Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Goch9
Wohnort: Goch
Über mich:
Danksagungen: 1 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 26 Bewertungen
Bewertung vom 07.03.2019
Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1
Pohl, Alex

Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1


sehr gut

Ein toter Anwalt im Straßengraben beschäftigt die smarte Leipziger Kommissarin Hanna Seiler und ihren eigenwilligen Kollegen Milo Nivic. Michail Jegorowitsch Malinowski starb nicht durch den Autounfall sondern er ist erschossen worden. Was wie ein Routinemordfall beginnt, mausert sich schnell zu einem Pädophilen -und Mädchenhandel-Fall, der in die unmittelbare Rotlicht-und Schutzgeld-Unterwelt führt.

Die Welt des Verbrechens beginnt vor unserer Haustür........


Dieser Kriminalroman kommt für mich kalt und düster daher.

Direkt der Beginn mit dem gruseligem Verbrechen im Gefangenenlager vermittelt den Eindruck, dass der Leser es mit geschundenen und in tiefster Seele verletzten Tätern und Opfern zu tun bekommt. Es wird auch deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die verletzten Seelen ihr zukünftiges Leben angegangen sind.

Die beiden Ermittler machen einen guten Eindruck und befruchten sich gegenseitig weil sie unterschiedlicher eigentlich nicht sein können. Irritierend empfand ich aber, dass Hanna ihren Kollegen intensiv beobachtet, analysiert und einschätzt. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass Milo strafversetzt wurde und Hanna seine Tauglichkeit und Teamfähigkeit bewerten soll.

Durch die mehrfachen Rückblenden erklärt sich dann einiges selbst.

Der Kriminalfall ist schon tricky, lange Zeit undurchsichtig, aber letztlich logisch und nachvollziehbar gelöst.

Trotz der Rückblenden und privaten Einblendungen erscheinen mir die Ermittler noch etwas blass. Da dieser Roman der Beginn einer neuen Reihe ist, wird der Autor sicher noch detaillierter nachzeichnen.

Fazit: Solider Krimi. Ich bin neugierig, wie es weitergeht.

Bewertung vom 31.01.2019
Der Verrat
Sandberg, Ellen

Der Verrat


ausgezeichnet

Sie sind Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Pia, die Älteste, führt ein geordnetes und wohlhabendes Leben an der Seite ihres Mannes Thomas von Manthey, 73 Jahre, den anerkanntesten Winzer im Saarland.
Birgit, die Mittlere, gescheitert als Lehrerin, führt den Antiquitätenhandel ihrer Eltern weiter und betätigt sich als Mittlerin zwischen ihren beiden Schwestern.
Nane, die Jüngste, verlässt nach zwanzig Jahren das Gefängnis auf Bewährung. Sie ist die Chaotin der Familie. Vor zwanzig Jahren hat sie einen Menschen ermordet.
Von Nanes Freilassung fühlt sich Pia bedroht.

Wow, was für eine Familiengeschichte. In ihrer unnachahmlichen Art hat Frau Sandberg, die ja sonst spannende Krimis schreibt, eine faszinierende Familiengeschichte für uns entblättert. Genauso wie man eine Rose entblättert, in dem man immer wieder rundherum ein Blatt entfernt, so wurde in verschiedenen Zeitebenen, von verschieden Personen ein Blatt nach dem anderen entfernt und uns eine neue Einsicht ermöglicht. Der Spannungsbogen wurde dabei immer hoch gehalten, so dass ich kaum Möglichkeiten hatte, das Buch aus der Hand zu legen. Gelesen habe ich es an vier Wochentagen, an den ich eigentlich keine Zeit habe lange zu lesen. Ausgelesen hatte ich es dann nachts um drei oder so. Ich war so müde, aber das Buch hat mich immer wieder wach gehalten.
Die Geschichte ist schier unglaublich. In den Lesepausen hat sie mich unentwegt beschäftigt, weil ich überlegt habe, was denn noch alles im Geheimen liegt und nicht an Licht kommen darf.
Da im Laufe der Geschichte einzelne Lebensabschnitte aller Schwestern beleuchtete wurden sind mir eigentlich alle Charaktere an Herz gewachsen. Ich habe dann mal mit der einen, mal mit der anderen Schwester gebangt. Auch die chaotische Nane ist immer nachvollziehbarer rüber gekommen. Bis auf Birgit haben die Schwestern zum großen Teil ihre Geschichte aus ihrer Sicht schildern können. Ich glaube, dass diese Erzählweise für größere Ein- und auch Übersicht geführt hat.
Alle Achtung, dass die Autorin bei dem ganzen Lügengeflecht nicht den Überblick verloren hat und immer nur einen kleinen Teil Preis gegeben hat um den Leser bis zum Schluss im Unklaren zu lassen.
Bravo, mich hat’s gefesselt und mir hat’s sehr gut gefallen.

Bewertung vom 02.12.2018
Der Mann am Grund
Procházková, Iva

Der Mann am Grund


ausgezeichnet

Dies ist mein erster Tschechischer Krimi. Obwohl ich schon einige Tage in Prag verbracht habe, hatte ich größte Schwierigkeiten mit den Namen und Ortsbezeichnungen. Davon abgesehen hat mir der Krimi richtig gut gefallen.

Neben der verzwickten und spannenden Handlung wurde auch die Problematik der Teilung der ehemaligen Tschechoslowakei thematisiert und angedeutet, dass der normale Tscheche oder Slowake die Ursachen und Gründe bis heute noch nicht nachvollziehen kann.

Geschickt wurde auch in diesem Krimi das Privatleben der Ermittler in die Handlung eingebaut. Die einzelnen Charaktere des Ermittlungsteams werden genau beschrieben und aufgebaut, so dass ich mir gut eine Fortsetzung bzw. eine kleine Reihe mit diesem Team vorstellen könnte.

Der Kriminalfall war sehr groß angelegt, einerseits was den Zeitraum der Verbrechen angeht und andererseits auch die Menge der Verbrechen. Zeitweise wurde die Zahl der Verdächtigen etwas unübersichtlich, aber die Autorin hat uns mit sicherer Hand durch die Vielzahl der Verdächtigen, Motive und Spuren geführt. Der Spannungsbogen wurde dabei immer hoch gehalten. Wenn man glaubte einem Verdächtigen die Tat beweisen zu können, tauchte ein neuer Sachverhalt auf.

Besonders gut gefallen hat mir, dass der Krimi mit wenig Blut und Brutalität auskommt, dafür aber viel menschelt. Es wird nach Ursachen geforscht, sogar mittels Astrologie, Entwicklungen werden aufgezeigt und Verständnis für viele Handlungen erzeugt.

Trotz der Schwierigkeiten mit der Tschechischen Sprache möchte ich mehr tschechische Krimis lesen, am besten von Ina Procházková.

Bewertung vom 19.11.2018
Stern des Nordens
John, D. B.

Stern des Nordens


ausgezeichnet

Dr. Jenna Williams, Amerikanerin mit afroafrikanischer und koreanischer Abstammung, kann nach zwölf Jahren den Tod beziehungsweise das Verschwinden ihrer Zwillingsschwester immer noch nicht verwinden. Jee-min, wie sie von ihrer Mutter Han genannt wurde, glaubt nicht, dass ihre Schwester Soo-min an der südkoreanischen Küste ertrunken ist. Zu ihrer Ablenkung stürzt sie sich in die Arbeit und entwickelt sich zu einer hoch angesehenen wissenschaftlichen Expertin für Nordkorea. Der CIA wird auf sie aufmerksam und rekrutiert sie als Agentin für Nordkorea. Gleich ihr erster Einsatz bringt sie auf die Spur ihrer Schwester, von der sie mittlerweile annimmt, dass sie von Nordkoreanern entführt wurde. Nordkorea führt weiterhin Raketentests für Nuklear-Sprengköpfe durch und die amerikanische Regierung verzweifelt daran, dass sie keinen Handlungsspielraum mehr haben. Mit Dr. Williams Hilfe wollen sie ihre Strategie ändern, aber Jenna möchte in erster Linie ihre Schwester finden.

Das Buch hat mich wirklich beeindruckt. In gewisser Weise ist es ein spannender und unterhaltsamer Thriller. D.B. John hebt für uns den Vorhang um uns das wahre Gesicht Nordkoreas zu zeigen. Viele verschiedene Quellen, die John aufwendig recherchiert hat, beleuchten ein brutales, Führer verherrlichendes Bild von Nordkorea.

Ein im wahrsten Sinne düsteres Land, in dem alle Energie in die Rüstung und in den Wohlstand des Führers gestellt wird. Die lückenlose Überwachung jedes Einzelnen und besonders auch der Privilegierten, die in der unmittelbaren Nähe des Führers leben und arbeiten, ist unvorstellbar.

Viele reale Fakten wurden spannend mit der fiktiven Geschichte verflochten und liefern den Lesern einen tiefen Einblick in das nordkoreanische Leben. Es ist beklemmend zu lesen, wie die nordkoreanische Bevölkerung ausgebeutet und geknechtet wird.

Bei der Schilderung der Lebensumstände am Bahnhof Hyesan fiel mir auf, dass die Landbevölkerung zwar Angst und Respekt vor den Spitzeln hat, sich aber immer zu helfen weiß. Bei den Regierungsbeamten gilt, je höher sie steigen und je enger sie mit dem Führer zusammenarbeiten, desto höher ist ihre Angst und Panik. Der Absturz trifft die Würdenträger überraschend und unvorbereitet.

Anhand der Leidensgeschichte der CIA-Agentin Lee, dahinter verbirgt sich Dr. Williams, des Generals Cho, erst großer Held und dann aufgrund seiner Herkunftsgeschichte in Ungnade gefallen, und der Strafarbeiterin Frau Moon, die sich immer wieder durch Eigeninitiative hochkämpft, erlangen wir einen Blick auf verschiedene Ebenen des Nordkoreaproblems.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich habe es mit wachsender Begeisterung gelesen und viel gelernt.

Bewertung vom 31.10.2018
Das Leuchten unserer Träume
Atkins, Dani

Das Leuchten unserer Träume


gut

Sophie Winter hat sich ihr Leben eingerichtet. Sechszehn Jahren nach dem tödlichen Unfall ihres Bruders Scott lässt sie nur ihren Kater Fred in ihr Herz, aus Angst noch einmal einen geliebten Menschen zu verlieren.
Als die Partygäste ihrer Nachbarn einen verheerenden Wohnungsbrand verursachen, wird sie mit knapper Not durch einen Passanten gerettet. Ben Stevens, ihr Retter, weicht fortan nicht mehr von ihrer Seite. Nachdem sie kurze Zeit bei ihrer Freundin Julia Unterschlupf gefunden hat, bei ihr und ihrer Familie aber nicht bleiben kann, weil Gary, Julias Ehemann, wegen seiner Katzenallergie, auf Fred sehr stark reagiert, zieht sie kurzer Hand zu Ben, der ihr seine Souterrain-Wohnung angeboten hat. In winzigen Schritten nähern die Beiden sich an, aber welche Geheimnisse verbirgt Ben vor Sophie?


Dies ist bereits das vierte Buch, das ich von Dani Atkins gelesen habe. In den ersten drei Büchern hat mich fasziniert, dass es Dani Atkins gleich in den ersten Seiten gelingt, den Leser in ihre Welt zu ziehen, um dann auf den folgenden Seiten den Leser bangen, hoffen und vor allem genießen zu lassen.

Leider habe ich das bei diesem Buch nicht so empfunden. Ich hatte große Schwierigkeiten in die Geschichte zu kommen. Ich konnte Sophies Gedanken und Empfindungen mit ihren Handlungen nicht in Einklang bringen. Bens Charakter war für mich auch nicht greifbar.
Beim Weiterlesen, als mich die Geschichte dann doch gepackt hat, empfand ich Ben, als viel zu gut um wahr zu sein. So begann dann doch wieder das Hoffen und Bangen.

Die Schicksalsgemeinschaft von Ben und seinen Freunden berührt, verlangt Hochachtung und macht nachdenklich auch bezüglich unserer eigenen Zukunft.

Was dann aber auf Sophie beziehungsweise auch auf uns Leser einprasselt, ist mir diesmal einen Touch zu viel. Ich möchte hier nicht spoilern, deshalb kann ich nur sagen, mir war es zu heftig.

Auch wenn mich dieses Buch nicht so überzeugt hat, wie seine Vorgänger, ist doch festzuhalten, dass ich keine Autorin kenne, die so gefühlvoll und berührend schreiben kann ohne kitschig zu werden.

Einige witzige Dialoge zwischen Julia und Sophie und auch zwischen Ben und Sophie ließen mich schmunzeln und machten die ganze Dramatik erträglicher.

Die letzten fünf Seiten musste ich zweimal lesen, um richtig zu verstehen und dann füllten sich auch meine Augen mit Tränen.

Das Ende, wieder ganz im Dani-Atkins-Stil, zeigt sich wieder versöhnlich und hoffnungsvoll.
Ein Buch, ein Thema, das nachwirkt.

Bewertung vom 26.10.2018
Die perfekte Unschuld / Luc Callanach Bd.2
Fields, Helen

Die perfekte Unschuld / Luc Callanach Bd.2


sehr gut

Innerhalb weniger Tage werden vier Menschen auf spektakuläre und brutale Weise getötet. Die Police Scotland insbesondere DI Luc Callanach und DI Ava Turner sind ratlos. Sie finden keinen Ermittlungsansatz und keine Gemeinsamkeiten. Weder gibt es einen ähnlichen Tathergang, noch kann es immer der gleiche Täter gewesen sein. Die Zeugenaussagen und auch die Tatausführung lassen einmal auf eine wendige, kleine weibliche Person schließen und einmal auf einen brutalen, kräftigen Mann. Die Opfer haben nur eine Gemeinsamkeit. Es sind unschuldige Gutmenschen. Sie arbeiten ausnahmslos in Berufen, die den Menschen helfen und sie haben sich durch besondere Hilfsbereitschaft verdient gemacht.
DI Callanach versucht verzweifelt eine Spur oder Anhaltspunkt zu finden. Er sieht sich gezwungen alternative Wege zur Spurensuche zu gehen.


Dies ist der zweite Band einer bereits vier-teiligen Serie mit DI Callanach und Di Ava Turner. Die Serie ist außergewöhnlich. Das erste Buch „Die perfekte Gefährtin“ habe ich als Hörbuch gehört. Es kam mir noch spannender und brutaler vor.
Das mag daran liegen, dass im ersten Band die Verbrechen von Anfang an auch aus der Täterperspektive verfolgt werden konnten. Die Verbrechen und die Ermittlungsarbeit standen immer im Mittelpunkt. Im zweiten Band treten Beziehungsprobleme und private Befindlichkeiten in den Vordergrund und torpedieren den Spannungsbogen. Trotzdem empfand ich die Hintergrundgeschichte, die Beziehung zwischen Luc und Ava und auch die Kompetenzstreitigkeiten im Dezernat als gute Ablenkung und Auflockerung der Story. Sie machten die Geschichte menschlicher und realer. Es kommt halt auf die richtige Dosierung an.
Faszinierend ist für mich, was für unterschiedliche, einfallsreiche, blutige und brutale Verbrechen sich Helen Fields hat einfallen lassen. Von dieser schrecklichen Phantasie können sich einige Thriller-Autoren eine Scheibe abschneiden. Dieses Mal war sie so einfallsreich, dass ihre Detectives keinen Ermittlungsansatz erkennen konnten.
Zwei neue Charaktere brachten Hilfestellung, Lance Proudfoot, Reporter und Ben Paulson, Informatiker und begnadeter Hacker. Ich hoffe, dass wir in den Folgebänden noch von ihnen lesen werden.

Bewertung vom 14.10.2018
Deutsches Haus (eBook, ePUB)
Hess, Annette

Deutsches Haus (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Eva Bruhns, eine junge Dolmetscherin, erhält den Auftrag im ersten Auschwitz-Prozess für einen polnischen Kollegen einzuspringen. Sie soll die Zeugenaussagen der polnisch sprechenden Opfer und Überlebenden übersetzen.
Eva, die noch bei ihren Eltern lebt, erfährt von ihrem Umfeld, ihren Eltern, ihrer älteren Schwester und ihrem Verlobter, nur Widerspruch. Auf keinen Fall soll sie diesen Auftrag annehmen. Eva setzt sich durch.
Vollkommen unvorbereitet erfährt sie von den furchtbaren Leidenswegen der Opfer, der maßlosen Verleugnung der Täter, die ganz ohne Reue und Gefühlen alles von sich weisen.
Aber Evas Weg geht noch viel weiter...........


Ich bin dankbar, dass ich diesen Roman lesen durfte.
Das Cover ist so unscheinbar, dass ich das Buch in der Buchhandlung sicher übersehen hätte. Auch der Titel „Deutsches Haus“ erinnert mich eher an das Deutsche Haus, während der Olympischen Spiele, in dem sich die deutschen Sportler treffen.

Der Inhalt dieses Buches hat mich sehr beeindruckt. 1956 geboren, habe ich nicht viel von den Prozessen mitbekommen, außer später im Geschichtsunterricht, in dem sie aber auch nur kurz behandelt wurden.

Dieser Roman hat mich als Leser hautnah ins Geschehen gebracht. Sowie Eva sich Tag für Tag und Stück für Stück dem Thema und vor allem den Opfern nähert, so nähern auch wir Leser uns. Wenn unfassbare, einzelne Ereignisse von Opfern erzählt, beschrieben und dem einzelnen Tätern zugeordnet werden, dann sind sie glaubwürdig und real. Im Laufe des Prozesses wird deutlich, dass es keine einzelnen Opfer sind, sondern Hunderttausende und mehr gequält, gefoltert und getötet wurden. Das lässt mich auch nach über siebzig Jahren nicht unberührt.

Auch Eva muss feststellen, dass wir Deutschen nichts wiedergutmachen können.

Mit dem Wissen und dem Bewusstsein, was damals in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern passiert ist, müssen wir einen Weg finden, unser Leben weiter zu leben.

Danke Annette Hess

Bewertung vom 11.10.2018
Rachewinter / Evelyn Meyers & Walter Pulaski Bd.3
Gruber, Andreas

Rachewinter / Evelyn Meyers & Walter Pulaski Bd.3


sehr gut

In Wien wird ein Schwulenmord von Dachdeckern vom Nachbarhaus aus per Video aufgezeichnet. Der vermeintliche Mörder will eine drohende Verurteilung durch die Rechtsanwältin Evelyn Meyers verhindern lassen, weil er unschuldig sei.

In Leipzig und Umgebung verunglücken mehrere hochdotierte Manager innerhalb weniger Tage tödlich. Hauptkommissar Pulaski glaubt nicht an Unfälle und ermittelt auf eigene Faust. Da einer der verunglückten Manager Ninas Vater ist und Nina die beste Freundin von Pulaskis Tochter Jasmin ist, mischen sich die Beiden verbotenerweise in die Ermittlungen ein.

Die Story ist gut, sehr gut sogar.
Zwei Handlungsstränge laufen parallel und werden erst gegen Ende, nach langen unautorisierten Ermittlungen, zusammengeführt. Sehr spät werden mögliche Zusammenhänge deutlich und auch für den Leser passen plötzliche viele Puzzleteilchen zusammen.

Von dieser Tötungsvariante habe ich vorher noch nie gehört oder gelesen. Aber sie macht Sinn in dieser Geschichte.

Der Leser wird vom Autor behutsam durch ein riesiges Gefühlschaos geführt. Vom völligem Unverständnis und Zusammenhanglosigkeit werden die Charaktere immer genauer und dichter gezeichnet, so dass ihre Handlungsweise immer nachvollziehbarer wird.

Der Showdown, der war mir dann aber zu heftig.
Die Alleingänge einzelner Protagonisten während der Ermittlungen waren durch Unverständnis und Unwillen der Vorgesetzten bzw. Staatsanwälte begründet und den einzelnen Charakteren geschuldet.
Beim Showdown waren die Alleingänge aber dumm, gefährlich und unprofessionell.
Die jeweiligen Akteure haben sich im Verlauf des Buches wesentlich klüger, überlegener und professioneller hervorgetan, so dass ich vom Showdown doch etwas enttäuscht war.

Alles in Allem ist der Thriller spannend, brutal, blutig und gut durchdacht.

Mein erster Thriller von Andreas Gruber wird sicher nicht der letzte sein.

Bewertung vom 02.10.2018
Der Tote im fremden Mantel / Pieter Posthumus Bd.3
Bolt, Britta

Der Tote im fremden Mantel / Pieter Posthumus Bd.3


sehr gut

Pieter Posthumus gehört zum Bestattungsteam organisierter Beisetzungen für anonyme Leichen. In dieser Eigenschaft bereitet er die Leiche eines an einer Überdosis gestorbenen Junkies vor und entdeckt in dessen Hinterlassenschaft einen teuren und guterhaltenen Kamelhaarmantel. Bevor er den Fund der Polizei melden kann, erfährt er, dass der kostbare Mantel wahrscheinlich Ben Olssen gehört, der überfallen wurde und mit schweren Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus liegt. Ben Olssen ist Teilnehmer der Wirtschaftskonferenz in Amsterdam, die mit ihren Demonstrationen und Gegendemonstrationen für große Unruhe in Amsterdam sorgt. Olssen stirbt und Kommissar Flip de Boer sieht kein Motiv in Olssens Umfeld. Posthumus, der als Kombinierer und Spürnase bereits der Polizei geholfen hat, wird da sicher etwas finden.

Wenn man das Cover betrachtet ist sofort klar, dass es sich um einen Niederländischen Krimi handelt. Abgebildet ist ein Herz aus Delfter Porzellan mit einer Schusswunde. Ich habe gelesen, dass die beiden Autoren, die unter dem Pseudonym Britta Bolt veröffentlichen, keine Niederländer sind, aber heute in Amsterdam leben. Die Liebe zu ihrer Stadt Amsterdam strahlt durch den ganzen Roman. Eigentlich geht es um blutige, brutale Verbrechen. Sie werden von den beiden Autoren aber in eine gemütliche, muckelige, leicht staubige Atmosphäre gewoben.
Anfänglich wirkte die Tatsache, dass es in Amsterdam eine Behörde gibt, die Beisetzungen für anonyme Leichen durchführt, auf mich sehr kurios, aber dass bei diesen Begräbnissen noch Musik und Gedichte bereit gestellt werden, kann es wohl wirklich nur in Amsterdam geben. Mit welcher Liebe und Bereitwilligkeit Pieter Posthumus und Cornelius als Dichter ihrer Aufgabe nachkommen ist bemerkenswert.
Die eigentliche Krimihandlung, neben dem liebevollen Lokalkolorit, ist gut aufgebaut. Die Überlegungen und die Kombinationsgabe von PP (Pieter Posthumus) hat es dem Leser immer wieder ermöglicht mitzuknobeln und eigene Schlüsse zu ziehen.
Da dies bereits der dritte Fall um Pieter Posthumus ist, gehe ich davon aus, dass noch einige Fälle folgen werden. Mir hat das Buch gefallen und ich freue mich auf weitere.

Bewertung vom 25.09.2018
Die Blutfinca (eBook, ePUB)
de la Piscina, Jorge

Die Blutfinca (eBook, ePUB)


gut

Gerade hat der ehemalige Kriminalbeamte und Profiler Marc Renner sein eigenes Restaurant in dem Küstenort Cala Pi eröffnet und eine Frau kennengelernt, für die er sich endlich wieder interessieren könnte, da geschieht in diesem malerischen Küstenort ein grausamer Mord.
Ausgerechnet Lucy, der Marc endlich näher gekommen war, wurde aus äußerst blutige und grausame Weise ermordet.
Die Tötungsart erinnert an eine alte Aztekenlegende, was Marc Renner im Gegensatz zu den alteingesessenen Bewohnern nicht wahr haben will.
Obwohl er nie mehr seine kriminalistische Arbeit aufnehmen wollte, stürzt er sich mit allen zur Verfügung stehenden Energie in die Ermittlungsarbeit.

Die Finca auf dem Cover soll sicher nicht die Blutfinca darstellen, denn sie erinnert eher an einer typisch mallorquinischen Finca über die ein Unwetter ziehen wird.
Die Story ist spannend geschrieben, mit entsprechendem Gruselfaktor, die Azteken-Legende.
Mehrere Morde, Verfolgungsjagden, Rückschläge und Kompetenzüberschreitungen machen das Ganze zu einem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Krimi.
Die Beschreibung der typischen Insel-Landschaft, Tierwelt und Bevölkerung statten den Krimi mit viel Lokalkolorit aus.
So ganz überzeugen konnte mich der Marc Renner nicht. Die Figur war nicht so richtig zu packen. Ich könnte noch nicht einmal sagen, wie alt ich ihn einschätze. Er wurde als gut aussehend beschrieben, aber für mich hatte er kein Profil.
Ich hoffe, ich spoilere jetzt nicht zu sehr, aber da die „Erscheinungen“ nicht komplett aufgelöst werden, bleibt ein gewisses Gänsehaut-Feelung auch über das Ende des Buches hinaus.