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Benutzername: Daniela A.
Wohnort: Eggenstein-Leopoldshafen
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Danksagungen: 6 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 139 Bewertungen
Bewertung vom 16.05.2021
Lepusera
Hagenauer, Nicole

Lepusera


sehr gut

Ein fantasievolles Abenteuer mit viel Spannung und – mit Hasen

Als Lydia und Tilda den neuen Nachbarn Lenny in seinem Leuchtturm besuchen, staunen sie nicht schlecht: er hat einen sprechenden Beo namens Käpt´n Niggel und auch Rosine wohnt im Leuchtturm – eine Giraffe. Herr und Frau Wünsche sind zwar nicht Lennys Eltern, sondern nur diejenigen, die auf ihn aufpassen, solange seine Eltern unterwegs sind, dafür sind sie aber auch keine Menschen, sondern Hasen. Gemeinsam machen sie einen Ausflug nach Lepusera – so heißt das Land, aus dem die menschengroßen Hasen herkommen. Dort lernen Lydia und Tilda weitere Hasen kennen und erleben ein gefährliches und aufregendes Abenteuer rund um das Rezept für das wohl weltbeste Marzipanrezept. Denn machthungrige Hasen schrecken auch vor Entführung nicht zurück.

Zunächst einmal gefällt mir das im Selfpublishing herausgebrachte Buch rein optisch ausgesprochen gut! Es ist so liebevoll aufgemacht mit der hübschen grünen Farbe, der Coverzeichnung und den vielen Illustrationen im Inneren. Und es hat sogar ein Lesebändchen. Die Schrift ist schön groß und damit auch perfekt für Erstleser. Die einzelnen Kapitel sind nur wenige Seite lang, so dass auch das die Zielgruppe perfekt umgesetzt ist. Es gibt sehr viele schwarz-weiß-Illustrationen, die ebenfalls von der Autorin gemacht wurden und die die Geschichte perfekt begleiten. Hier spricht aus jeder Zeile und jedem Bild die Liebe und Leidenschaft, die in diesem Buch stecken. Kein Wunder, hat sie das Buch doch vor allem für ihre Tochter geschrieben.

Die Story ist voller kindgerechter, kunterbunter Fantasie und macht Lust, die Welt Lepusera selbst zu erkunden. Doch es ist nicht nur Friede-Freude-bunte Eierkuchen. Auch die Spannung kommt hier nicht zu kurz, finden doch Verbrechen statt: Entführung, Gefangennahme, Erpressung und Diebstahl. Ein spannendes Abenteuer zum sich darin verlieren - perfekt zum Vorlesen oder auch für Erstleser. Die Charaktere sind teils vielschichtig und nicht gleich zu durchschauen, was der Spannung nochmal einen draufsetzt.

Es geht um Freundschaft, um Zusammenhalt und um Vertrauen – alles wichtige Werte. Fazit: ein wunderbares Fantasiemärchen für kleine Abenteurer:innen mit einigen Tippfehlern, die aber nicht weiter schlimm sind und die bei einer nächsten Auflage sicher nicht mehr vorhanden sein werden. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es sogar eine Fortsetzung der Abenteuer in Lepusera geben könnte – und wenn ja: dann bin ich da auf jeden Fall wieder mit dabei. Vier Sterne!

Bewertung vom 15.05.2021
Lächeln gefunden
Schoenwald, Sophie

Lächeln gefunden


ausgezeichnet

Ein Lächeln ist die schönste Sprache der Welt – zauberhaftes Bilderbuch, das Dich garantiert zum Lächeln bringt

Nachdem Bär auf seinem Gesicht dieses dicke, riesengroße und glückliche Lächeln gefunden hat, sich sicher ist: „das kann nicht meins sein, das muss jemand verloren haben“ und die „Lächeln-gefunden“-Zettel im Wald aufgehängt hat, kommen die Tiere des Waldes nach und nach zu Bär auf die Lichtung, um nachzusehen, ob es vielleicht ihr Lächeln ist, welches er da gefunden hat. Jedes stellt dann fest: „nein, viel zu groß für mich“ oder „viel zu breit für mich“. Doch der Bär schafft es dennoch, jedem von ihnen ebenfalls ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, so dass alle glücklich und fröhlich sind. Über einen Streit zwischen zwei der Waldtiere verliert Bär sein Lächeln kurz… doch er findet es schnell wieder – und die beiden Streithähne auch. Die Eule bringt es am Ende der Geschichte dann auf den Punkt: „Das Besondere an einem Lächeln ist, dass man es immer wieder verschenken kann, ohne es weggeben zu müssen.“

Schon allein das Cover zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht – so süß. Und genau so geht es auch innen weiter. Die Zeichnungen umfassen ganze Seiten und Doppelseiten und sind einfach nur zauberhaft. Wenn man sie sich genauer ansieht, kann man eine ganz eigene, kleine Geschichte in den Zeichnungen selbst entdecken: nämlich die vom Taubenpärchen, das sich trifft und ineinander verliebt. Was für eine schöne Idee. Der Text ist kurzgehalten und daher perfekt für die ganz Kleinen zum Vorlesen geeignet. Die Botschaft ist so einfach, wie wichtig: ein Lächeln ist die schönste Sprache der Welt! Lächle, und das Leben lächelt zurück. Lächle und mache anderen und Dir selbst damit eine Freude. Eine Botschaft, die auch schon kleine Kinder verstehen können und die – so klein und unbedeutend sie erscheinen mag – eine ganze Welt zum Positiven verändern kann.

Bewertung vom 14.05.2021
Achtsam morden am Rande der Welt / Achtsam morden Bd.3
Dusse, Karsten

Achtsam morden am Rande der Welt / Achtsam morden Bd.3


ausgezeichnet

Teil 3 der Achtsam-morden-Reihe – ich musste wieder so lachen!

Björn stellt fest, dass er auch mal an sich denken muss und eine Auszeit braucht. Um über alles nachzudenken, sein Leben zu ordnen und herauszufinden, was er selbst will, wie es weitergehen und wohin sein Weg ihn führen soll. Der führt ihn zunächst auf den Jakobsweg. Und gleich am Anfang „explodiert der Kopf des (mitpilgernden) Staatsanwaltes wie aus dem Nichts in einer rosaroten Wolke“. Doch es bleibt nicht bei diesem einen Opfer und Björn ist sich sicher: die Anschläge gelten eigentlich ihm selbst. Zwischen dem achtsamen Nachgrübeln über den Sinn des Lebens und dem Versuch, sein eigenes frühzeitiges Ableben zu verhindern, findet Björn viel über sich selbst heraus und kommt den Antworten auf seine zu Anfang der Pilgerreise gestellten Fragen immer näher. Was das alles mit Chinesen mit Bauschaum im Hintern und mit einem Escortservice zu tun hat? Das müsst ihr schon selber herausfinden.

Was habe ich gelacht! Karsten Dusse schreibt mit einem Gespür für Sprachwitz, dass es eine Freude ist! Das ist nicht einfach eine dahingeschriebene Krimikomödie, sondern ein sprachlich unglaublich gekonnter und dennoch brüllend komischer Erfahrungsbericht einer Selbstfindung mit Hindernissen. Hier sterben viele Leute und doch ist das nicht entsetzlich, sondern bauchmuskelstrapazierend. Um die immer präsenten Achtsamkeitsübungen sind gekonnt passende Szenen herumgeflochten und ich kann gar nicht anders, als mich über den völlig übertriebenen und doch absolut witzigen unsinnigen Sinn der Story köstlich zu amüsieren. Doch auch die leisen, nachdenklichen Töne gibt es. Und die sind so was von berührend – was für eine Mischung! Mir fehlen da noch ein bisschen die Worte, weil es ein wirklich außergewöhnliches Buch ist. Brüllend komisch, total übertrieben laut, dann wieder sehr feinfühlig leise und tiefgründig. Einfach großartig!

Ich empfehle dringend, die Reihe von Anfang an zu lesen – sonst fehlt einem zu viel wichtiges Hintergrundwissen. Nach einem grandiosen 1. Teil und einem schwächeren Teil 2 dreht Karsten Dusse mit diesem 3. Teil wieder voll auf und liefert allerbeste Unterhaltung ab. Fünf Sterne!

Bewertung vom 06.05.2021
Die Welt ist voller Wunder / Die Unausstehlichen & ich Bd.3
Walder, Vanessa

Die Welt ist voller Wunder / Die Unausstehlichen & ich Bd.3


ausgezeichnet

„Es gibt Freunde. Es gibt Familie. Und dann gibt´s noch Freunde, die werden Familie“ – ein Lesehighlight

Enni ist nun also mehr oder weniger angekommen in ihrem neuen Leben im Saakser Internat, fühlt sich wohl, hat Freunde und eigentlich könnte alles richtig toll sein. Doch wie immer in Ennis ziemlich komplizierten Leben liegen da wieder ein paar Steine im Weg. Diese gilt es wegzuräumen oder zumindest sie zu umschiffen. Wie gut, dass sie ihre Freunde hat, die ihr dabei helfen – wenn auch manchmal vielleicht nur unterbewusst.

Einmal mehr gelingt Vanessa Walder mit diesem 3. Teil ein so berührendes, ergreifendes und unglaublich „echtes“ Buch – ich bin absolut begeistert! Der Klappentext offenbart nicht auch nur ansatzweise das, was hier zwischen den Buchdeckeln steckt. Enni ist so eine anrührende, starke, liebenswerte, empathische Person und ihr Erlebtes geht einem wirklich durch und durch. Die Art des Erzählens – Enni schreibt ja an ihren Vater und genau das ist der Inhalt des Buches, also alles in der Ich-Form von Enni selbst geschrieben – lässt mich noch mehr mitfühlen und wieder einmal ertappe ich mich dabei, wie ich Enni so gerne in die Arme nehmen und sie vor allem weiteren Negativen schützen möchte. Dennoch ist es kein trauriges Buch. Ich musste auch oft lachen (schon allein die vielen durchgestrichenen Schimpfwörter) und hatte eine Menge Spaß beim Lesen. Die tiefgründigen Zwischentöne, Ennis Gedanken und all das macht die Story zu etwas ganz Besonderem (ZITAT von Seite 73: „Für Geheimnisse brauchst du einen Safe. Das Problem is: Da sitzt du dann drin.“).

Im Buch geht es nicht um Magie, um Vampire, sprechende Tiere oder Girlie-Kram – hier geht es um´s Leben… und um die Wunder darin, um Freundschaft, Familie, Vertrauen und darum, auch mal an sich selbst zu denken und nicht immer nur an andere – so weh das den anderen oder einem selbst vielleicht auch manchmal tut. Eine absolut wunderschöne Buchreihe, die ich gerne JEDEM ans Herz legen möchte. Wie immer auch jetzt wieder super illustriert mit einigen sehr schön passenden schwarz-weiß-Zeichnungen.

Bewertung vom 05.05.2021
Im Wasser sind wir schwerelos
Jedrowski, Tomasz

Im Wasser sind wir schwerelos


ausgezeichnet

Verbotene Liebe in den 1980er Jahren in Polen – eine literarische Perle

Ludwik fühlt sich schon als Kind zu Jungen hingezogen, was ihm große Angst macht. Offensichtlich ist er nicht normal. Nun lernt er also Anfang zwanzig den gleichaltrigen Janusz kennen. Doch die Tage im Sommer-Arbeits-Camp vergehen ohne besondere Ereignisse – er spürt zwar die Anziehung, ist sich der Signale aber nicht sicher. Bis die beiden allein für ein paar Tage Campingurlaub an einem abgelegenen See machen. Unbemerkt von anderen kommen die Gefühle ans Tageslicht und die beiden erleben miteinander die wohl schönsten, innigsten und glücklichsten Tage ihres bisherigen Lebens. Dort am See, abgelegen von allem, können sie ein Liebespaar sein – eben „schwerelos im Wasser“. Doch zurück in der Stadt ist das nicht so einfach. Homosexualität ist im polnischen Sozialismus verboten und wird bestraft. Die Beziehung der beiden wird immer komplizierter, zumal Janusz sich dem Regime verpflichtet fühlt, dort sogar Arbeit annimmt und Ludwiks Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit nicht nachvollziehen kann. Entscheidungen stehen auf beiden Seiten an: nach außen ein „normales“ Leben führen und sich und seine Liebe immer verstecken müssen oder flüchten und versuchen, im Westen endlich das Leben zu führen, das man sich erträumt?

Dieses kleine Buch ist wirklich eine Perle. Jedrowskis Schreibstil ist ganz besonders, sehr lyrisch, sehr fein, detailreich und mit einer wunderschönen, an alte Klassiker erinnernden Sprache als Grundlage. Dadurch und durch die wenig weit ausholende, nicht um den heißen Brei herumredende Erzählweise ist die Geschichte sehr eindringlich und berührend. Die Verleugnung der eigenen Identität und Sexualität, was das bedeutet und mit den beiden jungen Leuten und ihrem engen, aber dennoch unwissenden Umkreis macht, wird hier pur und schnörkellos thematisiert und trifft voll ins Herz. Die Lebensumstände in Polen zu der damaligen Zeit werden ungeschminkt erzählt, aber nicht reißerisch ausgewalzt, sondern immer ruhig, direkt, auf den Punkt und irgendwie leise.

Das alles zusammen – die Geschichte, der besondere Schreibstil, die Erzählweise, die Charaktere – hat mich berührt, mich traurig und nachdenklich gemacht. Das wäre sicher auch eine gute Lektüre für die etwas höheren Schulklassen. Rundum ein in meinen Augen besonders gelungenes Debut des jungen Autors.

Die ausführliche Rezension inkl. Leseprobe und Link zum Podcast mit Interview und Lesung des Autors findet ihr in meinem Blog LESEZAUBER_ZEILENREISE: https://lesezauberzeilenreise.blogspot.com/2021/05/im-wasser-sind-wir-schwerelos-von.html

Bewertung vom 04.05.2021
Der Montagsmordclub / Die Mordclub-Serie Bd.1
Osman, Richard

Der Montagsmordclub / Die Mordclub-Serie Bd.1


ausgezeichnet

Überaus witziger und schlauer Krimiauftakt mit viel Herz und Menschlichkeit
Tony Curran, Bauunternehmer des geplanten neuen Bauprojekts auf Coopers Chase, welches vom Bauherrn Ian Ventham geplant ist, wird eines Tages tot aufgefunden – ermordet. Die Mitglieder des Mordclubs, unmittelbar betroffen, da sie Tony schließlich alle mehr oder weniger gekannt haben, schaffen es mit List und sehr viel Schläue, Teil der polizeilichen Ermittlungen zu werden und sich über alle möglichen Kanäle entscheidende Hinweise einzuholen. Dabei setzt jeder einzelne von ihnen seine Talente aus dem „früheren Leben“ geschickt ein. Verdächtige gibt es einige. Als dann auch noch ein weiterer Mord geschieht, geraten sie tatsächlich selbst ein wenig unter Mordverdacht. Noch mehr Grund, sich tüchtig in die Ermittlungen zu stürzen.

Was für ein witziger Krimi! Die Charaktere – seien es die Residenzsenioren, die beiden Polizeiermittler Donna de Freitas und ihr Chef Chris oder Bogdan, der Mann für alles – sind so himmlisch menschlich und so brillant in Szene gesetzt. Das geht direkt ins Herz und man muss sie einfach gernhaben und ich konnte mich super mit ihnen identifizieren. Die Senioren sind pfiffig und gewitzt, der Fall selbst ist super spannend und auch wenn es wirklich streckenweise brüllend komisch ist, kommen auch die leisen, melancholischen Seiten immer mal wieder durch (man darf nicht vergessen, die Protagonisten sind allesamt Menschen am Ende ihres Lebensweges). ZITAT: Für jeden ertönt irgendwann der Schlusspfiff. Ist man einmal im Spiel, bleibt keine andere Tür als der Ausgang. Doch bleibt es immer eine Krimikomödie. Das ist dem Autor wirklich gut gelungen. Überhaupt hat er einen sehr schönen, fließenden, lockeren und ansprechenden Schreibstil.

Die einzelnen Kapitel sind so gestaltet, dass ein Teil eben die Handlung an und für sich ist, der andere Teil aber über die Einträge aus Joyces Tagebuch erzählt wird. Joyce wendet sich dazu gefühlt direkt an den Leser, was mir sehr gut gefällt. Man wechselt so zwischen direkter Ansprache und dann wieder der eigentlichen Geschichte hin und her. Das Ende war für mich nicht vorhersehbar und dadurch richtig gut – ich wurde im Laufe der Lektüre öfter mal aufs Glatteis geführt und hatte viel Spaß beim „Mitermitteln“.

„Der Donnerstagsmordclub“ ist ein schlauer, warmherziger, witziger, menschlicher und spannender Krimi, der zum Miträtseln einlädt und einfach einen Haufen Spaß macht! Großartig! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung – nicht zuletzt deswegen, weil ich die Seniorenbande unbedingt wieder um mich herum haben möchte.

Bewertung vom 29.04.2021
Du bist dran!
Caart, Lynn van

Du bist dran!


sehr gut

Fantasievolles, magisches Abenteuer mit einem bisschen Grusel und viel Spannung

Ich gebe 3,5 Sterne – da es hier aber keine halben Sachen gibt, runde ich tendenzmäßig auf 4 Sterne auf.

Die beiden Cliquen, die sich zunächst eher spinnefeind sind, machen sich gemeinsam daran, das magische Kartenspiel zu spielen. Dabei muss jeder von ihnen nacheinander eine Karte vom Stapel ziehen, bekommt eine Aufgabe gestellt (z.B. einen Schlüssel suchen, einen Weg finden, Verpflegung für alle besorgen) und wird schon hineingeschubst in eine andere Welt! Denn der Karteninhaber sieht nicht mehr das Schulgebäude, sondern die Illusion aus einer früheren Zeit und ist dort auch ganz auf sich allein gestellt. So wird eine Aufgabe nach der anderen erledigt oder auch nicht erfüllt. In diesem Fall verschwindet z.B. einer der Jungs. Die Kinder glauben: sie müssen das Spiel bis zum Ende spielen, denn sonst sehen sie ihren Freund nie wieder.

Der Schreibstil ist locker zu lesen und super finde ich die Gestaltung des Buchs: es gibt ein paar sich wiederholende Illustrationen und in den Umschlagseiten ist der Grundriss aller vier Etagen der Schule abgebildet, so dass man auch bildlich mitverfolgen kann, wo die Kinder sich gerade befinden. Toll auch, dass die Szenen, die in der „Parallelwelt“ spielen, in einer anderen Schrift gedruckt sind. So weiß man immer sofort, ob man in der Realität oder in der Fantasie ist.

Was einen anfangs direkt an Jumanji denken lässt, entwickelt sich dann doch anders. Die erste Zeit hatte ich ein bisschen gedauert, bis ich angekommen bin in der Story, was sicher daran liegt, dass die ersten Kartenspielsequenzen so hopplahopp abgearbeitet wurden und für mein Empfinden kaum Spannung aufkam. Doch je weiter man liest, desto besser wird es. Zum Ende hin ist es dann wirklich spannend und abenteuerlich und macht Spaß. Die Charaktere hätten für meinen Geschmack jedoch mehr beleuchtet werden müssen – ich fand sie einfach zu oberflächlich und konnte zu keinem einen wirklichen Bezug aufbauen, sie hatten zu wenig Persönlichkeit.

Schön die Botschaft, die hinter dem Abenteuer steckt: Zusammenhalt und Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Empathie. Und auch den Charakter Vicky, die ein bisschen ausgegrenzt wird, weil sie zwar ein Mädchen ist, aber sehr jungenhafte Züge hat und irgendwie nirgendwo so richtig dazugehört, finde ich wichtig und richtig. Es gibt eben nicht immer nur schwarz und weiß, sondern auch viele Zwischentöne im Leben und nicht jeder passt in eine Schublade.

Ich fand das Buch anfangs ganz okay, später dann gut und zum Ende hin noch besser, was mich zu einer Bewertung von 3,5 Sternen bringt (zwischen gut und sehr gut). Gerne gebe ich eine klare Leseempfehlung für kleine Abenteurer (Mädchen wie Jungs gleichermaßen) zwischen 10 und 12 Jahren, die spannende, fantasiereiche und ab und zu ein bisschen gruselige Storys mögen.

Bewertung vom 26.04.2021
Die Katze und die Leiche in der Scheune
High, Kate

Die Katze und die Leiche in der Scheune


sehr gut

Gelungener Reihenauftakt mit sehr detailreicher Story und spannender Mordermittlung

Ich vergebe 3,5 Sterne – da es halbe Sachen nicht gibt, runde ich tendenzmäßig auf 4 Sterne auf.

Clarice stößt bei ihren Nachforschungen auf einige Ungereimtheiten, war doch die Tote Rose nicht die, die sie vorgab zu sein. Rose´ Tod ruft dann auch noch deren geldgierige und nicht minder gewaltbereite Verwandtschaft auf den Plan und lüftet das eine oder andere Dorfgeheimnis. Clarice schafft es Dank ihres Noch-Ehemannes und sehr guter Freunde, der Lösung des Falls immer näher zu kommen. Dabei scheut sie vor keiner Gefahr zurück, setzt Freundschaften aufs Spiel, geht an ihre Grenzen und stellt alles in Frage, was sie über die Bewohner ihres Heimatortes Castlewick zu wissen glaubt.

Ich mag die Story und auch der Schreibstil an und für sich gefällt mir gut. Doch für meinen Geschmack hätte ein bisschen mehr vom typisch englischen trockenen Humor enthalten sein können (davon gab es kaum was), dafür ein bisschen weniger Charaktere. Denn die haben mich echt überfordert und ich hätte mir eine Charakterauflistung im Buch gewünscht. Es fiel mit recht schwer, mich zurecht zu finden, wer ist wer und wie stehen die nun wieder zueinander. Das war eher anstrengend. Dazu kommt dann noch der recht verzwickte Fall mit vielen hineinspielenden Richtungen, so dass es kein lockerflüssig zu lesender Wohlfühlkrimi ist, sondern ein guter, recht unvorhersehbarer ernsthafter Krimi.

Das liest sich jetzt ein bisschen negativ, doch das täuscht. Denn im Ganzen fand ich den Krimi wirklich gelungen: tolle Story, verzwickter Fall, sich wandelnde Charaktere und obendrauf noch ein paar Tiere in schöner englisch-ländlicher Gegend. Das Setting hat mir sehr gut gefallen, weil schön bildhaft beschrieben. Auch die Charaktere waren detailliert beschrieben und lösten – je nachdem – in mir wahre Abneigungsschübe und Hassanflüge aus. Clarice selbst… mit ihr bin ich irgendwie nicht so warm geworden, konnte mich nicht mit ihr identifizieren. Obwohl sie – wie ich – sich für Tiere einsetzt und diese liebt. Für mich war sie zu unnahbar, ungreifbar, unpersönlich. Aber das ist nur mein persönliches Empfinden.

Ich vergebe 3,5 Sterne – bedeutet: zwischen gut und sehr gut. Für 4 (sehr gut) oder 5 (ausgezeichnet) Sterne fehlt mir hier das gewisse Etwas und empfand ich die Charakterflut als zu übermächtig. Dennoch bin ich gespannt auf die Fortsetzung und werde diese sicher auch lesen.

Bewertung vom 24.04.2021
Das Graveyard Buch
Gaiman, Neil

Das Graveyard Buch


ausgezeichnet

Geister, Ghule, Vampire, Hexen: Nobodys Leben auf dem Friedhof - ein ganz besonderes Buch

Als Nobody noch ein Baby war und auch noch nicht Nobody hieß, wurde seine Familie brutal ermordet. Baby Nobody, der natürlich gar nicht so richtig weiß, was geschieht, nutzt die Gelegenheit der offenen Haustüre und krabbelt davon und landet auf dem alten Friedhof. Der Mörder seiner Familie kann nicht finden und auch sonst scheint keiner das Baby zu vermissen. So wird es von den „Bewohnern“ liebevoll und nach einem gemeinsamen Beschluss aufgenommen. Sie nennen den Kleinen Nobody, kurz Bod, seine neuen Eltern sind Mr und Mrs Owens, die bereits vor langer Zeit verstorben sind und nun als Geister mit allen anderen dort im Laufe der Zeit Begrabenen auf dem Friedhof ihr Leben nach dem Tod führen. Als Vormund wird Vampir Silas eingesetzt, einziger Friedhofsbewohner, der nicht an den Gottesacker gebunden ist, sondern auch raus in die „normale“ Welt gehen kann und der somit die Verbindung zwischen dieser und Bod ist.

So wächst Bod auf, immer behütet und beschützt von seiner neuen Familie und allen anderen Friedhofsbewohnern. Er bekommt Unterricht, Silas besorgt ihm Nahrung von draußen, die vor vielen Jahren verstorbenen Kinder allen Alters sind seine Spielkameraden und er führt ein ziemlich gutes Leben. Doch natürlich möchte er wissen, wer er eigentlich ist, warum seine Familie ermordet wurde und von wem. Auch wenn er ein „Lebendiger“ ist, hat er sich mit der Zeit einige nützliche Geisterdinge angeeignet. So kann er nahezu unsichtbar werden für die Menschenwelt. Und das ist auch gut so, denn der Mörder von damals ist immer noch auf der Suche nach ihm, um zu beenden, was er damals begonnen hat.

Das ist mal ein ziemlich geiles Buch. Sorry, aber anders kann ich es nicht nennen. Es hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen schon allein durch den außergewöhnlichen Schreibstil und die wundervoll fantasievolle Umsetzung dieser grandiosen Idee. Wir begleiten Bod vom Baby bis ins Erwachsenenalter und diese Parallelwelt „Friedhof“ wächst einem dabei förmlich ans Herz, was sicher auch an den detailreichen Beschreibungen liegt. Es ist kein bisschen gruselig auf dem Friedhof, die Bewohner „leben“ dort ihr Leben, spielen, unterhalten sich, feiern, putzen die Gruft und wischen Staub. Aber es ist dennoch weit entfernt von einer Komödie, auch wenn es einige humorvolle Szenen hat. Mitzuerleben, wie Bod sich dem Leben stellt, Bekanntschaften macht und sich entwickelt, seine Abenteuer in fremden „Welten“, seine Freundschaft mit Scarlett und seine intensive und dennoch eher kühle Beziehung zu Silas, sein Umgang mit der tödlichen Bedrohung – all das macht aus diesem Buch ein nachhaltig beeindruckendes Fantasywerk. In meinen Augen nicht zwingend ein Kinderbuch und ich weiß nicht, ob 10-jährige das alles schon voll erfassen können. Ein bisschen älter sollten die Leser m.M.n. schon sein, zumal es ganz am Anfang und auch zwischendurch immer mal recht düster, mystisch und unheimlich zugeht.

Mir gefällt der außergewöhnliche Schreibstil, der viele Zwischentöne hat und dem Leser nicht alles vorkaut, sondern auch Platz für eigene Gedankengänge lässt.

„Das ist wie mit den Menschen, die glauben, woanders ein glücklicheres Leben zu führen, und dann feststellen, dass das so nicht funktioniert. Egal, wo du hingehst, du nimmt dich selber immer mit.“

Die Vermischung von Gegenwartszeit mit jahrhundertealter Vergangenheit durch die Friedhofsbewohner hat Flair und ich habe die Lektüre absolut genossen!

Das außergewöhnliche Cover und die Gestaltung der Umschlagseiten passt perfekt zur Geschichte. Das Buch ist gedruckt auf Umweltpapier – was ebenfalls passt, weil alles ein bisschen „dunkler“, grauer ist.

Bewertung vom 16.04.2021
Risa aus dem Schattenwald
Rose&Szillat

Risa aus dem Schattenwald


sehr gut

Naturschutz, Freundschaft, Vertrauen und Mut – verpackt in eine hübsche Kindergeschichte

Nachdem Wolf Halgrimm Risa bei einer eigentlich verbotenen Dummheit unterstützt hat, wird er bestraft, in dem er zu Risa´s Onkel Joon auf die Burg der verlorenen Tiere muss, um dort „erzogen“ zu werden. Nun steht Risa also erst einmal allein da mit ihrem Problem. Zum Glück findet sie in Elfe Frigge eine Begleiterin. Unterwegs treffen sie auch noch auf Yorick, der ein Grumpfknoll und damit eigentlich der Feind ist. Doch er ist ebenfalls auf der Suche nach seiner Tierfreundin (Luchsin Lobra), die in der Burg gefangen gehalten wird und so schließen sie sich zusammen. Sie müssen queer durchs Land, in gefährliche Gebiete und erleben viele aufregende Abenteuer. Ob sie am Ende ihre Tierfreunde aus der Burg und den Schattenwald vor dem Abholzen retten können? Das müsst ihr selbst herausfinden.

Das Buch ist wunderhübsch aufgemacht! Das atmosphärische Cover (von Verena Körting gewohnt zauberhaft illustriert, genauso wie die vielen schwarz-weiß Zeichnungen im Innern) und der Buchrücken aus rotem Leinen – einfach ein kleiner Hingucker! Doch auch innen ist es sehr hübsch: vorne mit einer Landkarte, so dass man den Weg der Freunde stets verfolgen kann; dann gibt es gleich zu Anfang den Lumpalosa-Vertrag und immer wieder im Buch Auszüge aus dem Buch der Legenden – beides in anderer Schrift und auf einem auf alt gemachtem Papier gedruckt mit handschriftlichen Vermerken. Wirklich sehr hübsch gemacht! Durch Vertrag und Buch der Legenden erfährt man viel über das Land und seine verschiedenen Bewohner.

Die Story selbst ist süß. Nicht übermäßig spannend oder sehr aufregend, da es ja ein Buch für die etwas jüngeren Leser (8-10) ist und dementsprechend passt auch der recht einfache, leicht zu lesende Schreibstil. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass sich das Buch perfekt zum Vorlesen eignet.

Anfangs hatte ich so ein bisschen meine Probleme, wirklich in die Geschichte hineinzufinden. Sie hatte einige Längen und war irgendwie nicht ganz homogen. Doch das gab sich im Lauf des Buches, es wurde spannender und die Charaktere waren irgendwie greifbarer. Die Elfe Frigge ging mir tatsächlich ein wenig auf die Nerven mit ihrem ständigen „blumigen Gefluche“; das war für meinen Geschmack zu viel des Guten. Aber sonst: eine nette Geschichte über Natur, Freundschaft, Zusammenhalt, Mut und Vertrauen.

Ich hätte der Story eigentlich nur 3 oder 3,5 Sterne gegeben. Da das Buch aber rein optisch so wunderschön ist, runde ich gerne auf 4 Sterne auf. Jüngere Leser haben hier sicher ihre Freude daran, für ältere ist der Stil dann evtl. doch zu kindlich/zu einfach. Das ist aber absolut okay, da die Leseempfehlung ja 8-10jährige lautet. Passt also.