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Benutzername: 
Lesezauber_Zeilenreise
Wohnort: 
Eggenstein-Leopoldshafen

Bewertungen

Insgesamt 299 Bewertungen
Bewertung vom 30.06.2022
Tante Dimity und das verzauberte Cottage
Atherton, Nancy

Tante Dimity und das verzauberte Cottage


ausgezeichnet

Zauberhafter Wohlfühlroman – einfach was fürs Herz und für die Seele


Immer, wenn in dem englischen Dörfchen Finch jemand neu hinzuzieht, stehen alle Bewohner unter Strom und versuchen, so viel wie möglich über den Neuzugang in Erfahrung zu bringen. Bei Crispin Windle, einem alleinstehenden Mann im Seniorenalter, ist das nicht anders. Er ist in das Cottage „Weidenkätzchen“ gezogen, von dem die Bewohner sagen, dass jeder, der dort wohnt, innerhalb von 6 Monaten seine große Liebe findet. Doch er hält die Nachbarn freundlich aber bestimmt auf Abstand und zieht sich zurück. Lori vermutet, dass da eine Depression dahintersteckt und möchte dem neuen Nachbarn helfen. Die Fincher Bewohner organisieren eine Art Nachbarschaftshilfe, und wechseln sich mit Besuchen bei Mr. Windle ab. Ohne rechten Erfolg. Doch irgendwann stellen sie fest, dass er sehr wohl Kontakt zu jemandem im Dorf hat und sich auch nicht wie vermutet in seinem Cottage mit dem ominösen Webstuhl einigelt. Nach und nach kommt Licht in die Sache und am Ende wird sogar ein lange zurückliegendes, dunkles Geheimnis von Finch aufgedeckt.

Juhuu… endlich geht es weiter mit Tante Dimity. Das ist inzwischen Band 25 und das Buch aufzuschlagen und die ersten Zeilen zu lesen fühlt sich an, wie heimkommen. Ich liebe es wirklich! Ich liebe den Ort Finch, ich liebe die Bewohner, die so herzlich, verschroben, bisschen verrückt, liebenswert und nervig sind. Ich liebe die Landschaft und ich liebe die Story, die immer mit so viel Liebe und Wärme und Gefühl erzählt wird, das es einem warm ums Herz wird. Jedes Mal denke ich mir: könnte ich doch nur in das Buch reisen und direkt vor Ort sein. Und ich liebe auch Tante Dimity, die ja schon lange tot ist und nur als Schrift in einem Tagebuch Teil der Geschichte ist. Diese Mischung aus Geistergeschichte, Krimi, leichter Unterhaltung, liebenswerter Erzählung, Familien- und Dorfgeschichte ist einfach super gelungen und wird mir niemals langweilig. Neben ganz viel Lachen und Schmunzeln musste ich diesmal auch ein paar Mal schlucken, weil z.B. das dunkle Geheimnis aus der Vergangenheit sehr traurig ist und mich sehr berührt hat.

Diese Cosy Crime-Reihe ist einfach was fürs Herz und für die Seele. Wie eine Tasse heißer Tee mit einem Teller voller Kekse. Mir sind alle Dorfbewohner fest ins Herz gewachsen, alte, liebgewonnene Bekannte und ich kann es gar nicht abwarten, bis Band 26 erscheint. Leichte, aber sehr herzliche und warme Unterhaltung für alle, die England mögen, die Krimis im weitesten Sinne mögen und die es lieben, wenn sie beim Lesen dieses wohlige, geborgene, herzerwärmende Gefühl haben, das nur ganz wenige Bücher auslösen. Geht gar nicht anders: 5/5 Sterne.

Wie in jedem der Vorgängerbände gibt es am Ende ein leckeres Rezept – welches auch immer eine Rolle in der Handlung spielt und zum Nachbacken einlädt. Diesmal: Elspeth Binneys Bakewell-Törtchen.

Bewertung vom 29.06.2022
Das Gotteshaus
Tudor, C. J.

Das Gotteshaus


ausgezeichnet

Gruselig und extrem fesselnd – ein echter Pageturner

Jacqueline (Jack) Brooks - verwitwet, alleinerziehend, Pfarrerin - wird zwangsversetzt von der Großstadt Nottingham in das Bauerndorf Chapel Croft. Alles wirkt heruntergekommen, der Empfang der Bewohner ist verhalten. Jack erfährt, dass ihr Vorgänger sich in der Kirche aufgehängt hat und erhält von einer Anwohnerin den Hinweis, dass das sicher kein Selbstmord war. Sie will der Sache auf den Grund gehen und stößt dabei auf eine alte, das Dorf prägende Geschichte über Ketzertum und Märtyrer, auf brennende Mägdelein (Strohpuppen) und auf einen Vermisstenfall von vor 30 Jahren, als zwei Mädchen spurlos verschwunden sind. Zudem haben sie und ihre Tochter Flo auch noch Visionen von brennenden Mädchen und erhalten Drohbotschaften. Was ist nur los mit diesem Dorf?

Also ich muss sagen: ich habe diesen 560 Seiten-Wälzer innerhalb von wenigen Stunden weggesuchtet! Schreibstil, Thema, Aufbau – genau mein Ding! Ich mochte die Charaktere sehr und diese immer ein bisschen düstere, bedrohliche Atmosphäre, genau so wie das Setting des englischen Hinterlandes mit den verschrobenen, misstrauischen Einwohnern. Das Cover passt perfekt zum Inhalt und gefällt mir daher ausgesprochen gut. Hauptfigur Jack ist super! Sie steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, wuppt ihr nicht gerade einfaches Leben als alleinerziehende Mutter in einem typischen Männerberuf und hat trotz aller Schicksalsschläge, die das Leben ihr seit jüngster Kindheit geboten hat, ihren Humor nicht verloren. Forsch und selbstbewusst geht sie die neue Situation an. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge, hat aber dennoch auch dunkle Geheimnisse, die sie sogar vor ihrer Tochter verbirgt.

Alles beginnt mit einem Prolog, der es in sich hat und die Spur auf kirchlichen Exorzismus lenkt. Direkt gefolgt von einem Zeitungsartikel über das Verschwinden der beiden Mädchen aus dem Jahr 1990. Dann geht die Geschichte mit Jack und ihrem Einzug in Chapel Croft los – derartig fesselnd geschrieben, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Teilweise wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Jack erzählt, dann gibt es Kapitel, die sich um deren Tochter Flo drehen und die in der dritten Person erzählt werden. Dann wiederum gibt es Szenen, die sich um einen Mann drehen, der im Gefängnis war und auf der Suche nach jemandem ist und schließlich auch noch die Szenen, die aus dem Leben der beiden verschwundenen Mädchen Merry und Joy erzählen. Ganz schön viel auf einmal, doch lasst euch gesagt sein: das ist grandios aufgebaut und kommt im Laufe des Buches natürlich alles irgendwie zusammen.

Für mich ein absolut gelungener Thriller, der fesselnd und spannend ist, der einige Gruselelemente enthält, aber auch seine humorvollen Bestandteile hat. Ich wurde überrascht von diversen Wendungen und gekonnt auf falsche Fährten gelockt. Mit seiner faszinierenden Sogwirkung ein echter Lesegenuss und absoluter Pageturner! 5/5 Sterne.

Bewertung vom 28.06.2022
Die hundert Jahre von Lenni und Margot
Cronin, Marianne

Die hundert Jahre von Lenni und Margot


ausgezeichnet

Eine Ode an das Leben – gefühlvoll, humorvoll, wundervoll!


Lenni, 17 Jahre alt, hat eine lebensverkürzende Krankheit und befindet sich im Krankenhaus. Dort trifft sie auf Margot, 83 Jahre alt, die eine Herzerkrankung hat. Beide nehmen an einer neu eingeführten Kunsttherapie teil, da kommt Lenni die Idee, dass sie für jedes ihrer gemeinsamen 100 Jahre je ein Bild malen und sich die dazugehörige Geschichte gegenseitig erzählen. Und so machen sie es dann auch.
Heraus kommt eine Liebeserklärung an das Leben und die beiden Frauen verbindet sehr bald eine tiefe Freundschaft, die zwar nur kurz sein wird, aber intensiv und lebensbejahend.

Ich weiß gar nicht, was ich erwartet habe, als ich den Inhalt des Buches gelesen habe. Was ich dann jedoch erhalten habe, ist eine Geschichte, die unfassbar berührend und warmherzig und humorvoll und einfach wunderschön ist! Auf der einen Seite erfahre ich ein bisschen was über Lennis kurzes Leben, die Auswanderung von Schweden nach England, ihre eher oberflächlichen Freundschaften und ihre Familienprobleme. Und ganz viel darüber, was Lenni für ein fabelhaftes Mädchen ist: mutig, direkt, selbstbewusst und dennoch auch verletzlich und ängstlich. Auf der anderen Seite darf ich Margots langes, teils mit viel Leid, teils mit viel Liebe angefülltes Leben in Episoden miterleben. Und ich bin dabei, als diese wunderbare Freundschaft zwischen der alten Dame und dem jungen Mädchen entsteht, die beide vor dem Ende ihres Lebens stehen und ineinander einen Seelengefährten finden. Und auch, als Lenni sich mit dem kurz vor der Rente stehenden Krankenhauspriester Pater Arthur anfreundet und dessen Leben dadurch irgendwie gehörig durcheinanderwirbelt.

All diese Themen – Familie, Freundschaft, Liebe, Glaube, Hoffnung, Tod und Leben – werden auf eine humorvolle, tiefgründige und herzerwärmende Art und Weise erzählt, die niemals kitschig oder überzogen ist, aber auch nicht ins Lächerliche abdriftet oder belehrend daherkommt. Hier geht jede Zeile direkt ins Herz, die Charaktere muss man einfach alle gern haben, die Rückblicke/Lebensepisoden sind furchtbar fesselnd und das ganze Buch steckt so voller Leben und Liebe, obwohl es letztlich um den Tod, um das Sterben geht.

Ich musste viel schmunzeln und lachen, aber auch oft einen dicken Kloß herunterschlucken und mir Tränen wegwischen. Gefühl pur, ohne Schnickschnack und Klimbim. Mit Figuren, die man nicht so schnell vergisst und einem Schreibstil, der sich festsetzt. Lebensbejahend, hoffnungsvoll, grandios! 5/5 Sterne.

Bewertung vom 26.06.2022
Drachendieb
Lang, Raphael

Drachendieb


ausgezeichnet

Eine fantasievolle Abenteuerreise, die in schneegepeitschten Gipfeln beginnt und den Leser dann durch ein Fantasieland in wärmere Gefilde bringt. Immer begleitet von Menschen und Chimären und einer ganzen Menge fantastischer Ideen. Eine Fantasy-Geschichte, die ein bisschen asiatisch angehaucht ist und die einfach irren Spaß macht!

Diese Geschichte ist wunderbar und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet, die Charaktere sind mir nahezu sofort ans Herz gewachsen. Allen voran Narugar, der überaus sanfte, rücksichtsvolle und einfach liebenswerte Panther-Chimär. Aber auch Kaira, die (menschliche) Prinzessin und Tark, der weise, alte Schildkröten-Chimär und natürlich auch Hok, der große, starke und witzige Eisbär-Chimär. Allesamt Charaktere, die einem ans Herz wachsen.

Eher traurig beginnt die Geschichte mit dem Zirkusleben von Narugar, der vom Zirkusdirektor Herr Sonogun in Gefangenschaft gehalten wird. Wobei die Beziehung der beiden wirklich fesselnd, weil seltsam ist. Nach der Flucht von Narugar und Kairi erleben diese wirklich so einiges. Ich war immer mit dabei und konnte mir alles bildlich vorstellen - Kopfkino vom Feinsten. Alles hat einen asiatischen Touch: die Namen, die Landschaft mit Pagoden. Ich konnte mir die Charaktere so gut vorstellen... könnte ich sie zeichnen, hätte ich dazu richtig Lust! Es ist aber keine bierernste, tröge Fantasy-Geschichte. Ganz im Gegenteil. Die Dialoge enthalten so viel Humor und Witz, es gibt einiges an Situationskomik und der Autor schreibt einfach in einem wirklich flüssigen, lebendigen und sehr gut lesbaren Stil. Ich mag dieses Buch wirklich sehr, bin nahezu hindurchgerauscht und freuen mich schon jetzt auf Band 2 dieser "Buch-der-Bänder-Saga". Apropos "Bänder"... das ist eine schöne Idee mit den "magischen Bändern", mit denen Menschen und Chimären verbunden sind. Jede Chimäre ist mit einem bestimmten Menschen verbunden - und das bereits vor der Geburt und über den Tod hinaus. Und nicht jeder kennt seinen Seelenpartner. Tolle Idee, wunderbare Figuren, lebendiges Setting, super Schreibstil! Bitte mehr davon!

Bewertung vom 25.06.2022
Aus der Puste / Rosa Fink Bd.2
Sanne, Manuela

Aus der Puste / Rosa Fink Bd.2


sehr gut

Der zweite Fall für Hobbydetektivin Rosa Fink – Sport ist Mord


Rosa und Sebi wollen zum zweiten Mal heiraten – an ihrem Lieblingsurlaubsort an der Nordsee. Bis es soweit ist, ziehen sie ihre Flitterwochen kurzerhand vor und machen dort 3 Wochen Urlaub. Wegen ein paar Kilos zu viel auf der Waage will Rosa ein bisschen Sport machen und so lernen sie am Urlaubsort die Friesenfüße, eine Läufergruppe kennen. Sehr zum Missfallen von Sebi. Flirtet einer der Läufer, Oli, doch sehr mit Rosa. Und auch mit den Frauen anderer Männer. Als Oli kurz darauf tot umfällt, liegt der Verdacht nahe, dass hier ein wenig nachgeholfen wurde. Rosa und Sebi ermitteln und lernen dabei den einen oder anderen Dorfbewohner kennen sowie manch Wissenswertes über die Wirkung von Kräutern.

Wie auch schon in Teil 1 mag ich die resolute Rosie sehr. Sie ist Katzennärrin und Hobbydetektivin, hat vielleicht ein paar kleine Pfündchen zu viel auf den Rippen, dafür das Herz auf dem rechten Fleck. Selbstbewusst und lebenslustig ermittelt sie sich durch die Story, Sebi immer an ihrer Seite. Die zwei sind ein nettes Paar und passen einfach gut zueinander. Wo Rosa eher forsch und manchmal unbedacht vorangeht, bleibt Sebi auf dem Boden der Realität und bremst sie wenn nötig ein wenig ein. Dabei sind die beiden immer voller Herzlichkeit und Humor. Ein Cosy Crime, wie er im Buche steht. Klar, es gibt Tote, aber es ist nie brutal oder gewalttätig. Der ostfriesische Humor und die Atmosphäre der Nordsee kommen gut rüber und es fühlte sich wie ein kleiner Kurzurlaub an - ein Wohlfühlkrimi eben. Der lockere, herzliche Schreibstil, der super gut zu lesen ist, steuert das seine dazu bei. Genau so wie die nur kurzen, dafür aber umso witzigeren Szenen mit Hammel Boris – das müsst ihr aber schon selber lesen, was es mit ihm aus sich hat.

Nett auch: am Ende des Buches gibt es – wie auch schon in Teil 1 der Reihe – ein Rezept zum Nachbacken. Diesmal „Flinke Friesenfüße“ – ein Gebäck mit Rum. Ich mag es total, wenn in einem Buch noch Rezepte sind – ein weiterer Wohlfühlfaktor.

Ein Krimi, der Spaß macht, für kurzweilige Unterhaltung sorgt und mir ein paar vergnügliche Stunden an der Nordsee beschert hat. Fast schon konnte ich das Wattenmeer riechen. Sehr gute 4/5 Sterne und eine klare Empfehlung für alle, die beschaulichen, humorvollen Cosy Crime zum Miträtseln mögen.

Bewertung vom 24.06.2022
Marterlmord - Ein Geheimnis. Eine Mordserie. Ein schweigendes Dorf.
Troi, Heidi

Marterlmord - Ein Geheimnis. Eine Mordserie. Ein schweigendes Dorf.


gut

Ein Bergbauerndorf in Südtirol – idyllisch? Nein! Dafür mörderisch und schweigsam!

Ich vergebe für das Buch 3,5 Sterne – da es hier keine halben Sterne gibt, runde ich tendenzmäßig auf 3 Sterne ab.

Tal-Valle in Südtirol – ein kleines Bergbauerndorf mitten im Nichts. Hier soll Pietro Carminati ab sofort seinen Dienst versehen. Doch anstatt eine ruhige Kugel schieben zu können, wird direkt ein Toter gemeldet. Sepp, der „Dorfbsuff“ liegt tot im Bach. Sicher ein Unfall. Als dann tags darauf die Leiche eines der Bauern mit abgehackten Händen und halbnackt an einem Marterl geflochten entdeckt wird, keimt ein Verdacht auf. Dieser erhärtet sich, als am nächsten Tag der nächste Bauer tot am Marterl hängt. Allen Leichen wurde ein Sträußchen Vergissmeinicht beigestellt. Carminati versucht zu ermitteln, doch die schweigende Dorfgemeinschaft macht es ihm nicht leicht. Zudem kämpft er mit seinen Gefühlen, denn seine Verlobte Beatrice hat ihm den Laufpass gegeben, was Carminati nicht akzeptieren will. Und der Chef fordert schnelle Ergebnisse. Carminati steht unter Druck – und schon passiert noch ein Mord.

Eine Leiche jagt die nächste in diesem Südtirol-Krimi. Es geht Schlag auf Schlag, zu schnell, um wirklich Ermittlungen zu betreiben. Außer ein paar Befragungen, die aufgrund der stoischen Wortkargheit der Bergbauernfamilien eher Monologen gleichen und dem Einsatz von Militärpatrouillen im Dorf, unternimmt Pietro eigentlich nichts. Dazu ist er von seinem Privatleben – erst in Form seiner Verlobten, die ihm einen Laufpass gegeben hat und später dann von den schönen grünen Augen einer Journalistin, die ihm den Kopf verdreht – zu sehr abgelenkt. Für mich macht das aus Pietro einen denkbar ungeeigneten Polizisten und ich empfinde ihn tatsächlich als sehr stümperhaft. So kommt leider kein Ermittlungsfieber auf – es wird ja kaum ermittelt. Eine Leiche nach der anderen, dazwischen ein bisschen Geplänkel und am Ende dann der Showdown mit der letzten Leiche und der Auflösung. Es hat schon Spaß gemacht, das Buch zu lesen und der Schreibstil ist auch wirklich fesselnd. Doch mir ging alles zu schnell. Es blieb keine Zeit, die Figuren näher kennenzulernen – alle blieben für mich sehr blass. Dadurch, dass einfach immer mehr Leichen auftauchten, ohne dass dem Leser ein bisschen Zusatzinfos oder Hinweise zu den Opfern geliefert wurden, war es nahezu unmöglich, mitzuraten, weswegen und von wem sie ermordet wurden. Gefallen hat mir der Humor, der vor allem mit den Militärjungs immer mal wieder aufblitzte. Über Pietro habe ich mich eigentlich nur aufgeregt. So eine selbstmitleidige, unnütze Heulboje. Die Auflösung war dann zwar nachvollziehbar, aber doch auch sehr reißerisch.

Das Cover ist sagenhaft! Diese bedrohliche Stimmung passt perfekt zu dem einsamen Bergbauerndorf. Und: ich weiß jetzt, was Marterln sind – das war mir vorher nämlich nicht bewusst, dass diese überdachten Wegkreuze mit den religiösen Figuren an den Wegesrändern so heißen.

Ein Krimi, der sich flüssig und schnell lesen lässt, der aber irgendwie mein Krimiherz nicht wirklich befriedigt hat. Dafür war es zu viel und zu schnell und zu sehr nur an der Oberfläche. Das ist schade, denn der Schreibstil an sich ist wirklich super. Mit mehr Tiefe und Detailverliebtheit wäre der Krimi perfekt gewesen. So vergebe ich 3 gute Sterne (wie gesagt: GUTE Sterne! Drei sind bei mir GUT, vier sind SEHR GUT – das Buch ist also keinesfalls schlecht, sondern liegt zwischen gut und sehr gut).

Bewertung vom 12.06.2022
Für die Katz / Rosa Fink Bd.1 (eBook, ePUB)
Sanne, Manuela

Für die Katz / Rosa Fink Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Wuppertaler Cosy-Crime mit Katzen – humorvoll und kurzweilig


Rosa und Sebi Fink sind eigentlich geschieden – verstehen sich aber prächtig und machen sogar gemeinsam Urlaub. Ihr diesjähriger Nordseeurlaub wird jedoch von einer Katzenentführung in Wuppertal, ihrem Wohnort, sowie einem Farbsprühangriff auf die Rassekatzenausstellung jäh unterbrochen. Sebi, Privatdetektiv, wird vom Veranstalter der Ausstellung, einem ehemaligen Polizeikollegen gebeten, Ermittlungen anzustellen und den Fall aufzuklären. Rosi – resolut, bestimmt und voller Tatendrang – hilft nach Kräften mit und gerät bald selbst in Gefahr.

Das Cover hat mich als riesigen Katzenfan sofort angezogen – logisch! Zudem mag ich Cosy Crime und habe mich daher sehr gefreut, dass ich das Buch bei einem Gewinnspiel der Autorin gewonnen habe. Ich mag den lockerflockigen, sehr gut zu lesen Schreibstil, immer spritzig und witzig, aber nicht albern und doof. Die Figuren werden wunderbar detailliert beschrieben, so dass man jeden schon bald persönlich zu kennen meint. Allen voran Hauptcharakter Rosi, die ich einfach mag mit ihrer resoluten, zupackenden Art und ihrer herrlichen Normalität (sie ist keine Superwoman, sondern eine normale Frau Mitte 40, die bei Essen schwach wird, keine Diät so richtig durchhält und die Sport überhaupt nicht mag). Die Story ist spannend und nur teilweise vorhersehbar und ich fühlte mich richtig gut unterhalten. Kurzweilig, witzig, nahezu gewaltfrei – eben Cosy Crime. Das Ganze spielt zwar auch an der Nordsee, doch nur kurz. Hauptspielort ist Wuppertal. Ich könnte mir vorstellen, dass Ortskundige da richtig ihre Freude dran und einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Teil 2 habe ich mir direkt gekauft (das allein sagt ja schon einiges aus) und ich vergebe für den Auftakt der Rosa Fink-Reihe sehr gute 4/5 Sterne.

Bewertung vom 10.06.2022
Die Tore der Assassinen (eBook, ePUB)
Cobbler, Dave

Die Tore der Assassinen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Spannender Urban-Fantasy-Krimi mit irre viel Humor – macht Lust auf mehr


Palina - jung, alleinstehend, berufstätig – bemerkt auf einmal immer wieder seltsame Dinge, die um sie herum geschehen. Als dann neben dem einen oder anderen seltsamen Todesfall auch noch eine ihrer Freundinnen tot umfällt und ebenso ein junger Mann, mit dem Palina gerade angebandelt hat, steht sie im Blitzlicht der Polizei, die Palina verdächtigt. Doch die weiß selbst nicht, was hier los ist und wendet sich an Charles, einen älteren Herren, den sie kürzlich auf dem Weihnachtsmarkt kennengelernt hat und mit dem sie schnell eine Freundschaft verbindet. Charles eröffnet ihr so nach und nach Geheimnisse rund um eine Assassinen-Gilde und eine Wächter-Bruderschaft, die sich seit je her bekämpfen. Schnell stellen sie fest, dass in Palina mehr steckt – und so beginnt das gefährliche Abenteuer um die Tore der Assassinen.

Ich habe mich gefreut, als der Autor mir das Buch zum Lesen angeboten hat, weil ich das Cover richtig toll fand und auch der Klappentext meine Neugier geweckt hat und ich mir dachte: ja, das könnte mir gefallen. Was ich dann aber tatsächlich lesen durfte, hat meine Erwartungen weit überschritten. Den Schreibstil von Dave Cobbler kann ich nur als kurzweilig, locker, wunderbar auf den Punkt und schlicht super zu lesen beschreiben. Ich bin durch die Geschichte getragen worden, war in der Wüste, in einer anderen, unwirtlichen kalten Landschaft, in der Großstadt, in der Küche der Mädels zum Feiern, auf dem Weihnachtsmarkt, im Café und in der Kneipe. Alles so greifbar und detailliert beschrieben, als wäre ich mit dabei. Das hat einfach unheimlich Spaß gemacht. Ich musste an so vielen Stellen so lachen! Der Humor kommt hier wirklich nicht zu kurz. Palina (die ich übrigens für einen ganz wundervollen Charakter halte – sie ist einfach ein toller, liebenswerter Mensch) und ihre Freundinnenclique lockern die spannende Geschichte zwischendurch wunderbar auf und ich wäre am liebsten ins Buch geschlüpft und hätte mit ihnen ein paar Gläschen Wein mitgetrunken. Die beiden Polizisten René und Mario, die zwar nur Kollegen sind, aber die so herrlich humorvoll und flapsig miteinander umgehen, dass ich ihre Dialoge ewig hätte verfolgen können. Und natürlich Charles, der für sein Leben gern isst und den ich einfach wunderbar englisch finde… trocken, zuvorkommend, humorvoll, wunderbar. Nicht zu vergessen natürlich auch Palinas Kater Flokati!

Als wären diese wunderbar beschriebenen Figuren und Szenen nicht schon genug, ist die Story selbst auch noch super spannend! Der Fantasy-Anteil ist dabei keinesfalls im Vordergrund, sondern einfach ein Teil vom Ganzen. So gekonnt mit eingebaut, dass es eine Freude ist. Fantasy, Krimi, Thriller, Komödie – alles in einem Buch.

Für mich ein rundum perfektes Buch, dass mir herrlich kurzweilige und humorvolle Lesestunden beschert hat und noch lange nachwirkt. Es bleibt im Kopf und es macht vor allem Lust auf mehr. Gut, dass es sich um einen Reihenauftakt handelt. Ich werde weiterlesen – so viel steht fest. Von mir von Herzen 5/5 Sterne.

Bewertung vom 09.06.2022
Der Magier von Lhasa
Michie, David

Der Magier von Lhasa


ausgezeichnet

Spiritueller Thriller nicht nur für Fans der Buchreihe „Die Katze des Dalai Lama“


Ich vergebe für das Buch 4,5 Sterne – in Ermangelung halber Sterne runde ich sehr gerne auf volle 5 Sterne auf.

Tibet, 1949: Mönchs-Novize Tenzin Dorje flieht gemeinsam mit seinem Bruder Paldon Wangpo (ebenfalls Novize) und ihrem Lama Tsering aus Tibet Richtung Indien, um der Roten Armee zu entgehen, die sämtliche Klöster dem Erdboden gleichmacht und Tod, Verstümmelung und Verzweiflung verbreitet. Im Gepäck die kostbarsten Dokumente, deren Schutz noch vor dem Schutz des eigenen Lebens steht. Zu Fuß über den Himalaya, Schnee, Kälte, Erschöpfung und immer die Gefahr, von Soldaten aufgespürt zu werden.

England/USA, 2007: Matt Lester, Quantenwissenschaftler und Erfinder von Nanobot, bekommt ein Jobangebot, dem er sich nicht entziehen kann. Die berufliche Chance seines Lebens. Doch seine Beziehung leidet darunter und droht zu zerbrechen. Zudem findet er heraus, dass es sein neuer Chef nicht ehrlich mit ihm meint. All das und die Bekanntschaft mit seinem neuen Nachbar, einem tibetischen Mönch, bringt ihn dazu, sein bisheriges und weiteres Leben gründlich zu überdenken.

Was diese beiden so gänzlich unterschiedlichen Geschichten miteinander zu tun haben, offenbart sich zum Ende des Buches. Bis dahin wechseln sich Nervenkitzel der Flucht nach Indien in den 50er Jahren mit Beziehungsproblemen 2007 in den USA auf wunderbar unterhaltsame Weise ab.

Das Buch ist untertitelt mit „Thriller“, doch handelt es sich nicht um einen knallharten, nervenaufreibenden Schocker, sondern um eher um eine spannende, spirituelle und sehr fesselnde Erzählung. Der Teil in Tibet ist nervenaufreibend und unter die Haut gehend, der Teil in England/USA eher ruhig und kurzweilig. David Michie schafft es auch hier wieder (wie schon in seinen „Die Katze des Dalai Lama“-Büchern) dem Leser den Buddhismus auf sanfte, verständliche, unterhaltsame und sehr faszinierende Art näherzubringen und zu erklären. Kein esoterisch-abgehobenes Geschwurbel, sondern faszinierende und interessante Einblicke in die buddhistische Lebensanschauung. Wie er die beiden unterschiedlichen Zweige des Buches am Ende verschmelzen lässt, ist herzerwärmend, tröstend und Hoffnung machend.

Die Charaktere sind bildhaft und lebendig, detailliert beschrieben und charaktervoll, so dass sie einem direkt nahe sind. Die Liebe, die David Michie für alle Lebewesen in sich trägt, ist förmlich greifbar und macht die Lektüre zu etwas Besonderem.

Anfang und Ende des Buches ziert ein wunderschönes Mantra:

Mögen alle Wesen glücklich sein
und die wahren Ursachen des Glücks besitzen.
Mögen alle Wesen frei sein von Leid
und von den wahren Ursachen des Leids.
Mögen alle Wesen niemals das Glück verlieren, das ohne Leiden ist,
die große Freude der Befreiung im Nirvana.
Mögen sich alle Wesen in Frieden und Gleichmut befinden
Und ihr Geist frei sein von Anhaftungen und Abneigungen,
sowie frei von Gleichgültigkeit.

Ein wundervolles, spannendes, herzerwärmendes Buch – nicht nur für Fans der Katze des Dalai Lama – 4,5/5 Sterne.

Bewertung vom 05.06.2022
Selbst.Zufrieden
Reed Turrell, Emma

Selbst.Zufrieden


gut

Verhaltenstherapie im Buchformat


Nachdem die vier Pleasing-Profile vorgestellt werden (der klassische People Pleaser, der Schatten, der Beschwichtiger, der Verweigerer) widmet sich die Autorin dem Pleasing in den verschiedenen Lebensbereichen: Pleasing in Freundschaften, in Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Elternrolle, bei besonderen Anlässen, im Internet, als Frau, als Mann und von der Empfängerseite betrachtet. Mit Praxisbeispielen in Form von Geschichten ihrer Klienten (die Autorin arbeitet als Psychologin) verdeutlicht sie ihre Ausführungen.

Ich bin ein bisschen zweigespalten, was das Buch betrifft. Einerseits ist es gut und verständlich geschrieben, andererseits empfinde ich es sehr als Verhaltenstherapie im Buchformat. Wer Altlasten mit sich herumschleppt, z.B. aus der Kindheit, der wird hier ordentlich getriggert. Das ist hart, das tut weh – und da man hier nur das Buch vor sich hat und keinen Therapeuten, steht man dann damit ziemlich alleine da. Es ist kein Buch zum schnell mal weglesen, sondern zum damit arbeiten – sofern man bereit ist, die Krusten der Vergangenheit aufzubrechen, weil man sich selbst tatsächlich unwohl fühlt, mit dem ewigen Ja-Sagen und Allen-gefallen-wollen und damit Schluss machen möchte. Je nach Grad des eigenen People-Pleaser-Zustands ist das Buch vielleicht ein Anfang, aber keinesfalls die Heilung. Das wäre zu einfach.

Ich mag den Begriff People Pleaser nicht. Bedeutet er doch direkt übersetzt: Einschleimer. Das ist mir zu negativ behaftet. Generell wäre mir ein deutscher (nicht negativ behafteter) Ausdruck in dem Buch auch lieber gewesen, da nahezu auf jeder Seite mehrfach Poeple Pleaser und Pleasing zu lesen ist. Aber gut, halb so wild.

In einem Satz heißt es: „Wenn du nicht erkennst, dass deine Herangehensweise ans Leben Resultat der eigenen Konditionierung ist […], so wirst du womöglich gar nicht merken, dass es Leerstellen bei dir gibt, die du füllen musst.“ Ich persönlich habe ein Problem mit der Aussage. Wenn ich alle meine Taten, Worte, Gedanken (eben meine Herangehensweise) hinterfrage in Bezug auf meine Vergangenheit, meine Erziehung, meine Kindheitserlebnisse etc., werde ich m.M.n. verrückt und handlungsunfähig. Dann doch lieber ein paar „Leerstellen“ – und ob ich die wirklich füllen muss, sei mal dahingestellt.

Alles in allem ein verständlich geschriebenes Lebenshilfebuch, das es sich für meinen Geschmack jedoch zu einfach macht und nur dazu dienen kann, einen allerersten Anstoß zu geben. Oder das sich eher an die leichteren Fälle von People Pleasern richtet. Keine einfache Lektüre für Betroffene, sondern Triggerauslöser und dadurch u.U. schmerzhaft. Eine Empfehlung für oder gegen das Buch kann ich nicht abgeben, da jeder selbst herausfinden muss, ob das was für ihn ist.

Von mir 3/5 Sterne.