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Bewertung vom 25.04.2019
Das ganze schrecklich schöne Leben
Wecker, Konstantin

Das ganze schrecklich schöne Leben


ausgezeichnet

71 Jahre jung ist er, der Konstantin Wecker - und er schaut vom Buchdeckel selbst ein bisschen ungläubig. Hätte er nicht bereits seit den 70er Jahren dieses unglaublich vielseitige und „uferlose“ Lebenswerk, von dem der Anhang der Biographie zeugt, würde man es nicht glauben; so präsent, wie er stimmlich, physisch und engagiert immer wieder jede Bühne erobert und dort in unzähligen Liedern und Texten nicht zuletzt auch von sich selbst erzählt.

Sein Leben, Lieben, Scheitern und Wiederauferstehen kann man schon in einigen Titeln nachlesen, aus seiner eigenen Feder ebenso wie der anderer Autoren oder Wegbegleiter. Was diese (Auto-) Biographie besonders macht, ist zunächst einmal ihr Umfang, der allein schon von „einer ganze(n) Menge Leben“ zeugt, aber auch ihre Struktur: Hier schreiben neben Wecker selbst zwei Mit-Autoren, denen er quasi gleichberechtigten Raum zuteilt, was viel über ihren Status in seinem Leben, aber auch ihn selbst aussagt, da er so größtmögliche Objektivität schafft, was bei ihm ja gar nicht so einfach ist.

Sein enger Freund und fast lebenslanger Weg-Begleiter Günter Bauch schreibt mit leichter, literarisch eloquenter und oft (selbst-) ironischer Feder von gemeinsamen Irrungen und Wirrungen genauso wie dem oft gar nicht so romantischem Unterwegssein mit Wecker - im Leben wie auf Tour. Roland Rottenfußer ist dagegen der analytische Geist mit profundem Wissen über Text, Ton und nicht zuletzt spiritueller und politischer Entwicklung Weckers und so gelingt ihm ein äußerst feinfühliges Résumé über ein Leben, das in keine gängige Schublade passt und nur vom Künstler selbst noch um einige seiner so bildhaften Sätze ergänzt werden kann.

Diese Biographie ist nicht nur für den klassischen Fan lesenswert. Wer allerdings auf „Sex and Crime“ hofft, wird enttäuscht sein. Sie liest sich spannend wie ein Künstler- und Entwicklungsroman über einen, der auszog, die Welt mit seinen besonderen Gaben und seiner durchaus polarisierenden, aber großzügigen und ehrlichen Persönlichkeit ein klein bisschen liebenswerter zu machen und der dabei auf dem Weg zum Lieben und zum Einsatz für das Wesentliche auch manche Chaosschleife zieht. Es geht nicht ganz ohne ein bisschen Eitelkeit, aber der darf das, der Wecker. Er ist zweifelsfrei ein großer Künstler, aber eben auch ganz einfach: ein Mensch.

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