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Bewertungen

Insgesamt 90 Bewertungen
Bewertung vom 15.09.2017
Durst / Harry Hole Bd.11
Nesbø, Jo

Durst / Harry Hole Bd.11


ausgezeichnet

Ich bin ein eingefleischter Harry-Hole-Fan. Ich habe den Eindruck, dass Nesbos Krimiserie um den trinkfreudigen und erfolgreichen norwegischen Ermittler von Buch zu Buch noch an Qualität gewinnt. Vielleicht findet man sich auch als Quereinsteiger in diesem elften Fall zurecht, aber mal ehrlich, gerade die privaten Geschehnisse in seinem Leben waren teilweise so dramatisch, dass es einfach schöner ist, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge mitbekommt.
Harry hat den Polizeidienst also tatsächlich an den Nagel gehängt. Aber Gott sei Dank gibt es immer noch ein kleines Schlupfloch, denn er ist Dozent an der Polizeihochschule und es fällt nicht schwer, ihn wieder in einen Fall zu verwickeln, zumal der Täter kein Unbekannter zu sein scheint. Ein Serienmörder, der sich für einen Vampir hält, ist schon etwas Außergewöhnliches und Harry mochte den Täter unbedingt überführen. Es ist eine offene Rechnung, die die beiden miteinander haben und da ist Hole ja immer sehr hartnäckig.
„Durst“ ist von der ersten Seite an interessant und packt den Leser bei seiner Neugierde. Die Spannungsschraube geht kontinuierlich nach oben und Nesbo schafft es mal wieder, dass man am Ende noch einen richtig großen AHA-Effekt serviert bekommt. Es macht einfach Spaß diese Bücher zu lesen und für mich gehört er zu den Top 5 der weltweit besten Thrillerautoren. Ich freue mich, dass „Der Schneemann“ schon demnächst in den Kinos anläuft.

Bewertung vom 07.09.2017
In einem anderen Licht
Burseg, Katrin

In einem anderen Licht


ausgezeichnet

An der Geschichte von Katrin Bursegs neuem Buch „In einem anderen Licht“ hat mich unter anderem angesprochen, dass es um eine Frau geht, die durch eine tiefe Trauerphase gegangen ist und sich gerade wieder ins Leben zurück zu kämpfen beginnt. Miriams Mann Gregor ist als Reporter im Einsatz gestorben und es hat fast zwei Jahre gedauert, diesen Schmerz zu verarbeiten. Jetzt soll sie für die Zeitschrift Anabel eine Reportage schreiben, die sich mit einer prominenten Frau beschäftigt. Dorothea Sartorius. Es kommt zu einem ersten Interview. Doch vor dem Termin bekommt die Redaktion ein seltsames Schreiben, welches Miriam hellhörig werden lässt. Was hat Dorothea zu verbergen? Was ist in der Vergangenheit geschehen? Was muss diese Frau vielleicht sogar verbergen?
Miriam und ihr Sohn Max waren mir sehr sympathisch. Das ist eine Stärke der Autorin, dass sie den Charakteren Tiefe und Glaubwürdigkeit verleihen kann. Katrin Bursegs Sprache ist gut lesbar und gehaltvoll. Die Verquickung mehrerer unterschiedlicher Brennpunkte ist ihr in diesem Punkt sehr gut gelungen. Das private Trauma von Miriam, das Geheimnis von Dorothea und der hochpolitische Anteil dieser Story harmonieren überraschend gut miteinander und ergeben einen spannenden und überraschenden Plot.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann dafür eine Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung vom 01.09.2017
Karolinas Töchter
Balson, Ronald H.

Karolinas Töchter


ausgezeichnet

Eine alte elegante Dame meldet sich bei Privatdetektiv Liam Taggert. Lena ist vor vielen Jahren aus ihrem Heimatland Polen in die USA eingewandert. Sie möchte gerne, dass er zwei Menschen für sie findet. In den Wirren des zweiten Weltkrieges sind die Töchter ihrer besten Freundin verschwunden und Lena hat Karolina versprochen, sie zu finden. Jetzt, fast 70 Jahre später, möchte sie dieses Versprechen einlösen, bevor es zu spät ist. Sie erzählt also Taggert und einer Anwältin, was damals passiert ist.

Der Leser taucht ein in die Schrecken des zweiten Weltkrieges. Lena ist Jüdin und erlebt als Teenager den Einzug der Deutschen in ihre Heimatstadt. Bald bekommt die Familie die Repräsalien gegen die Juden am eigenen Leib zu spüren und eines nachts wird ihre Familie von der SS abgeholt und nur Lena kann sich verstecken und für kurze Zeit den Klauen der Häscher entkommen. Aber irgendwann landet sie doch wieder im Ghetto und nur ihrer Freundin Karolina ist es zu verdanken, dass sie im Winter nicht verhundert oder erfriert.

Während die 80jährige Stück für Stück ihre dramatische Lebens- und Überlebensgeschichte erzählt, wird auch das Geheimnis um Karolina und die beiden verschollenen Kinder langsam aufgedröselt. Aber die Zeit drängt, denn Lena's Sohn möchte sie für unzurechnungsfähig erklären lassen, um die Suche zu unterbinden.
Ein hochemotionales berührendes Buch über das Schicksal einiger Menschen in harten Kriegszeiten ist „Karolinas Töchter“. Die mitreißende Sprache schafft eine intensive Nähe zu Lena und auch wenn das Schicksal der polnischen Juden dem Leser sicherlich bekannt ist, so ist man immer aufs Neue von der perfiden Nazi-Maschinerie schockiert und fürchtet um die Hauptdarstellerin und ihre Freundin. Ich denke, solche Romane kann es gar nicht genug geben, sie zu lesen und als Warnung zu verstehen. Noch dazu, wenn sie so spannend und glaubwürdig sind wie das Buch von Ronald H. Bason.

Bewertung vom 01.09.2017
Und jetzt auch noch Liebe
Bennetto, Catherine

Und jetzt auch noch Liebe


sehr gut

„Und jetzt auch noch Liebe“ denkt wohl die gute Emma, als sie Joe kennenlernt. Ihr Leben ist die letzten Wochen so aus dem Ruder gelaufen, dass sie eigentlich nur noch genervt ist. Sie hat ihren Ex Ned abserviert, da dieser einfach ein schamrotzender Nerd war, ihr wurde der Job gekündigt, weil sie ziemlich unzuverlässig einige Fehler begangen hatte und zu allem Überfluss erfährt sei dann auch noch, dass sie vom ungeliebten Ex schwanger ist.

Aber nach diesem Absturz folgt Stück für Stück der Neubeginn. Sie erbt ein Haus, sie trifft Joe und die beginnt ihr Leben zu ändern.

Sehr unterhaltsam und witzig ist der Schreibstil, der gut zu dieser leichten lockeren Sommerlektüre passt. Die Charaktere der Darsteller werden natürlich teilweise etwas überzogen dargestellt. Vor allem die Mutter nervt ganz gewaltig und auch Emma ist anfangs sehr verpeilt. Aber man könnte sich gut vorstellen, dass die Geschichte demnächst verfilmt wird. Das Kopfkino war auf jeden Fall zufrieden mit dem netten Roman.

Bewertung vom 01.09.2017
M.I.A. - Das Schneekind
Rai, Edgar; Andres, Kathrin

M.I.A. - Das Schneekind


sehr gut

Sandra ist auf der Landstraße nachts in einen schweren Unfall verwickelt. Der Fahrer des anderen Autos wird dabei getötet. Auf dem Rücksitz des Fahrzeuges entdeckt Sandra ein etwa siebenjähriges Mädchen. Mia. Fast unverletzt kann sie sie aus dem Auto holen und verbringt eine Nacht mit ihr in einer Hütte, bevor beide es zur Polizei und ins Krankenhaus schaffen. Schon in der Nacht kommt Sandra einiges seltsam vor an dem Mädchen. Sie klagt über starke Übelkeit und muss irgendwelche starken Medikamente nehmen. Sie redet auch wie ein viel älteres Kind und erzählt, dass ihre ersten Eltern tot sind – und jetzt auch der zweite Vater. Die Mutter – oder Pflegemutter – ist seltsam kühl und nur daran interessiert ob Sandra etwas aus dem Unfallwagen mitgenommen hätte.

Sandra vertraut ihre besorgten Zweifel ihrem Nachbarn an. Ein Mann, den sie kaum kennt, der ihr aber sympathisch ist, da ihr Kater Berlioz ihn als Zweitmensch akzeptiert und liebt. Die wenigen Fakten reichen ihm, um in der nächsten Nacht im Internet nachzuforschen. Am Morgen danach ist aber sein Haus abgebrannt und eine Leiche wird gefunden. Ist es ihr Nachbar? Was hat er herausgefunden? Gibt es einen Zusammenhang? Sandra forscht nun auf eigene Faust nach.

Der Plot ist kurz und zackig erzählt. Es geht Schlag auf Schlag und Sandra ist sehr bald in großer Gefahr. Spannend wird die Story auch, weil man nicht genau weiß, wer alles zu den „Bösen“ gehört. Ist vielleicht sogar die Polizei involviert? Und wenn ja, dann auch die deutsche oder doch nur die aus der Schweiz? Es beginnt ein Katz und Mausspiel in dessen Zentrum das seltsame Kind Mia steht, welches, man ahnt es schnell, kein gewöhnlicher Mensch ist. Mehr will ich nicht verraten. Das Buch ist relativ dünn und schnell gelesen. Das Buch hat mir gut gefallen. Ich mochte den knappen Erzählstil gerne. Erinnerte an andere Bücher von Edgar Rai.

Bewertung vom 28.08.2017
Death Call - Er bringt den Tod / Detective Robert Hunter Bd.8
Carter, Chris

Death Call - Er bringt den Tod / Detective Robert Hunter Bd.8


ausgezeichnet

Wer – wie ich – bereits Bücher von Chris Carter gelesen hat, wird immer wieder davon überrascht, dass der Autor immer neue abartige blutige Tötungsmethoden findet, die auch den geübten Thrillerleser überraschen und schockieren. Das hat er tatsächlich drauf. Und auch in seinem neuesten Werk „Death Call“ läuft er wieder zu Hochform auf.
Via Internet findet der Serienkiller seine Opfer. Wie schon in Vorgängerromanen gibt der Mörder anderen die Chance den Tod der Opfer zu verhindern. Aber eigentlich ist Alles nur ein grausames Spiel. Hunter und Garcia jagen erst mal eine Weile hinterher und erst ganz am Schluss erfährt der Leser mit den Ermittlern zusammen, wer der Täter ist.
Wer Carter liest, sollte hart im Nehmen sein und keine Angst vor blutigen Szenen haben. Außerdem braucht man gute Nerven, denn der Plot ist wieder extrem spannend und unterhaltsam. Etwas zum Nägelkauen und Zähneklappern. Endlich mal wieder ein Thriller der seinen Namen verdient und von der ersten Seite bis zur letzten Spaß macht.

Bewertung vom 20.08.2017
Underground Railroad
Whitehead, Colson

Underground Railroad


ausgezeichnet

Der Titel dieses Buches erschließt sich erst nach einer ganzen Weile. Underground Railroad bezeichnet die geheimen Fluchtwege, auf denen Sklaven aus dem Süden der USA in Staaten fliehen konnten, wo die Sklaverei unüblich oder gar verboten war. Dabei waren die Schlepper die Zugführer, die Passagiere die fliehenden Sklaven usw. Dieses Bild vor Augen kann man eintauchen in eine Geschichte, die traurig und dramatisch, deprimierend aber auch positiv auf die damaligen Probleme und menschlichen Schicksale zurückblickt.
Die Mutter von Cora, selbst Sklavin, kann fliehen und lässt ihre Tochter jung und schutzlos zurück. So muss sie Gewalt und Missbrauch erdulden und erst den eigenen Mut finden, um selbst die Flucht zu wagen. Der Weg in die Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben ist lang, hart und voller Gefahren. Verfolgt von einem Sklavenjäger muss Cora mit Hilfe vieler Helfer immer weiter davonlaufen. Dabei lernt der Leser ihren Mut und ihre Kraft schätzen, ist erschrocken über die Unmenschlichkeit der damaligen Gesellschaft, erfährt mehr als er zu wissen glaubte.
In kraftvoller Sprache geschrieben besticht das Buch durch seine Wahrhaftigkeit und sollte unbedingt gelesen werden.

Bewertung vom 20.08.2017
Kein guter Ort
Stäber, Bernhard

Kein guter Ort


sehr gut

Kein guter Ort ist der dritte Teil einer Reihe des deutschen Autors Bernhard Stäber, der vor Jahren nach Norwegen ausgewandert ist. Eben dort spielen auch die Kriminalromane um die Kommissarin Kari und den Psychologen Arne. Ich kenne die Vorgängerbände nicht, bin auch gut in die Reihe reingekommen. Es wird einiges aus den ersten zwei Büchern angerissen und erwähnt. Dadurch weiß man auch als Quereinsteiger genug, um der Handlung zu folgen und sich nicht ständig nach den Zusammenhängen zu fragen.

Der Plot beginnt ziemlich langsam und nicht wie sonst in Kriminalromanen mit einem Mord – also zumindest nicht mit einem, der für den eigentlichen Plot zu tun hat. Er nach und nach kommt dem Leser, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Wer den Klappentext nur überflogen hat, wie ich, wird überrascht sein, wenn man denn in der Rabenschlucht und bei einem mysteriösen unheimlichen alten Haus gelandet ist. Auch dass eine wichtige Person eine drogenabhängige Studentin ist, die die Sache erst ins Rollen bringt, wirkt ungewöhnlich und durchaus neu.

Der Fall an sich ist eher nebensächlich, finde ich. Im Mittelpunkt stehen die Charaktere, ihre Wünsche und Motivationen, ihre Gedanken. Der Krimi ist weder besonders blutig noch wirklich nordisch. Ich finde, man merkt ihm durchaus den deutschen Autor an. Allerdings sind die Darsteller fast alle Norweger und haben durchaus norwegische Eigenheiten. Die norwegische Mentalität und die gesellschaftspolitische Lage kommen im Buch ebenso vor, wie psychologische und mystische Elemente.

Ein unterhaltsamer Roman. Vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 09.08.2017
Eine von uns
Cummings, Harriet

Eine von uns


gut

Eigentlich habe ich mit „Eine von uns“ genau das bekommen, was ich erwartet hatte. Es spielt in den 1980er Jahren in einem kleinen englischen Dorf. Die Dorfidylle, die wie nicht anders zu erwarten, teilweise trügerisch ist, wird gut beschrieben und erinnert an entsprechende BBC-Filme. Das leicht provinzielle und etwas überhebliche Gehabe einiger Protagonisten trifft genau meine Vorstellung von einem englischen Roman. Auch die Idee der Geschichte, die einen tatsächlichen „Fox“ beschreibt, der aber ganz anders agierte, hat mir gefallen. Die Autorin macht sich auch die Mühe, ein paar Fragen zu Fiktion und Wahrheit zu beantworten.

Allerdings hat mich der Wechsel der Personen nicht überzeugen können, da nur eine mich fesseln konnte, nämlich die des Dorfpolizisten. Das wäre auch meine bevorzugte Stimme in diesem Roman gewesen. Der Präsens stört mich weniger. In diese Art des Schreibstils finde ich mich eigentlich immer ganz gut ein. Leider ist die Sprache oft etwas geschraubt und ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Diaologe in einer Verfilmung noch lebensecht wirken würden. Jemand hat erwähnt, dies läge vielleicht am österreichischen Übersetzer. Ich denke eher, es ist ganz allgemein das falsche Jahrhundert, in dem man diese Sprache ansiedeln würde. So historisch ist das Buch ja wirklich nicht.

Ich würde es als Unterhaltungsroman mit leichten Spannungselementen sehen – obwohl es ja eigentlich ein Kriminalfall ist, der hier erzählt wird. Aber schon der Titel verrät mehr, als ich es mir gewünscht hätte. Mich konnte das Buch nicht wirklich fesseln.

Bewertung vom 09.08.2017
Der Sandmaler
Mankell, Henning

Der Sandmaler


ausgezeichnet

Dass der Sandmaler schon 1974 geschrieben wurde, hat mich wirklich überrascht. Ich denke mal er spielt zu der Zeit, als auch Henning Mankell für sich persönlich den afrikanischen Kontinent entdeckt hat und sein Herz daran verloren hat. Im Buch übernehmen zwei Menschen diesen Prozess stellvertretend für die Empfindungen des Autors. Elizabeth hat gerade ihr Studium abgeschlossenen und möchte eine Urlaubsreise nach Afrika machen. Während sie aber sehr schnell die Abgründe der Politik und die Nöte der Menschen erkennt, ist Stefan ihr Bekannter erst mal nur auf Entspannung und Touristik eingestellt.

Mankell spricht durch seine zwei Protagonisten über seinen eigenen und die Erfahrungen vieler anderer Menschen. Ich fühlte mich ein paar Mal an eigene Erfahrungen erinnert, die ich dieses Frühjahr in Südafrika gemacht habe. Natürlich merkt man an mancher Stelle, dass das schon wieder fast 40 Jahre zwischen dem Buch und der Jetztzeit liegen. Aber das Meiste ist zeitlos und passt tatsächlich auch heute noch, denn Afrika entwickelt sich nur langsam und erfährt immer wieder Rückschläge durch grausame Kriege.

Ein interessantes Büchlein – welches freilich mit dem Krimiautor Mankell überhaupt nichts zu tun hat. Das sollte man vorher wissen.

Das Cover ist perfekt gewählt und in natura wunderschön.