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Benutzername: yams


Bewertungen

Insgesamt 8 Bewertungen
Bewertung vom 24.09.2019
Du gehörst mir
Middendorp, Peter

Du gehörst mir


sehr gut

Ein beklemmender Blick auf die Menschen und das Tier in ihnen

Das Cover hat mich regelrecht angesprungen mit dem drohenden Titel in Weiß auf rotem Grund und den schwarzen Vögeln. Man weiß sofort: Das gibt nichts Gutes. Nun, das mag vielleicht von der erzählten Story her stimmen, mitnichten trifft es aber auf das Buch selbst zu. Das ist wirklich hervorragend.

Zuerst fiel mir der etwas eigenwillige Stil auf, an den ich mich schnell gewöhnt und ihn als äußerst passend zum Erzähler empfunden habe. Dann überrascht der Autor mit vielen so schonungslos treffenden Beobachtungen und gut gezeichneten Figuren, dass ich bald das Gefühl hatte, in diesem Familienkonstrukt mit am Tisch zu sitzen. Teils wirkt es humorig, oft aber auch einfach nur beklemmend wahr.

Für mich war es absolut fesselnd, dem Autor dabei zu folgen, wie er Schritt für Schritt das Innenleben seiner Figuren aufblättert. Es ist ziemlich schnell klar, was los ist. Hier kommt es nicht so sehr auf den Überraschungseffekt an. Aber diese mörderische Geschichte hat mich dennoch von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen. Gerade zum Ende hin entwickelt sich die Erkenntnis bis hin zum kalten Grauen, weil plötzlich all die kleinen Andeutungen zu entsetzlichen Möglichkeiten führen. Der Stil, die Ereignisse recht ungeordnet wie Puzzlestücke mal hier und da zusammenzubasteln, hat mir sehr gut gefallen. Genau das verlangt dem Leser aber auch eine gewisse Konzentration ab und führt wiederum dazu, dass man wirklich nah dabei ist.

Das Buch ist definitiv mehr als ein Krimi oder Thriller. Hier wird die Tat einsortiert ins gesellschaftliche und familiäre Beziehungsgeflecht. Und vielleicht macht genau das dieses Werk so beklemmend und verstörend, weil es nicht nur den Blick auf eine schreckliche Tat freilegt, sondern vielmehr auf ein Sammelsurium alltäglicher Kleinigkeiten, die insgesamt ebenso ihren Schrecken entfalten.

Den einen Stern Abzug gibt es, weil gegen Ende die Erzählstruktur in meinen Augen doch etwas sehr zerfasert und man nicht so wirklich einen Abschluss hat.

Bewertung vom 21.09.2019
R.I.P. / Kommissar Huldar Bd.3
Sigurdardóttir, Yrsa

R.I.P. / Kommissar Huldar Bd.3


sehr gut

Nicht ganz so starker dritter Band, aber immer noch sehr gut

Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen, da mich das Thema Mobbing in Zusammenhang mit einem Thriller gereizt hat. Da es sich bei R.I.P. um den dritten Band des Ermittlerduos Freyja und Huldar handelt, stand für mich fest, dass ich lieber ganz von vorn anfange. Nötig ist das allerdings nicht. Die Fälle sind in sich abgeschlossen und man erfährt auch in Band zwei und drei jeweils ein paar der zwischenmenschlichen Ereignisse von zuvor. Also die Bände lassen sich unabhängig voneinander lesen, ohne dass es Verständnisprobleme gibt. Die Passagen mit den kurzen Zusammenfassungen früherer Geschehnisse waren für mich natürlich nicht ganz so spannend, da ich mir die Bücher gleich hintereinander weg zu Gemüte geführt habe. Aber es stört auch nicht. Persönlich bin ich froh, dass ich trotz meiner Neugier auf R.I.P. doch lieber mit dem ersten Band angefangen habe. So hatte ich nicht das Gefühl, irgendwas vorher verpasst zu haben. Und mir sind die anderen beiden Fälle, die ich persönlich noch einen Tick besser finde, nicht durch die Lappen gegangen.

Das Ermittlerteam hat mir von Anfang an gut gefallen und auch deshalb finde ich es im Nachhinein gut, dass ich von vorn begonnen habe. Dadurch bekommt man als Leser dieses angenehme Gefühl, dass man die Figuren bereits kennt. Umso neugieriger ist man dann, was sich da noch ergibt. Allerdings stehen die Ermittlungen und die Morde natürlich im Vordergrund, wie es sich für einen Thriller gehört. Dennoch fügt sich das Privatleben der beiden gut mit ein.

Mir persönlich machen die isländischen Namen nichts aus, im Gegenteil. Ich muss allerdings zugeben, dass ich jetzt im dritten Band dann doch auch teilweise den Überblick verloren habe, wer nun genau wer ist. Sicherlich mit ein Grund, weshalb mir die Vorgänger doch etwas besser gefallen. Bei R.I.P. hatte ich gegen Ende das Gefühl, dass irgendwie die Luft raus war. Das war bei den ersten Fällen nicht so, bei denen mich die jeweilige Auflösung völlig gefesselt hat. Beim dritten Band habe ich dann geistig irgendwann abgeschaltet und fand es auch nicht mehr so wichtig, da noch mal die Namen zu sortieren. Das Buch ist gut, konnte mich nur nicht ganz so überzeugen wie die ersten Fälle. Ich habe es absolut gern gelesen, aber ich habe mit Abschluss des Lesens nicht diese Begeisterung gehabt, eher ein „passt schon“. Deshalb vergebe ich hier auch nicht die volle Punktzahl, obwohl ich klar eine Empfehlung ausspreche.

Fazit: Für Leute, die die ersten beiden Bände kennen, sicherlich ein Muss. Allen anderen würde ich empfehlen, die Reihe von vorn zu starten. Nicht, weil man es fürs Verständnis muss, sondern weil die Bücher einfach toll sind.

Bewertung vom 23.08.2019
Fünf Lieben lang
Aciman, André

Fünf Lieben lang


sehr gut

Eine poetische Reise durchs Liebesleben

Mir hat die Idee sehr gut gefallen, anhand der Lieben des Ich-Erzählers quasi dessen Lebensgeschichte zu erfahren. Vor allem hat mich der literarische Ton gleich von Beginn an überzeugt, welchen der Autor in diesem Buch anschlägt. Man bekommt ein herrliches Gefühl von Wehmut und Fernweh. Sicherlich liegt es auch daran, dass das erzählende Ich logischerweise mit der ersten Liebe beginnt. Ja, ich muss zugeben, dass es mich zunächst befremdet hat, als ich das Alter des Jungen erfuhr, der sich da in einen erwachsenen Mann verliebt. Genau das zeigt aber auch, dass der Autor einen ehrlichen, bisweilen gar schonungslosen Blick auf das Wesen der Liebe hat. So haftet allen Erzählungen in diesem Leben auch das Tragische an. Auf diese Weise bekommt das Buch etwas teils nüchtern Banales und zugleich auch berührend Wahrhaftiges.

Hervorzuheben sind die wirklich tollen Wendungen gerade in den ersten Geschichten. Bei der ersten Liebe hat mir zudem sehr gut gefallen, wie die Verliebtheit des Jungen mit der Familiengeschichte verknüpft wurde und das alles im Rückblick erzählt wurde, während der nunmehr erwachsene Mann auf den Spuren der Vergangenheit ins Dorf seiner Kindheit zurückkehrt. Für mich hatte dieser erste und wohl längste Erzählstrang die größte Wirkung. Gerade auch die Verstrickung, die der Ich-Erzähler und somit auch der Leser erst gegen Ende dieses Kapitels erfasst, hat das Buch zu einem lohnenden Lesevergnügen gemacht.

Leider muss ich sagen, dass für mich die Kraft des Buchs anschließend erst ein wenig, schließlich aber doch deutlicher nachgelassen hat. Ich habe diese begeisternden Pointen vermisst und persönlich konnte ich mit dem Upper-Class-Smalltalk nur wenig anfangen. Die Figuren sind weiterhin gut gezeichnet, aber ich selbst habe irgendwie den Kontakt zum Erzähler verloren. Dadurch ist es auf den letzten hundert Seiten für mich dann ein bisschen zäh geworden. Der letzte Clou am Schluss hat mir dennoch das Gefühl gegeben, dass es sich gelohnt hat. Wobei ich auch hier erwähnen will, dass die Beschreibung der On-off-Liebe gegen Ende und der verzweifelte Versuch, im Alter noch mal Liebe in der Jugend zu finden, ebenfalls gute Varianten des großen Themas sind. Es macht also durchaus Sinn, dass die Ruhe, die im Verlauf eines Lebens einkehrt, auch eine Entsprechung im Buch findet. Ich wollte das Werk jedenfalls zu keiner Zeit unbeendet weglegen.

Fazit: Eine poetische Biographie eines Liebenden in all seinen lyrischen Kapriolen und schonungslosen Selbstzweifeln.

Bewertung vom 28.07.2019
Verrückt nach Karten

Verrückt nach Karten


ausgezeichnet

Dieser Bildband lädt zum Träumen ein

Ein Bild- und Schmökerband für Kartenliebhaber. Nun ja, nicht mit irgendwelchen Karten, sondern mit atemberaubenden Fantasywelten. Wer kennt sie nicht, die teils rudimentären, aber manchmal auch sehr aufwändigen Karten am Anfang eines Schmökers. Noch bevor man mit dem Lesen beginnt, schaut man sich neugierig die Welt von oben an, in die man im Laufe der Seiten eintauchen wird. Und selbstverständlich geht die Fantasie auf Reise und manchmal malt man sich nicht nur mehr aus, als man vorfindet, sondern gleich seine ganz eigenen Welten.

In dem vorliegenden Band erhält man als interessierter Leser, Autor und Zeichner in den einzelnen Abschnitten Erklärungen zu den wundervollen Karten. Genau diese Einblicke in die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Karten machen den Reiz aus. Ich habe mich ganz nah dabei gefühlt und manches Mal dabei erwischt, wie ich schmunzelnd genickt habe. Nicht selten ist es ja so, dass man als Leser irgendwann selbst anfängt, Geschichten zu erspinnen und aufzuschreiben. Und so geht es sicher auch einigen mit den Karten. Es ist einfach verlockend, der jeweiligen Geschichte entweder für sich selbst zur Orientierung oder vielleicht auch mit professionellerem Anspruch für die möglichen Leser, Kartenmaterial zur Seite zu stellen.

Besonders gefällt mir an dem Buch, dass man Eindrücke von so vielen unterschiedlichen Zeichnern bekommt. Allen gemein ist dieser liebevolle Blick aufs Erschaffen ferner und fantastischer Welten. Zumindest ich war nicht nur neugierig dabei, sondern fühlte mich oft an eigene Träumereien erinnert. Es mag an den eigenen Erfahrungen liegen, aber gerade dieser nostalgische Blick auf die eigenen Entdeckungen macht für mich den Reiz des Buchs aus.

Das Bildmaterial ist natürlich super in Szene gesetzt. Bei manchen Karten kann man ewig verweilen und Details bewundern. Die Ausstattung des Buchs ist dem Inhalt auf jeden Fall angemessen. Es macht sich im Regal hervorragend und lässt sich aufgrund des matten Einbands auch angenehm anfassen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass einem manche Karten besser gefallen als andere. Man erhält einen wirklich breiten überblick von der Kinderzeichnung bis zur hochprofessionellen Karte, von sehr minimalistischer Andeutung bis hin zur fotorealistischen Ausführung.

Fazit: Aus meiner Sicht ist die Mischung aus Erzählungen aus dem Nähkästchen und großformatiger Bebilderung des Anschauungsmaterials wunderbar gelungen.

Bewertung vom 22.07.2019
An Nachteule von Sternhai
Sloan, Holly Goldberg; Wolitzer, Meg

An Nachteule von Sternhai


ausgezeichnet

Was für ein wunderschönes und geistreiches Buch!

Zwei Mädchen sollen im Ferienlager Freundinnen werden, weil ihre Eltern sich ineinander verliebt haben. Natürlich steht sofort fest: Das geht ja mal gar nicht!

Die Geschichte wird in Mail-Form erzählt, sodass man gleich das Leben der beiden Mädchen mitbekommt. Selbstverständlich mit allem, was für Zwölfjährige so dazugehört an bewegenden Themen. Den Autorinnen gelingt es auf diese Weise, wirklich liebenswerte und tolle Charaktere zu erschaffen, die authentisch rüberkommen und deren Entwicklung man gern verfolgt. Dass die Protagonistinnen so unterschiedlich sind, erzeugt nicht nur die nötige Spannung, sondern sorgt auch für Abwechslung beim Lesen.

Ein großes Plus bei diesem Buch sind all die kleinen herrlichen Einfälle. Teils sind es wirklich nur Details, die in den Mails mal so nebenher erwähnt werden. Aber genau das macht für mich dieses Buch aus. Mir hat zum Beispiel die Geschichte der Speckmaus supergut gefallen. So heißt das Sofa, das ein Fehlkauf eines der Väter war, aber nicht zurückgegeben werden konnte, da es extra aus Rom angeliefert worden war. Immer wieder musste ich über solche netten Extras schmunzeln und habe mich an tollen Sprüchen erfreut, die ich mir notiert habe und in meinen Sprachgebrauch aufnehmen will.

Die Tatsache, dass die Mädchen schwule Väter haben, die sich ineinander verlieben, ist mal etwas anderes. Und ich bin der Meinung, dass das Thema Homosexualität wirklich sehr schön, selbstverständlich und unaufdringlich behandelt wird. Auch das ist ein großer Pluspunkt des Buchs.

Nicht zuletzt soll auch noch die Ausstattung erwähnt werden. Das Hardcoverbuch ist ein Handschmeichler. Der Einband fühlt sich an wie Stoff, sodass man das Buch auch gern zur Hand nimmt. Die Gestaltung der Mail-Kapitel hat mir ebenfalls gut gefallen und greift das Covermotiv auf.

Fazit: Rundum tolles Lesevergnügen. Nicht nur für die Zielgruppe, zu der ich längst nicht mehr gehöre.

Bewertung vom 11.07.2019
Harz
Riel, Ane

Harz


ausgezeichnet

Zwischenmenschliche Abgründe mit sensationell erzählerischer Wucht

Das Buch hat mich gepackt, weil es schon beim Anlesen so anders war. Die Erinnerungserzählung aus Kindersicht, wie der Vater die Oma umbringt … Der Mord so beiläufig gleich im ersten Satz … Also es war klar, dass muss ein Buch für mich sein.

Und doch war es dann ganz anders als erwartet. Aber auf eine gute Art. Der Stil ist nicht so eigenwillig, dass es wirklich stört. Aber man merkt eben schon, dass es zur Familiengeschichte dort auf der einsamen Kopfinsel passt: Verschroben, schräg, tiefgründig, ein bisschen irre und vielleicht auch böse – und ein bisschen verstörend ebenso unschuldig und liebenswert. Gerade zu Anfang haben mich die teils skurrilen Umdeutungen fast schon hin zum Humor sehr begeistert. Dazu immer wieder auch mitunter schöne Einblicke und Betrachtungen auf das Leben, die Natur und was als normal gilt. Es ist eine Geschichte über Menschen. Und ich will gar nicht mal sagen, dass diese wirklich verrückt sind. Auch deshalb hat mir das Buch so gefallen, weil die Charaktere und die Familiengeschichte treffend, schön, düster, schmerzhaft, wahrhaftig und wirklich auch liebevoll dargestellt sind. Es sind all die Kleinigkeiten, die einen während des Lesens fast vergessen lassen, dass es eigentlich um Mord geht.

Ich fand das Buch in seiner literarischen Ruhe dennoch von Anfang an sehr spannend zu lesen. Der Thriller spielt hier nicht die Hauptrolle. Aber die düsteren Geheimnisse lauern immer kurz zwischen den Zeilen um die Ecke. Besonders hat mir der Aufbau gefallen, wie sich die kleinen Geschichten nach und nach zu einem schrecklichen Ganzen zusammenfügen.

Fazit: Ich wusste, dass „Harz“ ein außergewöhnliches Buch ist. Und dennoch hat es mich überrascht, stellenweise überwältigt. Wenn man auch die zarten Töne zu schätzen weiß und gern in die Welt zwischenmenschlicher Abgründe bis hin zu den schockierenden Einblicken eintaucht, sollte man hier unbedingt zugreifen.

Bewertung vom 03.07.2019
Dunkelsommer
Jackson, Stina

Dunkelsommer


ausgezeichnet

Atmosphärisch dichter Pageturner

Mir hat das Cover auf Anhieb gefallen. Der Titel ist sprechend und geheimnisvoll. Dazu der Blick von oben auf das Auto, das durch den Wald fährt. Ein Vater auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter bringt Licht ins Dunkel der Wälder.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Autorin Stine Jackson hat mit „Dunkelsommer“ zurecht einen Bestseller gelandet.

Beim Blick ins Buch fällt zuerst die einfache, teils poetisch verdichtete aber dennoch raue Erzählweise auf. Meiner Meinung nach sehr passend. Die Geschichte wird zunächst aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt, sodass hier der tragische Part von der Suche nach der Tochter nicht zu dominant ist. Geschickt auf jeden Fall, die Perspektive nach kurzen Häppchen und meist an entscheidenden Stellen immer wieder zu wechseln, sodass die Spannung konstant hoch bleibt. Hier empfand ich den Erzählstrang aus Mejas Sicht, die sich nach dem Umzug mit ihrer Mutter in der eher einsamen Umgebung zurechtfinden muss, aber in nie als Unterbrechung. Gerade diese Perspektive hat zum Teil eine gewisse Leichtigkeit von Erwachsenwerden in das Buch gebracht, die tatsächlich stellenweise sommerlich jugendlichen Charme hat. Dazu kommen auch recht bald schon die ersten Hinweise, die einen Vermutungen anstellen lassen, wie diese beiden Handlungsstränge miteinander verwoben sein könnten und in welche Richtung sich die Story womöglich entwickelt. Ich bin nicht zimperlich, aber mir hat es dennoch sehr gut gefallen, wie hier ganz ohne Blut und Action eine Spannung erzeugt wird, bei der sich die Seiten unbemerkt wie von selbst umblättern.

Besonders herausragend ist in meinen Augen die dichte Atmosphäre gelungen. Es wird nichts geschönt, alles kommt sehr natürlich, nackt, ehrlich und etwas grob daher. Gleichzeitig gibt es aber auch die zarten Momente, die in dieser Umgebung umso stärker wirken. Nach und nach entfalten sich die Charaktere, kommen Geheimnisse und Schwächen ans Tageslicht. Die Autorin schafft es, glaubhafte und sympathische Figuren mit Ecken und Kanten zu schaffen, denen man gern auf ihrem Weg folgt. Bis schließlich im zweiten Teil der dunkle Winter hereinbricht …

Fazit: Hat mich rundum überzeugt, absolut mitreißender Lesegenuss!

Bewertung vom 21.06.2019
Ceviche. Das Kochbuch
Danilo, Juan

Ceviche. Das Kochbuch


ausgezeichnet

Sehr schönes Buch, tolle Inspiration

Eigentlich hat mich das Cover eher abgeschreckt. Das kommt online auch nicht so rüber. In echt wirkt das Kochbuch dagegen sehr edel in seinen reduzierten Brauntönen und der rauen Kaschierung, die den Leinenuntergrund fühlbar macht.
Beim Aufschlagen des Buchs fällt als Erstes die mitreißend farbenfrohe Gestaltung auf. Die Bebilderung ist wirklich klasse und verführt geradezu, die Rezepte auszuprobieren. Dass genau das aber nicht unbedingt so einfach ist, dazu komme ich gleich noch. Ein Plus ist das Lesebändchen, das ich manchmal bei Kochbüchern vermisse.
Zunächst möchte ich lobend auf die Einführung eingehen. Ich selbst hatte bislang noch keine Berührung mit der peruanischen Küche und fand die ausführliche und gut verständliche Einleitung sehr interessant und aufschlussreich. Auch hier bekommt man Lust, gleich loszulegen und auszuprobieren. Sehr gut fand ich die Beschreibung der verschiedenen Pfefferschoten, sodass man auch ohne selbst zu probieren die Unterschiede erfährt. Das finde ich vor allem im Hinblick wichtig, um diese doch etwas spezielleren Zutaten eventuell für eine schnellere Küche zu ersetzen.
Damit komme ich dann zum Hauptteil und meinem zurückhaltenden Kritikpunkt. Das Prinzip der Ceviche ist klar: das Garen durch Säure. Das lässt sich auch recht einfach umsetzen. Ich selbst probiere sehr gern rund ums Kochen aus und mag es, ein bisschen zu experimentieren. Das Kochbuch ist hervorragend für Leute, die sich wirklich für peruanische Küche interessieren und entsprechend auch den Aufwand betreiben wollen. Für Neugierige wie mich, kann es bei den Rezepten durchaus vorkommen, dass man beim Blick in die Zutatenliste nicht mehr ganz so voller Tatendrang ist. Ziemlich am Ende enthält das Buch daher wohl auch Tipps, wie man an typisch peruanische oder japanische Zutaten kommt. Das ist Dank des Internets natürlich keinesfalls unmöglich. Es muss nur klar sein, dass das exakte Nachkochen der Rezepte eben mitunter diesen Aufwand nötig macht. Ich persönlich gehe damit etwas lockerer um und nehme vielversprechende Rezepte als Grundlage, um mich inspirieren zu lassen. Das reicht mir für den Anfang, um meinen Horizont zu erweitern und mal etwas anderes auf den Tisch zu bringen. Aber meiner Meinung nach ist das eben auch der Reiz des Kochens, dass man manchmal praktisch abwandelt oder seiner eigenen Laune freien Lauf lässt. Ich habe festgestellt, dass es dem Geschmack keinen Abbruch tut, gewisse Zutaten durch andere zu ersetzen, mal das eine oder andere komplett wegzulassen oder sich die Sache ein bisschen zu vereinfachen. In jedem Fall macht es Spaß, aufgrund der Grundlage dieses sehr schönen Kochbuchs ans Werk zu gehen.
Fazit: Für Neugierige und Hobbyköche eine tolle Quelle der Inspiration, für Liebhaber der peruanischen Küche unbedingt empfehlenswert. Ich bin mir sicher, dass ich beizeiten auch noch mal das eine oder andere Rezept exakt nachkochen werde.