Benutzer
Benutzername: 
Märchens Bücherwelt
Wohnort: 
Königslutter am Elm

Bewertungen

Insgesamt 265 Bewertungen
Bewertung vom 20.01.2026
Heymann, Almut

Tom und Lulu


sehr gut

Mit Tom und Lulu erlebt man eine süße Geschichte, die nicht nur Werte der Bibel spielerisch mit Dingen aus der Natur verbinden, sondern auch hilfreich für das Miteinander ist.

In diesem süßen Bilderbuch hat man nicht nur eine Menge zu bestaunen und zu entdecken, denn es wimmelt nur so von lustigen und bunten Illustrationen, sondern stellt auch fest, dass Kinder schon von klein auf den Umgang miteinander lernen.

Ob als Vorlesegeschichte oder zum Selbstlesen erlebt man, wie beide Mäusekinder nicht nur Mama helfen können, das Zuhause sauber und ordentlich zu halten, sondern auch zu erfahren, was es mit dem Samen säen auf sich hat. Aus dem fröhlichen Spielen wird eine Entdeckungsreise, wobei aber der Spaß mit Mama und Papa auch nicht zu kurz kommt. Liebevoll erklären die Eltern den Mäusekinder aber wichtige Abläufe aus der Natur, von denen auch sie selbst abhängig sind und was das Säen und Ernten auch mit Freundschaft und lieb miteinander umgehen zu tun hat. So erhalten die kleinen Leser einen bleibenden Eindruck aus einem einfachen Bibeltext und können selbst überlegen, was sie schon kennen oder daraus lernen.

So kann man tolle Gespräche führen, ob als Eltern, Großeltern oder im Kindergarten – mit diesem Buch macht die Entdeckungsreise ganz viel Spaß und ich hoffe, dass es noch viele weitere Lerngeschichten von den beiden Mäusegeschwistern gibt.

Die Illustrationen sind bunt und über einen großen Teil der Doppelseiten verteilt, dabei ist die Schriftgröße genau richtig, was es auch Erstlesern leichter fällt, diese Geschichte ohne große Mühe lesen zu können.

Am Ende des Buches gelangt man über einen Link oder QR Code auf eine Seite, wo man zusätzliche Gedanken, Spiel-, Bastel u.Malvorlagen erhält und Anregungen, um mit den Kindern über die Bedeutung des Bibeltextes sprechen zu können. Die Ideen fand ich richtig süß ausgewählt und für kleinere und größere Kinder bunt gemischt.

Ich kann das Buch wirklich empfehlen und freue mich auf ein Wiedersehen mit Tom und Lulu.

Bewertung vom 20.01.2026
Barratt, Amanda

Die Apotheke der Hoffnung


ausgezeichnet

Dieser Roman lässt einen nicht unberührt zurück – er geht unter die Haut, reißt auf, hält fest und lässt nicht mehr los.

Basierend auf den realen Aufzeichnungen des jungen Apothekers Tadeusz Pankiewicz aus der Adler-Apotheke im Ghetto von Krakau, verbindet die Autorin historische Realität mit einer fiktiven, aber zutiefst authentischen Geschichte rund um die Polin Zosia und die Jüdin Hania. Stellvertretend für unzählige Schicksale zeigen sie, was es bedeutete, in einer Zeit größter Unmenschlichkeit zu überleben.

Schonungslos führt der Roman durch das Leben im Ghetto, in Lagern und Konzentrationslagern. Nichts wird beschönigt – denn, wie der Text selbst spürbar macht, es gibt nichts zu beschönigen. Für diese Lektüre braucht man starke Nerven und viele Taschentücher. Und doch ist sie unerlässlich. Gerade weil Erinnerung weh tut, ist sie notwendig.

Besonders eindrücklich ist die Botschaft, die die Autorin auch im Nachwort betont:
„Selbst wenn die Bemühungen zur Hilfe noch so klein erscheinen mögen, so ist doch jeder Akt der Menschlichkeit von Bedeutung.“
Jeder Mutmoment, jedes Risiko, jede Entscheidung für Mitgefühl zählt.

Der Apotheker und seine Helferinnen wussten, was ihnen drohte – und handelten trotzdem. Hoffnung und Mut waren größer als die Angst. Diese innere Zerrissenheit spiegelt sich auch in den vielen starken Zitaten wider, die lange nachhallen. Sätze wie
„Der Mut ist stark, bis er auf den Prüfstand gestellt wird“
oder
„Der Krieg entlarvt den Glauben an unsere eigene Anständigkeit schonungslos als Illusion … nur in unseren Entscheidungen liegt Hoffnung“zwingen zur Reflexion – über damals und über uns heute.

Durch die wechselnde, persönliche Erzählperspektive von Hania und Zosia fühlt man sich nicht wie ein bloßer Beobachter, sondern mitten im Geschehen. Ihre wachsende Freundschaft, der verzweifelte Versuch, Menschlichkeit zu bewahren, das Gefühl von Ohnmacht, wenn es nicht gelingt – all das ist zutiefst emotional, intensiv und schmerzhaft ehrlich erzählt.

Auch der Glaube findet seinen Platz: leise, respektvoll, mit Raum für Zweifel und dennoch getragen von der Überzeugung vieler Verfolgter, dass Gott nicht gleichgültig war. In kleinen Gesten zeigt sich, wie trotz Angst, Hass und Gewalt Liebe, Freundschaft und Hilfe wachsen konnten – und wie Menschen selbst zu Hoffnungsträgern wurden. Der Titel des Buches erhält dadurch eine besondere, berührende Tiefe.

Die Figuren sind vielschichtig und lebendig gezeichnet. Trotz der allgegenwärtigen Traurigkeit gibt es immer wieder ergreifende, fast zarte Momente, die das Herz berühren. Und dann dieser Satz, der sich unauslöschlich einprägt:
„Solange die Fähigkeit zur Unmenschlichkeit in den Herzen der Menschen wohnt, solange es Hass gibt, wird auch das Leid bleiben.“
Ein Satz von erschreckender Aktualität.

Für mich ist dieses Buch ein schmerzhafter Erinnerungsschatz – und zugleich ein Hoffnungsschimmer in einer der dunkelsten Epochen der Geschichte. Ein Roman, den man nicht vergisst. Ein Buch, das gelesen werden muss: gegen das Vergessen, für die Menschlichkeit und als stilles Gedenken an all jene Leben, die durch Willkür als wertlos erklärt wurden.

5 Sterne – ein absolutes Highlightbuch.

Bewertung vom 28.12.2025
Finkbeiner, Susie

Wohin ihre Flügel sie tragen


sehr gut

Der Titel des Buches erweist sich als äußerst treffend und gewinnt durch das Nachwort der Autorin eine besondere Tiefe. Dort heißt es, dass „Lob und Dank unserem Vater gebühren, der uns sieht, wenn wir fliegen, der sich um uns sorgt, wenn wir fallen und der jederzeit seine Hand über uns hält“. Dieser Gedanke zieht sich spürbar durch den gesamten Roman und prägt seine warmherzige, hoffnungsvolle Atmosphäre.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven und klar voneinander abgegrenzten Zeitebenen erzählt. Linda berichtet aus der Sicht als Mutter im Jahr 1975, als die Familie durch die Adoption der kleinen Vietnamesin Minh – liebevoll Mindy genannt – im Rahmen der Operation Babylift wächst. Kinder wurden damals aus der Gefahrenzone des Vietnamkriegs in die USA gebracht, um dort ein neues Zuhause zu finden.

Sonny, die Tochter von Bruce und Linda, erzählt aus der Perspektive ihrer Jugend im Jahr 1988. Ihre Kapitel spiegeln das Aufwachsen der Halbschwestern wider: erste Verliebtheit, familiäre Veränderungen, Unsicherheiten und Reibungen, aber auch Zusammenhalt und Ehrlichkeit. Vater Bruce ergänzt die Geschichte aus der Gegenwart, verbunden mit Rückblicken, die das Erlebte einordnen und vertiefen.

Anfangs erfordern die zeitlichen Sprünge etwas Aufmerksamkeit, bis man sich in die familiären Abläufe, Sorgen, Ängste und auch die Vorurteile von außen eingelesen hat. Ist dieser Überblick jedoch gewonnen, entfaltet die Geschichte ihre volle emotionale Wirkung.

Durch die persönliche Erzählweise wirken die beschriebenen Emotionen besonders intensiv. Vor allem Vater Bruce schließt man schnell ins Herz: Seine liebevolle, offene Art, seine Bereitschaft, Gefühle zu zeigen, und sein aufrichtiges Bemühen, für jedes Familienmitglied da zu sein, verleihen der Geschichte große Authentizität.

Beeindruckend ist zudem der Umgang der Familie mit Mindy. Ob Sonnys direkte, manchmal dickköpfige Ehrlichkeit oder die Eltern, die sich ihren eigenen Ängsten stellen und ihre Adoptivtochter nicht nur beim Aufwachsen, sondern auch bei ihrem späteren Wunsch, nach ihrer Herkunftsfamilie zu suchen, unterstützen – stets stehen Annahme, Offenheit und Zuhören im Mittelpunkt.

Die Geschichte entwickelt sich anders als erwartet: emotional, stellenweise sehr berührend, zugleich aber auch mit leichten und humorvollen Momenten. Einige im Klappentext angekündigte Aspekte bleiben vergleichsweise knapp, sodass das Ende offen wirkt und Raum für eigene Gedanken oder eine mögliche Fortsetzung lässt.

Der christliche Glaube ist dezent, aber bewusst in die Handlung eingeflochten. Besonders die Hinweise auf Gottes Güte, seine Liebe zu allen Menschen und die Botschaft, dass Herkunft keinen Unterschied im Wert eines Menschen macht, fügen sich stimmig ein.

Insgesamt ist es ein lesenswertes Buch, auch wenn stellenweise mehr Tiefe oder Spannung möglich gewesen wäre und bekannte familiäre Entwicklungen teilweise vorweggenommen werden. Zurück bleibt jedoch eine berührende Geschichte über Familie, Vertrauen und das Wissen, gesehen und gehalten zu sein.

Bewertung vom 24.12.2025
Klassen, Julie

Eine Versöhnung am Meer (eBook, ePUB)


sehr gut

Im dritten Band der Summers-Schwestern von Sea View steht erstmals die verstoßene älteste Schwester Claire im Mittelpunkt. Nach einem folgenschweren Fehltritt findet sie zunächst Zuflucht bei ihrer Tante in Edinburgh. Als diese unerwartet stirbt, bleibt Claire mittellos zurück und fasst den mutigen Entschluss, in die Nähe ihrer Familie nach Sidmouth zurückzukehren. Dort bewirbt sie sich als Teilhaberin eines Gästehauses – in der Hoffnung auf einen Neuanfang und vorsichtige Versöhnung.

Während ihre jüngeren Schwestern längst versuchen, wieder Kontakt zu ihr aufzunehmen, bleibt die Mutter hart, gebunden an den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes. Claire setzt dennoch alles daran zu beweisen, dass sie aus ihren Fehlern gelernt hat. Doch die feine Gesellschaft zeigt sich unerbittlich gegenüber Fehltritten, und Claires Weg ist geprägt von Geduld, harter Arbeit und stiller Reue.

Behutsam und ohne zu beschönigen erzählt die Autorin von Schuld, Verantwortung und der Kraft der Vergebung. Der Glaube fließt dezent, aber spürbar in die Geschichte ein und zeigt, wie Gottes Barmherzigkeit und Güte im Kontrast zu gesellschaftlicher Härte stehen. Besonders berührend sind die Begegnungen mit dem verwitweten Mr. Hammond und seiner zuckersüßen Tochter Mira, durch die Themen wie Vorurteile, Mitgefühl und echte Freundschaft aufgegriffen werden.

Auch wenn die Handlung ruhig verläuft und große Dramatik ausbleibt, überzeugt die Geschichte durch emotionale Tiefe, humorvolle Szenen und viele kleine, unerwartete Momente. Die liebevoll gezeichneten Charaktere, lebendige Ortsbeschreibungen und leisen Geheimnisse machen diesen Band zu einer stimmigen, gefühlvollen Erzählung über zweite Chancen. Ein sanfter, hoffnungsvoller Roman, der zeigt, wie wichtig es ist, Fehler einzugestehen – und anderen wie sich selbst Vergebung zuzutrauen.

Bewertung vom 17.11.2025
Schörghofer, Manuela

Schatten über dem Kloster / Isabella Falk ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Mit diesem neuen Auftakt um Isabella Falk hat die Autorin für mich erneut einen brillanten historischen Kriminalroman geschaffen. Schon von Beginn an hat mich die Persönlichkeit der jungen Richtergattin gefesselt: Isabella, frisch verwitwet und eigentlich in einer machtlosen Position, zeigt Mut, Klugheit und eine innere Stärke, die in der damaligen Zeit alles andere als selbstverständlich war. Genau diese Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit macht sie für mich zu einer außergewöhnlichen Protagonistin.

Als sie den Mord an Bürgermeister Alois Vogler aufklären muss, der in den verbrannten Überresten des Klosters Weißenfels gefunden wurde, wird schnell klar, dass dieser Fall weit mehr ist als ein einfacher Kriminalfall. Ihr eigenes Schicksal – der drohende Verlust von Haus und Hof an ihren habgierigen Schwager – ist eng mit der Aufklärung verknüpft. Für mich war besonders beeindruckend, wie die Autorin Isabellas Kampf gegen Intrigen, Machtspiele und gesellschaftliche Zwänge darstellt. Man spürt in jeder Szene die Enge und Ungerechtigkeit, die Frauen damals erlebten, aber ebenso Isabellas unerschütterlichen Willen, sich nicht kleinmachen zu lassen.

Die Zusammenarbeit mit dem Stadtschreiber Leonhard Stadler und seinem Freund Magnus Bader bringt interessante Dynamiken ins Spiel. Ich habe die sich langsam entwickelnde, vorsichtige Verbindung zwischen den dreien sehr genossen. Vertrauen, Zweifel, Freundschaft – all das schwingt stets mit. Und irgendwo zwischen den Zeilen hofft man unweigerlich, dass sich vielleicht eine zarte Liebesgeschichte anbahnt, ohne dass die Autorin es zu offensichtlich macht.

Besonders begeistert hat mich der Spannungsaufbau: Jede Vermutung, die ich beim Lesen hatte, wurde sofort wieder durch eine neue Wendung pulverisiert. Der Roman spielt regelrecht Katz und Maus mit den Erwartungen des Lesers. Es gibt Momente, die so überraschend und nervenaufreibend sind, dass ich tatsächlich kurz den Atem angehalten habe. Gleichzeitig sorgen heitere, manchmal sogar herzerwärmende Momente für einen gelungenen Ausgleich zum düsteren Grundton.

Auch das Miteinander im Hause Falk hat mich berührt. Die Loyalität der Angestellten und Isabellas respektvoller, warmherziger Umgang mit ihnen verleihen der Geschichte emotionale Tiefe. Ebenso schön fand ich die Rückblicke auf die Beziehung zu ihrem deutlich älteren Ehemann, die eine unerwartet liebevolle und harmonische Facette zeigt.

Und dann kommt dieses Ende – ein doppelter Cliffhanger, der mich vollkommen überrascht hat und den Wunsch nach der Fortsetzung enorm befeuert. Die Wendung ist zugleich riskant, schockierend und vielversprechend.

Auch das Cover hat mich sofort angesprochen. Es fängt die historische Atmosphäre perfekt ein und macht sofort deutlich, in welcher Epoche die Geschichte spielt. Der Titel harmoniert wunderbar mit der stimmungsvollen Gestaltung und weckt sofort Neugier auf die düsteren Geheimnisse, die sich hinter den Klostermauern verbergen.

Für mich ist dieser Auftaktband ein herausragender historischer Kriminalroman, der nicht einfach nur unterhält, sondern den Leser zum Mitdenken, Mitfühlen und Hinsehen herausfordert. Ein packender, atmosphärischer und emotional tiefgehender Einstieg in eine Reihe, von der ich unbedingt mehr lesen möchte.

Bewertung vom 27.10.2025
Albers, Maria

Halt in der Brandung


ausgezeichnet

Selten hat mich ein Buch so sehr berührt wie dieses. Schon das Cover zieht einen in seinen Bann, doch was wirklich begeistert, ist die Tiefe und Klarheit des Schreibstils. Die Autorin versteht es meisterhaft, ohne unnötige Abschweifungen eine Geschichte zu erzählen, die lebendig, spannend und emotional berührend ist. Ich hatte das Gefühl, mitten im Geschehen zu stehen, Teil der Reise zu sein.

Emilie, die Hauptfigur, ist alles andere als perfekt – und gerade das macht sie so menschlich. Ihr innerer Kampf, ihr Stolz, ihre Zweifel und ihr Schmerz sind greifbar. Manchmal wollte ich sie schütteln, dann wieder einfach nur in den Arm nehmen. Die Erfahrungen, die sie prägen, die Verluste, die sie erleidet, und die Lektionen, die sie lernen muss, haben mich tief bewegt. Besonders ihre Entwicklung – vom vom Standesdenken bestimmten Mädchen zur mutigen jungen Frau, die den Wert von Glauben, Freundschaft und wahrer Liebe erkennt – war einfach großartig umgesetzt.

Dabei spielt auch der Missionar und mein heimlicher Favorit Conrad eine große Rolle. Mit strahlenden, ausdrucksstarken Augen, einem tiefen Glauben und einer Menge Geduld stellt er sich Emilies Argwohn, Standesdünken und Zweifeln an Gott und ihrem Leben. Diese Begegnungen zwischen den beiden haben mich stellenweise zutiefst berührt, das Hoffen und Bangen bis zum Schluss ließ mich kaum los.

Auch einige andere Charaktere, die ebenfalls das Herz der Geschichte bilden, tragen ihren Teil dazu bei, die alte Emilie wieder zum Vorschein zu bringen und ihr zu zeigen, dass Gott immer da ist – man muss nur die Augen öffnen, um zu sehen, wie er wirkt.

Die Reise nach Afrika, der Glaube an Gott, das Suchen nach ihrem Bruder – all das verschmilzt zu einer Erzählung voller Hoffnung, Erkenntnis und Glauben. Für mich ist dieses Buch ein echtes Herzenshighlight: berührend, glaubensstark und tiefgründig. Es erinnert daran, dass Glück nicht in Besitz oder Ansehen liegt, sondern in der Liebe zu Gott und zu den Menschen, die er uns an die Seite stellt. Ich kann den nächsten Band kaum erwarten – diese Autorin hat mich mit ihrer Geschichte vollkommen überzeugt.

Bewertung vom 02.10.2025
Deese, Nicole

Wo Worte zu Wegen werden


sehr gut

Ein Roadtrip, der mehr ist als eine gemeinsame Reise: Er wird zur Konfrontation mit alten Wunden, verdrängten Geheimnissen und zerbrochenem Vertrauen. Luella Farrow, gefeierte Musikerin, schenkt ihren Töchtern nicht nur eine Erinnerungstour, sondern auch die Chance, einander wieder näherzukommen.

Wie Nietzsche so treffend sagt: „Im Familienleben ist Liebe das Öl, das Reibungen lindert, der Kitt, der enger zusammenhält, und die Musik, die Harmonie bringt.“

Dieses Zitat entfaltet im Roman eine tiefe Wahrheit. Denn die Liebe ist nicht einfach da – sie will gelebt, ertragen, vergeben und neu entdeckt werden. Genau diesen schmerzhaften, aber heilsamen Prozess durchlaufen die Figuren.

Besonders berührt hat mich Micah, der inmitten all der Brüche als Fels in der Brandung steht. Mit seiner Demut, seiner Liebe zur Schöpfung und seinem unerschütterlichen Vertrauen auf Gott wird er zum Vermittler, zum Ruhepol und Hoffnungsträger. Er zeigt, dass Glaube nicht laut oder aufdringlich sein muss, sondern in stiller Stärke Berge versetzen kann.

Mich hat die Geschichte sehr bewegt, weil sie spürbar macht, dass Versöhnung möglich ist – selbst dort, wo Misstrauen, Schmerz und vergangene Fehler eine Familie fast auseinandergerissen hätten. Hoffnung, Vergebung, Aufrichtigkeit und Glauben sind keine abstrakten Begriffe, sondern gelebte Realität, die hier in all ihrer Schönheit und Schwere zum Vorschein kommt.

Der Roman zeigt: Mit Gott an der Seite können selbst die größten Scherbenhaufen wieder zu etwas Ganzem werden.

Ein bewegender Roadtrip über Familie, Vergebung & Glauben – berührend, hoffnungsvoll und voller leiser Stärke.

Ein negativer Aspekt für mich ist die Erwähnung einer Pension, die dem Film des Zauberers von Oz nachempfunden und darüber ausführlicher berichtet wird, was aber weder in die Geschichte passte noch in christlichen Büchern Platz finden sollte.

Bewertung vom 30.09.2025
Engler, Michael

Wir zwei - Geschichten zum Einkuscheln


sehr gut

Hase und Igel – dieses Duo kennt man aus vielen Geschichten und Spielen, und doch ist es immer wieder schön, die beiden zu begleiten.

Auch in diesem Vorlesebuch laden sie zu 11 warmherzigen Abenteuern ein, die perfekt für kuschelige Lesestunden sind. Gemeinsam mit Biber, Dachs, Eichhörnchen, Wiesel und weiteren Waldbewohnern erleben wir nicht nur spannende Begebenheiten im Wald, sondern erhalten auch Einblicke in Jahreszeiten und das Leben der Tiere.

Besonders gelungen finde ich, wie kindgerecht Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt, Akzeptanz, Entschuldigen, Mut machen oder der Umgang mit Ängsten eingebunden sind.

Jede Geschichte vermittelt Werte, die den Alltag von Kindern widerspiegeln, ohne dabei belehrend zu wirken.

Manche Kapitel lassen bewusst Raum für eigene Ideen und Gespräche – ein toller Ansatz, der Fantasie und Austausch fördert.

Die Figuren sind unglaublich liebevoll gestaltet. Der Hase ist forsch, verspielt und manchmal ein kleiner Draufgänger, während der Igel zurückhaltend, hilfsbereit und fürsorglich ist. Beide haben ihre Stärken und Schwächen, und genau das macht sie so sympathisch.

Für mich steckt darin eine wichtige Botschaft: Niemand ist perfekt, und trotzdem ist jeder wertvoll.

Das Thema Freundschaft zieht sich wie ein roter Faden durch alle Geschichten.

Die Illustrationen sind schlicht, nicht überladen, und passen wunderbar zur Atmosphäre des Buches. Sie unterstreichen die Geschichten, ohne von ihnen abzulenken.

Mit 128 Seiten eignet sich das Buch hervorragend sowohl zum Vorlesen als auch zum Selberlesen – je nach Alter.

Für mich ist es ein lehrreiches, unterhaltsames Kinderbuch, das sich auch für Kindergarten und Grundschule sehr gut eignet.

Es sorgt nicht nur für schöne Lesemomente, sondern auch für wertvolle Gespräche. Einzig die Altersempfehlung ab 5 Jahren hätte ich noch etwas höher angesetzt.

Ansonsten eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 29.08.2025
Turansky, Carrie

Das Tagebuch von Longdale Manor


ausgezeichnet

Dieses Werk ist weit mehr als ein historischer Roman – es ist ein tiefgründiges Glaubenszeugnis, das die Leser nicht unberührt lässt. Mit großer Sensibilität verbindet die Autorin die Geschichten zweier Epochen: 1912, als Charlotte Harper ihre Erfahrungen und seelischen Konflikte in einem Tagebuch niederschreibt, und 2012, als die Kunsthistorikerin Gwen Morris nach Longdale Manor reist, wo sie neben der Aufzeichnung von wertvollen Antiquitäten auch Wegweiser für ihren eigenen Glauben entdeckt.

Diese gut gelungene Verflechtung von Vergangenheit und Gegenwart macht den Reiz des Romans aus und führt den Leser mitten hinein in die Fragen von Schuld, Vergebung und Neuanfang.

Besonders eindrucksvoll ist, wie authentisch die Glaubensdimension im Roman gezeichnet wird. Die Figuren sind keine makellosen Helden, sondern Menschen mit Zweifeln, Verletzungen und seelischen Narben. Gerade dadurch wirken ihre Begegnungen mit Gottes Liebe umso glaubwürdiger. Wer selbst schon Zeiten der Entmutigung oder des Zweifels durchlebt hat, wird sich wiederfinden in den inneren Kämpfen und in der Sehnsucht nach Frieden. Vorbilder im Vertrauen auf Gott treten in entscheidenden Momenten auf – nicht belehrend, sondern in schlichter, gelebter Glaubenshaltung.

Dieses unaufdringliche, aber kraftvolle Zeugnis macht die Botschaft des Romans so nachhaltig: Gott begegnet uns auch in Schwachheit, er schenkt Trost, Hoffnung und einen neuen Blick für die Zukunft.

Dass Vergebung nicht nur ein theologisches Konzept bleibt, sondern konkrete Lebensgeschichten heil machen kann, zeigt die Autorin auf bewegende Weise. Die Entwicklung der Figuren macht Mut, selbst Schritte der Versöhnung zu wagen. So entsteht ein literarisches Mosaik, das historische Tiefe mit geistlicher Wahrheit vereint.

Besonders gelungen ist die behutsame Verflechtung sich entwickelnder Freundschaften und zarter Romanzen, die der Handlung Tiefe verleihen – ehrlich, respektvoll und frei von jeder Vorhersehbarkeit oder übertriebener Sentimentalität.

Ein Roman, der Herz und Glauben gleichermaßen anspricht und deshalb zu Recht mit dem Carol Award ausgezeichnet wurde.

Bewertung vom 21.08.2025
Hedlund, Jody

Eine unmögliche Braut


gut

Der Heiratsvermittler Bellamy hat es nicht leicht mit Finola Shanahan: Trotz hilfsbereitem Wesen vergrault sie jeden Bewerber und plant sogar, ins Kloster zu gehen. Erst Riley Rafferty, stur, einfallsreich und geduldig, versucht, ihr Herz zu gewinnen – bis ein Cholera-Ausbruch ihre Pläne durcheinanderwirbelt.

Der Roman stellt sich als durchwachsene Lektüre heraus. Zwar kennt man von der Autorin spritzige Geschichten mit selbstbewussten Heldinnen, doch hier fehlt oft die gewohnte Leichtigkeit. Die Hintergründe der Protagonisten geben Einblicke in ihr Handeln, machen es aber nicht immer nachvollziehbarer. Zahlreiche hitzige Dialoge, ständige Liebesbekundungen und Gefühlswirren wirken bisweilen überladen, ehe einzelne Szenen doch wieder berühren. Positiv fällt der starke familiäre Zusammenhalt auf, ebenso die liebevolle Darstellung der Vaterfiguren.

Auf die christlichen Werte wartet man eher vergeblich, sind sie doch lediglich auf wiederholte Ausrufe des himmlischen Erstaunens oder kurze Worte des Paters beschränkt – verschenktes Potenzial. Manche Dialoge und Situationen wirken sehr draufgängerisch, anzüglich und unausgewogen, was die Sympathie für die Figuren erschwert. Bellamys Methoden, um die Erfolgsquote gegenüber seinem Vater zu steigern, mögen raffiniert wirken – sind aber nicht ganz lupenrein, was mir bei der Ernsthaftigkeit des Themas nicht zugesagt hat.“

Nach dem ständigen Gefühlswirrwarr stellt sich am Ende zwar Erleichterung ein, doch wirkt auch hier vieles zu künstlich und überzeichnet, was bei mir nicht selten für Frust sorgte. Insgesamt bleibt es ein leichter Roman ohne großen Tiefgang, zumal die unsteten Charaktere kaum Raum lassen, echte Nähe zu ihnen aufzubauen. Mit dem Hinweis auf Bellamys nächstes, zeitlich knappes Matchmaking-Projekt wird außerdem schon die nächste Geschichte vorbereitet.