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Benutzername: Jutta
Wohnort: Katzelsdorf
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Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 5 Bewertungen
Bewertung vom 06.02.2021
Grenzfall - Der Tod in ihren Augen / Jahn und Krammer ermitteln Bd.1
Schneider, Anna

Grenzfall - Der Tod in ihren Augen / Jahn und Krammer ermitteln Bd.1


sehr gut

Dieser Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe mit dem gegensätzlichen Ermittler-Duo Alexa Jahn und Bernhard Krammer ist absolut gelungen und macht Lust auf mehr.

Alexa Jahn hat an ihrem neuen Dienstort mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Kaum angekommen, wird ihr schon die Leitung eines Mordfalles übertragen, der es in sich hat und voller überraschender Wendungen ist.
Ein herrenloser Rucksack scheint zu einem Vermisstenfall zu werden, wäre da nicht die zerstückelte Frauenleiche, die in einer Bergwand hängt. Die unterschiedlichen Auffindungsorte der Leichenteile erfordern die grenzübergreifende Zusammenarbeit der österreichischen und deutschen Ermittler. Alexa, jung, motiviert und ehrgeizig, muss sich mit Bernhard, ein erfahrener, aber desillusionierter Kriminalist, arrangieren.
Gegensätzlicher könnten die beiden nicht sein, und so kommt es immer wieder zu Reibereien und kleinen Machtkämpfen.

Aber nicht nur der Fall fordert Alexa. So muss sie sich auch auf ihrer neuen Dienststelle behaupten und gegen die Vorurteile ankämpfen, als Frau eine Führungsposition inne zu haben.
Nebenbei fühlt sich ihr Kollege Florian übergangen, und so hat sie auch hier ihre Stellung zu behaupten.

Die Geschichte beginnt mit einem fulminanten Prolog, der einem den Atem anhalten lässt.
Mit einem etwas ruhigerem Tempo geht es dann weiter, was aber der Spannung keinen Abbruch tut.
Die Perspektiven wechseln in jedem Kapitel und so erhält man Einblick in die einzelnen Charaktere und deren Leben.
Die bildreiche Sprache vermitteln das Gefühl, die Schauplätze und die Figuren zu kennen. Es ist ein Vergnügen, die Entwicklung der Figuren zu verfolgen und immer wieder neue Züge zu entdecken.
Daneben kommt die Handlung aber nicht zu kurz. Ungeahnte Wendungen, unverhoffte Schwierigkeiten und immer wieder eingestreute Hinweise machen es leicht, mitzurätseln und selbst in die Ermittlerrolle zu schlüpfen.

Die kurzen, eingestreuten Einschübe aus Tätersicht schaffen es, einem den Atem zu rauben.
Und dieser Wechsel aus Tempo und Ruhe machen dieses Buch aus.

Die Charaktere sind sympathisch, könnten aber unterschiedlicher nicht sein.

Ein gelungener Auftakt zu einer Reihe, von der ich mir noch viel verspreche.
Unterhaltsam, spannend, voller überraschender Wendungen in einer detailreichen, bildhaften Sprache. Ein schönes Lesevergnügen!

Bewertung vom 21.01.2021
Das Verschwinden der Erde
Phillips, Julia

Das Verschwinden der Erde


gut

Julia Phillips hat sich mit ihrem Debütroman viel vorgenommen. Einiges konnte sie umsetzen, einiges leider gar nicht.
„Das Verschwinden der Erde“ ist ein literarisch netter, sozialkritischer Roman, aber kein Thriller, wie ich ihn laut Ankündigung erwartet hätte. Sehr schade.

In Petropawlowsk, der Hauptstadt Kamtschatkas, verschwinden in den Sommerferien zwei kleine Schwestern, Alonja und Sofija.
Der einzigen Augenzeugin wird kein Glauben geschenkt, nach dem Mann in dunklen Auto wird nicht gefahndet, und so geht das Leben nach missglückten Suchaktionen nach den Schwestern weiter.
Schon einige Zeit davor verschwand Lilja, ein bereits 18-jähriges, junges Mädchen. Die Polizei ging aber von keinem Verbrechen aus und hat den Fall nicht weiter verfolgt.

Die einzelnen Episoden, von August bis zum Juli nächsten Jahres, stellen jeweils eine weibliche Figur in den Mittelpunkt, die mittelbar und manchmal sogar auch unmittelbar, mit den beiden Mädchen in Verbindung stand. Diese Erkenntnis stellt sich aber oft erst sehr spät ein.

Die einzelnen Kapitel erscheinen zu Beginn oft zusammenhanglos, doch mit der Zeit ergibt sich doch ein Kontext zu Vorangegangenem. Verwirrend sind dabei oft die exotischen, manchmal sehr ähnlich klingenden Namen. Hilfreich ist die,den Episoden vorangestellte, Auflistung der Protagonisten. Ohne dieser wäre es für mich sehr schwierig gewesen.
In den Betrachtungen der Frauenschicksale geht es um falsche Entscheidungen, Trostlosigkeit, unerfüllte Träume und nicht ergriffene Möglichkeiten. Die Autorin versteht es, das Lokalkolorit gut zu zeichnen, die Stimmung mit Worten zu malen, das Leben in Kamtschatka zu beleuchten.
Doch auch die nach wie vor bestehende Benachteiligung der Ureinwohner wird thematisiert, einhergehend mit Beschreibungen der aufrechterhaltenen Traditionen, Hoffnung und Zusammenhalt.

Wer einen literarischen, kraftvollen Roman sucht, der eine eher unbekannte Region beleuchtet, ist mit diesem Buch gut bedient. Thriller ist es sicher keiner.
Anfang und Ende sind zwar durch Spannung geprägt, doch die Auflösung fehlt.
Leider ist dies für einen Thriller zu wenig.

Die klare, ruhige Sprache der Autorin hat mir sehr gut gefallen, die einzeln gewobenen Stränge sind oft lange undurchschaubar, einzelne Episoden zu langatmig und ermüdend.
Der Roman hat aber durchaus seine Stärken.

Was bleibt? Tristesse, Trostlosigkeit und Melancholie.

Ich vergebe 3 Sterne.

Bewertung vom 26.07.2020
Der letzte Satz
Seethaler, Robert

Der letzte Satz


ausgezeichnet

Ein neuer, wunderbarer und wie gewohnt beeindruckender Roman von Robert Seethaler, der in deutlicher, anschaulicher und oft melancholischer Sprache den letzten Satz aus Gustav Mahlers Leben beschreibt.
Gustav Mahler tritt seine letzte Reise über den Ozean an, schwer krank, vom Leben gezeichnet und gefangen in seinen Erinnerungen.
An Deck verliert es sich in Reflexionen über sein Leben: seine Liebe zu seiner wunderschönen, mittlerweile untreuen, aber ihm trotz allem bis zum Tod treu zur Seite stehenden Frau Alma, seine Töchter, eine leider viel zu früh verstorben, seine unzähligen Konzertreisen, Erfolge aber auch Misserfolge.
Mahler wirkt anfangs verbittert und trostlos, erkennt jedoch, dass er auf viele wunderbare und schöne Begebenheiten in seinem Leben zurückblicken kann.

Die Sprache Seethalers ist wie eine Kompostion: harmonisch, fließend und doch oft tragisch, dabei glasklar und meist ohne Schnörkel und Verzierungen.
Schon das Cover hat mich gefesselt, es zeigt deutlich die Einsamkeit und Tristess Mahlers und seine Aussichtslosigkeit.
Der Titel bezieht sich für mich sehr treffend auf seine Situation im Leben und in der Musik, er könnte nicht besser gewählt sein.

Das Buch war für mich leider viel zu schnell vorbei, gerne hätte ich noch mehr über Mahler, sein Leben, seine Ansichten und Erinnerungen sowie seine Musik erfahren. Ich konnte mich so richtig in der Stimmung und den Situationen verlieren.

Hiermit vergebe ich glatte 5 Sterne für dieses wunderbare Werk.

Bewertung vom 03.06.2020
DUNKEL / HULDA Trilogie Bd.1
Jonasson, Ragnar

DUNKEL / HULDA Trilogie Bd.1


ausgezeichnet

Die isländische Kommissarin Hulda steht im letzten Jahr vor der Pensionierung. Als ihr Vorgesetzter sie zu sich beordert und sie mit sofortiger Wirkung zugunsten eines jungen, aufstrebenden Kollegen freistellen möchte, fällt sie aus allen Wolken. Sie kann aber noch einen letzten Fall für sich aushandeln und wählt den Fall der jungen Russin Elena, die ein Jahr zuvor in einer einsamen Bucht tot aufgefunden wurde.
Hulda lässt sich durch nichts und niemanden davon abhalten, diesen Fall noch einmal aufzurollen, auch wenn sie sich dadurch selbst in große Gefahr begibt.

Meine Meinung:
Hulda ist eine einsame, verbitterte Kommissarin, die es in der männerdominierten Berufswelt nicht leicht hat. Sie fühlt sich übergangen und nicht ernst genommen und hat es schwer, sich zu behaupten.
Hulda wirkt oft trostlos, beinahe deprimiert, aber nach und nach wird klar, woraus diese Gefühle resultieren und wieso sie in gewissen Situationen auf den ersten Blick rätselhaft agiert.
Die Kommissarin ist mir überaus sympathisch und ich habe manchmal das Gefühl, sie schon lange zu kennen.

Mit Magnus hat Hulda einen Vorgesetzten, der scheinbar herablassend und ungerecht agiert. Doch die Kommissarin weiß sich ihm gegenüber zu behaupten. Und wenn es wirklich darauf ankommt, weiß er doch, was er an Hulda hat.

Petur, ein Bekannter Huldas, wirkt manchmal suspekt und auch schroff. Manchmal fragt man sich, ob sein Interesse an Hulda echt ist oder ob er vielleicht auch andere Ziele verfolgt?

Ragnar Jónasson hat diesen Thriller sehr interessant gestaltet.
Ab dem ersten Satz war ich mitten im Geschehen. Alle Personen, Schauplätze und Situationen werden bildlich wunderbar beschrieben und man sieht alles deutlich vor sich.
Das Tempo wird durch die 3 Handlungsstränge und die meist kurzen Kapitel immer flotter und rasanter.
Spannend ist auch, dass man nur bei einem Handlungsstrang von Beginn an weiß, worum es geht. Die beiden anderen Stränge erscheinen lange rätselhaft und lassen der eigenen Phantasie Raum für Spekulationen.
Es ist nicht unbedingt der Fall der toten Asylbewerberin Elena, der hier im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Aufarbeitung vieler gesellschaftspolitisch relevanter Themen im Zusammenhang mit Huldas Vergangenheit.

Die vielen überraschenden Wendungen, die die Handlung nimmt, machen das Buch zu einem gelungenen Thriller. Das überraschende Ende vervollständigt diesen Eindruck noch.
Nachdem dieses Buch den 1. Band einer Trilogie darstellt, steht für mich außer Frage, unbedingt auch die nachfolgenden Teile, die vor diesem spielen, zu lesen.

Fazit:
Das Buch hält, was schon das eindrucksvolle Cover verspricht.
Dunkel, voller überraschender Wendungen, ist dieser Thriller für all jene, die isländische, oft düstere, ruhige aber doch spannende Krimis mit Gänsehautfaktor mögen, genau das Richtige.
Ich war begeistert!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.04.2020
Mord in Barcelona / Comissari Soler Bd.1
Esteban, Isabella

Mord in Barcelona / Comissari Soler Bd.1


sehr gut

Die perfekte Urlaubslektüre

Auf dem historischen Friedhof Montjuïc in Barcelona wird die Leiche einer deutschen Unternehmerin gefunden. Der Kommissar Jaume Soler und seine Kollegen finden anfangs nicht viele Anhaltspunkte und tappen völlig im Dunkeln. Jaumes resolute Schwester Montse und seine überfürsorgliche Mutter mischen sich daraufhin in die Ermittlungen ein, weil sie das Mordopfer flüchtig kannten.
Montses Interesse an Bastian ist jedoch nicht nur kriminalistischer Natur, was sie noch einige Male in Gefahr bringen wird. Bastian verschweigt einiges, und dies führt zu einigen Problemen, nicht nur mit der Polizei.
Nach und nach führen die Spuren in die Vergangenheit, und diese sind nicht immer gleich zu entwirren. Die Vergangenheit ruht nicht.............und sie läßt sich nicht verleugnen.
Meine Meinung:
„Mord in Barcelona“ ist die perfekte Urlaubslektüre. Das Cover zeigt eine wunderschöne, perfekte Urlaubsidylle, in die man sofort gerne eintauchen möchte. Doch der Schein trügt.
Gespickt mit anschaulichen Beschreibungen des malerischen Barcelonas wird die Geschichte rund um die Ermordung einer deutschen Urlauberin erzählt.
Diese Figur wirft zu Beginn einige Fragen auf, doch mit der Zeit kristallisiert sich ein genaueres Bild der Toten heraus.

Der sympathische Comissari Jaume entwickelt sich von einem schweigsamen, stillen Ermittler zu einem scharfsinnigen, gut beobachtenden Kommissar, der zu guter Letzt die richtigen Rückschlüsse zieht. Jaume ist ein bescheidener, schweigsamer und überlegter Charakter, der ruhig und besonnen agiert. Mit einer Ausnahme: wenn er Auto fährt.

Seine Schwester Montse ist da etwas anders. Resolut, vorlaut und sich keinen Regeln unterwerfend begibt sie sich nicht nur einmal in Gefahr. Doch auch sie hat einige Fragen mit der Vergangenheit offen. Ihre laute und oft rücksichtslos scheinende Art machen sie für mich nicht unbedingt anziehend. Doch wünscht man ihr doch privates Glück, was ihr anscheinend bis jetzt versagt geblieben ist.

Jaumes Mutter Ignacia hält immer noch ihre „strenge“ Hand über ihre beiden erwachsenen Kinder. Ob sie diese jemals erwachsen werden läßt?

Der Sohn des Mordopfers, Bastian, entwickelt sich im Laufe der Geschichte von einem Angehörigen zu einem Verdächtigen.
Er ist für mich Widerspruch in sich: unehrlich, provokant, dann wieder trieft er von Selbstmitleid, im nächsten Moment ist er aggressiv und unberechenbar. Doch auch er ist nur Produkt seiner Vergangenheit und seiner offenen Fragen, die er an das Leben hat.

Ana, zu Beginn eine Randfigur, die viele Fragen aufwirft, wird im Laufe der Geschichte eine überaus wichtige Erscheinung, die man gar nicht für möglich gehalten hätte.

Isabella Esteban hat hier eine schöne Urlaubslektüre aufgelegt, die als Mischung von Reiseführer und Krimi durchgehen könnte.
Gespickt mit anschaulichen und malerischen Beschreibungen der engen Gassen, schönen Plätze und pittoresken Schauplätze Barcelonas ist dieser Krimi, der ganz ohne Brutalität oder Gewalt auskommt, gut lesbar.
Die Protagonisten sind durchwegs auf ihre Art sympathisch und könnten unterschiedlicher nicht sein.
Die einzelnen Kapitel sind mit Charakter, Datum und Uhrzeit betitelt, was anfangs etwas verwirrend scheinen mag. Doch schon nach einigen Kapiteln fällt es leicht, die einzelnen Handlungsstränge zu verfolgen. Durch diese Schreibart wird die Spannung gut aufgebaut und gehalten und die Lust weiterzulesen gesteigert.
Das Buch beginnt leicht und locker, doch zur Mitte des Buches nimmt die Handlung an Spannung und Tempo deutlich zu. Ab dann wollte ich das Buch nicht mehr weglegen. Denn die immer wieder neuen Wendungen, die die Geschichte nimmt, haben doch immer wieder neue Fragen für mich aufgeworfen.