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Alex

Bewertungen

Insgesamt 53 Bewertungen
Bewertung vom 09.01.2026
Maier, Katharina

Ketzersbuhle


ausgezeichnet

Mit dem vierten Band schließt die Autorin erneut nahtlos an die bisherigen Ereignisse an. Myn, immer noch gefangen in einer Ehe, die sie niemals freiwillig gewählt hätte, beginnt aus ihrem persönlichen Albtraum zu erwachen. Eine brodelnde Wut, eine innere Kraft, und plötzlich schmiedet sie mutige Pläne, um ihre Freiheit zu erkämpfen und die Welt um sie herum zu verändern.
Der Schreibstil bleibt flüssig und bildhaft, wirkt aber ruhiger und eindringlich genug, um die emotionale Entwicklung der Figuren spürbar zu machen. Myns innere Wandlung und das komplexe Dreiecksverhältnis zwischen ihr, Vairrynn und Ftonim stehen dieses Mal im Mittelpunkt. Die Figuren wirken vielschichtig, entwickeln sich weiter und fügen sich stimmig in die komplexe Welt ein. Nebenfiguren sind wundervoll gezeichnet und tragen dazu bei, dass die Geschichte trotz ihres Umfangs lebendig bleibt.
Wer auf Weltraumschlachten hofft, könnte enttäuscht werden, denn hier (wie der gesamten Buchreihe) geht es viel mehr um politische Beziehungen, gesellschaftliche Dynamik, subtile Wendungen und um das Wachsen der Charaktere. Die vielen losen Fäden der Geschichte verweben sich langsam, aber meisterhaft zu einem unterhaltsamen Strang, der Lust auf mehr macht.

Bewertung vom 05.01.2026
Buchholz, Frauke

Frostmond


ausgezeichnet

Seit einiger Zeit verschwinden junge indigene Frauen entlang des sogenannten »Highway of Tears« in Kanada, doch lange scheint sich niemand wirklich dafür zu interessieren. Erst der grausame Mord an der fünfzehnjährigen Jeanette Maskisin sorgt für Schlagzeilen und bringt die Ermittlungen endlich ins Rollen. Die Ermittler Ted Garner und Sergeant Jean-Baptiste LeRoux sollen schnellstmöglich die Hintergründe aufdecken. Dabei stoßen sie nicht nur auf ein tödliches Geheimnis, sondern auch auf tiefsitzende gesellschaftliche Spannungen.

»Frostmond - Der erste Fall für Ted Garner« war mein erstes Buch der Autorin, und ich war von dem Kriminalroman sofort begeistert!

Ihr ruhiger, präziser und nuancierter Schreibstil zieht einen direkt in die Geschichte. Der Krimi fesselt mit einem clever aufgebauten Spannungsbogen, vielschichtigen Hauptfiguren voller Ecken und Kanten und authentischen Nebencharakteren, die das Umfeld lebendig machen.

Besonders beeindruckt hat mich, wie der Roman krimi-typische Spannung mit gesellschaftlicher Realität verknüpft: Er beleuchtet die Lebenswelt indigener Gemeinschaften, institutionelles Desinteresse und kulturelle Barrieren auf eindrückliche Weise. Das Ermittlerduo polarisiert (und gewinnt definitiv nicht den Sympathiepreis), aber macht die Story umso packender, sodass man regelrecht durch die Seiten fliegt!

Bewertung vom 02.12.2025
Siller, Frank

Anna und die Nazis


ausgezeichnet

Anna ist zwölf und lebt nach dem Tod ihrer Eltern bei den Großeltern. Doch ein gewaltsamer Vorfall wirbelt ihr Leben erneut durcheinander, und aus Sorge um ihre Sicherheit schicken die Großeltern sie in ein abgelegenes Internat. Dort knüpft Anna neue Freundschaften, unter anderem mit Lisburg und Eric, aber trifft auch auf Hass, Vorurteile, Diskriminierung und wachsende rechtsextreme Tendenzen.

Frank Siller erzählt die Geschichte spannend, lebendig und mit hohem Spannungsbogen. Dabei behandelt er gesellschaftlich relevante Themen wie Rassismus, Ideologie, Diskriminierung, Verantwortung und Zivilcourage, ohne belehrend zu wirken. Seine Charaktere hat er liebevoll ausgearbeitet, einschließlich der Widersacher, und so vergisst man schnell, dass man einen Young-Adult-Roman in den Händen hält.
Die Story zeigt, wie sich Extremismus und Ausgrenzung im Alltag bemerkbar machen, und schafft es zugleich, das Abenteuer- und Freundschaftselement jugendgerecht und fesselnd zu verpacken.
Ein Jugendbuch, das unterhält, zum Nachdenken anregt und einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung junger Leser*innen leistet.

Bewertung vom 06.11.2025
Friederich, Marcel

Mutmacher-Menschen


ausgezeichnet

Das Buch »Mutmacher-Menschen« ist eine Hommage an all jene, die uns zeigen, was echter Mut bedeutet. Menschen, die trotz Krankheit, Schicksalsschlägen oder Einschränkungen niemals aufgeben. Sie erzählen von Schmerz und Tragik, aber noch viel mehr von Hoffnung, Lebensfreude und Stärke.
Der Sportjournalist und Autor Marcel Friederich hat ihnen eine Stimme gegeben – ehrlich, empathisch und voller Zuversicht. Er selbst ist ein besonderer Mann: Überaus freundlich, bescheiden und voller herzlicher Wärme.
Und genau so geht er die Gespräche mit seinen Interviewpartner*innen an – ehrlich, echt und mutig. Denn Mut braucht man, wenn man auf Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen trifft, die geprägt sind von Herausforderungen wie Krankheit, Behinderung oder Schicksalsschlägen.

Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, dass dieses Buch – obwohl es keine leichte Lektüre ist – so kurzweilig, unterhaltsam und voller positiver Energie steckt.

Dieses Buch macht eines deutlich: Mut ist ansteckend – und manchmal genügt schon eine einzige Geschichte, um neue Hoffnung zu schöpfen.

Bewertung vom 10.10.2025
Schuler, Günter

Der EXIT-Komplex


ausgezeichnet

Deutschland in naher Zukunft: Das staatliche EXIT-Programm sieht vor, Menschen, die als „nicht mehr tragbar“ gelten, mithilfe eines Einfrierverfahren für ein paar Jahre aus dem gesellschaftlichen Leben zu nehmen, um zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert zu werden. Zwei Betroffene glauben nicht an die Versprechungen der Regierung und fliehen nach Paris, doch das System reicht weiter als gedacht. So stecken sie fest in einem Geflecht aus politischer Überwachung, menschlichen Abgründen und dem Kampf um ein Leben in Würde.

Günter Schuler erzählt klar und schnörkellos – und genau das macht die Wirkung so stark. Seine Figuren sind keine Held*innen im klassischen Sinne, sondern Menschen in moralischen Grenzsituationen mit Brüchen, Zweifeln und Mut. Besonders beeindruckt hat mich, wie die persönliche Geschichte der Protagonisten mit großen gesellschaftlichen Fragen verwoben wird, und die zentralen Fragen stehen im Raum: Wie weit ist ein Mensch bereit zu gehen, um seine Freiheit zu bewahren und wie weit geht ein Staat, um seine Ordnung zu sichern?

Eigentlich nicht mein typisches Genre, aber ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Zwischen Flucht, Verrat und der Frage nach Menschlichkeit entfaltet sich eine packende Geschichte, die lange nachwirkt.
Der Autor verfasste einen Thriller, der nicht nur spannend, sondern auch klug und vielschichtig ist. Mit einer Story, die unter die Haut geht, weil sie gesellschaftlich relevant und erschreckend nah an der politischen Realität ist (zum Glück gibt es die EXIT-Technik nicht wirklich).

Ein intelligenter Thriller, der gesellschaftliche Fragen aufwirft, Spannung bietet und noch lange nachhallt. Unbedingt lesenswert für alle, die mehr als nur Action erwarten.

Bewertung vom 11.09.2025
Conin, Mac

Nirgendwann (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Mac Conin erzählt seinen Roman in einer schnörkellosen und direkten Sprache, die genau das trifft, was seine Hauptfigur Jo ausmacht: Eine junge Frau, die einst voller Träume war, nun gegen die Gegebenheiten rebelliert.
Die Figuren sind lebensnah und vielschichtig gestaltet. Jo wirkt weder überzeichnet noch idealisiert. Sie ist wütend, erschöpft, aber auch zäh und kämpferisch. Die Nebenfiguren, allen voran Carlo und Hänsel, sind keine bloßen Nebencharaktere, sondern bringen ihre eigene Biografie, Schwächen und Stärken mit. Dem Autor gelang es, aktuelle Themen wie soziale Isolation, den stetigen Wandel der Städtestruktur, Armut, Chancenlosigkeit, Gewalt und Unterdrückung oder emotionale Unbeholfenheit in die Geschichten einzuflechten, ganz nebenbei und ohne überbordendes Pathos.
Ein Roman für alle, die keine perfekten Held*innen brauchen – sondern Figuren, die mit dem Leben ringen, stolpern und trotzdem weitermachen.
Was wie ein Sozialdrama klingt, ist in Wahrheit viel mehr: leise, bitter, ehrlich und gespickt mit trockenem Humor. Definitiv kein Liebesroman, aber ein Buch, das einen gesellschaftskritischen Blick wagt. Eben ein Buch für alle, die beim Lesen mehr wollen als einfache Geschichten.

Bewertung vom 03.09.2025
Fischer Schulthess, Andrea

Noch fünf Tage


ausgezeichnet

Was passiert, wenn jemand fest entschlossen ist, das eigene Leben zu beenden – und dann alles anders kommt?

Amanda. Ehefrau, Mutter eines volljährigen Sohnes und ewige Außenseiterin, plant ihren Abschied vom Leben. Noch fünf Tage.
Doch das Leben spielt nach seinen eigenen Regeln: Da wären der Sohn, der für eine ordentliche Überraschung sorgt, oder der Großvater, der nicht nur Pflege braucht, sondern alte Wunden aufreißt und mit düsteren Familiengeheimnissen im Gepäck reist.
Die Familie wirbelt Amandas sorgfältige Pläne mächtig durcheinander: Jeder neue Tag bringt neue Enthüllungen, die tief in die Vergangenheit führen und das Fundament ihrer Existenz ins Wanken bringen.

Der Roman gestaltet sich zu Beginn wie ein schwermütiges Kammerspiel. Die Autorin hat ihre Geschichte in drei Teile gegliedert, und in jedem nimmt man teil am herausfordernden Leben von Amanda. Zusätzlich darf der Lesende zurückblicken ins Leben der Großmutter Hermine mit ihrem Mann Alois und lernt deren Tochter Joséphine, Amandas Mutter besser kennen. Man versteht schnell, was hier wirklich gespielt wird, und darf Amanda bei ihrem Straucheln durchs eigene Leben begleiten.

Was leise und melancholisch beginnt, entfaltet sich zu einem intensiven Psychokrimi über Schuld, familiäres Schweigen und Selbstbestimmung. Kraftvoll erzählt, unangepasst und eine emotional beklemmende Story, die einen nicht so schnell wieder loslässt.

Bewertung vom 27.07.2025
Haese, Ute

Muss ja oder Quo vadis, Boomer?


sehr gut

Bernhard Biller ist ein Gewohnheitstier und frischgebackener Rentner. Er ist ordentlich, verlässlich und überzeugter Vertreter des „Muss ja“-Lebensstils. Sein Tagesablauf war über Jahrzehnte klar getaktet – bis seine Wirklichkeit vorm Kühlregal ordentlich ins Wanken gerät.
Der Roman von Ute Haese ist ein humorvoller, feinsinniger Roman über den Start in den Ruhestand – mit all seinen Überraschungen, Absurditäten und stillen Umbrüchen.

»Kaum drei Wochen im Ruhestand – und eine kleine Begegnung im Supermarkt genügt, um mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen.«

Ute Haese zeichnet in »Muss ja oder Quo vadis, Boomer?« nicht nur das liebevoll-satirische Porträt eines Mannes, der mit den plötzlich auf ihn einprasselnden Veränderungen hadert, sondern die Geschichte öffnet ganz unaufgeregt den Blick für das, was oft unausgesprochen bleibt.
Mit feinem Humor und scharfer Beobachtungsgabe beleuchtet Haese das Älterwerden aus verschiedenen Perspektiven – und stellt ihm klug die Fragen und Haltungen der jüngeren Generation gegenüber. Dabei schreckt sie nicht davor zurück, auch gesellschaftskritische Töne anzuschlagen: etwa in Bezug auf generationsübergreifende Vorurteile oder die verbreitete Angst vor dem »Fremden«.
Die Autorin versteht es, mit sprachlichem Feingefühl und beobachtender Genauigkeit zu schreiben, ohne ihre Figuren bloßzustellen und nicht zu sehr in Klischees abzurutschen.
Bernhards Entwicklung ist nicht rasant, aber glaubwürdig – und gerade das macht den Roman so menschlich. Zwischen skurrilen Momenten, kleinen Dialogperlen und großen Lebensfragen findet man viel Stoff zum Schmunzeln und Nachdenken. Und auch wer sich selbst noch weit vom Ruhestand entfernt sieht, kann sich vielleicht in so mancher Szene wiedererkennen.

Bewertung vom 30.06.2025
Morton-Thomas, Sophie

Das Nest


ausgezeichnet

In einem windumtosten Küstenort im Osten Englands führt Fran mit ihrer Familie ein zurückgezogenes Leben. Gelebte Gleichförmigkeit par excellence – geprägt von der rauen See, der Arbeit auf dem Campingplatz, ihrer Leidenschaft für die Vogelbeobachtung. Frans Radius ist klein: der Platz, den sie verwaltet, ihr Alltag mit ihrem Mann Dom und dem gemeinsamen Sohn Bruno, die einsamen Spaziergänge am Strand.
Doch als eine Gruppe Roma in der Nähe ihr Lager aufschlägt und Brunos neue Lehrerin spurlos verschwindet, gerät die fragile Ordnung ihres Lebens ins Wanken. Gerüchte und Verdächtigungen machen die Runde, alte familiäre Spannungen brechen auf – und als die Lehrerin schließlich tot aufgefunden wird, droht alles vollends auseinanderzubrechen. Fran wird gezwungen, sich einer Vergangenheit zu stellen, die sie längst hinter sich glaubte.

Das Buch ist ein bemerkenswerter Krimi – so anders, als man es aus der gängigen Kriminalliteratur kennt. In Sophie Morton-Thomas’ »Das Nest« liegt die Spannung nicht in der Tat selbst, sondern in dem, was unausgesprochen bleibt.
Die Geschichte beginnt mit einer leisen Spannung und entfaltet sich kontinuierlich – geprägt von einem dunklen Unterton – zu einem überraschenden Familiendrama. Mit ihrem zurückhaltenden Erzählstil vermag die Autorin einem scheinbar gewöhnlichen Familienleben eine dunkle, fast unmerkliche Aura zu verleihen. In jedem Satz schwingt ein sachter, bedrohlicher Unterton mit – eine subtile Unruhe, die sich wie ein Schleier über die Handlung legt. Dabei sind die Figuren fein akzentuiert gezeichnet und lassen dennoch den Raum für die eigene Phantasie.

Die Autorin spielt virtuos mit den Vorurteilen, führt die Lesenden auf falsche Fährten und schafft mit ihrer zurückgenommenen Erzählweise eine ruhige, eindringliche und atmosphärische Geschichte. Besonders fasziniert hat mich das Ende – keine der Wendungen habe ich vorhergesehen. Das passiert nicht oft.
»Das Nest« von Sophie Morton-Thomas ist ein außergewöhnlicher Kriminalroman – erfrischend anders als vieles, was man aus der gängigen Kriminalliteratur kennt.