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Benutzername: Loreley
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Danksagungen: 30 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 10 Bewertungen
Bewertung vom 05.06.2018
Trutz
Hein, Christoph

Trutz


ausgezeichnet

Ein Meisterwerk.

Sehr unterhaltsam und leicht lesbar, dabei überaus kenntnisreich schildert Christoph Hein deutsche (und russische) Geschichte von unten, als Familien- und Freundschaftsgeschichte. Sein Ton ist geadezu westernhaft lakonisch, was die Bitterkeit der Schicksale ganz besonders unterstreicht. Der Leser erfährt hautnah, wie es sich für den rechtschaffenen Normalbürger anfühlt, wenn Kriminelle an der Macht sind, die mittels irgend eines perfiden Glaubens (ganz gleich ob links oder rechts oder sonstwie bigott) andere gnadenlos terrorisieren. Hört diese Geschichte jemals auf? fragt sich der Leser am Ende. Hein lässt es offen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.07.2017
Aus hartem Holz
Proulx, Annie

Aus hartem Holz


ausgezeichnet

Ein Meisterwerk.

Über Jahrhunderte und Generationen hinweg erzählt Annie Proulx die Geschichte der Zerstörung der Urwälder der Welt als Migrationsgeschichte des Menschen.
Dabei gibt es keine nur Guten und keine nur Bösen, die Menschen dieser Geschichte handeln nachvollziehbar auf der Basis der jeweiligen, ihnen eigenen Kultur und deren (wandelbare) Sicht auf die Welt. So mäandert die Erzählung von Europa nach Nordamerika, von dort nach China, nach Neuseeland und nach Südamerika; es ist ein gigantisches Epos des Waldes (und des Menschen), aus dem sich viel lernen läßt. Dennoch ist es alles andere als ein trockenes Lehrbuch, man folgt der Geschichte mit großem Vergnügen, da Proulx Individuen und Ereignisse mit hintergründigem Humor detailreich schildert und gerade eben liebgewonnene Personen immer wieder auf erschreckende Weise (wie im wirklichen Leben!) umkommen läßt.
Und vor allem: Proulx wertet nicht, sie lamentiert nicht, sie erzählt.
Mit einem offenen Ende: dem Heute.

5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.04.2017
Die Getriebenen
Alexander, Robin

Die Getriebenen


ausgezeichnet

Sehr empfehlenswertes Buch.

Gründlich recherchiert, sachlich vorgetragen, klug analysiert, leicht lesbar geschrieben.

Fazit: Nach der Lektüre ist der Leser klüger - eine Seltenheit in der Fake-News-Ära.

6 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.04.2017
Inside Islam
Schreiber, Constantin

Inside Islam


ausgezeichnet

Sehr empfehlenswertes Buch, ein Beispiel für richtig guten Journalismus, wie er leider selten geworden ist.

C. Schreiber dokumentiert ausführlich einige Predigten, die er freitags in verschiedenen Moscheen angehört hat. Dabei hält er sich mit Wertungen zurück, äußert aber auch seine Meinung. Die Ernsthaftigkeit, Besonnenheit und Aufrichtigkeit, mit der er das tut, sind beeindruckend. Ich selbst habe nicht immer seine Meinung geteilt, z.B. mußte ich während einer Predigt laut lachen, weil sie mir vorkam wie ein wirres Märchen aus 1001 Nacht, während C. Schreiber resp. der von ihm befragte Experte sie als "schwer verständlich", wertkonservativ und radikal einstufte.
Fazit: Dieses Buch ist eine Kostbarkeit, denn es ermöglicht es dem Leser, sich sein eigenes Urteil zu bilden.

20 von 20 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.06.2011
Wofür stehst Du?
Hacke, Axel; Di Lorenzo, Giovanni

Wofür stehst Du?


weniger gut

Egozentriert, nostalgisch an der Vergangenheit klebend, ohne tieferen Nachhall, nicht der Hauch einer kreativen Idee für das Leben von heute und morgen.
Ein schlechtes Buch mehr, das nur wegen der Prominenz der Autoren zum Bestseller geworden ist. In diesem Fall besonders ärgerlich, weil irreführend: die übertriebenen (vor dem ZEIT-Chefredakteur katzbuckelnden?) Lobeshymnen aus Journalistenkreisen.

Insbesondere von Giovanni di Lorenzo wäre mehr zu erwarten gewesen. Es gibt nun wirklich genug Bücher auf dem Markt, in denen sich die Autoren egozentrisch biografisch präsentieren. Und fällt Giovanni di Lorenzo als hehres Ziel in der modernen Gesellschaft tatsächlich nichts Besseres ein als der Kampf gegen die Mafia? Nichts gegen diesen Kampf. Er ist wichtig und bewundernswert. Aber war er das etwa nicht schon zur Zeit unserer Grossväter?

Was sind denn nun die neuen Herausforderungen von heute?

Das Buch leistet zu dieser Frage keinen nennenswerten Beitrag.
Ganz anders dagegen - um nur ein Beispiel zu nennen - das Buch von Walter Kohl: Leben oder gelebt werden. Auch W. Kohl beginnt egozentrisch, kämpft mit Selbstmitleid, dann aber ringt er sehr viel tiefgehender, schonungsloser sich selbst gegenüber und weitreichender um Verarbeitung und um neue Antworten. DAS ist mutig, und das unterscheidet W. Kohl auch ganz gewaltig von den Generationen zuvor .

26 von 28 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.06.2011
Nord

Nord


ausgezeichnet

Klasse!

Eine Parabel über das Leben in der Zivilisation. Wie und warum der moderne Mensch in Depression verfällt und wie und warum er da wieder herauskommt. Auf dem Weg heraus aus der Depression begleitet der Film den Protagonisten Jomar. Die Menschen, denen Jomar unterwegs begegnet, haben das Zeug zur Legendenbildung (sie sind alle sehr eigenwillig), können aber auch als Stationen im Leben eines jeden Menschen gedeutet werden: Jugend - Erwachsenenalter - Alter. An jeder dieser Stationen erhält Jomar Hinweise für sein eigenes Leben, manche kapiert er, manche helfen ihm einfach so weiter, ohne das er sie kapiert. Wie im richtigen Leben eben. Und genauso witzig.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.06.2011
Das Narrenschiff
Porter, Katherine A.

Das Narrenschiff


ausgezeichnet

Ein Meisterwerk.

Packend, klug, witzig, weitsichtig, und K.A. Porter kann richtig gut schreiben.

Die Figuren und ihre Marotten klingen noch lange in einem nach. Besonders die Deutschen, die nicht gerade gut wegkommen. Leider zu Recht.

Und dann dieses dauernde Gezänk des amerikanischen Paares: trifft man dieses Paar nicht ständig auch im heutigen Leben? (K.A.Porter hat den Roman 1941.1962 geschrieben.)

4 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.06.2011
Der Turm
Tellkamp, Uwe

Der Turm


schlecht

Unlesbar wg. verschwurbeltem Germanistenstil. Schade, interessantes Thema verschenkt.

Eigenartig, wofür man in Deutschland Preise erhält.
An die Juries:
Vielleicht nehmen Sie mal Nichtangehörige des Literaturbetriebs (v.a. Nicht-Germanisten bitte) in Ihre Gremien auf? Jede Wette, das würde Ihren Blick erweitern.

An den Autor:
Nichts für ungut. Sie selbst haben beim Schreiben sicher Ihren Spass gehabt. Wollten Sie überhaupt gelesen werden?

20 von 32 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.06.2011
Leben und Schicksal
Grossman, Wassili

Leben und Schicksal


ausgezeichnet

Das beste Buch, das ich je gelesen habe.

Es ist nicht ganz einfach, die vielen Personen mit ihren langen russischen Namen im Auge zu behalten, aber die Mühe lohnt sich. (Es gibt eine Personenübersicht am Anfang.)

Alles, was ein Mensch über das Leben wissen kann, wissen sollte, wissen muss, erfährt man in diesem Buch. Abgesehen davon, dass W. Grossman richtig gut schreiben kann.

Allein diese Stelle:
"Ist das Gute ewig, unveränderlich, oder ist, was gestern gut war, heute schlecht, und was gestern schlecht war, heute gut?"
Hört sich das nicht an wie eine Botschaft an den deutschen Gutmenschen von heute? W. Grossman hat es 1960 geschrieben.
Oder dies:
"Die gedankenlose, private, zufällige Güte ist ewig. ...In der Ohnmacht der gedankenlosen Güte liegt das Geheimnis ihrer Unsterblichkeit. Sie ist unbesiegbar."

Ich liebe dieses Buch.

15 von 15 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.04.2011
Jeder stirbt für sich allein
Fallada, Hans

Jeder stirbt für sich allein


ausgezeichnet

Ein Meisterwerk!
Fallada versetzt sich konsequent in jede seiner Figuren hinein und folgt deren jeweiligen Motiven, Wünschen, Sehnsüchten, Überzeugungen, Handlungen bis zum meist bitteren Ende ... Dadurch entsteht eine Art Sog, der den Leser tief hineinzieht in ein wogendes Dickicht aller möglichen Spielarten zwischenmenschlicher Beziehungen und natürlich in die Spannung der Geschichte (obwohl deren Ausgang ja von Anfang an feststeht). Unfassbar, dass es Fallada möglich war, schon 1946 einen solchen Durchblick durch die Gemengelage der Gesellschaft des 3. Reiches zu haben! Abgesehen davon, dass er richtig gut schreiben kann.

27 von 28 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.