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Bewertungen

Insgesamt 24 Bewertungen
Bewertung vom 06.11.2017
Das Haus zur besonderen Verwendung
Boyne, John

Das Haus zur besonderen Verwendung


ausgezeichnet

Anastasia Romanow nicht erschossen, sondern unbemerkt entkommen und nicht erschossen worden wäre?
...
John Boyne ist einer der mit Abstand begnadesten Schriftsteller unserer Zeiten und Fritz Schneider ist ein sehr guter Übersetzer (abgesehen von minimalen Dingen, wie dass Mr Tweed im Deutschen das Wort "Job" nicht gebraucht hätte).

Der Roman hat mich ein ganzes Wochenende gefesselt. Die Figuren sind lebendig und tiefgründig, das Russland der Zarenzeit wird plastisch und man wandelt durch den Winterpalast, durch Kaschin, nach Jekatarienburg, durch Paris und London.
Dass sich die Zeitebenen scheinbar nahtlos ineinander verweben, liegt daran, wie lebensecht Boyne Soja und Grigori entwirft. Man kennt sie, und ist nicht überrascht, dass es in der Mitte des Romans "Klick" macht und man 1 und 1 zusammenzählen kann. Nein, man ist nicht überrascht - man ist erleichtert.
Boyne ist ein Meister des Erzählens, der es vermag, mit Nebensätzen eine bodenlose Tiefe aufzutun; mit knappen Sätzen Bomben explodieren zu lassen, ohne den Verlauf der Geschichte anzuhalten; genau, wie es im richtigen Leben der Fall wäre.
Das einzige, was ich schade finde, war, dass die beiden bei dem heimlichen Besuch in St Petersburg im Jahr 1981 kein Schock erleiden, als sie den Winterpalast sehen. Er wurde nämlich erst 1987 renoviert und befand sich davor in erbärmlichem Zustand.
Alles in allem ist "Das Haus ..." ein unvergesslicher Roman.

Bewertung vom 24.10.2017
Das Café der vergessenen Träume (eBook, ePUB)
Benn, Annabelle

Das Café der vergessenen Träume (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die Geschichte der drei Freundinnen, dem Café, den Autoren und dem Mut, zu Vergeben und sich wieer auf die Liebe einzulassen, hat mich von anfang bis Ende gefesselt. Alles ist wunderbar anschaulich beschrieben, sodass man sich gut hineinträumen kann. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 24.10.2017
Wer ist B. Traven?
Seifert, Torsten

Wer ist B. Traven?


ausgezeichnet

Um ehrlich zu sein, hatte ich bis zur Lektüre keine Ahnung, dass es einen B. Traven gab. Ich habe das Rezensionsexemplar von Netgalley angefragt und möchte mich für die spannende, einsichtsreiche Unterhaltung bedanken.
Der Roman spielt in Hollywood und Mexiko im Jahr 1940, allein das ist schon ein toller Rahmen.
Der Journalist Roman Borenstein ist der schnellste seiner Art; ihm entgeht keine gute Story und wohl deswegen wird er von seinem Chef auf die Spuren des mysteriösen Schriftstellers B. Traven mit deutschen Wurzeln gehetzt. Der Journalist übernimmt die Funktion eines Ermittlers, er ist clever und oft gerissen, zeigt aber auch wunde Punkte, wie seine jüdische Abstammung aufgrund derer er aus Deutschland flüchten musste.
Grandios fand ich den Wechsel zwischen spannungsgeladenen Szenen, in denen sich die Ereignisse überschlagen, und dann Momente, in denen die Zeit steht, man das Leben genießt, Zeit zum Sinnieren findet. Ob, bzw. dass, die Antwort auf das Rästel stimmt, weiß ich nicht, es spielt aber auch keine Rolle.
Ich will nicht zu viel verraten, nur soviel: Das ist ein besonderer Roman, den ich jedem wärmstens ans Herz legen möchte.

Bewertung vom 02.10.2017
Die Schlange von Essex
Perry, Sarah

Die Schlange von Essex


gut

Ich hatte mich sehr gefreut, dieses Buch über Netgalley zur Rezension zur Verfügung gestellt zu bekommen, da ich es letzten Winter schon in Waterstones in London bewundert hatte.
Dann jedoch wurde ich sehr enttäuscht, denn es fiel mir sehr schwer, in die Geschichte hineinzufinden.
Die Autorin springt von einem Schauplatz und einer Figur zur nächsten, man kommt gar nicht mit, blättert zurück, liest noch einmal und ärgert sich.
Leider verfährt sie mit den vielen Themen, die sie bewältigen will, ähnlich. Dabei ist die Umbruchzeit des Viktorianismus sehr spannend - Die Wissenschaft verdrängt den Glauben, Ästhetik spielt eine große Rolle, viele zweifeln am Fortschritt. Dann kommt noch Liebe und Emanzipation dazu und und und - aber fast nichts wird richtig ausgearbeitet und die Schlange, bzw. deren Symbolik, die seit der Bibel ja als Verführung zum Bösen hin gilt, wird nicht richtig aufgelöst.

Bewertung vom 29.09.2017
Segen - Die heilende Kraft
Grün, Anselm; Assländer, Friedrich

Segen - Die heilende Kraft


ausgezeichnet

Es ist wahrlich ein Segen, dass es Anselm Grün gibt.
Wie zahlreiche andere Bücher, die der Mönch bereits verfasst und veröffentlicht hat, ist jeder Satz dieses Buches etwas, worüber man lange nachdenken kann und was das eigene Leben bereichert.
"Segen" ist kein Buch, das man schnell mal eben durch liegt, sonder peu à peu, häppchenweise, um darüber nachzudenken.
Die angebotenen Meditations- Segens und andere Übungen tragen dazu bei.
Es ist beinahe umöglich, den Inhalt wiederzugeben. Es geht um Segen, sein Wirken und wie man bewusster lebt, wie man gesund (heil) wird, indem man bewusst um Segen bittet, Segen spendet.
Ein wunderschönes Buch, für das ich mich beim Verlag vielmals bedanken möchte.

Bewertung vom 10.04.2017
Die Geschichte der Einsamkeit
Boyne, John

Die Geschichte der Einsamkeit


ausgezeichnet

Es passiert selten, dass ich ein Buch nicht mehr aus der Hand legen kann und die Nacht durchlese. "Die Geschichte der Einsamkeit" ist so ein seltenes Buch.
Von der ersten Seite an zieht es den Leser in seinen Bann, verstrickt in tiefer in das unheilvolle Geflecht aus Wissen und Nicht-Wahrhaben wollen. meisterhaft passt die auf der Oberfläche klare, eindeutige Sprache dazu, die doch so viele Lücken lässt, die der Leser zwar füllt, es aber genau so wenig möchte wie Pater Odran. Bis zu den letzten Kapitel möchte man zumindest an seine Unschuld glauben und muss sich doch eingestehen, dass auch er nicht ohne Schuld ist.
Neben dem Figurenentwurf, der Sprache und dem Aufbau, glänzt das Buch durch die Thematisierung der Schuld, dass es keine Schuldlosigkeit gibt, sobald man von einem Verbrechen oder schädlichen Treiben weiß und nicht alles daran setzt, diesem ein Ende zu bereiten. Auch unter in Kaufnahme eigener Nachteile. In diesem Sinne, und das kommmt möglicherweise zu kurz, tragen auch die Frauen, die Haushälterin in Wexford, die Mütter etc., eine Teilschuld.