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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Lea
Danksagungen: 8 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 95 Bewertungen
Bewertung vom 12.10.2018
Die Sonnenschwestern
Rees, Tracy

Die Sonnenschwestern


ausgezeichnet

„Die Sonnenschwestern“ hat mir sehr sehr gut gefallen, für diesen schönen Roman gebe ich gerne fünf Sterne.
Nora möchte ihrem Leben eine neue Richtung geben. Sie wirft ihren Job hin, ihre Beziehung hat sie schon aufgegeben und fährt aus einer Laune heraus nach Tenby, obwohl ihre Mutter strikt dagegen ist. Dort in der Gegend wohnt auch ihre Großmutter. Ohne es zu ahnen, ist sie der Vergangenheit auf der Spur. Zeitgleich wird die Geschichte von dem jungen Mädchen Cloe erzählt, die jeden Sommer ein paar Wochen in Tenby bei ihrer Tante verbringt und dort mit ihrem Freund Llew durch die Gegen tollt.
Die Geschichte wird zum einen in der Gegenwart aus der Sicht von Nora erzählt, zum anderen wird in Rückblicken von Chloes Sommern in Tenby berichtet. Diese Erzählform hat mir für die Geschichte sehr gut gefallen, vor allem, weil man am Anfang nicht weiß, wer Chloe in der Gegenwart ist. Ihre Vergangenheit fand ich noch interessanter, als die Geschichte von Nora, sie hat mich emotional noch mehr berührt.
Trotzdem ist auch Nora ein toller Charakter, ich konnte mich gut mit ihr identifizieren und sie macht, in meinen Augen, eine gute Entwicklung durch. Die anderen Figuren ergänzen den Roman durch viele unterschiedliche Charaktereigenschaften, mein klarer Favorit ist Llew als kleiner Junge, weil er so anders ist.
Der Schreibstil von Tracy Rees ist, wie schon aus „Die Reise der Amy Snow“ gewohnt, sehr flüssig und gut zu lesen. Das Buch wird in einer sehr locker zu lesenden Sprache erzählt und nimmt den Leser von Anfang an gefangen.
Das einzige, was ich mal wieder nicht verstanden habe, ist, warum der schöne Titel „The Hourglass“ in „Die Sonnenschwestern“ verändert wurde. Der Originaltitel ist meiner Meinung nach viel passender, das mit den Schwestern erschließt sich mir nicht so wirklich, handelt sich doch die Hauptgeschichte um Mutter und Tochter, die in keiner Weise als „Schwestern“ beschrieben werden.
Trotzdem empfehle ich den Roman natürlich sehr, er gibt viele tolle Lesestunden her und beschreibt auch in schönen Worten die Küste von Wales, da hat man gleich Lust hinzufahren.

Bewertung vom 12.10.2018
Die Tote im Wannsee / Kommissar Wolf Heller Bd.1
Kellerhoff, Lutz W.

Die Tote im Wannsee / Kommissar Wolf Heller Bd.1


gut

„Die Tote im Wannsee“ hat mich nicht ganz überzeugt. Mehr als drei Sterne waren für diesen Krimi leider nicht drin, dafür fand ich das Buch etwas zu verwirrend und nicht spannend genug.
Wolf Heller ist eigentlich wenig politisch und doch wird der Polizeikommissar mit seinem neuen Fall mittenrein in die Ost-West-Spannung gezogen. Heidi Gent wird tot aufgefunden, der Fall soll schnell abgeschlossen werden. Doch Heller ahnt, dass da noch mehr dahintersteckt und hört nicht auf, weiter zu ermitteln. Dadurch gerät er zwischen die Fronten.
Das Buch wird aus vielen verschiedenen Sichten erzählt, was aus meiner Sicht manchmal zu viel ist. Gerade weil es so viele erzählende Personen gibt, war es nach einer Lesepause oft schwer, sich wieder in den Krimi einzufinden.
Die Sprache fand ich okay, aber auch nicht außergewöhnlich. Sie hat einfach zum Krimi gepasst. Die Figuren konnten mich nicht ganz überzeugen, sie waren zwar spannende Charaktere, aber ich konnte mich mit niemandem identifizieren. Auch das hat es mir schwer getan, mich richtig in der Geschichte einzufinden.
Toll fand ich jedoch, wie die politische Situation im damaligen Berlin erläutert und erklärt wird. Durch die Person von Louise gerät man auch mitten in den Konflikt hinein.
Der Spannungsbogen konnte nicht ganz überzeugen. Mal war es sehr spannend, mal weniger. Irgendwann habe ich nur noch gedacht, kommt die Auflösung jetzt noch, oder nicht? Als sie dann kam, war auch eigentlich alles plausibel und hat die Verwirrung aufgeklärt. Die Hinweise davor, die für den Leser schon einmal einen Teil aufgeklärt haben, kamen mir etwas zu spät.
Der Roman wollte einfach zu viel und war an der einen oder anderen Stelle einfach zu lang. Deswegen bleibe ich bei drei Sternen.

Bewertung vom 30.09.2018
Scarlett
Remington, Laurel

Scarlett


sehr gut

„Scarlett – Ein Löffelchen Geheimnis und der Duft von Magie“ ist ein wirklich tolles Jugendbuch, voller Magier und vor allem voller Kochgeschichten. Das einzige, was ich mir noch erhofft hätte, wären alle Rezepte in dem Buch zu finden. Leider hat die Autorin nur eins verraten. In Summe ergibt das sehr gute 4 Sterne.
Scarlett hat es im Moment nicht leicht. Sie ist der „Star“ im Internetblog ihrer Mutter, wo diese auch gerne die peinlichen Sachen erzählt. Zum Glück kommt da nicht nur das neue Mädchen Violet in die Schule, Scarlett kommt auch durch Zufall in die Küche ihrer Nachbarin und findet ein Kochbuch an die „Kleine Köchin“ – der Beginn eines geheimen Kochclubs. Und der muss noch so einige Hindernisse überwinden.
Was mir an dem Buch am besten gefallen hat, ist die Freude, die am Kochen vermittelt wird. Gerade bei Teenagern ist die Lust dazu vielleicht nicht immer so groß, nach diesem Buch würde ich sagen schon. Deswegen fand ich es gut, dass nicht nur Mädchen, sondern später auch Jungs dazu eingeladen werden.
Scarlett ist wirklich super sympathisch, ihre Mutter weniger, aber es gibt ja auch Charaktere, die Entwicklungen durchmachen. Das fand ich ebenfalls sehr positiv an dem Buch, dass sich viele Charaktere ändern und nur am Anfang böse erscheinen. Auch Rosemary ist einfach nur wundervoll.
Der Schreibstil ist für ein Jugendbuch sehr angemessen, ein paar schwierige Wörter, wie zum Beispiel Demenz, werden sogar nebenbei im Buch erklärt. Das Buch ist vielleicht nicht super spannend oder sehr actionreich, es überzeugt einfach durch seine kleinen magischen Szenen, der Familiengedanke wird stark hervorgehoben und das Wasser läuft einem die ganze Zeit im Munde zusammen, wenn man die leckeren Gerichte hört. Wie gesagt schade, dass die nicht alle auch mit dem Leser geteilt wurden.

Bewertung vom 16.09.2018
Alligatoren
Spera, Deb

Alligatoren


sehr gut

„Alligatoren“ ist ein wirklich interessantes Buch über das Amerika vor der großen Weltwirtschaftskrise. Erzählt wird die Geschichte anhand von drei Schicksalen: eine (zu den Zeiten) eher reiche weiße Frau, eine arme weiße Frau und eine schwarze Frau – die alle drei mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben und doch vom Schicksal zusammengeführt werden.
Die Geschichte handelt von Annie, die erkennen muss, dass in ihrem Haus ein Feind lebt, der ihre ganze Familie bedroht. Getrude hat gerade ihren gewalttätigen Mann umgebracht und sucht nun Arbeit bei Annie. Da sie sich im Moment nicht um alle ihre Kinder kümmern kann, gibt sie ihre jüngste und kranke Tochter an Oretta, die schwarze Haushälterin von Annie, ab. So verwebt sich das Leben dieser drei Frauen, die alle in ihrer Art und Weise um Freiheit kämpfen.
Zuerst wusste ich nicht so recht, worauf dieses Buch hinaus wollte, aber dann wird das Buch von Seite zu Seite besser und spannender. Die Geschichte wird durch die drei Perspektiven sehr lebendig und emotional erzählt. Die (eher traurigen) Zustände der damaligen Zeit werden unbeschönigt dargestellt, das war sicher auch eine große Rechercheleistung. Es passieren viele schreckliche Sachen in dem Buch, das heißt es wird auch nichts beschönigt und genau das macht das Buch so lesenswert.
Der Schreibstil ist eigentlich sehr angenehm zu lesen, bis auf eine Sache: Sowohl bei Oretta, als auch bei Gertrude wird immer das Wort „wie“ statt „als“ verwendet. Etwas was die Leute heute gerne machen, deswegen weiß ich nicht, ob es sich um einen grammatischen Fehler handelt (der sehr häufig wiederholt wird), oder um ein Stilmittel, um zu zeigen, dass die beiden Frauen der unteren Schicht angehören. Auf jeden Fall hat es beim Lesen schon etwas gestört.
Das Buch war lange auf drei Punkte Kurs, konnte mich aber dann auf den letzten Seiten doch noch zu vier Punkten umstimmen. Ich habe die Lektüre wirklich genossen und empfehle das Buch auch gerne weiter.

Bewertung vom 15.09.2018
TEXT
Glukhovsky, Dmitry

TEXT


gut

„Text“ ist kein schlechtes Buch, konnte mich aber auch nicht ganz überzeugen. Auf jeden Fall bekommt man aber einen tollen Einblick in Russland und auch auf die spannende Frage, was Menschen wirklich ausmacht.
Ilja ist gerade aus dem Gefängnis gekommen. Daraufhin erfährt er, dass seine Mutter nur kurz davor gestorben ist. Durch die Trauer überwältigt, tötet er den Mann, der ihn ungerechtfertigt ins Gefängnis gebracht hat und nimmt sein Handy an sich. Nach und nach übernimmt er dessen Identität, gräbt sich in sein Leben ein und versucht Freunde, Kollegen und Familie im Spiel zu halten.
Die Idee zu dem Buch fand ich sehr spannend und der Vorgang, wie Ilja sich in Petjas Chats und Mails vertieft und so immer mehr über dessen Leben erfährt ist wirklich gut gemacht und zieht in den Bann. Diese Abschnitte haben viel Spaß zum Lesen gemacht. Trotzdem zieht sich der Roman sehr lange hin, war für mich auch zäh zu lesen. Die Seiten fliegen einfach nicht dahin, wie ich das von anderen Büchern kenne. Da hätten es vielleicht 100 Seiten weniger auch getan.
Die Langwierigkeit könnte auch damit zu tun haben, dass ich nicht so recht einen klaren Schreibstil erkennen konnte. Es ist irgendwie eine Mischung aus Jugendroman (vor allem die Abschnitte mit dem Handy) und dann kommen auf einmal ganz literarischen Ansätze, wenn zum Beispiel Szenen beschrieben werden. Das hat meiner Meinung nach nicht so ganz zusammengepasst. Zwiespältig bin ich auch immer noch über die Chat-Abschnitte: einerseits war es cool, dass sie so lebendig gemacht wurden, sodass man wirklich das Gefühl hatte ein Gespräch zu lesen. Andererseits waren die Widergaben von Emotionen wie „er brüllte“ verwirrend, weil man sich fragt, wie Ilja das so daraus lesen kann.
Fazit: Trotz großer Spannung war das Buch für mich kein Thriller. Die Idee war wirklich überzeugend, die Umsetzung hätte in meinen Augen noch besser sein können. Trotzdem hat mir das Buch auf seine Weise gefallen, deswegen drei Sterne.

Bewertung vom 14.09.2018
I love you heißt noch lange nicht Ich liebe dich
Leuchtenberg, Cleo

I love you heißt noch lange nicht Ich liebe dich


sehr gut

„I love you heißt noch lange nicht Ich liebe dich“ ist ein super Jugendbuch und absolut empfehlenswert. Einen Kritikpunkt gibt es und deswegen bekommt das Buch von mir vier Sterne.
Es geht um Lilly und Ben, die zusammen an der Synchronisation von einem neuen Kinofilm arbeiten. Während Ben schon lange in dem Geschäft ist, ist Lilly ganz neu und muss sich an die Umgebung erst einmal gewöhnen. Klar, dass es trotz der Unterschiede bald anfängt, zwischen den beiden zu knistern, aber kann das auch gutgehen?
Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht von Lilly und von Ben beschrieben. So kann man in beide Hauptpersonen reinschauen und verstehen, warum sie wie handeln. Lilly mochte ich von Anfang an, mit Ben musste ich erst ein bisschen warmwerden. Aber am Ende hat man beide Charaktere total liebgewonnen. Ich würde gerne noch weiteres von ihnen lesen. Der Schreibstil ist super locker, genauso, wie er für einen Jugendroman sein soll. Zwischendurch fließen auch immer mal wieder Drehbuchszenen ein, sodass man den Film, der synchronisiert wird, gut nachvollziehen kann.
Besonders gefallen hat mir die Thematik rund um das Thema Synchronsprechen. Damit habe ich mich noch nie so auseinandergesetzt und fand es deswegen total spannend zu sehen, wie das alles abläuft. Und das darum noch eine spannende Geschichte erzählt wird, war grandios. Ich war wirklich traurig, als die Arbeiten für den Film abgeschlossen waren, das hat mir im letzten Abschnitt ganz schön gefehlt.
Das Ende war mir ein bisschen zu dramatisch und dann fast wieder zu schnell. Trotzdem hat mir das Buch bis eben auf das Ende sehr gut gefallen und gerade für Jugendliche ist es eine tolle Geschichte. Aber auch Erwachsene werden ihren Spaß damit haben, da bin ich ganz sicher.

Bewertung vom 14.09.2018
Vier Tage in Kabul / Amanda Lund Bd.1
Tell, Anna

Vier Tage in Kabul / Amanda Lund Bd.1


sehr gut

Ich mag viele schwedische Krimis, vor allem weil ich auch das Land an sich mag, aber dass das nun mit Afghanistan verknüpft wird, hat mir wirklich sehr gut gefallen. Es hätte manchmal noch einen Tick gruseliger sein können, deswegen gebe ich vier Sterne.
Amanda bildet in Afghanistan Sicherheitskräfte aus, als aber dann ein schwedisches Beamtenpaar verschwindet, muss sie sich darauf konzentrieren. Zeitgleich wird ihr Vorgesetzter Bill in Schweden durch die Regierung mitreingezogen, alles top secret darüber darf selbst Amanda kaum etwas wissen, obwohl sie die Arbeit macht. Und da taucht auch noch ein Toter auf, der womöglich etwas mit der Sache zu tun hat.
Spannend ist das Buch wirklich von Anfang an, auch wenn ich mir noch den ein oder anderen Gänsehautmoment gewünscht hätte.
Die Perspektiven wechseln oft, sodass es nie langweilig wird. Am Schreibstil gibt es nun wirklich nichts auszusetzen.
Nachdem man das Buch gelesen hat, kann man kaum glauben, dass es tatsächlich nur vier Tage gewesen sind, die beschrieben wurden. Es ist so viel passiert, sodass ich selbst das Ebook dazu verschlungen habe, obwohl es mir da meist viel schwerer fällt dranzubleiben. Dafür gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 14.09.2018
Tel Aviv by Neni
Molcho, Haya; NENI

Tel Aviv by Neni


sehr gut

Das Kochbuch „Tel Aviv“ hat in meine Küche eine ganz neue Geschmackswelt gebracht. Mir hat immer der Anreiz gefehlt, mal die arabische Küche auszuprobieren. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich mit diesem Kochbuch meine ersten Erfahrungen darin gemacht habe, denn sie ist einfach unsagbar lecker.
Ich habe jetzt schon einige Rezepte aus dem Buch ausprobiert: Foccacia, Tahina, Zhug, Salzige Knafeh mit gerösteten Kirschtomaten, Knafeh-Tatin mit Pflaumen, Lauch-Buns und Sabich. Meine ganze Familie war begeistert von diesen unterschiedlichen Geschmacksnoten. Besonders die Lauch-Buns, die wir mit der Alternativfüllung aus Hühnerhack zubereitet haben, hat uns restlos überzeugt.
Natürlich ist es nicht einfach, alle Zutaten zu bekommen. Selbst in einem arabischen Lebensmittelladen konnte ich nicht alles finden, was ich hätte gebrauchen können. Da war ein bisschen Improvisation gefragt, aber ich glaube, das ist in der arabischen Küche eh gang und gebe. Bis darauf, dass die Rezepte manchmal etwas vage sind (was sind schon 4 Tomaten?, da muss man halt ein bisschen nach Gefühl gehen, ob kleiner oder größer) sind die Rezepte gut verständlich. Gerade bei den Buns hätte ich mir allerdings zum Beispiel noch ein paar Schritt für Schritt Bilder gewünscht, damit man sich einfach sicher ist, dass man alle Schritte richtig ausführt.
Neben dem Kochen erzählt das Buch auch viele Geschichten von interessanten Leuten aus Tel Aviv, die sehr nett zu lesen sind und dem Buch noch einmal eine andere Dimension geben, da auch viel von dieser eindrucksvollen Atmosphäre herübergebracht wird. Außerdem gibt es viele schöne und große Fotos, bei denen ich nur schade fand, dass nicht dabei stand, was genau sie zeigen. Zwar gibt es hinten ein paar einzelne Hinweise, aber da hätte doch noch gut ein kleiner Text hinzugepasst.
Für das tolle Geschmackserlebnis, die netten Geschichte und nur wenige Kritikpunkte gebe ich zusammengefasst vier Sterne und empfehle ganz herzlich mit diesem Kochbuch in die arabische Welt einzutauchen.

Bewertung vom 13.09.2018
Das rote Adressbuch
Lundberg, Sofia

Das rote Adressbuch


ausgezeichnet

„Das rote Adressbuch“ ist ein wirklich toller Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Er erzählt auf eine ganz besondere Weise eine Lebensgeschichte, die voller verschiedener Facetten und Geschichten ist. Es ist schwer, dieses Buch aus der Hand zu legen.
Doris ist alt geworden, alle ihre Freunde sind bereits gestorben, ihre Nichte wohnt mit ihrer Familie weit entfernt. Doch die Zeit nutzt Doris nun, um ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben – anhand ihres roten Adressbuches, dass sie, als sie zehn war, von ihrem Vater geschenkt bekommen hat.
Total interessant fand ich, dass das Buch anhand von Personen, also Bekannten von Doris, in dieser Adressbuchform erzählt wird, das hatte ich mir gar nicht so vorgestellt, war aber dann positiv überrascht. Es wird auch nicht einfach von A bis Z durchgegangen, sondern die Personen können auch öfter vorkommen oder auch durchgestrichen. Dann weiß man, dass die Person in diesem Kapitel leider stirbt. Aber so wird man eben unbeschönigt durch Doris‘ Leben geführt. Ein sehr interessantes Leben, von dem man immer weiterlesen könnte.
Das Buch ist in einem sehr schönen Erzählstil geschrieben, ist aber auch oft brutal ehrlich, gerade, wenn es um die Tode der Bekannten von Doris geht. Da wird nicht drumherum geredet. Auch wird das Leben von Doris nicht beschönigt. Oft wird dargestellt, wie schwer sie es hat, manchmal fast schon ein bisschen melancholisch. Diese Dinge halten die Geschichte in Waage, schöne und nicht so schöne Momente wechseln sich ab und machen das Geschehen lebensecht.
Ich gebe dem Buch fünf Sterne, weil ich nichts Negatives finden konnte und kann es nur weiterempfehlen. Die Lebensgeschichte von Doris wird einfach lebendig und reißt den Leser komplett mit.

Bewertung vom 13.09.2018
Guten Morgen, Genosse Elefant
Wilson, Christopher

Guten Morgen, Genosse Elefant


ausgezeichnet

„Guten Morgen, Genosse Elefant“ ist einfach mal erfrischend anders und deswegen ein ganz tolles Buch, sodass ich gerne die 5 Sterne vergebe.
Juri ist ein russischer Junge, der im Zoo lebt, weil sein Vater Tierarzt und dabei vor allem auf Elefanten spezialisiert ist. „Leider“ (das macht ihn nun mal zu einer super spannenden Hauptfigur) ist Juri nach einem Unfall nicht mehr ganz richtig im Kopf und hat auch einige körperliche Leiden. Schwer ist es für ihn vor allem auch wegen der politischen Zeiten. Wenn man etwas Falsches sagt, ist man schnell weg vom Fenster. Noch schlimmer, wenn man direkt in die Höhle des Löwen kommt, weil Juri nämlich durch ein paar Zufälle Vorkoster von Stalin höchstpersönlich wird. So wirft man durch seine Augen einen ganz neuen Blick auf die damaligen politischen Ereignisse und blickt tief in Stalins Privatsphäre.
Juri ist einfach eine besondere Person und ich finde es gut, dass er die Leser auch direkt anspricht. So hat man das Gefühl er selbst würde dir seine Geschichte erzählen. Daran orientiert sich auch der Erzählstil des Autors, den er so optimal umgesetzt hat. Ich mochte Juri von Anfang an und kann mir keine bessere Hauptperson vorstellen. Das Buch ist zwar eher kleiner, aber der Inhalt überzeugt völlig.
Am Überraschesten war für mich die Perspektive. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie man solche eine Geschichte aus der Sicht eines Jungen erzählt, aber das ist einfach super gelungen. Und so kommt eine ganze spezielle Geschichte heraus, die ich gar nicht erwartet hätte.
Das Buch ist wirklich lesenswert und ich empfehle es allen weiter, die einen neuen Blick auf die historischen Begebenheiten in Russland werden wollen, weil sicher auch viel Wahrheit in dem Erzählten steckt.