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Benutzername: Archer
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Bewertungen

Insgesamt 182 Bewertungen
Bewertung vom 07.10.2019
Wisting und der Tag der Vermissten / William Wisting Bd.1
Horst, Jørn Lier

Wisting und der Tag der Vermissten / William Wisting Bd.1


sehr gut

Seit vierundzwanzig Jahren hat Kommissar Wisting ein Ritual: Am Vorabend eines alten Falles - des Verschwinden der Katharina Haugen - holt er sich die Fallakten hervor und geht sie wieder und wieder durch in der Hoffnung, etwas zu finden, das er all die Zeit übersehen hat. Am nächsten Tag fährt er zu Martin Haugen, dem Ehemann, zu dem er im Laufe der Jahre fast so etwas wie eine Freundschaft aufgebaut hat und verbringt Zeit mit ihm. Doch dieses Jahr ist alles anders. Zuerst ist Martin nicht da, was noch nie vorgekommen ist. Dann taucht ein Kommissar aus Oslo auf, der einer Cold-Case-Gruppe angehört. Er bearbeitet einen anderen Fall, hat dort aber einen Verdächtigen: Martin Haugen. Auch damals ist ein Mädchen verschwunden - können diese beiden Fälle zusammengehören? Die beiden Ermittler schmieden einen Plan, um diese kalten Spuren wieder heiß werden zu lassen.

Was haben wir hier? Zumindest solide Polizeiarbeit, keine Wild-West-Schießereien und ein bisschen Lokalkolorit und Einblick ins Journalisten- und Kommissarenleben. Ansonsten ist es eher ein ruhiger Krimi, so bedächtig wie Wistling selbst. Es wird viel Wert darauf gelegt, die vorhandenen Beweise immer wieder durchzugehen, nur von verschiedenen Leuten. Für den Leser ist das nicht immer spannend, die typisch skandinavischen Längen muss man also ertragen können. Auch dass es beim Kommissar ein Familienleben gibt, muss man mitnehmen. Wenigstens ist es eine intakte Familie, kein sinnlos gebrochener, versoffener Ermittler. Also Fazit: Eher für die Ruhigen unter uns, die auch beim dritten Mal Aufrollen der Fakten noch Geduld beweisen können. Dafür wird man am Schluss mit einem dezent bedrohlichen Abschluss belohnt und dem Wissen, dass der Kommissar aus Oslo nicht das letzte Mal aufgetaucht ist. 3,5/5 Punkten.

Bewertung vom 27.09.2019
Jack, der Monsterschreck, und die Zombie-Apokalypse / Jack, der Monsterschreck Bd.1
Brallier, Max

Jack, der Monsterschreck, und die Zombie-Apokalypse / Jack, der Monsterschreck Bd.1


sehr gut

Jack ist ein Waisenjunge, der von Familie zu Familie gereicht wird und nirgendwo heimisch ist. Doch in dieser Stadt hier hat er zum ersten Mal einen echten Freund gefunden, Quint. Das ist auch ganz gut so, denn gegen den Rowdy Dirk kann man kaum allein bestehen. Das alles wird hinfällig, als plötzlich alle zu Zombies werden - und als wäre das nicht genug, tauchen auch noch schreckliche Monster auf. Jack, der gerade mal dreizehn ist, muss sich eine Weile allein durchschlagen und er hat dafür einige gute Strategien entwickelt. Zum Glück wird er mit seinem Freund wiedervereint, der Rowdy Dirk entpuppt sich als mega Verbündeter - und dann ist da noch Jacks heimliche Liebe, die er unbedingt retten muss ...

Obwohl ich gerne Comics, Mangas und Graphic Novels lese, muss ich zugeben, dass ich ein wenig Einstiegsprobleme in dieses Buch hatte. Es war manchmal gar zu übertrieben, was bestimmt lustig sein sollte, mir aber eher auf die Nerven ging. Nach einer Weile legte sich das aber und es wurde zu einer unterhaltsamen Geschichte, die mich einige Male zum Lachen brachte. Wenn man nicht allzu genau darüber nachdenkt, warum plötzlich überhaupt keine Erwachsenen mehr vorhanden sind und wie zum Beispiel Jacks Freundin überleben konnte, wenn sie das Schulgebäude lediglich ein einziges Mal innerhalb von Monaten verlassen hat, um Nahrung zu suchen, dann ist das ein toller Auftakt einer Reihe, die ich gern weiterverfolgen werde.

Bewertung vom 25.09.2019
Jane Austen
Sánchez Vegara, Isabel

Jane Austen


sehr gut

Im Jahre 1775 wird ein Kind geboren, dessen Name auch heute noch bekannt ist: Jane, aus der Familie Austen. Sie ist die Zweitjüngste, hat noch sechs Brüder und eine Schwester, Cassandra, die sie sehr mag. Ihre Familie war für die damalige Zeit sehr fortschrittlich: Obwohl Mädchen eigentlich nichts anderes machen sollten als sich darauf vorzubereiten, eine gute Ehefrau zu werden, werden die beiden Mädchen unterrichtet und Janes Freude am Schreiben und Lesen unterstützt. Schon früh schreibt sie Theaterstücke, die sie dann für die Familie aufführt und einige Erlebnisse aus ihrem eigenen Leben finden sich dann später in ihren Büchern wieder ...

Ich stehe ja total auf gute, kindgerechte Sachbücher, aber dieses ist wirklich das Erste, das eine Biographie enthält. Die Zeichnungen, gerade auf den ersten Seiten, entführen direkt in die Filme "Stolz und Vorurteil" oder "Sinn und Sinnlichkeit". Trotzdem wurden sie sehr kindlich umgesetzt, sodass auch Kleinere ihren Spaß haben dürften und gern auf Entdeckungsreise gehen. Wie sahen früher die Sachen aus? Wie lebten diese Menschen? Ich glaube schon, dass das die Neugier weckt. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich trotzdem: Ich finde die Informationen, auch wenn es für Kinder ist, ein bisschen zu knapp gehalten, ein paar Seiten mehr hätten es gern werden dürfen. Trotzdem ist diese Reihe eine tolle Sache und ich werde mir auch die weiteren Bücher einmal näher ansehen.

Bewertung vom 24.09.2019
Das letzte Dornröschen / Märchenfluch Bd.1
Siegmann, Claudia

Das letzte Dornröschen / Märchenfluch Bd.1


sehr gut

Flora ist Halbwaise, aber ansonsten ein ganz normales Mädchen, das mit ihrer Mutter in relativ ärmlichen Verhältnissen lebt. Eines Tages erhält sie einen seltsamen Brief, der sie auffordert, sich in einer Mühle zwecks einer Art Praktikum zu melden. Als sie dort ankommt, teilt man ihr mit, dass sie einer Märchenlinie entstammt, die man für ausgestorben hielt - den Dornröschen. Nach anfänglichem Unglauben akzeptiert Flora ihre Herkunft und wird zu einer Fabula. Diese sind dafür verantwortlich, schwarzmagische Artefakte aufzuspüren und vor normalen Menschen in Sicherheit zu bringen, damit diese nicht daran sterben. Noch während sie sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden versucht, ist jemand auf der Jagd nach älteren Damen, die auch nicht sind, was sie scheinen und plötzlich befinden sich Flora und ihre neuen Freunde in höchster Gefahr.

Das Buch hat sich mordsmäßig schnell lesen lassen und war unterhaltsam. Ohne die üblichen Klischees - wunderschöne Mädchen, mega gut aussehende, heldenhafte Jungs - und das prompte Dahinschmelzen beim Anblick eines bestimmten love interests hätte es sogar ganz großes Kino werden können. Tatsächlich haben mich diese Klischees weniger gestört als dieses kategorische "Du musst hier die nächsten Jahre bei uns arbeiten, ob du willst oder nicht, auch wenn du eh nicht geeignet bist". Ach ja? So schnell hätten die gar nicht gucken können, wie ich da wieder weg gewesen wäre. Was sollten die denn machen? Das Mädchen entführen? Einsperren? Zum Tode verurteilen? Wäre interessant gewesen zu erfahren, wie sie das in der Zeit von Überwachungskameras und Drohnen durchziehen, Magie hin oder her. Überhaupt hätte ich gern mehr über die Magie erfahren. Und mir kam Flora manchmal arg langsam im Denken vor - gefühlte hundert Stunden lang spricht sie mit ihren neuen Freunden über die Gefahren der schwarzmagischen Artefakte, sieht aber nicht, was direkt vor ihrer Nase liegt. Mehrmals. So was stört mich, besonders wenn eine Protagonistin als sehr schlau beschrieben wird. Trotzdem wird es bei den Jugendlichen sehr gut ankommen und auch ich werde die Nachfolger lesen, denn wie anfangs erwähnt: Es war sehr unterhaltsam. 3,5/5 Punkten.

Bewertung vom 13.09.2019
Green Witch
Russo, Andrea

Green Witch


sehr gut

Elisabeth „Lizzie“ Vermeer ist ein ganz normales Mädchen, abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass sie eine Hexe ist. Oder aus einer Hexenfamilie stammt. An ihrem 12. Geburtstag wird von den Hexen ihrer Familie entschieden, wer sie ausbilden soll, und es gibt gleich zwei Bewerber dafür: Camilla, die Kräuterhexe und Ava, die Wasserhexe. Mit einem nicht ganz sauberen Trick gewinnt Camilla den kleinen Wettstreit und Elisabeth fährt bereits in der folgenden Woche zu ihr, um die ersten Schritte auf ihrem Weg zu einer echten Hexe zu machen. Zum Glück ist ihre beste Freundin Stina dabei, die als „Muggel“ allerdings nicht wissen darf, es mit Hexen zu tun zu haben. Doch dann geschieht etwas Furchtbares mit Camilla und Lizzie hat mit Stina und dem jungen Fuchswandler Tim alle Hände voll zu tun, um das Unheil abzuwenden.

Das war insgesamt gesehen eine nette Kindergeschichte. Ab und zu kamen mir die Lösungen der Probleme zu einfach vor, da hätte ich mir mehr Spannung gewünscht. Aber andererseits ist es ein Kinderbuch, zu viel Grusel oder Spannung wäre möglicherweise too much. Was mir gut gefiel, war nicht nur die dicke Freundschaft zwischen den beiden Mädchen, sondern auch die Tatsache, dass hier mal als Hexenhaustier nicht die übliche Katze oder Eule angebracht wurde. Im Gegenteil – Lizzie bekommt eine große, dicke Vogelspinne. Für viele Erwachsene vielleicht ein No-Go, und ich gebe zu, auch mir lief das eine oder andere Mal eine Gänsehaut über den Rücken, aber trotzdem finde ich das richtig gut. Hier werden Spinnen nicht verteufelt, sondern sich ihnen genähert, sie als das beschrieben, was sie sind: nützlich. Ich fürchte zwar, dass viele Leute dafür das Buch abwerten werden, von mir bekommt es dafür Bonuspunkte.

Bewertung vom 26.08.2019
Von Sternen gekrönt / One True Queen Bd.1
Benkau, Jennifer

Von Sternen gekrönt / One True Queen Bd.1


sehr gut

Mailin ist siebzehn, lebt in einem kleinen Nest in Irland und könnte ein ganz normales Mädchen sein. Doch ihre Schwester Vicky liegt seit sieben Jahren im Wachkoma, ihre Mutter ist alleinerziehend und weiß kaum, wie sie sich, ihre beiden Töchter und eine Pflegerin für Vicky finanzieren soll. Einzig Kendo kann Mailin auf andere Gedanken bringen. Doch eines Tages, nach einem harten Training im Dojo, wird es ihr schwarz vor Augen, und als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich weder in Irland noch in irgendeiner Gegend, die sie kennt. Vor allem ist sie sofort in Gefahr, gefressen oder erwürgt zu werden von diversen Tieren und Pflanzen. In dieser Situation hilft ihr ein Fremder, wenn auch unwillig. Genauso unwillig begleitet dieser Fremde, den sie Peter nennt, in die Hauptstadt dieses seltsamen Landes, bevor er verschwindet. Mailin wird gefangen genommen und erkennt schnell: Sie soll die nächste Königin werden, doch Königinnen werden hier nicht alt ...

Bei diesem Buch war ich ständig hin- und hergerissen. Einerseits ist es schon teilweise sehr originell: Die Ausgangslage, diverse Situationen, Gefahren oder auch diese Gesellschaft in Skye. Andererseits dürfen natürlich die üblichen Klischees nicht fehlen: Wunderschöne, geheimnisvolle Typen, die das Mädchen erst mal wie Dreck unter ihren Fußsohlen behandeln, sofortiges Verfallen in tiefste Liebe, eine Art Liebesdreieck ist auch noch vorhanden. Die Leute sind mir auch alle zu perfekt, als dass ich wirklich mitfühlen könnte, sodass mir manchmal die Spannung fehlte. Auch fehlte mir im Endeffekt eine Erklärung, wie das Ganze funktioniert. Trotzdem ließ sich das Buch schnell lesen, was dem guten Schreibstil der Autorin zu verdanken ist. Vielleicht hätte ich es auch besser gefunden, wenn ich nicht in letzter Zeit Jugendbücher gelesen hätte, die wirklich einfach nur genial waren und es natürlich für andere schwer wird, da ranzukommen. Ich vergebe mal wohlwollend vier Punkte und warte noch den nächsten Teil ab, bevor ich ein endgültiges Urteil fälle.

Bewertung vom 04.08.2019
Der Kastanienmann
Sveistrup, Søren

Der Kastanienmann


gut

Eine Frau wird im Garten ihres Hauses brutal gefoltert und dann umgebracht. Eine weitere Frau stirbt auf ähnlich grauenhafte Weise. Die Frauen scheint nichts zu verbinden - außer ein Kastanienmännchen, das bei jeder in der Nähe aufgehängt wird. Thulin, die viel lieber beim Dezernat für Cyberkriminalität arbeiten würde und Hess, der geschasste Europol-Bulle, müssen auf Hochtouren ermitteln, denn eines scheint klar: Hier ist ein Serienmörder am Werk. Doch obwohl es ihnen gelingt, sowohl eine dritte gefährdete Frau in ein sicheres Haus zu bringen, und dem Täter eine Falle zu stellen, scheint ihnen dieser immer einen Schritt voraus zu sein. Und was hat das alles mit der Sozialministerin und deren vor einem Jahr ermordete Tochter zu tun, deren Fingerabdrücke auf den Kastanienmännchen gefunden werden?

Ich fand den Prolog sehr, sehr cool, auch den Anfang des Buches, obwohl der Schreibstil ernsthaft fast genauso grauenhaft ist wie die beschriebenen Morde. Dieses ständige Hin- und Herwechseln zwischen Präsens und Präteritum hat mich ständig aus dem Lesefluss gebracht. Kann sein, dass der Autor ein guter Drehbuchschreiber ist, vom Handwerk des guten literarischen Buches ist er noch meilenweit entfernt. Ab einem gewissen Zeitpunkt nervte mich auch die absolute Omnipotenz des Mörders, der Sachen voraussehen und wissen konnte, die nicht einmal mit seinen Fähigkeiten erklärbar waren. Was mir auch immer wieder bei skandinavischen Büchern auffällt ist, dass scheinbar mindestens zwei Drittel aller vorkommenden Personen eigentlich ständig an Sex denkt, und das selten auf eine sympathische Weise. Ich fand das Buch zu lang - nicht wirklich langweilig, aber gelegentlich langatmig - und verstehe den Hype, der scheinbar in Dänemark darum gemacht wird, nicht.

Bewertung vom 30.07.2019
Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast / Die Spiegelreisende Bd.2
Dabos, Christelle

Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast / Die Spiegelreisende Bd.2


sehr gut

Die graue Maus und der Todesser-Buchhalter, Teil 2.
Vorneweg: Ich konnte diese Lektüre bedeutend mehr genießen als den ersten Teil, was mehrere Gründe hat. Erstens hatte ich keine Erwartungen mehr in Richtung Harry Potter, was das Eintauchen in diese Welt erleichterte, zweitens fing auch die Autorin an, sich in ihrer Welt zurechtzufinden, was sich noch einmal auf ihren ohnehin guten Schreibstil auswirkte.

Zur Geschichte: Ophelia hat die erste Zeit in Todesser-Land überlebt und es sogar an den Mondscheinpalast geschafft. Mehr oder weniger durch Zufall stolpert sie in die Rolle der Geschichtenerzählerin, auch wenn ihre Geschichten Faruk, dem Familiengeist, nicht immer behagen. Doch zumindest lassen sie ihn manchmal ein bisschen munterer werden und reißen ihn aus seiner Lethargie. Somit stehen Ophelia und ihre Familie unter seinem Schutz und es wagt kaum noch jemand, ihr mehr als böse Blicke zuzuwerfen. Doch dann kommen Drohbriefe an, die im Namen eines ominösen Gottes unterschrieben wurden. Als wäre das nicht genug, verschwinden wichtige Persönlichkeiten der Arche Pol, unter anderem auch Ophelias Fast-Freund Archie, der Botschafter. Ausgerechnet sie bekommt von Faruk den Auftrag, die Verschwundenen zu finden.

In diesem zweiten Band bekommt man nicht nur Einblick in die tollpatschige Ophelia, man lernt endlich auch mal Thorn ein bisschen besser kennen und vermutet tatsächlich bereits vor der Heldin, welche Beweggründe welche Taten seinerseits auslösen. Seine Motivation für das, was am Schluss passiert, finde ich trotzdem irgendwie ein wenig weit hergeholt, aber gut. Er hat ja eh keine Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, schwierig, bei seinem autistischen Verhalten. Mir gefiel die Entwicklung, die in diesem Buch durchgemacht wurde bis auf wenige Ausnahmen wie zum Beispiel Berenilde, die plötzlich beinahe die Lieblingstante von Ophelia wird; nachdem, wie sie sie im ersten Teil behandelt hat, kam mir das ein bisschen plötzlich. Doch auch zu dem Hintergrund des Familiengeistes erhielt man Aufschlüsse, wenn sie auch mehr Fragen als Antworten aufwarfen. Und ich frage mich immer wieder, wie er es schafft, mit Frauen zu schlafen und ihnen Kinder zu machen - es muss sich um eine langwierige, wenn nicht sogar langweilige Geschichte handeln. Wie auch immer. Es endet mit einem spannenden Cliffhanger und macht tatsächlich neugierig auf den dritten Teil.

Bewertung vom 13.07.2019
Die geheime Mission des Kardinals
Schami, Rafik

Die geheime Mission des Kardinals


gut

2010. Der italienischen Botschaft in Damaskus/Syrien wird ein großes Ölfass geliefert. Im Inneren jedoch nicht nur Öl, sondern auch eine Leiche - die eines italienischen Kardinals. Das birgt in jede Richtung Zündstoff. Nicht nur die syrischen Beziehungen nach Italien, sondern auch zum Vatikan könnten irreparabel vernichtet werden. Gleichzeitig jedoch darf, egal, wer der oder die Täter sind, kein hochrangiges Mitglied der Regierung oder des Machthabers verwickelt werden. Kommissar Barudi, kurz vor der Pension, erhält seinen letzten Fall. Ihm zur Seite gesellt sich der italienische Kommissar Mancini. Bald geraten beide von allen Seiten in Lebensgefahr - was eigentlich nur die normalen Lebensumstände in Syrien darstellt.

Nach der Leseprobe war ich begeistert. Obwohl es eine behäbige, ruhige Erzählweise ist, hatte es eher eine entschleunigte Wirkung auf mich statt eine langweilende. Vielleicht, weil es sich weniger um einen Krimi als eine syrische Milleustudie handelt. Doch mit dem Fortschreiten der Geschichte wurde selbige auch zäher, es kam zu vielen Wiederholungen. Dazu passten für mich einige Dinge nicht so richtig. Einerseits sind sich alle bewusst, dass sie bespitzelt werden und ein falsches Wort ihren Kopf kosten könnte, andererseits sieht Barudi den Italiener kaum das erste Mal, schon sind sie beste Freunde, die sich ihre tiefsten Geheimnisse anvertrauen. Nicht zu vergessen einige seltsame Zufälle wie mit der Bekanntschaft zu dem islamischen Terroristen oder die eher plumpe Auflösung des Falles, die ich nicht sonderlich zufriedenstellend fand. Bleibt mir nur, das Fazit zu ziehen, dass es sich hiierbei um eine interessante Geschichtslektüre in Bezug auf Syrien handelt, aber um keinen besonders raffinierten Kriminalfall.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.07.2019
Das Kochbuch zum Intervallfasten
Bracht, Petra; Flatt, Mira

Das Kochbuch zum Intervallfasten


gut

Intervallfasten ist in aller Munde. Schon allein bei dem Begriff gibt es verschiedene Methoden, das 1/1 (einen Tag essen, einen Tag fasten), das 5/2 (zwei Tage die Woche fasten, den Rest normal essen) oder eben auch das 16/8 Intervall (man darf jeden Tag essen in einem Zeitfenster von höchstens acht Stunden, während man 16 Stunden fastet.

Nun denn, das wollte ich ausprobieren, das habe ich die letzten drei Wochen ausprobiert.

Zum Theorieteil:
Es wird recht einfach und ausführlich erklärt, dass durch gesundes Essen, bevorzugt pflanzenbezogen, und regelmäßiges Fasten nicht nur der Gesundheit Gutes getan wird, sondern man sogar verschiedene Krankheiten heilen oder wenigstens eindämmen kann. Diese Aussagen kann ich nicht beurteilen, da ich pumperlg'sund bin, wie man in Bayern sagt.
Weiterhin wird behauptet, man nehme ab, ohne auf Kohlenhydrate verzichten zu müssen und/oder halte sein Gewicht.

Zur Praxis:
Tatsächlich habe ich in den letzten Wochen etwa drei Kilo verloren. Die Frage ist nun: Kam das wirklich vom Fasten oder weil einfach die angegebenen Mengen der hier vorgestellten Rezepte unterhalb der Kalorienmenge lagen, die ich verbrauchte? Man muss nämlich auch wahrheitsgemäß feststellen, dass diese Mengen gerade für zwei Personen oftmals recht mager ausfallen.

Zur Kritik:
Einerseits ist das Buch ein guter Einstieg ins Intervallfasten. Man bekommt einfache Anleitungen und die vorgestellten Rezepte sind leicht herzustellen. Die Beschwerde einer Rezensentin, dass es eine Frechheit ist, nur vegetarische und/oder vegane Gerichte zu entdecken, kann ich nicht nachvollziehen. Beziehungsweise verstehe ich das Problem nicht.
Was ich jedoch genauso kritisieren muss, ist die Tatsache, dass wirklich viele exotische (auch teure) Zutaten verwendet werden und das teilweise in Kleinstmengen. Das bedeutet, die vorher so vollmundig angepriesenen regionalen Zutaten und die Zeiten, in denen sie reif sind und deren Nutzung wurden nicht so umgesetzt, wie ich es mir gewünscht hätte. Hier hätte deutlich mehr Augenmerk auf den ökologischen Fußabdruck gelegt werden müssen.

Fazit:
Man kann das Buch nutzen, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, sollte sich dann jedoch selbst tiefer mit der Materie beschäftigen, wenn man vorhat, das Intervallfasten durchzuziehen.