Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: büchertraum


Bewertungen

Insgesamt 8 Bewertungen
Bewertung vom 19.08.2019
Im Freibad (eBook, ePUB)
Page, Libby

Im Freibad (eBook, ePUB)


sehr gut

Wundervoll leichte Sommerlektüre

Die 86-jährige Rosemary liebt ihr alltägliches Ritual. Jeden Morgen geht sie seit über 60 Jahren ins gegenüberliegende Freibad zum Schwimmen. Viele schöne Erinnerungen verbindet sie mit diesem Ort im Londoner Stadtteil Brixton, denn hier hat sie Schwimmen gelernt, ihren verstorbenen Mann George kennengelernt und dort hat sie immer noch viele Freunde. Doch nun soll das unrentable Freibad geschlossen werden und stattdessen mondäne Eigentumswohnungen gebaut werden. Eine Katastrophe für Rosemary, denn ihr Freibad ist nicht nur ein Ort zum Schwimmen, sondern das Herz der gesamten Nachbarschaft!
Die junge Londoner Reporterin Kate soll einen Artikel über die Freibadschließung schreiben und macht mit Rosemary hierüber ein Interview. Die beiden so unterschiedlichen Frauen werden schließlich Freundinnen und beschließen, gemeinsam für den Erhalt des für alle unverzichtbaren Freibades zu kämpfen.

Der Debütroman „Im Freibad“ der Londoner Autorin Libby Page ist eine ideale, kurzweilige Sommerlektüre für die Urlaubszeit. In ihrem Roman erzählt Page die herzerwärmende Geschichte über eine ungewöhnliche, generationenübergreifende Freundschaft zwischen der liebenswerten und herzensguten Seniorin Rosemary und der jungen Journalistin Kate, die sehr unglücklich und einsam in der riesigen Metropole London lebt.
Es ist eine wundervoll geschriebene Geschichte voller berührender, nachdenklich stimmender aber auch sehr witziger Momente und einer tollen Botschaft, die zeigt, was man mit gemeinsamem Engagement, Zusammenhalt und unbeirrbarer Zuversicht alles erreichen kann. Der lockere, lebendige Schreibstil von Libby Page lässt sich sehr angenehm lesen. Die Handlung wird hauptsächlich aus den sich abwechselnden Perspektiven der beiden Protagonistinnen Rosemary bzw. Kate erzählt, so dass man sich in ihre Gedanken- und Gefühlswelt gut hineinversetzen kann.
Sehr schön ist es mitzuerleben, wie allmählich zwischen den beiden so unterschiedlichen Frauen eine Freundschaft wächst und sie sich Halt im Leben geben können. Hervorragend sind der Autorin die Charaktere ihres Romans gelungen, die sehr realitätsnah und lebendig wirken.
Vor allem die sehr sympathische Rosemary ist eine beeindruckende und sehr authentische Hauptfigur. Sie ist eine sehr freundliche, aufmerksame alte Dame, die sich für ihre Mitmenschen interessiert und großes Einfühlungsvermögen zeigt. In verschiedenen Rückblenden in die Vergangenheit erinnert sich Rosemary an berührende Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit und es wird deutlich, warum sie so an ihrem alten Freibad hängt und seine Schließung nicht akzeptieren kann. Sehr facettenreich und mit Feingespür sind auch die vielen verschiedenen Charaktere der unterschiedlichen Besucher des betagten Schwimmbads mit all ihren Ecken und Kanten eingefangen.
Auch wenn die Handlung zeitweise vorhersehbar ist, konnte mich die Geschichte mit ihren tollen Figuren und einigen gesellschaftskritischen Seitenhieben bestens unterhalten.

MEIN FAZIT
Eine wundervoll leichte Sommerlektüre mit einer herzerwärmenden Geschichte über eine großartige Freundschaft und der schönen Botschaft, stets an das Unmögliche zu glauben!

Bewertung vom 21.07.2019
Mein Leben als Sonntagskind
Visser, Judith

Mein Leben als Sonntagskind


ausgezeichnet

Spannende Reise in die Welt eines Sonntagskinds
Die kleine Jasmijn ist kein normales Kind – schon in der Vorschule sie ist anders als ihre Mitschüler. Sie kann bereits lesen und sehr intelligent, spricht aber mit Niemandem und meidet den Kontakt mit allem Unbekannten, da sie nicht weiß, wie sie reagieren soll, und vieles vollkommen falsch einschätzt.
Grelles Licht, ständiger Lärm, unvorhersehbare Situationen oder Berührungen durch Fremde überfordern das Mädchen völlig und lösen bei ihr heftigste Migräneanfälle aus. Am wohlsten fühlt sich Jasmijn, wenn sie sich mit einem Buch in ihr Zimmer zurückziehen, die Musik ihres geliebten Elvis hören und mit ihrer besten Freundin Hündin Senta zusammen sein kann. Nur in ihrem Tagebuch kann sie die beliebte, kontaktfreudige Jasmijn sein, als Sonntagskind unbeschwert den Tag genießen und von einer glücklichen Zukunft träumen…

Der wundervolle Roman „Mein Leben als Sonntagskind“ von der Niederländerin Judith Visser ist ein ganz besonderes Buch mit einem autobiografischen Hintergrund. Hierin erzählt die junge Autorin über das Leben als Asperger-Autistin und nimmt uns mit auf eine außergewöhnlich spannende und lehrreiche Reise in ihre Welt.
Ähnlich wie ihre sympathische Hauptfigur Jasmijn wurde auch die Autorin von ihrem Umfeld als Kind und Jugendliche stets als extrem seltsam wahrgenommen und ausgegrenzt, bis sie dann schließlich erst im Erwachsenenalter mit ihrer Diagnose Asperger-Syndrom, eine spezielle Form von Autismus, eine sehr plausible Erklärung für ihr „Anderssein“ erhielt: „Nicht ich war anders, mein Gehirn war anders.“
Hierdurch erhält ihr berührender Roman große Authentizität und liefert uns sehr eindrückliche Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Betroffenen. In der chronologisch geschilderten Geschichte begleiten wir die junge Protagonistin durch die 1980 bis 90gerJahre über eine Zeitspanne von 17 Jahren, erleben Jasmijn als kleines Vorschulkind im Alter von etwa 4 Jahren und begleiten ihre Entwicklung durch die Pubertät bis hin zum frühen Erwachsenenalter.
In vielen einfühlsam geschilderten Episoden haben wir Anteil an Jasmijns Alltag, an ihren ungewöhnlichen Gedanken, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen, die ihr das Leben schwer machen. Sehr anschaulich und nachvollziehbar vermittelt die Autorin, wie mit der permanenten Reizüberflutung zu kämpfen, sie sich in die Isolation flüchtet oder unter ihrer verständnislosen und beängstigenden Umwelt zu leiden hat, die sie oft als arrogant und egoistisch abstempelt.
„Alle fanden ich sei ein seltsames Kind, und ich wusste, dass ich durch mein Verhalten alles nur noch schlimmer machte. Manchmal wandte sich die Normale Jasmijn ungeduldig von mir ab. Dabei wollte ich ja so sein wie sie, wirklich, und ich versuchte es auch, aber ich schaffte es einfach nicht. Meine Mutter beließ es dabei bewenden.“
Die sympathische, intelligente Protagonistin, die am glücklichsten alleine mit ihrer Hündin Senta, der Musik von Elvis oder im Kreise ihrer „berechenbaren“ Familie ist, ist mir schnell ans Herz gewachsen, weckte viel Mitgefühl und brachte mich zum Schmunzeln. Es ist sehr rührend ihre Bemühungen mitzuerleben, sich in den normalen Alltag zu integrieren, sich mit dieser für sie so fremden, oft unverständlichen Welt zu arrangieren und sich auch im sozialen Umgang zu üben. Ich habe mich für sie gefreut, dass es Jasmijn zum Ende hin tatsächlich gelungen ist, ein glückliches, zufriedenes und selbstständiges Leben zu führen und Freunde zu finden.
Der eher schlichte, mitreißende Erzählstil passt hervorragend zur Hauptfigur und lässt sich ausgesprochen angenehm lesen.
Gekonnt weckt die Autorin mit ihrer berührenden, unterhaltsamen Geschichte Verständnis für die „Andersartigkeit“ einiger Menschen, zeigt ihre besonderen Talente und Stärken auf und appelliert insgesamt an mehr Toleranz und Verständnis.

MEIN FAZIT
Ein berührender, lehrreicher Roman und eine außergewöhnlich spannende Reise in die Welt von Asperger-Autisten. Klare Le

Bewertung vom 21.07.2019
Backen mit Christina
Bauer, Christina

Backen mit Christina


ausgezeichnet

Ein geniales Brotbackbuch mit Erfolgsgarantie


(0)
„Brot backen mit Christina“ ist das neueste und bereits dritte Backbuch von Christina Bauer, das im österreichischen Löwenzahn-Verlag erschienen ist.
Die junge sympathische Österreicherin arbeitet tagsüber als Bäuerin und Gästebetreuerin auf ihrem Bauernhof in dem kleinen malerischen Dorf Göriach und ist zugleich leidenschaftliche Bäckerin, Foodbloggerin und Autorin von Backbüchern.
Der vielversprechende Untertitel „Einfach gute Rezepte, die ganz sicher gelingen! Vom 20-Minuten-Brot bis zum Sauerteig“ macht neugierig auf das Nachbacken und Ausprobieren der verschiedenen Rezepte, bei denen wirklich für jeden Geschmack und jeden Alltag etwas dabei sein sollte und einem beim Durchblättern schon das Wasser schon im Mund zusammenläuft.
In ihrem neuen Backbuch präsentiert Christina 50 köstliche, sehr unterschiedliche Brotrezepte von schnellen knusprigen Frühstücksbrötchen, über klassisches Krustenbrot, tolle aromatische Sauerteigbrote für Liebhaber, gesunde Vollkornbrote oder auch spezielle Brote mit wenig Hefe und praktischer Über-Nacht-Gare. In diesem Buch findet an auch als Backlaie viele ausgewogene, alltagstaugliche und ausführlich beschriebene Rezepte, die wirklich gelingen und leicht selbst nachzubacken sind.
Sehr gelungen ist der Einstieg mit dem ersten Kapitel „Mein Back-ABC für Brot“, in den Christina uns die wichtigsten Brotback-Basics mit umfangreichen Tipps und Tricks rund um Teigkneten, Gehenlassen und Backen sowie mit vielen Hintergrundinfos zu Grundzutaten oder Brotgewürzen zusammengestellt hat. Denn natürlich steckt hinter einem leckeren Brot doch ein bisschen mehr als nur Mehl, Salz, Wasser und Hefe zu einem Teig zu verkneten. Doch keine Angst – Christina gelingt es hervorragend, uns mit ihren ausführlichen Rezeptbeschreibungen in die wichtigsten Geheimnisse der Brotbackkunst einzuweihen, so dass wir anhand der einzelnen, gut beschriebenen und anschaulich bebilderten Schritte die Rezepte nachvollziehen können. So ist es nach den Anleitungen tatsächlich einfach, sein eigenes Brot oder Gebäck selber zu backen – ofenfrisch, knusprig, schön gebräunt und einfach nur lecker!
„Ein riesiger Vorteil beim Selberbacken ist, dass man genau weiß, was drinsteckt: nämlich regionale, einfache Zutaten, die man meistens daheim hat. Das schmeckt! Nichts geht über ein warmes Brot frisch aus dem Backofen!“
Der Rezeptteil ist in die Kapitel „BROTE GANZ KLASSISCH“, „ALLES VOLLKORN“, „BROTE MIT SAUERTEIG“, „BROTE MIT WENIG HEFE UND VIEL ZEIT“, „BROTE OHNE KNETEN“, „BROT EINMAL ANDERS“ sowie „SÜSSE BROTE“ untergliedert. Hier findet man eine sehr vielfältige Auswahl an tollen Brot- und Gebäckrezepten mit unterschiedlichem Aufwand und Schwierigkeitsgrad, die sehr ansprechend und übersichtlich gestaltet sind. Zudem ist das Buch mit vielen appetitanregenden Fotos äußerst liebevoll aufgemacht, so dass man es immer wieder gerne zur Hand nimmt.
Zum Abschluss findet sich im Kapitel „ZU GUTER LETZT“ noch ein alphabetisches Rezeptregister. Abgerundet wird dieses rundum gelungene Hardcoverbuch mit einem Kurzportrait der Autorin, die mich mit ihrer Leidenschaft fürs Backen anstecken und mit den köstlichen Backresultaten vollkommen überzeugen konnte.

MEIN FAZIT
Ein großartiges Brotbackbuch mit genialen Rezepten, die einfach gelingen und absolut köstlich schmecken!

Bewertung vom 11.06.2019
Running Girl / Garvie Smith Bd.1
Mason, Simon

Running Girl / Garvie Smith Bd.1


ausgezeichnet

Ein cooler Fall für Garvie „Sherlock“ Smith
Der 16jährige Garvie Smith sieht nicht nur richtig gut aus, er hat auch noch ein fotografisches Gedächtnis und den höchsten IQ, den es je an seiner Schule gegeben hat, allerdings auch absolut miese Noten. Garvie fühlt sich völlig unterfordert und ist von seinem ereignislosen Alltag an der Marsh Academy total genervt. Lieber beschäftigt er sich mit hochkomplexen mathematischen Problemen und hängt zum Ärger der Mutter mit seinen zwielichtigen, saufenden und kiffenden Kumpels ab.
Doch als eines Tages seine hübsche Ex-Freundin Chloe, eine eher unbeliebte aber sehr talentierte Sportlerin, vom Joggen nicht heimkommt und ihre Leiche später in einem Teich entdeckt wird, ist das Interesse des cleveren Garvie geweckt und Langeweile passé. So beginnt er kurzerhand mit seinen eigenen Nachforschungen und lässt den Unterricht einfach sausen. Als der junge Detective Inspektor Singh mit seinem Team bei den Ermittlungen wichtige Hinweise übersieht und einfach nicht weiterkommt, hat Garvie gar keine andere Wahl, als ihnen bei der Tätersuche ein bisschen auf die Sprünge zu helfen. Schließlich hat er den besseren Durchblick, zieht die richtigen Schlussfolgerungen und ist der Polizei bald immer eine Nasenlänge voraus. Dummerweise bringt ihn seine dreiste, hartnäckige Art aber auch in große Schwierigkeiten ...
”Running girl” ist der vielversprechende Auftakt der neuen „Garvie-Smith-Mysteries“-Reihe von Simon Mason. Das Buch ist ein sehr gelungener Krimi für Jugendliche ab 14 Jahren mit einem mitreißenden Schreibstil, einem spannenden und wendungsreichen Fall und der absolut coolen Hauptfigur Garvie Smith.
Mit seiner flotter Jugendsprache und spritzigen, authentischen Dialogen ist es Mason sehr gut gelungen, mich in seine unterhaltsame und humorvoll erzählte Geschichte zu ziehen.
Die mit witzigen Szenen gespickte Handlung entwickelt sich sehr temporeich, ist voller Rätsel und undurchschaubarer Spuren und so ist „Youngh Sherlock“ Garvie ganz schön gefordert, das düstere Geheimnis um das beinahe makellose Mordopfer zu ergründen.
Der Krimi lebt vor allem von seiner sehr charismatischen Hautfigur Garvie, der sehr lebendig und vielschichtig gezeichnet ist. Mit seinen außergewöhnlichen Talenten und trotz seiner Eigenarten wie sein obercooles, oft arrogantes Auftreten, muss man diesen Teenager einfach mögen. Beeindruckend sind seine geniale Beobachtungsgabe, brillante Kombinationsfähigkeit und sein wacher Verstand – alles beste Voraussetzungen, um diesen hochkomplexen Fall wie seine geliebten mathematischen Knobelaufgaben zu lösen. „Ein Ausdruck erschien auf seinem Gesicht, den seine Mutter schon lange nicht mehr gesehen hatte und den sie erst mit Verzögerung wiedererkannte. Es war nicht der übliche Ausdruck von blanker Langeweile, den sie so gut kannte, sondern so etwas wie Verblüffung – als wäre ihm, zum ersten Mal seit Jahren, etwas unter die Haut gegangen und würde ihn nachdenklich machen.“
Garvie ist ein starker Charakter, der während der Handlung eine interessante Entwicklung nimmt und am Ende sogar über sich hinauswächst. Sehr unterhaltsam ist vor allem die Interaktion und das Kräftemessen zwischen den charakterlich völlig unterschiedlichem Duo - dem cleveren, respektlosen und risikofreudigen Garvie und dem jungen sehr nüchternen DI Singh, der sich bei den Mordermittlungen mit seinem unflexiblen, rein kopfgesteuerten Ansatz äußerst inkompetent anstellt, wichtige Spuren übersieht und sich natürlich von einem frechen Teenager Garvie keine Tipps geben lassen möchte. Sehr gut hat mir gefallen, wie sich im Laufe der wendungsreichen Ermittlungen der abgeklärte, frostige Umgang der beiden miteinander schrittweise zu gegenseitigen Respekt und einer freundschaftlichen Beziehung wandelte.
MEIN FAZIT
Ein spannender Krimi mit tollen, vielschichtigen Charakteren, einem komplexen Fall und witzigen Dialogen.
Nicht nur für Jugendliche lesenswert!

Bewertung vom 04.06.2019
Dry (eBook, ePUB)
Shusterman, Neal; Shusterman, Jarrod

Dry (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Beklemmende Zukunftsvision

KEIN WASSER. NICHT HEUTE. NICHT MORGEN. VIELLEICHT NIE MEHR.
Schon seit einiger Zeit herrscht in Kalifornien eine katastrophale Dürre, die zu einer drastischen Wasserknappheit — oder „Tap-Out“ wie es von offizieller Seite genannt wird - geführt hat. Gesetzlich verordnetes Wassersparen ist angesagt mit einer endlosen Liste von Verboten, wie beispielsweise NICHT den Rasen sprengen, NICHT den Pool füllen oder NICHT ausgiebig Duschen. Doch mit dem Schlimmsten hat niemand wirklich gerechnet.
Als die junge Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, kommt plötzlich kein Wasser mehr. In den Nachrichten heißt es nur, dass die Einwohner Kaliforniens sich gedulden und Ruhe bewahren sollen. Als das Problem jedoch bestehen bleibt, setzt eine verzweifelte Jagd auf die letzten Wasservorräte in Supermärkten und Tankstellen ein, und Alyssas ruhige Vorstadt verwandelt sich plötzlich in eine bedrohliche Kriegszone. Ein gnadenloser Kampf um die letzten Wasservorräte und ums nackte Überleben hat begonnen …
Auch Alyssa, ihre Bruder und ihre Eltern haben sich schwerwiegenden Entscheidungen zu stellen …

Der Jugendroman „Dry“ des Bestsellerautors Neal Shusterman und seinem Sohn Jarrod ist eine aufrüttelnde Dystopie über die Auswirkungen einer plötzlichen Wasserknappheit, die vor der aktuellen Problematik des Klimawandels und sich häufender Naturkatastrophen erschreckend realitätsnah und gar nicht so weit hergeholt klingt. In ihrer erschütternden Überlebensgeschichte beschreibt das Autorenduo sehr anschaulich, wie sich durch den Ausnahmezustand der soziale Zusammenhalt zwischen den Menschen schlagartig wandelt, jegliche Hemmschwellen fallen und wozu die Menschen angesichts beschränkter Überlebenschancen fähig werden. Eine sehr beklemmende Thematik, die die Autoren äußert überzeugend umgesetzt haben. Hautnah erleben wir eine ganze Bandbreite an glaubhaften Szenarien und möglichen Verhaltensweisen mit, wenn trinkbares Wasser zum kostbarsten, weil überlebensnotwendigen Gut wird – von der nur noch auf den engsten Familienkreis beschränkten Hilfsbereitschaft und Solidarität oder kurzfristigen Zweckgemeinschaften, bis zum Einsetzen eines erschreckenden Werteverfalls, aber auch zu erstaunlichen, unter der Oberfläche schlummernden Kräften und dem Erfindungsreichtum der Menschen.
„Eine Katastrophe ist eine Sache, Unruhen eine andere, aber die komplette Auflösung der Gesellschaft? Ist es das, was wir gerade erleben? In meinem Kopf kreisen postapokalyptische Visionen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie real werden könnten… .“
Die Geschichte wird abwechselnd aus den unterschiedlichen Perspektiven einer zusammengewürfelten Gruppe von Jugendlichen erzählt, in deren Mittelpunkt die Protagonisten Alyssa, ihr jüngeren Bruder Garett und ihr Nachbar Kelton stehen sowie die später noch hinzukommende Jaqui und Henry. Ich konnte mich sehr gut in ihre verzweifelte Lage und ihre Beweggründe hineinversetzen und ihre Entwicklung im Laufe der Handlung nachvollziehen. Sehr schnell beginnt man mit ihnen mit zu fiebern und stellt sich unwillkürlich die Frage, wie man sich selbst verhalten hätte, wie man den sogenannten „Wasserzombies“ begegnet wäre und welche grenzwertige Entscheidung man mitgetragen hätte. Gebannt verfolgt man den sehr authentisch und eindringlich geschilderten Ereignissen und unberechenbaren Extremsituationen, denen sie während ihrer nervenaufreibenden Suche nach Trinkwasser immer wieder ausgesetzt sind. Mit immer neuen Überraschungsmomenten zieht die Spannung stetig an und die Geschichte gipfelt in einem absolut packenden Finale. Über das Ende kann man zwar geteilter Meinung sein und auch die ein oder andere unlogische Entwicklung bemängeln, doch insgesamt ist „Dry“ ein wirklich packender und nachdenklich stimmender Roman.

MEIN FAZIT
Eine sehr realitätsnahe Dystopie und überzeugend umgesetzte Überlebensgeschichte, die nicht nur jugendliche Leser packen kann! Beklemmend, aufrüttelnd, fesselnd – lesensw

Bewertung vom 04.03.2019
Ein wirklich erstaunliches Ding
Green, Hank

Ein wirklich erstaunliches Ding


sehr gut

Eine wirklich abgedrehte Geschichte
Was mit einer verrückten, nächtlichen Aktion beginnt, wird auf einen Schlag das Leben der 23-jährigen Graphikdesignerin April May unwiderruflich verändern. Als sie um drei Uhr in der Nacht die mysteriöse Skulptur eines gigantischen Roboters mitten in Manhattan entdeckt, tauft sie ihn scherzhaft »Carl« und lässt sich von ihrem besten Freund Andy vor dem drei Meter großen Monstrum filmen. Noch in der Nacht laden sie das kurze Video auf YouTube hoch und ahnen nicht, dass weltweit in weiteren Städten wie Bejing oder Buenos Aires identische Carl-Skulpturen aufgetaucht sind. Millionenfach verbreitet sich der Film von April im Netz und sie ist plötzlich als angesagte “Carl”-Expertin ein Star in den sozialen Netzwerken und internationalen Medien. Eine weltweite Hysterie um das rätselhafte Erscheinen der Carls von ungewisser Herkunft bricht aus und April genießt es, im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stehen und sich mit ihrer Carl-Story zu vermarkten. Doch neben den millionenfachen Likes, werden bald auch andere Stimmen laut ...
„Hank“ Green ist ein äußerst populärer US-amerikanischer Videoblogger, Musiker, Podcaster und nun auch Debüt-Autor. Mit Erscheinen seines ersten Romans „Ein wirklich erstaunliches Ding“ scheint er in die Fußstapfen seines gefeierter Bruders und Jugendbuchautors John Green treten zu wollen. „Ich hatte so etwas wie das hier vorher noch nie gemacht, weshalb es allein schon ein kleines Abenteuer war, herauszufinden, ob es ich dazu überhaupt in der Lage bin.“ schreibt Hank Green in seinem Nachwort.
Wer die täglichen Videoblogs der beiden Brüder von ihrem YouTube-Kanal Vlogbrothers kennt, weiß, dass sie eine sehr spezielle Art haben, ihre Botschaften in ihrer Nerdfighter-Community zu verbreiten. So ist es natürlich klar, dass Green einen außergewöhnlich frischen und frechen Schreibstil mit vielen Begriffen aus der Jugendsprache verwendet, der hervorragend zu den jungen Hauptfiguren passt und sehr authentisch rüberkommt. Seine fesselnde, futuristische Geschichte ist äußerst witzig, nerdy, skurril und vor allem sehr originell. Mich konnte Green mit seinem Humor und ironischen Stil von der ersten Seite an überzeugen.
In seinem oft überdrehten Roman greift Green eine eigentlich sehr ernste Hintergrundthematik auf, die zum Nachdenken anregt. So zeigt er sehr anschaulich die negativen Auswirkungen von Ruhm im digitalen Zeitalter und die Macht von sozialen Medien auf jeden einzelnen und die Gesellschaft. Neben der unglaublichen Selbstverliebtheit und Geltungssucht vieler “Internet-Berühmtheiten” thematisiert er auch sehr gelungen den ungeheuren Einfluss von Trollen und den schwierigen Umgang mit ihnen. Als YouTube-Shooting Star weiß Green sicher sehr gut, worüber er hier schreibt und vieles selbst erlebt.
Mit April May hat er eine sehr lebendige, schillernde und ziemlich ambivalente Protagonistin geschaffen. Sie wirkt zwar mit ihren lockeren Sprüchen sehr witzig, cool und sympathisch, aber mit ihrem unreflektierten Handeln oft auch unglaublich arrogant und selbstsüchtig. Durch ihre Popularität in den sozialen Medien und plötzlichem Reichtum ist April May immer mehr einem ungeheuren Erfolgsdruck ausgesetzt, der sich auf ihre Beziehungen, ihr Selbstbild und ihr ganzes Leben auswirkt und sie immer mehr verändert. Geschrieben in der Ich-Form können wir ihre Veränderungen hautnah aus ihrer Perspektive miterleben. April Mays ganzes Leben dreht sich nur noch darum, wie sie sich am besten präsentieren und vermarkten kann, um ihre Follower bei der Stange zu halten.
Wer nun neugierig ist, was es mit diesen „Carls“ auf sich hat, wer dahinter steckt und wie sich die rasante, fesselnde Suche April Mays nach den Zielen der „Carls“ weiterentwickeln wird, der sollte unbedingt dieses Buch lesen.
MEIN FAZIT
Ein unterhaltsamer, ziemlich abgedrehter aber auch tiefgründiger Roman für Jugendliche ab 16 Jahren, der zum Nachdenken über die Auswüchse unseres digitalen Zeitalters anregt!

Bewertung vom 04.03.2019
I can see U
Morgenroth, Matthias

I can see U


sehr gut

Fesselndes Jugendbuch
Als Ben in der 10. Klasse von Marie auftaucht, fühlt sie sich sofort zu dem netten, gutaussehenden Neuen hingezogen. Schon bald ist der faszinierende Mitschüler bei allen in der Klasse sehr beliebt. Kaum zu glauben, dass er die eher unscheinbare Marie überhaupt wahrnimmt und Zeit mit ihr verbringen möchte. Sie schwebt auf Wolke Sieben, denn fast scheint er sogar ihre geheimsten Wünsche erraten zu können. Doch plötzlich ereignen sich seltsame Dinge, die die Klassengemeinschaft auf eine harte Probe stellen und Unfrieden schüren. Im Klassenchat werden anonym Fake-Fotos von Marie und ihrer besten Freundin Elli und Geheimnisse von Mitschülern verbreitet, andere erhalten von einem Lieferservice Sachen zugesendet, von denen kurz zuvor in der Klasse geredet wurde.
Wer kann nur dahinterstecken? Was hat dies alles mit den Umbauarbeiten in der Schule und Bens manchmal etwas merkwürdigem Verhalten zu tun?
Langsam werden Marie und ihre Freunde misstrauisch und vermuten schließlich, dass sich etwas Größeres hinter den unerklärlichen Geschehnissen verbirgt. Doch wird es ihnen gelingen, den Hintergründen auf die Spur zu kommen?

Schon seit vielen Jahren schreibt der deutsche Journalist Matthias Morgenroth neben seiner Arbeit als TV- und Radioredakteur beim Bayerischen Rundfunk Kinderbücher und Sachbücher für Erwachsene.
Mit “I can see U” hat er nun seinen ersten Jugendroman vorgelegt, der sich hochaktuellen Themen wie Cybermobbing, mangelnder Medienkompetenz, den Gefahren der Social Media und den Risiken der Digitalen Welt beschäftigt und sich vor allem an jüngere Jugendliche ab 12 Jahren richtet.
Das eigentlich nicht sehr auffällige Cover in Schwarz-Weiss passt sehr gut zur Geschichte und zeigt das nahezu perfekte Gesicht des rätselhaften neuen Mitschülers Ben, der mich mit seinem intensiven, unergründlichen und fast unheimlichen Blick auf Anhieb gefesselt und auch die etwas naive, unscheinbare Ich-Erzählerin und Hauptfigur Marie nicht mehr losgelassen hat. Sehr fesselnd ist es, gemeinsam mit Marie auf das Geheimnis hinter dem so perfekt scheinenden Ben zu kommen und seine Rolle im Laufe der Handlung schrittweise zu ergründen.
“Er ist eben ein Individuum. Ich seufzte. Er war schon etwas merkwürdig. Aber Menschen sind ja grundsätzlich etwas merkwürdig. Es hat doch jeder seine Macken. Oder?« Schon bald nach Bens Auftauchen wird klar, dass hier einiges nicht stimmt und nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. »Wir schwiegen und lauschten dem Gedanken nach, der über uns kreiste. Es ging nicht mehr nur um eine Hirn-Schnittstelle. Es ging nicht mehr nur darum, dass Ben kein Handy benutzte, dass er uns ausspioniert und Dinge an irgendwen weitergegeben hatte. Plötzlich ging es um mehr. Um etwas wirklich Großes. So groß, dass wir es kaum zu denken vermochten.«
Morgenroth hat sich eine etwas mysteriöse, sehr spannende Geschichte ausgedacht, die zwar erst etwas schleppend in Gang kommt, sich dann aber immer mehr zu einem packenden Jugendthriller entwickelt, dem man nicht mehr aus der Hand legen kann. Der flotte, jugendliche Schreibstil mit viel wörtlicher Rede, eingefügten E-Mails und Chatverläufen lässt sich sehr angenehm lesen.
Sehr eindringlich und anschaulich zeigt der Autor in seiner Geschichte auf, mit welcher Sorglosigkeit, die meisten Leute mit den neuen Medien umgehen, welche ungeahnten Gefahren von ihren ausgehen und wie leicht wir von anderen unbewusst manipuliert werden können. Hierbei geht er sogar noch einen Schritt weiter und beleuchtet einige beängstigende Aspekte, die in naher Zukunft vielleicht schon denkbar sind und unser Leben grundlegend verändern werden.

MEIN FAZIT
Ein wirklich fesselndes Jugendbuch, das wichtige und sehr beklemmende Themen anspricht, zum Nachdenken anregt und uns in einigen Bereichen vielleicht auch zum Umdenken und bewussteren Umgang mit neuen Medien bringt. Lesenswert!

Bewertung vom 04.03.2019
Fünf Tage im Mai
Hager, Elisabeth R.

Fünf Tage im Mai


ausgezeichnet

Lesenswerter Roman
Sie sind ein ungleiches, aber eingeschworenes Team: die junge, clevere und ungestüme Illy und ihr etwas brummeliger Urgroßvater Korbinian, der von Illy auch liebevoll Tat'ka genannt wird. Fast der älteste Mann im Dorf, eine glühender Anhänger der untergegangenen K.u.K.-Monarchie, in Traditionen verhaftet und ein Auslaufmodell wird er von vielen gemieden. Ihre Freizeit verbringt Illy dennoch am liebsten in Uropas Fassbinder-Werkstatt oder bei Spritztouren auf Tat'kas Moped, denn immer hat er ein offenes Ohr für sie, erzählt spannende Geschichten und geht mit ihr durch Dick und Dünn. Gemeinsam durchleben sie so manche peinliche Momente, glückliche, unbeschwerte aber auch schicksalhafte Tage ...
Eben diese “Fünf Tage im Mai” über einen Zeitraum von fast 20 Jahren sind es, in denen die in Berlin lebende österreichische Autorin Elisabeth R. Hager ihre wundervolle, sehr berührende Geschichte über die außergewöhnliche Freundschaft zwischen Illy und ihrem Uropa erzählt. Fünf kurze Episoden aus Illys Leben sind es nur und dennoch hat man am Ende dieser ausgewählten, konsequenzenreichen Momentaufnahmen das Gefühl, die beiden Charaktere gut zu kennen und sie fast ihr ganzes Leben lang begleitet zu haben.
Warmherzig, humorvoll und mit einer schönen Leichtigkeit erzählt die Autorin vom Alltag und der Enge im kleinen Tiroler Bergdorf und lässt uns Anteil haben an der ganz besonders innigen Beziehung von Illy zu ihrem Urgroßvater, die ihr Leben stark geprägt hat. Es ist eine ganz besondere, lebendige und sehr glaubwürdig beschriebene Freundschaft mit Höhen und Tiefen, die wir in den Geschichten erleben. Sie erzählen von folgenschweren Entscheidungen, herben Verlusten und Schuld aber auch von Verantwortungsgefühl und selbstlosem Handeln. Neben großer Vertrautheit und Zusammenhalt umfasst ihre sich wandelnde Beziehung auch Phasen der Entfremdung und des Sich-Verlierens bis hin zum Annähern und Sich-Wiederfindens. Doch bleibt ein starkes, generationenübergreifendes Band zwischen den beiden und eine einzigartige wundervoll heilsame Liebe füreinander.
MEIN FAZIT
Eine tolle, tiefgründige und brillant geschriebene Geschichte, die noch lange nachwirkt. Sehr lesenswert!