vorteil sein kann. Aber ihr Zukünftiger ist ein ziemlicher Kotzbrocken. Überheblich und dominant zeigt er schon jetzt, dass er vor Frauen keinen Respekt hat und die Ehe mit ihm kein Zuckerschlecken werden wird. Langsam reift in Agnes Widerstand und der Wunsch, dieser traurigen Zukunftsperspektive zu entkommen. Schließlich fasst sie sich ein Herz und läuft davon.
Mir hat sehr gefallen, wie die Autorin ihre Heldin beschreibt. Man spürt, dass sie eine gelungene Mischung aus einem Kind ihrer Zeit und einem Menschen ist, der selbstbewusst und frei von ungerechten Konventionen sein möchte. Dazu kommt, dass Agnes eine ganz spezielle Gabe hat, die hier aber wohltuend zurückhaltend beschrieben wird und somit nicht allzu fantastisch oder unecht wirkt. Natürlich gibt es auch einen jungen Mann, der zu Agnes passen würde. Auch hier war schön, dass die Entwicklung Schritt für Schritt von statten geht.
Die historischen Fakten sind mehr in Kleinigkeiten und dem Setting zu finden. Es geht nicht um die große Politik, sondern eher um den Durchschnittsbürger der damaligen Zeit. Ich habe das ebook gelesen aber ich finde, es ist ein sehr gelungenes Cover.